@Maturion
Den sexistischen Beigeschmack bekommt die Szene erst durch die Beziehung der beiden. Und wie sie dann den Beschreibungen nach weiterläuft. Die Sexualisierung der weiblichen Figuren (körperbetonte Kleidung) verstärkt den Eindruck nur noch.
Über Marlex' Intention können wir nur rätseln, aber ich bin der Ansicht, dass sie nie den Eindruck auf mich als Spieler relativieren könnte. Wie ein Spiel auf mich wirkt ist für die Meinungsbildung das Entscheidende.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Asgar keine Figur ist, die das Publikum hassen soll. Die Spielfigur, jedenfalls dann, wenn sie eine vorgegebene Persönlichkeit hat, ist schließlich die Identifikationsfigur. An ihre Stelle jemanden zu setzen, der von allen verachtet wird, wäre schon sehr seltsam. Zumal Asgar, wenn ich mich nicht irre, eine der beliebtesten Figuren der Reihe ist. Ich nehme an, dass Marlex ihn genau deswegen ausgewählt hat.
Ich glaube auch nicht, dass das Spiel Gewalt oder sexuelle Gewalt kritisieren will, genauso wenig wie es aufzeigen will, dass schlechte Taten immer in einer Tragödie enden. Die Enden sind mehr ein Ergebnis des Gameplays, als dass sie tatsächlich eine Botschaft vermitteln, so war es ja schon beim zweiten Teil.
Du solltest dir als Entwickler Gedanken darüber machen, wie dein Spiel auf das Publikum wirkt und was hinter dem steckt, worauf du gerade zurückgreifst. Warum sind düstere Geschichten so oft voller Gewalt und sexueller Gewalt? Weil deren Fans beides so widerlich finden?
Ich weiß noch nicht ob ich meine Ansichten zu VD3 hier noch einmal groß aufstellen möchte. Aber auf den Kern heruntergebrochen rührt meine Enttäuschung über das Spiel daher, dass ich erwartet habe, dass sich die Fähigkeiten bzgl. Charaktergestaltung, Dialoge, Mapping, Plot etc. des Entwicklers in den letzten 15 Jahren weiterentwickelt hätten.
Ich ging ein wenig davon aus, dass es sich hier um ein Spiel für die Fans von damals handeln würde. Ich müsste zu dem Zeitpunkt des Releases von VD2 um die 15 oder 16 gewesen sein und dachte daher, dass wir nun mit einer etwas tieferen, erwachseneren Geschichte konfrontiert werden würden.
Individuelle sowie industrielle Standards änderten sich mit der Zeit auch für Indie-Spiele. Ich würde für mich persönlich zwar sagen, dass ich VD3 in allen Belangen bis auf die auch dem neuwertigerem Maker geschuldeten besseren Engine sowie einem Teil der grafischen Darstellung VD2 unterlegen finde, aber jetzt auch im Verlgeich kein gewaltiger Rückschritt ist.
Allerdings würde ich schon sagen, dass VD3 nach heutigen Maßstäben und der prinzipiell einzurechnenden Reifungszeit der Design-Skills von Marlex (von etwa 15 Jahren) deutlich niedriger einzuordnen ist als VD2 zu seiner Zeit.
Kann Innoxius auch nur zustimmen. Wie gesagt ich zocke VD3 nicht selber aber schau bisschen nebenbei ein Lets Play dazu.
Insbesondere der Punkt "Zielgruppe von damals" und "angehobener Erzählungsstil" der Geschichte.
Damals gabs ja auch schon mal kleinere wörtliche Gefechte zwischen den Protagonisten, aber nicht so geballt wie diesmal.
Wo früher mehr Geschichte in Dialogen im Vordergrund standen sind nun die Beleidigungen jedesmal dabei ~
Im Gegesatz dazu sagt Alaine auch in fast jedem Satz mit Valnar "mein Geliebter" was auf Dauer auch echt nervig ist ~
Grafisch finde ich zu mindestens die Charaktere und die Battler besser in den meisten Fällen.
Die Chipsets sind auch nicht so verkehrt, aber die Verwendung dieser hätte echt besser ausfallen können.
Denke gerade auch an diese Eisgräber aus der Demo die in ihrer Form total gleich aussehen ... dann lieber wenn man eine Grafik verwendet schlichter und "förmiger".
Geändert von erzengel_222 (26.05.2021 um 19:49 Uhr)
@Innoxious
Mir kommt es auch so vor, mein Wissen stützt sich aber wie gesagt nur auf LPs und Reviews, dass VD 3 ziemlich anachronistisch ist - das Gefühl hatte ich eigentlich schon beim 2. Teil. Falls dessen Gameplay sich überhaupt an älteren Dungeoncrawlern oder Open-World-Spielen orientiert hat.
Marlex hat VD 2 nämlich damals, wenn ich mich nicht irre, einen Dungeoncrawler genannt. Mit einem Dungeoncrawler verbinde ich ein Gameplay, das praktisch ausschließlich auf das Kämpfen und Looten ausgerichtet ist und ich dachte, das Prinzip hätte sich seit Rogue gar nicht so sehr geändert. Eine offene Welt und eine relevante Geschichte stehen einem Dungeoncrawler eher im Weg. Eine offene Welt wiederum braucht Interaktivität und Simulation, zumindest in VD 2 beschränkte sich die Offenheit nur darauf, dass man hinreisen konnte, wohin man wollte, sofern man die Gegner überlebte. Die ganzen optionalen Wälder und Wiesen haben mich nicht zum Erkunden eingeladen, denn viel mehr als Gegner und Gebrauchsgegenstände gab es nicht zu entdecken. Das Spiel sitzt also irgendwie zwischen mehreren Stühlen und den Reviews nach ist das beim 3. Teil genauso.
Nun könnte jemand dem entgegenhalten, dass die Fans gerade diesen Zuschnitt besonders gut finden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jegliche Änderung kategorisch abgelehnt hätten. Mit einem modernen Gameplay hätte Marlex aber auch Spieler erreichen können, die mit dem Gameplay der Vorgänger nichts anfangen konnten.