Immer spannend, wenn Leute in diesen Sumpf springen!

Zitat Zitat von MeTa
Es will viel und es macht auch viel. Zu viel, könnte man sagen. Denn ich, für meinen Teil, tue mich schwer damit, Spielcontent links liegen zu lassen, wenn es ihn gibt. Ich will erleben, was das Spiel anbietet – auch wenn es dafür eigentlich stundenlang nicht weitergeht. In Yakuza bin ich dabei nicht nur mit zahlreichen Substories und Minigames beschäftigt. Sondern auch mit Grinding. Mit dem x-tausendsten Besiegen eines Mr. Shakedowns, um genug Kohle zu haben, um zu leveln. Nicht dass leveln nötig wäre. Denn die schwierigsten Kämpfe sind gegen Mr. Shakedown. Für die Hauptstory braucht man überhaupt nicht stark sein – zumindest nicht auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden. Das ganze ist also irgendwie ein Gameplay-Perpetuum-Mobile. Lange Zeit habe ich mir in den Kopf gesetzt, eventuell mehr zu completen – vielleicht sogar alles. Yakuza 0 passt in keine meiner anderen Kategorien, also alle Achievements vielleicht? Das ist natürlich ein absurdes Unterfangen. Auch wenn ich weit gekommen bin, wäre dafür immerhin mindestens noch ein Playthrough nötig und – nein! Ich hatte viel Spaß und viel Frust und wünsche mir fast, ich hätte früher die Entscheidung getroffen, nicht alles (oder fast alles) machen zu wollen. Dann wäre mir dieser Zwangsneurosen-Loop erspart geblieben, der mich anleitet, das eine noch machen zu müssen, was dann wieder mehrere Stunden kostet. Naja…
So als jemand, der inzwischen ... 9? Yakuza-Spiele gespielt hat: Ich denke, man findet über 2, 3 Teile ganz gut zu einem Mittelweg! Die Hauptstory und die "richtigen" Nebenstories sollte man schon machen (wobei ich in zwei, 3 Teilen auch recht minimalistisch unterwegs war), die "Charakter-Minigames" wie die Immobilienmaklerei nur so weit wie nötig oder wie man Bock hat, und die ganzen kleinen Minigames wirklich nur auf Bock hin. Du willst nicht in jedem Hauptteil wieder Mahjong oder Billard spielen ...!
Tatsächlich profitiert die Reihe da imho auch von ihrer Länge, weil man wirklich ein Gefühl für den Umfang und die Möglichkeiten kriegt. Yakuza wird zu Comfort Food im besten Sinne.



Zur Politik kopiere ich mal einen Absatz, den ich im Rahmen von Yakuza 7 (Like a Dragon Review hier!) geschrieben habe:

Zitat Zitat
Yakuza ist seit Teil 1 eine offen und aggressiv politische Reihe ... und wenn man Reviews liest, ist es den Spielenden schon immer schwer gefallen, den Finger auf die Spezifik zu legen. Mich eingeschlossen! Man kann sehr leicht kritische Sachen über die offensichtlicher fragwürdigen Aspekte sagen (Frauen? "JAPAN!1") und findet auch viele nette Analysen zu den positiven Seiten (ein megaspannendes Männerbild!), aber eine vollständige, kohärente Einschätzung fällt zumindest uns hier im Westen nicht ganz einfach. Und ich glaube, bei Like a Dragon hat es für mich persönlich endlich "Klick!" gemacht ...? Wenn mich jemand fragt, würde ich jetzt wohl sagen: Die gesamte Yakuza-Reihe ist im Kern konservativ. Aber es ist auch ein positives und sogar menschenfreundliches Verständnis von Konservatismus! Es geht um gute alte Werte, um die Errungenschaften eines starken, einfachen Mannes und vor allem um die Moral, die all das entscheidet. Die Spiele sind skeptisch gegenüber komplexen Systemen, aber auch skeptisch gegenüber zu großer Macht – zumindest ohne Moral. Es schwingt zwar immer eine starke Nostalgie für die Vergangenheit mit (wir haben jetzt schon ZWEI Haupthelden, die durch den Knast "aus der Zeit gefallen" sind! xD), aber es verschließt sich auch nicht vor der Zukunft und ist letztlich immer auffällig offen für den weirdesten Shit, ohne ihn wirklich zu verurteilen. Und das ist schön. Es ist nicht meine Philosophie, aber ich würde mir wünschen, dass mehr Konservative wie Kiryu oder Kasuga wären.
... ich ergänze: Yakuza 0 ist in meinen Augen aber tatsächlich der Tiefpunkt! Gerade das Frauenbild ist hier ernsthaft abgründig, und durch die historische Ebene wird viel weniger relativiert, viel weniger kontrastiert als in anderen Teilen. Ich habe beim Spielen sogar überlegt, ob das geplant war ...? Denn diese Reihe mag öfter trashig und random wirken, aber ich denke, sie weiß weitaus öfter, als man erwartet, verdammt genau, was sie tut.

... ich ergänze außerdem: Es hilft auch HIER, mehrere Teile zu spielen, weil man die Wiederholungen bemerkt, die kulturellen Tropen, die Ausnahmen, und die Ausnahmen, die sich wiederholen. Ich habe wirklich ~8 Teile und über zehn Jahre gebraucht, um mir zumindest sagen zu können, dass ich die Politik als etwas Kohärentes verstanden habe. ^_~ Und dass ich über gewisse Sachen bereitwilliger hinwegsehen oder sie sogar als nachvollziehbare Ideologie tolerieren kann.



Okay, und ein letzter Kommentar: Wenn einem all das ernsthaft schwerfällt, ist es vielleicht eine Überlegung, Teil 1-6 zu überspringen. Ich würde Klunky zwar widersprechen, dass Yakuza 7 progressiver ist (ich denke eher, es ist eine sehr konsequente Fortsetzung derselben Ideologie!), aber er hat recht, wenn es darum geht, dass es auf jeden Fall ein lockereres, offeneres Spiel ist – und das macht in der Wirkung eine Menge aus!
Ich finde tatsächlich auch, dass man Yakuza auf vielen Ebenen ernst nehmen muss, um den Reiz voll auszukosten, allem Klamauk zum Trotz. Ohne die Emotionalität, die Tiefe und die ehrliche Ideologie auf der Westentasche würde ich die Spiele überhaupt nicht spielen, denke ich. YAKUZA IST GEIL