So ich hab nach der Woche auch endlich das zu Gendreks Wrinting Promp fertig: Eine wunder schöne Nacht Nachts vom Telefon geweckt zu werden gehörte zu den Dingen, die Herbert am Wenigsten leiden konnte. Er hatte sich in seinem kleinen Bett, in der kleinen aber behaglichen Wohnung mehrfach umgedreht und versucht das konstante Vibrieren zu ignorieren, welches sich auf seinem Nachttisch zutrug. Seine Gedanken kreisten um die Frage, wer ihn zu dieser Zeit anrufen mochte, bevor er in seinem Dämmern realisierte, dass es sich um den Ton eingehender Kurznachrichten handelte. Richtig beunruhigt wurde er allerdings erst, als ein schriller Ton von dem Gerät ausging. „Fiieeeep“ Diesen konnte er, nun hellwach, nicht erinnern je gehört zu haben. Ein Griff nach dem Gerät brachte Aufklärung: Es handelte sich um eine Notfallnachricht der Regierung. Herbert hatte angenommen, dass es so etwas gab, schließlich wusste jeder, wes Geistes Kind die Regierung war, die das Land nun seit 12 Jahren, 3 Monaten und 8 Tagen im Griff hatte, auch er als kleiner Steuerprüfer, welcher sich selbst damit beruhigte doch nur mit Zahlen umzugehen, nicht wie andere mit Menschen. Beunruhigender als die Existenz dieser Nachricht war jedoch ihr Inhalt: „Schauen sie nicht auf den Mond. Der Großkanzler!“ Noch während er die Nachricht las vibrierte sein Handy weiter. 200 Nachrichten waren mindestens schon eingegangen, sowohl auf den offiziellen Kommunikationskanälen, wie auch auf den gewissen Sonderwegen, die nur die treuesten Bürger nicht besaßen. Herbert war zwar ein Rädchen und ein Feigling, aber er wollte immerhin ein informierter Feigling sein. Wobei auch in ihm durchaus des Öfteren die Frage aufkam wie sicher diese Kommunikationswege waren. Aber gerade war dies nebensächlich: Alle Nachrichten, egal wo, egal von wem, ob von Studienkollegen, längst Verflossenen, Freunden, oder Nummern die er gar nicht kannte, alle lauteten gleich: „Es ist eine schöne Nacht! Schau raus.“ Herbert war verwirrt, was sollte er tun, er versuchte einigen bekannteren Nummern zurückzuschreiben, doch wenn überhaupt kam nur die selbe Nachricht zurück, immer und immer wieder. Herbert hätte gern das Internet angemacht, aber mitten in der Nacht war das heutzutage kaum noch möglich und ein zu großes Risiko. Als 60-ähriger konnte er sich sehr gute an die Zeiten unbegrenzter Information erinnern. Manchmal vermisste er es, aber angepasst sein hatte seine Vorteile. Er rief stattdessen die Standartnachrichtenseiten auf. Nichts gar nichts. Seit 5 Stunden hatte es nirgends eine Aktualisierung gegeben, das war höchst ungewöhnlich. Da fiel sein Blick auf seine alte Schutzbrille aus der Zeit des Krieges. Er nahm sie in die Hand und zog den Blick auf den Boden richtend die Jalousie hoch. Ohne aufzublicken nahm er wahr, dass das Licht etwas Violettes an sich hatte. Dieser Eindruck verstärkte sich noch als er, noch immer nach unten blickend, das Fenster öffnete. Die frische, kalte Brise schien sogar nach etwas zu schmecken. Aluminium vielleicht? Nein, etwas Undefinierbares. Er setzte die Brille auf. Das violette verschwand aus dem Licht. Die für Herberts ungewöhnliche Neugier siegte. Er blickte nach oben: Da war der Mond. Rund wie immer und doch von einer Aura umgeben und auf ihm schien etwas geschrieben. Das Meiste war für ihn Kauderwelsch. Bedeutung konnte Herbert mit seinem begrenzten Wissen nur dem Wort einer alten Sprache beimessen, dass so etwas wie „ausführen“ bedeutete. Herberts Blick fiel auf die Straße: Die Leute, sammelten sich auf den Straßen und starrten mehrmals zum Mond hoch, fast rhythmisch, bevor sie wie von Geisterhand zu laufen begannen. Die kindliche Neugier in Herbert, etwas, dass man in diesem Staat eigentlich unterdrückt hatte und das Herbert schon Jahrzehnte vergessen glaubte regte sich erneut in ihm. Oder vielleicht war auch seine Brille defekt? Herbert kleidete sich an und ging, ein bisschen zu seinem eigenen Erstaunen auf die Straße und reihte sich in die Kolonnen ein, die in fast militärischer Ordnung in eine Richtung marschierten. Die Meisten Menschen trugen Schlafsachen, aber es war auch der eine oder andere nächtliche Trinker dabei, der trotz des signifikanten Alkoholgeruchs gerade zu gehen schien, und sogar einige, die ihr Bett ohne sich um Kleidung zu scheren verlassen hatten. „Fehlt nur noch Stechschritt und das ist das lächerlichste seit Langem.“, dachte der Steuerprüfer bei sich. Ansonsten war Herbert, seinem Naturell folgend mit Zählen beschäftigt. 5 Personen in einer Reihe und bereits 50 Reihen. Immer wieder sah er sogar bekannte Gesichter: Die Schmidts, ihr Sohn war nicht mehr da, die Hubers, 3000 Gulden Steuerschuld, die Meinbachs mit Ihrem schmuggelnden Bauunternehmen. Letztere gingen sogar neben dem Bezirksvorsteher. Der Tross lief mindestens eine Stunde, während die Gruppe anschwoll. Der Einzige der nicht folgte war ein Soldat in voller Kampfmontur, ebenfalls mit Brille, der sie alle nur ungläubig anstarrte, während sein Funkgerät nur rauschte. Nach etwa 70 Minuten Monotonie sah Herbert etwas, dass er kaum glauben konnte. Genauer jemanden. Sie! Die eine Frau, die sein Herz einst zum Erkalten brachte, als sie ging. Er blickte ungläubig in ihre Augen, so leer wie die aller Anderen, während sie sich einreihte. Die Emotionen kochten in dem langsam ergrauenden Mann über, Emotionen die er kaum noch kannte. Liebe, Hass, Freunde Enttäuschung. Trotz der Situation konnte Herbert nicht anders als zu ihr zu laufen, auch wenn er unterbewusst wusste, dass es sinnlos war. Damit brach er natürlich die Reihe und lief damit einem der Marschierenden in den Weg. Herbert fiel und seine Brille ihm vom Kopf. Als er sich aufrappelte blickte er auf und sah instinktiv nach oben… So wusste auch Herbert nicht, wie genau die Freiheit zurückkehrte.
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