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  1. #35

    SAEKO: Giantess Dating Sim


    System: PC
    Genre: Visual Novel (Horror)
    Entwickler: SAFE HAVN STUDIO
    Releasejahr: 2025

    Spielzeit: 8h
    Schwierigkeit: -
    Beendet: 24.05.2026

    Ich werde hier nicht weiter elaborieren, wieso mich ein Spiel mit dem Namen "Giantess Dating Sim" angesprochen hat.



    Rin ist auf einem gemütlichen, nächtlichen Spaziergang. Doch plötzlich ist ein Gigant hinter ihm und schwupp-di-wupp findet er sich auf ihrem Schreibtisch wieder. Saeko heißt sie, und sie werde alles dafür tun, dass er wieder groß werde. Denn sie ist in Wahrheit nicht gigantisch, sondern er geschrumpft - woran er sich aber nicht erinnern kann, denn Rin hat Amnesie. Aber wer braucht schon Erinnerungen, wenn man ein spicy Zusammenleben mit einer Frau mit Monsterargumenten haben kann?!


    1. Saeko, wie sieht es bei dir zuhause aus?
    Zitat Zitat von Saeko
    Ich wohne in einem kleinen Ein-Personen Appartment. Viel mehr Raum brauche ich für mich und die kleinen Menschen, die ich rette, auch nicht. In meiner Nachbarschaft scheint eine wahre Pest umzugehen. Menschen werden klein und verschwinden. Wer soll sich sonst um diese kümmern, damit sie nicht aus Versehen zerquetscht werden?
    Sie sind alle so zerbrechlich, daher habe ich extra eine Schublade vorbereitet, in der sie ihren Tag sorglos verbringen können, während ich an der Uni bin.

    Bei Saeko muss aber Ordnung herrschen. Die kleinen Leute können schließlich nicht einfach an ihr Eigentum gehen. Dafür braucht es einen Vorsteher - und das wird Rin, trotz Amnesie (roll with it!).
    Vielleicht sind alle anderen kleinen Leute aber auch einfach nur lazy fucks und lassen sich lieber das schwere Yoyo bringen, statt selber ihren Arsch zu bewegen?
    In jedem Fall besteht ein Teil des Gameplays daraus, die Wünsche der kleinen Leute zu erfüllen. Das ist in der Regel nicht besonders schwer und man kann hier auch nichts falsch machen. Beispielsweise soll man jemandem "eine schöne Aussicht" zeigen. Diese Person führt man dann zu der Briefmarke, die Saeko netterweise hier angebracht hat, damit die kleinen Leute auch "Natur" haben.

    Jeden Tag gibt es auch eine besondere Leckerei, die Saeko kredenzt. Diese ist für eine Person da, die es so richtig verdient hat und die man daher zum Strahlen bringen möchte. Dabei hat man hier oft nur wenig Entscheidungsfreiheit - meist gibt es nur eine oder zwei Personen, die sich wirklich dafür ausgezeichnet haben. Abhängig davon, wen man aussucht, gibt es auch andere Gespräche. Ich hätte mir hier ehrlich gesagt mehr Entscheidungsmöglichkeiten gewünscht, als das Spiel liefert. Dafür, dass man der Vorsteher ist, kann man relativ wenig selber tun.


    2. Saeko, wieso rettest du kleine Menschen?
    Zitat Zitat von Saeko
    Weil sie so knuffig sind!
    Man verbringt in der Schublade viel Zeit, sich mit den kleinen Menschen zu unterhalten, die Saeko gerettet hat. Die einzelnen Charaktere sind hierbei nicht zu komplex, aber jeder hat zumindest etwas, was die Person interessant macht und hängenbleibt. Kina fand ich beispielsweise ziemlich gut - sie hinterlässt mit ihrem punkigen Auftreten durchaus einen Eindruck und bei ihrem Metal Song, den sie später singt, musste ich schon lachen - auch wenn die Situation eher tragisch war. Oder Maru, der die Situation gekonnt damit vergleicht, wie er mal einen Ameisenhügel weggepisst hat und das hier nun als seine Strafe ansieht. Ein überraschendes Highlight für mich war Shimon. Der sieht aus wie ein Slacker, aber enthüllt bei den Gesprächen eine überraschende Tiefe.

    Generell sind die Charaktere immer mal wieder recht… errr… "offen". Sei es nun, dass impliziert wird, dass Rin und Chio gebanged haben oder dass Moko ihn an die Eier packt um zu sehen, ob er ein echter Kerl ist. Das kam alles auf mich etwas stumpf rüber, auch wenn ich verstehe, was hier erreicht werden sollte. Was es aber definitiv erzeugt, ist dieses Gefühl, dass die Leute hier drinnen alle nicht so ganz knusper sind - was sich auch immer weiter bestätigt.

    Der Umgang damit, wie die verschiedenen Charaktere ihr Leben in der Schublade sehen, ist aber durchaus interessant. Einige probieren zu entkommen - andere akzeptieren ihr neues Leben oder sitzen gar die gesamte Handlung nur in der Ecke. Besonders spannend fand ich dabei auch, wie die Charaktere über die Motivation von Saeko nachdenken. Hier bringt jeder seine Perspektive rein, aber so wirklich richtig liegt keiner, auch wenn es plausibel *klingt*. Meist sagt es mehr über den Charakter als über Saeko aus, was sie vermuten - beispielsweise, wenn Kina sagt, dass Mädchen ihre negativen Emotionen immer unterdrücken müssen, weil sie hübsche Puppen sein sollen. Die Aussage ist nicht unbedingt falsch, aber ist eben aus ihrer eigenen Erfahrung geboren, und wieso sie zur Metal-Mucke kam.


    3. Saeko, wie verbringst du deine Abende?
    Zitat Zitat von Saeko
    Wenn ich nach dem harten Uni-Alltag abends nach Hause komme, brauche ich immer erstmal eine kleine Erfrischung. Danach hole ich Rin zu mir, der für mich auf die kleinen Menschen aufpasst. Es ist quasi wie ein Date für uns zwei!
    Wir gehen auch manchmal raus, gemeinsam shoppen oder verbringen etwas Zeit an einem See.

    Saeko weiß ziemlich genau, was sie will. Bei den Gesprächen erscheint ihr Text langsam auf dem Bildschirm, genau wie Rins möglichen Antworten. Sollte man ihr antworten, während sie spricht, oder zu oft das Falsche sagen, dann wird hier sicherlich keine heiße Romanze entstehen. Stattdessen reagiert Saeko eher genervt.
    Daher heißt es: Saeko immer aussprechen lassen und sich reinversetzen, was sie wohl gerne hören möchte. So, wie ein wahrer Gentleman das tut. Auch sollte man nicht auf Durchzug stellen, sondern ihr aufmerksam antworten. Aber bitte nicht zu viel, sonst wird man lästig.
    Denn Saeko weiß genau, was sie will.

    Gespräche mit ihr sind schon ein gewisser Drahtseilakt und es kann durchaus - gerade am Anfang - vorkommen, dass man diese öfter neu beginnen muss. Es gibt auch eine Vorspulfunktion, aber die muss man ebenfalls bewusst nutzen. Immerhin kann es passieren, dass man damit auch Antwortmöglichkeiten vorspult.

    Hat man die schöne Zeit mit ihr überstanden, dann chillen die beiden noch an ihrem Handy. Sie lesen zusammen eine schmalzige Liebesgeschichte, spielen ein kleines aber spaßiges Handygame bei dem man als kleine Person einen Turm erklimmen muss oder lesen die Nachrichten. Halt den alltäglichen Kram, den man so am Handy macht. Wobei Saeko es nicht gerne sieht, wenn Rin ihre E-Mails oder Anrufe anschauen möchte. Rin muss auch darauf achten, dass sie das Handy nicht mit ihm zuklappt - ach, Saeko, du Tollpatsch!


    4. Saeko, was tust du, um dich zu entspannen?
    Zitat Zitat von Saeko
    Kleine Menschen essen.

    Der Moment, in dem die Schublade aufgeht, das Licht reinströmt, man Saeko fast gottgleich auf sich herabblicken sieht - das jagt einem Schauer über den Rücken. Nichts macht deutlicher, wie klein und hilflos man gegenüber dieser Gigantin ist. Die Egoperspektive unterstreicht das noch mal besonders, als würde sie direkt auf einen selber schauen.

    Mir wurde dabei wirklich anders - das Spiel inszeniert das Grauen ziemlich effizient.
    Rin muss hier erkennen, dass seine Rolle in diesem Haushalt weit weniger harmlos ist, als sie zunächst erscheint. Ein wesentlicher Teil des Horrors entsteht dadurch, dass mit der Zeit sehr abgefuckter Kram zum Alltag für die kleinen Menschen in der Schublade wird. Denn sie können hier auch nicht entkommen, sich nicht realistisch wehren. Das wird auch gezeigt dadurch, dass eine Frau probiert Saeko mit einer Nadel zu stechen - diese ist davon komplett unbeeindruckt und zerquetscht sie einfach.

    Das enorme Machtgefälle, die wahnsinnigen Größenunterschiede, und der damit einhergehende Schrecken wirken stark - man merkt, dass Saeko die volle Kontrolle über die kleinen Menschen hat. Und sie das auch auskostet, denn sie ist eine Sadistin und sie genießt es, wenn sie nach ihrer Pfeife tanzen.
    Dadurch entsteht auch in den Konversationen mit ihr ein ziemlicher Druck, bei dem ich mich schneller für etwas entschuldigt habe, als mir lieb ist. Ich bin sogar stellenweise in Panik geraten, wenn ich gemerkt habe, dass ihr eine Antwort nicht passt. Das passiert besonders dann, wenn man sich zuerst denkt, dass man etwas Nettes sagt - wie ein Kompliment - sie dann etwas irritiert schaut und man sofort die Aussage zurückziehen will.
    Wirklich sicher fühlt man sich auch nicht, sollte sie anfangen mit ihren riesigen Fingern unruhig auf den Tisch zu klopfen.


    5. Saeko, erzähl mal etwas über dich.
    Zitat Zitat von Saeko
    In meiner Freizeit gehe ich gerne neue Klamotten oder Schmuck shoppen. Seit ich Haustiere halte bringe ich den Kleinen auch immer wieder mal etwas Nettes zum Spielen oder Naschen mit nach Hause.
    Ich mag es gerne, wenn alles seine Ordnung hat. Ich habe auch eine leicht perfektionistische Ader, daher bringe ich meinen Tieren schon früh bei, wie sie sich richtig verhalten sollen.
    Das Spiel geht schon sehr stark darauf, dass Saeko sich nach außen als ein recht normales Mädchen präsentiert. Quasi der "hinter jedem Menschen könnte ein Monster sein"-Ansatz. Auf den ersten Blick fand ich Saeko überraschend flach - und ich glaube, das ist intentional. Denn das Spiel will keine Dating-Sim sein, bei der man den komplexen, oft tragischen Hintergrund der weiblichen Hauptfigur rausfindet, mit dem dann die Taten rationalisiert werden. In dem Sinne ist der Dating-Sim-Titel nur ein Trick. Sie ist kein Bateman - keine charismatische Psychopatin - da ist eine Kühle, eine Freudlosigkeit in fast allem, was sie sagt.

    Immerhin empfindet sie keinerlei Reue für ihre Taten und sagt sogar, dass die Verspeisung von Menschen das erste in ihrem Leben war, wo sie wirklich Glück empfunden habe - was irgendwie erfrischend ist? Oft probiert man die Antagonisten in Horrorgeschichten zu vermenschlichen, das ist hier weniger passiert.
    Viele Dinge, die sie einem erzählt, wirken eher performativ - wie dass sie sich vor anderen Menschen verstellt, dass sie bestimmte Kleider trägt, weil der Anlass dementsprechend ist. Oder sogar ein wenig verloren, was es bedeutet, ein "Mensch" zu sein. So interessiert sie sich offensichtlich für die Liebe - sie liest ja diesen schnulzigen Roman - aber empfindet selber keine Zuneigung zu Menschen.
    Und genau diese psychopathische Art macht Saeko zu einer wirklich starken Figur in einem Horrorspiel.

    Gleichzeitig kann man aber auch mit ihr flirten - ich empfand das fast durchgehend als einen Move, dass man sie besänftigt. Aber ich glaube auf irgendeinem Level soll das auch die "I can fix her"-Motivation ansprechen. Das habe ich hier nicht gespürt, weil sie dafür meiner Meinung nach zu weit "off the deep end" ist. Das Spiel hat hier auch einen ganz spezifischen, nihilistischen Ton, mit dem Horrorgeschichten öfter aufwarten:

    Offenbar hat das Spiel bei einem Teil der Spielerschaft die Dating-Sim-Komponente deutlich erfolgreicher verkauft als bei mir:
    Zitat Zitat von Steam Review
    I wanna be [redacted] by Saeko, not [redacted] kidding.



    Fazit:
    Insgesamt hat mir das Spiel recht gut gefallen - aber ich warne auch schon direkt, dass es sich hier nur bedingt um eine Dating-Sim handelt, so sehr sich manche das vielleicht wünschen *g*

    Stattdessen ist es ein interessantes Horrorspiel mit einem frischen Konzept, was von Machtmissbrauch, Entmenschlichung und emotionale Manipulation handelt. Es macht, was Horror am besten kann: Eine Extremsituation heraufbeschwören, anhand von der man dann auf die Psyche von Menschen blicken kann. Und reichert dies mit einer gehörigen Portion Nihilismus an. Das Spiel ist dabei gehörig verstörend und wirklich effektiv in der Inszenierung der Situation.

    Es besteht aus zwei Ebenen: Den Tag über verbringt man mit den anderen kleinen Menschen in Saekos Schublade. Diese sind nicht sonderlich komplex, aber jeder hat zumindest eine Eigenschaft, die hängen bleibt. Man hilft ihnen, unterhält sich mit ihnen und belohnt sie, weil man den Aufseher spielt. Hierbei hat man kleinere Entscheidungen, von denen spätere auch das Ende beeinflussen, aber ich hätte mir hier deutlich mehr gewünscht. Die Enden fand ich recht schwach - weil keines davon für mich besonders gut zu den vorherigen Ereignissen und Saekos Charakterisierung gepasst hat. Sie wirken auch wie ziemlich klischeehafte Horrorenden.

    Abends und bei Nacht unterhält man sich mit Saeko. Hier muss man darauf aufpassen, ihr nicht auf die Nerven zu gehen. Es ist überraschend effektiv darin auch im Gameplay zu zeigen, wie man komplett ihren Launen ausgesetzt ist. Man kann hier auch ein ganz amüsantes Minispiel spielen.

    Saeko selber ist eine äußerst passende Hauptfigur für das Spiel - sie ist furchteinflößend, hat die absolute Kontrolle und man kann sich ihr nicht widersetzen. Sie ist keine charmante Psychopatin wie ein Bateman, sondern ziemlich kühl. Ich habe zumindest keine Anziehung ihr gegenüber empfunden - dafür ist sie für mich aber auch einfach zu schrecklich. Aber hey, habe von anderen gelesen, die sie heiß fanden und glaubten, dass man sie fixen kann - so who am I to judge

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