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Thema: Rants zu Politik & Co – Dampf bitte hier ablassen!

  1. #41
    Die nächste Frage, die es zu klären gilt, wäre einfach die, wie stinkreiche Menschen, die in Deutschland an der Spitze der Politik sitzen, zukünftig beurteilen können sollen, wie es den Ärmsten im Land geht. Ich meine: Sie denken zwar, dass sie es könnten. Faktisch leben sie aber in ihrer Blase aus Bundestagsdiäten und Ministergehältern und haben nicht die geringste Ahnung, wie es ist, mit Hartz IV klarkommen zu müssen. Das sieht man ja an Spahns weltfremden Äußerungen mehr als gut. Also, wie machen wir es, dass die herrschenden Millionäre dieser Welt, die uns regieren, den Blick für uns Normalsterbliche nicht verlieren? Das wäre mal eine Frage, über die es sich zu debattieren lohnen würde. Aber wie soll das fruchten, wenn dann wieder nur stinkreiche Menschen allein untereinander debattieren? Das ist wie wenn Männer darüber entscheiden, wie sich Frauen in der deutschen Gesellschaft fühlen. Und darüber reden. Mit Männern.

  2. #42
    Einwurf: Merz hat das Geld aber nicht in der Politik verdient, sondern in der Wirtschaft. Halte ich hier für eine wichtige Unterscheidung, der Mann ist schon eine ganze Weile kein Politiker mehr.

  3. #43
    Zitat Zitat von BDraw Beitrag anzeigen
    Einwurf: Merz hat das Geld aber nicht in der Politik verdient, sondern in der Wirtschaft. Halte ich hier für eine wichtige Unterscheidung, der Mann ist schon eine ganze Weile kein Politiker mehr.
    Macht doch so gesehen keinen Unterschied wo er das Geld verdient hat. Es ist ja auch erstmal gar nicht verwerflich, ob er Millionen auf dem Konto hat. So oder so stellt sich die Frage, ob er den Normalbürger repräsentieren kann. Nach seinen Aussagen darf zumindest daran gezweifelt werden.

  4. #44
    Zitat Zitat von Eisbaer Beitrag anzeigen
    Macht doch so gesehen keinen Unterschied wo er das Geld verdient hat. Es ist ja auch erstmal gar nicht verwerflich, ob er Millionen auf dem Konto hat. So oder so stellt sich die Frage, ob er den Normalbürger repräsentieren kann. Nach seinen Aussagen darf zumindest daran gezweifelt werden.
    Das bringt alles, was ich aussagen wollte, ziemlich präzise auf den Punkt.

  5. #45
    Zitat Zitat von Eisbaer Beitrag anzeigen
    Macht doch so gesehen keinen Unterschied wo er das Geld verdient hat. Es ist ja auch erstmal gar nicht verwerflich, ob er Millionen auf dem Konto hat. So oder so stellt sich die Frage, ob er den Normalbürger repräsentieren kann. Nach seinen Aussagen darf zumindest daran gezweifelt werden.
    Es macht insofern einen Unterschied, als dass Ken Merz mit Spahn und Co verglichen hat. Wenn wir von Politikergehältern bzw. der finanziellen Situation von Spitzenpolitikern reden, halte ich es für irreführend, da Merz in einem Atemzug zu nennen (bzw. umgekehrt). Ein Jens Spahn oder von mir aus sogar eine Andrea Nahles oder Angela Merkel werden nicht schlecht verdienen - was auch gut so ist, meine Meinung nach - aber das sind bei weitem keine Dimensionen wie bei Merz.

    Dein Fazit dazu würde ich dnenoch natürlich unterschreiben und ist ja genau das, was bspw. Clinton in Amerika sehr auf die Füße gefallen ist.

  6. #46
    Zitat Zitat von BDraw Beitrag anzeigen
    Es macht insofern einen Unterschied, als dass Ken Merz mit Spahn und Co verglichen hat. Wenn wir von Politikergehältern bzw. der finanziellen Situation von Spitzenpolitikern reden, halte ich es für irreführend, da Merz in einem Atemzug zu nennen (bzw. umgekehrt). Ein Jens Spahn oder von mir aus sogar eine Andrea Nahles oder Angela Merkel werden nicht schlecht verdienen - was auch gut so ist, meine Meinung nach - aber das sind bei weitem keine Dimensionen wie bei Merz.
    Sich mit einer Millionen Euro Jahresgehalt als Teil der Mittelschicht zu bezeichnen ist genauso verwerflich wie zu behaupten, man könne von Hartz IV problemlos leben. Insofern war Spahn ein gutes Beispiel, da er ebenso "den Blick nach unten" verloren hat. Es ging mir gar nicht so sehr darum, wie viel Geld die beiden nun tatsächlich verdienen, und wer nun mehr hat als der andere, sondern darum, dass die Reichen einfach keine Ahnung davon haben, wie viel Kohle ein Normalsterblicher in Deutschland zur Verfügung hat.

  7. #47
    Gerade diesen Post gelesen: https://diekolumnisten.de/2018/12/28...land-verrecke/

    ... Und ziemlich doof gefunden. Ich hab was drauf geantwortet, aber wer weiß ob das dort gelöscht wird oder was auch immer, also poste ich es auch mal hier. Auch damit ich es für mich selbst zum weiter drüber Nachdenken habe.

    Zitat Zitat
    Mal eine andere Meinung. Also keine rechte, keine linke, sondern eine tatsächlich mittige, zumindest bei diesem Thema:

    Der Bezug zum Denkmal ist klar erkenntlich bei der zitierten Stelle im Lied, bei "Deutschland verrecke" aber schon im Lied selbst nicht mehr. Das Lied von Slime ist hier meiner Meinung nach keine direkte Kritik an dem Denkmal selbst, sondern an einem Deutschland, das diese Nazi-Vergangenheit hat und das auch immer noch mit dieser zu kämpfen hat. Das finde ich vollkommen in Ordnung. Ich finde auch "Deutschland verrecke" als Refrain für ein überspitztes Punklied vollkommen in Ordnung.

    Aber deine Argumentation baut stark darauf auf, dass der Spruch "Deutschland verrecke" diesen Bezug zu diesem Denkmal hat, und ich sehe selbst in dem zitierten Lied einfach keinen solchen Bezug - bis darauf, dass der Spruch auf dem Denkmal als Aufhänger genommen wird. Aber das Lied geht nicht um Statuen in Hamburg, sondern um ein Deutschland, das man als Individuum nicht akzeptieren kann/will.
    Und das ist total legitim, aber es ist halt auch nur eine politische Meinung. Und es ist eine, die zu komplex ist, um sie in eine aus dem Kontext gerissene Phrase quetschen zu können.

    Was Leute an "Deutschland verrecke" stört ist, dass es extrem, alternativlos und arrogant klingt. Warum nicht "Deutschland werde besser als du es warst"? Dass das als Spruch nichts taugt, ist mir klar, aber als Idee ist es um ein Vielfaches interessanter für mich. Denn das Ding ist, dass du mit "Deutschland verrecke" niemanden überzeugst. Und du lieferst auch keine Vorschläge, was nach dem Verrecken passieren soll. Du hast eine schöne Referenz, die den Spruch historisch verortet und die zeigt, dass er nicht ganz intellektuell wertlos ist, aber niemand kennt die Referenz und selbst wenn, bietet auch die eben keine Lösung an.

    Also was soll das Ganze? In meinen Augen ist der Spruch als solcher (und nicht als Liedtext, das ist was anderes) kindisch, weil er nicht an demokratischem politischen Diskurs interessiert zu sein scheint. Und weil er jeden, der gegen ihn ist, in eine Feindbild-Ecke stellt. Das ist ja auch hier im Artikel passiert, wo diese Leute zuerst als Konservative, dann als Spießbürger, im Subtext aber ziemlich eindeutig als fast-schon-AfD-Wähler bezeichnet werden. Denen unterstellt wird, dass sie Slime wahrscheinlich auch nicht mögen und dass sie generell linke Politik und Antifaschisten kritisch sehen.

    Und diese Schuhe lass ich mir nicht anziehen. Der Spruch ist doof und kindisch, weil er keine Lösung anbietet. Er ist viel weniger in seinem historischen Kontext verwurzelt, als du einem hier weismachen willst - auch wenn ich dir diesen Kontext total abnehme. Und er ist aber auch einfach nicht kohärent, selbst wenn der historische Bezug stärker wäre. Welches Deutschland soll verrecken? Das Deutschland, das wohl die linkeste christlich-konservative Partei der Welt hat (so links, dass den Mitgliedern schon mulmig wird)? Das Deutschland, dass die Homoehe und Flüchtlinge mit Jubel begrüßt hat? Das Deutschland, das weltweit als Vorbild in Vergangenheitsbewältigung gesehen wird? Das Deutschland, das ein Sozialstaat ist, der zumindest versucht auch Behinderten so gut es geht zu helfen, öffentliche Gebäude zugänglich zu machen, Diskriminierung gegen sie und überhaupt gegen Minderheiten am Arbeitsplatz zu verhindern?

    Dass das alles nicht ideal läuft, ist klar. Aber "Deutschland verrecke" ist nicht die logische, komplexe Antwort, die ich von den Linken brauche und hören will.

    Denn ich brauche in diesem Land gute, durchdachte linke Politik. Keine beschissenen Parolen mit Bezug zu einer Statue in Hamburg, keine Parolen die nur dazu dienen Nazis zu ärgern. Nein. Die in der eigenen Vergangenheit gefangene, radikale, arrogante Linke muss sterben, damit die moderne Linke, die tatsächlich was erreichen könnte in diesem Land, leben kann.

    Kurz gesagt: Antideutschland verrecke!

  8. #48
    "Deutschland verrecke" hat höchstens in umdeutenden inneren Kreisen etwas mit dem Dammtor-Denkmal zu tun. Vielleicht fragt sich jene "Linke" mal, was es bedeutet, erst mühsam ein vergessenes Nazi-Denkmal hervorkramen zu müssen, um die eigenen blödsinnigen Skandierungen zu rechtfertigen. Ich bin bereit zu schätzen, dass es diese umdeutenden inneren Kreise gibt, die sich der Phrase bemächtigen, um die andere Phrase zu bekämpfen. Deutschland ist dennoch nichts das lebt oder stirbt, es ist eine Idee, eine überzeitliche Schönheit, die nicht halt macht vor unseren geliebten Mitmenschen, sondern sie alle über alle Maßen liebt als Idee, in ihrer Würde als Menschen und BürgerInnen. "Deutschland verrecke" ist eine dumme Parole, nicht (nur) weil sie stets kontextlos skandiert wird, sondern weil sie nicht versteht und nie verstehen kann, was die Deutsche Idee ist: Liebe. "Deutschland verrecke" meint auch im umdeutend versuchten Anschlag an das Dammtor-Denkmal den Tod einer Deutschen, liebevollen Idee. Weil die Gewalt, die die Instrumentalisierung der Faschisten ausübt, nicht erlischt, wenn man ihre gewaltsamen Mittel einfach weiter benützt.

    Ich will deshalb Danke sagen für deinen ungewaltsamen, klugen Kommentar zu dieser undeutschen Phrase, mehr mittig als links oder konservativ. Undeutsch ist die Phrase, weil sie Vernichtung androht. Das tut sie, peu ou prou, egal, wie man sie umdeutend rekontextualisieren will. Wir werden in der Welt beklatscht, weil wir das nicht mehr tun: Vernichtung androhen. Und Deutsche sollten getrost mitklatschen. Die Deutsche Idee muss leben, weil sie Leben und Würde bedeutet: Niemand mehr muss je für sie sterben. Und das ist die Botschaft unserer Bundesrepublik. Nicht die der Faschisten oder der Anarchisten; denn ja, auf dieser Seite der Geschichte sind die "Linken", die ein Verrecken wünschen, nur das, Anarchisten. Die Deutsche Idee ist eine Ordnung, die Menschenwürde verspricht. Sie verrecke nie, deshalb.

    Und wir tun auch dann verdammt gut daran, uns an dem Verreckenswunsch zu stören, wenn wir mit der eher linkeren Position liebäugeln; wenn wir gern glauben würden, dass da vernünftige Menschen vernünftige Parolen skandieren (was sie nicht tun, weil diese Parole nicht vernünftig ist). Deutsche, besonders linke Deutsche, wünschen niemandem den Tod; selbst den Ideen nicht, besonders nicht den Ideen von solch Schönheit einer Deutschen Idee, die am Dammtor, ja, verraten und entehrt wird, von Faschos. Wir wünschen nicht den Opfern solch blinder Inszenierung den Tod, sondern wir wünschen ihnen die Genesung. Deutschland genese. An guten Demokraten genesen Ideen und Gesellschaften ja am schnellsten. Danke deshalb, wenn man den Verreckenswunsch ziemlich doof findet. Er ist unsäglich doof. Er ist so unsäglich doof ...

    Geändert von Mordechaj (31.12.2018 um 03:59 Uhr)

  9. #49
    Danke für die Unterstützung!
    So ähnlich sehe ich das auch. Weiß nicht inwiefern Deutschland für Liebe steht, weil mir Deutschland dafür dann doch irgendwie zu viel Geschichte einerseits und zu viel Sozialabbau andererseits hat, aber das ist wahrscheinlich ein anderes Thema.

    Der Kommentar wurde jedenfalls angenommen, aber der Schreiber scheint leider nicht wirklich an Selbstkritik interessiert zu sein und hat zwar geantwortet, ist aber nicht auf die Frage eingegangen, inwiefern der Spruch denn irgendwie zielführend sein soll, sondern hat sich in etwas Anderes festgebissen.

  10. #50
    Schade, dass deine guten Beiträge so "verschwendet" wirken. Anhand der Kommentare kann man ganz gut sehen, dass Herr Groeger kein guter Gesprächspartner ist.
    Bleibt zu hoffen, dass die (stillen) Mitleser aber etwas von deinen beiden Beiträgen haben Schattenläufer.

    Ich fand insbesondere den zweiten sehr gut geschrieben. Beim ersten Kommentar hatte ich aufgrund deiner letzten Zeilen aber schon damit gerechnet, dass Herr Groeger sehr unangebracht (nennen wir es mal höflich ausfallend) auf deinen Beitrag antworten wird.

  11. #51
    Ich würd nicht so viel auf Internetdiskussionen geben. Schon gar nicht irgendwo, wo jeder geschützt durch die Anonymität den größten Kauderwelsch von sich geben kann. Du kannst noch so gut Schach spielen. Wenn du gegen einen Affen spielst, wird er einfach alle Figuren umwerfen und herumstolzieren, als hätte er gewonnen. Nutz deine Zeit besser als Perlen vor die Säue zu werfen.

  12. #52
    Find ich auch sehr witzig, wie man scheinbar gezielt nach etwas suchte, um diese Parole zu rechtfertigen. (Die sicherlich zuerst einfach aus irgendwelchen andenr Gründen gewählt wurde - vermutlich weil man den Staat gern komplett zerschlagen sehen würde - Anarchismus halt.) Es wird zwar auch eine andere kritisierende Wortwahl noch zitiert - aber die ist ja gemäßigter und hat auch dann tatsächlich Bezug zum Denkmal. Dass Linke mit dem "verrecken" den puren Anarchismus wollen (die sind ja auch gegen Polizei und so) - ist nicht zu verkennen. Bisschen doof, wenn grad dann die Minderheiten eigentlich noch mehr leiden. (Was manche Linke aber nicht wahrhaben wollen.)

    Außerdem gilt natürlich noch, dass die "Einzelteile" Deutschland ausmachen. Also die Bevölkerung, die hier lebt, aus deren Reihen sich Poliltiker rekrutieren. Führungskräfte in Firmen. Etc. Das was "oben" ist kommt ja nich plötzlich irgendwo vom Himmel hergeflogen. Das werden selbst die Soldaten, die kriegerisch sich motivierten - in der Vergangenheit - so ähnlich gesehen haben, zumindest zum Teil. Im klassichen Familienbild ist ja auch noch ne Frau zu Hause die weiter den Nachwuchs aufzieht, etc. Also dass die auch nur pur an die Institution dachten (und an den Führer) - wage ich zu bezweifeln. Damit allein kriegt man keine Leute dazu sinnlos in den Tod zu rennen, auch wenn schon alles verloren ist.

    Also wer "Deutschland verrecke" sagt - ohne genau zu definieren, welche bestimmten Teile der Politik ihm nich passen - der möchte, dass die Bevölkerung die hier lebt (Mehrheiten und auch Minderheiten) durchgängig ausstirbt.

  13. #53
    Zitat Zitat von Schattenläufer Beitrag anzeigen
    Weiß nicht inwiefern Deutschland für Liebe steht, weil mir Deutschland dafür dann doch irgendwie zu viel Geschichte einerseits und zu viel Sozialabbau andererseits hat, aber das ist wahrscheinlich ein anderes Thema.
    Es ist tatsächlich ein ganz anderes Thema, so viel aber möglichst kurz (ihr kennt mich) noch beigemengt: Das ist natürlich eine Form der pathetischen Überhöhung. Allerdings ist die Deutsche Idee, die die Bundesrepublik realiter einlöst, eine, der man ein Liebeskonzept auf den Leib geschrieben hat; vorwiegend im Deutschen Idealismus im Zuge des Nationenprojekts, aber auch maßgeblich in und zwischen den beiden Republiken. Dieses Liebeskonzept ist am besten mit Schlegel paraphrasiert: Es kann nur der lieben, der die ganze Welt mitliebt. Oder, politischer, mit Heine: Vaterlandsliebe kann nicht Nationalismus sein, weil wir annehmen müssen, dass der Franzose (Idealisten-shorthand für: halt alle anderen) sein Land genauso liebt, und uns das nicht egal sein kann. Die Idee von Deutschland ist die einer Außenliebe zum Zwecke der Eigenliebe. Eine Idee übrigens, die im Mittelteil der Neujahrsansprache der Kanzlerin enthalten war (die Frau hat schon echt verdammt geniale Reden). Eine Idee übrigens, die Art. 1 GG mitbegründet hat.

    Was aber mein eigentlicher Punkt mit dieser pathetischen Überhöhung ist, ist dieser: Das "Deutschland verrecke" richtet sich gegen die wahnsinnige Deutsche Reichsidee. Nur im Reich können Bürger sterben, damit das Reich bestehe; in einer Republik ist so ein Reden undenkbar. Die wahnsinnige Reichsidee ist wohl oder übel Teil unserer Geschichte und unserer Gesellschaft bis heute. Aber als Gesellschaft, gerade eine, die das Dritte Reich und die sozialistische Diktatur zu beerben hatte, wählen wir selbst, welche Idee unsere Nation ausmacht. Ist es das Reich, dann hat der Groeger recht, dann ist "Deutschland verrecke" historisch zielgenau geframed und eine dem Kampfziel angemessene Parole. Ist es die geeinte, gerechte, freiheitliche Republik, darf man die Frage stellen, ob solche Anfeindungen nicht vielleicht den Kern unseres Zusammenlebens angreifen, gerade weil sie unterstellen, unser Deutschland wäre das von so nem popelig-Kotzebue'schen Soldatendichter von anno dünnemal, den die Faschos hochgehalten haben, weil die gute Dichtung ja leider schon verzündelt worden war.

    Das Liebeskonzept der Idealisten war in diesem Land nie ein gelebtes; die Deutsche Idee hat mitbefördert, was du ganz richtig als zu viel Geschichte und zu viel Sozialabbau ansprichst -- neben zahlreichem anderen. Aber es war Rahmen genug für die Schönheit der Paulskirchenverfassung, für den demokratischen Mut der Weimarer Verfassung und für die liebevolle Weisheit des Grundgesetzes. Wer nach spätestens 1990 grölt "Deutschland verrecke", der meint von mir aus die wahnsinnige Idee eines deutschen Reiches, das seine Bürger verfeuert wie bedichtetes Papier. Verstanden wird er/sie als jemand, der weder mit Geschichte noch mit Sozialabbau noch mit all den vielen, vielen anderen Problemen, die die Kleingeistigkeit und der Hass in diesem Land anrichten, umzugehen gedenkt (wie du sagst: kein erkennbares Interesse an gutem Diskurs); verstanden wird er/sie als jemand, der unsere verfassten Ordnung als geeinte, gerechte und freiheitliche Republik missbilligt.

    Und welch Scheuklappen solche Geister sich auferlegen müssen, um sich noch für vernünftig zu halten, beweist der Groeger in seinen dreisten und blasierten Antworten auf deinen Kommentar doch immerhin sehr deutlich. Du alter Nazikunst-Banause.

    Geändert von Mordechaj (01.01.2019 um 04:22 Uhr)

  14. #54
    Zitat Zitat von Mordechaj Beitrag anzeigen
    Es ist tatsächlich ein ganz anderes Thema, so viel aber möglichst kurz (ihr kennt mich) noch beigemengt: Das ist natürlich eine Form der pathetischen Überhöhung. Allerdings ist die Deutsche Idee, die die Bundesrepublik realiter einlöst, eine, der man ein Liebeskonzept auf den Leib geschrieben hat; vorwiegend im Deutschen Idealismus im Zuge des Nationenprojekts, aber auch maßgeblich in und zwischen den beiden Republiken. Dieses Liebeskonzept ist am besten mit Schlegel paraphrasiert: Es kann nur der lieben, der die ganze Welt mitliebt. Oder, politischer, mit Heine: Vaterlandsliebe kann nicht Nationalismus sein, weil wir annehmen müssen, dass der Franzose (Idealisten-shorthand für: halt alle anderen) sein Land genauso liebt, und uns das nicht egal sein kann. Die Idee von Deutschland ist die einer Außenliebe zum Zwecke der Eigenliebe. Eine Idee übrigens, die im Mittelteil der Neujahrsansprache der Kanzlerin enthalten war (die Frau hat schon echt verdammt geniale Reden). Eine Idee übrigens, die Art. 1 GG mitbegründet hat.

    Was aber mein eigentlicher Punkt mit dieser pathetischen Überhöhung ist, ist dieser: Das "Deutschland verrecke" richtet sich gegen die wahnsinnige Deutsche Reichsidee. Nur im Reich können Bürger sterben, damit das Reich bestehe; in einer Republik ist so ein Reden undenkbar. Die wahnsinnige Reichsidee ist wohl oder übel Teil unserer Geschichte und unserer Gesellschaft bis heute. Aber als Gesellschaft, gerade eine, die das Dritte Reich und die sozialistische Diktatur zu beerben hatte, wählen wir selbst, welche Idee unsere Nation ausmacht. Ist es das Reich, dann hat der Groeger recht, dann ist "Deutschland verrecke" historisch zielgenau geframed und eine dem Kampfziel angemessene Parole. Ist es die geeinte, gerechte, freiheitliche Republik, darf man die Frage stellen, ob solche Anfeindungen nicht vielleicht den Kern unseres Zusammenlebens angreifen, gerade weil sie unterstellen, unser Deutschland wäre das von so nem popelig-Kotzebue'schen Soldatendichter von anno dünnemal, den die Faschos hochgehalten haben, weil die gute Dichtung ja leider schon verzündelt worden war.

    Das Liebeskonzept der Idealisten war in diesem Land nie ein gelebtes; die Deutsche Idee hat mitbefördert, was du ganz richtig als zu viel Geschichte und zu viel Sozialabbau ansprichst -- neben zahlreichem anderen. Aber es war Rahmen genug für die Schönheit der Paulskirchenverfassung, für den demokratischen Mut der Weimarer Verfassung und für die liebevolle Weisheit des Grundgesetzes. Wer nach spätestens 1990 grölt "Deutschland verrecke", der meint von mir aus die wahnsinnige Idee eines deutschen Reiches, das seine Bürger verfeuert wie bedichtetes Papier. Verstanden wird er/sie als jemand, der weder mit Geschichte noch mit Sozialabbau noch mit all den vielen, vielen anderen Problemen, die die Kleingeistigkeit und der Hass in diesem Land anrichten, umzugehen gedenkt (wie du sagst: kein erkennbares Interesse an gutem Diskurs); verstanden wird er/sie als jemand, der unsere verfassten Ordnung als geeinte, gerechte und freiheitliche Republik missbilligt.

    Und welch Scheuklappen solche Geister sich auferlegen müssen, um sich noch für vernünftig zu halten, beweist der Groeger in seinen dreisten und blasierten Antworten auf deinen Kommentar doch immerhin sehr deutlich. Du alter Nazikunst-Banause.
    Das neue Jahr ist kaum angebrochen und doch hat dieser Beitrag ernsthafte Chancen für den Beitrag des Jahres 2019. Nagel auf den Kopf, 100 Punkte. Schluss. Aus. Nikolaus.

  15. #55
    Was mich mit zarten 16 an "Deutschland verrecke!" angesprochen hat, ist eher die Wirkung als der Inhalt oder die Implikationen: Der Spruch lebt (natürlich) von der Empörung, die er provoziert, und die zur Schau stellt, wie selbstverständlich der Respekt für etwas so Abstraktes wie ein Land (und eine Kultur) doch genommen wird. Und auf der anderen Seite macht der Benutzende sehr klar deutlich, dass man diese Selbstverständlichkeit nicht hinnimmt und sich im Gegensatz dazu völlig querstellt, also eine reine Identitätssache.

    Heute denke ich nicht nur, dass Dinge wie Länder und Kulturen (und ihre Werte) nicht nur verdammt viele Skalen und Graustufen umfassen, sondern dass auch Unbewusstes und Abstraktes einen Wert haben kann. Und dass Identität nicht alles ist. Aber ich würde weiterhin sagen, dass "Deutschland verrecke!" ein guter Slogan ist, um mit 16 langsam dahinterzukommen, dass die Welt nicht so einfach durchschaubar ist, wie man gedacht hat. Gibt es aber auch viele andere Slogans für, die ich heute ähnlich wenig ernst nehmen würde ... Den Slogan mit irgendeinem Hintergrund erklären zu wollen, ist aber so oder so albern. Ich war Slime-Fan und hatte noch nie was von diesem Hintergrund gehört. Fand ihn auch so gut.

  16. #56
    Ich war kurz davor einen der Öko-Threads zuzumüllen, aber es muss mal gesagt werden, wie verlogen die Bestseller-Autorin (und damit vermutlich nicht schlecht finanziell abgesorgt) Charlotte Roche in der Öffentlichkeit auftritt.

    Erst einmal ganz breitbeinig in einer Talkshow auftreten und gegen Klimasünder wetter und dann noch verlangen, dass Fliegen teurer wird:

    https://youtu.be/XpUsGueaBzE?t=1111

    Und ein Blick auf Instagram verrät, dass sie nicht nur einmal im Jahr nach Mallorca fliegt, sondern gerne pro Monat einen anderen Kontinenten besucht.

    https://www.instagram.com/chailatte_roche/?hl=de

    Warum gibt man der so eine Bühne ohne Contra zu geben? Sie gehört damit sicherlich zu den obersten 0,1% der Klimasünder dieses Planeten und darf dann noch ohne Widerspruch in Sendung und Medien so einen Müll verbreiten...

  17. #57
    Meinst du nicht, sie würde weniger fliegen, wenn die Preise teurer würden?

  18. #58
    Zitat Zitat von Narcissu Beitrag anzeigen
    Meinst du nicht, sie würde weniger fliegen, wenn die Preise teurer würden?
    Dude, klar, wenn sie für einen Flug nach Mallorca einen neuen Bestseller schreiben müsste. Irgendwo gibt es eine Grenze, wo es einfach nicht bezahlbar ist. Aber eine Person des öffentlichen Lebens, die sich hinstellt und meint, wir müssen alle verzichten und alle ein bisschen weniger von allem haben, klingt nicht nach radikalem Verzicht in der Vorbereitung.
    Es sind von der Frau mehrere interkontinentale Flüge allein in den letzten paar Monaten dokumentiert. Klar, wenn sie in Zukunft nur noch 28 statt 30 mal im Jahr fliegt, ist das schon eine Reduzierung, aber nichts weswegen man sich aus dem Fenster lehnen würde. Momentan scheint sie mehr so das Modell zu fahren: ich flieg, solange es noch möglich ist.

    Auf ihrem Instagram-Account deutet sie übrigens an, brav für Atmosphair zu bezahlen und fühlt sich ganz stark dabei. In etwa so, wie dem Opfer, das man vergewaltigt hat, danach die Therapie zu zahlen, damit man aus dem moalischen Schneider ist.

  19. #59
    Itaju, ich bin in diesem Fall ziemlich deiner Meinung. Aber fallen dir vielleicht weniger beschissene Vergleiche ein, um deinen Punkt rüberzubringen? Übertreiben ist voll okay, aber das muss doch nun wirklich nicht sein ...

  20. #60
    Ist quasi wie die Bosse aus den linken Parteien mit dicken Karren. (Sind/warn Wagenknecht und Lafontaine nicht auch so Leute die gern im Luxus leben, obwohl sie die ärmeren Schichten angeblich vertreten wollen. Selber mehr sich davon wegversteuern lassen würd ihnen sicher auch nich gefallen.)
    Das Problem ist, dass am Ende Zeug für den "Normalbürger" unbezahlbar wird, der Reiche (und die Politiker, die Umweltschutz fordern - und sich trotzdem teurere Sachen leisten können) aber weiter sehr viel mehr als andere davon konsumieren kann. Der Normalbürger irgendwann komplett verzichten muss.

    Dabei sollten erst mal die, die sowieso schon mehr als andere "das Klima verkonsumieren" sich einschränken. Ne Höchstgrenze fix oder ab bestimmter Anzahl von Flügen jeder weitere Flug ne Million - das wär doch geil. Dann wärs drunter billig aber die, die viel rumfliegen müssten mal einsparn.

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