Schon Vom Drachentöten hat mir gefallen. Einerseits wegen der starken, durch Sprache gestützten Charakterisierung, aber auch der subtil verwobenen Lore. Letzteres ließ die Welt viel größer erscheinen, als sie für ein so kurzes Spiel war. Daher war schon früh klar, dass ich einem weiteren Spiel von Cipo offen gegenüberstehen würde und habe gerne am Betatest teilgenommen. Das Spiel habe ich bereits zwei Mal mit zeitigem Abstand durchgespielt.
MC-kun hat vor Jahrzehnten mal ein MMO mit heißen Monster-Mädels gespielt. Die Server dieses Spiels werden bald abgeschaltet. Aus unbekannten (aber sicher total rationalen) Gründen entschließt er sich dazu, dass er die Damen aus dem Spiel retten will, bevor ihre Daten auf immer verschwinden. Er loggt sich also ein letztes Mal in das MMO ein, was ihm in seiner Jugend viel bedeutet hat.
1. Best Monster Girl (Needs Therapy) Ranking:
Was wäre eine Visual Novel bitte ohne Waifus?
…
Ok, eine mit Husbandos. Aber die gibt’s hier nicht! Sowieso ist unser MC-kun so straight, wie man nur sein kann, wenn man absolut nichts zu kompensieren hat!
Und seien wir ehrlich - so ein Game lebt total davon, wie die Waifus präsentiert werden. Üblicherweise hat das ein paar Dimensionen: Klein, mittel, groß… wartet, ich bin im Review verrutscht.
Den Charakter-Archetyp (Tsundere, Genki girl, Ojou-sama etc.), das Design, Backstory und zur Anreicherung noch irgendwelche (sprachliche) Quirks… uwuuuu.
Und, was soll ich sagen? Das Spiel nailed das meiste. Die Persönlichkeiten der Monster Girls sind grundverschieden und ich fand die meisten auf ihre Art cool und sympathisch. Dabei sind sie klar an Klischees angelehnt, selten aber auf eine komplett triviale Art und da steckt noch deutlich mehr hinter - oft eine durchaus menschliche Charakterisierung für ihr Verhalten.
Ich kann total verstehen, wenn man jede davon als *seine* Waifu ansieht. Aber wir natürlich alle wissen, dass Shaliva best girl ist!
Genug der Vorrede, kommen wir zum Ranking! Ihr werdet NICHT GLAUBEN, wer auf Platz 3 ist!
SSSh. Shaliva
She's a slime and KNOWS it! Wie kann man sie nicht mögen?!
Von ihrer bro-haften Art, über ihre Farbwechsel wenn ihre Stimmung umschlägt - Shaliva weiß, wie man unterhält und ist richtig witzig. Und da gibt sie sich auch ernsthaft Mühe mit, immerhin ist sie das Tutorial-Girl - was viele einfach skippen. Oder die Dialoge ignorieren. Daher muss sie natürlich nen Eindruck hinterlassen auf die, die sich mit ihr unterhalten! Auch wenn sie es manchmal auch einfach zu hart versucht, sympathisch zu sein, und es ein wenig bröckelt.
Eine Sache mochte ich besonders an ihr. MC-kun tut das, was zynische Personen gerne tun: Er probiert ihre Motivation zu analysieren. Mit dem Kern, dass sie ja nur so hilfsbereit sei, weil sie nicht vergessen werden wolle und Angst vor Konfrontation habe. Was entgegnet sie auf diese küchentischphilosophische Dekonstruktion? Dass das total okay sei, so zu sein. Es ist okay, Menschen helfen zu wollen, wenn man sich dann selber besser fühlt. Das ist so ein frischer Take auf so eine Situation, wirklich toll.
Im zweiten Durchgang habe ich sie nicht überzeugt mitzukommen. Da hat mich der Abschied von ihr schon emotional gemacht. Der Satz "Those were some GOOD barrels." fühlt sich wirklich wie etwas an, was man einem alten Freund sagt, den man nie mehr wiedersehen wird. Ein endgültiges "Good bye".
S. Madame
Ich kann sehr gut sehen, wieso so einige Leute mit ihr gar nichts anfangen können oder sie sogar scheiße finden. Ich fands richtig gut, wie sie immer wieder den Namen ihres Ladens ändert und generell war ihre "kundenfreundliche" Art echt unterhaltsam. Sie ist auch die sprachgewandteste der Monster Girls, was sehr gut zum Schreibstil vom Game passt. Ich habe es auch total geliebt, wie sie MC-kun zum totalen Ausrasten bringt. Auch ihre zynische Perspektive auf Menschen fand ich spannend. Sie ist schon übelst hinterfotzig, aber das macht sie so großartig
Damn Kitsune, ey!
A. Equitania
Zuerst fand ich sie nicht ganz so interessant - halt ein sportsy girl. Aber je mehr man mit ihr spricht, umso mehr Tiefe offenbart sich. Und ihr Finale - was man tatsächlich als eine Form der Katharsis ansehen kann - fand ich wirklich sehr stark. Im Gegensatz zu den anderen Monster Girls erfährt man von ihr auch ziemlich konkret, was für Träume und Hoffnungen sie eigentlich in der realen Welt hat. Das macht ihre Perspektive schon ziemlich einzigartig.
B. Larva Girl
Top design! Wahrscheinlich tolle Persönlichkeit, wäre sie nicht so verbuggt.
C. S'Sinbal
Ganz ehrlich, ich fand ihre Art zu sprechen zwar unterhaltsam, aber auch anstrengend (und kenne leider Leute, die so schreiben… xD). Dennoch ist ihr Banter und das leichte Getrolle von MC-kun schon cool. Auch, wie sie ihre Nervosität bezüglich der realen Welt anspricht, und wie sie Probleme mit echten Menschen hat, weil diese "zu real" sind, man zu "viele Masken" brauche. Sie ist wirklich die überforderte Introvertierte unter den Monster Girls, die aber trotzdem eine Rolle spielen kann.
D. Lash
Die Puffmutter der Monster Girls. Ich kann verstehen, wo sie herkommt. Aber irgendwie finde ich, dass man mit ihr am wenigsten interessante Interaktionen hatte. Auch wenn das für den Plot schon sehr relevant war. Ich fand auch ihren Stimmungswandel schwer nachvollziehbar, dass sie dann doch auf den MC-kun anspringt. Ich konnte auch mit dem, was sie sagt, nicht besonders viel anfangen - hat sich für mich wenig greifbar angefühlt - worauf ein späterer Punkt noch mal eingehen wird.
Und schließlich ist das ja ein best girl Ranking, also… ja, sorry Lash, auch wenn Du mir dafür vermutlich den Stiefel ins Gesicht drückst (please more!)
E. Cat
Für sie hab ich echt wenig empfunden. Ich sehe, was sie für ein Archetyp ist, und ihr Stoizismus ist schon gut durchgezogen. Ein sehr konsistenter Charakter. Hat mir aber wenig gegeben und war auch nicht sonderlich traurig, dass man sie nicht retten kann. Was aber wiederum starke Charakterisierung ist, dass sie so stoisch bleibt und sich nicht überzeugen lässt.
2. Die Monster Girls können quatschen!
Was das Spiel besonders macht - und ich beim Entwickler auch erwartet habe - ist, wie die Sprache selber verwendet wird. Oft sind Charaktere sprachlich recht ähnlich geschrieben und man nutzt höchstens Quirks als Differenzierung (bestimmte Worte, die sie benutzen, Satzendungen wie "desu wa").
Hier hat jeder Charakter seine eigene Sprachfarbe. Beispielsweise gibt es die bubbly Shaliva(), die hart auf kumpelhaft macht und einen eher lockeren Gesprächston an den Tag legt. Oder die kurzangebundene S'Sinbal, welche nur in Internetslang und Memes spricht, weil sie einfach keinen Bock mehr auf irgendein RP hat - es geht schließlich um Effizienz!
Man kann beim Lesen der Texte quasi im Kopf hören, wie ein Charakter spricht. So hat Equitania sicherlich einen stolzen, fast schon heroischen Ton in der Stimme. Madame redet sehr sanft, mit goldener Zunge, daher, während sie ihren verehrten Gast dazu bringen will, im Everlasting Emporium zu knechten.
Die Wortwahl gewinnt genau dann an Intensität, wenn es nötig ist. Auch das Texttempo wirkt bewusst gesetzt. Oft wird zunächst nur der Teil in der Textbox eingeblendet, der den gewünschten Ersteffekt erzeugen soll – für den Rest muss man weiterklicken. Das klingt unspektakulär, aber viele Spiele füllen ihre Boxen einfach komplett, ohne ein Gespür für Wirkung oder zeitliche Dramaturgie zu entwickeln.
Ein direktes Beispiel ist der Eröffnungstext von Shaliva: „Oh?“ -> „OH my gosh!“. Man hört die Reaktion förmlich im Kopf - inklusive dieser Verzögerung beim Übergang von Verwunderung zu Freude. Ähnlich funktioniert „You are entering the ghoulishly-ghastly…“ -> „SEWERS OF SWIVELBUD“. Auch hier wird die Pause für den Effekt genutzt: erst der epische Aufbau, dann die Punchline… es ist ne fucking Kanalisation.
Dazu kommt noch etwas, was ich wertschätze: Wenn man zwischen den Zeilen lesen kann.
Als Beispiel Equitania: Während man mit ihr spricht erfährt man etwas über ihre Hintergründe. So fühlt sie sich hier nur zuhause, wenn sie gewinnt. Und der Sieg ist für sie so natürlich wie die Luft zum Atmen. Das lässt die Frage zu, ob sie eine Sklavin ist, die für Gladiatorenduelle hierher verschleppt wurde und nur ein Leben und Anerkennung bekam, wenn sie gewinnt.
Auch bei Shaliva hatte ich den Gedanken, dass sie gerade am Spielanfang noch nicht so auf genki und Bro gemacht hat, wie man sie nun sieht. Immerhin hat MC-kun sie komplett vergessen, obwohl er das Tutorial mal gespielt hatte. Eine so extreme Persönlichkeit wäre einem vermutlich im Gedächtnis geblieben - aber so ist er nur ein weiteres Beispiel, dass man sie einfach vergessen hat. Das könnte rückblickend auch ihre Einstellung zu ihrem eigenen hilfsbereiten Charakter entwickeln - sie kennt eben auch die andere Seite.
Das Spiel lässt, was die Charaktere betrifft, einiges offen - aber gibt einem gerade genug, dass man sich selber mehr dazu überlegen kann.
3. Spielen mit den Monster Girls
Das Spiel besteht nicht nur aus Gequatsche - jedes Monster Girl hat auch ein eigenes, thematisch passendes Minispiel. Was MC-kun mal mehr, mal weniger enthusiastisch angeht. Strukturell ist es so aufgebaut, dass jedes Monster Girl eine normale Minispielstufe hat, und eine schwerere. Wobei mir das beim ersten Spielen gar nicht so aufgefallen ist, weil ich einfach alle gemacht habe. Ich hab halt das TRUE GAMER Mindest von MC-kun
Passend für ein Tutorial ist das von Shaliva eher simpel gehalten - Schalterrätsel und Fässer verschieben. Was das aber wirklich großartig macht, ist, wie stark sie selber daran beteiligt ist. Sie gibt zu allem ihren Senf ab und man bekommt überall witzige (manchmal auch leicht deprimierende) Dialoge. Dieser Faktor bleibt bei den anderen größtenteils aus, was das für mich über die anderen hebt, auch wenn es mechanisch wenig hergibt.
Bei den restlichen Minispielen war ich durchaus überrascht, dass sie ein paar Zähne haben. Gerade bei einem VN-mäßigen Spiel rechne ich mit seichterem Gameplay, war da also durchaus positiv angetan. Wobei die Minispiele selber in der Qualität und Einfallsreichtum variieren.
So ist das Teleport-Labyrinth ein Puzzle, bei dem man den Weg gut abpassen muss, weil man nur eine begrenzte Zahl an Schritten zur Verfügung hat. Gerade beim zweiten Level sind diese auch recht knapp bemessen und man muss zusätzich McGuffins jagen - was auch den Grund hat, dass S'Sinbal gar nicht will, dass man gewinnt, weil das Minispiel für sie auch total sinnlos ist und nur dafür da, das Ego von MC-kun zu streicheln. Beim Wettrennen gegen Equitania bin ich zwar mal an Kanten hängengeblieben, aber es war insgesamt auch unterhaltsam, wenn auch recht simpel. Es passt natürlich auch zu ihrem Charakter und hat ne ziemlich geile Punchline, dass MC-kun tatsächlich hochmütig genug war zu glauben, dass er gegen ihre Zeiten angetreten sei.
Einer der Höhepunkte ist aber das von Lash. Hier muss man Fragen zu den Monster Girls beantworten, die teilweise schon recht spezifisch sein können. Beispielsweise, welches Satzzeichen S'Sinbal gelegentlich benutzt - was mich bei ihren Dialogen schon stutzig gemacht hat, aber einem genauso gut auch komplett entgehen könnte. Es passt thematisch einfach sehr gut hier rein, weil Lash MC-kun unterstellt, die anderen Mädels alle nur oberflächlich kennengelernt zu haben. Hier muss man schon aufgepasst haben, wenn man hohe Punkte erzielen will.
Lediglich mit dem von Cat konnte ich gar nichts anfangen und ich fand es auch weder thematisch sonderlich passend noch interessant. Am Ende spielt man ja nur ein Simon Says, bei der man sich die Reihenfolge von vier Fackeln merken muss, was dann eine Art spiritueller Bindung darstellen soll. Kann man durch viel anderes ersetzen, bei dem man sagt, dass es spirituelle Energie symbolisiere und wirkt beliebig.
Das von Madame ist jetzt auch nicht das Beste, aber ich kann die Idee zumindest wertschätzen und es passt einfach zu perfekt auf die Situation, weil sie einen halt so richtig hart mit dem Bullshit trollt
4. Haben die Monster Girls jemals in einem MMO gelebt?
Das ist eine Frage, die ich direkt am Spielanfang hatte und die mich das Spiel über weder losgelassen hat noch besonders gut erklärt wurde. Das MMO in diesem Spiel fühlt sich leer und undurchdacht an. Das muss kein Dealbreaker sein - der Star sind die Monster Girls - aber wenn man wie ich tickt, dann ist es etwas im Hinterkopf, was einen nicht loslässt. Ähnlich wie bei Sword Art Online hatte ich ständig das Gefühl, dass das MMO nur als Behauptung existiert, nicht als Welt.
Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, wie man das hier gespielt haben soll. Shalivas Tutorial und die Gespräche mit Lash machen irgendwie den Eindruck, als wäre es ein normales MMO gewesen, so man halt Monster klatscht. Und dann sind manchmal die Monster Girls auch Bosse? Manchmal sind sie aber auch zu romancen? Teilweise auch direkt nacheinander? Wie funktioniert das hier als MMO?
Lash suggeriert nur, dass Spieler schrecklich zu ihnen waren (vermutlich auf einer sexuellen Ebene). Ich denke auch, dass ihr Monolog für mich besser funktionieren würde, wenn er sich nicht wie eine sehr seltsame Verkettung von Behauptungen angefühlt hätte, sondern ich mir das in der Welt hätte vorstellen können.
Ähnlich ging es mir später im letzten Gespräch mit ihr. Dort macht das Spiel einen recht unbeholfen wirkenden Schwenk auf die psychische Verfassung von MC-kun. Es hat sich reingezwungen angefühlt, weil es so aus dem Nichts für mich kam.
Wieso erinnert sich MC-kun primär daran, dass Monster Girls mit irgendwelchen Minispielen verbunden sind? War das MMO voller Minispiele? Auch die Locations selber geben, bis auf vielleicht zwei Ausnahmen, nicht das Gefühl, dass das hier mal für viele Spieler gebaut wurde. Sie bilden durchaus gut das Habitat der Monster Girls ab, sind aber auch recht generisch - bewusst, vermute ich. Es spricht wenig dafür, dass die Welt Tiefe hat. Genauso wenig, wie es die Musik tut, die ich im besten Fall als "geht so" ansehen würde.
Es ist auch recht seltsam, dass man hier außer Monster Girls gar nichts anderes trifft. MC-kun hat sich ja in die Server vom Spiel gehackt, also kann ich erkennen, warum keine anderen Spieler da sind. Bestand das Spiel früher nur aus Monster Girls? MC-kun erwähnt aber nicht mal welche, die er im Spiel nicht trifft, an die er sich aber erinnert - was das "Massive" im MMO sich irgendwie winzig anfühlen lässt.
Dabei merkt man, dass hier durchaus mit dem Hintergrundwissen von MMOs gearbeitet wurde. Wenn S'Sinbal den Powercreep und Trivialisierung ihres Contents durch Patches erwähnt - das ist ein cooles, kleines Detail, was tatsächlich in MMOs auftritt. Shalivas Trauer darum, dass keiner mehr zum Tutorial zurückkehrt, ist etwas reales, was sowohl die Location als auch sie selber stärkt. Das trifft auch auf so ziemlich alle anderen Details zu: Sie sind eher da, um den Charakter zu stärken. Aber das sind halt nur Details, die nicht die große Leere des Worldbuildings füllen können.
Etwas am Rande dazu, ist mir auch überhaupt nicht klar, wie MC-kun die Monster Girls in seine Welt mitnehmen will. Ich habe mich sogar stellenweise gefragt, ob man das weniger literarisch interpretieren soll, aber das Spiel hat auf mich nicht die den Eindruck gemacht, als ob es meta gelesen werden will. Packt er sie auf nen USB Stick? Schleust er sie dann wie nen Virus irgendwo ein? Wird Equitania dann beispielsweise als Vocaloid singen? Man merkt, dass sich darüber keine Gedanken gemacht wurden.
Vielleicht auch ein Grund, wieso mich das Ende nicht so gekriegt hat - weil ich einfach zu sehr mit Nachdenken beschäftigt war. Gut, bis auf die Shaliva-Sache, wenn man nicht sie mitnimmt. TARU!
5. Wer braucht die Monster Girl Therapy?
Über keinen Charakter habe ich mir so viele Gedanken gemacht wie über MC-kun. Keine Ahnung, ob das bei einem Spiel voller Waifus was über mich aussagt *g*
Schon direkt am Anfang ist seine Motivation ein großes Fragezeichen - *warum* will er nun, zwei Dekaden später, noch mal in das Spiel und die Monster Girls retten? Und während des Spiels haben sich immer mehr Fragen aufgetan. Der Clou? Das Spiel lässt die meisten davon unbeantwortet oder vage. Es ist ein Spin auf den self Insert Protagonisten, der aber ein gewisses Grundgerüst mitliefert. Es ist genug Substanz da, aber nicht so viel, dass man nichts mehr selber reininterpretieren könnte.
Bei den Gesprächen mit den verschiedenen Mädels scheint immer etwas von MC-kun durch. Bei Shaliva ist das wieder am offensichtlichsten - so, wie er ihren Helferkomplex hinterfragt, hinterfragt sie es ebenfalls bei ihm. Wobei ihre Motivationen - meiner Meinung nach - grundverschieden sind. Madame macht dies auch ziemlich deutlich, denn sie vertraut nicht auf seinen Altruismus, sondern glaubt an seinen Egoismus.
Sein Gespräch mit S'Sinbal ist auch aufschlußreich. Dort gibt er zu, dass die Realität nicht einfach ist, und dass flirten dort deutlich schwerer als im Spiel ist.
Ein paar andere Details fand ich ebenfalls spannend. Weil er die Monster Girls retten will, bedeuten diese ihm sicherlich besonders viel, oder? Es stellt sich aber heraus, dass er bis auf S'Sinbal kein einziges von ihnen kennt (Shaliva zähle ich nicht, weil er sie vergessen hat *g*). Er spricht auch nie darüber, dass er bestimmte Monster Girls vermissen würde. Was ist hier also los? Will er sie tatsächlich retten, oder mag er nur den Gedanken, jemanden zu retten?
Es ist sicher auch kein Zufall, dass er bei ein paar der Monster Girls (S'Sinbal z.B.), sogar nach ihrer Rettung noch weitermachen will mit ihren Puzzles. Die Monster Girls sind hier also zweitrangig im Vergleich zu seinem Erfolg / Spaß.
Meine Interpretation?
Und was ist mit einem selber?
Fazit:
All hail Shaliva, my shlimy queen!
Monster Girl Therapy hat einen interessanten und liebenswürdigen Cast, der durch einige starke und unterschiedliche Persönlichkeiten glänzt (vor allem hat es Shaliva)!
Mehr noch als bei vielen anderen Genrevertretern hat jede davon ihre ganz eigene Stimme und Redensart. Das geht deutlich über bloße Quirks hinaus - man kann sich schon quasi vorstellen, wie eine Vertonung klingen könnte. Ihre Hemmnisse und Gründe, aus denen sie nicht sofort mitgehen, wirken glaubwürdig und emotional nachvollziehbar…
… mal schauen, ob Madame mehr Fans finden wird. Ich gehöre jedenfalls dazu!
Minispiele gibts auch noch und davon hat jede Waifu eines. Diese schwanken etwas von "ziemlich cool, weil sie auch was über die Charaktere vermitteln" zu "fühlt sich recht uninspiriert an". Insgesamt hatte ich meinen Spaß damit und sie lockern den Spielfluss auf. Einige sind auch keine totalen Pushover und man muss sich etwas anstrengen, sie zu schaffen, was ich gut finde.
Die Biome, in denen die Monster Girls leben, fühlen sich recht generisch an, aber passen thematisch gut zu ihnen. Ein paar sind groß genug, dass man sie erkunden kann, während andere recht klein sind und eher Flavor liefern. Die Musik ist leider nichts so prall.
Meine größte Kritik ist das Worldbuilding. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass das hier ein echtes MMO war. Es fühlt sich eher wie die Basis für den Plot (und einige Jokes) als ein wirklich ausgearbeitetes Setting an. Auch die Frage, wie er die Monster Girls überhaupt aus dem Spiel retten will, ging mir nicht aus dem Kopf. Das ist schade, weil das meine Aufmerksamkeit von den eigentlich relevanteren Themen abgelenkt hat.
Das Spiel schreckt auch nicht damit zurück, den Eskapismus von MC-kun zu hinterfragen. Es bleibt dabei offen genug, eigene Interpretationen zuzulassen - ohne, dass die Figur völlig leer wirkt. Wie viel legt man also rein und offenbart das nicht auch etwas über einen selber?
Was kann man noch sagen?
Shaliva ist best girl! FIGHT ME!