Yes, Your Grace

Kennt ihr diese komischen Hentai-Spiele, die in Werbeanzeigen bei irgendwelchen Porno- oder Streaming-Seiten immer mit der Aufschrift "Vorsicht, dieses Spiel macht sofort süchtig!" eingeblendet werden? Bestimmt. Dieser Slogan würde auch sehr gut zu Yes, Your Grace passen. Denn hat man einmal mit dem Spiel mit der Pixelgrafik begonnen, möchte man eigentlich gar nicht mehr aufhören. In Yes, Your Grace schlüpft man in die Rolle eines von Schicksalsschlägen begleiteten Königs, der sich für den bevorstehenden Kampf gegen die Barbaren rüsten muss. Dafür benötigt er natürlich eine Armee, Gold und Ressourcen. Um selbiges zu vermehren brauch man vor allem eine zufriedene Bevölkerung. Je zufriedener sie ist, desto mehr Steuern werden auch gezahlt. Damit die Bevölkerung zufrieden ist, muss man sich in den wöchentlich gewährten Audienzen beim König ihre Probleme anhören und entsprechend darauf reagieren. Hilft man dem Bauern, dessen Sohn verschwunden ist, indem man ihm den eigenen General für 2 Wochen zur Verfügung stellt? Oder muss man seine Bitte ignorieren, weil der General bereits ausgezogen ist, um bei einem anderen Problem zu helfen? Unterstützt man den Wirt, dessen Taverne sich langsam in ein Bordell verwandelt und der davon gar nicht begeistert ist, obwohl er mehr Einnahmen erhält (die natürlich auch uns zu Gute kommen)? Es gibt hier viele Entscheidungen die man treffen muss und die in der Regel Geld oder Ressourcen kosten. Dabei muss man gut abwägen, wie man diese ausgibt, da der Vorrat nicht unbegrenzt ist. Nebenbei muss man sich noch um seine Familie kümmern, die im Mittelpunkt der eigentlichen Hauptstory steht. Die Gespräche vor allem mit der kleinsten Königstochter, die immer wieder skurrile Haustiere halten möchte, sind meist sehr amüsant und kurzweilig. Man hat nie das Gefühl, das im Spiel zu viel palavert wird, obwohl das Spiel natürlich sehr textlastig ist. Vertont werden die Dialoge durch eine unverständliche Phantasiesprache, die hier sehr gut reinpasst. Schwach ist dabei leider die fehlerbehaftete deutsche Übersetzung. Daher sollte man das Spiel lieber auf Englisch spielen. Außerdem muss man Bündnisse mit anderen Königen eingehen. Durch diese erhält man ebenfalls Ressourcen, Geld und Armeen. Allerdings wollen diese natürlich auch entsprechende Gegenleistungen und nicht jeder König harmoniert mit jedem. So muss man sich entscheiden, ob man den Drogenbaron unterstützt, der seine schädliche und süchtigmachende Substanz an die Bevölkerung verkauft (was für uns finanziell lukrativer ist) oder lieber dem netten König, der genau diesen Drogenhandel konsequent unterbinden möchte, aber deutlich weniger finanzielle Mittel zu einem Bündnis beisteuern kann. Das Pacing ist hierbei ausgezeichnet. Alle Handlungsmöglichkeiten werden Schritt für Schritt ins Spiel integriert. Das alles ist nicht super aufwendig konzipiert, aber es macht wahnsinnig viel Spaß und hält einen über die ca 8h Spielzeit hinweg stets bei Laune. Mir hat das Spiel wahnsinnig gut gefallen, weshalb ich es auch innerhalb von ein paar Tagen direkt durchgezockt habe. 8/10 Punkte.