mascot
pointer pointer pointer pointer

Seite 6 von 6 ErsteErste ... 23456
Ergebnis 101 bis 109 von 109
  1. #101
    So, nach dem kleinen Intermezzo geht es nun weiter mit


    Bloodborne - Yharnam Tour Guide 6

    Heute werden wir uns mit zwei großen Gruppierungen innerhalb der Healing Church beschäftigen: der School of Mensis und dem Choir. Beide sind forschungsorientiert und haben auf verschiedene Arten die “Nachfolge” von Byrgenwerth angetreten. Neben diesen beiden Institutionen gab es auch noch die Hunter von dem Healing Church Workshop, gegründet von Ludwig, welche sich um die Eindämmung von Bestien kümmern sollten.

    Wir wurden nach dem Tode Roms vor den Toren von Yahar'gul, the Unseen Village, abgesetzt, mit der Eingebung: “Ritual secret broken. Seek the nightmare newborn.” Dabei handelt es sich um ein Ritual, welches die School of Mensis in Yahar'gul durchführt, aber das von Rom blockiert wurde. Warum man uns direkt hier absetzt? Vermutlich, weil der Spielverlauf sonst zu sehr ausgebremst und kryptisch geworden wäre. Immerhin war das Tor vorher noch geschlossen und Yahar'gul ist erst jetzt komplett zugänglich. Dennoch denke ich, dass der Übergang holprig und unelegant ist – mit einem Teleport von einem Ende der Spielwelt zum anderen. Auch die seltsame Eingebung ist recht schwach und wirkt deplaziert - man bedenke, dass man die meiste Zeit relativ planlos rumläuft und die Geschichte und Relevanz der Ereignisse erst im Nachhinein rekonstruieren kann. Gut, dass wir (ich) noch mehr Holprigkeit hinzugefügt habe(n), indem Castle Cainhurst eingeschoben wurde, bevor wir uns nun wieder der Hauptaufgabe widmen.



    In Yahar'gul befindet sich auch das Hypogean Gaol, in dem wir Darkbeast Paarl bekämpft haben. Dieser Teleporter ist übrigens jetzt nicht mehr funktionsfähig, weil die zugehörige Lampe zerstört wurde. Der Ort hat sich seit dem letzten Besuch merklich verändert und nun wandeln die Toten auf den Straßen und werden durch das Läuten von Glocken wiedererweckt. Im ersten Teil des Dorfes kämpfen wir uns durch Gegner, welche immer wieder auferstehen, so lange die Bell Maiden am Leben ist. Es gibt reichlich Abkürzungen, die man öffnen kann, so dass man selbst zu späteren Abschnitten schnell hinkommt. Die ersten beiden Bell Maidens kann man relativ problemlos kriegen. Am problematischsten ist sicher die dritte – um diese zu erreichen muss man auf einen Vorsprung runterspringen. Findet man sie nicht, so werden eine Horde von Hexen immer wiederbelebt. Zusammen mit einer Amygdala, welche an einer Gebäudewand hängt und Laser auf uns feuert, kann dies sehr schnell problematisch werden. Muss wohl kaum erwähnen, dass ich mehrmals draufgegangen bin.

    Auf diesem Vorsprung findet man auch einen Geheimweg zu einer Gefängniszelle, in der ein totes Mitglied des Choirs auf einen Stuhl gefesselt ist. Man findet den Schlüssel für den Upper Cathedral Ward und es ist recht offensichtlich, dass die School of Mensis (welche Yahar'gul beherrscht) und der Choir einander nicht freundlich gesonnen sind. Vermutlich hat im Verlaufe der Geschichte der Kirche eine Spaltung der beiden stattgefunden. Interessant ist auch, dass Amygdala diesen Ort bewachen.



    Dass diese in Yharnam eine spezielle Rolle haben, haben wir ja schon mitbekommen – die Statuen in der Stadt geben ein klares Zeichen, dass diese Großen Alten hier verehrt werden. Man erinnere sich auch daran, dass die Amygdala, die einen zum Universitätsgebäude und damit zur Nightmare Frontier bringt, ebenfalls vor Yahar'gul residiert. Eine Vermutung ist, dass die Amygdala direkte Verbindungen der realen zu Albtraumwelten darstellen. Vermutlich existieren sie zwischen beiden Welten und können physisch in die reale Welt eingreifen (was jeder, der von einer gepackt wurde und vor Wahnsinn explodiert ist, bestätigen kann). Dann erklärt sich diese Verehrung der Amygdala daher, weil sie von der School of Mensis als Verbindungen zu Albträumen genutzt werden konnten. Da sich Statuen von Aymgdala auch in der großen Kathedrale finden hat Mensis vermutlich lange beachtlichen Einfluss in der Healing Church gehabt.



    An der großen Amygdala, die uns mit Lasern beschießt, vorbei betreten wir das Hypogean Gaol. In dem Gefängnisgebäude warten bereits drei Hunter von Mensis darauf, uns aufzuhalten. Hat man sich früher hierhin entführen lassen, so konnte man eine Seitentür aufmachen und diesen Kampf nun umgehen. Andernfalls sind die drei zusammen durchaus harte Gegner und man muss sehr darauf achten, nicht von ihnen in die Zange genommen zu werden.

    Überall in der Stadt sieht man tote Kidnapper. Entweder sie wurden im Rahmen des Rituals umgebracht, oder von den Albtraumkreaturen aus Knochen, welche durch die Straßen wandeln. Die großen Knochenhaufen, welche aus Särgen kommen, sind besonders verstörend. An Wänden befinden sich versteinerte Menschenmassen - vermutlich Leute, die entführt wurden und sich in Sicherheit bringen wollten.



    Ich möchte hier kurz rekapitulieren, was wir eigentlich tun. Unsere Aufgabe ist es, ein Neugeborenes zu suchen. Wer uns diese Eingebung auch immer gegeben hat. Aus den über das Spiel verteilten Notizen ergibt sich aber ein klareres Bild. Die School of Mensis führt ein Ritual durch, welches den roten Mond näherbringt – und die Grenze zwischen Menschen und Bestien verwischt. Der Fluch der Bestien wird stärker, je dichter die Albtraumwelt an der realen ist (vermutlich, weil das Blut, welches in der Stadt zirkuliert, von Großen Alten kommt). Für diese Rituale benötigen sie ein Baby, dessen Schreie wir seit Roms Tod hören können. Denn mit besonderen Neugeborenen kann man Große Alte anlocken, was das Ziel von Mensis ist. Um das Ritual zu beenden, müssen wir es zum Schweigen bringen. Dies teilt uns übrigens auch die erste Nachricht im Hunter's Dream mit „To escape this dreadful Hunter's Dream, halt the source of the spreading scourge of beasts, lest the night carry on forever.“ Also war unsere Aufgabe – seit wir den Hunter's Dream betreten haben – das Mensis aufzuhalten. Vermutlich läuft das Ritual schon lange, Rom hat es nur "versteckt", um die Welt vor den Folgen des nahenden Monds zu schützen.



    Eine interessante Frage ist auch, was damals in Old Yharnam passiert ist. Eine Nachricht dort sagt „The red moon hangs low and beasts rule the streets. Are we left no other choice, than to burn it all to cinders? “. War dies ebenfalls ein Ritual um den Mond näher zu bringen? Um den Wahnsinn zu beenden hat die Healing Church ja die gesamte Altstadt niedergebrannt. Auf diesen Punkt kommen wir ein wenig später zu sprechen, wenn wir uns näher mit Laurence befassen.

    In jedem Fall erleben wir am Ende von Yahar'gul, wie die School of Mensis eine Monstrosität aus Gebeinen erschafft: The One Reborn. Der Kampf ist relativ simpel – wir bringen erst auf den Balkonen die Bell Maidens um und danach den Boss. Wenn man in seiner Nähe ist muss man auf das willkürliche Schlagen von ihm aufpassen, und wenn er den Boden vollkotzt sich schnell auf eine Erhöhung retten. Der Angriff hat mich ein paar Mal gekriegt und er macht immensen Schaden. Es ist im Prinzip eine andere Form des Tower Knights aus Demon's Souls, mit einem groteskeren Auftreten.




    Es wird spekuliert, dass es sich bei The One Reborn um den Versuch von Mensis gehandelt hat, zu einer höheren Lebensform aufzusteigen. Vermutlich setzt er sich aus Mitgliedern von der Schule zusammen, und das Ritual ist nicht so ganz gelungen. Interessant ist hier, dass die Bell Maidens ihn reanimieren – welche Pthumerians sind. Diesen gehört auch Queen Yharnam an, deren Baby man schreien hört. Anscheinend helfen die Pthumerians Mensis dabei, den Mond näher zu bringen. Immerhin werden besondere Babys dazu genutzt, die Großen Alten anzulocken – wie es damals bei Queen Yharnam auch der Fall war. Prinzipiell spricht auch dafür, dass die Kidnapper ebenfalls Pthumerians sind. Übrigens wird das Volk im Hauptspiel fast gänzlich ausgeklammert. Es würde mich nicht mal überraschen, wenn die meisten Spieler keine Ahnung haben, wovon ich hier rede. Fast die komplette Lore der Pthumerians spielt sich in den Chalice Dungeons ab, die in gewisser Weise das Rückgrat der Hintergrundgeschichte von Bloodborne bilden.



    Bevor wir uns in den nächsten Abschnitt begeben erinnern wir uns daran, dass wir nun Zugang zum Upper Cathedral Ward haben. Dort ist der Choir ansässig, quasi eine Konkurrenzorganisation zur School of Mensis. Also höchste Zeit, wieder ein Nebengebiet zu besuchen. Noch bevor man das erste Gebäude, das Waisenhaus, betritt, sieht man viele kleine Alienkreaturen, welche auf die obere Spitze der großen Kathedrale blicken. Hier sind auch überall Kindersärge. Ist es nicht ein wenig überraschend, dass leere Kinderwagen überall in der Stadt stehen? In dem Upper Cathedral Ward hat die Healing Church vermeintlich an Kindern experimentiert, in dem Versuch, diese zu einer höheren Existenzsform zu bringen. Die Kreaturen, die man sieht, sind ein Resultat davon.



    Der Choir war nicht verschont vom Fluch der Bestien, denn hier trifft man auch auf Werwölfe. Besonders intensiv ist die Haupthalle vom Waisenhaus, in welcher erst ein Kronleuchter von der Decke fällt und einem so das Licht raubt, und man darauf dann von drei Werwölfen angegriffen wird. Hier sollte man spätestens lernen die Angst vor diesen Gegnern zu verlieren, welche das Spiel am Anfang aufgebaut hat. Weil das bei mir so gut geklappt hat, habe ich sie sicher nicht an einer Tür gecheesed, durch die sie nicht durchgehen können. Niemals.

    Das Waisenhaus ist ein sehr dunkler Ort. Es ist eines der wenigen Gebiete, in dem wir die Fackel benutzen. Die Atmosphäre ist bedrückend, während man durch die düsteren Gänge wandelt und Geräusche von Brainsuckern und Werwölfen hört. Der Choir hat versucht, Kontakt mit den großen Alten aufzubauen. Dies sieht man auch an einer ausgebrannten Leiche, welche die Kontakt-Geste macht.



    Der Boss dieses Areals ist der Celestial Emissary. Wir haben die blauen Aliens bereits in Iosefkas Klinik gesehen. Es sind Menschen, an denen experimentiert wurde und die nun Kin of the Cosmos - näher an den Großen Alten als Menschen - sind. Der Kampf ist sehr simpel, aber auf den Lumenflower Garden, in welchem er stattfindet, werden wir später noch zurückkommen.


    Hier befindet sich einer der etwas versteckteren Wege von Bloodborne. Man kann eines der Fenster einschlagen um Zugang zum oberen Teil der großen Kathedrale zu erhalten. Immerhin ist es nicht so obskur wie einige der versteckten Durchgänge aus den Souls Spielen, bei denen man willkürlich gegen Wände schlägt. Auch die Inszenierung des Fensters, wie es in den Fokus gerückt wird, wenn man auf die Fassade blickt, lässt einen vermuten, dass man damit was machen kann. Dennoch kann man es leicht übersehen. Am Ende betritt man eine Höhle (macht das überhaupt Sinn auf der Turmspitze?), in welcher man mit einem Großen Alten konfrontiert wird: Ebrietas, Daughter of the Cosmos.


    Ebrietas ist sehr ähnlich zu Rom und am Anfang des Kampfes komplett passiv, was nahelegt, dass sie gar nicht kämpfen will. Das Design von ihr ist spektakulär, sie hat etwas dämonisches und engelhaftes. Sie kann Blut spucken, welches Frenzy auslöst und sehr gefährlich ist. Zusätzlich muss man sich vor ihren Tentakeln in Acht nehmen. Sie kann einen Angriff machen, bei dem sie nach vorne schnellt – wenn man hier nicht gut ausweicht oder Pech hat, dann treffen einen die Tentakeln und ihre Hitbox wirkt ein wenig seltsam. Ansonsten ist ihr einfachster Angriff eine Kopfnuss – macht sie diese kann man einige gute Treffer landen. Später benutzt sie auch noch arkane Angriffe. Der Kampf kann recht intensiv werden, aber andere Bosse haben mir mehr Probleme bereitet.



    Der Altar, an dem Ebrietas sitzt, heißt übrigens Altair of Despair (EDGE!) und ist eine versteinerte Leiche einer Kreatur, die Rom sehr ähnlich sieht. Es gibt hier viele Vermutungen, aber das Spiel liefert nichts konkretes. Ich werde zwei Theorien vorstellen. Ebrietas wird auch „the left behind Great One“ genannt, weil man sie alleine und verlassen in einem Chalice Dungeon gefunden hat. Sie arbeitet mit dem Choir zusammen, um Kin of the Cosmos zu erschaffen – vermutlich, damit sie nicht so einsam ist und Kontakt aufnehmen kann. Auch Rom war Kin – vielleicht trauert Ebrietas daher um sie? Die offene Frage ist, wieso Roms Leiche hier oben sein sollte. Eine andere Vermutung ist, dass beide der gleichen Spezies angehören, und Ebrietas die weiterentwickelte Form (Schmetterling) zu Rom (Raupe...nspinne?) ist. Dann könnte es sich bei dem Altair of Despair nicht um Roms Leiche handeln, sondern vielleicht um Ebrietas Puppenhülle.

    Am Altar kann man übrigens Annalise wiederbeleben, falls Alfred sie umgebracht hat. Macht man dies, so bekommt sie übrigens keine neuen Gesprächsthemen. Es macht den Eindruck, als wäre das in letzter Minute eingebaut worden, damit Spieler, die aus Versehen Annalise getötet haben, nicht damit bestraft werden, dass ihr Covenant nun weg ist. Wenn das wirklich der Grund ist, finde ich das ziemlich schwach. Wenn man Alfred, der Cainhurst hasst, eine Einladung dorthin gibt, sollte einem irgendwie klar sein was für Folgen das haben könnte. Storytechnisch gibt es auch wenige Erklärungen dafür, wieso man an dem Altar jemanden wiederbeleben kann. Beziehungsweise ist Annalise ja unsterblich, also wird nur ihre frühere Form wiederhergestellt.



    Es scheint, dass der Choir und die School of Mensis verschiedene Große Alte priorisiert haben. Der Choir wollte mit Hilfe von den Celestial Emissaries mit denen aus dem Kosmos kommunizieren. Während sich die School of Mensis eher auf Albträume fokussiert und dort Große Alte gesucht hat. Da Mensis, wie damals auch Master Willem, Nabelschnüre von infantilen Großen Alten verwendet, könnte man sagen, dass sie auf diese Art näher an den Methoden Byrgenwerths dran sind. Aber der Choir hantiert viel mit den Chalice Rituals, welche ebenfalls in Byrgenwerth für die Kommunikation mit den kosmischen Wesen verwendet wurden. Wie am Anfang gesagt: beide haben die Nachfolge von Byrgenwerth angetreten, und beide waren auf ihre eigene Art erfolgreich... wenn man das so nennen möchte.

    Auf eine Sache wollte ich hier noch eingehen. Und zwar finde ich die englische Übersetzung insgesamt exzellent. Alleine die Wortwahl ist herausragend, wie man vielleicht an den Gebietsnamen wie "Hypogean Gaol" und "Hemwick Charnel Lane" erkennen kann. Und auch die Notizen sind sehr schön geschrieben. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass mir bei manchen Sachen immer noch Schauer über den Rücken laufen, wenn ich sie höre beziehungsweise lese. Aber die Übersetzung hat ein Problem: sie ist nicht sehr wörtlich. Das macht es bei einem Spiel wie Bloodborne, welches sehr auf indirekten Zusammenhängen basiert, natürlich schwer, wenn einem nur die Übersetzung zur Verfügung steht. Und bei Ebrietas ist das signifikant, denn ihr Zusatz ist "Daughter of the Cosmos". Es gibt noch eine Kreatur in Bloodborne, die mit „Kos, some say Kosm“ betitelt wird. Dies sorgt gegebenenfalls für falsche Schlussfolgerungen, denn im Japanischen kommt "Kosmos" nicht explizit in Ebrietas Namen vor. Vielleicht ein Zeichen, dass man vorsichtig sein muss, aus Wortwahlen in diesen Spielen zu viele Schlüsse zu ziehen.

    Das waren im wesentlichen auch die Storyaspekte über die beiden Gruppierungen der Healing Church: Choir und die School of Mensis. Beide standen sich zumindest später feindselig gegenüber, was eine gewisse Spaltung innerhalb der Kirche vermuten lässt. Mensis hat den Hauptsitz in Yahar'gul, the Unseen Village, wo sie ihre Rituale durchführten, um einen Großen Alten anzulocken. Sie tragen auch Käfige auf ihren Köpfen, sehr modisch. Der Choir war im Upper Cathedral Ward und hat dort mit Ebrietas kommuniziert, von ihr gelernt und vermeintlich an Kindern experimentiert.
    Geändert von Sylverthas (30.05.2019 um 14:30 Uhr)

  2. #102
    Langsam bewegen wir uns auf das Endgame zu. Aber ein paar Berichte gibt es noch, denn der DLC wartet ja auch auf uns und zumindest ein "kleiner" Abschnitt zu den Chalice Dungeons ist geplant. Der Plan ist, diese Woche ein wenig mehr Gas zu geben, damit sich das nicht mehr über das ganze Jahr zieht


    Bloodborne - Yharnam Tour Guide 7

    Wir können immer noch die Schreie von einem Baby hören – also scheint das Ritual von Mensis nicht beendet zu sein. Wir kehren zum Advent Plaza zurück, wo wir letztes mal gegen The One Reborn gekämpft haben und finden dort einen toten Mann auf einem Stuhl, der einen Metallkäfig trägt. Das scheint Mode bei Mensis zu sein, angeblich kann man damit besser eine Verbindung zu Großen Alten in Albträumen aufbauen. Hierbei handelt es sich um Micolash, den Anführer der School of Mensis.



    Als wir seinen Helm berühren werden wir wieder in einen Albtraum gezogen - in das obere Stockwerk des Universitätsgebäudes, welches auch zur Nightmare Frontier geführt hat. Dieses ist auch ein Bindestück zum Nightmare of Mensis. Hier kann man auch noch mal auf die Spinne Patches treffen, der uns in der Nightmare Frontier in den Sumpf gestoßen hat. Zumindest geht nirgendwo hervor, dass einer der Charaktere dies gewusst hat. Auf der oberen Etage finden wir eine interessante Nachricht darüber, dass Laurence die Moon Presence gerufen hätte - ähnlich, wie es Mensis derzeit tut. Es ist auch recht naheliegend, wann Laurence dies getan hat. Wir wissen ja, dass der blutrote Mond damals über Old Yharnam zu sehen war, bevor die Kirche die Stadt abgebrannt hat. Zu diesem Zeitpunkt wird Laurence ein Ritual durchgeführt haben. Die Frage ist natürlich, welcher Albtraum hier erschaffen wurde. Prinzipiell gibt ein Ende von Bloodborne darauf Antworten, denn die Moon Presence herrscht über den Hunter's Dream. Dies ist auch der Große Alte, mit dem Mensis kommunizieren will und durch das Schreien von Yharnams Baby anlockt.



    Am Ende der Lecture Hall ist eine große Pforte, welche in den Nightmare of Mensis führt. In dieser Albtraumwelt wird das Ritual fortgesetzt. Wir werden begrüßt von Wänden, die aus versteinerten menschlichen Körpern bestehen – ähnlich wie in Yahar'gul. Und in dem Moment, in dem wir aus der Höhle treten, sehen wir in der Entfernung ein Leuchten aus einem Turm. Der erste Teil des Albtraums besteht darin, dass wir Blickkontakt mit dem Leuchtturm meiden, weil was auch immer sich dort befindet, Frenzy und starke Schmerzen verursacht. Also müssen wir die Silberbestien, die sich hier aufhalten, immer hinter Steinformationen bekämpfen. Aus diesen platzen übrigens Würmer raus, was die Kämpfe besonders angenehm macht. Aber das grauenhafte Leuchten kann auch Vorteile bringen, denn die Bestien sind ebenso davon betroffen wie wir.



    Im ersten Raum des großen Gebäudekomplexes finden wir eine Unmenge an Spinnen, die von der Decke hängen. Hier gibts zwei Möglichkeiten: läuft man direkt in den Raum, so muss man gegen alle kämpfen. Man kann diese aber auch nacheinander mit einer Schußwaffe von der Decke schießen. In jedem Fall wartet in der Mitte eine Mutterspinne auf einen. Für Leute mit Arachnophobie ist dieser Raum sicher ein Albtraum. Auf den oberen Balkonen finden wir Krähen mit Hundeköpfen und Hunde mit Krähenköpfen - hier hat jemand sehr spannende (Alb-)Träume.



    Nun kommen wir zu dem Bosskampf in Bloodborne, der wahlweise belächelt oder verflucht wird. Wir treffen auf Micolash - Host of the Nightmare, den Anführer von Mensis. Wegen seines sehr rationalen Auftretens und dem Käfig auf dem Kopf hat man ihm auch den Spitznamen "Micolash Cage" gegeben. Der Kampf ist so verhasst, weil es im Prinzip ein Puzzleboss mit Oneshot Kills ist. Man verfolgt Micolash die meiste Zeit nur und probiert ihn in eine Sackgasse zu bringen. Dann greift er einen mit Zaubern an - darunter auch A Call Beyond. Das ist das Problem mit dem Kampf: mit etwas Pech kann einen dieser eigentlich leichte Boss schnell umbringen, und man muss die Jagd immer wiederholen. Daher tragen wir auch jetzt Kleidung, die hohe Resistenz gegen arkanen Schaden bietet. Ansonsten finde ich den Kampf sehr gelungen. Bloodborne hat sowieso zu viele Kämpfe gegen große Bestien, die sich ähnlich anfühlen. Da ist Micolash eine Abwechslung.



    Er hat auch ein paar schöne Monologe, die man irgendwann auswendig kann. Beliebt ist natürlich "Ahh, Kos, or some say Kosm... Do you hear our prayers? As you once did for the vacuous Rom, grant us eyes, grant us eyes. Plant eyes on our brains, to cleanse our beastly idiocy.". Interessant ist, dass Mensis ja den Mond mit der Moon Presence anbetet, aber Micolash hier mit Kos, einem anderen Großen Alten, spricht. Auch, dass er nach seinem Ableben im Traum Angst davor hat, dass er nun aufwache und alles vergesse - dabei ist er ja schon lange tot, in der realen Welt. Ruhe in Frieden, Micolash Cage.



    Nach dem Kampf gegen Micolash kann man die oberen Bereiche von Mergo's Loft betreten. Ich war hier so clever und bin erstmal über die Brücke, die direkt im Sichtbereich des großen Leuchtturms ist, gelaufen. Da kann man unheimlich schön Frenzy aufbauen und sterben. Besser ist ein alternatives Vorgehen. Man findet weiter oben einen Schalter, der die Verankerung von einem monströsen Gehirn voller Augen löst und es in die Tiefen fallen lässt. Dieses Gehirn ist das Brain of Mensis. Tatsächlich hat Mensis es geschafft, einen Großen Alten zu erschaffen. Leider ist dieser Große Alte definitiv feindselig und von ihm ging das schreckliche Leuchten aus.


    Sobald man es aus der Verankerung gelöst hat erscheint in einem früheren Bereich des großen Anwesens ein neuer Fahrstuhl. Dies ist meiner Meinung nach eines der seltsameren Geheimnisse im Spiel, weil es kein Indiz dafür gibt, dass so ein neuer Fahrstuhl auftauchen sollte. Vermutlich wird man zufällig über ihn stolpern. Mit diesem kann man in die dunklen Tiefen herabsteigen, in welche das Gehirn gefallen ist. Direkt daneben zu stehen ist verstörend, gerade, wenn einen die Augen ansehen. Master Willem wäre stolz, Mensis hat es geschafft ein Gehirn mit Augen zu bestücken. Übrigens kann man mit der Kontakt-Geste mit dem Hirn kommunizieren und bekommt dafür eine Rune. Tötet man es, so erhält man einen Gegenstand, der für ein fortgeschrittenes Chalice Ritual notwendig ist.


    Was ich bisher nicht gesagt habe: der Schalter, der das Gehirn löst, wird von mehreren Winter Lanterns bewacht. Diese Monstrositäten haben riesige Gehirne mit Augen und lösen schnell Frenzy aus, wenn man in ihr Antlitz blickt. Was für ein Glück, dass unsere nette Oma in der Zuflucht uns Sedatives gegeben hat. Die Winter Lanterns verstecken aber noch ein Geheimnis, welches erstaunlich ist. Schaut man sich ihre Klamotten genauer an, so erkennt man, dass diese sehr ähnlich zu der Kleidung der Puppe aus dem Traum ist. Also sieht man hier im Prinzip entartete Versionen von ihr. Ob das einfach nur ein Schockeffekt ist, oder es tiefere Gründe gibt, macht das Spiel leider nicht klar. Irgendwie würde man vermuten, dass es bei so einer klaren Anspielung viel mehr dahinter gibt. Weil ich (noch) nicht komplett verrückt bin habe ich keine Bilder von den Winter Lanterns gemacht. Sie sind vermutlich welche der verstörendsten Gegner im Spiel – auch, wenn man bemerkt, dass sich in ihren Gehirnen lauter kleine Messenger befinden. Aber es gibt einen sehr guten Comparison Shot



    Um uns von diesem Schrecken zu erholen machen wir erstmal eine Pause vom Nightmare of Mensis. Ja, ich habe den Traum hier tatsächlich verlassen, um noch ein paar andere Sachen zu erledigen. Beispielsweise den DLC und die Chalice Dungeons.



    Wir waren schon lange nicht mehr bei der guten, falschen, Iosefka. Wir finden sie nicht an der Kliniktür, also gehen wir durch den Hintereingang. Und der Anblick von ihr auf allen vieren ist schon sehr speziell. Sie sagt, sie könne Dinge in ihrem Gehirn fühlen und dass sie nicht normal seie. Ja, das kann man zweifelsfrei sagen. Wenn man sie erschlägt, dann bekommt man eine Nabelschnur eines infantilen Großen Alten. Sie hat sie also benutzt, um Augen in ihrem Gehirn zu bekommen. Der Beschreibung zu urteilen war dies die, die Master Willem ebenfalls verwendet hatte. Anhand der Kleidung der falschen Iosefka merkt man auch, dass sie dem Choir angehört hat. Sie hat vermutlich bei ihrer Schwester Zuflucht gesucht, als der Upper Cathedral Ward überrannt wurde. Hier hat sie dann ihre Versuche an Menschen weitergeführt. Sie hatte ja sogar ihre Schwester Iosefka in einen Kin of the Cosmos verwandelt.



    Arianna finden wir nicht mehr auf ihrem Stuhl in der Oedon Chapel. Dafür führt eine Blutspur in den Vorraum. Ihr ging es ja nicht so gut. Wenn man der Spur folgt, so findet man sie komplett durcheinander auf, und vor ihr sitzt ein Alienbaby. Definitiv eine der beunruhigenderen Szenen im Spiel, und man kann es auch umbringen. Tut man dies, so bricht Arianna zusammen und man bekommt eine weitere Nabelschnur.



    Diese spricht von dem formlosen Großen Alten Oedon, der wohl Arianna geschwängert hat. Es wird auch gesagt, dass dafür das verdorbene Blut wichtig war – Ariannas Abstammung von den Adligen von Cainhurst. Übrigens legt das wiederum nahe, dass auch Mergo, das Baby von Queen Yharnam, von dem formlosen Oedon gezeugt wurde. Oedon ist ziemlich interessant und wird nur in wenigen Beschreibungen erwähnt. Er ist formlos, aber er hat eine Stimme und Blut ist sein Element. Genauer sagt die Beschreibung der Oedon Rune “Human or no, the oozing blood is a medium of the highest grade, and the essence of the formless Great One. Both Oedon, and his inadvertent worshippers, surreptitiously seek the precious blood. ” Besonders die letzte Zeile lässt die Vermutung zu, dass die Anbetung von Oedon (wir befinden uns in Oedon Chapel) für das Verlangen nach Blut, was in Yharnam vorherrscht, verantwortlich ist. Der Blutcocktail ist immerhin ein beliebteres Getränk in Yharnam als Alkohol, weil er berauschender ist.

    Draußen vor der Kathedrale befindet sich eine Amygdala. Haben wir ein Auge eines bluttrunkenen Jägers bei uns, bringt uns diese in den Hunter's Nightmare. Großzügigerweise haben wir von den kleinen Messengers genau so eines bekommen.


    Curse the fiends, their children too. And their children, forever true.

    Dies sind die ersten Worte, die wir im Albtraum vernehmen. Wir finden uns in einer verzerrten Version des Cathedral Wards wieder. Der Mond sieht verseucht und falsch aus. Hier werden wir mit vielen alten Jägern konfrontiert, welche Bestien jagen. Im Hunter's Nightmare landen in der Regel Hunter, die dem Blutrausch verfallen sind - glücklicherweise trifft das nicht auf uns zu. Interessant ist, dass die Bestien hier teilweise Angst vor uns haben. Auf eine gewisse Art erscheinen diese daher humaner als die Jäger und wir selber.



    Im ersten Abschnitt des Traumes stellen uns die Bewohner von Yharnam viele Fallen, von denen mich eine Explosion bei einem alten Mann auch weggefetzt hat. Hier bekommt man auch eine große Menge an Waffen der alten Jäger. Ehrlich gesagt kamen mir die meisten davon viel zu spät und die Chikage dient uns derzeit sehr gut, daher werden wir die Waffe zunächst nicht mehr wechseln. Übrigens ist ein Angriff mit der Waffe besonders stark: transformiert man sie mit L1, und führt sofort einen Angriff mit R1 aus, so macht man aus der Schwertscheide heraus einen schnellen Stoßangriff. Dies ist in manchen Situationen sogar die bevorzugte Art damit anzugreifen, immerhin zehrt die Chikage in der verwandelten Form konstant Lebensenergie.



    Man merkt, dass die Zeit, die hier im Traum abgebildet ist, eine war, bei der der Fluch der Bestien außer Kontrolle geraten ist. Die Flüsse sind voller Blut, überall sind die Blutzecken, welche wir aus Cainhurst kennen und in einer Höhle treffen wir auch auf ein Bloodstarved Beast. Viele Jäger im Blutrausch konfrontieren uns, welche mehr oder weniger problematisch sind. Vor allem ein Jäger, der mit einer Gatling bewaffnet ist, durchsiebt uns ziemlich schnell. Dafür sind die Zecken hier aus irgendeinem Grund schwächer als die aus Cainhurst. In einem Nebenraum der Oedon Chapel treffen wir auf Simon the Harrowed. Dies ist ein Jäger, welcher von der Healing Church desillusioniert ist. Er erzählt von Geheimnissen der Kirche, welche hier im Traum versteckt sind.



    Wir betreten ein großes Gebäude, vor dem sich Blut und Leichen sammeln. Wer dieses Gemetzel verursacht hat, stellen wir direkt fest. Uns konfrontiert Ludwig, the Accursed. Hohe Mitglieder der Healing Church werden zu den übelsten Bestien - und zu was für einer Ludwig geworden ist. Früher Ludwig The Holy Blade, Gründer des Healing Church Workshops. Er war mit seinen Jägern dafür bekannt, große Bestien ohne Rücksicht zu vernichten und viele hielten ihn für einen Verrückten, so viel Leidenschaft hat er in diese Arbeit gesteckt. Vermutlich hängt die Transformation zu einer Bestie davon ab, wie lange sie herausgezögert wurde und wie viel von dem alten Blut man in der Zeit zu sich nahm - und offensichtlich war dies bei Ludwig eine Unmenge, wenn man betrachtet, zu was für einer Monstrosität er geworden ist. Bei seiner Transformation ist er angeblich auch mit seinem treuen Ross verschmolzen, was die vielen Gliedmaßen erklärt.




    In jedem Fall ist dies einer der schwereren Kämpfe in Bloodborne. Der Kampf ist zweigeteilt. In der ersten Phase ist es mehr oder weniger ein typischer Bestienkampf in Bloodborne. Ludwig haut wild um sich und seine Angriffe sind schwer zu lesen. Seine vielen Gliedmaßen tragen dazu bei, dass der Kampf unübersichtlich wird. Auch seine Sprungangriffe konnte ich kaum einschätzen. Dann findet Ludwig jedoch das heilige Licht wieder, was ihn auch damals immer geleitet und zu Sinnen gebracht hat - egal, wie tief er im Blut der Bestien stand. Sein Holy Moonlight Sword bringt ihn etwas zur Besinnung, und die zweite Hälfte kämpfen wir gegen Ludwig - The Holy Blade. Seine Bewegungen werden auch viel koordinierter und der Kampf gleicht eher dem gegen einen Reiter auf seinem Pferd. Ludwig benutzt hier auch arkane Angriffe. Ludwig ist quasi der Kampf, der Bloodborne verkörpert und ist audiovisuell großartig. Ähnlich zu Ebrietas sieht er auf eine gewisse Art edel und abscheulich zugleich aus.



    Nach unserem Sieg bleibt nur noch sein Schädel über. Wir sprechen ihn in Kleidungen der Healing Church an und versichern dem leidenden Geist, dass aus den Jägern der Kirche eine gute Organisation geworden ist. Anscheinend wusste er gar nicht, was nach seinem Fall passiert ist. Beruhight gibt er uns seine "heilige" Waffe, das Moonlight Sword. Es ist naheliegend, dass seine Verwandlung in eine Bestie mitverantwortlich war für das Massaker, was wir hier sehen. Die Leichenberge in diesem Raum sprechen dafür. Nach den Beschreibungen und Ludwigs Erzählung hatte er seinen immensen Tatendrang durch eine höhere Macht erhalten. Immer, wenn die Situation schwierig war, musste er nur seine Augen schließen und hat ein weißes Licht gesehen, welches ihm Gewißheit brachte - ein kleiner gleißender Faden Hoffnung. Es gibt noch weitere Waffen, die aus dem gleichen kosmischen Metall geschmiedet sind - die Blade's of Mercy und auch Gehrmans Sense. Wo das Metall herkommt ist nicht klar, aber dass es übernatürliche Eigenschaften hat ist offensichtlich. So kann Gehrmans Burial Blade die Verbindung zum Hunter's Dream trennen.



    Ludwigs Geschichte ist die eines noblen Kämpfers, der Gutes für die Menschen getan hat. Er hat den Healing Church Workshop gegründet. Hoch auf seinem Ross ritt er durch die Straßen Yharnams, um an der Seite der Holy Blades mit seinem Moonlight Sword Bestien zur Strecke zu bringen. Durch seinen Glauben an die höheren Mächte, die ihm im Geiste erschienen, konnte er dem Fluch der Bestien lange widerstehen. Am Ende hat er aber – wie jeder Hunter – die Kontrolle verloren und ein schreckliches Blutbad angerichtet. Es zeigt sich, dass niemand ewig dem alten Blut widerstehen kann und was für ein teuflischer Kreislauf hier in Yharnam stattfindet. Menschen werden durch das alte Blut zu Bestien, und Jäger müssen diese hinrichten – aber um stark genug dafür zu werden, müssen sie selber das Blut zu sich nehmen, und werden dadurch zu noch schlimmeren Monstrositäten.
    Geändert von Sylverthas (16.05.2019 um 00:22 Uhr)

  3. #103
    Heute bringen wir den den Old Hunter's DLC zum Abschluss. Am Ende ist noch eine kurze Erklärung des Hunter's Nightmares und wieso dieser so viel Relevanz für Bloodborne hat. Wenn die Reihe von Berichten fertig ist werde ich noch eine kleine Liste mit Quellen anfertigen, bei denen man mehr darüber nachlesen kann.




    Bloodborne - Yharnam Tour Guide 8

    Wir verlassen den See aus Blut, in dem wir Ludwig bekämpft haben und erreichen wenig später eine Kapelle, in der Hunter der Healing Church auf uns warten. Hier ist ein großer Altar, welcher als Fahrstuhl nach oben dient. Dargestellt ist eine Zeremonie mit Master Willem und zwei weiteren Gestalten. Haben sie bei der Person auf dem Tisch nach Augen gesucht? Der “unter dem Fahrstuhl ist was versteckt”-Trick wurde in Soulsborne Games schon so oft verwendet, dass er nur noch neue Spieler überraschen dürfte. Auf der Ebene unter dem Fahrstuhl befinden sich die Statuen, die in der Gegenwart in der großen Kathedrale stehen. Ist dies sinnbildlich für den Wechsel des Dogmas der Kirche, der Abkehr von Master Willems Lehren? Hier findet man auch den menschlichen Schädel von Laurence – in der Gegenwart liegt sein Bestienschädel auf diesem Altar.



    Der Aufzug bringt uns hoch in die Research Hall der Healing Church. Dieses Forschunginstitut liegt im Astral Clocktower, den wir im Cathedral Ward schon sehr oft zu Gesicht bekommen haben. Es fallen sofort die menschlichen Figuren mit ihren großen Wasserköpfen auf. In der Research Hall hat man natürlich mit Menschen experimentiert (ihr wisst schon: japanische Spiele und kirchliche Organisationen und so). Die Kreaturen scheinen keine Augen mehr zu haben, und reagieren sehr empfindlich auf Geräusche. In dem Turm gibt es viele Gefäße, die man umschmeissen kann, um das richtig auszukosten. Der Glockenturm besteht aus zwei Phasen. An der Spitze findet man einen Schalter, mit dem man die Treppen nach oben fahren lässt. Es ist eines der vertikalsten Gebiete von Bloodborne und mein Lieblingslevel im Spiel. Es ist komplex, aber nicht überfordernd und hat einige Verstecke.



    Besonders traurig sind die Räume voll von Patienten, welche sich nur den Tod wünschen. Anscheinend hat man ihnen irgendein Wasser injeziert, welches sie mutieren lässt. Die meisten stehen nur in der Gegend rum und sprechen über das Meeresrauschen, welches sie in ihrem Kopf hören. Andere erwähnen auch Lady Maria, welche sich hier um die Menschen gekümmert hat. Wir entscheiden uns dafür, die Patienten zu erlösen – auch wenn einige gar nicht mehr mitkriegen, was los ist. Ehrlich gesagt mag ich solche kleinen, subtilen Entscheidungen in Spielen. Es ist egal, was man mit den passiven Patienten tut, also ist das Handeln eine moralische Frage.



    Wenigstens eines der Wassergehirne ist noch bei Sinnen. Sie stellt sich als Saint Adeline vor, eine Schwester der Healing Church. Sie bietet uns ihr Blut an, welches ähnliche Wirkung zu dem von Adella hat. Sie möchte im Austausch dafür, dass wir ihr Hirnwasser bringen, von anderen Wassergehirnen. Ja mehr Wasser sie in sich aufnimmt, umso zusammenhangloser wird ihr Gerede. Schließlich wird ihr Körper komplett absorbiert und nur noch ihr Gehirn liegt auf dem Boden. Wenn man dies nun tötet, erhält man weiteres Gehirnwasser, und sie regeneriert sich. Wenn wir ihr ihr eigenes Wasser geben, so graviert sie eine Rune in unser Gehirn und stirbt. Diese Runen sind ja niedergeschrieben Worte von Großen Alten, also hat Adelines Aufstieg kurz vor ihrem Tod anscheinend funktioniert. Prinzipiell scheint Adeline glücklich damit zu sein, was aus ihr wird – also ist das hier eine der wenigen positiven Geschichten in Bloodborne?



    Nachdem wir die Treppen im Turm nach oben gefahren haben treffen wir Simon erneut. Um die wahren Geheimnisse der Healing Church herauszufinden müssen wir Lady Maria umbringen, sagt er uns. Mit einem Schlüssel können wir auch den Weg in die Lumenflower Gardens öffnen. Das erklärt übrigens, wo sich dieses Forschungszentrum befindet – nämlich im Anschluss an die große Kathedrale und das spätere Waisenhaus vom Choir. Und der nächste Boss, Living Failures, ist quasi die Vorgänger der Celestial Emissaries, die zur Kommunikation mit den Großen Alten des Kosmos dienen. Der Bosskampf bedarf weniger Worte. Die starken Zauber, die sie verwenden, kann man mit Hilfe der Pflanze in der Mitte blockieren.



    Nun kommen wir zu dem Kampf, der zumindest für mich der Höhepunkt vom Hunter's Nightmare ist. Wir betreten einen großen Raum, der von Licht, welches durch ein Uhrwerk dringt, durchflutet wird. Am anderen Ende sitzt eine Frau auf einem Stuhl. Sie hat eine aufgeschlitzte Kehle und Blut läuft kontinuierlich an ihrem Arm herunter. Wir wollen ihren Puls fühlen, da greift sie plötzlich unseren Arm und flüstert uns etwas zu. Sie steht auf, und der Kampf gegen Lady Maria of the Astral Clocktower beginnt.



    Es handelt sich hierbei um einen dreiphasigen Kampf, der immer weiter eskaliert. Zunächst kämpft sie normal mit ihren Schwertern. In der zweiten Phase des Kampfes schlitzt sie ihre Kehle auf und tränkt ihre Waffen in ihrem Blut – wie wir es auch mit dem Chikage tun. Das erweitert ihr Arsenal um Blutangriffe. In der letzten Phase entfacht sie schließlich ihr Blut und verwendet Feuerangriffe. Dadurch wird die Reichweite ihrer Schwerthiebe deutlich größer. Insgesamt ist das einer der besten Hunter Kämpfe im Spiel. Es ist ein Spektakel, und sie zieht nicht viele der Bullshit-Moves, für die andere Jäger bekannt sind. Und ehrlich gesagt fand ich es in diesem Durchgang ganz cool, dass wir mit dem Chikage kämpfen, welches eine Schwesterwaffe zu ihrem Schwert Rakuyo ist. Auch die musikalische Untermalung ist exzellent. Sie ist leider extrem anfällig gegen Konterangriffe, was den Kampf leicht machen kann.



    Hier stand eigentlich ein längerer Rant über die Dark Souls Reihe. Aber stattdessen sage ich nur: Sister Friede empfinde ich als billige Kopie von Lady Maria. Und das steht repräsentativ für meine Meinung zu Dark Souls 2 und 3. Dass Teil 1 viel von Demon's Souls kopiert hat ist recht offensichtlich.

    Ihre Blutangriffe sind interessant. Es gibt im Spiel nur eine weitere Person, die Blut so gut kontrollieren kann – Queen Yharnam. Maria kommt aus Cainhurst und ist eine Verwandte von Königin Annalise, was ihre Affinität zu Blutmagie erklärt. Dem Cainhurst Adel wird eine Abstammung von Pthumeru nachgesagt, insbesondere von Yharnam. Auch ihre Kleidung ist eine Mischung der Trachten von Cainhurst und der, die die alten Jäger unter Gehrman getragen haben. Immerhin war Maria eine der taltentiertesten Schülerinnen des ersten Jägers.



    Obwol dies nicht offensichtlich ist hat der Hunter's Nightmare viel mit Gerhman zu tun. Was den meisten sicher aufgefallen sein wird, ist, dass Lady Maria verblüffende Ähnlichkeit zu der Puppe aus dem Traum hat. Beide haben auch die gleiche Synchronsprecherin. Da Maria sich im Kampf die Kehle aufschlitzt ist es recht wahrscheinlich, dass sie Selbstmord begangen hat. Gehrman hat die Puppe nach Marias Tod entworfen, er war von ihr besessen. Was auch den perfekte Zustand erklärt, in dem sich die Puppe befindet.



    Nach Marias Ableben können wir einen geheimen Weg im Astral Clocktower öffnen, welcher uns zu dem Fishing Hamlet bringt. Es ist offensichtlich, dass das Dorf von Lovecrafts The Shadow Over Innsmouth inspiriert wurde.
    Direkt am Eingang des Dorfes begegnet uns eine seltsame Fischkreatur, welche Byrgenwerth verflucht und als Mörder bezeichnet. Eine sehr prägnante Sache, die sie von sich gibt, ist “Lay the curse of blood upon them, and their children, and their children's children, for evermore. Each wretched birth will plunge each child into a lifetime of misery. Mercy, for the poor, wizened child...Let the pungence of Kos cling, like a mother's devotion.“ Was hat so viel Hass auf Byrgenwerth hervorgebracht? Die Beschreibung vom Accursed Brew sagt „Skull of a local from the violated fishing village. The inside of the skull was forcibly searched for eyes, as evidenced by innumerable scratches and indentations.“



    Das kleine Fischerdorf ist voll von kleinen, weißen Phantasmen - Parasites of Kos. Überall sind Algen- und Korallengewächse an den Wänden der Häuser. Und wir werden von den Bewohnern mal wieder sehr unliebsam begrüßt. Hier müssen wir uns gegen größere Gruppen von Fischmenschen wehren, aber keine davon ist so schlimm wie die großen Haimonster. Diese sind unglaublich mobil, drehen sich schnell um die eigene Achse, haben eine hohe Reichweite, langen deftig zu und lassen sich kaum stunnen. Noch schöner: in dem Brunnen, in dem man das Rakuyo von Maria findet, gibt es sogar zwei davon, die wir gleichzeitig bekämpfen müssen. Hier bin ich auf volle Aggression gegangen und habe probiert einen davon schnell zu töten, bevor der andere kommt – und es hat erstaunlicherweise beim ersten Versuch geklappt. Bei den einzelnen Haien im Dorf bin ich mehrmals gestorben. Besonders fies ist ein Gauntlet, bei dem man von einem Magier beschossen wird. Rennt man zu diesem hin, wird man von einem Haimonster von der Seite flankiert.



    Wir treffen Simon erneut, aber er ist dem Tode nahe – anscheinend hat Brador, ein Assassine der Healing Church, ihn angegriffen, weil Simon den Geheimnissen der Kirche zu nahe kam. Er hinterlässt uns seine Bowblade, eine exzellente Waffe für einen Skill / Bloodtinge Build. Verwandelt kann man mit ihr Pfeile schießen (duh). In der Regel verwenden wir weiter Chikage, aber für ein paar der Kämpfe in den Chalice Dungeons ist die Bowblade sehr nützlich. Blickt man aus der Hütte nach unten, kann man den Strand bereits sehen, der unser Ziel ist. Eigentlich machen die Felsen hier sogar den Eindruck, man könne einfach runterspringen - aber das führt auf jeden Fall in den Tod, man muss also den langen Weg nehmen.



    Im letzten Teil des Dorfes wird man nun auch von Brador an mehreren Orten angegriffen, immer, wenn man das Läuten einer Glocke hört. Man kann dies komplett stoppen, wenn man ihn in seiner Zelle im Gefängnis umbringt. Wir treffen auf weitere der Seekreaturen, welche wie Schnecken in ihren Muscheln sind. Vor einem Höhlenausgang Richtung Strand knien sehr viele dieser Schneckenfrauen, als würden sie etwas anbeten.



    Am Strand bietet sich uns ein schrecklicher Anblick. Eine große, fischähnliche Kreatur ist verendet, während der verfluchte Mond den Himmel erhellt. In dieser Kreatur regt sich etwas, und aus ihr bricht eine Gestalt mitsamt der eigenen Plazenta aus. Dies ist der Orphan of Kos. Er ist unheimlich schnell und agil. Häufig wird er als unfair angesehen, weil die Angriffsmuster recht unberechenbar sind (in der Bloodborne Wiki wird von 13 verschiedenen „Stimmungen“ von ihm gesprochen). Ich würde sagen, dass er der Boss im Spiel ist, bei dem man die besten Reflexe benötigt um mit seinen Angriffen klarzukommen, weil man nur begrenzt planen kann. Es wird auch vermutet, dass der Boss mehr als andere Inputs liest, weil er häufig dorthin springt, wo man hin ausweichen wollte. Interessanterweise wird die zweite Phase, in der er Flügel bekommt, meiner Meinung nach einfacher, weil er Angriffe mit längeren Aufwärmphasen benutzt. Beispielsweise den Stromschlag oder den Sprungangriff, bei dem er direkt nach unten springt. Der Kampf ist sehr intensiv und ich habe einige Versuche an ihm benötigt – aber lange nicht so viele wie bei manchen Bossen in Sekiro. In dem Versuch, in dem ich ihn besiegt habe, hatte ich keine Bloodvial mehr übrig – nicht mal mehr die von Adeline.



    Doch der Albtraum endet hier noch nicht – dafür muss man erst den Geist vom wahren Kind von Kos töten, welcher als schwarzer Schatten erscheint und diesen Albtraum erschaffen hat. Kos ist übrigens der Große Alte, welcher hier tot am Strand liegt. Dass der Albtraum endet und auch der Fluch aufgehoben ist, wird nicht nur durch die Nachricht "Nightmare Slain" nähergelegt, sondern auch, weil der verfluchte Mond nun wieder seine normale Gestalt annimmt. Auch für Gehrman endet ein Albtraum, denn er schläft seit langem wieder gut – wie uns die Puppe mitteilt.



    Es gibt noch einen letzten Boss: Laurence, the First Vicar. Diesen kann man bereits bekämpfen wenn man den Schädel vom Altar genommen hat. Man findet ihn in der großen Kathedrale im Hunter's Nightmare. Der Kampf ist ähnlich zum ersten Cleric Beast. Ab der Hälfte bricht er zusammen und aus seinem Unterkörper kommt Feuer / Lava. Der Kampf ist recht einfach und kaum der Rede wert.






    Es folgt eine kurze Erklärung / Interpretation, was es mit dem Hunter's Nightmare auf sich hat und wie Maria, Gehrman, Laurence und Willem in die Ereignisse verwickelt waren

    Vom alten Blut in den Gewölben unterhalb Yharnams inspiriert versuchte Byrgenwerth die Menschheit auf eine neue Evolutionsstufe zu bringen. Irgendwann wurden sie auf ein kleines Dorf aufmerksam, dessen Bewohner fischähnlich waren. In diesem Dorf liegt der Leichnam des Großen Alten, Kos, welcher viele Parasiten beherbergte. Durch diese wurden die Menschen im Fishing Hamlet verwandelt, zu Kin of the Cosmos. Byrgenwerth untersuchte, ob diese Menschen Augen im Inneren ihres Kopfes haben. Master Willems große Eingebung war es, dass Evolution nur mit mehr Augen zu erreichen sei.

    Es begann eine Jagd und viele Bewohner des Fishing Hamlets wurden abgeschlachtet, ihre Köpfe gespalten und nach Augen durchsucht. An dieser Jagd nahmen auch Gehrman, der erste Jäger, und seine geliebte Schülerin, Maria, teil. Am Strand entdeckten sie die Leiche von Kos – welche schwanger war. Das Kind von Kos, ein infantiler Großer Alter, wurde ihr entfernt. So gelangte Master Willem auch an die erste Cord of the Eye, die Nabelschnur von Kos. Dies war die große Sünde von Byrgenwerth, welche Gehrman plagen sollte.



    Am Ende der Jagd war Maria so entsetzt über das, was die Jäger hier getan haben, dass sie ihre Waffe, das Rakuyo, in den Brunnen des Dorfes warf und der Jagd abschwor. Die Schändung des Leichnams von Kos und ihres Babys war es, welches einen Fluch über Byrgenwerth brachte. Die Worte „Lay the curse of blood upon them, and their children, and their children's children, for evermore.“ beziehen sich vermutlich auf den Hunter's Nightmare, welcher bluttrunkene Hunter wie Ludwig, Laurence aber insbesondere auch Lady Maria und Gehrman, fesselt.Vielleicht ist der Bezug aber auch das alte Blut. Letzteres wäre eine simple Erklärung für die Nebenwirkungen des Blutes – es wurde von einem Großen Alten verflucht. Dem entgegen steht, dass es einen Fluch der Bestien auch früher in der alten pthumerischen Stadt Loran bereits gab.

    In jedem Fall war dies der Moment, in dem sich Byrgenwerth fundamental veränderte. Master Willem begann damit, nach Möglichkeiten zu suchen, mehr Augen zu bekommen. Vermutlich wurde mit der Cord of the Eye auch Rom zu dem gemacht, was sie heute ist. Dies erklärt Micolashs Bitte an Kos, ihm wie Rom mehr Augen zu geben. Sogar Studenten in Byrgenwerth wurden zu Gärten für Augen gemacht. Obwohl sie das alte Blut hatten sah Willem die Möglichkeit durch Augen zu einer höheren Existenzform aufzusteigen als sinnvoller an.



    Die Ereignisse im Fishing Hamlet haben vermutlich auch zu dem Bruch von Laurence mit Master Willem geführt – Laurence war überzeugt, dass das alte Blut der Weg ist, die Menschheit weiterzubringen. Zusammen mit Gehrman und Maria verließ er Byrgenwerth und gründete die Healing Church. Dort verwendeten sie das alte Blut, um Wunder zu vollbringen. Gehrman gründete den alten Workshop, deren Mitglieder Menschen, die zu Bestien wurden, jagen sollten.



    In den Forschungshallen haben sie Experimente mit Wasser (welches Kos Parasiten enthielt) gemacht. Vielleicht hat man hier auch probiert Gegenmittel gegen den Bestienfluch zu finden. Die Living Failures bezeugen, dass man auf dem Weg war, Celestial Emissaries zu erschaffen. Man sieht aber im Spiel, wie viel Erfolg die Experimente an den Wasserköpfen hatten. Die meisten sind wahnsinnig und viele wollen einfach sterben. Nur Saint Adeline scheint mir ihrem Schicksal glücklich gewesen zu sein. Maria war Teil dieser Einrichtung, die Patienten nennen ihren Namen und wollen mit ihr reden. Hier hat sie sich auch ihr Leben genommen – vielleicht aus Reue wegen ihrer Taten im Fischerdorf, vielleicht, weil die schreckliche Forschung an den Patienten nur wenige sinnvolle Resultate hervorbrachte. Im Hunter's Nightmare wacht sie nun über die Geheimnisse von Byrgenwerth und versucht, die Taten im Fishing Hamlet zu verbergen. Sie verwendet dafür sogar Blutfähigkeiten, obwohl sie davon eigentlich Abstand genommen hatte. Ihr Satz „A corpse ... should be left well alone.“ ist doppeldeutig. Sie bereut, was sie und Gehrman damals mit dem Leichnam von Kos gemacht haben.



    Gehrman war von Maria besessen und hat eine Puppe gebaut, welche ihr Abbild war – diese finden wir in seinem verlassenen Workshop. Gehrman wollte seine geliebte Maria wiederhaben, ihm war sonst alles egal. Daher hat er bei Laurence Plan zugestimmt, sich an den Hunter's Dream fesseln zu lassen, sollte ihn das mit ihr zusammenbringen.

    Wir wissen, dass Laurence irgendwann den Mond gerufen hat – und ihm dies gelang, denn über Old Yharnam stand der Blutmond, der Fluch der Bestien wurde immer stärker. Was Laurence Plan genau war kann man schwer sagen. Die Funktion des Hunter's Dream lässt vermuten, dass Jäger benötigt wurden, welche unsterblich sind und nicht dem Fluch der Bestien verfallen. Old Yharnam hat gezeigt, dass Missbrauch von altem Blut katastrophale Folgen hat. Andere Methoden, wie beispielsweise die Embrace Rune, um den Fluch unter Kontrolle zu bringen, schlugen fehl – und auch Laurence lief die Zeit davon.



    Mit einem Cord of the Eye (der Nabelschnur, die man im verlassenen Workshop von Gehrman findet) kontaktierte er die Moon Presence. Große Alte sind verständnisvoll gegenüber Menschen und antworten, wenn man sie ruft. Gehrman wurde ihr als „Ersatzkind“ angeboten (alle Großen Alten verlieren ihre Kinder und suchen nach einem Ersatz). Im Austausch wurden bestimmte Jäger an den Hunter's Dream gebunden. Diese werden mit dem Hunter's Mark gestempelt, können nicht sterben, bis sie von ihrer Pflicht entbunden werden und jagen die Bestien Yharnams... und vielleicht mehr. Der oben beschrieben Deal sieht einseitig aus, aber die Moon Presence hatte sicher eigene Absichten. Zum Beispiel den an sie gebundenen Jägern zu befehlen, ein Ritual zu beenden und ein Neugeborenes zum Schweigen zu bringen...



    In jedem Fall hat Gehrman den Kürzeren gezogen. Der Hunter's Dream ist eine Folter für ihn, er kann die Puppe, die seiner Maria so ähnlich sieht, sich aber nicht wie sie verhält, kaum ansehen. Vermutlich war es auch nur als eine temporäre Lösung geplant, immerhin wimmert er im Schlaf die Worte „Oh, Laurence... what's taking you so long... “ Laurence versprach ihm wohl, ihn zu befreien, sobald ein Gegenmittel gegen den Fluch der Bestien gefunden wurde. Bevor er das tun konnte, wurde er selber zu einer Bestie und schließlich in den Hunter's Nightmare gezogen. Für Gehrman endet die Nacht jedoch nie und seine Taten im Fishing Hamlet und Marias Selbstmord wiegen schwer. Zumindest, bis wir Lady Maria und das Kind von Kos erlösen, und Gehrman zu etwas Ruhe verhelfen.
    Geändert von Sylverthas (30.05.2019 um 13:52 Uhr)

  4. #104
    Der vorletzte Bericht zu Bloodborne. Diesmal sprechen wir über die supertollen Chalice Dungeons und beenden den Auftrag der Moon Presence.



    Bloodborne - Yharnam Tour Guide 9

    Bevor wir uns dem Ende des Spiels widmen will ich noch kurz auf meinen Weg durch die Chalice Dungeons eingehen. Ich vermute, dass ich dort fast so viel Spielzeit wie für das Hauptspiel (ohne DLC) verbracht habe. Früher habe ich sie immer nur teilweise gespielt, weil mir irgendwann einfach die Lust fehlte. Für Freunde des Dungeoncrawlings sicher ein Traum. Auch, wenn man von Bloodbornes Kampfsystem nicht genug kriegen kann eine gute Wahl, denn die Chalice Dungeons enthalten welche der schwersten Bosskämpfe im Spiel. Für mich eine Menge monotonen Contents, den ich am liebsten schnell im Co-Op hinter mich gebracht hätte – wofür ich aber kein Geld ausgeben wollte. Das scheinen viele Spieler ähnlich zu sehen, da die Trophy für Queen Yharnam eine recht niedrige Rate hat.



    Aber erstmal zu den Grundlagen. Es gibt insgesamt zehn verschiedene feste Chalice Dungeons und beliebig viele, die zufallsgeneriert sind. Jeder Dungeon besteht aus drei bis vier Ebenen, auf jeder ein Bosskampf. Es gibt auch eine Reihe von Modifikatoren, die größtenteils für die Zufallsdungeons gedacht sind. Während des Hauptpfades muss man nur einen Defiled Chalice machen, bei dem die HP halbiert werden. Um einen Dungeon zu öffnen muss man ein Chalice Ritual durchführen, wofür man Ressourcen braucht. Diese bekommt man teilweise in der Welt, teilweise aus Chalice Dungeons. Hat man einen der festen Chalice Dungeons durchgespielt, bekommt einen neuen Kelch für den nächsten, tieferen Dungeon. Auf jedem Stockwerk muss man einen Schalter umlegen um die Bosstür zu öffnen. Es gibt häufig noch optionale Wege, auf denen man Chalice Ressourcen finden kann, falls man einfach nicht genug kriegen kann. Glücklicherweise musste ich im Spielverlauf nie Ressourceh grinden, sonst hätte ich wohl abgebrochen. Wo ich von Grinden spreche: in den tieferen Ebenen regnet es Blood Echoes. Am Ende vom Spiel hatte ich ein Level von 150.



    Die Dungeons haben verschiedene Themen, sind aber alle in pthumerischen Ruinen angesiedelt. In den Ailing Loran Chalice Dungeons gibt es viele Bestien, weil Loran auch mit dem Bestienfluch zu kämpfen hatte. In Isz sind viele Kin of the Cosmos, weil die Bewohner dort der kosmischen Wahrheit nahe waren. Die Pthumerians waren ein Volk, welches über die Gräber der schlafenden alten Götter (Großen Alten) gewacht und ihre Zivilisation um diese aufgebaut hat. Sie waren quasi Diener der Großen Alten. Es wird spekuliert, dass einige der Großen Alten, die hier geruht haben, bereits zum Kosmos aufgestiegen sind, was den Zusatz von Ebrietas, "the left behind Great One", erklärt. Man glaubt ja, dass die Stadt Yharnam nach der Königin benannt wurde - aber vermutlich ist der Name sogar noch älter und das Land hieß eigentlich so. Denn die Anführerinnen der Pthumerians gaben sich geschichtsträchtige Namen. Interessant ist auch, dass anscheinend nur Loran von dem Bestienfluch befallen war, kein anderer Teil der pthumerischen Kultur - zumindest lässt darauf nichts schließen. Wurde also nur in Loran das alte Blut großzügig verwendet und in anderen Teilen Pthumerus wurden andere Formen der Evolution gesucht? Vielleicht erschien über Loran auch der Blutmond, wie es derzeit in Yharnam passiert? Durch die Nähe des Mondes wird der Fluch der Bestien ja stärker.



    Die Dungeons haben auch einige Kniffe, die man im Rest von Bloodborne nicht findet. So gibt es Fallbeile, Teleportfallen, rollende Steine und Geheimtüren in Wänden. Insgesamt wird man hier sehr stark an die Souls-Spiele erinnert (ich will gar nicht erst auf die Menge an wilden Spekulationen eingehen, die das mit sich bringt). Dazu tragen auch die Ritterrüstungen bei, die hier überall rumliegen. Diese sehen den Rüstungen aus Cainhurst sehr ähnlich. Es wird vermutet, dass die Vorfahren des Adels aus Cainhurst sogar Pthumerianer waren. Dies würde auch deren exzellenten Umgang mit Blutmagie erklären. Viele der Dungeons haben sogar brauchbare Shortcuts. Auch neue Gegnertypen gibt es, die man nirgendwo anders sieht, wie Schleime, wahnsinnige Pthumerianer und Geister von alten Besuchern der Grüfte. Viele Gegner kommen natürlich aus dem Hautspiel, was vermuten lässt, dass auch Pthumeru mit ähnlichen Dingen zu kämpfen hatte wie Yharnam - oder sich diese Kreaturen irgendwie in die Chalice Dungeons verirrt haben.



    Kommen wir zu den Bossen. Viele werden aus dem Hauptspiel recycled, beispielsweise das Bloodstarved Beast, das Abhorrent Beast (Kannibale) und Celestial Emmissary. Sogar ein paar einzigartige Bosse, wie Rom oder Ebrietas, werden wiederverwertet. Hier brechen auch die Spekulationen, worum es sich bei den Dungeons handelt, ein wenig zusammen. Viele sagen einfach „SHUT UP IT'S JUST A GAME!“. Andere vermuten, dass die Dungeons ähnlich wie die Albträume in ihrer eigenen Ebene der Wirklichkeit liegen und Große Alte auf mehreren Ebenen existieren können. Aus dem Spiel wissen wir, dass Byrgenwerth hier das alte Blut gefunden und Artefakte aus diesen Gewölben geborgen hat. Manche, die zur Erkundung hier runtergeschickt wurden, kamen auch der kosmischen Wahrheit zu nahe und wurden wahnsinnig. Man trifft Ebrietas dort, wo damals der Choir Kontakt mit ihr aufgenommen hat, nämlich im Isz Dungeon.



    Das zweite Match gegen Amygdala gehört zu einem der schwersten im Spiel. Dies findet in eimem Defiled Dungeon statt, und man kann geoneshotted werden. Wenn sich das Vieh die Arme abreisst, kann es praktisch den ganzen Raum treffen. Ich habe den Kampf gecheesed, indem ich immer zwischen den Beinen durchgelaufen bin und den Sprungangriff gebaited habe – bei dem man dann direkt den Kopf treffen kann. Zu den guten, neuen Bossen gehört der Watchdog of the Old Lords. Man trifft diesen auch in einem Cursed Dungeon und es ist eine Art in flammen stehender Cerberus. Kann einen prinzipiell auch oneshotten und hat eine etwas kaputte Hitbox, aber ansonsten sehr intensiver Kampf. Das Bloodletting Beast ist ein ebenfalls recht schwer. Es ist auch gerade so groß, dass man im Nahkampf kaum sieht, welche Angriffe es benutzen will. Im zweiten Kampf kommt ein Parasit aus seinem Rumpf raus, der doch erstaunlich an Sachen erinnert, die man in Sekiro sieht. Im Japanischen heißt das Monster sowas wie "Host of the Beast Blood", was zu der Spekulation geführt hat, dass das alte Blut in Yharnam vielleicht von so einer Kreatur kommen könnte. Ebrietas steht dafür auch in der engeren Wahl, weil sie ja im Upper Cathedral Ward mit dem Choir zusammenarbeitet. Zu beachten ist, dass nur die Blutspucke von ihr rot ist. Ihr eigentliches Blut ist gräulich. Wo wir von Blut sprechen - nur in den Chalice Dungeons kann man Great One Cold Blood finden. Also waren hier zu irgendeiner Zeit wirklich Große Alte in den Verließen, und einer musste sogar Blut lassen.



    Am Ende der Odyssey durch die Dungeons trifft man in Pthumeru Ihyll auf Queen Yharnam. Der Kampf gegen sie ist recht spektakulär und sie benutzt viele Blutzauber. Sie kann auch Abbilder von sich erschaffen. Sie ist hier noch schwanger mit Mergo – was dafür spricht, dass diese Begegnung in der Vergangenheit stattfindet. Greift man sie zu heftig an, so schreit Mergo und man wird gestunned. Auch wird ihr Bauch immer weiter mit Blut getränkt, je weiter der Kampf vorranschreitet. Ja, genau... man vermöbelt hier eine schwangere Frau und … man soll sich bei diesem Kampf wohl mies fühlen? Klar, sie ist nicht wirklich menschlich und hat ein Alienbaby, aber ist nicht ohne.

    Wenn man Yharnam besiegt, bekommt man einen Stein von ihr, der zeigt, dass sie unsterblich ist, genau wie Königin Annalise aus Cainhurst. Habe öfter gehört, dass Leute von dem Kampf enttäuscht sind, weil er eher ein Spektakel ist. Und in gewisser Weise verstehe ich das. Wenn man sich durch die Chalice Dungeons prügelt, hat man bereits viel härtere Bosse besiegt. Ein Story Kampf am Ende von einem Dungeon Crawler macht einen merkwürdigen Eindruck.




    Es ist auch interessant, dass ihre Arme am Anfang in Ketten gelegt sind, und sie erst später diese durchbricht und aus ihrem Dolch ein Blutschwert macht. Es ist nicht klar, wieso sie angekettet war – vielleicht hat dies die Healing Church gemacht (ihr Blut galt ja als verboten). Oder ihr eigenes Volk, welches mit ihrem Baby einen Großen Alten rufen wollten. Die Musik in ihrem Kampf ist übrigens die gleiche, die auch beim Kampf gegen Logarius gespielt wird - Queen of Vilebloods. Vermutlich bezieht sich das auf die Verbindung zwischen Annalise und Queen Yharnam. Der Ring of Bethrothal sagt "The inhuman beings known as the Great Ones imbued this Ring of Betrothal with some special meaning. In the age of the Great Ones, wedlock was a blood contract, only permitted to those slated to bear a special child". Queen Yharnam ist also einen Bund mit einem Großen Alten eingegangen, vermeintlich dem formlosen Oedon.



    Wo wir von Großen Alten sprechen: den Auftrag der Moon Presence wollen wir doch nicht länger warten lassen. Bevor wir uns in den Hunter's Nightmare aufgemacht haben, hatten wir Mergo's Loft erklommen und Micolash erledigt. In den oberen Abschnitten der Loft treffen wir auf Schweine mit Augentumoren und Shadows of Yharnam. Die Leibgarde von Queen Yharnam ist auch hier – und sucht vermutlich nach ihrem Baby, Mergo.



    Vor dem Fahrstuhl zum höchsten Punkt der Loft wartet die Königin selbst. Sie steht hier weinend, vermutlich, weil sie in diesem Albtraum keinen direkten Einfluss hat und nichts tun kann. Man hört ihr Baby aus der Ferne schreien. Übrigens ist es egal, ob man sie in den Chalice Dungeons besiegt hat – was es nahelegt, dass diese wirklich auf einer anderen Ebene stattfinden und sie nicht direkt verbunden ist mit der Königin aus den Grüften. In jedem Fall ist es ein seltsames Szenario, dass wir sie vorher noch in den Gewölben bekämpft haben, aber sie nun hier steht und auf unsere Hilfe angewiesen ist. Vielleicht erinnert sich Yharnam, genau wie Annalise, nach ihrer Wiederbelebung aber auch nicht mehr an die Ereignisse vor ihrem Tod, und daher hegt sie keinen Groll gegen uns? Auch schön, dass ich die Berichte so gut geplant habe, dass diese beiden entgegengesetzten Ereignisse direkt hintereinander auftauchen - Bloodborne ist ja nicht verwirrend genug.



    Der Aufzug führt hinauf zum Lunarium, vor welchem tote Mitglieder von Mensis mit Käfigen auf ihren Köpfen sitzen. Hierher sollte die Moon Presence vermutlich gelockt werden? In der Mitte steht ein Kinderwagen, aus dem wir Schreie hören. Als wir uns ihm nähern, werden wir von einem Großen Alten aufgehalten, Mergo's Wet Nurse. Das Design von ihr ist gut, sie macht einen sehr bedrohlichen Eindruck mit den vielen Klingen an ihren Armen. Diese wirbelt sie schnell um sich, aber ihre Angriffe sind viel berechenbarer als die der meisten überdimensionierten Bosse im Spiel. In einer Zwischenphase teilt sie sich und greift aus verschiedenen Richtungen an. Es ist recht einfach ihr durch Weglaufen auszuweichen. Ist man durch Chalice Dungeons massiv überlevelt (wie ich), kann man auch alles facetanken. Wenn man ihr mit einem geeigneten Level entgegentritt, ist der Kampf ebenfalls nicht zu schwer. Vermutlich sollten auch Leute, die keines der optionalen Gebiete gespielt haben, eine Chance gegen die letzten Bosse haben. Immerhin sind knapp die Hälfte der Gebiete optional.



    Viele Leute finden die letzten Bosse in Bloodborne von der Schwierigkeit her enttäuschend. Vermutlich auch, weil man zu diesem Zeitpunkt schon einen soliden Build hat. Die Bosse sind durchaus undertuned und auch storytechnisch ergibt das bei der Wet Nurse nicht mal viel Sinn. Der Kampf gegen sie ist recht gut - vermutlich ist man aber durch die vielen wild um sich schlagenden Bestien in Bloodborne einfach anderes gewohnt. Sie greift eben recht koordiniert an und lässt sich gut lesen.



    Die Wet Nurse war es, die Mergo am Leben gehalten hat – bzw. seine Form in der Traumwelt. Denn Mergo war eine Totgeburt. Dies zeigt wiederum, dass der Tod von Großen Alten in der realen Welt nicht unbedingt mit ihrem Ableben gleichzusetzen ist – sie können in Träumen weiterhin existieren. Generell hat uns der Hunter's Nightmare gezeigt, dass auch tote Menschen dort weiterleben können, wie beispielsweise Lady Maria. Aber was definitiv nicht mehr existiert, ist die School of Mensis. Diese wollten durch die Nabelschnur und Mergo Kontakt mit einem Großen Alten aufnehmen – aber weil Mergo bereits tot war, starben die Mitglieder in der realen Welt. Die Schule wollte das Ritual, welches damals von Laurence gemacht wurde, wiederholen – aber sie haben zur falschen Nabelschnur gegriffen. Irgendwie ist das eine grotesk humorvolle Ironie.



    Wir gehen noch einmal zurück zu Queen Yharnam. Diese hat aufgehört zu weinen und verbeugt sich vor uns – sie ist sichtlich dankbar, dass wir dem Leiden ihres Babys ein Ende bereitet haben. Zu Mergo gibt es noch zwei Sachen zu sagen. Einmal erscheint die Nachricht „Nightmare Slain“ erst, sobald das Baby aufhört zu schreien – was verdeutlicht, dass Mergo der Große Alte war, der den Albtraum erschaffen hat. Zweitens, blickt man in den Kinderwagen, so sieht man nichts da drinnen, auch wenn Mergo noch schreit. Generell sieht man nirgendwo ein Baby im Lunarium.

    Mergo ist sehr wahrscheinlich ein Kind vom formlosen Oedon, einem Großen Alten, dessen Element Blut ist. In Nächten, in denen der rote Mond nahe ist, schwängert dieser Frauen wie Arianna oder Yharnam – dies geht aus dem Satz „When the red moon hangs low, the line between man and beast is blurred. And when the Great Ones descend, a womb will be blessed with child.“ hervor. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen Oedon und der Moon Presence gibt ist nicht klar – aber zumindest wird die Grenze zwischen der Welt der Albträume und der realen schwächer, wenn der rote Mond am Himmel steht. Vielleicht kann die Moon Presence uns daher auch erst nach Roms Tod den Auftrag geben, Mergo zum Schweigen zu bringen – vorher wurde sie ferngehalten.



    Wir kehren nach getaner Arbeit zum Hunter's Dream zurück. Der Workshop steht in Flammen. Er wird nicht mehr benötigt, denn unsere Aufgabe ist erfüllt. Die Puppe sagt uns, dass Gehrman vor dem großen Baum bei den Gräbern auf uns warte...
    Geändert von Sylverthas (30.05.2019 um 14:05 Uhr)

  5. #105
    Die Nacht ist bald vorbei und der schreckliche Traum zu Ende. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um die grundlegende Philosophie der Geschichten von FromSoft anzusprechen. Hidetaka Miyazaki, der Produzent von den Soulsborne Spielen, hatte als Schüler gerne englische Fantasy Novels gelesen, obwohl seine Englischkenntnisse nicht extrem gut waren. Dadurch musste er an vielen Stellen spekulieren, wovon die Geschichten eigentlich handeln und Verständnislücken mit der eigenen Fantasie füllen. Dies ist der Mythos hinter der grundlegenden Idee, wie die Geschichten dieser Spiele strukturiert sind.




    Bloodborne - Yharnam Paleblood Guide

    Wir haben Mergo zum Schweigen gebracht und das Ritual von Mensis beendet. Umgeben von Gräbern alter Jäger sitzt Gehrman an einem großen Baum. Er sagt, dass er uns nun von dem Albtraum erlösen werde, die Nacht endlich ein Ende habe. Zumindest für uns. Hier spaltet sich das Spiel in seine drei Enden, die wir nacheinander besprechen.



    Stimmt man Gehrman zu, so wird er einen mit seiner Sense hinrichten. Wir erwachen in Yharnam und sehen die Sonne aufgehen – die Nacht der Jagd ist vorbei, das Hunter's Mark ist weg und wir wurden vom Traum erlöst, so wie viele Jäger vor uns, darunter auch Djura und Eileen. Für Gehrman endet die Nacht jedoch nie, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Jäger für den Traum gefunden wurde. Die Puppe steht an unserem Grabstein und sagt noch ein letztes Mal die Worte, die sie so oft an uns gerichtet hat „Farewell, good hunter. May you find your worth in the waking world.



    Lehnt man Gehrmans Angebot ab so steht er aus seinem Rollstuhl auf, er hält uns für verrückt. Vor Beginn des Kampfes sagt er die ikonischen Worte „Tonight, Gehrman joins the hunt...“. Der Kampf gegen ihn ist recht simpel, aber er ist einer der besseren Hunter Kämpfe. Er hat mehrere Phasen und benutzt später Magie. Durch sein Teleportieren kann der Kampf recht hektisch sein. Mit unserem hohen Level ist er keine Herausforderung. Durch Gehrmans Tod wird er endlich von seinem Albtraum erlöst – anscheinend hat das bisher kein anderer Hunter vollbracht.



    Hat man keine drei Nabelschnüre gefuttert, so steigt die Moon Presence herab und bindet uns an sich. Wir nehmen nun Gehrmans Platz im Traum ein, als neues Adoptivkind der Moon Presence. Dies ist das Honoring Wishes Ending. Wir warten nun im Hunter's Dream auf den nächsten Jäger, der die Aufgaben der Moon Presence erledigen soll. Die Puppe schiebt unseren Rollstuhl und sagt „And so, the hunt begins again.



    Hat man drei Cords of the Eye in sich aufgenommen, so kann die Moon Presence einen nicht mehr an sich binden – man ist zu dicht dran selber zu einer höheren Lebensform aufzusteigen (Master Willem hat eine Nabelschnur benutzt, um die Evolution voranzubringen - siehe zum Beispiel Rom; wir haben gleich drei verwendet). Der Kampf gegen sie ist ebenfalls recht einfach und viele finden das Gespann Gehrman – Moon Presence zu schwach. Die Moon Presence sieht zumindest nicht sehr robust aus, vielleicht hat sie selber wirklich wenig Kraft und muss daher andere die Arbeit erledigen lassen. Es wäre wohl gut gewesen, hätte man einen nicht einzeln gegen die Bosse kämpfen lassen, sondern daraus einen Zweiphasen-Kampf gemacht. Nach dem Sieg erhalten wir die „Nightmare Slain“-Nachricht – also war die Moon Presence wirklich der Erschaffer des Albtraums. Wir selber werden zu einem schleimigen, infantilen Großen Alten. Dies ist das Childhood's Beginning Ending. Die Puppe begrüßt einen belustigt mit den Worten „Are you cold? … Oh, good hunter.“.



    Die offensichtlichste Interpretation der Enden ist der FromSoft-Zyklus: egal, welches Ending man bekommt, der Albtraum endet nicht. Im ersten bleibt Gehrman weiter dort, im zweiten werden wir an die Moon Presence gebunden, und im dritten sind wir selber der neue Große Alte, der über den Albtraum herrscht. Das impliziert, dass auch die Jagd nicht enden wird – und sich vielleicht in einer anderen Stadt wiederholt. Zumindest das dritte Ending, Childhood's Beginning, wird damit meiner Meinung nach nicht gut erklärt. Immerhin könnten wir ganz anders werden als die Moon Presence. Es ist aber zumindest erwähnenswert, weil sich ja im alten Loran auch eine Bestienseuche abgespielt hat. Es wird auch spekuliert, dass Queen Yharnams Baby verwendet wurde, um einen Großen Alten anzulocken - vielleicht erschien also auch über Loran der Blutmond? Dies hinterlässt die Frage, ob wir wirklich der erste sind, der die Moon Presence erlegt, oder es schon andere vor uns gab - und diese einfach zu einer neuen Moon Presence werden. Diese Interpretation fußt aber auch auf der Annahme, dass wir von der Spezies so ein Wesen werden wie sie, mit ähnlichen Absichten.

    Aber welche sind das eigentlich?



    Über die Ziele der Moon Presence gibt es höchstens Spekulationen. Sie wollte Mergo zum Schweigen bringen. Die geläufigste Interpretation ist, dass die Moon Presence feindlich gegenüber anderen Großen Alten ist, und deren Kinder umbringen will (manche bringen das auch mit der Tatsache in Verbindung, dass jeder Große Alte ein Kind verliert). Vielleicht hat man ihr damals Queen Yharnams Baby versprochen, aber der Deal ist geplatzt, weil Mergo eine Totgeburt war? Das erste Mal trifft man die Königin ja auch weinend unter dem Blutmond, den Mensis nun näherbringen will. Will die Moon Presence hier einfach Rache üben und Mensis Plan durchkreuzen, weil sie selber Mergo nicht kriegen konnte? Vielleicht kann man über die Interessen von Großen Alten, Wesen, die weit jenseits unserer Vorstellungskraft agieren, auch nur spekulieren. Wie über so vieles in Bloodborne.



    Eine ganz andere Interpretation ist, dass es sich bei der Moon Presence um den Großen Alten Kos handelt. Wir wissen ja, dass Lebewesen in Albträumen existieren können, selbst, wenn sie in der realen Welt tot sind. Hier muss man sich ein wenig weiter aus dem Fenster lehnen und ich finde nicht, dass das Spiel die Interpretation stark unterstützt. Weiter unten ist ein Link zu einer detailierteren Beschreibung der Theorie.

    Eine Vermutung ist, dass die Moon Presence selber Paleblood ist. Dafür gibt es Indizien im Spiel, beispielsweise die Nachrichten „The nameless moon presence beckoned by Laurence and his associates. Paleblood. “, „Behold! A paleblood sky!“ und auch die Erwähnung von dem „pale moon“ bei der Beschreibung der Nabelschnur, die man im alten Workshop findet. Also wird der Begriff „pale(blood)“ häufig mit dem Mond in Verbindung gebracht.



    Paleblood hat auch viel mit dem Spielercharakter zu tun. Denn es wird am Anfang klargemacht, dass wir nach Yharnam gekommen sind, um Paleblood zu suchen – der Blood Minister antwortet auf unsere Nachfrage. Vermutlich war auch die Nachricht „Seek paleblood to transcend the hunt.“ von uns selber, für den Fall, dass wir die Erinnerungen nach der Transfusion verlieren (was wir tun). Wieso wir gerade nach Paleblood suchen, ist nicht klar. Das Opening zeigt zumindest, dass die kleinen Messenger auf uns reagieren, und die Puppe sagt „Ah, you've found yourself a hunter“. Vielleicht gehören wir zu den speziellen Jägern, die man an den Hunter's Dream binden kann. Bringt uns unsere Suche nach Paleblood also letztendlich zu der Konfrontation mit der Moon Presence und dem Aufstieg zu einem Großen Alten?



    Hat man das Yharnam Sunrise Ending erhalten und startet ein New Game Plus, so kann man die Puppe an einem Grabstein auffinden. Sie sagt „This grave stands in memory of a hunter I once knew. Though enchanted by the dream he (she) remained strong, and eventually saw the light of dawn. … I pray that you've found meaning, and comfort, in the waking world.“.



    Dies könnte bedeuten, dass sich die Ereignisse in Yharnam für uns immer wiederholen – wir werden von Gehrman befreit, aber lassen uns dennoch wieder Yharnam Blood reinpumpen und kehren zum Hunter's Dream zurück. Vielleicht kommt daher auch die Notiz über Paleblood – wir wollen uns selber erinnern, dass wir es finden müssen, um hier rauszukommen? Quasi Memento-mäßig, durch die Transfusion verlieren wir ja unsere Erinnerungen. Passt auch gut ins FromSoft-Portfolio, denn neben Zyklen sind Zeitschleifen ein beliebtes Element ihrer Stories. Schließlich beendet man die Schleife, indem man auf die Moon Presence (Paleblood) trifft – und entweder ihr neues Spielzeug wird, oder sie umbringt. Übrigens ignoriere ich hier das NG+, was man erhält, wenn man eins der anderen beiden Enden bekommt, weil dort keine Kontinuität suggeriert wird.



    Mein persönlicher Favorit für die Erklärung des Begriffes Paleblood und der Enden ist wie folgt. Es gibt noch jemanden, der wie Gehrman und der Hunter durch die Moon Presence an den Hunter's Dream gebunden zu sein scheint. Vielleicht hat man bemerkt, dass alle drei Enden mit der Puppe abschließen. Sie ist auch die erste "Person" nach dem Blood Minister, die zu Beginn des Spiels Worte an uns richtet. Wie die Puppe während des Abteneuers mit uns spricht zeigt, dass sie sich sehr um uns sorgt. Sie nutzt die Blood Echoes, um uns immer stärker zu machen ("I will be here for you, to embolden your sickly spirit."). Im Childhood's Beginning Ending hält sie uns wie ein Baby in ihren Armen. Große Alte verlieren ihre Kinder und suchen nach einem Ersatz.

    Greift man sie an, so sieht man übrigens, dass sie als einzige Kreatur im Spiel weißes Blut hat.






    Damit sind wir am Ende der Berichte zu Bloodborne. Als ich damit angefangen hatte, hatte ich nicht erwartet, dass es mehr als einen Monat dauern würde - oder ich das überhaupt durchhalte^^
    Das Schreiben hat Spaß gemacht und ich hoffe, dass der ein oder andere auch was rausgekriegt und vielleicht etwas mehr (oder weniger?^^) Verständnis für die Geschichte von Bloodborne hat.

    Bloodborne kam 2015 raus und noch immer werden Theorien aufgestellt. Ein Teil der Faszination ist sicherlich, dass viel Raum für Spekulationen da ist - noch mehr als in anderen FromSoft Spielen. Aber man dennoch viel Substanz hat, die man nutzen kann. Und wenn man sich mit verschiedensten Theorien beschäftigt, hat man wirklich das Gefühl, kurz davor zu sein, die Wahrheit zu erkennen, aber sie bleibt manchmal ungreifbar. Manche Interpretationen klingen so, als wären sie von Verrückten geschrieben worden, für die diese seltsamen Sachen wirklich Sinn ergeben – das Gefühl hatte auch ich stellenweise beim Schreiben. In dem Sinne kommt das Spiel wohl auch an den kosmischen Horror näher ran, als es selbst direkte Umsetzungen von Lovecrafts Werken schaffen. Die unglaubliche Ästhetik von Bloodborne und die aufgebaute Atmosphäre unterstreichen das alles nur noch. Selbst, wenn man nichts von der Story mitkriegt, wird man diese nicht ignorieren können.

    Ich finde nicht alles am Spiel toll. Es ist immer noch ein sicheres Produkt für FromSoft gewesen, welches einfach sehr viel von Souls erbt. Gerade die RPG-Aspekte des Spiels sind schlecht ausgefleischt und es ist gut, dass Sekiro einige davon losgeworden ist. Zusätzlich hat Bloodborne zwar einige großartig aussehende Bosse, aber gerade die großen Bestien kämpfen zu ähnlich (man kann ja die meiste Zeit sowieso kaum sehen, was die tun *g*) und die Schwierigkeitskurve ist irgendwie seltsam. Wenn man Father Gascoigne am Anfang schafft, sollte eigentlich wenig im Spiel zu viele Schwierigkeiten machen (Chalice Dungeons mal ausgenommen).

    Dass ich das Spiel aber großartig finde, muss ich wohl nicht mehr erwähnen – wieso sollte ich sonst so viel dazu schreiben? Das würde ja nur ein Bekloppter tun ^_O

    Vielen Dank fürs Lesen!







    So, zum Abschluss noch eine kleine Sammlung von Sachen, die ich teilweise verwendet habe. Vielleicht zum Weiterlesen interessant:

    VaatiVidya erwähne ich nur aus Prinzip. Jeder, der sich irgendwie für die Lore von FromSoft Spielen interessiert, kennt den Namen. Als Einstieg immer gut, vor allem, weil er Videos macht und man nicht so viel lesen muss

    Als größte Quelle muss man natürlich das Bloodborne Subreddit und Bloodborne Wiki angeben. Dort findet man sehr viele Informationen und interessante Theorien zu dem Spiel. Auf der Wiki gibts auch Leute, die Bloodborne unbedingt mit den Souls Spielen in Verbindung bringen wollen. Ob das sinnvoll ist? Ich halte die Spiele lieber getrennt.

    Redgraves The Paleblood Hunt ist ein 107-seitiges Werk (ja, wenn man schon dachte, ich würde viel schreiben ), welches sehr viele der gängigen Theorien zusammenfasst, ergänzt und eine eigene Geschichte daraus dreht. Gut geschrieben. Er geht auch relativ stark auf die Vermin ein, welche ich gar nicht erwähnt habe (auch aus Platzgründen). Sind aber auch Überinterpretationen drin, bei so einem langen Text wohl unvermeidbar.

    Falls man Interesse an der Theorie hat, dass die Moon Presence in Wahrheit Kos ist, so hat zephid7 ein 42-seitiges Dokument dazu erstellt. Interessant, weil viele verschiedene Betrachtungswinkel verwendet werden. Für mich größtenteils zu spekulativ und es werden viele Dinge herangezogen, die sich nicht im Spiel wiederfinden. Nebenbei ist für ihn die Puppe nur eine von der Moon Presence kontrollierte Entität, was meiner favorisierten Interpretation mal total widerspricht

    Shadowfangs99 hat sich hingesetzt und versucht, eine Timeline des Spiels zu erstellen. Zur Übersicht, wie die meisten Ereignisse zusammenhängen, sehr nützlich. Enthält aber auch ein paar Sachen, an die ich nicht glaube.

    Schließlich, was mir damals die Details und Geschichte der FromSoft Games nähergebracht hat, war der Bloodborne Playthrough von EpicNameBro. Er beleuchtet dort viele kleinere Details, aber erzählt nicht wirklich die große Geschichte.
    Geändert von Sylverthas (30.05.2019 um 14:16 Uhr)

  6. #106
    Glückwunsch zum Durchspielen und danke für die ausführlichen Berichte, da waren auch für mich einige neue Infos dabei. Mitspekulieren kann ich leider nicht, dazu bin ich nicht mehr tief genug in der Materie drin und wenn man nicht gerade forensisch an die Sache herangeht hat man sowieso verloren. Und dann schwebt auch immer noch das Damoklesschwert von gestrichenem oder gekürztem Inhalt, der die Geschichte vervollständigen könnte oder eventuell angedachte Fortsetzungen oder Ähnliches im Raum, wie das in der Spieleentwicklung nun mal so ist, die die ganzen Fantheorien über den Haufen werfen könnten.

    Vor allem aber großen Respekt dass du die Chalice Dungeons durchgezogen hast. Habe selbst immer spätestens nach dem zweiten Dungeon das Handtuch geschmissen, da mich das generische, rasterisierte Leveldesign mit den immergleichen, lediglich anders angeordneten Raumversatzstücken einfach nur noch angeödet hat. Passieren tut ja auch nicht viel, außer dass es hin und wieder einen einzigartigen Boss gibt der im Hauptspiel nicht vorkommt, wobei man sich dafür erst durch drölfzig Klonbosse kämpfen muss. Und nein, für Multiplayer gebe ich auch kein Geld aus.

  7. #107
    Wow großen Respekt an dich, dass du damit begonnen- und das wirklich durchgezogen hast. 10 Umfangreiche Berichte zu Bloodborne sehr passend bebildert und mit lauter Details und Interpretationen zur Geschichte gepflastert, die ich selbst nicht kannte. Bezüglich Bloodborne habe ich ja immer alles so hingenommen wie es gerade kommt, ohne mir großartig Gedanken zu machen. Ich kann mir jedoch vorstellen dass mir damit auch ein Teil der Faszination verborgen blieb. Man merkt auf jeden Fall dass du ziemlich angetan von dem Spiel ist.
    Solch ein Aufwand sich so tief mit einem Spiel auseinanderzusetzen, zollt meinen Respekt. Das ist auf jeden Fall etwas auf dass ich beizeiten mal Freunde hinweisen werde, die noch mal vor haben Bloodborne zu replayen, irgendwo will man ja wissen was es damit auf sich hat, ansonsten mag ich auf jeden Fall solche nacherzählten Guides, gerne auch in Textformat, in einer guten Form und spritzig geschrieben. Nur der Aufwand sowas zu erstellen ist weitaus aufwändiger als bei einem schnöden Let's Play sicherlich hadert man auch immer damit sich zu überlegen wie viel man jetzt wirklich schreiben und zeigen will.

    Dass übrigens das Ende wo man sich von Gehrman töten lässt (habe es nie erlangt) wohl mitunter noch positivste Ending für den Hauptcharakter ist; die Transformation zu einem Großen Alten konontiere ich eher als negativ, so ähnlich wie das Dark Lord Ending aus Dark Souls, obwohl es natürlich nicht so kommen muss, wie man an mehreren Beispielen sieht. Der Weg dort hin wirkt nur eben beabsicht vom stillen Avatar des Spielers so nach dem Motto: "so werden Bösewichter geboren". Dass es dafür am Ende noch eine extra Nachricht gibt finde ich auf jeden Fall cool. Diese niemals endenden Zyklen sind wirklich etwas von dem FromSoft scheinbar ungerne loskommen will. xd
    Geändert von Klunky (26.05.2019 um 21:41 Uhr)
    Gamingblog: Ulterior_Audience (Aktuell: Lobotomy Corporation)

  8. #108
    Danke euch! Schön zu wissen, dass da für andere Spieler auch noch ein paar Sachen dabei waren!

    Zitat Zitat von Nayuta Beitrag anzeigen
    Und dann schwebt auch immer noch das Damoklesschwert von gestrichenem oder gekürztem Inhalt, der die Geschichte vervollständigen könnte oder eventuell angedachte Fortsetzungen oder Ähnliches im Raum, wie das in der Spieleentwicklung nun mal so ist, die die ganzen Fantheorien über den Haufen werfen könnten.
    Haha, sehr wahr. Wobei das wiederum einer der Vorteile von "lose" konstruierten Stories sein kann. Wie oft hat man schon erlebt, dass nach kurzem Nachdenken bestimmte Sachen in Geschichten einfach keinen Sinn ergeben - und häufig ist gerade der Cut Content das Problem, der eine Lücke lässt. Und ich würde mir auch nie anmaßen zu behaupten, dass alles in den Geschichten von FromSoft sinnvoll ist. Vieles entsteht bestimmt auch aus "wäre es nicht cool, wenn..."- Gedanken. Beispielsweise die toten Pferde, die einen vor kurzem noch zum Forsaken Castle Cainhurst gebracht haben, kommen mir wie etwas vor, was einfach nur spooky sein soll.

    Aber mir fällt auch wieder auf, dass viele Spiele, die mir lange im Gedächtnis bleiben und mit zu meinen Favoriten gehören, zu einem gewissen Grad Geschichten haben, die nicht vollkommen klar sind und einem auch nicht auf einem Silbertablett serviert werden: Majora's Mask, Final Fantasy VII, Soulsborne, Silent Hill, Forbidden Siren, Hollow Knight. Aus SNES Zeiten könnte ich da eine Unmenge nennen, weil man sich dort wegen des Textvolumens ohnehin etwas kürzer fassen (und den Interpretationsspielraum damit größer machen) musste.

    Von Bloodborne 2 will ich gar nicht reden. Ich hoffe, das kommt nie raus und wenn, dann unabhängig von Teil 1. Dark Souls hat meiner Meinung gezeigt, dass FromSoft nicht wirklich gut kontinuierliche Geschichten erzählen können, und so ist Teil 2 eigentlich nur eine Wiederholung von 1 (genau genommen mehrere Wiederholungen, weil jeder DLC ja auch eine Iteration beschreibt) und Teil 3 probiert dann irgendwie alles zusammenzukehren. Aber natürlich sind Franchises genau das, was der AAA Gaming Bereich gerne will, weil man ja alles melken muss, bis es kein Schwein mehr interessiert^^

    Zitat Zitat
    Vor allem aber großen Respekt dass du die Chalice Dungeons durchgezogen hast. Habe selbst immer spätestens nach dem zweiten Dungeon das Handtuch geschmissen, da mich das generische, rasterisierte Leveldesign mit den immergleichen, lediglich anders angeordneten Raumversatzstücken einfach nur noch angeödet hat. Passieren tut ja auch nicht viel, außer dass es hin und wieder einen einzigartigen Boss gibt der im Hauptspiel nicht vorkommt, wobei man sich dafür erst durch drölfzig Klonbosse kämpfen muss. Und nein, für Multiplayer gebe ich auch kein Geld aus.
    Ja, noch ein mal würd ich das nicht machen. War gegen Ende schon echt anstrengend - und das nicht mal, weil die Bosse schwerer wurden. Sie haben zwar ein paar verschiedene "Skins" gebaut, aber insgesamt ähneln sich die Gebiete doch zu sehr. Aber in späteren gabs auch Panik-Gauntlets: man muss einen Bell Ringer umbringen, der kontinuierlich Spinnen beschwört, während man von Werwölfen verfolgt wird. Das hat schon ziemlich reingehauen. Würde es aber eher als Multiplayer Feature ansehen. Prinzipiell hat mich auch nur das Schreiben hier dazu motiviert, mir die tatsächlich zu geben. Nebenbei war das schon lange ein Dorn im Auge, dass ich diesen Content von Bloodborne nie gemacht habe *g*

    Zitat Zitat von Klunky
    Bezüglich Bloodborne habe ich ja immer alles so hingenommen wie es gerade kommt, ohne mir großartig Gedanken zu machen. Ich kann mir jedoch vorstellen dass mir damit auch ein Teil der Faszination verborgen blieb. Man merkt auf jeden Fall dass du ziemlich angetan von dem Spiel ist.
    Ich glaube das machen viele so bei FromSoft Spielen. Mein erster Durchgang sieht auch immer so aus, will da gar keinen anderen Eindruck hinterlassen. Die Spiele nötigen einen ja auch nicht dazu, sich die Story in elendig langen Cutscenes reinwürgen zu lassen, oder einen mit Textfluten zu überfallen. So lange man irgendwie weiß, wo man weiter töten kann, kommt man durch die Games durch. Manch einer hat damit dann ordentlich Spaß und saugt zumindest die Atmosphäre auf (denke, die *kann* man einfach nicht ignorieren xD), andere fragen sich, was der Blödsinn eigentlich sollte.

    Der Impact von vielem wird einem erst klar, wenn man sich intensiv damit beschäftigt - darum hat ja Vaatividya seine "Prepare to Cry" Reihe aufgebaut. Denn die Geschichten der Charaktere sind häufig sehr tragisch, werden aber sehr nüchtern inszeniert (weil man die Tragik immer erst im Nachhinein erkennen kann). Bei Bloodborne läuft mir auch ein Schauer den Rücken runter, wenn der Kampf gegen Lady Maria beginnt, wenn man ihren Hintergrund kennt und weiß, wie sie mit Gehrman zusammenhängt.

    In gewisser Weise sind die Spiele von FromSoft welche, die das Medium "Videospiel" einfach sehr gut nutzen. Wenn man wichtige Sachen in viele Cutscenes verpackt, dann nutzt man eher Filmtechniken. Muss man viel lesen, dann gehts eher in die Richtung Buch. Bei Soulsborne werden verschiedene Techniken kombiniert, aber insbesondere wird man aufgefordert, mit der Welt zu interagieren. Beispielsweise bestimmte NPCs zu töten, um zu sehen, was sie bei sich tragen und so mehr über sie rauszufinden. Sich zu überlegen, ob es einen Grund haben könnte, dass man ein bestimmtes Item an genau dem Ort findet. Vielleicht sich auch manchmal sterben lassen, um etwas neues zu sehen - einfach alles Dinge, die genau so nur in Videospielen umsetzbar sind.

    Besonders schön vielleicht auch, dass heute, wo man eine Unmenge an Spielen hat und es häufig nur heißt "Game durch, nächstes rein!", es einfach eine nette Entschleunigung ist. Viele Spiele, gerade im AAA Bereich, erwarten ja überhaupt nicht, dass man sich irgendwie damit beschäftigt.

    Zitat Zitat
    [...] sicherlich hadert man auch immer damit sich zu überlegen wie viel man jetzt wirklich schreiben und zeigen will.
    Haha, ja. Die meisten Berichte waren 2500+ Wörter, da muss man sich irgendwann am Riemen reißen und aufhören / kürzen. Es gibt einige Sachen, die ihren Weg nicht in die Berichte gefunden haben. Aber das größte Problem war für mich tatsächlich, dass die Spielstruktur von Bloodborne so viele optionale Sachen zulässt. Wollte auch größtenteils die Reihenfolge beibehalten, in der ichs auch gespielt habe. Glaube dadurch sind einige Dinge schwer verständlich geworden - habe das teilweise durch Wiederholung von bestimmten Begriffen / Sätzen probiert auszubügeln. Keine Ahnung, ob das geklappt hat oder eher wie sinnlose Wiederholung gewirkt hat^^
    Aber es gibt auch andere Stellen, wie Yahar'gul und danach der Upper Cathedral Ward, die thematisch gut zusammen passen. Oder der Geniestreich, den Kampf gegen Queen Yharnam in den Chalice Dungeons direkt vor der Begegnung in Mergos Loft zu beschreiben, wo man ihr dann hilft

    Zitat Zitat
    Dass übrigens das Ende wo man sich von Gehrman töten lässt (habe es nie erlangt) wohl mitunter noch positivste Ending für den Hauptcharakter ist; die Transformation zu einem Großen Alten konontiere ich eher als negativ, so ähnlich wie das Dark Lord Ending aus Dark Souls, obwohl es natürlich nicht so kommen muss, wie man an mehreren Beispielen sieht. Der Weg dort hin wirkt nur eben beabsicht vom stillen Avatar des Spielers so nach dem Motto: "so werden Bösewichter geboren". Dass es dafür am Ende noch eine extra Nachricht gibt finde ich auf jeden Fall cool. Diese niemals endenden Zyklen sind wirklich etwas von dem FromSoft scheinbar ungerne loskommen will. xd
    Ja, FromSoft nimmt immer recht viele Ideen ihrer anderen Games. Und Du hast Recht, im Vergleich mit Dark Souls ist das "geheime" Ende sowas wie das schlechte. Das hängt glaube ich auch ganz von der Interpretation ab. Wenn man daran glaubt, dass man selber nun ein Großer Alter wird, der genau wie die Moon Presence (oder schlimmer) agiert, dann ist das sicher das schlimmste Ende.
    Wenn man hingegen eher der Meinung ist, dass man in einer Zeitschleife gefangen ist, bis man zu einem Großen Alten wird, ist es wohl das positivste. Finde die Zeitschleife deswegen so attraktiv, weil sie erklärt, was es mit der Nachricht zu Beginn des Spiels auf sich hatte, die sonst sehr willkürlich wirkt. Und der Dialog der Puppe bei einem NG+ nach dem Yharnam Sunrise Ending am Grab des Jägers sowas andeutet.


    Vielleicht werde ich im Verlauf des Jahres noch sowas für ein anderes Game machen. Final Fantasy VII wäre da ein ganz guter Kandidat, besonders, wenn der Release vom Remake tatsächlich dieses / nächstes Jahr sein sollte. Könnte spannend sein, Stellen aufzuzeigen, die das Spiel gut machen, und die im Remake höchstwahrscheinlich zu Gunsten von bescheuerter Prosa und bling bling ignoriert werden
    Geändert von Sylverthas (30.05.2019 um 13:24 Uhr)

  9. #109
    Jetzt bin ich auch mal dazu gekomen die restliche Berichte zu lesen und die haben mir auch gut gefallen. Horror ist zwar einfach nicht mein Genre aber die Geschichten haben schon was fazinierendes an sich. Daher sind solche Berichte perfekt für mich. Auch die lustigen Details hier und da fand ich toll. Muss aber auch sagen, dass es mir etwas too much vorkommt, das im Endeffekt wirklich alles vor die Hunde geht und der Spieler selbst scheinbar auch nicht wirklich aus der Sache rauskommt, wenn das mit der Zeitschleife hinkommt. Ist einfach zuviel des Guten für meinen Geschmack. Aber das gehört bei FromSoft wohl einfach dazu^^

    In diesem Sinne kann ich sagen, dass ich auch gerne solche Berichte zu anderen Spielen lesen würde, falls es dazu kommt. Zu FF VII lese ich immer gerne was

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •