Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Alexander Grau über "politischen Kitsch"

  1. #1

    Alexander Grau über "politischen Kitsch"

    Ich möchte ein Interview mit Alexander Grau aus dem Weser Kurier zur Diskussion stellen, in dem er über "politischen Kitsch" spricht.

    Ich seh einige Schnittmengen zwischen Graus und meinen Ansichten. Auch ich bin der Meinung, dass Diskussionen immer stärker emotionalisiert werden und dass komplexe Zusammenhänge Schwarz-Weiß-Ansichten weichen müssen. Dabei spielt es keine große Rolle, wo jemand politisch steht, das Emotionalisieren und Vereinfachen hat weniger mit der Lagerzugehörigkeit als mit der Radikalität zu tun. Mein Eindruck ist: Je radikaler jemand ist, desto "politisch kitschiger" ist er auch, um mal auf Graus Wortschöpfung zurückzugreifen.

    Besonders hervorheben möchte ich die Aussage "[Politischer] Kitsch ist im Kern autoritär". Ich selbst hab auch das Gefühl, dass einige von denen, die für ihre Ideale eintreten und kämpfen, diese insgeheim am liebsten mit Zwang durchsetzen wollen würden. Aber das ist anti-demokratisch und sicher nicht der richtige Weg.

  2. #2
    Passend dazu hab ich noch ein weiteres Interview mit Grau (durchgeführt vom Deutschlandfunk) zum "Vorgängerthema" Hypermoral gefunden.

    Ich halte die Kritik an der aktuellen Diskussionskultur für berechtigt. Wie seht ihr das?

  3. #3
    Ist im wesentlichen nachvollziehbar aber "politischer Kitsch" ist in dem Fall ein relativ substanzloser Ansatz, ein sehr grundlegendes, gesellschaftliches Problem aufzuarbeiten. Er kritisiert ja selbst die Verantwortlichmachung des Staates für alles mögliche, thematisiert hier aber vornehmlich Angela Merkel und Greta Thunberg. Es gehört hier noch ein Schritt zurück gemacht und sich zu fragen, wieso wir als Gesellschaft immer noch so auf Oneliner oder inszenierte Persönlichkeiten anspringen. Der erhobene Zeigefinger ist keine Erscheinung der letzten Jahre.

    Besonders der Zusammenhang zwischen Wohlstand und "politischem Kitsch" ist problematisch. Es ist nicht sooo langer her, da waren wir vom heutigen Wohlstand weit entfernt und politischer Kitsch wurde verwendet um dem Volk den Krieg schmackhaft zu machen. Dieses angesprochene "Hineinfantasieren in eine Idealwelt" ist hier sehr zielgerichtet verwendet.

    Was er aber im Kern aussagt kann ich unterstreichen. Nämlich, dass wir lange nicht so kritisch mit dem politischen Geschehen umgehen, wie wir denken, dass wir es tun und auch, dass wir das als Gesellschaft ändern müssen. Wir sind zwar eine Demokratie aber auch eine Marktwirtschaft und nicht zuletzt auch Lebewesen, die Ideale und Träume einfach brauchen. Die Grenzen verschwimmen ein bisschen, wie die Grenzen zwischen Nachrichten und Werbung und vielleicht wäre es aktuell tatsächlich ein guter Ansatz, schon den Kindern früh zu kommunizieren wie langweilig, kompliziert oder hart die Welt mal sein kann und dass es nun einmal keinen direkten Verantwortlichen dafür und keine Pille dagegen gibt.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •