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  1. #34

    Paranormasight: The Mermaid's Curse


    System: PC
    Genre: Visual Novel
    Entwickler: Square Enix
    Releasejahr: 2026

    Spielzeit: 19h
    Schwierigkeit: -
    Beendet: 12.05.2026


    Ich fand Teil 1 ganz gut. Was mir am meisten gefallen hat war das starke Character Writing, der Bezug zur japanischen Folklore und die Musik. Es hatte zwar seine Probleme, aber unterhalten hat das Spiel durchaus. Daher hab ich bei Teil 2 einfach mal zugeschlagen - auch, weil ich so überrascht war, dass Square Enix die Reihe nicht geaxed hat.
    Teil 2 ist unabhängig von Teil 1. Tatsächlich war ich überrascht, wie wenig Referenzen hier eingebaut wurden.

    Auf der Insel Kameshima wird die Tradition der Ama Taucher noch hochgehalten. Klassischerweise wird diese Arbeit von Frauen ausgeführt, daher ist es auch ein Schock für alle, dass Yuza, der Enkel einer Taucherin, damit anfangen möchte. Auf Kameshima werden Traditionen nämlich hochgehalten und sowieso sind die Einwohner skeptisch seiner Familie gegenüber.

    Doch er ist nicht der einzige, der an der kleinen Insel Interesse hat. Sowohl eine Gruppe an Ausländern sowie zwei paranormale Ermittler haben ihren Weg hierher gefunden. Was werden sie entdecken, während sie der Historie der Region auf die Spuren gehen? Können sie den Curse of the Raging Waves auflösen, bevor er hier alles zu verschlingen droht?


    1. The Curse of Sequels
    Mit einem Sequel kommen Erwartungen, wie es sich im Vergleich zum Vorgänger schlägt. Dieser Teil hat die gleiche starke Basis - visuelle Ästhetik, gute Musik sowie sehr charmante Charaktere - macht aber den Rest deutlich anders als der Erstling.

    Gleichzeitig ist es aber auch keine Mogelpackung. Der erste Teil hat einem am Anfang mit den Curse Echoes den Mund wässrig gemacht hat, nur um danach dann zu einem Großteil tagsüber zu spielen (wo sie nicht einsetzbar sind). Hier spielt praktisch das gesamte Szenario tagsüber und die Flüche spielen auch eine deutlich andere Rolle.

    Das sorgt aber auch dafür, dass sich die Atmosphäre der Spiele stark anders anfühlen. Kurz würde ich sagen, dass Mermaid's Curse wärmer ist als das düstere Mysteries of Honjo. Es ist weniger Horror als der erste Teil und macht das auch recht schnell klar. Gehen wir mal stärker drauf ein.


    2. The Curse of Charming Characters
    Diese "Wärme" fängt schon bei den Charakteren an. Statt größtenteils eigenbrötlerische und isolierte Personen in einem Battle Royal gegeneinander zu werfen, fokussiert sich Mermaid’s Curse viel stärker auf die Inselgemeinschaft. Darunter auch die Gruppe an Teenagern um Yuza: Azami, Sato und Tsukasa. Statt einander gegenseitig zu misstrauen geht es um Kooperation. Und ja, hier wird auch viel mehr auf Liebeleien Wert gelegt.

    Mit der Insel kommt auch eine stärkere Verwebung der Charaktere untereinander. So ist Yuzas Großmutter eine ehemalige Ama Taucherin und der echt gut durchgebräunte Wakamura ist der hiesige Tycoon der Insel, der Sato bei sich aufgenommen hat. Denn ihr fehlt sämtliche Erinnerung an ihre Vergangenheit. Auch gehen Gerüchte auf der Insel um, dass Yuzas Mutter vor einigen Jahren ein großes Unheil über die Insel gebracht hatte, daher begegnet man Yuza mit gewisser Skepsis. Aber auf seinen Bro Azami ist immer Verlass.

    Der Comedy-Anteil von diesem Spiel ist auch deutlich höher. Teil 1 hatte das eher als Auflockerung der angespannten Atmosphäre, aber hier ist es viel präsenter. So ist Sato jemand, der quasi den ganzen Tag TV schaut und total weltfremd ist - ich mochte sie schon echt gerne. Die beiden eingangs beschriebenen Ausländer - Circe und Avi - sind fast reine Comic Relief Charaktere. Gerade Avi ist echt ziemlich durch den Wind, labert sich um Kopf und Kragen in Verhandlungen und kann kein Geheimnis für sich behalten - und das als selbsterklärter Schatzsucher (und tatsächlicher Autor). Er ist quasi der Doofpaddel, während sie der Straight Man ist. Ich habe die Szenen mit den beiden absolut genossen, aber wenig anderes zeigt, wie tonal komplett anders Mermaid's Curse ist.
    Es kann sein, dass ich ein paar mehr Screenshots von ihnen eingebaut habe, als repräsentativ wären.

    Natürlich dürfen die für die Reihe mittlerweile charakteristischen Duckfaces auch nicht fehlen. Generell sind so einige Mimiken mal wieder stark überdreht - was in Szenen, die man nicht so ernst nehmen soll, auch wunderbar funktioniert. Leider wirken die weinenden Gesichter in tragischen Szenen auf mich eher karikaturistisch, wodurch einige emotionale Momente deutlich schwächer wurden. Gerade Tsukasas Weinen konnte ich nie ernstnehmen.


    3. The Curse of Atmosphere
    Während sich Seven Mysteries of Honjo mehr nach einem einsamen Gang durch eine gefährliche Gegend bei Nacht und nach Crime Thriller bei Tag angefühlt hat, fühlt sich Mermaid's Curse nach (Abenteuer-)Urlaub auf einer Insel an. Die Insel Kameshima wird dabei auch in wirklich viele Einstellungen zur Schau gestellt, so dass man ein richtig gutes Gefühl dafür bekommt.

    Klar, es gibt hier auch einige sehr angespannte Szenen - so endet Yuzas erster Arc mit einem Massaker an den Bewohnern. Es geht auch um Morde - bzw. Meerjungfrauisierungen. Es gibt also irgendwelche Täter auf der Insel, die mit Curse Echoes arbeiten. Aber es baut nicht so viel Anspannung auf wie der erste Teil es in den besten Momenten getan hat.

    Wenn man mit Avi und Circe auf eine alte Burg hochsteigt und dort bei schöner Aussicht eine Geschichtslektion bekommt, entsteht einfach eine komplett andere Atmosphäre als beim Herumstreifen durch düstere Gassen.
    Gleiches gilt für die Schatzsuche mit den beiden, bei der man nachts aufs Meer hinausfährt und mithilfe des in Japan beliebten Sommerdreiecks (Deneb, Altair und Vega) versucht, den Fundort zu lokalisieren.

    Dazu passt auch das primäre Minispiel von Mermaid's Curse: Das Ama Tauchen. Mit Yuza kann man unter Wasser nach allerlei Getier suchen, bekommt dafür Punkte und levelt seine Tauchfähigkeiten auf. Und vielleicht wird man hier unten auch eine schaurige Begegnung haben.
    Dafür, dass es auf dem Klappentext vom Spiel als neues Feature beworben wurde, macht man hiermit aber ziemlich wenig. Es gibt nur die eine Tauchstelle im Spiel, und für den Storyfortschritt muss man nicht mal besonders viel tun - nur im Prinzip zwei Orte finden. Dafür muss man nicht einmal viel leveln. Man hätte das deutlich stärker einbauen können, weil es halt auch thematisch einfach so gut passt - ich meine, was für eine Urlaubsaktivität auf einer Insel!


    4. The Curse of History
    Für mich ist eine der Stärken der Paranormasight-Reihe diese Kombination von Folklore mit einem kontemporären Setting.

    Bereits Teil 1 war stark auf Folklore ausgerichtet. Die düsteren Kurzgeschichten zu den einzelnen Mysterien von Honjo waren atmosphärisch dicht, gut geschrieben und formten eine stimmige Mythologie. Man konnte die lange Tradition der zugrundeliegenden Geistergeschichten förmlich spüren. Die einzelnen Fälle waren dabei relativ isoliert und konnten für sich allein stehen.

    Mermaid's Curse basiert hier ebenfalls auf wohlbekannten japanischen Mythen, aber auch mehr auf Geschichte. Das Spiel ist auch ne Ecke referenzdichter.

    So steht etwa die Geschichte von Urashima Tarou im Zentrum - inklusive Ryuuguu, dem Reich des Meeresgottes, und der Tamatebako, der Schachtel, die die Ewigkeit bewahrt. Gleichzeitig greift das Spiel auch historische Stoffe wie das Heike Monogatari und den Taira-Clan auf und verbindet diese mit Meerjungfrauen-Mythen.

    In Mermaid's Curse hat das aber auch eine klare Kehrseite: Während man im ersten Teil auch als oberflächlich Interessierter gut durch die spooky Kurzgeschichten geführt wurde, braucht man hier deutlich mehr Interesse an japanischer Folklore, um wirklich reinzukommen. Wenn einem Orihime und Hikoboshi nichts sagen, man die Bedeutung des Ise-Schreins nicht kennt und man kein generelles Interesse an japanischer Mythologie mitbringt, dann läuft man schnell Gefahr, dass vieles einfach an einem vorbeizieht.

    Unabhängig davon, ob man diese japanischen Legenden und Historie allerdings schon kennt - man sollte sich darauf einstellen, dass einem das Spiel diese noch so etwa hundert weitere Male erzählen wird.


    5. The Curse of Repetition
    Strukturell sind sich die beiden Teile sehr ähnlich: Im Prinzip geht es darum, dass man aus der Perspektive von verschiedenen Charakteren (bzw. Gruppen) ein Mysterium aufdeckt. Dabei sind die Szenarien bedingt nichtlinear - die grobe Handlung wird man in vorgegebener Reihenfolge spielen, aber man hat oft mehrere Wahlmöglichkeiten, mit wem man erkundet.

    Und Teil 1 ist hiermit klar besser umgegangen und hatte ein stärkeres Pacing. Mermaid’s Curse verliert sich häufig in Wiederholungen. Informationen werden von Gruppe 1 entdeckt, dann an Gruppe 2 weitergegeben, die sie in einen Kontext einordnet - obwohl der Spieler diese Informationen bereits vollständig kennt. Dadurch entstehen teils dreifache Expositionen derselben Inhalte. Geschichten zu Meerjungfrauen, den Heike wird man hier sehr oft hören.

    Den Höhepunkt hatte das, als Avi und Circe gegen Ende mit Kikuko über die Meerjungfrauen (worüber auch sonst *g*) sprechen. Direkt darauf kommt eine Szene, bei der sie die Ereignisse an Yumeko weitergeben. Das war Wiederholung innerhalb von 5 Minuten!
    Ein weiteres Gespräch, wo die Charaktere am Ende Informationen austauschen, ist auch sehr schmerzhaft, weil dort noch mal viel ausgerollt wird, was man in der Handlung bereits mehrfach gehört hat. Einige Charaktere reagieren dabei mit shocked Pikachu Faces, aber ich hab die Dialoge nur genervt weitergeklickt.

    Ein Grund ist vermutlich, dass die Geschichte hier stärker aufeinander aufbaut als in dem ersten Teil. Dort musste nicht jeder die Lore seines Curse Echoes den anderen immer wieder erklären. Oder die eigene Lebensgeschichte. Klar, dort gab es auch Wiederholung, gerade, wenn es um die Mordfälle in der Vergangenheit ging - aber weil die nur ein Teil der Geschichte waren hielt sich das in Grenzen. Es ist, als hätten die Writer hier Angst gehabt, dass man bei den Mythen nicht mitkommt und sie daher lieber einmal zu oft als zu wenig präsentiert.


    6. The Curse of Immortality
    Ich fand, dass die Gesamtgeschichte zwar ganz gut zusammenkommt, aber auch irgendwie wenig Impact auf mich hatte. Es war eher ein "ah ja, ist ganz interessant." Im Kern geht es um Unsterbliche, um Zorn und Trauer, der sich über Jahrhunderte hält und zu Flüchen wird und natürlich die Verbindung der alten Mythen mit der Gegenwart.

    Den Antagonisten Ikoma fand ich dabei schwach. Weder die Motivation noch die Handlung dieser Person fand ich interessant oder nachvollziehbar. Man kann hier sicher argumentieren, dass einen mehrere Jahrhunderte voll Hass und Abscheu sicher irrational machen, aber das ist halt so eine 0815 Rechtfertigung. Da die Person in der Handlung auch eher hintergründig präsent ist hatte ich nicht mal eine große Bindung dazu. Aber das zieht gleich ein weiteres Plotelement bedingt mit sich runter: Denn der Curse of the Raging Waves wurde durch Ikomas - der eigentlich ein Unsterblicher vom Taira-Clan ist - ausgelöst, weil die Wut auf ihn so groß war. Das fand ich irgendwie schwach, weil es wie so eine "Nebenbei"-Erklärung klingt.

    Das war ein Grund, wieso mich die Geschichte gegen Ende nicht mitgenommen hat. Ein anderer ist, dass ich oft das Gefühl hatte, dass die Handlung wenig Dringlichkeit aufbaut und mehr auf Zufällen basiert. Vermutlich, weil anspannende Szenen dann unterbrochen werden mit lockeren, wo man mit Avi und Circe ein wenig auf Schatzsuche geht. Ein dritter Grund war, dass das zentrale Paar, worauf auch der Impact vom wahren Ende aufbaut, für mich eine Chemie wie Wasser und Öl hatte. Yuza und Sato waren von Anfang der Handlung ineinander verliebt und sind beide Unsterbliche. Sie haben sich geschworen, dass sie vor ihren Freunden es nicht offen zur Schau stellen - aber müsst ihr echt so gut dabei schauspielern?!


    7. The Curse of Interactions
    Mysteries of Honjo hatte sich von anderen klassischen Visual Novels dadurch abgehoben, dass es mehr Gameplay bot und man auch manchmal out of the box denken musste.

    Die Curse Echoes sind in Teil 2 deutlich untergeordneter von der Relevanz. Ja, man findet ein paar davon, aber sie sind weder so integral noch so cool wie in Teil 1. Es sind eher Plot Devices. Wer also gerade das in Teil 1 mochte, wird hier eher enttäuscht sein. Interessanterweise ist das Tauch-Minispiel ja hier auch ein zentrales Element, was massiv unternutzt bleibt. Irgendwie interessant, wie die Reihe das so macht *g*

    Was mir gefallen hat sind die Puzzles. Ob es nun Avis und Circes Schatzsuche mit dem Sommerdreieck ist oder man gegen Ende aus allen Charakteren ein Team zusammenstellen muss, was die Aufgabe lösen kann - hier muss man schon öfter mal mitdenken. Natürlich gibt’s auch wie in Teil 1 so einige Fragen, worauf man die richtige Antwort geben muss. Ich mag das gerne, weil man fürs Mitdenken belohnt wird. Ich fand die Implementierungen der Rätsel auch diegetischer als in Teil 1 - nicht dieses seltsame "dreh jetzt mal den Sound runter".

    Der Weg zum wahren Ende ist dabei wirklich cool gemacht und meiner Meinung nach schwerer als der in Teil 1.

    Ehrlich, das ist ziemlich cool gemacht und funktioniert diegetisch überraschend gut.

    Dabei fand ich, dass Sobaes Geschichte die war, die am meisten mit mir resoniert hat. Sie war nicht so vordergründig wie der Hauptplot, hatte aber so eine leiste Tragik, die sich im Hintergrund des gesamten Spiels spannt. Dass man die Ereignisse am Ende noch mal kondensiert mit ihren Gedanken nachlesen kann hat schon reingehauen.



    Fazit:
    Das Spiel nutzt die besondere Ästhetik, den atmosphärischen Soundtrack, den Bezug zur japanischen Folklore und die Welt von Paranormasight, um eine Geschichte zu erzählen, die sich ganz anders anfühlt als der erste Teil. Man könnte knapp sagen, dass es Intensität zugunsten von Charme opfert. Beispielsweise spielen Curse Echoes eine untergeordnete Rolle und sind eher Plot Devices. Das Spiel ist unabhängig von Teil 1 - sogar so sehr, dass es mich überrascht hat, wie wenig es davon referenziert.

    Mysteries of Honjo war isolierter, atmosphärischer Mystery-Folklore mit einem Horror-Anstrich und Detektiv-Touch. Mermaid's Curse ist ein Spiel mit einem deutlich wärmeren Ton, was stark auf populären japanischen Mythen und Geschichte aufbaut. Dabei trifft man auch die charmanten und teilweise skurrilen Bewohner der Insel. Durch manche Charaktere - besonders Avi und Circe - kommt auch deutlich mehr Comedy in das Spiel, als es Teil 1 hatte. Hab ich erwähnt, dass ich die beiden liebe?

    Atmosphärisch fühlt sich das Spiel wie ein sommerlicher Abenteuerurlaub auf einer kleinen japanischen Insel an, bei dem man auf mythologischer Spurensuche ist. Mit son paar Morden, Flüchen, Meerjungfrauen (citation needed) und tragischen Vergangenheiten, aber man soll sich mal beim Strandspaziergang nicht so anstellen!
    Es ist dabei weniger spannend als Teil 1, hat aber ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl der Insel. Es ist Kooperation statt Battle Royal.

    Das zentrale Gameplayelement des Tauchens wird nicht gut genug genutzt - es kommt praktisch nur an einer Stelle vor, die man mehrmals spielt und hätte viel stärker verwendet werden können (wobei das für einige sicher auch eine gute Nachricht ist). Auch die Menge an Wiederholungen der immer gleichen Themen war mir zu viel und es schadet dem Pacing. Den Antagonisten fand ich eher schwach und auch die Auflösung hat mich nicht komplett von den Socken gehauen. Dafür fand ich aber Sobaes Geschichte ziemlich stark.

    Es ist atmosphärisch extrem anders als der erste Teil - und darauf muss man Bock haben. Für mich sind beide in etwa auf einer Ebene, aber mit unterschiedlichen Stärken. Ich hoffe, sie machen noch einen weiteren Teil hiervon, weil sie gezeigt haben, dass die Reihe flexibel genug ist um interessant zu bleiben.

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