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  1. #21
    Kapitel 26

    Das Kapitel mit der längsten Schlacht kriegt den kürzesten Text. Anders als in den vorherigen Handlungsteilen, wo Ike auf der Flucht bzw. Reise die Welt um ihn herum kennen lernt, geht es hier wirklich nur noch ums Kämpfen. Der Krieg gegen Daein in Crimea verläuft sehr nach den klassischen Muster der Fire Emblem-Reihe. Nach und nach geht es mehr oder weniger ohne Umwege auf die Hauptstadt zu. Die Armee Crimeas mit all seinen Verbündeten prescht auch hier zur Hauptstad vor, welche von zwei Festungen flankiert ist. Statt die Angreifer mit einen Heer zu besiegen, teilt Ashnard seine Armee auf und verteilt sie auf die zwei Festungen. Schließlich geht es ihn darum, den Krieg zu verlängern. Ena wurde augespürt und er überlässt es den Schwarzen Ritter, wie dieser mit ihr zu verfahren hat.
    Vor Schlachtbeginn wirft sich Elincia in Rüstung und auf Pegasus. Um ihre Beteiligung beim Kampf wird Aufsehen gemacht. Ihre Motivation ist, zum Kampf beizutragen und um Leben zu retten. Einerseits verständlich, andererseits ist sie als Repräsentantin Crimeas für die Moral wesentlich und dient damit einen höheren Zweck als ihren eigenen Wunsch. Aber das ist in Fiktion immer eine platte Art, den Zuwachs an Stärke und Entwicklung bei einen Charakter zu zeigen, weshalb zu sehr darüber zu meckern auch Zeitverschwendung ist.
    Soren informiert uns über Bertram. Wie das Spionagenetzwerk funktioniert, würde ich mal wissen. Im Prinzip kann Ashnard fähige Leute mit seinen Laguzgift zu willenlose Zombies machen. Das ist nur bei Bertram zu sehen, ansonsten gibt es nur die Laguz als wilde Bestien zu sehen. Vielleicht hat es sich nicht gelohnt? Der Prozess scheint nicht so neu zu sein, da Bertram schon recht schnell nach Crimeas Fall auftauchte. Wirklich stören tut mich nur, wieso dieser Zombie der Befehlshaber einer Armee ist. Seine Stärke ist ja ganz nett und man kann ihn ja als Wache oder zum Vorstoß sinnvoll einsetzen, aber hat er noch genug Verstand, um militärisch komplexe Befehle zu geben? Wieso ist er einer der 4 Reiter und nicht Leute mit Hirn? Er beweist uns auch in der folgenden Szene, dass er nicht zum komplexen Denken fähig ist, da sein Befehl über das Abschlachten des Feindes nicht hinwegläuft. Der Plottwist ist auch sehr schwach und uneffektiv. Das hängt damit zusammen, dass er gleichzeitig mit denen des Schwarzen Ritters besteht. Dieser ist ein weitaus wichtigerer Charakter, der in der Handlung stark involviert ist. Bertram ist nutzlos. Er hätte sterben können und die Handlung würde sich nicht verändern. In FE10 geschieht alles um ihn herum off-screen als Sidequest und Renning ist am Ende dann halt da, ohne Elincia, Bastian oder Geoffrey zu verändern. Gäbe es den Schwarzen Ritter nicht, wäre der Twist vielleicht hervorstechender, so wirkt er aber wie eine blasse Kopie.


    Geoffrey

    Diesen Charakter früher im Spiel gehabt zu häben, hätte Elincia vielleicht mehr Entfaltungsmöglichkeiten gegeben, da beide sehr abhängig voneinander sind. Als Ritter dient und kämpft er selbstaufopfernd für Elincia, die stellvertretend für sein Land und seine moralische Integrität steht. Dabei greift man auf einen alten Trick zurück, die Ritterromanze: Die Professionalität und unparteiische Loyalität des Ritters, eine einseitige Lieber zweier ungleich wertvollen steht im Gegensatz zur selbstsüchtiger Romantik und der Verlockung, die leidenschaftliche Liebe zweier gleich wertvolle vor den gesellschaftlichen Verpflichtungen voranzustellen. Das reizvolle an solchen Affären ist eben immer, dass sie sich so sehr widersprechen und falsch sind, wie sie sich ergänzen und richtig sind. Schließlich liebt er Elincia auch als Person, die er seit Kindheitstagen kennt. Da ist es nur konsequent, dass er es sich zur Aufgabe macht, sie zu schützen, sich mit ihren Idealen identifizieren und sie zu übernehmen. Andererseits vertritt man nicht mehr seine eigenen Werte, wenn man die seiner Herrin vorangestellt hat. Entweder, man bleibt Ritter oder man gibt sein Dasein auf und wird eine neue, selbstständig denkende Person. Wir werden bald erleben, was die Loyalität, auf die sich Geoffrey bezieht, aus Bryce gemacht hat.
    Obwohl seine Rolle nichts anderes umfasst, als Elincias Vasall zu sein, überzeugt sie in FE9 kurz und knapp. Im Sequel ist sie auch nicht unwesentlich.



    Kapitel 27


    Es ist bei weitem nicht so effektiv wie mit den Greil-Söldnern zu Beginn des Spieles, aber ich weise darauf hin, dass es für Geoffrey, Bastian und Lucia alternative Dialoge gibt, wenn sie auf Elincia zu reagieren haben.

    Jedenfalls gibt Tibarn Auskunft über die Soldaten in Nados, der letzten Festung vor der Hauptstadt. Der Schwarze Ritter ist da und seine von der Göttin gesegneten Rüstung kann nur von Ikes Waffe (die ebenfalls gesegnet wurde) durchdringt werden. Dies ist nicht ganz korrekt, schließlich können Laguzkönige und Drachen später Ashnards Rüstung (die nicht aus einen anderen Material bestehen sollte), ebenfalls durchdringen. In FE10 ist der Schutz der Göttin dann aber so stark, dass man die Waffen und Krallen ebenfalls segnen muss. Mein Hauptproblem damit ist, dass dieser Schutz nutzlos ist, da ihre Träger auch so ziemlich mächtig sind. Vielleicht wollte man gameplatechnisch darauf beharren, dass Normalsterbliche den Schwarzen Ritter und Ashnard nicht schaden dürfen.

    Mistu unterbricht das Meeting und bespricht mit Ike ihre Gefühle um das fehlende Medaillon. Notwendig ist diese Szene nicht und was Mistu uns genau mitteilen will, verstehe ich auch nicht ganz. Da Elincia in der folgenden Szene die Unterstützung, die Ike und Mistu ihr brachten, thematisiert, hatte Mistu vielleicht ähnliche Gründe und wollte sich einfach nur den Kummer von der Seele reden. Auch wenn es abrupt und in das Meeting reingequetscht wurde, ist diese Zurückbesinnung auf die einfachen Ängste und Sorgen der Menschen in dieser Handlung rührend. Alternativ kann das aber auch ein Vorwand sein, den Spieler die bisherige Ereignisse des Spieles rund um den Schwarzen Ritter und seine Ermordung Greil des Medaillons wegen in Erinnerung zu rufen und sein Gedächtnis aufzufrischen. Schließlich ist Kapitel 7 schon eine lange Weile her. Das kann auch die folgende Basiskonservation mit Titania erklären: Ike rekapituliert die Ereignisse in der Nacht und geht auch auf das zweite Treffen ein, in welchen er über Ragnell informiert wird. Keine Information hier ist neu, aber man wird daran erinnert. Ansonsten zeigt die Szene wieder, dass Titania weitaus weniger über die Ereinisse Bescheid weiß, als ich annahm. Hat sie Ike nicht ausgequetscht? Hat sie den Schwarzen Ritter nicht in Kapitel 11 und 24 gesehen? Ich bleibe dabei, dass sie zu unwissend ist, muss aber schließlich einräumen, dass sie wohl tatsächlich unwissend ist und Ike sie nie konkret aufgeklärt hat (mir unverständlich). Das war ein Problem in Kapitel 22. Wie ich zu Beginn schrieb, kann man Titanias A-Support freischalten, der hier zur Stimmung beiträgt.

    Ansonsten kann man darüber meckern, wie Ike Ragnell all die Zeit mit sich schleppte, ohne dass jemand Fragen über dieses gigantische Schwert stellte. Hat er es zusammen mit Greils Leiche mitgenommen? Hat es keiner bemerkt? Hat Ike es nie getestet und gemerkt, dass es ne ziemlich gute Waffe ist? Warum ist es eigentlich seine persönliche Waffe? Die Antworten hier verweisen eher in Richtung Gameplay. Man braucht so eine Waffe halt erst zum Schluss. Trotzdem hätte man das ganze sauber lösen können. Z.B. kann Caineghis das Schwert mitgenommen haben und in Kapitel 25 oder später Ike überreicht haben. Das kann man alles plausibel zurechtrücken.


    Das Kapitel selbst ist nur ein Vorspiel zum Duell. Ike tritt hier alleine (Stolz vor Vernunft, immerhin geht es hier um das Schicksal eines Landes) gegen den Schwarzen Ritter an, aber Mistu kann Ike heilen. Das wundert mich schon, dass Ike ihre Hilfe akzeptieren kann. Ansonsten gab das Spiel öfters Hinweise, dass man einschätzen soll, ob man den Kampf überhaupt gewinnen kann. Andernfalls soll man fliehen. Das kann zwar schwer enttäuschen, aber der Zweikampf ist hier gameplaytechnisch einfach zu unfair. Meiner Ansicht nach sollte die Flucht der normale Weg sein, der Sieg sollte als Bonus gelten (die Handlung geht aber tendenziös von einen Sieg aus und FE10 bestätigt das). So schlimm ist das nicht, weil die fortlaufende Handlungszweige sich nur beschränkt unterscheiden, aber die Entwickler stehen hier vielleicht auch vor einen unlösbaren Problem. Fire Emblem ist nicht auf Duelle ausgelegt und diese sind entweder zu schwierig oder zu einfach. Ein untrainierter Ike würde hier unrettbar verkacken, weshalb die Fluchtoption gegeben sein muss.

    Auch werden hier Ena bzw. Nasir auf Ikes Seite gebracht. Der Schwarze Ritter will sie töten, was ich zuerst als unnötig kaltblütig werte. Allerdings würde sie sonst versuchen, sich zu Ashnard durchzukämpfen, weshalb die Tötung verständlich ist. Sonst wäre Ashnard auch verärgert. Der Schwarze Ritter schafft es nicht, sie mit einen Streich zu töten, was ich ihn nicht abkaufe. Aber man wollte Ena ohnmächtig und von Ike gerettet haben, weshalb so eine konstruierte Szene herhalten musste. Nasir rettet Ike ungeachtet des Duell-Ausgangs, gilt aber als verschollen, wenn man den Ritter nicht selbst besiegen konnte. Man erhält dadurch ein paar Zeilen zu Ena und Rajajon weniger, ansonsten ändert sich aber nicht viel. Trotzdem ganz nett, dass man ausgehend vom Ausgang einen unterschiedlichen Charakter bekommt. Wobei, man hätte ja auch beide bekommen können.

    Jedenfalls stürzt das gesamte riesige Schloss ein, was Daein als "Falle" geplant hat. Völlig übertrieben, aber man wollte jede Spur des Schwarzen Ritter, ob Leichnam oder nicht, verwischen. Auch Nasir muss eventuell als verschollen gilten.

    Seiner Konstruiertheit zu Trotz ein angemessenes Quasi-Finale, welches Ike und den Schwarzen Ritter ein dramatisches Duell bietet.

  2. #22
    Zeit für die zwei letzten Kapitel. Morgen folgt als letzter Post die Auswertung.



    Kapitel 28


    Dieses Kapitel ähnelt einer Nebenmission, also den typischen Gaidenkapitel. Statt sich direkt nach Ashnard zu begeben, macht man bei einem Turm für eine Rettungsmission halt. Das stört das Tempo und unterbricht die Handlung, in welcher die wichtigsten Festungen erobert worden sind und die Hauptstadt das nächste Ziel ist. Nach dem Schwarzen Ritter sich unmittelbar Ashnard zuzuwenden, wäre stimmiger. Außerdem ist Leannes Entführung ein sinnloser Handslungsfaden. Ashnard gewinnt durch sie nichts, aktiviert nicht mal das Medaillon, stattdessen wird sie recht zügig wieder befreit. Der Schwarze Ritter hatte seine Zeit mir ihr verschwendet, dabei hatte er auch so schon wichtiges zu tun, musste er als General auf beiden Seiten im Krieg zwischen Daein und Begnion agieren.

    Das heißt natürlich nicht, dass in diesem Kapitel nichts passiert oder erklärt wird. Der Ursprung der wild gewordenen Laguz wird erklärt. Daein erforscht im Stile des Horrorgenres die Laguz und machte sie zu wilden Bestien für den Kampf. Das könnte das Thema Rassismus erneut aufwirbeln, aber dieses Verfahren ist so offensichtlich böse und so spät im Spiel erklärt worden, dass niemand anschließend darauf eingeht. Keine traurigen oder verbitterten Laguz, welche die Menschen bzw. Daein für dieses Verbrechen anprangern und zur Verantwortung ziehen lassen wollen. Zwar herrscht am Ende des Kapitels eine passende bedrückende Atmosphäre (das Grauen wird nur impliziert, was völlig ausreicht), aber weder danach noch in FE10 (wo das zweimal thematisiert wird) schert man sich wirklich drum. Vielmehr halten Tibarn, Ranulf und Naesala das Thema unter Verschluss. Man könnte dieses Schweigen sogar als eigenes Verbrechen ahnden, aber so viel Mühe muss man sich nicht geben. Es ist halt wieder eine verspielte Möglichkeit, fanatische und tendenziell böse Laguz einzuführen, schließlich wäre so ein Labor ein berechtites Motiv für einen Krieg gegen die Menschen.

    Das Kapitel dient aber auch der Nebenhandlung von Nasir und Ena. Schließlich hat sich Enas Gatte, der Prinz der Drachen, nach Daein mit weiteren Drachen aufgemacht, wo Ashnard diese dann halt mit dem Laguzgift willenlos gemacht hat. Ena verplappert sich sogar und benennt die genaue Anzahl an Drachen, die hier vorzufinden sind.

    Der (anscheinend einzige...) Forscher dieses unheiligen Labors hat hier einen kurzen Auftritt, in welchen er die Flucht antritt. Er ist eine blasse Version des verrückten Wissenschaftlers, manisch studierend und frei von Ethik und Mitleid. Izuka jedenfalls ist nur ein Teaser für FE10, wo er mit einer wichtigeren Rolle betraut wird. Und da ich Godwins Law noch nicht eingesetzt habe und das Spiel nicht mehr viele Gelegenheiten für unangebrachte Vergleiche mit der NS-Zeit bietet: Mengele war kein einzelgängerischer, schrulliger, wahnsinniger, im Geheimen an grausigen Experimenten arbeitender Wissenschaftler wie Izuka hier, der wiederrum nicht mal mit einem Soldaten richtig sprechen kann, entspricht also nicht vollständig dem gängigen Bild des verrückten Wissenschaftlers. Stattdessen war er ein angesehenes Mitglied der ärztlichen Fachwelt, akademischer Überflieger und Teil der Mediziner-Elite und auch SS-Aristokratie, der für das Verschuer Institut, Teil der Eliteorganisation für wissenschaftliche Forschung (heute die Max-Planck-Gesellschaft) Blutproben und menschliche Organe entnahm. Die Grausamkeit und Unmenschlichkeit seiner Verbrechen sprechen natürlich für sich selbst, ich wollte nur klarstellen, dass sein Charakter mit dem Klischee des verrückten Wissenschaftlers nichts gemein hat, obwohl er in den Medien neben Dr. Frankenstein als Archetyp wahrgenommen wird.

    Weiterhin gibt das Kapitel die Gelegenheit, Naesala zu den Guten wechseln zu lassen. Auf Tibarns Geheiß rettet er Leanne (hätte man auch so geschafft) und schließt sich sogar schmollend den Krieg gegen Daein an, denn was interessiert ihn schon seine politische Unabhängigkeit. Ist ja nicht so, dass er um seine Soldaten und sein Land besorgt ist und es vermeiden will, es durch einen Krieg zu ziehen und Ashnard extra zu provozieren.

    Und weil ich bis zum letzten Atemzug so gemein zu Naesala war: Er ist ein gelungener Charakter mit Stil. Er ist der einzige amoralische Laguz mit Grautönen, der sich von den ehrenwerten und noblen gutmütigen Herrschern wie Tibarn und Caineghis abhebt und sie kontrastiert. Er antwortet auf das Leid der Laguz mit Pragmatik und spielt mit den trickreichen, moralisch bankrotten Menschen mit, als dass er die Wange hinhält. Das einzige Problem an ihm ist, dass er am Ende unbedingt ein guter Charakter sein musste und unbedingt auf Ikes Seite wechseln musste. Da war man wieder zu gierig und wollte beides haben: Einen ruchlosen, opportunen Antibösewicht und einen verbissenen, missverstandenen Antihelden.


    Zuletzt endet das Kapitel mit den Gespräch zwischen Ike und einen Soldaten. Letzterer ist über den Kriegsausgang leicht enttäuscht, was die Kriegsbegeisterung in FE10 vorausdeuten soll. Dabei würde ich nur Begnion Kriegsbegeisterung zu sprechen, weil sie als Übermacht und auf der Siegerseite das böse Daein besiegen und das Opfer Crimea retten. Daein und Crimea sollten vom Krieg erst mal genug haben, könnte man meinen. Aber da mache ich es mir auch zu einfach, schließlich sprach nicht grundlos ein NPC von Daein über Rache.




    Finale


    Das Königliche Schloss von Crimea befindet sich im Zentrum der Stadt Melior. Es ist berühmt für seine prächtigen Gärten, die bisher ein Sinnbild der Ruhe und des Friedens darstellten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Unzählige Kämpfe störten die Idylle und ein dunkler Lord hat sich des Throns bemächtigt. Das Schloss an sich hat keinen Schaden genommen - es steht wie ein Sinnbild der Würde und des Stils. Doch herrscht eine Aura des Unfriedens. Spannung liegt in der Luft, eine Spannung, die alles erfasst und lähmt. Im Herzen des Schlosses sitzt der Schreiber dieses Krieges: Ashnard, König von Daein.


    Statt mit einen gelungenen Einführungstext zu hadern, präsentiere ich einfach diesen. Er vermittelt eine atmosphärische Dichte.

    Das Kapitel fackelt nicht lange und beschränkt seine Lagerkonservationen auf die Laguz und ihr Anteil für die folgende entscheidende Schlacht. Bei Tagesanbruch werden Reden von Elincia und Ike erwartet. Ike kann man die Rede verweigern, was wohl ein weiterer vergeblicher Versuch ist, freie Handlungswahl des Hauptcharakters zu suggerieren. Die Rede von Elincia beinhaltet halbgares Pathos und beruft sich auf das Schicksal. Ikes Rede ist zum Kontrast einfacher und hebt die Verbundenheit der Armee hervor, die er mit einer Familie vergleicht. Hier werden mit Elincias Fokus auf die Vorbestimmung ihrer Herrscherpflicht und Ikes Selbstbestimmung zwei Extreme verdeutlicht, die eben das sind: Extreme. Auch FE9 bietet keine tiefe Erkenntnis, wie und warum wir triumphieren oder scheitern. Die Guten gewinnen, weil sie gut sind. Ashnard hat gar keine andere Wahl. Und mit ihn überleitend wird die Szene zu ihm gewechselt. Damit er nicht grimmig vor sich hin schweigt, wird ihn mit seinen letzten verbleibenden General ein Gesprächspartner gegeben, vor dem er mehr oder weniger passend seine Motive herunterleiert.
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    Ashnard
    My sole desire is to rule through strength. The weak perish, and the strong live on... This is the law of nature. It is the law the goddess herself created when she forged this world.
    Weiterhin enthüllt er, dass er sich zum Königsthron hochgemordet hat. Es verdeutlicht seinen Charakter, testet aber auch den von Bryce und dessen Ritterlichkeit ein entscheidenes Mal. Dieser verdeutlicht dann seine unumstößliche Loyalität zu Daein. Natürlich macht es ihn zum starrköpfigen Narr, aber ich finde es plausibel. Jahrzehntelanges Dienen hinterlassen seine Spuren und formen ein Trugbild, von den man sich nicht einfach so trennen will oder kann. Zumindestens ergibt sich Bryce auch nicht, sondern sucht im Tod die Quittung für sein Versagen auf eigene Weise. Sicherlich könnte er sich ergeben, aber dann wäre er der gleiche Charakter wie Tauroneo und damit langweilig und ersetzbar. Es gibt einige dieser Generäle in Fire Emblem und mit ihren Trotz bemühen sie sich stets um einen würdevollen Abgang. Woher dieses Macho-Gehabe kommt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es die ritterliche Loyalität, vielleicht aus den Anime, vielleicht hat es auch Wurzeln in den Bushido (genau genommen seiner siebten zentralen Richtlinie, das Chugo), der unabdinglichen Treue gegenüber den Lehnsherren.

    Ort des Geschehen ist im Schlossgarten, was ich von allen Fire Emblem Spielen schon immer als absurdesten Ort überhaupt für einen finalen Showdon halte. Er passt hier aber in der Hinsicht, dass Handlung noch lange nicht den Höhepunkt erreicht, sondern erst in FE10. Ashnard begrüßt Ike und Elincia direkt für einen albernen Trashtalk und fliegt dabei auch noch direkt vor ihren Nasen herum. Das Kapitel gewinnt im Verlaufe ein wenig an Dynamik und Dramatik, dass Ashnard sich mit den Medaillon neue Kräfte verschafft und man Verstärkung rufen kann (auf höheren Schwierigkeitsgraden jedenfalls). Ansonsten verläuft alles ziemlich nach Schema F. Am Ende wird Nasirs und Enas Handlung aufgelöst. Vielleicht eine kleine Überraschung, die man sich im Laufe des Spiels zusammenfügen kann, ist Enas Ziel, Ashnards Reittier zu retten. Das Spiel suggeriert, sie sei Ashnard verfallen, dabei ist es sein Drache. Dieser ist der Drachenprinz Rajajon und stirbt anschließend friedvoll. Immerhin haben die Autoren erkannt, dass eine vollständige Heilung zu schmalzig geworden wäre, so kriegt Ena ein bittersüßes Ende, was wesentlich mehr rührt.

    Das Kapitel ist ziemlich dicht und lässt keine Fragen offen (das macht dann der Epilog). Vorbei ist der Game-Log noch nicht, es kommt noch der Epilog und die Auswertung.Wirklich erörterungswürdig für die gesamte Handlung ist nach all dieser langen Zeit aber nur noch eines bzw. einer.



    Ashnard

    Die Antagonisten in Fire Emblem Spielen haben die Berufskrankheit, erst am Ende des Spiels aufzutauchen. Dies ist mit der Struktur der Spiele verbunden. Die Handlung findet auf den Schlachtfeld statt und die Antagonisten sind gewöhnlich Herrscher eines Reiches, weshalb ein Auftritt zu einen frühen Zeitpunkt schwer umzusetzen ist. Schließlich sollten sie mit ihren Heer vereint sein und müssten den Protagonisten vernichten können (ansonsten wirken sie enorm inkompetent). Deshalb nutzt man lieber niedere Kommandanten oder Generäle, welche die Drecksarbeit erledigen und im Spielverlauf besser als unmittelbare Hindernisse dienen können. Als Konsequenz wird die Rolle der Antagonisten als übermächtiges, unangreifbares Symbole konzipiert, das sich erst am Schluss zeigt und seine Geheimnisse, Motive und Schwächen offenbart. In diesen Falle ist Ashnard der Befehshaber der Armee Daeins, dessen Beweggründe wir zuerst nicht kennen. Stattdessen sehen wir ihn nur durch die Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit der schwarze gerüsteten gesichtslosen Soldaten. Erst nach und nach werden mögliche Gründe genannt. Er ist zwar ein Rassist, aber die Laguz sind nicht seine eigentlichen Feinde. Er sucht das Medaillon, um einen dunklen Gott zu erwecken. Warum tut er das? Der Begriff Sozialdarwinismus deckt seine Gründe recht gut ab. den Status des Individuums von der Geburt abhängig zu machen ist ihn zuwider, er will das Stärkere triumphieren lassen. Das ist eine passende Parallele zu Ike und den Laguz. Ike interessiert Rang und Etikette nicht, für die Laguz ist körperliche Stärke mit Herrschaftsprivileg gleichzusetzen. Hätte man die Politik Crimeas und die der Senatoren in Begnion weiter ausgebaut, hätte man Ashnards Motiven Verständnis und Sinn abbringen können, er bekämpft das Übel der Welt auf eigene Art. Leider hat man stattdessen etwas anderes gemacht: Man hat seine Motivation auf eine Plot Device (die deutsche Übersetzung Erzähltechnik passt hier nicht) fixiert, das Medaillon.
    Was Ashnards Glaubwürdigkeit und potentielles Charisma als Antagonist endgültig verurteilt ist der Umstand, dass er gar nicht weiß, was bei Aktivierung des Medaillons passiert. Eine dunkle Götting soll erweckt werden, die dann... irgendwas tut. Ashnard kann nur raten. Sie kann die Welt zerstören, was Ashnard zur Folge ihr Recht als Stärkere ist. Nur warum soll er sie dann befreien? Wenn jemand stärker ist als man selbst, bringt man diesen nicht zum Erwachen, sondern lässt ihn gar nicht erst erstärken, womit man sich als Stärkerer beweist. Und wenn man damit argumentiert, dass Ashnard mit seiner Ansicht so radikal ist, dass er selbst seinen eigenen Tod im Kauf nimmt, dann ist er eine langweilige, willenlose Puppe ohne Selbsterhaltungstrieb. Vielleicht spekuliert er, dass er die Göttin kontrollieren kann und sie ihn verstärken wird? Wie man es dreht und wendet, Ashnards Charakter wird dadurch ruiniert, dass er gar nicht erst als ultimativer Bösewicht einer Handlung konzipiert ist. Er soll nur als Puppe dienen und den Stein ins Rollen für die eigentlichen Antagonisten bringen. Dies sind Sephiran, der Ashnard benutzt, um die Göttin zu erwachen, sowie die Göttin selbst (als Twist aber die andere Göttin). Würde FE9 hier enden, hätte er wohl nach seinen Ableben die Göttin erwacht, die man dann besiegt, so wie es Jahn, Nergal und Lyon taten. Die wäre dann der eigentliche letzte Boss. Ashnard wäre so ein Gharnef geworden und damit wieder eine Puppe bzw. Diener von einen eigentlichen Bösewicht. Er wollte den Krieg nicht aus persönlicher Überzeugung, aus Machtgier, aus Landgewinn, aus Herrschersucht, aus Rache, aus Hass. Er wollte den Krieg, weil das Medaillon als Plot Device die bescheuerte Bedingung stellte, dass die Göttin nur dann erweckt wird, wenn alle Nationen im Krieg sind. Das ist eine so faule, ausschließlich für den Fortgang der Handlung nützliche Bedingung, die unsinnig und unkonkret ist. Was, wenn eine Nation ausstirbt? Ab wievielen sich bekämpfenden Leuten wird die Göttin aktiviert? Sind Gefühle entscheidend oder die Anzahl an Toten? Reicht eine einstellige Anzahl an Kriegssuchenden aus, solange alle Nationen abgedeckt sind? Die Antwort lautet: Das Medaillon wird nur dann aktiviert, wenn es den Schreibern recht ist.
    Das ist der eigentliche Grund, weshalb Ashnard so ein enttäuschender Bösewicht ist. Er darf sich nicht entfalten und dient einen höheren Zweck im Sequel, welches dann auch keinen befriedigenden Bösewicht hergibt. Traurigerweise ist er im Vergleich zu den anderen Bösewichten in der Reihe nicht mal unterdurchschnittlich, was aber das armselige Niveau der Antagonisten verdeutlicht.

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