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  1. #641
    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    Voll! Es ist diesbezüglich total kohärent. Gerade das finde ich daran aber eben gar nicht surreal
    Stimmt natürlich - irgendwie passts nicht, dass ich "Kohärenz" mit "Surrealität" in Verbindung bringe
    Zitat Zitat
    Im Prinzip lässt sich vermutlich jeder meiner großen Kritikpunkte an Clair Obscure darauf herunterbrechen: Dass da durchaus talentierte Leute am Werk sind, die vielleicht sogar mehr könnten, aber was für die Kunst ein Mehr wäre, wäre für das kulturindustrielle Produkt ein Weniger, weswegen sie bewusst unterkomplex bleiben.
    Dem kann ich nur zustimmen. Das zieht sich auch durch viele Aspekte des Spiels. Man wusste hier denke ich schon, dass man für den Massenerfolg eine gewisse Gratwanderung machen muss. Und der Erfolg hat ihnen Recht gegeben, sie haben die Balance für die meisten Leute sehr gut getroffen.
    Zitat Zitat
    Genau, der Punkt zählt eben auch dazu und so oder so ähnlich hatte ich es in meinem Review glaube ich auch ausgedrückt. Und aus Konsument:innensicht ist das ja auch irgendwo nachvollziehbar. Nicht jeder will sich zu jeder Zeit von einem Spiel tief traurig stimmen oder eventuell sogar retraumatisieren lassen. Gerade weil die meisten Menschen Spiele ja auch eher als Zeitvertreib im Sinne einer Arbeits-Freizeit-Dichotomie sehen, wo Narrative in Spielen, Filmen und Co. gar nicht groß anecken oder bewegen sollen und dürfen, sondern möglichst oberflächlich und leicht konsumierbar bleiben, damit die Konsumierenden tatsächlich "regenerieren" und für den nächsten Arbeitstag wieder ready, verwertbar und im Kopf frei sind, statt dass die Kunst noch nacharbeitet. Schreckliches Prinzip, aber ich gebe mir Mühe, nicht die player zu haten, sondern das game.
    Auf Gefahr hin, dass wir hier in ner Echo Chamber quatschen, aber ja, ich denke, das ist ein Grund für den Erfolg. Es ist ja nicht so, dass das Spiel nicht wirklich schwere Themen enthält, über die man viel diskutieren kann. Aber es selber behandelt die nicht so tief. Ich denke, dadurch kommt so eine Ebene mit rein, dass man auch unheimlich gut Content zu dem Spiel machen kann. Weil man halt gar nicht sooo viel darüber nachdenken muss, um Diskussionen anzustoßen. Hier hilfts sicher auch, dass sie so viele Sachen vermischt haben, dass man automatisch irgendwas findet, woran man ansetzen kann. Es gibt ja tonnenweise Videos, die einem das tolle Foreshadowing erkären oder warum Trauer so ein großes Thema ist, wie Kunst als Flucht vor der Realität genutzt werden kann, etc.. Aber um das zu besprechen muss man gar nicht besonders tief in den Themen sein, was halt auch deren universelle Diskutierbarkeit erhöht. Während ein Spiel, was wirklich tief in Trauer(-arbeit) reingeht seine Univeralität verliert. Man könnte sagen, es kann als sowas wie ein erster Anstoß, sich mit komplexen Themen zu befassen, betrachtet werden.
    Zitat Zitat
    Ist ja augenscheinlich ein recht kurzes Ding und die Sache mit der Lokalisierung fällt auch eher bei Mainstream- und vor allem an Männer gerichtete Animes stärker auf.
    Uwuuu Oniii-chan!

    Das mit der Zielgruppenrichtung kann ich total verstehen. Da gehts ja wirklich viel um Vermarktbarkeit und Erwartungen - wenn man z.B. nen Shonen schaut, dann erwartet man, dass der dumm und voller Fanservice ist... oh, warte, das ist nur meine Meinung
    Ich habe aber zumindest das Gefühl, dass bei den Medien, die eher an eine ältere Zielgruppe vermarktet werden es schon mehr Varianz gibt. Dazu muss man sagen, dass Anime absolut von Shonen dominiert wird, während Josei (an erwachsene Frauen gerichtet) die kleinste Repräsentation hat. Das hat an sich nicht so viel zu sagen, aber nach meinem Gefühl sind die so selten in Anime, dass die Produzenten dahinter was drin gesehen haben - weil das große Geld macht man mit ganz anderem Kram.
    Ach ja, Journal With Witch ist Josei *g*
    Zitat Zitat von Xeaker
    Das ist der Grund wieso ich das Spiel nicht anfasse, bei dem Weltdesign will ich nur abkotzen.
    Dann solltest Dus echt nicht spielen, weil das schon im Groben das Spiel ausmacht *g*
    Zitat Zitat
    Allgemein bin ich kein Fan mehr von dieser starren Kamera hinter dem Charakter, ich vermisse ich Kamerawinkel um die Spielwelt in Szene zu setzen, jedes Spiel sieht gleich aus.
    True! Ich fänds auch geil, wenn sich Spiele mal wieder trauen würden, fixe Kameras zu verwenden. Das finde ich ja beim Project Zero 2 Remake auch wirklich schade. Sie orientieren sich da am Wii Remake (Remakeception!), statt am PS2 Original. Dabei können gerade Horrorspiele durch die festen Kameraperspektiven wirklich effektiv sein. OK, hab auch noch andere Probleme mit dem Look des neuen Remakes, aber dass es keine festen Kamerawinkel mehr gibt ist das größte.
    Geändert von Sylverthas (28.02.2026 um 13:14 Uhr)

  2. #642

    A Space for the Unbound


    System: PC
    Genre: Adventure
    Entwickler: Mojiken
    Releasejahr: 2023

    Spielzeit: 12 h
    Schwierigkeit: -
    Beendet: 25.02.2026

    Das Spiel war 2023 ziemlich weit oben auf Narcissus Rangliste und dort hab ichs auch das erste Mal gesehen. Besonders hängengeblieben ists mir wegen des Titels - der ist einfach so "evocative". Ist es eine Coming of Age Story über Teenager, die ihren Platz suchen? Es könnte auch um Geister gehen. Was bedeutet dieser Gegensatz von "Unbound" und "Space"?

    Auf jeden Fall ging mir das Spiel nicht aus dem Kopf, so hatte ich es mir gekauft… das war Anfang 2024. Hups. Titel ist trotzdem stark



    Nirmala hat eine unglaubliche Fantasie, sie zeichnet und schreibt gerne. Am liebsten zusammen mit ihrem Co-Autor Atma. Die beiden hängen viel miteinander ab, in einem verlassenen Wohnwagen, der ihre "Basis" ist. Ihre aktuelle Geschichte ist die der Sternenprinzessin, die bereits kurz vorm Ende steht. Nirmala schickt Atma kurz los, um von ihr zuhause den wichtigen "Zauberstab" zu besorgen. Auf dem Weg starrt ihn aus der Ferne ein seltsames Mädchen an.
    Als er zurückkehrt, sieht er, dass Nirmala im Fluss am Ertrinken ist. Er probiert sie zu retten, wird dabei aber von der Strömung mitgerissen.

    Plötzlich erwacht er in einem Klassenzimmer. Vor ihm sitzt das Mädchen, was ihn zuvor aus der Ferne beobachtet hatte. "Du kannst Dich nicht an den Namen Deiner Freundin erinnern? Ich bins, Raya".


    1. Alltag trifft auf Übernatürliches
    Eines der stärksten Stilmittel vom Spiel ist es, übernatürliche Szenen in das Alltägliche zu streuen. Das in einem eskalierenden Ausmaß. Das macht das Spiel schon sehr früh mit der Space Dive Fähigkeit deutlich. Um Nirmalas Schreibblockade zu lösen, muss Atma in ihr Innenleben eintauchen und dem Problem auf den Grund gehen. Solche Konzepte kennt man auch aus Spielen wie Psychonauts und Remember Me. Wobei es hier für kleine, persönliche Geschichten genutzt wird. Gleichzeitig wird auch immer von einer großen Katastrophe gesprochen, die der Welt bevorstehe.
    Dieser Wechsel von Alltäglichem zu Übernatürlichem ist etwas Konstantes im Spiel. In einem Moment sitzt man mit seiner Freundin Raya im Kino, während man sich im nächsten im Katzen-Wunderland wiederfindet.

    Der vorher erwähnte Space Dive ist das Hauptgameplayelement vom Spiel. Damit löst man die inneren Konflikte von Personen (oder manipuliert sie gar). Oft bedeutet das, dass man kleinere Puzzles löst, Gegenstände sammelt oder ein Minispiel spielt. Dafür muss man im späteren Verlauf auch mehrere Personen parallel diven, was ich durchaus cool fand. Ich fand das Spiel von den Puzzles recht seicht, oft kommt man schnell auf die Lösung - wobei es auch ein paar Spitzen gibt, die etwas mehr erfordern. Beispielsweise muss man an einer Stelle aus einem Superhelden Comic Informationen entnehmen, die man für ein Zahlenrätsel braucht.

    Hierbei gelten auch die Grenzen von Raum und Zeit nicht: Beispielsweise benötigt man Kirschen. Um an diese zu kommen geht man in die Erinnerungen eines alten Mannes. Dort blüht der Kirschbaum noch, und man gönnt sich. Ein sehr markanter Space Dive ist der, bei dem man auf einmal ein Ankläger in einem Gerichtssaal ist und Beweise im echten Leben finden muss - definitiv Ace Attorny inspiriert. Manchmal schlägt man auch einfach Leute zusammen - wie es einem Videospiel-Sensei beigebracht hat (und da sagt man, Videospiele lehren einem nix *g*). Das ist leider eine recht simple Tasteneingabe, die kaum fordert. Was in Ordnung wäre, aber im letzten Teil vom Spiel wird das immer zentraler, dabei ist es kein wirklich interessantes oder passendes Gameplay.

    Der Slice of Life Anteil ist hoch - besonders am Anfang. Die Eskalation lässt schon etwas auf sich warten, auch wenn das Spiel permanent zeigt, dass hier einiges nicht sauber ist. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass einige Stellen für manche zu langatmig sind - vor allem, weil das Spiel möchte, dass man die Bewohner der Stadt kennenlernt.


    2. Die ländliche Kleinstadt

    Ich stehe ja total auf Städte voller Nebencharaktere und -stories, die man über einen zeitlichen Verlauf kennenlernt. Und nicht anders ist das hier.

    Das Spiel findet in einer ländlichen, indonesischen Kleinstadt der frühen 2000er statt. Zugegeben, ich habe nicht viel Ahnung von dem Land. Ich weiß aber zumindest, dass es das größte islamische Land ist, und das wird stellenweise an der Bekleidung der Leute auch ersichtlich - aber nicht in einem zu starken Maße. Soweit ich das nachgelesen habe ist das Land deutlich liberaler, als man es erwarten würde (spiele ich hier gerade impliziten Rassismus aus?!). Zumindest von dem, was ich nachgelesen habe, scheinen Indonesier sich hier gut wiederzuerkennen.
    Und ein paar Dinge habe ich auch erkannt (weil sie kinda in your face sind xD): Einmal, die Nachrichten, wo vom Befreiungstag gesprochen wurde. Dann natürlich die Moschee sowie die runterhängenden Stäbe (Kentongan), gegen die man schlagen kann - die wohl als Warnsignale verwendet wurden. Und natürlich, dass man Zigaretten an Kinder verkauft (...ok, sorry...). Und natürlich dann zeitliche Sachen der 90er/00er, wie Arcades oder Internetcafes mit richtigen oldschool Browsern. Atmosphärisch punktet es.

    Das Spiel findet an mehreren Tagen statt. Dabei hat jeder Bewohner der Stadt einen eigenen, kleinen Handlungsbogen. Viel vom Spiel hat diesen klassischen Adventure-Flow, bei dem man von einem Charakter Shit bekommt, um dann bei einem anderen anderen Shit zu bekommen. Das sorgt dafür, dass man regelmäßig mit ihnen interagiert, aber auch für eine Menge Backtracking. Zu meiner Erleichterung gibts keine Schnellreise, weil das Spiel auch gar nicht groß genug ist - aber einige könnte das durchaus aufregen.

    Durch die wiederholte Erkundung der Stadt entsteht ein heimeliges Gefühl - man kennt sie mit all ihren Tücken. So ist Budi, der Besitzer des Gemischtwarenladens, am Anfang nur irgendein Verkäufer mit einer wunderschön bonierten Glatze. Aber im Spielverlauf lernt man mehr über seine Verknüpfungen mit anderen Charakteren und durch Space Dives auch mehr darüber, wie er tickt. Das kann man über viele andere der kauzigen Charaktere sagen - zum Beispiel den Doomsday Propheten, der einem heilige Steine andrehen will, oder die Bäckerin, die eigentlich viel lieber Dim Sum zubereiten möchte.
    Dabei ist das Writing ziemlich gut - die Charaktere haben alle ihren eigenen Charme und entwickeln sich über die Tage gut weiter. Humor wird auch sehr oft eingestreut - sei es nun ein dummer Kommentar von Atma oder eine einfach skurrile Situation.
    Das ist alles wichtig, damit die Eskalation später funktioniert. Man kann nur erkennen, dass Sachen schlimmer werden, wenn man weiß, wie sie mal "normal" waren.

    Was auch ordentlich zur Atmosphäre beiträgt ist der OST. Zwar nicht zur indonischen (wobei ich das gar nicht genau weiß, was man da so hört *g*), aber zur alltäglichen, chilligen und nostalgischen. Das Title Theme finde ich absolut klasse, wirkt schon ätherisch, als würde es einen in eine andere Welt bringen. Aber auch das Theme, wenn man einfach in der Stadt rumläuft ist wirklich entspannend. Und das Stück, was innerhalb des Space Dives spielt ist auch geeignet mysteriös und foreboding.

    Und dann muss ich als Katzenliebhaber einfach sagen - mein Herz ging richtig auf, dass diese Kleinstadt ein Katzenproblem hat. Überall findet man die kleinen Fellknäuel und sie sind sogar Teil eines Sidequests, bei dem man jede davon streichen muss. Das Spiel ist wirklich nyantastisch, stellenweise vielleicht sogar leicht obsessiv *g*


    3. Atma und Raya
    Während man die Welt mit Atma erkundet, ist eine Figur immer präsent in der Handlung. Jedes Kapitel hat sie als eine zentrale Figur und in jedem Kapitel erfährt man mehr von ihr. Atma wirkt eher wie ihr Helfer, ihre Unterstützung. Das heißt nicht, dass er keine Persönlichkeit hätte - aber diese ist durchaus recht "gewöhnlich".
    Dabei hat mich die Art, wie Raya dargestellt wird, schon früh an Haruhi (aus The Melancholy of Haruhi Suzumiya) erinnert. Sie gibt den Ton an, kann auch manipulativ sein und hat übernatürliche Kräfte. Leider ist Atma nicht so sarkastisch wie Kyon *g*
    Wenn die beiden miteinander rumhängen merkt man auf jeden Fall, wie gut sie sich verstehen und wie es zwischen ihnen einfach "klickt". Und irgendwie finde ich diesen Aufbau von einer komplexen Figur aus "Second Person Perspektive", die man durch Atma einnimmt, auch ziemlich spannend.

    Auch die relevantesten Nebencharaktere, die man trifft, haben einen Bezug zu Raya. So kennen sich Erik und sie schon länger. Ein Kernpunkt der einzelnen Kapitel vom Spiel ist es, über diese Charaktere nicht sie selber, sondern auch Raya besser zu verstehen. Denn die diese Traumwelten spiegeln nicht nur den betreffenden Charakter wider - sondern vor allem, wie Raya sie wahrnimmt. So sieht man Erik sowohl als verängstigten Jungen, als auch als einen aggressiven Wolf. Weil Raya beide Seiten von ihm kennt - und ihn sogar ermutigt hat, tapferer zu werden. Nur, damit dass dann gegen sie verwendet wird, als er sich ihren Bullies anschließt.

    Besonders schön ist die Bucket List, die Raya und Atma führen. Diese ist so ein herrlich klischeehaftes Medien-Teenie-Ding. Als die beiden sie aufgeschrieben haben, hat man richtig den Spaß gemerkt, den sie miteinander haben. Ein sehr starker Bonding Moment, der für mich viel von der Spielatmosphäre gelenkt hat. Natürlich lieben die beiden auch Katzen über alles - wie könnte es anders sein! Die Liste dient auch als ein übergreifendes Element, eine Art Kompass während der Handlung. Dass diese Liste als spielübergreifende Nebenaufgaben dient ist cool. Davon gibts auch so einige lustige und die bestehen nicht alle nur aus dem Sammeln von Flaschendeckeln *g*
    Was eher uncool ist: Um das wahre Ende zu sehen muss man sie komplett abschließen. Das wird einem erschwert, da es permanent verpassbare Inhalte gibt. Hat man eine Katze in einer Szene nicht gestreichelt? Pech, ist nicht mehr da. Ich habe mir das True Ending auf Youtube angesehen und habe nicht wirklich erkannt, warum das nötig war.

    Beim Abschließen eines jeden Eintrags - auch der optionalen - bekommt man eine kleine Szene aus der Vergangenheit von Atma zu sehen. Diese Szenen sind meist lustig, haben aber auch einen ernsten Kern. Sie sind aus der Vergangenheit mit Nirmala und zeigen, dass die Ideen der Bucket List von den gemeinsamen Erinnerungen kommen. So musste sie ihre Flaschendeckelsammlung entsorgen, weil der Vater sie nicht mochte. Oder sie wollte gerne ein Fahrrad, was sich ihre Familie nicht leisten konnte - daher haben sie viel YOMAN-Kaugummi gekauft um zu gewinnen.


    4. Die Sternenprinzessin
    Das verbindende Element der Handlung ist das Buch, was Nirmala und Atma in der Vergangenheit geschrieben haben. Nicht umsonst bekommt man regelmäßig neue Seiten davon. So wird man im Laufe des Spiels immer mehr von der Handlung im Buch mitkriegen und zu eigenen Schlüssen kommen - mit dem Kernaspekt der Einsamkeit. Man merkt auch, wie tief die Wut und Enttäuschung in Raya sitzt dadurch, wie die anderen Charaktere im Buch verarbeitet wurden.

    Im Spiel selber gehts auch um das Gefühl der Unzulänglichkeit - einfach nicht genug zu sein - für das Umfeld, aber auch für sich selber. Aber auch um das Loslassen.
    Ums kurz zu machen: Insgesamt fand ich die Geschichte wirklich effektiv. Sie behandelt schwere Themen und das auf eine ziemlich empathische Art. Spannnend fand ich dabei, dass die Themen, bei denen ich am Anfang glaubte, dass sie behandelt werden - Liebe und Trauer - eher untergeordnete Rollen spielen. Ich wollte wissen, wie die einzelnen Sachen zusammenkommen - was es insgesamt auch gut tut. Aber ein paar Abzüge gibt es dann noch in Details, die nicht klar genug gemacht wurden.

    Ich will ganz ehrlich sein - mich hat die Story am Ende ganz schön erwischt, auch wenn ich sie strukturell nicht ganz sauber fand. Sicherlich auch, weil ich dieses Gefühl "nicht genug zu sein" zu gut nachfühlen kann. Und so saß ich ab dem letzten Abschnitt nach dem seltsamen Bosskampf schluchzend da. Es ist eine Geschichte darüber, dass, egal, wie viele Fehler man macht, egal, wie nutzlos man sich fühlt, man trotzdem man selber sein darf.

    Atmas Rolle finde ich da ein wenig fragwürdiger, gerade, was das Framing angeht. Vielleicht ist es auch wirklich eher ein Gewichtungsproblem, als ein erzählerisches.



    5. Was ist der Space for the Unbound?
    Kommen wir noch mal zurück zum Titel, der das Spiel so sehr in meinem Gedächtnis verankert hat.

    Es ist eine Coming of Age Story, aber damit würde ich den Titel weniger asoziieren. Viel mehr ist die Kreativität, die Nirmala und Atma haben, "unbeschränkt". Nirmalas Elternhaus hat sie eingeschränkt, aber immer, wenn sie mit Atma zusammen war, waren ihre Fantasien frei - und ihre Basis war ihr Raum dafür. Sie konnte hier machen, was sie wollte. Es war für sie ein Ort, an dem sie nicht bewertet wurde.

    Als Raya Nirmala abgespalten hat, war sie in ihrem Korsett, in dem es keine Fantasie mehr gab, eingeengt. Aber nach ihrem Suizidversuch hat sie sich dann den Ort geschaffen, der von der Realität gelöst ist. Hier hat sie unbegrenzte Kräfte - scheinbar. Aber tatsächlich war sie auch hier eingeschränkt.

    Letztendlich merkt sie: Sie muss sich von der Vergangenheit lösen, akzeptieren, was passiert ist und dass sie ebenfalls Fehler gemacht hat. Denn der wahre Raum für sie ist mit Nirmala zusammen in der Realität. Am Ende ziehen sie und ihre Mutter um, um einen Neuanfang zu machen - gelöst von ihrem gewalttätigen Vater.


    Zum Abschluss noch eine persönliche Interpretation, die etwas spekulativer ist.




    Fazit:
    A Space for the Unbound hat mich sowohl durch seine emotionale Story als auch durch seine liebevoll gestaltete Welt ziemlich überzeugt. Es ist Coming of Age, bei der das Alltägliche mit dem Übernatürlichen vermischt wird. Das Writing hat mir durchgehend gefallen und die Charaktere sind alle sympathisch. Humor gibts auch so einigen und das Spiel ist ziemlich empathisch geschrieben. Aber vor allem gibts viele Katzen!

    Die kleine indonesische Stadt, in der es spielt, hat einen eigenen Charakter und ich habe hier gerne Zeit mit den quirkigen Bewohnern verbracht. Dazu trägt auch das wirklich starke visuelle Design bei - jeder hat eigene Animationen, die Hintergründe sind detailliert und vielfältig. Auch die Musik fand ich insgesamt sehr passend und chillig, kann ich auch immer noch gut hören. Wobei zumindest die Vocal Tracks bei mir nicht so gezündet haben - sie sind zwar gut, aber haben mir nicht diesen Kick gegeben. Schätze, seit To the Moon braucht jedes emotionale Spiel sowas *g*

    Das Spiel ist ein nicht zu anspruchsvolles Adventure mit dem gelegentlich eingestreuten Minispiel. Der Space Dive - eintauchen in die Traumwelten von anderen Personen - ist dabei ein großes Gameplayelement, was auch die Charaktere ausbaut. Dabei kann es schon zu einigem Backtracking kommen. Es gibt im Spiel auch simple Kämpfe, die gerade gegen Ende etwas überstrapaziert werden. Die Map ist zwar nicht zu groß, aber manche wird der Mangel einer Schnellreise stören. Es gibt einige Nebenaufgaben, was ich cool finde. Für das wahre Ende muss man alle davon machen, was meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre (aber es trägt auch nicht so viel mehr dabei).

    Trotz struktureller Probleme hat die Erzählung mich ziemlich erwischt, gerade gegen Ende. Ich konnte auch mit den Problemen der Charaktere stark sympathisieren. Denn egal, wie viele Fehler man macht, wie nutzlos oder unzulänglich man sich fühlt - man darf man selber sein.
    Geändert von Sylverthas (05.03.2026 um 17:43 Uhr)

  3. #643
    Sehr schöner Bericht, danke dafür! Bist gerade bei der Analyse der Story auch noch mal gedanklich deutlich tiefer eingestiegen, als ich das damals getan hatte

    Zitat Zitat
    Das Spiel findet in einer ländlichen, indonesischen Kleinstadt der frühen 2000er statt.
    Das fand ich auch echt stark. Einerseits hat es sich nostalgisch-vertraut angefühlt, aber andererseits auch kulturell deutlich anders. Daher gerade auch spannend, dass man den Alltag so stark erlebt. Und Indonesien ist halt kein Land, was in der Popkultur, die man bei uns findet, stark vertreten ist.

    Zitat Zitat
    Durch die wiederholte Erkundung der Stadt entsteht ein heimeliges Gefühl - man kennt sie mit all ihren Tücken. So ist Budi, der Besitzer des Gemischtwarenladens, am Anfang nur irgendein Verkäufer mit einer wunderschön bonierten Glatze. Aber im Spielverlauf lernt man mehr über seine Verknüpfungen mit anderen Charakteren und durch Space Dives auch mehr darüber, wie er tickt. Das kann man über viele andere der kauzigen Charaktere sagen - zum Beispiel den Doomsday Propheten, der einem heilige Steine andrehen will, oder die Bäckerin, die eigentlich viel lieber Dim Sum zubereiten möchte.
    Dabei ist das Writing ziemlich gut - die Charaktere haben alle ihren eigenen Charme und entwickeln sich über die Tage gut weiter.
    Dann wird dir Last Time I Saw You sicher auch gut gefallen. Dort ist das Setting noch ein bisschen begrenzter, weshalb man wirklich alle Charaktere mit der Zeit recht gut kennenlernt.

    Zitat Zitat
    Trotz struktureller Probleme hat die Erzählung mich ziemlich erwischt, gerade gegen Ende. Ich konnte auch mit den Problemen der Charaktere stark sympathisieren. Denn egal, wie viele Fehler man macht, wie nutzlos oder unzulänglich man sich fühlt - man darf man selber sein.
    Ja, obwohl ich stellenweise das Gefühl hatte, nicht alles so wirklich kapiert zu haben, was das Spiel mir sagen will, fand ich die Message doch auch sehr stark!

    Schön, dass es dir so gut gefallen hat


  4. #644
    Ich poste nur mal, um zu sagen, dass ich das Review jetzt noch nicht lese, mich aber schon darauf freue, das zu tun, nachdem ich A Space for the Unbound demnächst dann auch spiele. Du steigst ja doch immer substanziell ein und ich will einfach möglichst kalt und unbedarft rangehen. Aber auch ein Grund mehr, das bald anzugehen.

  5. #645
    Zitat Zitat von Narcissu Beitrag anzeigen
    Sehr schöner Bericht, danke dafür! Bist gerade bei der Analyse der Story auch noch mal gedanklich deutlich tiefer eingestiegen, als ich das damals getan hatte
    Ich habe auch etwas länger darüber nachgedacht. Teilweise, weil es - wie Du unten schreibst - gar nicht einfach ist, alles zu ordnen. Und ich habe das definitiv auch nicht *g*
    Ich hatte im Vorfeld gehört, das Spiel behandle Liebe und Trauer - aber das kann ich so gar nicht unterschreiben. Ich habe manchmal das Gefühl, dass "Trauer" so ein Universalwort geworden ist, was man überall dranbappen kann, was "traurig" und mit dem Tod einer Person ist. Aber hey, das Spiel hat ganz andere starke Themen, die ich interessant finde.
    Zitat Zitat
    Das fand ich auch echt stark. Einerseits hat es sich nostalgisch-vertraut angefühlt, aber andererseits auch kulturell deutlich anders. Daher gerade auch spannend, dass man den Alltag so stark erlebt. Und Indonesien ist halt kein Land, was in der Popkultur, die man bei uns findet, stark vertreten ist.
    Ja, absolut. Dieses Vertraute, wo man dann merkt, dass es global doch einige Dinge gibt, die ähnlich sind, auch wenn man das Land nicht mal gut kennt. Da haben sie natürlich mit Ende 90er/Anfang 2000er auch die Zeit genommen, für die viele jetzt Nostalgie empfinden *g*
    Was mir auch auffällt, und vielleicht spielt das auch damit zusammen: Das Spiel hat sich irgendwie "warm" angefühlt, ohne, dass ich das jetzt total gut definieren kann. Das ist irgendwie diese Mischung aus dem chillen OST, der Ästhetik vom Spiel (es ist ja größtenteils in hellere Farben getaucht) und den sympathischen NPCs. Natürlich die knuddeligen Katzen nicht zu vergessen!
    Zitat Zitat
    Dann wird dir Last Time I Saw You sicher auch gut gefallen. Dort ist das Setting noch ein bisschen begrenzter, weshalb man wirklich alle Charaktere mit der Zeit recht gut kennenlernt.
    Ist auf meiner Liste. Auch wenn ich Kael damit so sehr enttäuschen werde, wie ich meinen Vater immer enttäuscht habe: Wenn mir die Puste nicht ausgeht, dann zieh ich alle drei Titel durch, die immer zusammen genannt werden (also noch Until Then und Last Time I Saw You). Sollte mir wohl noch ne extra Packung Taschentücher besorgen.
    Zitat Zitat
    Ja, obwohl ich stellenweise das Gefühl hatte, nicht alles so wirklich kapiert zu haben, was das Spiel mir sagen will, fand ich die Message doch auch sehr stark!
    Es ist so, dass mir manche Sachen, wenn sie mir auffallen, nicht mehr aus dem Kopf gehen. Wie hier halt das mit den Bewohnern, die sich exakt so entwickelt haben wie in Rayas Traumwelt oder was ich zu Atma geschrieben habe. Aber am Ende hat die Nachricht halt ziemlich funktioniert, und die Reise dahin auch.

    Zitat Zitat von MeTa
    nachdem ich A Space for the Unbound demnächst dann auch spiele.
    Ja, tu das! Bin gespannt auf Deine Meinung dazu. Ich kann mir aber schon denken, welchen Teil vom Spiel Du nicht so heiß finden wirst *g*
    Zitat Zitat
    Du steigst ja doch immer substanziell ein und ich will einfach möglichst kalt und unbedarft rangehen.
    Klar, total verständlich. Für mich fühlt sich das wie ein Drahtseilakt an. Ich möchte über Themen sprechen, die ein Spiel ausmachen und auch außerhalb von Spoilern was Substanzielles sagen, aber nicht so sehr, dass ich damit wirklich den Plot spoiler. Ich möchte vermeiden, dass der halbe Text ein riesiger Spoilerblock ist...
    ... was zeigt, dass es mir bei bei dem Spiel hier schwer gefallen ist, denn es gibt mehrere große Spoilerkästen. Vor allem, weil ich die Plottwists recht vorhersehbar fand (was dem Spiel keinen Abbruch tut!).
    Geändert von Sylverthas (07.03.2026 um 22:40 Uhr)

  6. #646

    System: PC
    Genre: Visual Novel
    Entwickler: Nozori Games
    Releasejahr: 2025

    Spielzeit: 10h
    Schwierigkeit: Easy
    Beendet: 20.02.2026


    Das Spiel habe ich mir aus zwei Gründen genehmigt. Erstmal finde ich die Erkundung von Parasozialität wirklich spannend. Zweitens war es konzeptuell nicht unähnlich zu Needy Girl Overdose (Needy Streamer Overload auf Steam, weil man "Overdose" wohl nicht so gerne sieht *g*), welches ich ziemlich mochte. Was macht das Spiel mit den Konzepten? Let' see!




    Den ganzen Tag ging sie mir nicht aus dem Kopf. Was sie wohl gerade tut? Das letzte Update auf Y ist schon mehr als 30 Minuten her. Da hat sie aufgelöst, dass die zweite Zahnbürste nur für ihre beste Freundin war. Dabei konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen bei dem Gedanken, dass sie… nein, beruhige Dich. Auf ihrem Subreddil ist auch nix los. Noch zwei Stunden bis ihr Stream beginnt. Was sie wohl diesmal machen wird? Vielleicht rutscht ihr aus Versehen etwas raus, so dass ich ihr näherkommen kann.

    Diesmal sorge ich dafür, dass du mich siehst, Mio.


    1. I Love My Waifu Streamer!
    Und deswegen schaue ich mir auch jeden Stream von Mio an! Ähnlich wie in Needy Girl Overdose verfolgt man hier Streams und zwischendurch kann man ein paar Aktionen machen. Nur, dass man hier keine Kontrolle über das Streaming-Thema hat, sondern wirklich nur ein Zuschauer ist. Das ist natürlich ne ganz andere Perspektive: Bei K-Angel hat man als ihr Producer auch immer noch ihre realen Tweets mitbekommen, wo sie so richtig von der Leine gelassen hat. Während man bei Mio eher in der Perspektive ist, dass man nicht weiß, ob sie wirklich so ne hohle Nuss ist, wie sie rüberkommt. Lieb, naiv, spricht von sich in der dritten Form (), hält ihre Titten in die Kamera aber betont, dass es nur Zufall sei, dass sie sich so kleide.
    Das Spiel gibt sich durchaus Mühe, dass man Mio mag. Ob das erfolgreich ist, hängt total von der eigenen Perspektive ab - ich kann mir vorstellen, dass ein Orpheus sie beispielsweise auf den Tod hassen wird *g*
    Ich fand sie eher okay großartig, ein wenig bland total spannend, was sie erzählt. Könnte mir nicht gut vorstellen, sie als Streamer zu verfolgen. Es gibt schon einige lustige aber auch wholesome Interaktionen mit ihr. Parasozialitäts-Score ist natürlich through the roof

    Dafür ist die Interaktion im Chat intensiver - und ich würde das als das wahre Highlight vom Spiel bezeichnen. Man kann sich rege an Streams beteiligen und es wird auch begrenzt auf einen reagiert. Dabei gibt’s trollige, liebevolle oder stalkerige Antworten. Den Chat fand ich dabei sogar recht authentisch - wenn man sich so ein halbes Publikum von 4channern und die andere Hälfte von total verzweifelten... ok, ihr gesamtes Publikum besteht aus 4channern. Manche Antworten, die man geben kann, ballern schon echt hart und werden dann auch oft von den selben 2-3 Leuten abgefeiert. Und ja, man kann schon bald ein paar Namen wiedererkennen - es entsteht tatsächlich sowas wie ne kleine Community um Mio, was schon wirklich cool ist.
    Wobei ich ihre Freundin Aria, die Mod in ihrem Chat ist, auch ziemlich cool fand. Gibt sogar einen Stream mit ihr, der war immer mein Favorit. Errr... sorry Mio, Du bist natürlich die Beste!

    Das System ist letztendlich aber sehr flach. Man sollte sich früh für eine Art der Antwort entscheiden, weil man sonst nur zu einem "Standardende" kommt. Bei dem Mio von nem Stalker gekillt wird, obviously. Gleichzeitig sollte man ihr - auch wenn man ein Hater Ende will (was man ja nicht will, weil man sie liebt!) - einiges an Geld geben.
    Ich weiß nicht, ob hier der tief zynische Gedankengang hinter ist, den ich darin sehe: Dass man von einem Streamer nur Aufmerksamkeit bekommt, wenn man ihm Kohle gibt. Wenn man das gute Ende sehen will sollte man auf jeden Fall seine Taschen locker machen und sie mit Kohle vollstopfen der Göttin huldigen. Aber wie bekommt man eigentlich Geld, so als Arbeitsloser, der bis Mittag pennt und nur für Mios Streams lebt?

    Na, durch Minispiele!
    Ich sehe hier definitiv die Vision: Damit man mehr zeigt, wie wichtig einem Mio ist, muss man sich ein wenig reinknien und sich hart das Geld erarbeiten. Indem man gleichfarbige Steine nebeneinander legt, am Rad dreht oder Karten klopft. Und alle davon sind kompetent umgesetzt - haben aber nicht wirklich viel mit dem eigentlichen Spiel zu tun. Sie integrieren sich auch nicht gut in den Spielfluß - wann soll man denn diese Minispiele "natürlich" spielen? Zwischen den Streams, immer ein paar Runden? Ja, aber wenn man nun mal für ein Geschenk + Mios nächstes Streaming Goal (die man fast komplett im Alleingang erfüllt - sie ist schon echt beliebt *g*) weit über 2000 Funbucks braucht, dann kann man sich schon ein paar Ründchen einstellen. Was vermutlich als kleine Ablenkung von dem Lesen gedacht war, entpuppt sich eigentlich eher als Blocker. Was wohl auch der Entwickler gedacht hat und so gibt es einen Easymode. In diesem kann man bereits mit einem Minispiel in wenigen Minuten so viel Kohle verdienen, dass man gar nichts mehr machen muss. Was ich auch getan habe - was zeigt, als wie irrelevant ich sie letztendlich angesehen hab.

    Dabei gäbe es einige Elemente, die sich für ein sinnvolles Gameplay eher anbieten würden. So hat man bereits mit Reddil, Chat, Omozon und Y einige Plattformen, die man härter hätte ausbauen können. Aber hier kann man praktisch gar nicht interagieren - bis auf an Schlüsselszenen. Ich habe ja gerade Until Then drinnen, und sogar in dem Spiel kann man mit seinem Feed und in Chats stärker interagieren. Hier wäre das für mich fast schon Pflicht gewesen. Hätte vielleicht auch das Gameplay ein wenig aufgelockert, so dass man nicht nur 100% Hater oder 100% Sykophant Fan sein muss um zu einem Ende zu kommen.


    2. I Hate My Waifu Streamer!
    Man, dass Mio nicht mit einem interagieren will, dass macht einen echt so richtig wütend. FUCKING BITCH! So, wie die sich kleidet, hat sies doch verdient, dass man sie flamed! Ich muss schnell gagglen, wie ich mich in ihren Rechner reinhacke. Ah, die Darkweb App. Gut, dass einer ihrer loyalen Fans () diese im Chat verbreitet hat. Nun nur noch ihre E-Mail rausfinden und ab gehts. Der zeig ichs!

    Ich will ehrlich sagen - ich hab mich schon wirklich schlecht gefühlt bei dem fucked up shit, den man ihr an den Kopf schmeisst um sie fertig zu machen. Das geht wirklich in die Richtung von "womit hat das arme Mädchen das eigentlich verdient?". Es gibt dafür zwar einen "Grund", aber dazu etwas später. Im wesentlichen wird man sie in der Hater Route nur so mit richtig heftigen Kommentaren überhäufen. Und wenn sie einen banned? Na, dann macht man sich halt nen neuen Account mit dem kreativen Namen Syl2! Das wird sie nicht kommen sehen!
    OK, irgendwie hab ich mich hier schon gefragt, ob Twilck echt kein besseres System hat, um User permanent aus Streams auszublenden - aber ok, so ist der Plot.

    Im Groben hat das Spiel mehrere Enden. Wenn man das True Ending erreichen will, muss man aber in jedem Fall erstmal das True Hater Ending erreichen. Was... eine Entscheidung ist, die ich immer fragwürdig finde, wenn Spiele nicht mit Timeloops operieren. OK, seien wir ehrlich, selbst dann find ichs fragwürdig *g*
    Aber gut - der Name ist Programm. Man wird wohl das Spiel nicht kaufen und sich denken, dass man nun nie Edgelord Maximus spielen wird um sie in einem See aus tiefschwarzem Edge zu ertränken, oder? Und ja, bei der Hasskampagne, die man gegen sie lostritt, hatte ich schon eine körperliche Reaktion, einen Knoten im Magen. In dem Sinne hat das Spiel zumindest einen Zweck erfüllt und gut dargestellt, wie grässlich es ist, wenn wirklich jeder einzelne Chatteilnehmer gegen einen ist, man keinerlei Rückhalt mehr bekommt, man komplett alleine ist. Man merkt, wie sich da diese Lawine an Hass bildet, diese Gruppendynamik. Es zeigt auch, dass es oft nicht mal viele Leute braucht, um sowas loszutreten - im Prinzip sind es nur zwei, die den Hass schüren und es schließen sich immer mehr an. Auch die Szene, bei der sie dann Viewer Messages liest und sogar ihre "gute" Freundin Aria sich nicht mehr mit ihr abgeben will, weil es für sie zu gefährlich wird... das ist richtig, richtig harter Tobak. Man merkt, dass das Spiel mit der Hater-Route im Gedanken designed wurde.

    Dabei hat das Spiel auch noch alternative Enden, die meist eher in die seltsam humorvolle Richtung gehen. Was nicht immer passt. Beispielsweise kann man sie so brechen, dass sie zu einer Domi Mommy wird - ich weiß nicht, ob das wirklich zu dem passt, was man hier im Spiel veranstaltet. Oder auf dem Weg zum True Ending kann man ihre Yandere-Seite sehen. Wobei man sie da wirklich provoziert hat. Immerhin kommt man zu ihr nach Hause und scheißt ihr dann verbal erstmal so richtig vor die Tür - wtf. man


    3. Was willst du von mir?
    Nach einem Reddit Post zu urteilen wurde das Spiel entwickelt, weil die Person selber Opfer von Cyberbullying wurde. Gerade im True Hater Ending kann ich das durchaus sehen. Wobei ich hier die Umsetzung anzweifle. Ja, ich hatte bei der True Hater Route schon eine abstoßende Reaktion auf das, was ich getan habe - Mio wurde immerhin als eigentlich recht liebenswürdig gezeichnet, es gibt eigentlich keinen Grund, sie so zu hassen. Gleichzeitig *ist* man permanent auf der Seite der Hater und kann höchstens durch seine eigenen moralischen Vorstellungen spüren, dass das hier fucked up ist, was man tut. Ganz am Ende dreht sich der Spieß und man wird selber Opfer des Mobs und landet sogar im Knast. Hier hätte man meiner Meinung nach viel mehr rausholen können, statt dass man nur eine recht knappe Abschlusssequenz daraus macht. Hier hätte das Spiel wirklich eine starke Nachricht hinterlassen können.

    Also zeichnet das Spiel ein Bild von einem irrationalen Typen, dem es vermutlich selber scheiße geht und der einfach Leute zu Fall bringen will?
    Nein. Denn man findet heraus, dass die Schwester vom Protagonisten ein riesiger Mio Fan war, den sie geghosted hat. Daher hat sie sich das Leben genommen und nun macht MC-kun Mio für den Tod verantwortlich. Sein Ziel ist es, dass Mio auf ihn aufmerksam wird und er sie richten kann. Diese eine Sache dreht das Bild in gewisser Weise und... warte, tut sie das? Das Spiel hat mich durch dieses Detail irgendwie total davon abgebracht, was es eigentlich sagen will. Soll das die True Hater Route legitimieren? Nein, das kann doch nicht sein, oder? Nebenbei ist auch sehr fraglich, inwiefern Mio für den Tod der Schwester verantwortlich ist, nur, weil sie nicht mehr mit ihr sprechen wollte - was ein Thema für sich ist. Im True Ending erfährt Mio, dass der Protagonist sie für den Tod verantwortlich mache. Und sie wischt das dann weg damit, dass die Schwester nur ein obsessiver Fan gewesen sei. Also ist Mio selber ein Arschloch?

    Ernsthaft, ich erkenne hier im Spiel keine gute Botschaft, die es senden will. Bis auf die True Hater Route für sich alleine genommen (also ohne den Kontext, der im letzten Abschnitt steht) nicht mal eine in irgendeiner Form sinnvolle für das Thema Cyberbullying. Wenn ich das, was ich daraus ziehe, at face value nehme, ist die Nachricht sogar eine verdammt düstere: Mio ist ne kaltherzige Bitch und hats verdient, dass man sie in den Tod treibt. Denn wenn man das nicht tut, dann verfällt man ihr, wie einer Sirene - was das True Ending ist. Und das klingt schon hart incel-artig.

    Den Rahmenplot, dass sie von einem Fan umgebracht wird, weil die doofe Nuss irgendeine App öffnet, die ihr der Fan geschickt hat, wirkt kaum passend. Außer, um noch mal ne andere Perspektive auf obsessive Fans zu zeigen, aber wofür? Hierbei bin ich bis zum Ende nicht klargekommen, was nun die Persönlichkeit von Mio sein soll. Ist sie naiv und dümmlich? Steckt mehr hinter ihr, wie manche Enden suggerieren? Aber einige wirken davon auch wie "Joke" Endings?
    Vielleicht ist das Spiel hier cleverer als ich zugestehe und man soll seinen Waifu Streamer nicht wirklich kennen - so, wie man mehr als die Persona auf dem Bildschirm auch von Streamern auf Twitch oder Youtube nicht kennen wird.

    Auch die Sache, dass man ihre Aufmerksamkeit nur bekommt, wenn man ihr richtig viel Kohle in den Arsch schiebt, ist ne Ansage. Das Spiel geht hier sogar so weit, dass sie einen dann kontaktiert, wenn man ihre Streaming Goals erfüllt und Geschenke gibt und sich richtig an einen ranmacht. Sie säuselt einen dann auch süß voll, aber das Spiel macht nicht den Anschein, dass das nur fake ist, was sie sagt? Aber hey, immerhin kann man ihr Dick Pics schicken
    Das Outfit kommt noch dazu - es ist sicher kein Zufall, dass sie sich recht offenherzig kleidet und öfter richtung Kamera beugt - was auch regelmäßig kommentiert wird.

    Was soll man denn sonst hieraus ableiten, als die zynische Ansicht, dass weibliche Streamer durch Sexappeal nur Deine Kohle kriegen wollen?




    Fazit:
    Das Spiel setzt sich als Ziel, Cyberbullying und Streamer-Kultur darzustellen und gegebenenfalls zu kritisieren. Was es nur teilweise schafft - vor allem, weil die Nachrichten, die es sendet, unklar, wenn nicht sogar offen zynisch, sind.

    Man kann hier grob einer von drei Routen folgen. Auf der Hater-Route lässt man seinem inneren Edgelord so richtig freien Lauf und ich muss sagen, dass sich mir bei einigen späteren Sachen schon der Magen umgedreht hat. Diese Route halte ich für am effektivsten. Leider wird durch die anderen Routen die Nachricht dann stark verwässert. Vielleicht soll es aber wirklich so düster sein, wie ich es interpretiert habe.
    Mio ist ein okayer Charakter, auf den ich aber nie den Finger legen konnte, ob sie wirklich einfach nur als so naiv und dümmlich gezeichnet werden soll oder da mehr hinter sein soll.

    Das herausstechende Merkmal ist definitiv der Chat. Der ist so voller Trolle aber auch Superfans, dass sich da eine interessante und unterhaltsame Dynamik entwickelt. Nach einiger Spielzeit sieht man sogar einige der Namen wieder und es entsteht sowas wie eine Community, was cool ist. Durch Kommentare und Donations kann man auch selber eingreifen. Geld bekommt man durch ein paar Minispiele, die aber nicht gut in den Spielfluß integriert sind. Sonst gibt es noch Reddil, Y und Omozon womit man ein wenig interagieren kann, aber zu wenig meiner Meinung nach.

    Ehrlich gesagt? Wenn man ein Spiel in diese Richtung spielen will, und es noch nicht getan hat, würde ich Needy Girl Overdose eher empfehlen. Das Spiel ist zwar ebenfalls edgy, aber auch lustiger, durch bewusste Überspitzung sarkastischer und hat in seinen Routen deutlich klarere Aussagen. K-Angel aka Ame ist auch ein spannenderer Charakter als Mio. Die Spiele sind zwar nicht direkt vergleichbar - die Perspektiven sind andere und der Chat in I Hate My Waifu Streamer ist deutlich stärker ausgebaut - aber die Themen sind ähnlich.
    Geändert von Sylverthas (Gestern um 23:14 Uhr)

  7. #647
    Zitat Zitat
    Ich fühle mich repräsentiert .

  8. #648
    Ich hab I Hate My Waifu Streamer zwar nicht gespielt und sehe auch zum ersten Mal was davon, habe aber Needy Streamer Overload probiert und fand das selbst auch schon nicht so richtig cool. Eine ganz interessante High Concept-Idee, die auch irgendwie total naheliegend und reichhaltig erscheint, für mich aber auch viel ernster genommen werden müsste, um so richtig gut aufzugehen und nicht bloß Gimmick zu sein. Mir fehlt anhand deiner Beschreibung beispielsweise auch die Ebene in solchen Spielen, wie Parasozialität ja kein zufällig aus einer Streamer:innen-Zuschauenden-Konstellation wachsendes Übel ist, sondern von Plattformen und ihren Algorithmen gewollt und bewusst provoziert (Stichwort bspw. das Bannen von Usern. Dass sich auch gebannte Leute einfach einen Zweitaccount machen können, um wieder neu anzufangen, ist ja nicht nur so, weil man es nicht verhindern könnte, sondern weil genau diese parasozialen Anwandlungen plattformübergreifend das meiste Engagement bringen). NSO hatte das ein bisschen mitreflektiert, aber irgendwie geht es dann doch mehr um das Menscheln oder Unmenscheln und da verliert man sich dann schnell in so Pseudo-Botschaften und einem "Ganz schön schlimm, oder?", das aber auch keine neuen Erkenntnisse mit sich bringt.

    Der Zynismus, den du anmerkst, ist dabei auch durchaus ein Ding, das mich auch stört. Sehe ich bei Needy Streamer Overload aber auch genau so.

    Da würde man sich aber eigentlich echt wünschen, dass mal ein Spiel existiert, dass die gesamten Wirkmechanismen parasozialer Streaminginteraktionen genau so umfassend und selbstkritisch hinterfragt wie es bspw. ein Totono mit Eroge-VNs tut (nur vielleicht ohne die versöhnlichen Töne am Ende). Und wenn schon versöhnliche Töne, dann so wie in einem kleinen aber mehr als feinen Spiel, das Dienstag das Licht der Welt erblicken wird.

    Zitat Zitat von Sylverthas Beitrag anzeigen
    Ich habe ja gerade Until Then drinnen, und sogar in dem Spiel kann man mit seinem Feed und in Chats stärker interagieren.
    Okay, okay. Aber der Vergleich zum besten Spiel aller Zeiten ist auch wirklich unfair. :P Aber ehrlich: Ich spiele gerade A Space for the Unbound und muss mich ständig davon abhalten, dass ich es in meiner Beurteilung als unheimlich gutes Spiel nicht unter der Nähe zu Until Then leiden lasse. ^^

  9. #649
    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    Ich hab I Hate My Waifu Streamer zwar nicht gespielt und sehe auch zum ersten Mal was davon, habe aber Needy Streamer Overload probiert und fand das selbst auch schon nicht so richtig cool. Eine ganz interessante High Concept-Idee, die auch irgendwie total naheliegend und reichhaltig erscheint, für mich aber auch viel ernster genommen werden müsste, um so richtig gut aufzugehen und nicht bloß Gimmick zu sein.
    [...]
    Der Zynismus, den du anmerkst, ist dabei auch durchaus ein Ding, das mich auch stört. Sehe ich bei Needy Streamer Overload aber auch genau so.
    Was ich bei Needy Girl Overdose besser fand war die Kombination aus dieser zynischen Ader - denn man hat ja immer Ames richtige Gedanken gesehen, die sie postet - zusammen mit dem Humor der Situation. Du hast Recht, dass es sich nicht so ernst nimmt in seinen übertriebenen Settings, aber die Aussagen wurden doch schon deutlich. Ich fand, es war zynisch in der Betrachtung, aber nicht unbedingt zynisch in den Aussagen.
    Beispielsweise zeigt einem das Spiel ja auch schnell auf, dass bestimmte Verhaltensweisen zwar das Ziel erreichen, aber definitiv nicht langzeitig sinnvoll sind. So ist die Sex Sells Route ja eine der destruktiven und das wird auch geframed. Damit macht das Spiel schon mal ein Statement. Bei I Hate My Waifu Streamer hingegen bekommt sie zwar viele anzügliche Kommentare - aber das kann man auch damit abtun, dass sie halt viele dumme horny Teenager im Chat hat. Während die Nachricht vom Spiel - wie ich oben beschrieben habe - fast schon in die Gegenrichtung geht, als ob das Spiel sagen will "weibliche Streamer wollen nur mit ihrem Aussehen Kohle machen".

    Ich stimme Dir definitiv zu, dass ein Spiel, was das Thema ernsthaft und gut behandelt, tatsächlich fehlt.

    Zitat Zitat
    Mir fehlt anhand deiner Beschreibung beispielsweise auch die Ebene in solchen Spielen, wie Parasozialität ja kein zufällig aus einer Streamer:innen-Zuschauenden-Konstellation wachsendes Übel ist, sondern von Plattformen und ihren Algorithmen gewollt und bewusst provoziert (Stichwort bspw. das Bannen von Usern. Dass sich auch gebannte Leute einfach einen Zweitaccount machen können, um wieder neu anzufangen, ist ja nicht nur so, weil man es nicht verhindern könnte, sondern weil genau diese parasozialen Anwandlungen plattformübergreifend das meiste Engagement bringen).
    Absolut. Die technische Seite wird fast immer ausgeblendet, obwohl diese durch Hintergrundmanipulation auch extrem relevant ist. Nicht umsonst werden einem vom Algorithmus, sobald man einen Vtuber mal aufgerufen hat, immer mehr Vtuber angezeigt
    Zitat Zitat
    Und wenn schon versöhnliche Töne, dann so wie in einem kleinen aber mehr als feinen Spiel, das Dienstag das Licht der Welt erblicken wird.
    q.f.t.
    Zitat Zitat
    Aber ehrlich: Ich spiele gerade A Space for the Unbound und muss mich ständig davon abhalten, dass ich es in meiner Beurteilung als unheimlich gutes Spiel nicht unter der Nähe zu Until Then leiden lasse. ^^
    Bin gespannt. Ich wälze Until Then gerade in meinem Kopf, vermutlich wird das frühestens nächstes Wochenende was. Ich habe einige Gedanken dazu und ja, ich probiere auch - zumindest in dem Bericht - meine Eindrücke aus A Space for the Unbound nicht zu stark darauf einwirken zu lassen. Vielleicht mach ich, wenn ich das "Trio" durch habe, mal nen Vergleichspost, wie ähnlich sich die Spiele tatsächlich sind. Vielleicht.
    Geändert von Sylverthas (Gestern um 21:36 Uhr)

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