Bald sind 20 Jahre vergangen, seit Oblivion veröffentlicht wurde. Das ist eine sehr lange Zeit, und ich wollte schon länger eine Art Rückschau schreiben. Eine Sache, die mir dabei in den Sinn kam, war, über das Spiel Oblivion zu schreiben. Allerdings glaube ich, dass das andere besser können. Und sowohl über HDR und Horse Armor ist schon genug geschrieben wurden. Daher möchte ich stattdessen eine persönliche Reise, eine persönliche Geschichte schildern.

Vor 20 Jahren lebte ich in in mehrfacher Hinsicht in einer ganz andere Welt. Ich war Anfang 20, inzwischen bin ich Anfang 40. Ich war noch am Studieren, hatte deutlich weniger Verpflichtungen und entsprechend mehr Zeit. Dadurch konnte ich mich auch viel intensiver mit PlugIns und Modding beschäftigen, als ich es heute könnte.

Was vielleicht noch wichtiger war: Die Welt fühlte sich damals insgesamt optimistischer an. Ironischerweise spiegelt sich das sogar in den Farben von Oblivion wider. Wenn ich bedenke, welche Entwicklungen es in den letzten 20 Jahren gab, international, dann ist es bemerkenswert, sich klarzumachen, dass Oblivion in einer völlig anderen Zeit erschien. Ohne Smartphones. Als das Internet noch aus Foren und unzähligen Websites, statt Social Media und AI, bestand.

Ich möchte mich jedoch nicht in zeitgenössischen Entwicklungen verlieren, sondern meine persönliche Reise schildern.

Oblivion war damals nicht nur lang herbeigesehnt. Wir hatten sogar eine Webseite dazu, die recht erfolgreich war. Ich habe selbst einige PlugIns erstellt, wir haben Nachrichten verfolgt und uns intensiv mit dem Spiel beschäftigt. Sicherlich passiert so etwas auch heute noch, nur eben in anderer Form.

Meine Reise mit Oblivion sah in den Jahren (ab ca. 2007) danach so aus, dass es ein wenig dem entsprach, was man heute vielleicht als Comfort Binging bezeichnen würde. Wenn ich gestresst oder mit der nächsten Lebenskrise beschäftigt war, war Oblivion oft das Spiel, zu dem ich zurückkehrte. Es fühlte sich vertraut an, fast wie ein Teil der eigenen Geschichte. Heimat wäre ein zu großes Wort, nennen wir es virtuelles Stück Vertrautheit.

Das lag nicht daran, dass Oblivion das beste Spiel aller Zeiten gewesen wäre, das war es sicherlich nicht. Sondern daran, dass es in meinem Leben genau zur richtigen Zeit erschien und dadurch diese besondere Wirkung entfalten konnte.

Gleichzeitig führt mir Oblivion auch vor Augen, an welchen Punkten meines Lebens ich Entscheidungen getroffen habe, die unbeabsichtigte Folgen hatten. Was meine ich damit? Nun, das wird etwas komplexer.

2008, pünktlich zur Subprime Krise, war ich mit dem Studium fertig und fand zunächst nur Teilzeitstellen. Finanziell war das trotzdem ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zum Studium, also durchaus positiv. Gleichzeitig hatte ich dadurch noch die Zeit, mich intensiv mit dem Modding zu beschäftigen und mich in der Community zu engagieren, sowohl in den frühen Jahren von Oblivion als auch ungefähr bis 2011.

Das änderte sich jedoch nach und nach, weil meine freie Zeit immer knapper wurde. Berufliche Qualifikationen, Weiterbildungen und viele andere Themen rückten immer stärker in den Vordergrund. Rückblickend waren diese Dinge irgendwie wichtig, aber sie führten dazu, dass ich mich zunehmend aus der aktiven Community zurückzog. Und auch privat vieles auf der Strecke blieb.

Die ersten Jahre mit Oblivion waren für mich die intensivste Phase. Ich habe viele großartige Menschen kennengelernt. Einige davon kannte ich bereits aus den Zeiten von Morrowind, also seit etwa 2002. Es war eine wirklich besondere Zeit.

Wenn man auf einen so langen Zeitraum zurückblickt, wird einem aber auch bewusst, wie viel sich verändert hat. Manche Menschen sind ausgewandert, mit anderen ist der Kontakt abgebrochen. Einige aus dem Modding Umfeld sind heute gar nicht mehr da. Manche sind schlicht verschwunden, andere sind leider nicht mehr unter uns.

Gerade dieser Gedanke stimmt mich nachdenklich. Oblivion ist inzwischen fast 20 Jahre alt. In weiteren 20 Jahren ist auch für mich der Ruhestand nicht mehr fern. Sich das vor Augen zu führen, ist für mich ein merkwürdiges Gefühl.

Einer der Punkte, bei denen ich bis heute nicht genau weiß, wie ich sie für mich selbst bewerten soll, betrifft die Zeit zwischen 2011 und 2021. Ich habe zahlreiche Weiterqualifikationen absolviert, was mir beruflich durchaus Erfolg gebracht hat. Gleichzeitig hatte das jedoch einen sehr hohen Preis.

Ich hatte zu wenig Zeit für Freunde und zu wenig Zeit für Hobbys. Anfangs dachte ich noch, das seien nur einzelne, begrenzte Phasen, hier ein Jahr, dort ein Jahr, eine Fortbildung nach der anderen. Für sich genommen wirkten diese Schritte sinnvoll und notwendig. In der Summe aber nahmen sie einen enormen Zeitraum ein, im Grunde bis etwa 2021.

Danach folgten die großen privaten Projekte. Wenn ich darüber nachdenke, wer ich 2006 war und wer ich heute bin, wird mir klar, wie sehr ich mich verändert habe. Ich bin ein anderer Mensch geworden und führe ein völlig anderes Leben. Ein Beispiel dafür ist, dass ich inzwischen verheiratet bin. Etwas, das ich mir damals kaum vorgestellt hätte. Hinzu kommen große private Vorhaben, etwa rund um ein neues Zuhause.

In dieser Zeit bin ich mehrfach umgezogen und habe meine frühere Heimat hinter mir gelassen. Und bei all dem Streben nach beruflicher Entwicklung habe ich stellenweise etwas Wesentliches aus dem Blick verloren. Das Wichtigste war nie Oblivion. Das Wichtigste waren und sind die Menschen.

Selbst kleine, scheinbar banale Dinge führen mir das vor Augen, zum Beispiel wie lange ich hier im Forum nicht mehr aktiv war.

Die Wahrheit ist, und das gestehe ich mir selbst ein, dass ich vor allem die Menschen vermisse. Ein hoher Preis für den Trubel der letzten 15 Jahre, die sowohl virtuell als auch real immer weniger geworden sind. Das finde ich sehr schade und rückblickend bereue ich, dass ich nicht am Ball geblieben bin. Ändern lässt es sich heute jedoch nicht mehr.

Diese 20 Jahre waren ein Teil meines Lebens und meines Weges, mit vielen Höhen und auch einigen sehr tiefen Phasen. Gerade in schwierigeren Zeiten war Oblivion für mich oft ein verlässlicher "Rückzugsort", um abschalten zu können. Das ist etwas, das ich bis heute positiv damit verbinde.

Noch wichtiger sind für mich jedoch die Begegnungen und Erinnerungen an die vielen Menschen, die ich in dieser Zeit kennenlernen durfte. Sei es über die Modding Community, über Foren oder auch im privaten Umfeld.

Und es tut mir auch leid. Es gibt Stunden und Tage, an denen ich auf mein Leben zurückblicke und denke: Ja, ich habe vieles erreicht, aber zu einem (zu?) hohen Preis. Wer irgendwann vor ähnlichen Entscheidungen steht, dem möchte ich keine Ratschläge erteilen, das wäre vermessen. Ich weiß: Ich würde heute versuchen anders zu handeln.

Auch das gehört für mich zur Geschichte rund um Oblivion. Ich bin in einer Zeit in die Arbeitswelt eingestiegen, die wirtschaftlich schwierig und von Unsicherheit geprägt war. Letztlich führte mich das zu einem Umzug, zu unzähligen Weiterqualifikationen, um beruflich Stabilität und einen unbefristeten Vertrag zu erreichen. Rückblickend war dieser Schritt nicht einfach zu bewerten. Einerseits hatte er seinen Preis, andererseits habe ich dadurch meine Frau kennengelernt.

Ich habe viel gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Dennoch hatten viele Entwicklungen und Verpflichtungen ihren eigenen Preis. Das gilt auch für zeitintensive Hobbys wie Computerspiele. Heute habe ich kaum noch die Möglichkeit, mich wirklich auf neue Spiele einzulassen. Ein Beispiel ist Baldur's Gate 3. Ich habe Monate gebraucht, um es durchzuspielen, und es nur ein einziges Mal geschafft. Wenn ich das mit früher vergleiche und daran denke, wie oft ich Morrowind oder Baldur’s Gate 2 gespielt habe, wird mir der Unterschied deutlich.

In den letzten 20 Jahren sind unzählige großartige Spiele erschienen (vermute ich zumindest), von denen viele weitgehend an mir vorbeigegangen sind. Auch das finde ich schade, denn in virtuelle Welten einzutauchen und Geschichten in diesem Medium zu erleben, finde ich etwas sehr schönes.

Am Ende bleibt für mich eine letzte Frage: Worauf möchte ich eigentlich hinaus?

Ist noch jemand hier? Vieles hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Mein eigener Weg war ein Auf und Ab. Neben dem Beruf habe ich Menschen verloren, darunter viele, die mir sehr nahestanden. Gleichzeitig hatte ich die Gelegenheit, viele schöne Erinnerungen zu sammeln. Dinge zu erleben, von denen ich 2006 nur geträumt habe. Beispielsweise oben auf dem Ätna stehen.

Nun spüre ich, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ohne dass ich genau sagen könnte, wie er aussehen wird. Und das ist in Ordnung.

Ich hoffe, dass ich auch in 20 Jahren hin und wieder Oblivion spielen werde, aus reiner Nostalgie und weil es mich an viele besondere Zeiten und Begegnungen erinnert.

In diesem Sinne alles Gute. Es wäre schön, von euch zu hören. Wie ist es euch ergangen?

Vielleicht ist das letztlich der eigentliche Kern dessen, was ich sagen wollte. Danke für alles und euch allen alles Gute.