Seite 1 von 19 1234511 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 20 von 372

Thema: Die "Alternative für Deutschland"

  1. #1

    Die "Alternative für Deutschland"

    Ich mach mal wie vorgeschlagen einen eigenen Thread für die AfD auf. Die aktuelle Frage lautet: Ist die AfD eine rechtsextreme Partei?

    Postings zum Thema aus dem Thread über Flüchtlinge:

    Zitat Zitat von Itaju
    Kommt drauf an, nach welchen Kriterien du das angehst.

    Wenn du guckst, wer da so alles Mitglied ist. Ja, da gibt es rechtsextreme Mitglieder. Einige auch mit Mandat.
    Wenn du guckst, wie sich so manches Parteimitglied äußert. Ja, da gibt es manche Äußerungen die über den rechten Rand hinausfallen.
    Wenn du guckst, was im Parteiprogramm steht. Not so much. Ich wiederhole sehr oft, dass man mal das Parteiprogramm der AfD mit dem einer heute wie damals etablierten Partei von vor 40 Jahren zurückgeht, vergleicht und wird feststellen, dass es da keinen Unterschied gibt. Auf dem Papier ist die AfD die CSU (bzw. CDU), die dem Parteienspektrum abhangen gekommen ist. Lockt heute natürlich auch Neonazis an, die den Pragmatismus wittern sich statt einer NPD, die sich im untersten einstelligen Bereich tummelt, mal bei einer Partei zu engagieren, die gerade noh so am etablierten rechten Rand sitzt, wenn auch deutlich weniger radikal als die eigene Meinng.

    Wie du siehst, ist das eine de jure vs. de facto Diskussion und dann muss man auch den Maßstab berechnen. Ich denke, dass es für ein unauffäliges linksextremes Mitglied des schwarzen Block im Bereich des Möglichen steht, sich ein Parteibuch der CSU zu beschaffen. Dadurch wird die CSU jedoch noch nicht linksextrem. Ist ein Extrembeispiel (hoho, see what I did here), ich weiß, aber mir fehlen genaue Zahlen über tatsächliche als Rechtextrem eingestufte Mitglieder und Mandatsträger in der AfD um das objektiv beurteilen zu können.

    Im Übrigen könnte man auch fragen, inwiefern die Linke, die Grünen oder die Stegner-SPD linksextrem ist, aber du hast ja explizit nur um eine AfD-Diskussion gebeten.

    ***

    Zitat Zitat von PeteS
    Ich finde die AfD könnte einen gesonderten Thread vertragen. Was rechts, rechtsextrem, rechtsradikal, etc. ist - da hat jeder wohl andere Vorstellungen. Zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz reicht es scheinbar nicht. Ein größeres Problem haben wir mit der CSU, die auch ein bissl rechts ist - und die ihren Landtagswahlkamf auf Bundesebene austrägt. Dazu noch der untaugliche Verfassungsschutz-Chef, den Seehofer noch deckt.

    Das stärkt alles nicht das Vertrauen des Volkes in die Demokratie. Man will vermutlich den Rechten entgegenkommen - um da selber Stimmen abzugreifen. Daher das Duo Seehofer/Maaßen was hier gut Rechten entgegenkommt aktuell. Wobei die Justiz auch hart durchgreift (Strafen ohne Bewährung in beschleunigtem Verfahren wegen nur Hitlergrüßen in Chemnitz - allerdings bei einschlägig vorbestraften Leuten, daher nachvollziehbar.)

    Stärkstes Problem ist, dass man Rechten viele Angriffspunkte bietet. Die werden natürlich - der normale Bürger kennt sich nich so aus - das Ausschlachten, mit den beschleunigten Verfahren, wo ohne Haftstrafen beim HItlergruß verurteilt wurde. A la: "Und bei kriminellen Migranten macht ihr nix." (Wobei man als Vorwissen wissen muss, dass eben nur in bestimmten Fällen diese beschleunigten Verfahren gehen und die HItler-Grüßer hier schon zig Vorstrafen hatten, also auch mal ohne Bewährung angebracht ist. Nur steht das in den meisten Medien nich so detailliert.)


    Von meiner favorisierten Partei FDP hatte Kubicki hier ne gute Aussage - wobei man ihn unnötigerweise zu Unrecht kritisierte. Einer der wenigen, der das Problem erkennt:
    https://www.huffingtonpost.de/entry/...b0cf7b003401b4
    "Wir wissen, dass Menschen ein subjektives Unsicherheitsgefühl haben." - das ist für mich ne wichtige Aussage. Leider gehen nämlich immer viele davon aus, jedem vorgeben zu können, wann er Angst haben kann/darf/muss - und wann eben nicht. Aber da es subjektiv wahrgenommen wird, ist es bei jedem unterschiedlich. Da kann man keine objektiven Vorgaben machen, an die sich "das Volk" einfach zu halten hat. (Und wer zu viel Angst hat gilt als rechts -> das führt doch nur zu mehr Gegenwehr dann, wenn man so denkt.)

    Ich finde sowieso dass Chemnitk aktuell am interessantesten ist/war. Wir haben gefühlt öfter Berichte in den Medien in letzter Zeit - über Tötungsdelikte an denen Migranten als Täter beteiligt warn. Medien sind auch nicht immer korrekt (bzw. eher selten sogar) - da werden Details unterschlagen um den Leser in ne bestimmte Richtung zu drängen bei der Meinungsbildung. Ganz doof ist es, wenn man die Herkunft der Täter unterdrückt oder über solche Tagen mit Migranten-Tätern gar nicht berichtet. Das befeuert nur die Lügenpressen-Vorwürfe. Hier sollte man gezielt alles berichten. Auch wenn es erst mal kontraproduktiv wirken könnte, weil die Konsumenten denken es passiert mehr. Sie können aber den Medien wieder mehr vertrauen vielleicht dann. (Kontern mit ab und zu positiven Beispielen, etc. Dann passt das schon.)


    Ein guter Artikel war auch hier: https://www.pro-medienmagazin.de/kom...rweigert-sich/
    Bei rechten Vorfällen äußert sich gleich jeder Politiker. HIer ging man relativ ungeschickt damit um. Das erweckt auch das Gefühl, dass die Politik sich nich dafür interessiert, wenn Migranten jemanden töten. Wenn man nur einseitig herbeispringt.


    Das größte Problem dürfte aktuell Maaßen sein. Der befeuert die Rechten noch, in dem er quasi sagt es gab keine Hetzjagt. (Sprich: "Der Verfassungsschutz gibt sein okay für die Sachen die bisher in Chemnitz seitens Rechter getätigt wurden. Diese waren alle noch im Rahmen.") Zwar war das nicht so direkt gesagt. Und es gibt wohl auch Gründe dass man so ein Video anzweifeln kann. Aber das wird halt von Rechten dann als Freibrief interpretiert, wenn diese Zweifel geäußert werden. Der Mann könnte vielleicht auf mittlerer Ebene und als aktiver Verfassungsschützer im Außendienst aktiv sein. Als Behördenleiter der sich in der Öffentlichkeit äußern muss und im Mittelpunkt steht ist das zumindest extreeeeeem ungeschickt. Dafür treten andere teils schon zurück freiwillig.

    Dass er sich mit der AfD traf und Tipps gegeben hat wie man ne Beobachtung durch seine eigene Behörde vermeiden kann - macht auch keinen guten Eindruck. (Auch wenn ich neulich wohl las, dass er sich mit sehr vielen Politikern getroffen hat, nur ganz wenige davon von der AfD.) Da sollte man sich vielleicht mit gar keinen - abseits offizieller Leute ausm zuständigen Ministerium und dem Parlamentarischen Kontrollgremium treffen. Medien bauschen es natürlich so auf, dass man nich sooo oft vorfindet, dass er auch sich mit andern traf. Auch alles ungeschickt gelaufen.



    Ich sehe zumindest das Hauptproblem nicht bei der AfD. Die ist nur Symptom, nicht Ursache. (Dazu sagte ich schon anderswo was.) Es laufen an vielen Stellen Sachen falsch. Mal Kleinigkeiten. Mal größere Sachen. Das summiert sich und führt zu Reaktionen von Leuten die in ihrer subejnktiven Wahrnehmung der Meinung sind, dass man hier jetzt halt AfD wählen muss und bei PEGIDA mitlaufen muss - um sein Überleben in Deutschland langfristig zu sichern. Ob man bei nem geleakten Haftbefehl auch gleich Wohnungen durchsuchen muss wie bei nem Schwerverbrecher ... find ich auch fragwürdig. Der hat den Originalbefehl ja nich mitgenommen, derjenige der es tat. Wohl nur fotografiert. Man muss doch auch davon ausgehen, dass sowas verschlüsselt gespeichert wird oder man - wenn jemand es runterlädt - nich den Upload nachweisen kann. (Später stellte sich der Mann ja auch.) Der Leaker gilt als Held in rechten Kreisen. Keine Frage: Man sollte auch gegen sowas vorgehen, da es den Rechtsstaat gefährdet. Aber solche Maßnahmen laden auch wieder dazu sein zu sagen - seitens Rechter: "Guckt mal da räumen die gleich bei Verdacht die Bude raus bzw. durchsuchen alles und der hat nur nen Zettel fotografiert ... und die Migratnen dürfen jemanden Messern und nix richtig hartes passiert - nur Jugendstrafe, weil Alter nich nachweisbar. ... gabs aktuell im Rheinland-Pfälzischen Kandel ein Urteil wo ich Leute real miterlebte die sich drüber ausgelassen hatten.)

    ***

    Zitat Zitat von Surface Dweller
    Falls es deine Absicht war, Reaktionen zu provozieren, dann ist diese kontroverse Frage zweckdienlich; für sachliche Diskussionen wie du sie dir ebenfalls wünscht und die nicht auf steinharten Standpunkterklärungen bauen und zwangsläufig mit "let's agree to disagree" enden, eher weniger.

    Ähnliche Fragen aus der Serie "ich möchte ein Statement absetzen, es aber als Suggestivvfrage formulieren" wären "fördert Merkel Islamisierung?", "ist Homosexualität eine Krankheit?" oder "was plant Putin? wirklich".

    Das mal alles abgesehen davon, dass alle Parteien sich genügend geleistet haben um mit KO-Argumenten als böse Pfui-Partei charakterisiert zu werden und in Wirklichkeit nur der persönliche Geschmack über das Gewicht der Poltistunts entscheidet.

    Können wir nicht ein Thema in den Raum werfen, bzw. formulieren, dass einer lustvollen, interessanten Diskussion Grund gibt und wir davon ausgehen, dass wir alle der Gesellschaft Gutes tun wollen? Es wäre z.B. interessant darüber zu diskutieren wie diverse/konkrete Vorstellungen der modernen Rechten in der Praxis tatsächlich aussehen (würden), ob es Alternativen gibt und worin die Nachteile liegen (können)? Jemand im Forum hat z.B. damals dieses Video gepostet: https://www.youtube.com/watch?v=RvOnXh3NN9w. Mich würde z.B. interessieren ob sich die Flüchtlingssituation tatsächlich verbessert hat, inwiefern der Einfluss der Rechtesparteien sie beeinflusst hat ob sich die verschiedenen Szenarion vor der Flüchtlingskrise bewahrheitet haben; wie es heute uns, den Flüchtligen und den Syrern geht.

    ***

    Zitat Zitat von Mordechaj
    Edit: Gott, bin ich langsam. Ich würde übrigens durchaus auch dafür plädieren, dem ganzen einen neuen Thread zu geben. Ich wollte eigentlich spätestens nach Köthen selber einen aufmachen, aber ich stelle fest, dass ich dafür aktuell nicht die beste Instanz bin (ich wohne in Chemnitz und wär furchtbar "ich war dabei"-sentimental geworden und außerdem habe ich aus Versehen angefangen, möglichst viel Streit mit AfD-Abgeordneten auf Twitter zu suchen, einfach um Frust abzubauen -- vielleicht sollten andere solche Themen lenken).

    Die Parteilinie liegt definitiv ein ganzes Stück rechts der Unionsparteien und zwar in beinahe allen Punkten. Wir können aktuell beobachten, dass das zu harten Renationalisierungsforderungen führt. Das macht die Partei in dem Sinne rechtsextrem, dass es sich in unserem politischen Spektrum (diese Spektren sind einfach nach Gesellschaft verschieden; die US-Demokraten sind in den letzten Jahren furchtbar weit nach links gerückt, aber selbst der linke Flügel von Union und FDP wäre denen zu sozialistisch; die Franzosen haben eine für deutsche Verhältnisse derart absurde Verquickung von Blutsrecht und Staatssozialismus, dass jeder grünen Seele ein bisschen darüber wimmern muss) -- dass es sich also in unserem bundesdeutschen politischen Spektrum eingebürgert hat, rechts der Unionsparteien von Rechtsradikalität oder Rechtsextremismus zu sprechen. Das Prädikat -extrem müsste aber genau genommen eine Gewalt- und Hetzkomponente einschließen. Und so sehr ich das diesertage sagen können wollte, gezielte Falschinformation und Stimmungsmache mit klar rassistischem, klassistischem und demokratiefeindlichem Unterton ist zwar derbe widerwertig, aber immer noch keine Hetze im Definitionsrahmen unseres Staates.

    Ich würde also von einer rechtsradikalen Partei sprechen, die einen rechtsgemäßigten und rechtsextremen Skopus besitzt. Ceterum censeo, dass sie sich auf allen drei Organisationsebenen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz redlich verdient hat.

    Dazu noch eine Bemerkung, die einen Nebenschauplatz aufmacht, weil Itaju (wie ich finde berechtigterweise) es mit aufbrachte und ich befürchte, dass wir um diese Frage nicht herumkommen werden: Egal, ab welcher Grenze man Radikalismus/Extremismus setzt, die rechte Seite und die linke Seite sind absolut nicht spiegelbildlich angeordnet. Es ist richtig, dass Extremismus (wir erinnern uns: Gewalt und Hetze) in jeder Form zu verurteilen ist. Es macht aber einen enormen Unterschied, welche Gewaltformen und welche Formen der Hetze in Anschlag kommen. Linksextremismus ist in erster Linie Gewalt gegen Eigentum und erst in zweiter Linie Gewalt gegen Menschen. Rechtsextremismus ist in erster Linie Gewalt gegen Menschen und in zweiter Linie Gewalt gegen die Lebensführung von Menschen. "Aber die RAF!" wird man jetzt berechtigterweise verwundert aufschreien. Ja, die RAF. Das waren Linksterroristen, genauso wie der NSU Rechtsterrorismus war. Beide sind tief verschränkt mit ihrem jeweiligen Extremismusphänomen. Aber: Wir sprechen -- und zwar schlussrichtig -- von linksextremer Gewalt, wenn beispielsweise Eigentum in großem Stile und mit Gefahr für Leib und Leben von Mitmenschen beschädigt wird. Da liegt die Grenze. Wir sprechen von rechtsextremer Gewalt, wenn gezielt gegen Leib und Leben von Mitmenschen gehandelt wird. Und es tut mir leid, Steinewerfer auf der Schanze sind qualitativ etwas anderes als Brandsatzwerfer vor Erstaufnahmeeinrichtungen.

    ***

    Zitat Zitat von WeTa
    Achso, die AfD ist also nur 40 Jahre in der Vergangenheit kleben geblieben, gut zu wissen.
    Nochmal 40 Jahre vorher war Hetzjagd auf Ausländer auch noch ok, also alles halb so wild

    Geändert von Kelven (15.09.2018 um 13:16 Uhr)

  2. #2
    Rein als Verfahrensvorschlag: den Thread und das Thema in "Parteien und Extremismus" o.ä. umbenennen. Ist nur ne Frage, wo gerade größerer Diskussionsbedarf rührt. Das Thema der AfD oder das Eröffnen des Thema parteinaher Extremismus in der Breite.

  3. #3
    Ich finde es schon sinnvoll zu trennen. Gerade bei aktuellen Ereignissen (Chemnitz und ähnliches) im Zusammenhang mit Flüchtlingen bietet sich der andere Thread gut an. Da will man nich dauernd die Zwischenrufe a la "die böse AfD ist so rechts mimimi" haben und die andern die ihre Lieblingspartei verteidigen müssen - wenn die eigentlichen Probleme doch abseits der Parteien liegen und die AfD nur auf die Verfehlungen der regierenden Parteien reagiert um Kapital daraus zu schlagen.

    Täglich die Umfragen könnte man hier dann auch erwähnen ohne dass es im andern Thread stört. Die sind interessanterweise sogar glaub so, dass die CSU in Bayern total abkackt. Die AfD aber auch schwächer wird glaub ich. Die Grünen legen wohl stark zu. Die SPD auch stabil. Das ist interessant zu beobachten.

    Edit: Ich habe es falsch verstanden. Dieser Thread hier - und umbenannt in Parteien allgemein - das macht natürlich schon Sinn. Weil gerade die CSU auch relevant ist, da sie gegen die AfD ankämpft im rechten Bereich grad auf Landesebene (es auf Bundesebene austrägt). Und die Linksextremen will man ja auch nich vernachlässigen, weil sonst die Rechten jammern.

  4. #4
    Ich teile Itajus Standpunkt. Und nein Tako. Wir hatten damals schon etablierte demokratische Standards, die die CDU/CSU offenbar nicht verletzt haben, entsprechend kann die daran angelehnte Meta- und Realpolitik der AfD nicht heute plötzlich illegal sein. Wir können nicht die Torpfosten ständig nach links verschieben und damit dann rechtsgerichtete politische Betätigung aus ideologischen Gründen illegal machen. Und praktisch sind hieran schon die letzten Diskussionen in diesem Forum gescheitert, wie sie auch auf der realweltlichen politischen Ebene scheitern. Solange die Assoziationskaskade rechts = rechtsextrem = Nazi = verboten/böse/unmenschlich läuft und das als Tatsache heruntergebetet wird, um Ausgrenzung aus dem politischen diskurs (und weiteres) zu rechtfertigen und zu legitimieren und damit Leute, die sich diese Politik wünschen und daran arbeiten aus dem demokratischen System als Andersdenkende eliminiert und in die Illegalität treibt, werden wir gesellschaftlich und mit dieser Diskussion nirgendwo hinkommen. Dazu müsst ihr anerkennen, dass der "Kampf gegen Rechts" wie früher Nazis und Feinde der Demokratie meinen muss, ansonsten einen fairen Kampf der politischen Ideen, wenn die Linken dann halt in den Ring steigen und nicht bei letzerem einen Kampf auf der Eben des Demokratischen, Menschlichen, Legalen. Die Bereitschaft sehe ich hier nicht.

    Löscht den Thread einfach wieder und sucht euch Filterblasen, da bekommt jeder, was er braucht.

  5. #5
    Ganz allgemein: Der Begriff Rechtsextremismus wurde sicher mal genauer definiert, aber ich meine das, was in der Umgangssprache so gesagt wird und in der vermischen sich rechts, rechtsradikal, rechtsextrem und Nazi natürlich sehr. Ich möchte nicht fragen, ob die AfD die Verfassung abschaffen will, ob ihr Ziel eine Diktatur ist, sondern ob die AfD rassistische, fremdenfeindliche, sexistische, homophobe usw. Ansichten vertritt. Eben das, was die Gegenseite oft mit Rechtsextremen verbindet (einige sagen sogar, dass schon Rechte solche Ansichten haben, aber finde ich selbst auch zu voreilig).

    @Itaju
    Das Parteiprogramm möchte ich ausklammern. Den Parteien ist sicher bewusst, dass zu kontroverse Standpunkte mehr schaden als nutzen. Ich würde auch nicht davon ausgehen, was die Mitglieder und Wähler denken (denn wer kann das schon erfassen?), sondern davon, wie die AfD sich öffentlich präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die führenden Politiker der Partei, quasi ihr öffentliches Bild.

    Zitat Zitat
    Im Übrigen könnte man auch fragen, inwiefern die Linke, die Grünen oder die Stegner-SPD linksextrem ist, aber du hast ja explizit nur um eine AfD-Diskussion gebeten.
    Mit Linksextremismus verbinde ich eine Ablehnung des Staats bzw. der Staatsmacht und steine-werfende Autonome, daran beteiligen sich die führenden Politiker der Parteien doch eher nicht (hoff ich jedenfalls).

    @PeteS
    Zitat Zitat
    "Wir wissen, dass Menschen ein subjektives Unsicherheitsgefühl haben." - das ist für mich ne wichtige Aussage. Leider gehen nämlich immer viele davon aus, jedem vorgeben zu können, wann er Angst haben kann/darf/muss - und wann eben nicht. Aber da es subjektiv wahrgenommen wird, ist es bei jedem unterschiedlich. Da kann man keine objektiven Vorgaben machen, an die sich "das Volk" einfach zu halten hat. (Und wer zu viel Angst hat gilt als rechts -> das führt doch nur zu mehr Gegenwehr dann, wenn man so denkt.)
    Das stimmt schon, ein Unsicherheitsgefühl hat nicht zwangsläufig etwas mit Ideologie zu tun, d. h. jemand kann auch Vorbehalte, Vorurteile haben, ohne z. B. fremdenfeindlich zu sein. Niemand sollte sich für seine Angst und Sorgen rechtfertigen müssen, denn über diese Gefühle haben wir keine Kontrolle. Rechtfertigen muss man sich erst dann, wenn man sich salopp gesagt gegenüber anderen Menschen arschig verhält.

    @Surface Dweller
    Ich finde die Frage nicht suggestiv.

    Zitat Zitat
    Können wir nicht ein Thema in den Raum werfen, bzw. formulieren, dass einer lustvollen, interessanten Diskussion Grund gibt und wir davon ausgehen, dass wir alle der Gesellschaft Gutes tun wollen?
    Aber man würde vielen Menschen ("die Gesellschaft" ist mir zu abstrakt) doch etwas Gutes tun, wenn man offenlegt, dass die AfD eine ganz üble Partei ist - falls sie es denn ist, ich bin da eher auf Mordechajs Linie - denn dann könnten ja alle netten Menschen ihr ganz ungeniert den Rücken zudrehen.

  6. #6
    Zitat Zitat
    Mit Linksextremismus verbinde ich eine Ablehnung des Staats bzw. der Staatsmacht und steine-werfende Autonome, daran beteiligen sich die führenden Politiker der Parteien doch eher nicht (hoff ich jedenfalls).
    Wenn Du dir die Mühe machst und nach prominenten Politikern des linken Spektrums suchst, die Grenzen abschaffen wollen und Besitz von "denen da oben" enteignen wollen, wirst du auch fündig.

    Wie Paddy schön dargelegt, hat sich die Wahrnehmung von dem, was "rassistisch" ist, in kurzer Zeit ganz schön verändert. Das als eher links bezeichnete Magazin Spiegel bezeichnet Leute, die vor einer "Islamisierung" (und sie schreiben das tatsächlich in Anführungsstrichen) warnen als rechtsextrem, vergessen aber mitunter, dass sie sich selbst als rechtsextrem bezeichnen müssten, wenn sie mit ihrem eigenen Blatt in nur 10 Jahren Vergangenheit ins Gericht gehen müssten. Dazu kommt, dass heute die Auseinandersetzung mit objektiven Statistiken z.B. zur Kriminalität von Asylanten und Migranten oder amerikanischer Polizeigewalt kaum noch möglich ist, solange die entnommenen Informationen dem Establishment nicht in den Kram passen und entsprechend als "rassistisch" bezeichnet werden.

    Stellt euch vor, der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten würde im politischen Klima heute veröffentlicht werden. Und was wir heute vielleicht noch als ganz akzeptabel, links oder weltoffen beschreiben ist vielleicht auch schon der Rassismus/Sexismus/Whateverismus von morgen.

    Geändert von Itaju (15.09.2018 um 16:25 Uhr)

  7. #7
    Zitat Zitat
    Mit Linksextremismus verbinde ich eine Ablehnung des Staats bzw. der Staatsmacht und steine-werfende Autonome, daran beteiligen sich die führenden Politiker der Parteien doch eher nicht (hoff ich jedenfalls).
    Bei so einer Definition müsste man aber auch sagen, dass die AfD nicht rechtsextrem sein kann, weil die Parteimitglieder vermutlich eher keine Ausländer auf offener Straße zusammenschlagen .

  8. #8
    Zitat Zitat von RPG-Devil Beitrag anzeigen
    Eine Meinung ist generell nicht einzuschränken.
    Wir sollten uns ein Beispiel an den USA und Kanada nehmen. Dort gibt es keine Sprachverbote.

    Insofern sind die Deutschen sehr gehirngewaschen von den Medien und Altparteien.
    Du, es ist halt schon an sich schwierig, wenn du das für unparteiisches Sprechen hältst. Warum:

    (1) Eine Meinung ist absolut einzuschränken, die Vorstellung von absoluter Meinungsfreiheit à la "Ich darf alles sagen, ohne jegliche Einschränkung" ist ein einigermaßen spezifisch-amerikanisch rechtspopulistisches Missverständnis. Die Meinungsfreiheit, wie sie philosophisch und politiktheoretisch ausgearbeitet ist, war niemals absolut, weil Freiheit immer dort endet, wo sie die Freiheit anderer beschneidet. Diesem sehr richtigen und historisch bewährten Verständnis trägt unsere Verfassung Rechnung.

    (2) Die nordamerikanischen Demokratien haben Sprachverboten effektiv erfunden. In der Geschichte der mitteleuropäischen Demokratien gab es etwa vor dem Vorreiterwerden der USA auf dem weltpolitischen Parkett etwa kein Sittenrecht, das sprachlich basiert gewesen wäre. Diese Sittenordnung kam erst durch die internationalen Verwicklungen zustande, die der Alliertenpakt und die Besatzungslage in Europa darstellten; das heißt im Klartext: das haben uns die Vereinigten Staaten nicht allein "eingebracht", sondern gemeinsam mit maßgeblich unseren französischen und britischen Freunden im Zuge der postkolonialen Auseinandersetzung erkannt. Der (Proto-)Postkolonialismus erst kann eine Sittenordnung kreieren, die die sprachliche Wirklichkeit regiert. Das kann man -- und muss man an vielen Stellen -- kritisch sehen und ablehnen. Wenn ich dich jetzt grundlos einen Nazi nenne (was ich nicht tun möchte oder werde, das ist nur eine sehr unbeholfene und hoffentlich nicht zu entzündliche Illustration), dann muss dir das sauer aufstoßen. Vor 1918 hätt ich dich unterhalb der absoluten Verleumdung nennen können, was ich will. Es ist dem postkolonialen Diskurs zu verdanken, dass ich dich nicht ungescholten nennen kann, was mir grad so als möglichst entzündliche Beleidigung in den Sinn kommt. Weil wir Diskursnormen kreiert haben, die unser Zusammenleben befrieden.

    (3) Die Medien-Gehirnwäsche und den Begriff "Altparteien" lasse ich dir nicht durchgehen. Entweder sagst du uns, was du mit diesen echten Verunglimpfungen unseres demokratischen Systems benennen willst, oder du schaust ein bisschen darauf, solche propagandistischen Einlassungen nicht zu übernehmen. Unsere Medien sind freier und verantwortungsgebundener als die meisten Informationsinstitutionen auf dem gesamten Planeten und unser Parteisystem ist immer noch eines der stabilsten auf diesem Planeten. Wir können uns gern in einem anderen Kontext über die verantwortungslosen Ausläufer unserer Medientradition und über die korrupten, überkommenen Ausläufer unseres Partei-Etablissements unterhalten. Aber nicht hier. Und bis dahin sage ich dir ganz ehrlich, dass du zwar von mir aus wählen kannst, was du willst: solche Verunglimpfungen disqualifizieren dich für die Diskussion. Und nur die.

    Geändert von Mordechaj (15.09.2018 um 23:45 Uhr)

  9. #9
    Und eine Demokratie hält vieles aus, auch deinen (bitte entschuldige; ich dutze hier im Forum, ich kann davon keine Ausnahme machen, ohne dass es sich komisch anfühlt) Einspruch, der absolute Meinungsfreiheit einfordert. Genau das ermöglicht unsere Demokratie und ich bin stolz darauf. In einer idealen Welt würde ich absolute Meinungsfreiheit entgegen unseren intellektuellen Vätern genauso befürworten. Leider leben wir in einer Welt, wo Menschen Dinge zu Meinungen erklären, die andere Menschen verletzt (nicht "emotional verletzt", diese Mimosen, sondern in echter Form der Verhetzung verletzt).

    Genau die beiden §§ 130 StGB und 86a StGB beweisen die Wehrfähigkeit unserer Demokratie (wie wir gerade anhand der USA erfahren dürfen, sind wehrfähige Demokratien ein willkommener Sonderfall der Geschichte). Es wäre ein Unding, wenn eine Gesellschaft, die das Erbe des Dritten Reiches antritt, sich nicht der realen Gefahr bewusst wäre, die von Symbolifizierungen und hetzerischen Handlungen ausgehen. Das trifft alle Ebenen der extremistischen Ausläufer unserer Gesellschaft: Wer, unabhängig von seiner Gesinnung, die freiheitlich-demokratische, menschenrechtlich lautere Ordnung unserer Solidargemeinschaft, die jene Erfahrungen gemacht hat, die uns bis heute zur ziefen Verbundenheit mit und zur Verantwortung gegenüber den Entrechteten dieser Welt motivieren, angreift -- nicht nur bezweifelt, sondern offen angreift --, der muss mit den Konsequenzen rechnen, die unsere menschenrechtlich lautere Ordnung uns abverlangt. Was ist daran zu bemängeln? Dass man den Hitlergruß nicht zeigen darf, ohne ein Strafverfahren zu erdulden? Wer den Arm so hoch und die Hand so steif kriegt, darf sich nicht beschweren, gezwungen zu sein, sich in einer freiheitlich-demokratischen Ordnung zu bewehren. Sowas wird in den USA und in Kanada nicht bestraft, weil die nicht die historischen Erfahrungen gemacht haben, die unsere Demokratien gemacht haben. Ich spreche im Plural von "Demokratien", weil etwa Frankreich und die anderen mitteleuropäischen (nicht alle) Demokratien ähnlich verfahren: Wer sich gegen die Menschlichkeit der EuropäerInnen stellt, so könnte man in einer gesamteuropäischen Rechtsauffassung (die es institutionell, vielleicht glücklicherweise, nicht gibt) argumentieren, der macht sich strafbar. Und ich muss behaupten, dass ich das gut finde. Wer sich symbolisch mit Faschisten verbrüdert, mit dem habe ich wenig Mitleid, wenn er/sie vom Rechtsapparat zur Bewährung aufgefordert wird.

    Und ich finde übrigens, das hat viel mit der AfD zu tun. Die Partei hat sich bis heute nicht von den Demonstrationen in Chemnitz und Köthen distanziert, mehr noch, sie hat sie für ihre Zwecke vereinnahmt. Auf diesen Demonstrationen kam es zu offenen und öffentlichen Angriffen auf unsere Demokratie. Nicht auf unser Staatssystem, das man kritisieren darf, sondern zu Angriffen auf unsere demokratisch-freiheitliche Grundordnung. Und die AfD hat sich dem nicht entzogen und gesagt, das sei schlimm (Frau von Storch hat es auf Anfrage geschafft, sich von dem Angriff auf das koschere Restaurant SCHALOM in Chemnitz zu distanzieren), sondern die Demonstrationen und die Besorgnis darum für sich vereinnahmt. Das sollten wir nicht vergessen und das sollten wir hier bei der Frage nach der Gesinnung der AfD als Partei (nicht als Individuen) mit bedenken.

    Geändert von Mordechaj (16.09.2018 um 00:49 Uhr)

  10. #10
    Ich denke nicht, dass man sich distanzieren muss - sofern man selber nicht die Tat begangen hat. (Dann hilft einem distanzieren auch nix.) Das ist ähnlich wie bei den Muslimen - da fordere ich es auch nicht, dass die immer sich von allen möglichen gewalttätigen andern Muslimen distanzieren, wenn sie selber friedlich ja schon leben.

    Also muss man zu dem jüdischen Restaurant auch nix sagen.

    Das Verbot von Hitlergruß und Volksverhetzung sehe ich tatsächlich in jetziger Form überholt. Da das Straftatenohne Opfer sind. Der Gruß an sich schadet niemanden. Nur wenn man darauf hingehend handelt. (Dann ist diese weitere Handlung aber schon strafbar.) Man müsste sich also fragen ob man nicht generell schon Gedanken unter Strafe stellen sollte. Bei der Volksverhetzung habe ich zumindest den subjektiven Eindruck, dass hier oft verurteilt wird, wenn gar nicht "verhetzt" wird. Meiner Meinung nach müsste das erfordern, dass Menschen tatsächlich zu Straftaten gegenüber bestimmten Gruppen gebracht werden, die sie vorher nicht getan hätten.

    Aber entweder seh ich die potenzielle Empfängerzahl als zu gering oder es findet oft unter Gruppen statt, wo eh die Leute schon unter sich so radikalisiert sind, dass gar nichts weiter dazu kommt, weil sie auch ohne irgend ne Aussage die jetzt verhetzend sein soll schon so wären.
    Hier müsste man sich fragen: Muss man nicht die Medien stärker reglementieren? Denn durch bewusste Lenkung wirken diese auch verhetzend. Gerade wenn man nur selektiv Informationen vermittelt und so die Ängste bewusst weiter schürt (weil sich das grad gut verkauft). Medien haben eine sehr große Reichweite. Medien glaubt man auch - weil man sonst selber nich sich vor Ort direkt informieren kann und auf die Berichte angewiesen ist.

    Da gibt es genug Beispiele. Jemand in nem andern Forum postete zu Chemnitz und zu tatverdächtigen nen Facebook-Post in dem jemand analysierte. Und allein schon dass Maaßen sich Patzer a la "Mord" (wenn nur wegen Totschlag ermittelt wird) erlaubt könnte doch auch verhetzend wirken, weil die Leute die Lage dadurch schlimmer begwerten und anfangen sich noch bedrohter zu fühlen (= was noch zu mehr Hass führt als Gegenreaktion).

  11. #11
    @Itaju
    Solche natürlich absurden Standpunkte würde ich aber nicht mit z. B. Rassismus auf eine Stufe stellen.

    Du hast aber recht, dass der Begriff sehr unterschiedlich definiert wird und ich seh die Probleme, die du ansprichst, auch. Deswegen bin ich der Meinung, dass zwischen schwerwiegenden und nicht schwerwiegenden Verfehlungen unterschieden werden sollte. Für mich heißt Rassismus nachwievor: Jemand hält eine andere Ethnie für Menschen zweiter Klasse und behandelt sie auch so. Jemand, der aus Angst Vorurteile gegenüber anderen Menschen hat, ist nicht zwangsläufig ein Rassist.

    Zitat Zitat
    Dazu kommt, dass heute die Auseinandersetzung mit objektiven Statistiken z.B. zur Kriminalität von Asylanten und Migranten oder amerikanischer Polizeigewalt kaum noch möglich ist solange die entnommenen Informationen dem Establishment nicht in den Kram passen und entsprechend als "rassistisch" bezeichnet werden.
    Das ist ja auch ein kommunikatives Dilemma. Die Statistiken werden ja nicht aus dem Nichts in die Diskussion eingebracht, es gibt immer einen Kontext. Der Diskutant will damit etwas sagen und je nachdem, was er vorher geschrieben hat, sind die Schlüsse der anderen entsprechend voreiliger. Die linke Seite nimmt vermutlich an, dass jemand mit den Statistiken zeigen will, dass Migranten von Natur aus krimineller sind als deutsche Staatsbürger. Was sicher nicht der Fall ist, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der Hang zur Kriminalität etwas mit Ethnie und Kultur zu tun hat. Klar ist aber auch, dass wenn der Anteil der Migranten auffällig größer ist, es dafür einen Grund geben muss.

    @Surface Dweller
    Zitat Zitat
    Es sollte nicht Ziel sein, die Diskussion insgesamt als gut oder böse zu klassifizieren sondern darauf hinzuweisen, dass man auch mit dem Grundsatz in kontroverse Themen einsteigen kann, dass das Gegenüber trotz unterschiedlichem Wahlverhalten auch nur das Wohl der Allgemeinheit anstrebt.
    Was sicher nur die wenigsten tun, wenn sie über solche Themen diskutieren, aber davon mal abgesehen: Ich spreche ja, wie ich zuvor schon sagte, über menschenverachtende Ansichten, und damit meine ich keine Vorurteile oder unbedachte Äußerungen, sondern Menschen, die ganz offen z. B. andere Ethnien verachten und das in Wort und Tat ausdrücken. Und die Frage ist, ob die führenden AfD-Politiker die Nähe solcher Menschen suchen (was in ihnen soweit ich weiß ja im Fall von Chemnitz vorgeworfen wird) oder ob sie sogar selbst solche Ideologien vertreten. Falls dem so wäre, würde ich dort nicht mal den Hauch von etwas Gutem sehen. Menschenverachtende Ansichten halte ich für nicht tolerierbar.

    Zitat Zitat
    Es gehört zu diesen Themen eine gewisse Reife zu akzeptieren, dass man öffentlich nur anhand konkreter Gesichtspunkte wie z.B. Parteiprogramme diskutieren und argumentieren kann und dass antidemokratische Tendenzen innerhalb von Parteien leider wenn, dann sicher nicht über Punkteverbinder in Internetforen entlarvt werden
    Parteien halten sich nicht unbedingt an das, was in ihrem Parteiprogramm steht, und sie werden dort wie gesagt nichts reinschreiben, was sie auffällig kompromittiert. Das Parteiprogramm hilft uns nicht so wirklich weiter. Natürlich ist es nicht möglich, hier zu beweisen oder zu widerlegen, ob die AfD nach außen hin ein ziemlich asiges Bild vertritt, aber das ist auch nicht der Zweck einer Diskussion.

  12. #12
    Zitat Zitat
    Solche natürlich absurden Standpunkte würde ich aber nicht mit z. B. Rassismus auf eine Stufe stellen.
    Da muss man vorsichtig sein. Unter dem Begriff "Rassismus" wird heute alles zusammengefasst, was vom freundlichen Erkundigen über die Herkunft oder Wurzeln einer Person, die äußerlich nicht wie die Mehrheit der übrigen Bevölkerung aussieht, bis hin zum organisierten Genozid reicht. Überleg noch einmal, wozu Aussagen von AfD-Mitgliedern zählen und wo du sie in dieser Bandbreite von Facetten des Rassismus einordnen würdest und überlege dann bitte, ob mein Vergleich vielleicht doch passend sein könnte.

    Zitat Zitat
    Klar ist aber auch, dass wenn der Anteil der Migranten auffällig größer ist, es dafür einen Grund geben muss.
    Schon einmal gut, dass du zumindest die Existenz solcher Zahlen wahrnimmst und sogar wiedergibst. Wo vermutest du denn den Grund, wenn nicht Ethnie oder Kultur? Da bleibt wirklich nicht mehr viel übrig. Ethnie spielt selbstverständlich keine Rolle, aber dass es weltweit unterschiedliche Kulturen gibt, die unterschiedlich mit Kriminalität sowie aktiv als auch reaktiv umgehen, mag dir schon bewusst sein, oder? Du kannst natürlich Gründe wie finanzielle/gesellschaftliche Situation heranziehen, aber du wirst nicht drum rum kommen, die finanziellen Hintergründe im Kontext der jeweiligen Kultur zu sehen oder die Schuld auf Kultur einer anderen Ethnie zu schieben, was aber wiederum ein Grund ist, der die Kultur einer Ethnie, nur eben einer anderen zu Rate zieht.

    Warum beispielsweise sind die Vergewaltigungsraten in Schweden im Zuge der Migrationspolitik mit einem deutlich überproportionalen Anteil an Migranten als Tätern in die Höhe geschossen?

    Geändert von Itaju (16.09.2018 um 11:49 Uhr)

  13. #13
    @Itaju
    Die Aussagen, die in den Medien die Runde gemacht haben, gehen schon in Richtung "Menschen 2. Klasse" und speziell in Chemnitz soll die AfD ja sogar zusammen mit Pegida, einer offen fremdenfeindlichen Organisation, demonstriert haben.

    Zitat Zitat
    Wo vermutest du denn den Grund, wenn nicht Ethnie oder Kultur? Da bleibt wirklich nicht mehr viel übrig. Ethnie spielt selbstverständlich keine Rolle, aber dass es weltweit unterschiedliche Kulturen gibt, die unterschiedlich mit Kriminalität sowie aktiv als auch reaktiv umgehen, mag dir schon bewusst sein, oder?
    Ich hab in erster Linie an Diebstahl und Raub gedacht, die wohl so gut wie überall verpönt sind, aber du hast recht, es gibt sicherlich Straftaten, die in anderen Kulturen weniger streng verfolgt werden. Ich wollte aber nur darauf hinaus, dass die Menschen aus anderen Kulturen entgegen der Annahme der Rechtsextremen nicht alle von Natur aus kriminell sind. Natürlich lassen sich viele Straftaten auf die gesellschaftliche Situation zurückführen. Wenn jemand nicht gerade notorisch kriminell ist, dann sind die Lebensumstände für die Straftaten verantwortlich.

    Ich kenn die Zahlen nicht. Wie hoch ist der Anteil der Migranten denn? Dass unter Flüchtlingen und Migranten auch Kriminelle sind, steht außer Frage, aber falls der Anteil auffällig groß ist, müsste man schauen, woran es liegt. Ich hätte keine Antwort parat.

    Edit: Ich hab zum Thema einen Lagebericht des BKAs gefunden.

    Zitat Zitat
    Warum beispielsweise sind die Vergewaltigungsraten in Schweden im Zuge der Migrationspolitik mit einem deutlich überproportionalen Anteil an Migranten als Tätern in die Höhe geschossen?
    Das ist eine berechtigte Frage. Ich nehm an, dass du darauf hinaus willst, dass Menschen aus einer besonders patriarchalen Gesellschaft eher zur sexuellen Gewalt neigen und dass so mancher Aktivist auf diesem Auge blind ist (der Umstand wird sogar in der Szene selbst kritisiert). Ich kann den Vorwurf schon nachvollziehen.

    Geändert von Kelven (16.09.2018 um 17:41 Uhr)

  14. #14
    Zitat Zitat
    Pegida, einer offen fremdenfeindlichen Organisation
    Was verstehst du denn unter fremdenfeindlich?

  15. #15

    steadily ready to stab
    stars5

    Ey Paddy, echt nur rein aus Interesse: Wieviele Monate noch, bis du Verwendung von Hakenkreuzen mit "Uraltes Symbol was für Frieden und Sonne steht!!" rechtfertigst? Ahahaha wie tief bist du mittlerweile drin xD

    Geändert von WeTa (16.09.2018 um 17:44 Uhr)

  16. #16
    @KingPaddy
    Mindestens eine aggressive Ablehnung von in diesem Fall vor allem Ausländern.

  17. #17
    Ich möchte mal nen anderen interessanten Gedanken aufwerfen - vielleicht nich unbedingt auf Schweden bezogen (ich kenne mich mit der Lage dort nicht so aus): Aber bei Vergewaltigungen ist es doch auch oft so, dass die Opfer sich nicht trauen Anzeige zu erstatten. Ne am Ende herauskommende höhere Zahl könnte zum Teil auch auf sowas beruhen. Dass dann quasi nich wirklich mehr tatsächliche Vergewaltigungen passierten, sondern nur mehr Opfer daraus sich trauten Anzeige zu erstatten. (Wozu man animieren kann. Jeder sollte dazu bewegt werden Anzeige zu erstatten - das ist im Sinne alle ... außer vielleicht des Täters.)

    Dann kanns natürlich noch sein dass manchmal von Verurteilungen oder aufgeklärten Fällen usw. die Rede ist. Da muss man immer genau gucken auf was sich die Zahlen beziehen. (Selbst dann kann man oben angelangt sein bei der Sache dass öfter Anzeige erstattet wird.)

  18. #18
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    @KingPaddy
    Mindestens eine aggressive Ablehnung von in diesem Fall vor allem Ausländern.
    Werd mal bitte konkreter. Ich habe nämlich immer noch nicht das Gefühl, dass wir unter dem Begriff das gleiche verstehen. Wie verstehst du "Ablehnung"? Auch unabhängig vom Grund? Und was wäre im Fall von PEGIDA das Prädikat aggressiv?


    Zitat Zitat
    Ey Paddy, echt nur rein aus Interesse: Wieviele Monate noch, bis du Verwendung von Hakenkreuzen mit "Uraltes Symbol was für Frieden und Sonne steht!!" rechtfertigst?
    Ich hab in dem Thread noch gar nichts gerechtfertigt. Aber wie wäre es, wenn du zurück in den QFRAT gehst, wenn du hier nichts beizutragen hast, außer mir ans Bein pissen zu wollen.

    Wundert mich, dass du deinen Avatar ein so regressives, feudales Unterdrückungssymbol wie eine Samurai-Rüstung tragen lässt. Wäre ein Mao Anzug nicht viel passender gewesen, um deine Solidarität mit dem gesellschaftlichen Fortschritt auszudrücken?

  19. #19
    Zitat Zitat von Itaju Beitrag anzeigen
    Wo vermutest du denn den Grund, wenn nicht Ethnie oder Kultur? Da bleibt wirklich nicht mehr viel übrig. Ethnie spielt selbstverständlich keine Rolle, aber dass es weltweit unterschiedliche Kulturen gibt, die unterschiedlich mit Kriminalität sowie aktiv als auch reaktiv umgehen, mag dir schon bewusst sein, oder? Du kannst natürlich Gründe wie finanzielle/gesellschaftliche Situation heranziehen, aber du wirst nicht drum rum kommen, die finanziellen Hintergründe im Kontext der jeweiligen Kultur zu sehen oder die Schuld auf Kultur einer anderen Ethnie zu schieben, was aber wiederum ein Grund ist, der die Kultur einer Ethnie, nur eben einer anderen zu Rate zieht.
    This just in, Essentialisierungen sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Was denkste denn, warum die Leute herkommen? Nicht, weil es ihnen vorher inmitten von Bürgerkriegen, Sklavenhandel und Warlord-Regimes so gut ging. Vielleicht kann man irgendwo akzeptieren, dass viele dieser Menschen Dinge durchgemacht haben, die sie teilweise traumatisieren, teilweise radikalisieren mussten. Dass sie teilweise in Gesellschaften aufgewachsen sind, in der Gewalt nicht nur eine, sondern die einzige Lösung war. Dass viele von ihnen keinen moralischen Kompass haben, weil die gesellschaftliche Lage, aus der sie geflohen sind, sowas wie moralische Sicherheiten nicht mal ansatzweise bieten konnte. Dass viele tausende Kilometer Fluchtrouten hinter sich haben, auf denen genug Dinge passieren, die man nicht aussprechen muss. Dass viele von ihnen hier wochen- und monatelang in schlechten, engen und sozial zutiefst explosiven Bedingungen untergebracht waren, die psychisch Dinge mit einem anstellen können, dass man sie hier auch nicht aussprechen muss.

    Wir kennen solche Verhaltensweisen, wir haben Studien dazu finanziert, wir drehen sogar allerlei Filme über diese Verhaltensweisen und seit etwa 1870 haben wir ein großes Interesse an Menschen, die solche Verhaltensweisen zeigen. Das heißt: Wir kennen PTSD, Soldatenfieber, Gefängnistraumata, Verhaltenshospitalismus, Folgen physisch-psychischer Misshandlung, Folgen von sozialem Disenfranchisement, körperlich-seelische Verwaisung -- bei weißen Menschen, am liebsten männliche, weiße Amerikaner.

    Komisch, dass Kriegs-PTSD bis heute nicht mit "der" Ethnie und "der" Kultur der USA in Verbindung gebracht wird. Diese armen sensiblen Amis. Wenn in der Welt Krieg führen, kommen Tausendschaften von Soldaten mit harten Traumata zurück. Wenn Zivilisten in vor allem muslimisch und berberisch geprägten Gebieten Krieg erleben, liegt das an ihrer Ethnie und ihrer Kultur und wenn sie danach austicken wie ein waschechter US-Veteran, dann sind sie ethnisch und kulturell eben verdorben.

    Sucht nicht weiter, der Wurm sitzt in der Kulturethnie! Schade nur, dass wir jetzt alle Nazis sein müssen, weil essentialistisch argumentiert sind wir noch dieselbe Ethnie und Kultur, die damals den Holocaust verantwortet hat. Aber hey, wir sind zum Glück weiß. Irgendwer anders wird schon Schuld sein.

    Zitat Zitat
    Warum beispielsweise sind die Vergewaltigungsraten in Schweden im Zuge der Migrationspolitik mit einem deutlich überproportionalen Anteil an Migranten als Tätern in die Höhe geschossen?
    Weil die Schweden zwei Gesetzesänderungen in der Zeit angegangen sind, die die Melderaten überproportional in die Höhe getrieben hat und weil Menschen, die nach ethnischer Minderheit aussehen, statistisch überproportional häufiger gemeldet werden als Weiße, und weil Zuwanderer statistisch gesehen auf der unteren Mittelschwelle von Delikten (in Schweden ist heute, realiter und richtigerweise, in den schweren Tatbestand der Vergewaltigung eingebunden, was früher eher auf der Mittelschwelle angesiedelt war -- Verkehr ohne explizite Zustimmung und echte Gegenwehr zum Beispiel) immer überproportional häufiger vertreten sind (das galt übrigens schon immer; das galt auch auf die jüdische Diaspora mindestens vom Mittelalter bis heute, das galt auch für begrenzte Zeiträume für Migranten aus fernasiatischen Räumen, das galt wahrscheinlich schon für die polnische Migration im Zuge der Industrialisierung), weil sich dort Tatdelikte häufen, die sehr viel mit Sittenrecht zu tun haben (das entschuldigt absolut nichts, es erklärt nur etwas).

    Und ja, weil viele dieser Männer mit einem Frauenbild großgeworden sind, das sie eher zu Vergewaltigern eignet. Wenn du dir die Statistiken, die es gibt, genau anschaust, wirst du feststellen, dass es massive Unterschiede nach Art der Delikte gibt, und wenn diese Statistiken in Herkunftsland/-region aufschlüsseln, wirst du feststellen, dass es je nach Delikt unterschiedliche Präferenzen per Herkunftsland/-region gibt. Und das nicht, weil Gambianer und Guineaner in Deutschland halt einfach kulturell und ethnisch bedingt zu Rauschgiftdelikten neigen, sondern weil sie auffallend häufiger in Strukturverbünde geraten, die ihnen die Ressourcen und die Not dazu gibt. Somalianer und Serben sind nicht von Haus aus Fälscher, sondern sie geraten auffallend häufiger in Strukturverbünde, die ihnen die Ressourcen und die Not dazu geben. Georgier und Armenier stehlen am häufigsten. Afghanen gehen am häufigsten gegen die persönliche Freiheit vor. Komischerweise sind in Deutschland gerade die Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung absolut keiner Ethnie zuzuordnen: bei 75% aller Fälschungsdelikte wurden Georgier tatverdächtig (Gesamtanteil Zuwanderer: 11%); bei 6% aller Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden Afghanen tatverdächtig (Gesamtanteil Zuwanderer: 12%). Scheint kulturell und ethnisch ganz schön verbreitet zu sein, diese sexuellen Straftaten. Bei Deutschen in Deutschland ganz besonders: bei 88% aller Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung werden Deutsche tatverdächtig (Gesamtanteil Deutsche: 88%).


    Ist aber bestimmt in Schweden alles ganz anders. Ist ja auch kulturell und ethnisch n ganz anderer Zusammenhang in Schweden.

  20. #20
    @KingPaddy
    Der Begriff ist ja auch nicht so wichtig. Da sind Leute, die mögen keine Ausländer (hier ursprünglich mit dem Schwerpunkt Moslems), manche wollen "nur", dass möglichst wenige in ihrer Nähe leben und andere verachten sie sogar regelrecht und wollen sie ganz loswerden. Das tun sie aggressiv kund, indem sie weniger nette Dinge über die Ausländer sagen bis im Extremfall zum klassischen "Ausländer raus". Das macht sicher nicht jeder von der Pegida, aber genug, um zu sagen: Das ist das öffentliches Bild.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •