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Thema: Reading Challenge 2019 – Literary Readaloo

  1. #61
    The Chrysanthemum and the Sword: Patterns of Japanese Culture von Ruth Benedict (1946)



    Ruth Benedict zählt zu den bedeutendsten Kulturanthropologen des letzten Jahrhunderts, und dieses Buch gehört wohl zu ihren bekanntesten. Nicht nur diente es in der Nachkriegszeit den Amerikanern und anderen westlichen Kulturen dazu, die Mentalität und das doch sehr vom Westen abweichende Wertesystem der Japaner zu begreifen, sondern wurde auch in übersetzter Form in Japan zum Bestseller. Man muss natürlich bedenken, dass sich in den 70 Jahren seit der Veröffentlichung viel getan hat. Die Kultur und Mentalität der Japaner hat sich in vielerlei Hinsicht stark dem Westen angeglichen. Allerdings gibt es auch heute noch signifikante Unterschiede, weshalb das Buch nicht nur rein historisch interessant ist.

    Besonders spannend fand ich, wie die verschiedenen Formen der Verpflichtung (on, giri, chu, gimu) gegenüber anderen, der Familie, dem Kaiser, der Welt und so weiter beschrieben wurden, in der sich der zentrale Unterschied zu den westlichen (amerikanischen) Werten findet. Die Japaner wurden als Volk charakterisiert, deren scheinbar widersprüchliches Verhalten dann Sinn ergibt, wenn man begreift, nach welchen Maximen sie handeln. Entsprechend wäre es schwierig gewesen, ihnen nach dem Weltkrieg die amerikanischen Werte von Freiheit etc. als ganzes aufzuzwingen, was die Amerikaner auch begriffen haben und dem Land bei der Verwaltung ein recht hohes Maß an Autonomie zugesprochen haben. In gewisser Weise wurde mir auch klarer, wieso die Japaner und Deutschen derart unterschiedlich mit ihrer Kriegsvergangenheit umgehen.

    Das Buch geht aber durchaus noch tiefer und setzt bereits bei der Erziehung der Kinder an und beschreibt das japanische Leben als eine U-Kurve der Freiheit: große Freiheit als Kind und im Alter, geringste Freiheit im Heiratsalter. In gewissermaßen das genaue Gegenteil zu Amerika, wo der junge erwachsene Mensch die größte Freiheit genießt.

    Insgesamt ein sehr spannendes und aufschlussreiches Buch, selbst wenn man glaubt, die japanische Kultur schon recht gut zu verstehen. Man muss natürlich auch etwas kritisch sein und bedenken, dass seitdem viel Zeit vergangen ist und das Buch als Fernstudie entstanden ist, aber in jedem Fall heute wie damals ein ausgesprochen empfehlenswertes anthropologisches Werk, wie ich finde. Meine beiden größten Kritikpunkte sind, dass in vielen Fällen sehr stark verallgemeinert wird, sodass es manchmal unglaubwürdig erscheint, dass die Beschreibungen wirklich auf alle oder fast alle Leute zutreffen sollen, und dass Beschreibungen teils zu ausschweifend sind. Wenn man sie schon zu Anfang ganz gut begriffen hat, dann aber zehn Seiten mit Beispielen folgen, ist das irgendwann etwas ermüdend. Verständlich aber, wenn man bedenkt, dass das Buch für Leute geschrieben wurden, die eigentlich nichts über Japan wissen.

    für dieses Buch. Hat mich auch direkt auf weiterführende Literatur gebracht, die ich lesen will.


    Kemono no Souja #3 (獣の奏者その3 探求編) von Nahoko Uehashi (2012)



    Ich hab’s geschafft – mit 560 Seiten das längste japanische Buch, das ich bis dato gelesen habe. Eindrücke hatte ich ja schon einmal niedergeschrieben. Ich muss sagen, mein Endeindruck verbleibt sehr positiv, aber das letzte Drittel hat mich nicht völlig abgeholt. Für das, was passiert ist, waren das doch sehr viele Seiten. Der zentrale Konflikt, in dem Erin sich entscheiden muss, ob sie die Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie oder dem Allgemeinwohl der Menschen höher gewichten will, wird sehr gut und nachvollziehbar dargestellt. Ihr Sohn und ihr Mann bekommen auch viel Screentime, sodass man nun ein sehr gutes Bild von ihrer Familie hat.

    Interessant fand ich, dass zunächst eine Wendung vorgetäuscht wird, die am Ende doch noch in eine ganz andere Richtung umschlägt. Statt einer „Reise“, die stattfinden soll, beschließt sich Erin am Ende, doch einen anderen Weg zu gehen. Bin gespannt, ob diese „Reise“ zur Suche der Wahrheit doch noch stattfinden wird. Die letzten zwei Kapitel waren auf jeden Fall noch mal ordentlich spannend und bieten ein gutes Fundament für den vierten und letzten Band. Generell war Buch 3 sehr viel Aufbau für das, was nun folgt, und ich gehe davon aus, dass der sogar etwas kürzere vierte Band deutlich ereignisreicher sein wird, wenn die ganzen offenen Fragen und Handlungsstränge zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht werden sollen.

    Bis ich den beginne, werde ich aber eine Pause einlegen und was anderes lesen. Zwar kann ich die Bücher mittlerweile relativ mühelos lesen, aber fürs Erste ist mir eher nach etwas Kürzerem, und etwas, das nicht Fantasy ist. Freue mich aber schon, in ein paar Monaten das Finale zu lesen.

    Status: 5/10

    ☑ #4 – 29.04.2019 (312/312): The Chrysanthemum and the Sword: Patterns of Japanese Culture
    ☑ #5 – 01.05.2019 (560/560): 獣の奏者その3 探求編 (Kemono no Souja #3)

    Liege ganz gut in der Zeit, was die Challengeziele angeht. Was steht als nächstes an? Habe einige Ideen. Werde wohl wieder ein japanisches Buch und ein englisches Sachbuch parallel lesen.
    Könnte das fünfte Kiki-Buch in Angriff nehmen, das ist wieder schön kurz. Oder mich an Murakami versuchen, ich glaube, das wäre mir mittlerweile gut möglich. Allerdings habe ich auch ’nen Haufen Manga rumliegen, die ich unbedingt lesen will (nicht im Rahmen der Challenge). Na ja, wird sich zeigen.

    Geändert von Narcissu (10.05.2019 um 07:00 Uhr)

  2. #62
    Gelesen: "Ordne dein Leben" von Georg MacDonald. Ein Buch über Zeitmanagement, habe davon profitiert.

    Aktuell am Lesen: "The rational male" von Rollo Tomassi- hat das schon jemand von euch gelesen (Lese es auf Englisch, verstehe nicht alles und würde gerne weitere Blickwinkel bekommen- gerne per PN). Weiss noch nicht so recht was ich davon halten soll.

    Also bin noch an Board der Challenge.

  3. #63
    The Tree in the Middle of the World (世界の真ん中の木) von Makiko Futaki



    Dieses wunderschöne Bilderbuch von Makiko Futaki, die jahrzehntelang Key Animator bei quasi fast allen Ghibli-Filmen war, war schnell gelesen. In dem Buch wechseln sich Bilderseiten und Textseiten ab, auf vielen ist beides gemischt. Die Geschichte ist märchenhaft und dreht sich um ein Mädchen, das einen riesigen Baum erklimmen will. Dabei stellt sie fest, dass schmutziges Wasser den Baum vergiftet, was das ganze Klima beeinflusst. Erinnert thematisch sehr an Ghibli-Werke, besonders Nausicaä und noch mehr Miyazakis Manga Shunas Reise (Shuna no Tabi).

    Besonders originell ist die Geschichte nicht, aber sehr schön erzählt und für die vielen wunderschönen Illustrationen allein lohnt sich das Buch schon. Leider verliert sich die Handlung gegen Ende etwas, wirkt überhastet und nicht alle Fäden laufen zusammen. Trotzdem ein sehr schönes Bilderbuch, in 3-4 Stunden auch schnell gelesen. Ursprünglich 1989 erschienen und wurde dieses Jahr zum 30. Jubiläum in gebundener Form und hoher Druckqualität neu aufgelegt.

    Ausführlicherer bebilderter Bericht hier.


    Saga no Gabai Baachan (佐賀のがばいばあちゃん) von Youshichi Shimada



    Das ist eine autobiografische Erzählung vom japanischen Manzai-Comedian Youshichi Shimada und das Buch ist wundervoll. Von der ersten Seite an war es spaßig zu lesen und Shimadas Schreibstil und Humor sind erstklassig. In dem Buch erzählt er von seiner Kindheit in der Präfektur Saga, wo er bei seiner Großmutter lebte, die zwar sehr arm war, aber immer positiv und enorm kreativ darin, mit sehr wenig Geld über die Runden zu kommen. Mehr oder weniger chronologisch erzählt Shimada verschiedene Episoden aus den acht Jahren Grund- und Mittelschule, die er dort lebte. Besonders geht er dabei auf die vielen Menschen ein, die er für ihre Güte positiv in Erinnerung hat – Familie, Lehrer, Freunde. Das Buch ist sehr lustig, aber auch sehr bewegend. Mehrmals kamen mir fast die Tränen. Habe es in nur fünf Tagen durchgelesen und war immer bestens unterhalten. Von allen japanischen Büchern, die ich bisher gelesen habe, toppt dieses in puncto reinem Lesespaß alles.

    Hier ist ein kleiner Auszug, den ich auf Twitter gepostet habe, sehr grob ins Englische übersetzt:



    Status: 7/10

    ☑ #6 – 02.05.2019 (136/135): The Tree in the Middle of the World
    ☑ #7 – 10.05.2019 (225/225): Saga no Gabai Baachan

    Geändert von Narcissu (10.05.2019 um 10:35 Uhr)

  4. #64


    Time and Time Again erzählt die Geschichte eines Mannes der alles verloren hat was ihm jemals etwas bedeutet hat und der eigentlich nichts lieber tun würde als Selbstmord zu begehen. Bevor es dazu kommt erfährt er allerdings von einer uralten "Propezeiung" von Isaac Newton laut der sich in den nächsten Monaten eine Art Riss im Raum-Zeit-Gefüge öffnen wird der die Gegenwart mit dem Jahr 1914 verbindet, wenige Wochen vor der Emordung von Franz Ferdinand, was mit zum Start des 1.Weltkriegs beigetragen hat. Dementsprechend wollen diejenigen die von diesem Zeittunnel wissen versuchen all die Gräueltaten des 20.Jahrhunderts im Keim zu ersticken. Und ein Mann der nichts mehr zu verlieren hat ist für so eine Mission natürlich wunderbar geeignet, zumal er einen militärischen Hintergrund besitzt. Das sorgt allerdings dafür, dass die komplette Mission viel zu glatt abläuft, auch wenn das beim ersten Teil der Mission zumindest historisch Sinn ergeben würde. Es gibt zwar hier und da ein paar Probleme, aber selbst diese sorgen nur kurzzeitig für Spannung. Stephen Kings 11.22.63, was eine ähnliche Thematik behandelt, war in dieser Hinsicht imo ein bisschen interessanter inszeniert. Im Gegensatz dazu ist das Tempo hier aber recht flott weswegen nie wirklich Langeweile aufkommt. Und es hat auch ein interessantes Finale zu bieten das die mangelnde Spannung beinahe wettmachen kann. Immerhin stellt sich am Ende heraus, dass das 20.Jahrhundert in einer Endlosschleife gefangen ist da immer irgendjemand zurückreist um jeglichen Konflikt im Keim zu ersticken, auch wenn es dadurch oft nur schlimmer wird. Der Autor hätte sich für das Finale aber ruhig etwas mehr Zeit nehmen können. Die letzten 50 Seiten wirken nämlich sehr gehetzt.

    Kann ich aber durchaus empfehlen, selbst wenn man sich (wie ich) nicht für Geschichte interessiert. 11.22.63 ist meiner Meinung nach aber eine bessere Umsetzung dieses Konzeptes.

  5. #65

    Perhaps you've heard of me?
    stars_webmaster
    Nachdem ich die letzten Monate eigentlich kaum dazu kam meine privaten Dinge zu lesen (dafür habe ich Unmengen an Fachliteratur für die Uni gelesen, aber lassen wir die mal für die Challenge außen vor), konnte ich heute Arthur Conan Doyles The Adventures of Sherlock Holmes fertig lesen (290 Seiten.) Hierbei handelt es sich um die ersten zwölf Geschichten, in denen der berühmte Detektiv aus der Baker Street seine Fälle gelöst hat. Mir haben grundsätzlich alle zwölf Geschichten sehr gut gefallen, wobei der Start mit "A Scandal in Bohemia" mir mit am besten gefallen hat. Auch "The Red-headed League" und "The Adventure of the Noble Bachelor" wussten zu gefallen. Die Geschichten laufen alle grundsätzlich nach dem selben Schema ab. Watson erzählt aus der Ich-Perspektive den Ablauf des Falles. In den meisten Fällen taucht irgendwer in der Detektei in der Baker Street auf und sucht nach Sherlock Holmes' Unterstützung. Witzigerweise wird diese Tatsache eigentlich gar nicht repetitiv, sondern führt dazu, dass man sich von Abenteuer zu Abenteuer heimischer fühlt. Man kann sehr gut visualisieren, wie Holmes in seinen Räumen umherwandert, beim Kamin sitzt, auf dem Sofa seine Pfeife raucht etc.

    Schön finde ich auch die Tatsache, dass die Geschichten auch (minimal) vernetzt sind. In späteren Fällen werden Querverweise zu älteren Fällen gemacht, oder bekannte Charaktere (z.B. Lestrade) tauchen wieder auf. Dadurch sind die Geschichten zwar unabhängig voneinander, kreieren aber eine gewisse Chronologie, die die Welt lebendiger wirken lässt. Laut dem Internet gibt es auch eine bestimmte Reihenfolge, in der man die Abenteuer lesen sollte. (Beispielsweise sollte man das erste Abenteuer im Buch "A Scandal in Bohemia" erst sehr viel später lesen.) Ich habe das Buch aber einfach von Anfang bis Ende durchgelesen und fand die Reihenfolge der Geschichten nicht störend.

    Wer von Holmes noch nichts gelesen hat und ein Einsteigerwerk sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Von Vorteil ist auch die Tatsache, dass man die Geschichten schön bei längeren Zugfahrten lesen kann. (Durchschnittlich 25~ Seiten pro Geschichte).

    Buch 1 von 6.

  6. #66
    Agtaha Christie - The ABC Murders (1936)

    Puh, irgendwie hat es mich nicht so richtig gekriegt. Es war okay, aber generell war mir alles etwas zu verworren und hat sich zu sehr auf (zumindest auf heutiger Sicht) reichlich absurde Zusammenhänge gestützt. Da gibt es definitiv deutlich besseres von Christie.

    ★☆☆☆☆ (1/5)

    (Fortschritt: 4/10)

  7. #67
    Aktualisiert!

    The Shepherd's Crown



    Letzter Roman von Terry Pratchett und letzter Roman der Tiffany-Aching-Reihe, also nicht ganz "unbeladen", was die Metaebene angeht. Beim Lesen selbst merkt man leider auch deutlich, dass dieses Buch keinen "normalen" Entstehungsprozess hinter sich hat, es ist streckenweise ziemlich chaotisch, redundant und verhackstückt, und gefühlt auch nur selten "100% Terry Pratchett" (kA, ob es vorrangig dran liegt, dass seine Tochter so viel geschrieben hat oder dass er nicht mehr wirklich "er selbst" war). Man kann es lesen, und manchmal bricht die Faszination noch durch, aber es ist bspw. kein Vergleich mehr mit den anderen Romanen der Tiffany-Aching-Reihe.
    Als Abschluss funktioniert es trotz allem, im mehrfachem Sinne. Die letzten paar Dutzend Seiten gehören zu den besseren, Tiffany und die "Hexenwelt" verlassen uns in einem befriedigenden Zustand und mit ein paar wirklich vernünftigen, hoffnungsvollen Botschaften zu Tradition und Moderne, und auch von Terry Pratchett kann man hier noch mal Abschied nehmen. Der Qualitätsabfall hat irgendwie sogar dazu beigetragen, mich beim Lesen ein wenig nachdenklicher zu machen, ohne dass es mit Gewalt durch die Zeilen gebrochen wäre oder Heulkrämpfe verursacht hätte. Mit denen hätte ich eigentlich gerechnet, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es so ganz angemessen fand. Pratchett ist uns ja jetzt nicht völlig unerwartet unter der Nase weggestorben, und da erinnere ich mich lieber nochmal mit einer netten, unspektakulären Geschichte.
    Als Langzeitleser kann man sich das Ganze also durchaus geben, aber es hilft wahrscheinlich, die Erwartungen ein wenig herunterzuschrauben.

    Damit stehe ich bei 3 von 12, es bleibt also weiterhin knapp dieses Jahr. ^_~

  8. #68


    Schiller für Eilige ist ja eigentlich so ein typisches Elterngeschenk, aber ich muss sagen: Mannomann, das hat gut funktioniert! Der Mann fasst praktisch 8 Dramen auf ~150 Seiten zusammen, und zwar immer so, dass einerseits der rote Faden deutlich wird, die "Kleinigkeiten" am Rande andererseits aber auch nicht ganz hinten runterfallen. Selbst für ein paar Zitate und wohldosierte Metakommentare ist Platz. In einem gewissen Sinne sind diese Zusammenfassungen genau das, was man sich als Schüler so wünschen würde, nicht so trocken und oberflächlich wie eine Wikipedia-Zusammenfassung, aber sprachlich wie auch strukturell deutlich zugänglicher (und schneller zu lesen) als das Original.

    Goethe für Eilige hab ich auch noch bekommen, mal sehen. ^^ Es gibt wohl auch noch Marx und ein paar andere in der Reihe, aber da das immer andere Autoren geschrieben haben, hüte ich mich mal vor allzu großer Vorfreude.

    4 von 12, es geht voran!

  9. #69

    Charles Bukowski - Post Office ( 150 Seiten)

    Post Office handelt von Henry Chinaski, einem Angestellten bei der Post, der seine Zeit mit Frauen, Alkohol und Pferderennen herumschlägt. Anfangs fand ich das Buch recht witzig, später jedoch etwas zu zynisch und fast schon deprimierend. Insgesamt aber eine gelungene Auseinandersetzung (wenn nicht sogar Dekonstruktion) mit dem amerikanischen Traum.


    James S.A. Corey - Abaddon's Gate (550 Seiten)

    Das 3. Buch der "The Expanse"-Reihe hinkt von der Qualität etwas hinter den ersten beiden Büchern, ist aber dennoch ein sehr gutes und spannendes Buch. Ich mochte das eher komprimierte Setting und den Mangel an Worldbuilding (das ja in den ersten beiden Büchern deutlich präsenter war), wodurch ich das Gefühl hatte, noch einmal kurz aufatmen zu können, bevor ein großer Konflikt entfacht. Trotzdem hat das Buch einige Schwächen im Pacing und der Art und Weise, wie gewisse wichtige(!) Handlungspunkte vermittelt wurden.

    Ist dennoch sehr empfehlenswert, auch wenn man mit Science Fiction nicht viel anfangen kann. Das kann ich nämlich auch nicht und ich finds super.

    Damit bin ich bei 1730 Seiten.

  10. #70


    Wie ich vor Ewigkeiten mal erwähnt hatte konnten mich Lovecrafts Kurzgeschichten mich zwar nicht wirklich überzeugen, aber ich wollte trotzdem mal in den zweiten Band reinschauen da er mehrere Stories enthält die 100+ Seiten lang sind. Im Endeffekt muss ich aber sagen dass Lovecrafts Einfluss vermutlich besser war als seine Schreibkünste. Also, er konnte zwar an sich ganz gut schreiben, aber seine Geschichten lassen arg zu wünschen übrig. So ist The Dream-Quest of Unknown Kadath zum Beispiel eine nicht enden wollende Traumreise dessen Protagonist mehrmals mit sprechenden Katzen interagiert, wodurch ich die Story nicht wirklich ernst nehmen konnte. Es gibt zwar ein paar Momente die theoretisch gruselig hätten sein können, aber die Story fokussiert sich darauf nie so wirklich. Es wird halt nur ein bisschen was angeteased und dann gehts direkt woanders hin.

    The Call of Cthulhu ist zwar bei weitem nicht so lang, aber jetzt weiß ich zumindest warum mehrere der Adaptionen in Wirklichkeit The Shadow over Innsmouth adaptieren. Eine originalgetreue Adaption wäre nämlich einfach nur langweilig da im Endeffekt nur ein bisschen Worldbuilding betrieben wird bis Cthulhu für ein paar Sekunden auftaucht und dann auf unerklärliche Weise wieder verschwindet obwohl die Erklärung für mich keinerlei Sinn ergibt.

    The Case of Charles Dexter Ward hätte eine bisschen interesanter sein können, aber die Story zieht sich wie Kaugummi und teased eigentlich ständig nur dass irgendwelche mysteriösen Dinge vor sich gehen die man aber quasi nur durch verschlossene Türen mitverfolgen kann. Gegen Ende passiert zwar endlich mal ein bisschen was, aber bis dahin dauert es einfach viel zu lange. Lovecraft hat außerdem die Angewohnheit viele seiner Stories auf sehr passive Art und Weise zu schreiben (so als ob man einen nüchternen Bericht über die Ereignisse lesen würde), wodurch ich nie wirklich in seine Welten eintauchen konnte.

    Es gibt dementsprechend auch so gut wie keine Dialoge ... was nach Stories wie The Dunwich Horror aber vermutlich eine gute Entscheidung war. Da gibt es nämlich einige Charaktere die mit einem furchtbaren Dialekt sprechen den Lovecraft natürlich originalgetreu niederschreiben musste. Und die fangen ausgerechnet dann an zu sprechen wenn der namensgebende Horror sein Unwesen treibt, was die Story für mich komplett ruiniert hat.

    Einzig The Colour out of Space fand ich vom Konzept her richtig gut. War zwar ebenfalls zu passiv geschrieben, aber das würde sich vermutlich wunderbar adaptieren lassen. Nicht so wie The Descendant, History of the Necronomicon oder Ibid, welche ich allesamt komplett nutzlos fand da sie weder interessant noch gruselig waren und auch nach wenigen Seiten schon wieder vorbei waren.

    Geändert von ~Jack~ (15.07.2019 um 12:16 Uhr)

  11. #71


    Fatherland spielt in einer Welt in der die Nazis den 2.Weltkrieg gewonnen haben, handelt allerdings nicht wirklich davon wie das eigentlich passiert ist. Hier und da werden mal ein paar Fakten genannt, und der Autor hat versucht Berlin so darzustellen wie es von Albert Speer geplant wurde, aber schlussendlich geht es hier nur einen mysteriösen Mordfall den der Kripo Beamte Xavier March zu lösen versucht. Mehr kann ich ohne zu spoilern auch gar nicht drüber sagen, aber es gibt vor allem gegen Ende ein paar richtig gute Momente. Die nicht enden wollende Spannung die auf dem Cover versprochen wurde ist allerdings nicht wirklich vorhanden. Und gewisse Elemente der Story sind zu nahe an die wahre Geschichte Nazi Deutschlands angelehnt um Leser wirklich überraschen zu können. Kann man also durchaus lesen, aber irgendwas hat mir noch gefehlt um es zu einem richtig guten Buch zu machen.




    Nach dem letzten Buch hatte ich eigentlich erwartet dass sich die Story diesmal sehr auf Ciri fokussieren würde. Stattdessen hat sie nur eine kleine Nebenrolle während Geralt durchs Land reist um Ciri zurückzuholen während um ihn herum der Krieg tobt. Dabei trifft er einige Charaktere die später in den Spielen wieder vorkamen, auch wenn ich bei einem irgendwie komplett auf dem Schlauch stand und erst gegen Ende realisiert habe wer das eigentlich sein soll. Wesentlich mehr hat das Buch aber auch gar nicht zu bieten. Man erfährt zwar zwischendurch noch von den Machenschaften der Zauberinnen, aber das wars auch eigentlich schon. Von daher fehlt es dem Buch ein bisschen an Substanz. Dank dem Thronebreaker Spiel wirkt das Ende allerdings ein bisschen absurd. Dort findet nämlich eine Schlacht statt der laut Beschreibung nicht mal eine Fußnote gewidmet wurde ... aber die gleichzeitig als die wichtigste Schlacht in Thronebreaker fungiert in der Geralt so Deus Ex Machina mäßig aus dem Nichts auftaucht nur um direkt wieder zu verschwinden :o

  12. #72
    Aktualisiert!

    Ich habe den Umzug und die neue Schule tatsächlich ganz gut überstanden, was mein "Lesepensum" angeht, weil jene Schule mir direkt mal drei Bücher auf meinen Tisch gehauen hat. ^_~ Daher 7 von 12! Und dann auch langsam mal wieder Nicht-Schulbücher ...? ^^





    Transit (Anna Seghers)

    Anna Seghers ist wohl ziemlich bekannt *hust* was ich als Deutschlehrer nAtÜrLiCh wusste *hust* und das Buch eine Flüchtingsgeschichte aus dem zweiten Weltkrieg (was auch erschreckend stumpf erklärt, warum es gerade Abiturstoff ist). Nicht unbedingt angenehm ob der Passagierschein-A38-Erfahrungen des Protagonisten, aber nicht zuletzt deshalb auch thematisch sehr eng und für mich persönlich überraschend eingängig. Während Umzug und Berufswechsel ein Buch über Zwischenwelten und Übergänge zu lesen hat was ... surreal Passendes. ^^ Zumal diese Fragen von "Verwurzelung", festen Lebensbildern u.ä. für mich eh immer ein großes Thema sind. Tolle Erfahrung insofern, gerade mit dem Unterricht hinten dran.





    Einbruch der Wirklichkeit: Auf dem Flüchtlingstreck durch Europa (Navid Kermani)

    Journalist und Fotograph bewegen sich entgegengesetzt der üblichen Route und berichten. Für Schüler ohne Horizont absolut klasse. Wenn man schon ein bisschen was mitbekommen hat, sind viele Sachen etwas basic, einige aber auch nicht, und gerade die persönlichen Erfahrungen sind so oder so viel wert. Das Ganze ist ziemlich – und ich sage mal angemessen – emotionalisiert und wird auch angenehm vielseitig, realistisch und kritisch kommentiert, ohne die Einzelschicksale und Gefühle der Betroffenen zu übergehen. Da es sich schnell wegliest, kann man das durchaus mal machen, gerade wenn man schon etwas abgestumpft oder verhärtet ist, was dieses Thema angeht.





    Homegoing (Yaa Gyasi)

    Das Buch musste ich durch ein Missverständnis eigentlich gar nicht lesen, habe es dann aber trotzdem getan, weil es einfach fucking faszinierend ist. Es erzählt praktisch über eine "Familie" und ein gutes Dutzend Charaktere hinweg die Geschichte der Kolonialisierung Ghanas und der schwarzen Geschichte der USA. Und es ist WAHNSINN, wie lebendig dabei ein Gesamtbild von ganzen Generationen und Kultur zustande kommt. Man hat das Gefühl, man würde wirklich verstehen, wie sich die Dinge entwickelt haben, warum sie teilweise immer noch nicht funktionieren und wieso es trotzdem genügend Hoffnung gibt, ohne dass das Buch jemals einen Vollständigkeitsanspruch erheben würde. Es liest sich fast wie ein Fantasy-Epos, an dessen Ende man eine "neue" Welt kennengelernt hat. ^_~ Vollste Empfehlung!

  13. #73


    The Absolutely True Diary of a Part-Time-Indian

    Und noch ein Schulbuch. Konnte man gut in drei Abenden weglesen, weshalb ich mich miiinimal schlecht fühle, es in die Liste zu packen. ^^'' Aber nur minimal!
    Es ist schon irgendwo ein hartes Jugend-/Schulbuch, aber kein schlechtes. Der Schreibstil ist unterhaltsam und streckenweise ernsthaft witzig, die Eindrücke vom (pubertären) Leben in einem Indianerreservat und der Vielzahl an amerikanischen Rassismen gegenüber Indianern durchaus eingängig und interessant; vor allem, wenn man da noch nicht so firm ist, was auf mich durchaus zutrifft. ^^ Man sollte nur nicht zu viel erwarten.

    8 von 12! Hm. Vielleicht wird es echt noch was. o.o

  14. #74
    Gab schon ewig kein Update mehr von mir. Hatte von Juli bis Oktober auch kein Buch mehr gelesen, aber noch zwei vorher, über die ich nichts geschrieben hatte. Dazu gesellt sich nun ein drittes.

    Es handelt sich bei allen um Sachbücher.

    ☑ # 8 – 19.06.2019 (224/224): Another "Balse" – The Times with Hayao Miyazaki and "Laputa"
    ☑ # 9 – 27.06.2019 (184/184): Ghibli Textbook #19: The Tale of Princess Kaguya
    ☑ #10 – 24.10.2019 (274/274): Totoro for Two – The Times with Hayao Miyazaki and "My Neighbor Totoro"




    Ich fasse meine Eindrucke mal für alle drei zusammen: Es sind wunderbare Ressourcen für alle, die mehr über die Hintergründe der Ghibli-Filme wissen wollen. Buch #8 und #10 sind beides Sammlungen von Anekdoten, die zum jeweils 30. Jubiläum auf die Produktion von Laputa und Totoro zurückblicken, geschrieben vom damaligen Produktionsmitarbeiter Hirokatsu Kihara. Teils sehr spannend, teils herzerwärmend, teils auch sehr lustig. Generell locker und unterhaltsam geschrieben, ein Grundverständnis diverser Rollen in der Anime-Produktion wird aber vorausgesetzt.

    Hatte hier, hier und hier über eine besonders memorable Episoden aus dem Totoro-Buch geschrieben und hier noch mal meine Eindrücke grob zusammengefasst.

    Das Kaguya-Buch ist ein offizielles Ghibli-Buch, in dem verschiedene an der Produktion beteiligte, aber auch bekannte anderweitig involvierte Personen etwas geschrieben haben. Das sind zum Teil Interviews, zum Teil aber auch Impressionen oder Essays. Alle ausgesprochen spannend zu lesen, besonders den Teil von Suzuki (hatte ich vor einer Weile mal übersetzt). Allerdings auch deutlich anspruchsvoller zu lesen als Kiharas Bücher, da einige der Leute einen recht eloquenten Sprachstil an den Tag legen. Hatte einige Infos aus dem Buch auch für eine Hausarbeit genutzt, die ich über den Film geschrieben hatte. Irgendwann will ich auf einzelne Aspekte noch mal stärker eingehen. Zumindest bin ich nun zuversichtlich, dass die anderen Ghibli Textbooks (die ich mir in Japan alle gekauft hatte), ihr Geld auch absolut wert sind.

    Nun habe ich mein Jahresziel von 10 Büchern, darunter 2 Sachbücher und 8 Bücher auf Japanisch erreicht. Es waren sogar 9 Bücher auf Japanisch und 4 bzw. 5 Sachbücher (wenn man Memoiren als Sachbuch zählt). Das Jahr ist aber noch nicht vorbei und ich hoffe, vor Jahresende noch 1, 2 weitere Bücher zu schaffen. Hatte ja jetzt eine sehr lange Durststrecke, aber die Leselust ist definitiv wieder da.

    Geändert von Narcissu (25.10.2019 um 13:41 Uhr)

  15. #75
    Zitat Zitat
    Nun habe ich mein Jahresziel von 10 Büchern, darunter 2 Sachbücher und 8 Bücher auf Japanisch erreicht.
    Gratulation, damit bist du der erste! =D ... oder zumindest der erste, der es gepostet hat. ^^




    Marx für Eilige

    Im Gegensatz zu Schiller für Eilige (siehe oben) nicht wirklich das, was draufsteht. Es ist eigentlich mehr ein ausgedehnter, schwafeliger Aufsatz über die Frage, inwiefern Marx heute noch aktuell ist. Nicht schlecht geschrieben, aber kein echter Überblick, eher eine Rezension, und dazu noch eine, die sich für mich in einigen Punkten nicht mal besonders schlüssig liest. Netterweise sind hinten aber noch zwei Ausschnitte von Marx selbst drin, die haben mir letztlich glaub ich mehr gebracht, und sei es nur vorrangig die Bestätigung, dass ich die Original wohl nicht lesen werde. Ingesamt ziemlich enttäuschend, muss ich im Nachhinein sagen.

    9 von 12 Büchern


    Na ja, als nächstes kommt wohl wieder Douglas Adams, dann hab ich den auch durch. Young Zaphod Plays It Safe hab ich gestern schon mal gelesen, aber das war jetzt weder was Besonderes, noch was besonders zählenswertes.

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