Zitat Zitat von Sylverthas
Kommt drauf an. Wenn ich etwas kritisiere, dann tue ich das aus meiner eigenen subjektive Warte heraus. Ich untermauere den Eindruck mit Argumenten und probiere ihn herleitbar zu machen, aber das ist natürlich alles kein "Beweis". Aber es hilft zu hinterfragen, ob meine Meinung wirklich so robust ist, wenn ich selber keine oder widersprüchliche Argumente dafür finde. Das ist ja der Ansatz der Intersubjektivität in der Medienkritik (der sich ein wenig davon unterscheidet, wie Du das hier benutzt).

Ich mache mir aber nicht vor, dass das viele Leute so machen - die meisten gehen eher nach Feels und ja - wenn ein Spiel bei so vielen Leuten diese erzeugt, wie es Clair Obscur macht, dann schlägt das natürlich ein wie eine Bombe. Wobei ich es auch gerne habe, wenn Leute dann etwas stärker benennen können, wieso sie diese Feels haben, weil es sonst halt schwer nachvollziehbar ist. Hat CrazyL ja z.B. in dem Gerade Durchgespielt Thread gemacht, was die Meinung besser erklärt hat.

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Ich mag das Video sehr. Er artikuliert seine Meinung ziemlich gut, auch wenn ich nicht nur wegen dem, *was* man zeigt, sondern vor allem, *wie* man es zeigt, definitiv zu ner anderen Interpretation komme. Was mich an dem Video aber dann doch stört, dass die Welt fast komplett ignoriert wird. Er erwähnt sie zumindest noch in einem Satz ganz am Ende, aber 95% geht es um die beiden. So verläuft der meiste Diskurs zu dem Spiel. Man kann die Entwickler hier vielleicht loben, dass es ihnen in Akt 3 so gut gelungen ist, den Fokus für viele Spieler komplett zu verschieben und es auf eine Dualität von zwei Schicksalen runterzubrechen.
Erstmal: Stimmt total, ich habe die Intersubjektivität hier praktisch viel zu stumpf vereinfacht bzw. verzerrt ... WELL WELL, die Uni is lange her!

Ich will das aber noch zusammenbringen, u.a. auch mit Kelvens Anmerkung: Ich finde solche Erklärungen natürlich auch total cool, und wenn ich Zeit und Nerven habe, versuche ich mich ja auch gerne daran. ^^ Ich finde aber auch, dass sie in einem solchen Fall praktisch "nur noch" interessante Analyse für akademisch (oder künstlerisch) Interessierte sind; das Wichtige ist gerade, inwiefern das Spiel für viele auch ohne Erklärungen und trotz der Widersprüche funktioniert. Und deshalb habe ich speziell bei einem Spiel wie Clair Obscur auch gar nicht so Bock auf eigenes Analysieren? In einem gewissen Sinne neige ich sonst dazu, den Wald zugunsten der Bäume zu übergehen, und das wäre dem Wald nicht angemessen.
Natürlich kann das auch eine schwierige Perspektive sein kann, nämlich spätestens dann, wenn das Emotionale eventuelle Fragwürdigkeiten überrollt, weirde Ideologien transportiert etc. (Stichwort Triumph des Willens, duh) Aber da fand ich bspw. die Genozid-Interpretationen für Clair Obscur jetzt nicht so wahnsinnig perfide, dass es mich stören würde.

Insofern tl,dr -- Das "Robuste" der Meinung ist sicherlich nett und spannend, aber irgendwo auch drittrangig hinter der emotionalen Reaktion: Hat das Spiel nun gezündet (und wie genau) oder nicht? Und wenn nicht, ist das voll okay.
Soll aber wie gesagt niemanden vom Erklären abhalten! Ich weiß nur, dass es mich bei so einem Spiel weniger kratzt, und ich finde auch, dass wir als aufgeklärte Gesellschaft öfter mal dazu neigen, die emotionale Reaktion zu unterschätzen.