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Thema: Wieso ist eigentlich die wirtschaftliche Bildung in Deutschland so schlecht?

  1. #1

    Wieso ist eigentlich die wirtschaftliche Bildung in Deutschland so schlecht?

    Lasst mich euch eine einfache Frage stellen. Ihr könnt ein bisschen schätzen, es geht nur grob um die Richtung.

    Mister X finanziert eine Immobilie und leiht sich 200.000€. Tilgungssatz beträgt 3% und der Zinssatz beträgt 2%.
    Alle Parameter bleiben konstant, bis der Kredit abbezahlt ist. Sagen wir dies dauert Y viele Jahre.

    Frage: Wenn sich die geliehene Summe verdoppelt, also auf 400.000€ erhöht und Zinssatz und Tilgungssatz gleich bleiben,
    wie viele Jahre dauert es dann bis der Kredit abbezahlt ist?



    Ich behaupte, dass das ein Großteil der Bevölkerung nicht richtig beantworten kann. Zumindest sagt mir das meine Lebenserfahrung

    Ein anderes Beispiel (ihr braucht nicht das Video zu schauen, sondern nur die Grafik bei 7.00 Minuten, denn die wird locker noch 3 Minuten danach eingeblendet) ist hier gegeben:



    Mir schon einigen Jahren bekannt, wundern sich immer wieder Menschen in Diskussionen, wenn ich vom armen Deutschen rede.
    Offenbar glaubt man in Deutschland, wenn man satt ist, warm wohnt, sein Autochen + Handy hat, die Frau mal ne 400€ Handtasche kriegt und es 1 mal im Jahr nach Malle geht, dass man gut da stehen würde. Leute: Stellt euch vor euer Einkommen sinkt auf 0. Wie lange könnt ihr euer Leben weiter finanzieren? Falls weniger als zwei Jahre, habt ihr zu wenig Vermögen (und das ist schon die unterste Grenze).

    Ich will hier keine Verschwörungstheorie aufmachen, aber mir kommt es schon komisch vor, dass in der Schule 0 Wissen in diesen Bereichen vermittelt wird.

    Wieso ist das so?

  2. #2
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Ich behaupte, dass das ein Großteil der Bevölkerung nicht richtig beantworten kann. Zumindest sagt mir das meine Lebenserfahrung
    Es hat leider nicht jeder BWL studiert. Und ja, ich hatte es auch falsch.

    Zitat Zitat
    Ein anderes Beispiel (ihr braucht nicht das Video zu schauen, sondern nur die Grafik bei 7.00 Minuten, denn die wird locker noch 3 Minuten danach eingeblendet) ist hier gegeben:
    Der Median der Vermögensverteilung entspricht wohl auch etwas dem Median in der Einkommensverteilung. In Deutschland sind Einkommen schon ziemlich heftig ungleich verteilt. Sonst wären wir nicht in den Top20 der höchsten Pro-Kopf-Einkommen (brutto). Der Mittelwert dabei ist rund 3700 Euro. Der Median liegt so weit ich weiß jedoch bei rund 2800 Euro. Das ist 1/4 weniger. Richtig schlecht wird es einem, wenn man mitbekommt, was im sozialen und im EH-Bereich gezahlt wird. Wenn 1800 brutto oftmals immer noch ein normales Gehalt sind und dabei auch schon 4 Überstunden pro Woche inklusive sind, dann nähert sich dieses Einkommen ganz gefährlich dem Mindestlohn...

    Zitat Zitat
    Ich will hier keine Verschwörungstheorie aufmachen, aber mir kommt es schon komisch vor, dass in der Schule 0 Wissen in diesen Bereichen vermittelt wird.

    Wieso ist das so?
    Naja, ich denke mal, das hat geschichtliche und strukturelle Gründe. Den Deutschen geht es ja auch nicht schlecht, muss man sagen. Der Lebensstandard ist hierzulande sehr sehr hoch, auch wenn er noch höher sein könnte, beziehungsweise gleicher verteilt. Es ist die gängige Lehrmeinung, dass man einen guten Abschluss und einen vernünftigen Beruf lernen soll, damit man auch was verdient. Dass allerdings, wenn's so weiter geht, auch "Normalarbeitende" sich bald nichts mehr leisten können, lässt sich mit einer verstärkten wirtschaftlichen Bildung jedoch nur bedingt umgehen. Es gibt einige Menschen, mich eingeschlossen, die einfach arbeiten und gut verdienen wollen. Und sich nicht mit Finanzmärkten, Geldschöpfen, etc. auseinandersetzen wollen.

    Dass die Schulen nicht diese wirtschaftlichen Feinheiten unterrichten und die Schüler auf so etwas vorbereiten, kann man ihnen nur bedingt zum Vorwurf machen. Schulbildung ist leider in unserem Land keine Vorbereitung auf das spätere Leben. Ich war in Latein und Altgriechisch unterwegs und kenne mich wahrscheinlich dank Cicero gegen Catilina im römischen Rechtssystem besser aus als im deutschen. Ich kenne auch die gallischen Provinzen besser als die deutschen Länder (wie war noch mal die Hauptstadt von Saarland - Magdeburg oder ähnlich???). Und ich kann dir ein Skalarprodukt besser ausrechnen als einen Zinssatz. Damit bin ich perfekt auf das akademische Leben vorbereitet worden, aber nicht auf die Finanzmärkte. Allerdings weiß ich gar nicht, ob ich das wollen würde. Ich hätte mich ja schon gefreut, wenn wir einen vernünftigen Sozialkundelehrer gehabt hätten, der mir mal die Überhangmandate erklärt hätte. Oder wenn der Sportlehrer selbst verstanden hätte, was "abseits" eigentlich bedeutet.

    Es hapert an mehr, nicht nur an der wirtschaftlichen Bildung. Ein bisschen mehr davon, würde aber wahrscheinlich wirklich keinem schaden.

    Geändert von Cuzco (06.05.2019 um 00:27 Uhr)

  3. #3
    Zitat Zitat
    Leute: Stellt euch vor euer Einkommen sinkt auf 0. Wie lange könnt ihr euer Leben weiter finanzieren? Falls weniger als zwei Jahre, habt ihr zu wenig Vermögen (und das ist schon die unterste Grenze).
    Aber die Banken (insbesondere die EZB) versuchen uns doch klarzumachen, dass wir nichts besseres tun können, als unser Geld (und am besten auch noch Geld, das wir gar nicht haben, womit auch der Bogen zur Kreditrechnung geschlagen wäre) mit beiden Händen auszugeben, weil wir damit die Wirtschaft ankurbeln, was uns irgendwie automatisch alle reicher macht!

  4. #4
    Das Erste ist simple Mathematik - nur halt nich für jedne so simpel. Außerdem muss man die Begriffe/Definitonen kennen und dazu in der Lage sein, "Textaufgaben" zu lösen. Klassisch erinner ich mich, dass diese zu meiner Schulzeit oft rechnerisch einfacher warn, aber viele zu doof warn, den Text in ne Rechnung umzudenken. Man kann es natürlich auch einfach wissen. Nachprüfen ist sicherer. Wobei die meisten wohl kaum damit praktisch zu tun hätten. Man hat ja wohl eher ne maximale Rate, die man zahlen kann - und kann nich einfach beliebig doppelt so viel aufnehmen, nur weil man es ganauso schnell zurückzahlen ... könnte, WENN man die höhere Tilgung bedienen könnte. Man hat eher Konkrete Angebote und rechnet mit Konkreten Zahlen. Da sind die Bedingungen eventuell auch anders. Ist auch nur ein kleiner langweiliger Teil von Wirtschaft, genauso wie Aktien langweilig sind.

    Bei reich denkt man klassich eher ans Vermögen. Klar: Wer jeden Monat 10k netto einfährt und beim Pferdewetten verpuster (ohne Gewinn) und mit 0 Vermögen in ner Bruchbude lebt ... da fehlen die Porsche/Ferrari - den kann man nich reich nennen. Arm ist schon eher Einkommen, wo man dran denkt. Auch wenn als Gegenteil von reich man aufs Vermögen gucken müsst. Man fühlt sich halt her arm, wenns einem schlecht geht. Wer täglich teuer essen kann (wg. hohem Einkommen) - dem gehts gut.Der fühlt sich nich arm, aucvh wenn er 0 Vermögen anhäuft.

    In unserm System macht auch Sparen wenig Sinn. Ich mein: Im Alter kriegt man notfalls Grundsicherung auf Hartz-Niveau. Kann man davon lebenen. Wer höheres Niveau braucht muss sparen. Andern ist es egal, die leben jetzt in Saus und Braus. ist du auch bei unerwarteter Arbeitslosigkeit besser dran - wenns länger dauert und man ins Alg 2 kommt. Wer Vermögen über Schonvermögengrenze hat, hatte vorher weniger konsumiert und gespart. Der muss es dann aufbrauchen bis zur Grenze. Andere kriegen Alg 2, die vorher mehr konsumierten und nich sparten. Aber beide konsumieren ab da gleich. Nur dass der, der nich sparte mehr davon hat. (Den früheren Mehrkonsum.)

    Und gegenwärtiger Konsum ist uns ja eh mehr Wert. Jetzt 10 Euro ausgeben oder 1 Jahr zu x Prozent anlegen und in 1 Jahr 10*(1 + x/100) konsumieren ... ist doch dasselbe. Sonst würd es keiner machen. (Na ja, genau genommen hängt es vom Zins ab halt.) Also meiner Meinung lohnt sparen nur, wenn man eh nur zwischen Luxusgütern und Sparen abwgen tut und genug zum Weglegen hat. Mit wenig Einkommen auf den Cent schaun, bei Grundlebensmitteln ... da dürfte den meisten in der Gegenwart ein bissl mehr lieber sein, als die Chance auf ganz ganz wenig mehr später. (Vor allem bei niedrigem Zins oder Risiko mit drin, wenn man eh nix zum ver-riskieren hat.)


    Schule legt halt Wert auf andere Sachen - leider. Würd auch lieber Sport/Musik/Kunst nur dort als "AG" oder "Wahlfach" sehn. Stattdessen wäre Sozialpsychologie wichtig. Und Wirtschaft/Recht - aber nich mit Krediten, Aktien. SV-Beiträge und Steuern selber nachrechnen können wäre eher wichtig. Damit haben viele eher auch mal tatsächlich zu tun. Grad wenn Krankenkassenbeiträge bei der Gesetzlichen sich erhöhen haben viele sicher auch nich mal Ahnung, was dass für ihr Netto am Ende bedeutet. Bissl Recht für Verträge (vor allem auch aus Verbrauchersicht) - damit Lete sich weniger verarschen lassen.

    Es gibt tatsächlich Leute, die Angst haben, dass man mit ihren Kontodaten Geld abbuchen lassen könnt, als Betrüger-Firma - und das Geld dann weg wär. Dass ohne PIN/Unterschrift autorisierte Sachen einfach von einem ohne Grund zurückgebucht werden lassen können ... muss man manchen erstnoch erkären. Ebenso dass es scheißegal ist, wie oft jemand mit Inkasso bei ner eindeutig unberechtigten Forderung droht. Manche springen ja auf alles an und glauben dann sie üssten Zahlen, nur weil einer Anwalt oder Inkasso verwendet in nem Satz. Als wär das ne schilmme Sache. Die schlimme Sache ist, wenn man tatsächlich scheiße unterschreibt - und das ist an genau da schlimm, nich erst wenn Inkasso vorbeikommt.

  5. #5

    [Guardian Force] Examinierter Senfautomat
    stars_gf
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Ich will hier keine Verschwörungstheorie aufmachen, aber mir kommt es schon komisch vor, dass in der Schule 0 Wissen in diesen Bereichen vermittelt wird.
    Zitat Zitat von Cuzco Beitrag anzeigen
    Es hapert an mehr, nicht nur an der wirtschaftlichen Bildung. Ein bisschen mehr davon, würde aber wahrscheinlich wirklich keinem schaden.
    Wirtschaftliche Bildung ist der Bereich der Gesellschaftswissenschaften, der schon jetzt im Vergleich zur "einfachen" Politik, Erdkunde und Geschichtswissenschaft einen absolut dominierenden Faktor ausmacht. Da gibt es sogar eine sehr aktuelle Studie der Universität Bielefeld zu, die im Dezember 2018 (also vor nicht einmal einem halben Jahr) veröffentlicht wurde und dies am Beispiel der Sekundarstufe I verdeutlicht.

    Nebenbei handelt es sich hierbei immer noch um allgemeinbildende Schulen, die nach dem humanistischen Bild von Humboldts agieren, nach dem eben eine allumfassende Bildung (die sowohl gesellschaftswissenschaftliche, soziale, künstlerisch-musische, naturwissenschaftliche und mathematische Kenntnisse umfasst) vermitteln soll und dabei in der Sekundarstufe I die Grundlagen für das spätere Arbeiten und in der Sekundarstufe II wissenschaftspropädeutisch arbeiten soll (wobei auch hier Sozialwissenschaften und Geschichte zumindest für zwei Halbjahre am Stück genau in diesem Sinne belegt werden müssen). Vertieft wird dies dann durch verpflichtende Kurse in den Berufsschulen, die im Sinne ihres Bildungsgangplanes die Kenntnisse dann fachspezifisch vertiefen. Unterrepräsentiert ist das Fach jedenfalls nicht und wenn man sich die zukünftigen Pläne der Landesregierung anguckt, wird der Bereich sogar eher noch aus- denn abgebaut, wenn noch zusätzlich darauf das Fach "Wirtschaft" eingeführt wird.

  6. #6
    Simpel in einem Satz ausgedrückt: Weil Menschen, die viel Geld haben, dir nicht erklären werden, wie du ebenfalls an viel Geld kommen wirst.

  7. #7
    Zitat Zitat von PeteS Beitrag anzeigen
    Und Wirtschaft/Recht - aber nich mit Krediten, Aktien. SV-Beiträge und Steuern selber nachrechnen können wäre eher wichtig. Damit haben viele eher auch mal tatsächlich zu tun.
    Selbst schuld, wenn mit Aktien "nichts zu tun" hat. Die historisch belegbare Rendite von 7-8% pro Jahr (in den letzten 10 warens eher 12-14%) sollte eigentlich ein Grund sich damit zu beschäftigen. Was du insgesamt schreibst spiegelt genau die deutsche Durchschnittsmeinung wieder. "Es lohnt sich eh nicht zu sparen, also Kohle raushauen. Wer am Ende viel soll, der muss am Anfang schon viel haben." Das ist angesichts der am Markt erzielbaren Renditen und wenn man langfristig denkt, total falsch. 300.000 kann im Leben quasi jeder hinkriegen. Hier ist wie:
    Ab 16 Ausbildung und bei den Eltern wohnen bleiben. Wer "wenig" Lohn bekommt kann so ca. 5000 im Jahr sparen. Wer eine unrealistische Ausbildung z.B. bei einer Versicherung macht, erhält ~850 im Monat und 14 Gehälter, kann also 10.000 im ersten Lehrjahr sparen. Das Gehalt steigt leicht an und so sollten für jeden bis er 19 ist, 15.000€ zu sparen sein. Mit super Gehalt sogar 30.000. Hat man nur die 15.000 kann man noch ein Jahr als Geselle daheim verbringen. Hier sollten netto 15.000 sparbar sein und somit hat man dann eben mit 20 erst die 30.000€.

    Die Rendite am Markt beträgt pessimistisch betrachtet 7%. Bis zur Rente sind es 47 Jahre. Es ergibt sich 1,07^47 * 30.000 = 721.000€.
    Bei einer Inflation von 2% müssen wir mit 0,98^47 korrgieren was ca. 280.000 ergibt.

    Man braucht zwischendurch nie mehr sonst etwas einzuzahlen und kann ab und an in sonstige ETF's Dividendentitel umschichten.

    Wer nun denkt eine Versicherung sei sicher, ist auf dem Holzweg. Die Versicherung nimmt euer Geld, presst sehr sichere 4% Rendite am Markt raus, wirft euch 2% hin und hat damit bezogen auf ihr eigenes Geld ca. 10% Rendite. Die Aktionäre bekommen dann die ihnen zustehende 4,5% Dividendenrendite. Sein Geld verliert man genau dann, wenn der Laden baden geht und zwar auch wenn man Kunde ist (lest mal das Kleingedruckte).

    @ Ken

    Lehrer haben viel Geld?

    @ Bit

    Bielefeld? Mhh ist das nicht eine rote Uni? Bei 6% Aktionären in Deutschland und Politikern die Enteignungen fordern und teils noch Zustimmung ernten, habe ich jedenfalls den Eindruck, dass es an wirtschaftlicher Bildung in Deutschland mangelt.

    @ Cuzco

    Nun die Einkommensverteilung ist bis auf die Gruppe +250.000€/Jahr (und wer das erhält hat es in der Regel verdient) nicht so ungleich und gleicht sich sogar immer mehr an.
    Ich hatte das Bild erst vor kurzem auf Statista gesehen. Von 2013 bis 2016 geht die Schere in diesen unteren Bereich immer weiter zusammen und immer mehr Leute verdienen
    das Durchschnittsgehalt von ca.42.000 brutto.

  8. #8
    Das ist aber auch alles nur wieder "Finanzen" - also ein recht kleiner Teil von "Wirtschaft". Machen nich mal in großen Unternehmen in der Führung alle etwas damit, weils noch genug andere Bereiche gibt, die abgedeckt sein müssen. Und spezialisierte Leute dafür. Schön, dass du dich so gut mit "Finanzen" (Finanzwirtschaft) auskennst. Quasi vergleichbar mit nem Laien bei Psychologie, der denkt Psychologen reden nur mit geistig Kranken. Oder mit nem Laien bei Jura, der bei Anwälten nur an Strafverteidiger vor Gericht denkt.

    Die Inflation ist übrigens nicht fix. Und die Renditen sowieso nich. Wenn alle sich plötzlich auf etwas stürzen, dürfte auch für jeden weniger rauskommen. (Sprich: Das funktioniert für dich nur so lange so gut, so lang du dich drüber aufregen kannst, dass andere ja so wenig darüber wissen.)
    Dass man so viel sparenkönnte in der Ausbildung... wäre mir neu. Da müssten ja alle Eltern "kostenloses Wohnen" anbieten und derjenige auch wenig konsumieren. Aber die Jugend will heut Technik. Grad wenns von der gechillten Schule zur stressigen Ausbildung ein starkr Umschwung ist - brauchen die als Ausgleich/Entspannung den Konsum. Oder sollen die mit 20 schon an Burnout leiden?

    Und was willst du mit dem Geld in der Rente, wenn du vorher stirbst? Was, wenn in den vielen Jahren die politische/gesamtwirtschaftliche Situation sihc son ändert, dass das Geld weg ist? Ich sach mal: Wenn 10 Jahre sparen, dann 20-30 Jahre (direkt danach, nich bis auf Rente warten) auf selbem Niveau leben möglich wär ... würden das sicher viele machen. Nur 30k sparen und danach auf normalem Niveau arbeitend leben klingt ja gut ... wenn man sicher sein könnte, so alt zu werden, dass es lohnt. Aber 47 Jahre sind halt was anderes als 5-10 Jahe vorausdenken.

    Vor allem in ner Zeit, in der der Druck, sich mit andern zu Vergleichen am höchsten ist. Also in der Jugend, wo viele teures Handy wollen, auch mal weg wollen - und halbwegs ordentliche Klamotten tragen wollen.

    Vielleicht braucht man auch - selbst wenn man so alt wird - im Alter eher weniger Geld und Rente oder Grundsicherung reicht. Ich mein: Wenn man 67 ist und mit maximal 80 rechnet, eh schon gebrechlich ist, weil die Arbeit kaputt machte - früher oft im Urlaub war und Geld konsumierte ... und viel vo der Welt sah ... vielleicht will man da gar nich mehr durch die Gegend fliegen und Thrombose kriegen vom vielen Sitzen im Flieger. (Ältere sind ja glaub eher gefährdet.)

  9. #9

    [Guardian Force] Examinierter Senfautomat
    stars_gf
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    @ Ken

    Lehrer haben viel Geld?
    Im Vergleich zum selben Ausbildungsstand in der Industrie nicht wirklich, vom reinen Durchschnittsverdienst in Deutschland aus gesehen ist es im gehobenen Bereich. Wenn ich da die Gehälter von meiner Frau (Industrie) und mir (angestellter Lehrer mit Leitungsfunktion an einer Privatschule) vergleiche, sind die Tarifabschlüsse in der Metallindustrie deutlich besser als bei uns im öffentlichen Dienst (wohlgemerkt für Angestellte).

    Zitat Zitat
    @ Bit

    Bielefeld? Mhh ist das nicht eine rote Uni? Bei 6% Aktionären in Deutschland und Politikern die Enteignungen fordern und teils noch Zustimmung ernten, habe ich jedenfalls den Eindruck, dass es an wirtschaftlicher Bildung in Deutschland mangelt.
    In der Zeit, in der ich an der Uni studiert habe (2004-2010), bildete die Uni eigentlich einen normalen Durchschnitt ab. Da hattest du da sowohl Linke als auch Liberale und Konservative aller Bereiche, sowie sogar einige mehr als nur stramm Rechte, die da rumgelaufen sind. Von der Gründungsidee her ist die Universität Bielefeld natürlich eine Reformuniversität, die sich tendenziell auf eine sozialliberale Sichtweise gestützt hat, wobei unter den Gründervätern eher eine Nähe zur FDP denn zur SPD zu kontrastieren ist. In Pädagogik, Soziologie und Geschichte zählt die Uni dabei übrigens mit zu den angesehendsten Universitäten im internationalen Vergleich.

    Die Aktionärsquote allein gibt übrigens keinen Aufschluss darüber, inwiefern wirtschaftliche Bildung bei den Bundesbürgern vorhanden ist und schon einmal gar nicht, wie diese bei Schülerinnen und Schülern zu bewerten ist (die haben nämlich in der Regel wenig bis gar keinen eigenen Verdienst und können kaum Geld anlegen). Zumal deine Zahlen auch nicht der Realität entsprechen, da aktuell gut 10,3 Millionen Bürger in Deutschland Aktien besitzen, was einer Quote von gut 12 Prozent Aktienbesitz entspricht. Das erscheint im internationalen Vergleich natürlich erstmal wenig, was aber in der Betrachtung dann fehlt, ist zum Beispiel, dass unser Sozialsystem sich, anders als in anderen Ländern, nicht so sehr auf diese Säule stützt, was vor allem auf den Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fußt. Ich muss dir dabei als wirtschaftlich gebildetem Menschen, glaube ich, nicht die Bedeutung des Krisenjahres 1923 und des Schwarzen Freitags 1929 für die deutsche Bevölkerung erklären, oder? Die Erfahrungen dieser beiden Ereignisse haben sich unmittelbar ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben und die Aktienmärkte kommen dabei dann logischerweise nicht besonders gut weg. Interessant ist dann, wenn man diese Phänomene in Bezug auf ihre mikrogeschichtliche Wirkung und die Prinzipien einer oralen Traditionsweitergabe untersucht, dass dies natürlich auch an folgende Generationen weitergegeben wird und somit der negative Touch weiter bestehen bleibt. Geht man davon aus, dass die Großelterngeneration also noch direkt betroffen war, bekommt die erste Filialgeneration dieses Prinzip noch ungefiltert weitergegeben und wird sich dementsprechend mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ebenfalls gegen dieses Prinzip aussprechen. Der Effekt wird erst dann weiter abgeschwächt, wenn die Generationen dann immer weiter fortschrreiten und dieses Bild logischerweise verblasst. Nehmen wir jetzt mal das Beispiel unserer Generation, dann sind wir für dieses Phänomen gerade einmal in der Filialgeneration 2 oder (bei den Jüngeren) 3 angekommen. Der Abschwächungseffekt kann hier also noch nicht soweit fortgeschritten sein.

    Zweitens lohnt sich dann auch eine Betrachtung, inwiefern überhaupt große Aktienunternehmen (die ja auch die meiste Dividende abschmeißen), überhaupt Teil der Lebenswelt sind. Betrachtet man die Aktienbesitzverteilung in Deutschland nach Aufteilung, dann stellt man fest, dass vor allem in jenen Städten Aktien gekauft werden, die eh schon prinzipiell finanziell besser gestellt sind und wo auch eben jene Unternehmen angesiedelt sind. Regionen wie das Sauerland oder Ostdeutschland kommen da schlechter weg, sind aber auch nicht durch solche Unternehmen geprägt, sondern vielemehr durch mittelständische Familienunternehmen (die meisten "Hidden Champions" dieser Kategorie finden sich dementsprechend auch zum Beispiel in der Region Südwestfalen). Diese Unternehmen arbeiten bis heute sehr erfolgreich mit der Bindung von Mitarbeitern durch beispielsweise Betriebsrenten und andere Vergünstigungen im Alter, die handfester erscheinen und somit auch lieber als Aktien genommen werden, die eben nicht risikofrei erscheinen. In der Zeit der Bonner Republik war dieses Phänomen dabei sogar noch ausgeprägter als es heute der Fall ist. Einen Wandel kann man in dieser Frage da erst ab etwa Mitte der 1990er-Jahre beobachten (vgl. dazu: Wehler, Hans-Ulrich: Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheit in Deutschland, München 2013).

    Ach ja und zum Thema Enteignungen: Es ist ja nicht so, dass dieser Punkt allein auf Bestreben der SPD oder KPD ins Grundgesetz gekommen ist. So mancher Konservative sollte sich da mal das grundlegende Bild der CDU zur sozialen Marktwirtschaft aus dem Ahlener Programm von 1947

    Zitat Zitat von Ahlener Programm der CDU
    Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen.

    Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert
    .
    oder die Düsseldorfer Leitsätze von 1949

    Zitat Zitat von Düsseldorfer Leitsätze
    Diese Wirtschaftspolitik führt in sinnvoller Kombination von Geld- und Kredit-, Handels- und Zoll-, Steuer-, Investitions- und Sozialpolitik sowie anderen Maßnahmen dazu, daß die Wirtschaft in Erfüllung ihrer letzten Zielsetzung der Wohlfahrt und der Bedarfsdeckung des ganzen Volkes dient. Diese Bedarfsdeckung hat selbstverständlich auch eine angemessene Versorgung des notleidenden Teils der Bevölkerung zu umfassen.
    ansehen, wobei man natürlich festhalten muss, dass diese Maßnahmen vor allem auf Grundlage der Erfahrungen der späten Weimarer Republik und der NS-Diktatur in Deutschland in das Programm aufgenommen wurden und hier vor allem die katholische und evangelische Soziallehre widerspiegeln.

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