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Thema: Reading Challenge 2019 – Literary Readaloo

  1. #61
    The Chrysanthemum and the Sword: Patterns of Japanese Culture von Ruth Benedict (1946)



    Ruth Benedict zählt zu den bedeutendsten Kulturanthropologen des letzten Jahrhunderts, und dieses Buch gehört wohl zu ihren bekanntesten. Nicht nur diente es in der Nachkriegszeit den Amerikanern und anderen westlichen Kulturen dazu, die Mentalität und das doch sehr vom Westen abweichende Wertesystem der Japaner zu begreifen, sondern wurde auch in übersetzter Form in Japan zum Bestseller. Man muss natürlich bedenken, dass sich in den 70 Jahren seit der Veröffentlichung viel getan hat. Die Kultur und Mentalität der Japaner hat sich in vielerlei Hinsicht stark dem Westen angeglichen. Allerdings gibt es auch heute noch signifikante Unterschiede, weshalb das Buch nicht nur rein historisch interessant ist.

    Besonders spannend fand ich, wie die verschiedenen Formen der Verpflichtung (on, giri, chu, gimu) gegenüber anderen, der Familie, dem Kaiser, der Welt und so weiter beschrieben wurden, in der sich der zentrale Unterschied zu den westlichen (amerikanischen) Werten findet. Die Japaner wurden als Volk charakterisiert, deren scheinbar widersprüchliches Verhalten dann Sinn ergibt, wenn man begreift, nach welchen Maximen sie handeln. Entsprechend wäre es schwierig gewesen, ihnen nach dem Weltkrieg die amerikanischen Werte von Freiheit etc. als ganzes aufzuzwingen, was die Amerikaner auch begriffen haben und dem Land bei der Verwaltung ein recht hohes Maß an Autonomie zugesprochen haben. In gewisser Weise wurde mir auch klarer, wieso die Japaner und Deutschen derart unterschiedlich mit ihrer Kriegsvergangenheit umgehen.

    Das Buch geht aber durchaus noch tiefer und setzt bereits bei der Erziehung der Kinder an und beschreibt das japanische Leben als eine U-Kurve der Freiheit: große Freiheit als Kind und im Alter, geringste Freiheit im Heiratsalter. In gewissermaßen das genaue Gegenteil zu Amerika, wo der junge erwachsene Mensch die größte Freiheit genießt.

    Insgesamt ein sehr spannendes und aufschlussreiches Buch, selbst wenn man glaubt, die japanische Kultur schon recht gut zu verstehen. Man muss natürlich auch etwas kritisch sein und bedenken, dass seitdem viel Zeit vergangen ist und das Buch als Fernstudie entstanden ist, aber in jedem Fall heute wie damals ein ausgesprochen empfehlenswertes anthropologisches Werk, wie ich finde. Meine beiden größten Kritikpunkte sind, dass in vielen Fällen sehr stark verallgemeinert wird, sodass es manchmal unglaubwürdig erscheint, dass die Beschreibungen wirklich auf alle oder fast alle Leute zutreffen sollen, und dass Beschreibungen teils zu ausschweifend sind. Wenn man sie schon zu Anfang ganz gut begriffen hat, dann aber zehn Seiten mit Beispielen folgen, ist das irgendwann etwas ermüdend. Verständlich aber, wenn man bedenkt, dass das Buch für Leute geschrieben wurden, die eigentlich nichts über Japan wissen.

    für dieses Buch. Hat mich auch direkt auf weiterführende Literatur gebracht, die ich lesen will.


    Kemono no Souja #3 (獣の奏者その3 探求編) von Nahoko Uehashi (2012)



    Ich hab’s geschafft – mit 560 Seiten das längste japanische Buch, das ich bis dato gelesen habe. Eindrücke hatte ich ja schon einmal niedergeschrieben. Ich muss sagen, mein Endeindruck verbleibt sehr positiv, aber das letzte Drittel hat mich nicht völlig abgeholt. Für das, was passiert ist, waren das doch sehr viele Seiten. Der zentrale Konflikt, in dem Erin sich entscheiden muss, ob sie die Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie oder dem Allgemeinwohl der Menschen höher gewichten will, wird sehr gut und nachvollziehbar dargestellt. Ihr Sohn und ihr Mann bekommen auch viel Screentime, sodass man nun ein sehr gutes Bild von ihrer Familie hat.

    Interessant fand ich, dass zunächst eine Wendung vorgetäuscht wird, die am Ende doch noch in eine ganz andere Richtung umschlägt. Statt einer „Reise“, die stattfinden soll, beschließt sich Erin am Ende, doch einen anderen Weg zu gehen. Bin gespannt, ob diese „Reise“ zur Suche der Wahrheit doch noch stattfinden wird. Die letzten zwei Kapitel waren auf jeden Fall noch mal ordentlich spannend und bieten ein gutes Fundament für den vierten und letzten Band. Generell war Buch 3 sehr viel Aufbau für das, was nun folgt, und ich gehe davon aus, dass der sogar etwas kürzere vierte Band deutlich ereignisreicher sein wird, wenn die ganzen offenen Fragen und Handlungsstränge zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht werden sollen.

    Bis ich den beginne, werde ich aber eine Pause einlegen und was anderes lesen. Zwar kann ich die Bücher mittlerweile relativ mühelos lesen, aber fürs Erste ist mir eher nach etwas Kürzerem, und etwas, das nicht Fantasy ist. Freue mich aber schon, in ein paar Monaten das Finale zu lesen.

    Status: 5/10

    ☑ #4 – 29.04.2019 (312/312): The Chrysanthemum and the Sword: Patterns of Japanese Culture
    ☑ #5 – 01.05.2019 (560/560): 獣の奏者その3 探求編 (Kemono no Souja #3)

    Liege ganz gut in der Zeit, was die Challengeziele angeht. Was steht als nächstes an? Habe einige Ideen. Werde wohl wieder ein japanisches Buch und ein englisches Sachbuch parallel lesen.
    Könnte das fünfte Kiki-Buch in Angriff nehmen, das ist wieder schön kurz. Oder mich an Murakami versuchen, ich glaube, das wäre mir mittlerweile gut möglich. Allerdings habe ich auch ’nen Haufen Manga rumliegen, die ich unbedingt lesen will (nicht im Rahmen der Challenge). Na ja, wird sich zeigen.

    Geändert von Narcissu (10.05.2019 um 07:00 Uhr)

  2. #62
    Gelesen: "Ordne dein Leben" von Georg MacDonald. Ein Buch über Zeitmanagement, habe davon profitiert.

    Aktuell am Lesen: "The rational male" von Rollo Tomassi- hat das schon jemand von euch gelesen (Lese es auf Englisch, verstehe nicht alles und würde gerne weitere Blickwinkel bekommen- gerne per PN). Weiss noch nicht so recht was ich davon halten soll.

    Also bin noch an Board der Challenge.

  3. #63
    The Tree in the Middle of the World (世界の真ん中の木) von Makiko Futaki



    Dieses wunderschöne Bilderbuch von Makiko Futaki, die jahrzehntelang Key Animator bei quasi fast allen Ghibli-Filmen war, war schnell gelesen. In dem Buch wechseln sich Bilderseiten und Textseiten ab, auf vielen ist beides gemischt. Die Geschichte ist märchenhaft und dreht sich um ein Mädchen, das einen riesigen Baum erklimmen will. Dabei stellt sie fest, dass schmutziges Wasser den Baum vergiftet, was das ganze Klima beeinflusst. Erinnert thematisch sehr an Ghibli-Werke, besonders Nausicaä und noch mehr Miyazakis Manga Shunas Reise (Shuna no Tabi).

    Besonders originell ist die Geschichte nicht, aber sehr schön erzählt und für die vielen wunderschönen Illustrationen allein lohnt sich das Buch schon. Leider verliert sich die Handlung gegen Ende etwas, wirkt überhastet und nicht alle Fäden laufen zusammen. Trotzdem ein sehr schönes Bilderbuch, in 3-4 Stunden auch schnell gelesen. Ursprünglich 1989 erschienen und wurde dieses Jahr zum 30. Jubiläum in gebundener Form und hoher Druckqualität neu aufgelegt.

    Ausführlicherer bebilderter Bericht hier.


    Saga no Gabai Baachan (佐賀のがばいばあちゃん) von Youshichi Shimada



    Das ist eine autobiografische Erzählung vom japanischen Manzai-Comedian Youshichi Shimada und das Buch ist wundervoll. Von der ersten Seite an war es spaßig zu lesen und Shimadas Schreibstil und Humor sind erstklassig. In dem Buch erzählt er von seiner Kindheit in der Präfektur Saga, wo er bei seiner Großmutter lebte, die zwar sehr arm war, aber immer positiv und enorm kreativ darin, mit sehr wenig Geld über die Runden zu kommen. Mehr oder weniger chronologisch erzählt Shimada verschiedene Episoden aus den acht Jahren Grund- und Mittelschule, die er dort lebte. Besonders geht er dabei auf die vielen Menschen ein, die er für ihre Güte positiv in Erinnerung hat – Familie, Lehrer, Freunde. Das Buch ist sehr lustig, aber auch sehr bewegend. Mehrmals kamen mir fast die Tränen. Habe es in nur fünf Tagen durchgelesen und war immer bestens unterhalten. Von allen japanischen Büchern, die ich bisher gelesen habe, toppt dieses in puncto reinem Lesespaß alles.

    Hier ist ein kleiner Auszug, den ich auf Twitter gepostet habe, sehr grob ins Englische übersetzt:



    Status: 7/10

    ☑ #6 – 02.05.2019 (136/135): The Tree in the Middle of the World
    ☑ #7 – 10.05.2019 (225/225): Saga no Gabai Baachan

    Geändert von Narcissu (10.05.2019 um 10:35 Uhr)

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