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  1. #1

    MeTas virtuos-virtuelle Reise-Challenge | Clair Obscur: Expedition 33



    Überfliege ich meine zwei zurückliegenden Game-Challenges, stelle ich fest, dass schätzungsweise 90% der darin aufgelisteten Spiele wahlweise aus Japan oder den USA kommen.
    Zählt man die vielen, vielen Stunden mit, die ich in Genshin Impact und Infinity Nikki stecke, ist auch die Volksrepublik China auf dieser virtuellen Karte stark bereist.

    Jetzt macht mir das vergangene Jahr – gerade in Form von meinem neuen Lieblingsspiel Until Then – aber klar, dass es sich wirklich, wirklich lohnen kann, auch in Hinblick auf Spiele und ihre Produktionsstätten mal über den Tellerrand hinaus zu schauen. Deswegen will ich das dieses Jahr tun.

    Meine Aufgabe wird also sein, 2026 Spiele aus möglichst vielen verschiedenen Ländern zu spielen. Was das genau heißt, muss im Zweifel wohl der Einzelfall entscheiden. Immerhin sollen kulturelle Zugehörigkeiten bspw. in/aus Diaspora nicht unter den Tisch gekehrt werden. Ganz konkret setze ich mir dabei kein bestimmtes Ziel. Auch wenn ich meine Challenges in den vergangenen Jahren mit Bravour gemeistert habe, will ich mich nicht unter Druck setzen. Es ist auch gar nicht unbedingt der Plan, die Menge an japanischen oder US-amerikanischen Spielen drastisch zu reduzieren. Ich versuche bei der Spieleauswahl, jenseits von dem worauf ich sowieso inhärent Lust habe, einfach nur etwas mehr darauf zu achten, ob ich nicht vielleicht noch Entwickelnden aus einem bis dato unberücksichtigen Land oder Kulturkreis eine Chance geben kann statt mir ganz blind Dinge in die Wishlist & Library spülen zu lassen.

    Also sattle ich meine sieben Sachen und steige, meine Höhen- sowie Flugangst ignorierend, in meinen Kuromi-Heißluftballon. In den folgenden (vollkommen hochoffiziellen) Reisepass werden meine auf diesem Wege gemachten Erfahrungen gestempelt:


    Und hier das ganze noch mal in altbekannter Listenform:

    Spiel Start Ende Spielzeit Wertung Land
    Clair Obscur: Expedition 33 30.12.2025 03.01.2026 28h 4 / 10
    Umamusume: Pretty Derby 26.12.2025
    Lies of P 26.02.2025

    (Außerdem verspreche ich hoch und heilig, dass es mindestens ein JRPG in meine Liste schaffen wird.)
    Geändert von MeTa (03.01.2026 um 16:59 Uhr)

  2. #2
    Finde die Idee schön. Es gibt immer mehr Indies aus der gesamten Welt, da kann man schon mal mehr spielen als nur das, was aus Südostasien kommt!

    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    Dass Du damit nicht irgendwo steckenbleibst, das sieht ein wenig sus aus
    Zitat Zitat
    Umamusume: Pretty Derby
    Oh.My.God.

  3. #3
    Cooles Thema, habe auch schon öfter drüber nachgedacht, mehr auf die Länder zu achten und Spiele zu spielen, deren Herkunft man ihnen anmerkt! (A Space for the Unbound wann?)

  4. #4
    Zitat Zitat von Sylverthas Beitrag anzeigen
    Oh.My.God.


    Zitat Zitat von Narcissu Beitrag anzeigen
    Cooles Thema, habe auch schon öfter drüber nachgedacht, mehr auf die Länder zu achten und Spiele zu spielen, deren Herkunft man ihnen anmerkt! (A Space for the Unbound wann?)
    A Space for the Unbound ist auf jeden Fall fest vorgemerkt und vermutlich der sicherste Titel überhaupt. Habe es jetzt gerade sogar schon aus Demonstrationszwecken gekauft. Natürlich als Version aus einem Bundle mit Until Then und Last Time I Saw You. Das Bundle allein ist ja schon ein guter Hinweis auf die wahrscheinliche Exzellenz des Spiels.

  5. #5
    Nur für den Fall: Beyond R: Rule Ripper ist spanisch.

  6. #6
    Clair Obscur: Expedition 33

    Merde.

    Ich bin richtig, richtig traurig.

    Wie immer weiß ich eigentlich nicht viel, bevor ich mich einem Spiel widme. Im Falle von Clair Obscur kam ich an der Rezeption aber natürlich nicht ganz vorbei. Neben der allgemeinen Menge – die üblicherweise ein schlechter Indikator dafür ist, ob mir etwas gefallen wird – haben auch ein paar Leute, auf deren Meinung ich mehr gebe, gesagt, dass das Spiel dem Hype gerecht werde. In Verbindung mit dem Vibe, den ich durch kurze Ausschnitte vom Spiel bekommen habe, war ich damit wirklich optimistisch gestimmt. Normalerweise liegen mir Mainstream-populäre Spiele nicht besonders. Weil es eben bestimmte Tropes und Manneurismen im Writing, Design und co. gibt, die in diesen Spielen auf eine für mich sehr, sehr schlechte Weise ähnlich sind. Oft ragen bestimmte Spiele heraus und man hört, wie sich Menschen über die herausragende Story oder besondere Charaktere ergehen. Und jedes mal denke ich mir, dass man die wirklich nur besonders finden kann, wenn man nie Dinge jenseits des Mainstreams gespielt hat.

    Das ist vielleicht eine etwas zynische und auch elitäre Betrachtungsweise, die mir selbst nicht so ganz gefällt. Aber sie ist eben auch Teil meiner großen Frustration. Denn Clair Obscur ist nicht anders.



    Einerseits habe ich so gar keine Lust dieses Review zu schreiben. Andererseits muss mein Frust auch irgendwie raus. Also los.

    Ich würde der Aussage widersprechen, dass Clair Obscur: Expedition 33 eine kreative Geschichte erzählt. Es macht ein kreativ anmutendes High-Concept-Setting auf: Eine Malerin malt seit über 6 Jahrzehnten von einem Monolithen aus jedes Jahr eine um 1 kleiner werdende Ziffer bedrohlich in den Himmel. Alle Menschen, die so alt sind wie diese Zahl, lösen sich in Blütenblätter und Luft auf. Einige der Ältesten – solche also, die bald selbst dran wären – ziehen für gewöhnlich als Expedition aus, um in die Lande hinter ihrer Heimatstadt zu ziehen und einen Weg zu finden, die Malerin aufzuhalten, den Zyklus zu brechen und das junge Sterben in Zukunft für verhindern.

    Das ist für so eine Abenteuergeschichte tatsächlich ein ziemlich fantastischer Eingang. Weil es die Fallhöhe extrem hoch ansetzt, das Vorhaben der Expedition also von großer Wichtigkeit ist, gleichzeitig eine Menge Lore- und Worldbuilding ermöglicht und auch die Expeditioner selbst ein Interesse an ihrer Reise haben, das über „ich will die Welt retten!“ hinaus geht. Sie sind ja aufgrund ihres Alters besonders bedroht und treten eine Reise an, die von so großer Bedeutung ist, aber gleichzeitig auch ihre Letzte sein könnte – und gemäß der Wahrscheinlichkeit, mit der sie in diese Reise starten wohl wird. Das bietet so viel Potenzial und jetzt wo ich darüber nachdenke, werde ich noch frustrierter und wütender, wohin das Potenzial dann entflieht.

    Denn auch wenn es den Anschein machen will, als würde es das gerade nicht tun: Clair Obscur bleibt bei allem immer sehr schön oberflächlich. Die Dialoge zwischen den Charakteren finden auf Blockbuster-Niveau statt. Das meine ich nicht als Kompliment. Sie sind handwerklich nicht unpoetisch, oft pointiert, aber das in einem Maße, das vollkommen grotesk unaufrichtig ist. Fast jeder Dialog zwischen zwei Menschen ist genau so. Jede Dialogszene muss die eigene inhärente Narrative auf Biegen und Brechen auserzählen. Vom Konflikt zur Aussprache über den ironischen Bruch hin zum spaßigen Bantering. Ich bin von Letzteren eigentlich ein Fan, aber eben immer dann, wenn der Banter etwas ehrliches hat, mir etwas über die Charaktere sagt. Das passiert hier nicht wirklich.

    Wann immer etwas über die Charaktere offenbart wird, wird alsbald klargestellt, in welcher Art und Weise dieser Charakterzug sich den auf die besondere Situation der Welt, der Expedition und das frühe Sterben beziehen lässt. Sprich: Die Charaktere haben eigentlich keinen Charakter, der außerhalb dieser Besonderheit liegt. Dass die Welt, in der man lebt, prägt, ist das eine. Dass die Writer auch den Impact nach Hause hämmern wollten, den dieses Szenario für die Bewohnenden der Welt hat, klar. Aber es macht diese Menschen eben auch so extrem blutleer. Und daran krankt dann einiges Weiteres. Weil ich ja mit ihnen mitfühlen soll, und zwar ganz gehörig. Und an verschiedenen Fronten wird handwerklich auch einiges getan, damit mir das möglich ist. Das Motion Capturing und die Gesichtsanimationen funktionieren gut. Sind (in den Sequenzen) nicht überragend, aber transportieren was sie transportieren sollen. Das Voice Acting ist überragend, aber mehr dazu gleich. Und die Musik… naja.



    Ich bin kein Fan des Clair Obscur-Soundtracks. Für mich hört sich da zu viel gleich an. Nach französischem Elfen Lied-Core. Hat nicht gestört, hat mich nur auch nicht bewegt. Das soll er aber und das funktioniert bestimmt auch in einem manipulativen Maße. Es gibt Ausnahmen und die finde ich dann oft auch toll. Aber sie sind eben Ausnahmen.

    Das Voice Acting also: Wirklich gut. Mehr kann ich dazu an sich nicht sagen. ABER: Es löst für mich das ursprüngliche Problem nicht, verdeutlicht mir im Gegenzug dazu nur, welche Formen das Problem noch so annnimmt.

    Beispielsweise im Hinblick auf große Emotionen. Natürlich ist es kein Spoiler und sollte niemanden überraschen, dass es in Clair Obscur um Verlust und Trauer geht. Das bringt das Setting eben mit. Leute sterben, und das inzwischen deutlich früher als sonst. Alle zentralen Charaktere haben bereits Angehörige, Geliebte oder Freunde verloren. Und müssen Angst haben, dass sie noch mehr davon verlieren. Doch es kommt – für mich - nicht vor, dass diese Gefühle von Trauer adäquat dargestellt werden. Keiner der Charaktere sagt etwas ehrlich Trauriges. Es werden altbekannte, leicht erzählbare Konzepte zum Thema Trauer dargestellt. Sowas wie Survivor’s Guilt, implizierte Stages of Grief und so weiter.

    Ich habe durchaus eigene Erfahrungen mit Grief und dem Betrauern von Verstorbenen. Weswegen es eigentlich ein super Thema ist, um mich zu erwischen. Nicht umsonst haben mir ja auch gerade solche Aspekte an Spielen wie Until Then oder Finding Paradise in den letzten Jahren so gefallen. Und mein Problem oder Punkt ist nicht, dass in Clair Obscur anders getrauert wird als ich trauere. Meine Behauptung, mein Gefühl und mein Argument ist, dass überhaupt nicht wirklich getrauert wird. Es geht nicht um Emotionen, sondern um die Darstellung von Affekten. Die möglichst reichen müssen, um bei Spielenden Gefühle auszulösen – dafür hat man dann ja Musik und Voice Acting -, aber für mich sogar eine Form von Angst demonstrieren, zu tief zu werden. Bloß nichts Verstörendes. Zu Bergen aufgetürmte Leichen, ja – aber immer in einem Setting, das so weit weg ist und mit Charakteren, die darauf affektreich reagieren, bevor ich mich selbst damit auseinandersetzen kann. Denn massenhaftes Sterben muss einfach konsumier- und spielbar bleiben.

    Keine Ahnung, ob das alles überhaupt irgendwie nachvollziehbar ist. Und vielleicht liegt da auch irgendwo begraben, was mich von den Leuten unterscheidet, die Clair Obscur toll finden? Dass ich an handwerklicher Kunstfertigkeit nichts finde, wenn sie sich dann nicht in den Zweck der Sache stellt. Hier glänzen nicht Charaktere oder Geschichte, sondern die Musik, die sie begleitet und die Voice Actor, die ihnen Stimmen geben. Wo Maelle Emotionen fehlen, kann die Person, die sie spricht durchaus eine ganze Menge mal subtiler und mal großer Emotion in ihre Stimme legen. Dann ist die Emotion geäußert, verpufft und das war’s.

    Bevor ich mich aber zu sehr in diesem Punkt verliere, würde ich an dieser Stelle eigentlich gerne mit einem Screenshot auflockern, der zeigt, was passiert, wenn man mit einem PC, der gerade so die Minimalanforderungen an das Spiel erfüllt, auf mehr als niedrige Grafikeinstellungen stellt. Aber ich hab den wohl irgendwie gelöscht, also muss das ausbleiben. Kurzfassung: Gustave fehlt der Kopf.

    Und genau so eine Kurzfassung gibt es jetzt auch für den Rest der Dinge, die mich an der Art und Weise stören wie Clair Obscur erzählt:

    - Falls irgendjemand noch ein Argument dafür braucht, warum ich finde, dass das Spiel gar nicht tief erzählen möchte? Naja, wie wär’s damit, dass die Gespräche, mit denen man das Bond Level zwischen den Charakteren erhöht, sehr kurz und nichtssagend sind und dann mit ein zwei Texten a la „naja, und dann haben X und Y sich noch eine Weile so weiter unterhalten“ abgeschlossen werden. Das soll sicherlich (auch) funny sein, vor allem könnten die Writer mir aber nicht deutlicher zeigen, dass sie mir nicht mehr über ihre Figuren und die Beziehungen untereinander erzählen wollen. Mag für andere anders sein, aber für mich ist das das Interessanteste an RPGs.

    - Charaktere lieben es, sich oder andere in bestimmten Momenten bedeutungsschwanger zu zitieren. Das sollen dann immer total smarte Momente sein, die für mich aber auch völlig verpufft sind. Und das wird nicht besser, nachdem es das 50ste mal passiert ist.

    - Für ein Spiel, das in seiner Erzöhlung gerne mit Wendungen arbeitet, sie aber nicht wirklich interessant schreiben kann oder will, üblich: Die meiste Zeit hört man zentrale Charaktere wie Antagonisten ominös über etwas schwafeln, was man eh noch nicht verstehen soll. Gut. Auch das ist vielleicht etwas, was man gut findet, wenn man überhaupt irgendwie drin ist und dann Neugier entwickelt. Selbst dann wäre es für mich aber noch ein recht billiges Mittel um Neugier zu schaffen. Die andere Hälfte der Twists wiederum sind dann so unheimlich offensichtlich, dass es einem die Schuhe auszieht.

    - Das „Ende“ hört einfach nicht auf. Mehr sage ich da auch nicht zu, um es nicht mit Spoilern zukleistern zu müssen. Ich habe kein Problem mit den Enden ALS finale Entscheidungen, finde aber absurd und kräftezehrend, wie lang und welchen konkreten Weg es dahin gebraucht hat. Gut, zu dem Zeitpunkt konnte ich auch wirklich nicht mehr warten, dass es endlich aufhört. Und überlange Enden sind ja auch so ein generelles RPG-Problem.

    - Irgendwas fällt mir gerade glaube ich nicht ein. Vielleicht editiere ich das später noch rein, wenn es mir vorkommt als müsste mir auch das von der Seele geschrieben werden. ^^



    Das wird ein kurzer Abstecher, weil das gar nicht so sehr mein Thema ist, aber wenigstens ein bisschen will ich doch über die Kämpfe sprechen.

    Die sind gut. Sehen gut aus, funktionieren gut und sind, glaube ich, auch tief. Man kann sich, wie ich, dazu entscheiden, nicht ZU viel Acht auf die verschiedenen Mechaniken und Kampfstile zu geben und einfach zu machen, was sich sinnvoll anfühlt oder man kann sich reinfuchsen und wahrscheinlich mehr entdecken. Irgendwann werden sie mir doch etwas zu mühselig, das kommt mit der Spieldauer einfach.

    Das reaktionsbasierte Parry-System liegt mir total. Zumindest eigentlich. Das einzige Manko der Kämpfe ist ja offensichtlich eines, mit dem es tatsächlich vielen so geht. Eine Vielzahl der Gegner verzögern ihre Angriffe teils absurd (lange), damit das Timing nicht lesbar ist. Das ist ziemlich nervig und vor allem ein reichlich uninspirierter Weg, die Schwierigkeit hochzuschrauben. Ist aber auch nicht zu schlimm und steht in keinem Verhältnis zu meinen Kritikpunkten an Writing und Narrative. Gegen Ende habe ich auf den leichtesten Schwierigkeitsgrad umgestellt. Nicht weil es mir zu anspruchsvoll gewesen wäre, sondern weil es so doch schneller ging und ich an vielen Gegnern im Endgame vorbei laufen konnte, ohne mir Gedanken über die dadurch verloren gehenden XP zu machen.



    Ein letzter Punkt noch, bevor ich genug gesagt habe. Die Katze ist ja schon aus dem Sack. Ich mag Clair Obscur: Expedition 33 nicht. Insbesondere wegen seiner Oberflächlichkeit und dem blutleeren Writing über und zwischen genau so blutleere menschliche Charaktere. Aber warum erwähne ich das „menschliche“? Ganz einfach: Weil es dem Team offensichtlich einfach fällt, interessant, charmant und neugierig machend zu schreiben, wenn es um Nicht-Menschen geht. Die Gestrals, andere Wesenheiten und vor allem Esquie sind wundervoll. Davon hätte ich gerne mehr gehabt. Mehr verschiedene Kulturen, mehr Eintauchen in die schönen Seiten des Gemalten, weniger abstraktes und sich schwerfältig entfaltendes Familiendrama.

    Abschließend bleibt also nur die Wertung und auch die fällt mir schwer. Im Hinblick auf meine Erwartungshaltung, den Hype und das Game of the Year-Thema bin ich fast geneigt, noch niedriger anzusetzen, doch das wird der Sache vielleicht auch nicht gerecht. Es ist ja kein durch und durch schlechtes Spiel. Es macht vieles richtig. Nur eben auch Dinge, die mir wichtig wären, so falsch, dass es für mich nicht da endet. Mein Problem ist ja auch nicht, ein Spiel gespielt zu haben, das schlechter ist als es angepriesen wird. Sondern was das wahlweise über die Gesellschaft der es Preisenden ODER über mich aussagt. Meh.

    Ich gebe Clair Obscure: Expedition 33 nicht etwa 33, sondern 4 von 10 malerische Lense flares.
    Geändert von MeTa (03.01.2026 um 19:41 Uhr)

  7. #7
    Selbst wenn ich Clair Obscure: Expedition 33 von der Wertung her höher ansetzte, kann ich deine Kritik sehr gut nachempfinden.
    Gerade diese Lagerfeuer-Dialoge haben bei mir viel kaputt gemacht.
    Tatsächlich mochte ich Gustave sehr.
    Maëlle und Lune waren angenehm, doch der Rest hat mir schlussendlich gar nicht so gut gefallen.
    Sciel und Monoco wurden von mir gnadenlos ignoriert und Verso ist der typische, schweigsame Held.
    Wenn mir jetzt jemand sagt, die Charaktere sind flach, kann ich nicht wirklich widersprechen, selbst wenn ich es nicht so negativ sehe, was aber echt an Gustave liegt.

    Bei der Handlung hatte ich den Eindruck, einen Schmetterling rückwärts erleben zu müssen.
    Erst ein wunderbarer Schmetterling, dann die Verpuppung und am Ende bleibt eine hässliche Raupe.
    Vielleicht nicht ganz so extrem, doch vom Ende war ich wirklich enttäuscht.

    Und was du zum Soundtrack schreibst, brachte mich zum Lachen.
    Zum Ende hin konnte ich vieles nämlich nicht mehr auseinanderhalten und wirkte alles so übertrieben pompös.
    Dabei war der Anfang für mich so stark wie die Story.

    Erfrischend war dein Eindruck allemal, da ein solcher Hype entstanden ist, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann.
    Etwas mögen ist das eine, Scheuklappen aufsetzen etwas völlig anderes.
    Geändert von Ὀρφεύς (03.01.2026 um 20:35 Uhr)
    Now: Fantasy Life i: Die Zeitdiebin / Done: Hell is Us
    Now: Der Doktor und das liebe Vieh Staffel 1 / Done: My Hero Academia Staffel 8
    Now: John Constantine: Hellblazer - Tot in Amerika Band 1 / Done: Superman: American Alien Band 1
    RPG-Challenge 2025 / Now: Clair Obscur Expedition 33

  8. #8
    Wow, selten so nen Verriss von der heiligen Kuh vom letzten Jahr gesehen *g*
    Hat auf jeden Fall Spaß zu lesen gemacht!

    Da ichs noch nicht gespielt habe kann ich nicht auf viele konkrete Sachen eingehen, aber zumindest wars interessant zu lesen. Ich bin ja ein Skeptiker, der aber noch nicht weiß, ob er dann Scheiße fressen muss, wenn ichs tatsächlich spiele und vielleicht ebenso großartig finde wie die anderen *g*

    Zitat Zitat von MeTa
    Und vielleicht liegt da auch irgendwo begraben, was mich von den Leuten unterscheidet, die Clair Obscur toll finden? Dass ich an handwerklicher Kunstfertigkeit nichts finde, wenn sie sich dann nicht in den Zweck der Sache stellt. Hier glänzen nicht Charaktere oder Geschichte, sondern die Musik, die sie begleitet und die Voice Actor, die ihnen Stimmen geben. Wo Maelle Emotionen fehlen, kann die Person, die sie spricht durchaus eine ganze Menge mal subtiler und mal großer Emotion in ihre Stimme legen. Dann ist die Emotion geäußert, verpufft und das war’s.
    Hier habe ich zwei Gedanken zu:
    1. Ich glaube viele Leute sind nicht unbedingt vom handwerklichen beeindruckt, sondern sie hat die Reise wirklich gepackt. Ich habe z.B. den Kampf gegen die Paintress schon auf einigen "best bosses" Listen gesehen, weil der Kampf wohl angeblich so emotional und gewichtig sein soll. Ob er das ist kann ich selber nicht sagen, aber das zeigt, dass die Leute über das Handwerkliche hinaus schon emotional sehr mitgenommen hat.

    2. Ich finde, Du sprichst hier gutem VA ne ganze Menge ab. Ich denke durchaus, dass es nen Charakter über das erheben kann, was das Skript eigentlich hergibt. Ich meine - Knights of Xentar, eines meiner Lieblingsspiele von letztem Jahr, macht extrem viel seiner Faszination für mich durch das VA aus. Ohne das hätte ichs immer noch cool gefunden, aber nicht so unglaublich unterhaltsam. Es ist auch der Grund, wieso ich allgemein Anime dem Manga vorziehe, weil das Voice Acting den Charakteren einfach noch mal ne weitere Ebene gibt. Ich würde sagen, ein mittelmäßiger Charakter kann immer noch sympathisch werden, wenn das VA gut ist. Und das sehe ich dann gar nicht so pauschal vom Charakter trennbar, wie Du es hier anscheinend betrachtest.

    Mit welcher Dub hast Du eigentlich gespielt? Ich finde es hier etwas schwer, weil es ein französisches Spiel ist, aber die Originaldub wohl angeblich die englische ist? Bin da noch nicht so 100% drinnen, muss mich mal einlesen. Auf jeden Fall haben sie ja ne Menge für die hochkarätigen englischen Sprecher springen lassen, wenn man sich das Lineup anschaut. Aber auf Französisch ists einfach interessanter und kommt mir auch passender vor.

    Ich kann da bei CO jetzt wiederum nicht aufs Detail eingehen. Wenn die Charaktere sonst sehr flach sind, dann kanns schon sein, dass da auch Musik und VA dramaturgisch wenig rausholen kann.

  9. #9
    Das ist tatsächlich die eine Stelle, auf die ich auch antworten will!

    Zitat Zitat
    Und vielleicht liegt da auch irgendwo begraben, was mich von den Leuten unterscheidet, die Clair Obscur toll finden? Dass ich an handwerklicher Kunstfertigkeit nichts finde, wenn sie sich dann nicht in den Zweck der Sache stellt. Hier glänzen nicht Charaktere oder Geschichte, sondern die Musik, die sie begleitet und die Voice Actor, die ihnen Stimmen geben. Wo Maelle Emotionen fehlen, kann die Person, die sie spricht durchaus eine ganze Menge mal subtiler und mal großer Emotion in ihre Stimme legen. Dann ist die Emotion geäußert, verpufft und das war’s.
    Ich denke, die Wirkung von solchen Dialogen liegt meistens auf einer sehr viel niedrigeren (höheren?) Ebene: Der ganze Kram ist wahnsinnig abhängig von eigenen Erfahrungen, vom eigenen Umgang mit Emotion, und je mehr ein Kunstwerk auf Emotion setzt, desto einfacher kann es auch passieren, dass es bei einem überHAUPT nicht anschlägt. Insofern wundert mich auch nicht, dass Clair Obscur einerseits absolute Lobhuldigungen abholt und andererseits hier und da auf Unverständnis stößt.
    Ich hatte das ja teilweise auch, wenn auch zu Teilen aus anderen Gründen. Das Writing der Dialoge hat für mich im Großen und Ganzen gut funktioniert, sowohl mit der englischen Synchro als auch mit der französischen (wo ich sie anhatte), und besonders im Zusammenspiel mit den Gesichtern, und BESONDERS nach hinten raus in den letzten paar Stunden. Writing-technisch kommt bei mir aber gerade das Knappe, auf den Punkt Gebrachte oft sehr viel besser an, als die Art von Writing, die ich dann als "pseudo-emotionale Nichtigkeiten/Textwüsten" wahrnehme. ^^

    Und wie ich nicht müde werde zu erwähnen: Rein subjektiv kann ich bis heute nicht verstehen, wie der Film Die letzten Glühwürmchen emotional wirkungsvoll sein kann! xD

    Kurzform: Ich würde bei der Wirkung von emotional fokussierter Kunst nicht ZU viel Wert auf handwerkliche Aspekte setzen. Die müssen passen ... aber halt zu den Leuten, die spielen, nicht zu irgendwelchen objektivierbaren Maßstäben.


    Mein zweites Spiel, jetzt bereit für eure Wishlist! =D

  10. #10
    Zitat Zitat von Ὀρφεύς Beitrag anzeigen
    Und was du zum Soundtrack schreibst, brachte mich zum Lachen.
    Zum Ende hin konnte ich vieles nämlich nicht mehr auseinanderhalten und wirkte alles so übertrieben pompös.
    Dabei war der Anfang für mich so stark wie die Story.
    Letzten Endes ist sowas bei mir auch immer stark an meine Emotionen gebunden. Und dann passiert es bei mir gerne auch Lawinenartig. Wenn ich etwas nicht mag, fällt es mir schwer, an einzelnen Aspekten davon Gefallen zu finden. Und ich schätze, die Musik gehört da auch mit zu. Der "alles ist gleich"-Charakter bleibt durchaus, doch auch gleiches kann einem ja gefallen, wenn man es denn schön findet. Und dass es aus einem Guss ist, kann ja sogar ein Positivmerkmal sein. War es für mich eben nicht, weil ich ohnehin genervt von der Affekthascherei des OST war. Dennoch gibt es einige Tracks, die mir in Erinnerung bleiben. Und auch die, die mehr wie der Rest des Spiels klingen, sind sicher alles andere als schlecht und könnten mir unter anderen Umständen bestimmt gefallen.

    Zitat Zitat
    Erfrischend war dein Eindruck allemal, da ein solcher Hype entstanden ist, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann.
    Etwas mögen ist das eine, Scheuklappen aufsetzen etwas völlig anderes.
    Ich persönlich will gar niemandem unterstellen, Scheuklappen aufzuhaben. Mein Erfahrungsbericht ist sehr ehrlich und natürlich in gewisser Weise vernichtend, um meiner Frustration Ausdruck zu verleihen - und dahingehend auch ein bisschen therapeutisch. Ich meine dabei auch alles was ich sage, aber natürlich heißt das nicht, dass andere Auslegungen nicht legitim sind. Ein Teil meiner Frustration ist ja auch, nicht verstehen zu können, was andere darin sehen. Im Zweifel würde ich mir das also auch gerne erklären lassen. ^^

    Zitat Zitat von Sylverthas Beitrag anzeigen
    Wow, selten so nen Verriss von der heiligen Kuh vom letzten Jahr gesehen *g*
    Hat auf jeden Fall Spaß zu lesen gemacht!
    Danke, war auch sehr kathartisch, es zu schreiben. Ist ja wohl nicht umsonst mein längstes Review bislang geworden. Was auch irgendwo beschämend ist.

    Zitat Zitat
    Ich glaube viele Leute sind nicht unbedingt vom handwerklichen beeindruckt, sondern sie hat die Reise wirklich gepackt. Ich habe z.B. den Kampf gegen die Paintress schon auf einigen "best bosses" Listen gesehen, weil der Kampf wohl angeblich so emotional und gewichtig sein soll. Ob er das ist kann ich selber nicht sagen, aber das zeigt, dass die Leute über das Handwerkliche hinaus schon emotional sehr mitgenommen hat.
    Für mich erwächst das eine nicht notwendigerweise aus dem anderen. Der Kampf gegen die Paintress kommt ja nicht ohne Handwerk aus. Erzählerische Mittel, Musik und Voice Acting finden auch darin statt und die können sich dann emotional und gewichtig anfühlen, ohne es wahrlich zu sein. Dass sie es eigentlich nicht sind, ist aber natürlich meine Unterstellung. Die ich versucht habe anhand von meiner Wahrnemung und Beispielen zu belegen, aber natürlich bleibt da irgendwie auch was Anmaßendes dran.

    Zitat Zitat
    2. Ich finde, Du sprichst hier gutem VA ne ganze Menge ab. Ich denke durchaus, dass es nen Charakter über das erheben kann, was das Skript eigentlich hergibt. Ich meine - Knights of Xentar, eines meiner Lieblingsspiele von letztem Jahr, macht extrem viel seiner Faszination für mich durch das VA aus. Ohne das hätte ichs immer noch cool gefunden, aber nicht so unglaublich unterhaltsam. Es ist auch der Grund, wieso ich allgemein Anime dem Manga vorziehe, weil das Voice Acting den Charakteren einfach noch mal ne weitere Ebene gibt. Ich würde sagen, ein mittelmäßiger Charakter kann immer noch sympathisch werden, wenn das VA gut ist. Und das sehe ich dann gar nicht so pauschal vom Charakter trennbar, wie Du es hier anscheinend betrachtest.
    Trennen tue ich die beiden Sachen, weil ich dem Voice Acting Ehre erweisen will, nicht um die Bedeutung davon zu nehmen. Klar, im besten Falle verschwimmen alle Elemente innerhalb des Mediums zu einer Melange, in der Writing, Voice Acting, Motion Capturing und andere Bestandteile insofern nicht mehr voneinander zu trennen sind als dass alles gemeinsam wirkt um einen Charakter besonders gut zu machen. Dass das hier – für mich – aber nicht der Fall ist, ist ja klar, also muss ich das VA auf diese Weise herausheben, wenn ich es überhaupt erwähnt haben will. Beziehungsweise eben auch um mir selbst einen Erklärungsansatz zu geben, warum das Spiel bei anderen funktioniert haben könnte. Sowas geht dann auch schnell in Richtung Kultur- und Rezeptionsanalyse und vielleicht ist das auch einfach eine fachidiotische Krankheit meinerseits, im allgemeinen Abfeiern eines Spiels, das auf eine bestimmte, meiner Ansicht nach sehr populär orientierte Weise erzählt wird, direkt etwas Größeres lesen zu wollen. Und wie gesagt auch eine Neigung, die in dem Fall diejenigen etwas entmündigt, die daran Gefallen finden.

    Aber ja, gutes VA – und das VA in Clair Obscure ist wie erwähnt gut – kann ein Spiel natürlich erheben. Und das ist ja sogar in Bezug auf dieses Spiel meine Unterstellung. Nur dass diese Erhebung für mich eben nicht klappt, weil mich auch das gute VA nicht die Flachheit des Rests übersehen lässt. Bei anderen Spielen klappt das sicherlich besser. Ich bilde mir aber übrigens auch manchmal bei Spielen, die gar kein Voice Acting haben, im Nachhinein ein, es hätte eines gegeben, weil sie sich für mich auch dahingehend so lebhaft angefühlt haben.

    Aber ja, ich trenne hier nicht, weil ich VA und Charakter pauschal als getrennt betrachte, sondern weil es für mich einerseits die eigentliche Möglichkeit ist, die VA zu huldigen, ohne so zu tun zu müssen als würde mir das die Charaktere retten und andererseits um eine Erklärung dafür zu finden, wie andere vom guten VA vielleicht überzeugt wurden.

    Zitat Zitat
    Mit welcher Dub hast Du eigentlich gespielt? Ich finde es hier etwas schwer, weil es ein französisches Spiel ist, aber die Originaldub wohl angeblich die englische ist? Bin da noch nicht so 100% drinnen, muss mich mal einlesen. Auf jeden Fall haben sie ja ne Menge für die hochkarätigen englischen Sprecher springen lassen, wenn man sich das Lineup anschaut. Aber auf Französisch ists einfach interessanter und kommt mir auch passender vor.
    Englisch. Zumindest in den Credits wurden bei den Charakterstimmen immer (mindestens) zwei Namen genannt. Einer, den ich eher Englisch und einer, den ich eher französisch gelesen habe. Auch in der englischen Sprachausgabe ist aber hin und wieder ein franzsösisches Füllwort dabei. Charaktere sagen eben häufig „Merde“ oder „Putain“, auch wenn sie ansonsten akzentfrei sprechen. Mir hat das gefallen und weder das Englisch, noch die Füllwörter haben sich in die ein oder andere Richtung schlecht oder falsch angefühlt. Ich glaube, die Sprache kann das Setting schon tragen. Sie leidet eben nur an anderer Stelle an romantischer Verknappung, wenn's nach mir geht.

  11. #11
    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    Für mich erwächst das eine nicht notwendigerweise aus dem anderen. Der Kampf gegen die Paintress kommt ja nicht ohne Handwerk aus. Erzählerische Mittel, Musik und Voice Acting finden auch darin statt und die können sich dann emotional und gewichtig anfühlen, ohne es wahrlich zu sein.
    Da sind wir uns ziemlich einig!
    Zitat Zitat
    Aber ja, ich trenne hier nicht, weil ich VA und Charakter pauschal als getrennt betrachte, sondern weil es für mich einerseits die eigentliche Möglichkeit ist, die VA zu huldigen, ohne so zu tun zu müssen als würde mir das die Charaktere retten und andererseits um eine Erklärung dafür zu finden, wie andere vom guten VA vielleicht überzeugt wurden.
    OK, dann hab ich den Abschnitt falsch interpretiert, danke fürs Klarstellen!
    Wobei ich die Erklärung dennoch interessant finde. Ich denke VA und Musik alleine werden Leute nicht komplett überzeugen - aber sie können definitiv die Brücke schlagen, dass ansonsten schwächeres Writing nicht so auffällt. Wie oben geschrieben, die Inszenierung kann durchaus über manche Sachen hinwegtäuschen - und das sehe ich nicht mal als was unbedingt problematisches an. Kompliziert wirds dann erst, wenn einem Personen dann das Writing an sich als was Gutes verkaufen wollen, wenn sie eigentlich eher von anderen Sachen überzeugt wurden, es aber nicht gemerkt haben.

    Glücklicherweise spiele ich so viele Spiele, bei denen die Inszenierung vermutlich eher nicht der beste Aspekt ist, so dass ich mir die Frage nur gelegentlich stellen muss

    Zitat Zitat
    Ich bilde mir aber übrigens auch manchmal bei Spielen, die gar kein Voice Acting haben, im Nachhinein ein, es hätte eines gegeben, weil sie sich für mich auch dahingehend so lebhaft angefühlt haben.
    Ja, manchmal hat man auch einfach ne "Kopfstimme" *g*
    VA muss nicht drinnen sein, damit ein Spiel lebendige Charaktere hat - reines Writing ist da auch oft schon ausreichend, wenns so gut ist.

  12. #12
    Reaktion auf Cipo noch hinterher, weil vorhin schon abgeschickt als ich das gesehen habe. ^^

    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Kurzform: Ich würde bei der Wirkung von emotional fokussierter Kunst nicht ZU viel Wert auf handwerkliche Aspekte setzen. Die müssen passen ... aber halt zu den Leuten, die spielen, nicht zu irgendwelchen objektivierbaren Maßstäben.
    Vielleicht war mein Stichwort "handwerkliche Kunstfertigkeit" auch einfach irreführend. Mir geht es aber null um mögliche objektive Maßstäbe. Es löst das Mysterium für mich aber eben auch nicht auf, festzustellen, dass die Erfahrung subjektiv ist. Musik und VA wirken grundsätzlich ja emotional, auch für mich. Im Kontext von der (mutmaßlichen) Flachheit des Rests nervt mich das dann nur umso mehr. Und es ist auch nicht einfach nur die (textliche) Knappheit des Writings, die mich stört. Ich mag Poesie, aber Poesie kann eben auch mit wenig besonders viel sagen, dicht sein, was ich hier nicht sehe. Und das stört mich dann aus den genannten Gründen.

    Und natürlich könnte ich es auch einfach dabei belassen, für mich mein Fazit zu ziehen. Mir ist irgendwo auch wichtig, anderen ihre Erfahrung nicht zu nehmen, sehr sogar. Mit der Zeit hat sich bei mir aber eben auch herausgebildet, was ich im Post über diesem "Fachidiotie" nenne. Ich kann mich Spielen, wie Kunstwerken aus jedem anderen Medium, immer nur mit einer Portion Ideologiekritik nähern, sowohl was die Inhalte als auch ihre Rezeption angeht. Gar nicht weil ich daraus immer etwas ziehe, sondern weil sich dieser Blick auf Kunst einfach verselbstständigt hat. Und klar gibt es da auch Beispiele, in denen ich genug finde, um manch anderes ignorieren oder wenigstens geringer gewichten zu können was problematisch ist (Genshin Impact bspw.), aber wenn ich nicht genug finde, gehe ich mit diesen Aspekten eben auch sehr hart ins Gericht. Würde dahingehend sicher helfen, wenn man komplett ins Detail gehen würde, aber dem gerecht zu werden, würde den Rahmen meines Threads und sicherlich auch jeglichen Aufwands sprengen. Und oh man, werden diese Worte schlecht altern, wenn ich in den kommenden Tagen mein (spoiler!) signifikant besseres Umamusume-Review schreiben werde.

    Zitat Zitat von Sylverthas Beitrag anzeigen
    Wobei ich die Erklärung dennoch interessant finde. Ich denke VA und Musik alleine werden Leute nicht komplett überzeugen - aber sie können definitiv die Brücke schlagen, dass ansonsten schwächeres Writing nicht so auffällt. Wie oben geschrieben, die Inszenierung kann durchaus über manche Sachen hinwegtäuschen - und das sehe ich nicht mal als was unbedingt problematisches an. Kompliziert wirds dann erst, wenn einem Personen dann das Writing an sich als was Gutes verkaufen wollen, wenn sie eigentlich eher von anderen Sachen überzeugt wurden, es aber nicht gemerkt haben.
    Genau das ist mein Punkt. Also nicht so eindeutig formuliert – hätte ich vielleicht tun sollen, um Missverständnissen vorzubeugen. Auf der anderen Seite wollte ich es aber auch nicht direkt so formulieren, weil es eben so anmaßend ist. Im Sinne von: „Ich durchschaue, was ihr Tölpel nicht zu sehen vermögt. Hahaha, ihr naiven Schäfchen!“ An so eine Überlegenheit glaube ich eben auch eigentlich nicht. Und insbesondere nicht, weil es ja eben gerade im Fall von Clair Obscur Leute gibt, die ich für sehr emotional und intellektuell integer halte und denen ich so eine Beeinflussung noch viel weniger unterstellen will als der breiten Masse, die durch den Konsum von ausschließlich mainstreamigen Popnarrativen eben wirklich nicht unbedingt geschult sein könnten, mehr zu sehen.

    Und genau genommen ist ja auch Letzteres erst mal kein Problem. Warum sollen Leute Dinge nicht gut finden? Wo ist der Zweck, das zu kritisieren? Inhärent ist ja nichts Problematisches daran, etwas „Schlechtes“ zu mögen (wobei dann sowieso wieder die Differenzierungsfrage wäre, was denn „schlecht“ ist und ob das überhaupt irgendwie objektiv verhandelbar wäre). ABER mir geht’s eben auch gar nicht so sehr um die reine Qualitätsfrage als viel mehr um das Thema von Affekt und Emotion. Eben weil wir sowieso in einer sehr affektlastigen Welt leben, in der die unmittelbaren Reaktionen ausschlaggebend und auch kulturtreibend sind. In der tatsächliche Gefühle dann oft hinter diesem Affekt verschwinden. Das macht mich dann so empfindlich, wenn ich sehe, wie ein Spiel, das – während es emotional sein will – meiner Meinung nach so sehr mit Affekt arbeitet auch noch so für seine Emotionalität gefeiert wird. Wie gesagt: Ich glaube dementsprechend wirklich nicht, dass es da mit einer simplen Geschmacksfrage getan ist. Ich störe mich nicht am anderen Geschmack. Ich störe mich an den Impilikationen, die das haben könnte. Daran, dass Affekt hier und da vielleicht einfach Emotion ersetzt. So oder ähnlich sollte das auch meine VA-Verpuffungs-Zeile ausdrücken. Aber ich schreibe allgemein so raw und ohne Plan meine Beiträge, dass sie auch nicht wirklich überlegt ankommen.

    Ich struggle auch noch damit, zu formulieren, wohin sich darauf basierend mein kulturwissenschaftliches Gedankenkarrussel da bewegt. Weil die ersten, wieder gelöschten Formulierungsversuche wie irgendein adornoesques, kulturpessimistisches Geschwafel klingen, dem ich mich gar nicht verschreiben möchte.

    Zitat Zitat
    Glücklicherweise spiele ich so viele Spiele, bei denen die Inszenierung vermutlich eher nicht der beste Aspekt ist, so dass ich mir die Frage nur gelegentlich stellen muss
    Das macht den Dive in populäre Spiele ja auch immer so interessant, auch von meiner Seite, weil es mir so ähnlich geht. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass ich damit dann auch mal eine gute Erfahrung mache. Das letzte mal war das bei Horizon: Zero Dawn der Fall, wo ich wirklich positiv von den Socken gehauen wurde. Sowohl von der Inszenierung als dann auch davon, was dahinter steckt.

  13. #13
    Zitat Zitat
    Und natürlich könnte ich es auch einfach dabei belassen, für mich mein Fazit zu ziehen. Mir ist irgendwo auch wichtig, anderen ihre Erfahrung nicht zu nehmen, sehr sogar. Mit der Zeit hat sich bei mir aber eben auch herausgebildet, was ich im Post über diesem "Fachidiotie" nenne. Ich kann mich Spielen, wie Kunstwerken aus jedem anderen Medium, immer nur mit einer Portion Ideologiekritik nähern, sowohl was die Inhalte als auch ihre Rezeption angeht. Gar nicht weil ich daraus immer etwas ziehe, sondern weil sich dieser Blick auf Kunst einfach verselbstständigt hat. Und klar gibt es da auch Beispiele, in denen ich genug finde, um manch anderes ignorieren oder wenigstens geringer gewichten zu können was problematisch ist (Genshin Impact bspw.), aber wenn ich nicht genug finde, gehe ich mit diesen Aspekten eben auch sehr hart ins Gericht. Würde dahingehend sicher helfen, wenn man komplett ins Detail gehen würde, aber dem gerecht zu werden, würde den Rahmen meines Threads und sicherlich auch jeglichen Aufwands sprengen.
    Ich hatte gerade einen ähnlichen Gedanken: Es wäre ernsthaft spannend, sich mal zu zweit vor eine Szene auf Youtube zu setzen und wirklich Beat für Beat, Satz für Satz durchzugehen, was wieso (nicht) funktioniert! Aber ein Forum überfordert das wirklich, weil man sich da zu sehr in einzelnen Beispielen verliert ... oder in Walls of Text, die niemand lesen will. ^^


    Mein zweites Spiel, jetzt bereit für eure Wishlist! =D

  14. #14
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Ich hatte gerade einen ähnlichen Gedanken: Es wäre ernsthaft spannend, sich mal zu zweit vor eine Szene auf Youtube zu setzen und wirklich Beat für Beat, Satz für Satz durchzugehen, was wieso (nicht) funktioniert! Aber ein Forum überfordert das wirklich, weil man sich da zu sehr in einzelnen Beispielen verliert ... oder in Walls of Text, die niemand lesen will. ^^
    Lass uns das einfach machen!

  15. #15
    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    Genau das ist mein Punkt. Also nicht so eindeutig formuliert – hätte ich vielleicht tun sollen, um Missverständnissen vorzubeugen. Auf der anderen Seite wollte ich es aber auch nicht direkt so formulieren, weil es eben so anmaßend ist. Im Sinne von: „Ich durchschaue, was ihr Tölpel nicht zu sehen vermögt. Hahaha, ihr naiven Schäfchen!“ An so eine Überlegenheit glaube ich eben auch eigentlich nicht.
    Keine Sorge, dann übernehm ich das für Dich, als der Arsch vom Dienst *g*
    Aber im ernst, ich kenn das Spiel ja nicht wirklich, also hab ich kein wirkliches Pferd hier im Rennen. Aber dieses Gefühl von "WARUM SEHT IHR DAS ALLE DENN NICHT?!" kenn ich nur zu gut
    Zitat Zitat
    Und genau genommen ist ja auch Letzteres erst mal kein Problem. Warum sollen Leute Dinge nicht gut finden?
    Stimmt durchaus. Was Leute mögen kann man nicht abstreiten, und ich glaube das probiert man auch nicht unbedingt. Im besten Fall kann man ja Verständnis schaffen, wieso andere es anders sehen. Das Ding ist aber, wieso ich da ein wenig dazwischengrätsche: Man merkt halt bei Diskussionen häufig, dass viele Leute gar nicht wissen, wieso sie etwas eigentlich mögen oder das nicht wirklich fundiert begründen können. Sogar im professionellen Bereich merkt man das IMO stark. Bei professionellen Reviews kann man sich sehr oft bei den leeren Worthülsen frage, ob die Person tatsächlich benennen könnte, warum eine bestimmte Szene nun emotional war oder warum das Kampfsystem so gut funktioniert. Weils halt doch oft recht oberflächlich betrachtet wird (und von den meisten Leuten auch keine tiefere Auseinandersetzung erwartet wird). Das macht Diskussionen dann schwer, gerade, wenn man auch noch begrifflich aneinander vorbeispricht (wie mit Inszenierung vs. Writing).

    Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich das besonders gut mache - man hat halt auch nur endlich viel Zeit, Aufmerksamkeit, Kapazität, Verständnis (xD) und probiert Texte auch gegebenenfalls nicht komplett in Details aufzublähen. Also nicht mehr, als ichs ohnehin schon tue, mein ich *g*

    Zitat Zitat von Cipo
    Ich hatte gerade einen ähnlichen Gedanken: Es wäre ernsthaft spannend, sich mal zu zweit vor eine Szene auf Youtube zu setzen und wirklich Beat für Beat, Satz für Satz durchzugehen, was wieso (nicht) funktioniert! Aber ein Forum überfordert das wirklich, weil man sich da zu sehr in einzelnen Beispielen verliert ... oder in Walls of Text, die niemand lesen will. ^^
    Das klingt tatsächlich unterhaltsam *g*

  16. #16
    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    - Falls irgendjemand noch ein Argument dafür braucht, warum ich finde, dass das Spiel gar nicht tief erzählen möchte? Naja, wie wär’s damit, dass die Gespräche, mit denen man das Bond Level zwischen den Charakteren erhöht, sehr kurz und nichtssagend sind und dann mit ein zwei Texten a la „naja, und dann haben X und Y sich noch eine Weile so weiter unterhalten“ abgeschlossen werden. Das soll sicherlich (auch) funny sein, vor allem könnten die Writer mir aber nicht deutlicher zeigen, dass sie mir nicht mehr über ihre Figuren und die Beziehungen untereinander erzählen wollen. Mag für andere anders sein, aber für mich ist das das Interessanteste an RPGs.
    Diesen Punkt kann ich sehr unterstreichen, das hat für mich als Party-Camper sehr weh getan. In BG 3 und selbst im uralten Dragon Age Origins war das um Welten besser, dort konnte man sich wirklich mit seinen Begleitern austauschen, unterhaltsame Dialoge führen und einfach das Lagerfeuer-Leben einatmen. In Clair Obscur gibts davon nichts, wirklich nichts. Ich war so enttäuscht, als ich merkte, dass es nie echte Romanzen.-Szenen gibt, all das wird nur in kurzen schmucklosen Sätzen abgespeist und auch nur am Schluss. Und auch hier sage ich es wieder offen: Verso ist kein guter Charakter. Und ich verstehe bis heute nicht, wie der Typ es einfach so in die Gruppe geschafft hat, ohne dass jemand seine Hintergründe wirklich hinterfragt. Seine Geheimniskrämerei ist so offensichtlich und irgendwie stört es keinen - nur erst wenn es story-relevant wird.

    Auch wenn mir die Story und das Gameplay durchaus gefiel, gibts einen weiteren Punkt, mit dem ich nie warm wurde: In vielen Spielen wird die Handlung zur Spielwelt erdacht, in Clair Obscur ist es genauso umgekehrt und das merkt man an jeder Ecke der Spielwelt an. Alles und jeder existiert nur wegen der Story, die Welt sieht genauso aus, damit die Story perfekt in Szene gesetzt werden kann und sich voll entfaltet. Abseits davon gibts nichts und das finde ich schade. Mir ist die Welt zu künstlich und ja ich weiß, dass es handlungsbedingt ist, aber inhaltlich muss sie es nicht sein und trotzdem fühlt es sich ständig so an.. Bisschen schwer zu erklären, aber jeder der es gespielt hat, weiß was ich meine.

    @Sylverthas: Du musst es endlich auch anspielen, bevor das allgemeine Interesse des Spiels verfliegt. Mich würds brennend interessieren, wie es bei dir ankommt.

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