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Thema: [Fanfiction] - Die Schatten der Dmmerung

  1. #1

    [Fanfiction] - Die Schatten der Dmmerung

    Liebes SKS-Team, liebe SKS-Spieler und Freunde fantasievoller Geschichten,

    Als ich die Sternenkind-Saga zum 1. Mal gespielt habe, kam mir als erster Gedanke in den Kopf, dass ich gerne noch eine weitere Geschichte in der Welt der Saga erleben wrde. Nach einigen Tagen der berlegung habe ich dann beschlossen, die Geschichte einfach selbst zu schreiben.
    Zwar heit es im Threadtitel "Fanfiction", aber ich schreibe dennoch eine eigene Geschichte und nicht "SKS 3.0 - Haaki & die besoffenen Anime-Girls.". Ich habe noch nie eine Geschichte geschrieben, die lnger als eine Seite war und das ist mein erster Versuch, in einem greren Mastab zu erzhlen. Nun viel Spa beim Lesen des ersten, kleinen Kapitels.



    Prolog

    Die Bndnisse alter Tage sind vergessen. So langsam wie die Legende der Heldentaten von Haaki Weykenson und seinen Freunden ber viele Generationen hinweg verstummte, lste sich auch der feste Griff der Freundschaft zwischen Karadon, Himathelonia, El Kash, Kerfrek, Tombrien und Trawonien. Neid und Missgunst berkamen abermals die Herzen der Menschen, es tobte Krieg um Macht, Land und Rohstoffe zwischen den Nationen und schon bald sollte von der einstigen Verbundenheit der Vlker nichts mehr brig sein. Lediglich das uralte Bndnis, dass Karadon mit dem Volk der Zwerge verband, vermochte durch nichts gebrochen zu werden...

    ...Nach einem Jahrtausend des Konflikts wusste keine Fraktion mehr, wer den Krieg dereinst begonnen hatte und jedes Land der Erdenscheibe rstete sich wieder und wieder zum Kampf. In diesen Zeiten des Blutes vernderten sich die Lnder und ihre Bewohner. Die Vlker Tombriens und Kerfreks wurden von den Flammen des Krieges verschlungen und aus den Bchern verbannt. Viele kleine Ortschaften und Drfer der Welt fielen unter den Schwerthieben der feindlichen Invasoren und so begab es sich, dass die Menschen in die groen Festungen und Bollwerke fliehen mussten, welche im ewigen Konflikt stetig verstrkt und ausgebaut wurden. Einzig El Kash blieb, durch seine schtzenden und schwer durchquerbaren Wsten, von den meisten dieser Auseinandersetzungen abgeschrimt. Doch heit dies nicht, dass sein Volk nicht auch kmpfen musste...

    ...Whrend unter den Kriegsherren Schlachtplne ersonnen und Rohstoffplnderungen besprochen werden, und die Soldaten der ehemaligen Bndnispartner in blinder Wut aufeinander losstrmen, rotten sich tief in der Dunkelheit Zwei alte, in Vergessenheit geratene Mchte zusammen, um blutige Rache an den Vlkern der Erdenscheibe zu ben...


    Kapitel 1 - Thavir

    Thavir's Kopf schlug hart auf dem kalten Steinboden auf. Die Luft war erfllt von drhnendem Gelchter, als sein Versuch sich aufzurichten durch einen krftigen Futritt unterbunden wurde und er abermals Bekanntschaft mit der Hrte des karadonischen Gesteins machte. Thavir war Zehn Jahre alt und seitdem er denken konnte, war diese Art der Begrung nichts ungewhnliches fr ihn. "Bleib' im Staub, wo du hingehrst!", sagte einer der beiden, etwa gleichlaltrigen Jungen in einem Ton, der die Verachtung, die seinen Worten innewohnte deutlich unterstreichte.
    "Ja, genau. Kilk hat recht. Kriechen sollst du vor unseren Fen, du Klappergestell, du Bastard.", pflichtete der andere Junge seinem Schlgerfreund bei und spuckte dem am Boden liegenden ins Gesicht. Thavir versuchte krampfhaft die in ihm aufkommenden Trnen zu unterdrcken, denn er wute, dass seine Peiniger nur noch hrter zuschlugen wenn er weinte. Das hatte der junge Thavir schon fter zu spren bekommen, als er imstande war zu zhlen. Doch obschon er jeden Muskel seines schmchtigen und kleinen Krpers anstrengte, lste sich bald jedwede Spannung, die er aufbringen konnte und Thavir brach, wie schon so oft zuvor in bittere Trnen zusammen. Den darauffolgenden Tritt nahm er kaum noch wahr, da es bereits schwarz vor seinen Augen wurde.

    Als Thavir erwachte fuhr ihm ein stechender Schmerz in den Kopf, der sich in Krze eines Wimpernschlags auf seinen gesamten Krper ausweitete und erschrocken zuckte er zusammen. Doch erfuhr er durch die pltzliche und ruckartige Bewegung seiner geschundenen Muskeln blo noch grere Schmerzen, die ihn sofort innehalten lieen. Der junge Karadonier entspannte seine Glieder so gut es ihm mglich war. Mit mutlosem Blick und feuchten Wangen stellte er fest, dass er schon wieder unterlegen war und sich wieder nicht gewehrt hatte. Thavir war zuhause, auf der selben hlzernen Schlafstatt, auf der er jeden Morgen aufwachte und darauf hoffte, dass sein Vater ihn spter zu sich rufen wrde, als es fr gewhnlich blich war. Whrend das salzige Leid ber sein Gesicht flo, qulte er sich langsam und von Schmerzen gebeutelt in eine kniende Position, um nach einer kurzen Zeit des Sammelns ein Gebet zu sprechen: "Gtige Mutter, goldene Sonne. Ich wrde dich niemals darum bitten die Kriege der Welt zu beenden, aber bitte beende die Kriege in Krildje. Bitte hilf Vater, Kilk und Kolm, damit sie erkennen..." Pltzlich wurde Thavir's Gebet vom lauten Knallen einer Tr unterbrochen. In Panik versuchte er die schmerzenden Stellen seines Leibes mithilfe seines lchrigen Leinenhemdes zu schtzen, doch war er nicht schnell genug. Der lederne Grtel seines Vaters traf peitschend auf Thavir's Haut, whrend dieser seine Glieder eng an seinen Krper zog und sein Gesicht fest in sein mit Stroh geflltes Kissen drckte, um die Schreie, die seine Kehle verlieen abzudmpfen. "Auf die Beine mit dir, du jmmerliches Stck Scheie! Die Arbeit wartet nicht!", schrie der rund Vierzig Sommer alte Mann, bevor er zum wiederholten Mal ausholte und zuschlug. Als Thavir bemerkte, dass keine weiteren Schlge folgten, blickte er ngstlich und vorsichtig in Richtung der Tr seiner kleinen Kammer und erleichtert stellte er fest, dass sein Vater den Raum verlassen hatte. Thavir verharrte noch einen Moment in der erbrmlich anmutenden Schutzhaltung, die er eingenommen hatte und blickte im Geiste zurck auf sein junges Leben. Der Sohn eines Schmieds und einer Weberin hatte sein ganzes bisheriges Leben, so wie jeder den er kannte, in Krildje verbracht. Krildje war eine riesige, aus Stein und Holz erbaute Stadtfestung und so gewaltig, dass Thavir dachte, es bruchte ein Zwergenleben an Zeit, um jeden Winkel zu erkunden. Wann immer sein Vater nicht im Haus war und seinen Sohn zwang hart fr ihn zu arbeiten oder zu kochen, schlich Thavir nach drauen und tnzelte mit wackligen Schritten ber die Dcher der dicht an dicht gebauten Huserreihen. Obwohl er bei jedem seiner waghalsigen Ausflge Angst hatte, von den turmhohen Wohnsttten in die Tiefe zu fallen, ging er dieses Risiko mit Freuden ein, weil er es fr die einzige Mglichkeit hielt, an der frischen Luft zu sein und im selben Moment den Schlgen seiner beiden Peiniger zu entgehen. Kilk und Kolm, zwei Jungen, die ganz in der Nhe von Thavir's Familie, bei ihren Mttern lebten. Ihre Vter waren im Krieg gefallen, noch bevor die Kinder Vier Sommer zhlten und sie gaben Thavir's Vater die Schuld fr ihren Verlust. Sie behaupteten, die Krieger seien mit seinen Waffen und Rstungen in die Schlacht gezogen und deshalb vom Feind gettet worden. Thavir wute bereits frh, dass die Erzeugnisse aus der Esse seines Vaters einen schlechten Ruf hatten und nur die rmsten Brger der Stadt bei ihm kauften. Trotzdem war er jedes mal schockiert, wenn er sah, und vor allem sprte, dass die Wut, die zwei Kinder auf einen Mann hatten, an ihm ausgelassen wurde.

    Thavir erwachte aus seinen Tagtrumen und schreckte entsetzt auf. Schnell rannte er durch die Holztr seines Zimmers und die Wohnstube des Hauses hindurch, um zur Schmiede zu eilen. Er wute welche Strafe es nach sich zog, wenn er verschlief oder nicht genug arbeitete und diese Angst lie ihn riesenhafte Stze machen. Am Ende des Raumes, kurz vor der Tr, die in die Schmiede fhrte, bremste Thavir abrupt ab. Er drehte sich um und sah seinen Vater mit dem Kopf auf dem Tisch liegen. Der Mann schnarchte laut und schien tief und fest zu schlafen. In dem Moment fiel eine groe Last von Thavir's Schultern und sofort strmte er, hinweg ber eine Vielzahl leerer Bier- und Metkrge, die auf dem Boden herumrollten, in das Schlafzimmer seiner Eltern. Am Bett seiner Mutter ging er in die Hocke und streichelte ihr sanft ber die Stirn. "Guten Morgen, liebe Mutter." Die zerbrechliche Frau schwitzte stark und atmete schwer, als sie zu sprechen anhob: "Guten Morgen, mein kleiner Turinniafunke. Wrst du so lieb mir einen Schluck Wasser zu geben?" "Natrlich, Mutter.", antwortete Thavir und hob behutsam den Kopf seiner Mutter, um ihr einen Krug mit Wasser an den Mund zu reichen. "Danke, mein Liebling. Was ist mit deinem Vater? Musst du nicht arbeiten?" Die Frau zog fragend die Augenbrauen hoch. "Vater schlft mal wieder." Beschmt blickte Thavir zu Boden und legte die Hnde auf seine schmerzenden Krperstellen. "Lass ihn schlafen, mein Junge. Du arbeitest immer so hart. Wenn du dich nicht ab und zu ausruhst, stirbst du noch frher als ich es tun werde." Noch bevor die todkranke Frau den Satz zuende gesprochen hatte, sprte Thavir, wie die Trnen erneut seine Wangen befeuchteten. "Vater sollte an deiner statt sterben..." Er sprach leise und voller Schmerz, doch noch ehe er zum nchsten Satz anheben konnte, vernahm er von drauen eine laute Stimme: "Die Drachenstiefel kommen! Sie kommen!" Thavir's Atem stockte. "Nun geh schon, mein kleiner" Das lie Thavir sich nicht zweimal sagen, kletterte aus dem Fenster und hoch auf das Dach. Fr den Moment waren all seine Sorgen unwichtig. Vor Freude strahlend und mit atemberaubender Geschwindigkeit sauste er die Dachfirsten entlang, bis er eine geeignete Stelle fand, sich hinsetzte und gespannt nach unten auf die Strae blickte. Der Rand des Weges war voller Leben. Menschen und Zwerge standen Schulter an Schulter, aufgereiht in Zwei endlosen Linien und wer das Haus nicht verlassen konnte, schleppte sich ans Fenster. Hektisches Getuschel drang durch die Luft und alle waren sichtlich aufgeregt. Als die Brger Zwei Wanderer erblickten, wurde es schlagartig leise. Die Massen knieten nieder und senkten ihre Kpfe, whrend die Drachenstiefel durch die Gasse zogen und aufmerksam sog Thavir jeden Augenblick des Spektakels in sich auf. Als sich die Mnner fast direkt unter Thavir befanden, blieben sie stehen: "Willkommen zuhause, Herr Vater.", sagte ein kleines Mdchen aus der Menschenmenge und sprang einem der beiden Drachenstiefel an die Brust. Der muskulse Krieger hob die winzige Karadonierin auf seine Schultern, dann gingen die beiden Mnner weiter die Strae entlang und Thavir starrte ihnen fasziniert hinterher. "Eines Tages werde ich einer von ihnen sein!" Davon hatte Thavir schon getrumt, als er im Alter von Fnf Jahren zum ersten mal einen Drachenstiefel sah. Sie waren seine Helden und in seinen Augen waren sie unbesiegbar, unverwundbar und unsterblich. Wie sollten sie es sonst schaffen, ganz allein oder zu zweit immer wieder den gefhrlichen Weg durch das umkmpfte Karadon zu gehen, um den Menschen Briefe und Geschenke ihrer liebsten aus den anderen Stdten zu bringen? Immer wenn er Nachts in seinem Bett lag, trumte er davon es ihnen gleich zu tun, so mutig und stark zu sein wie sie es waren und die gefhrlichsten Abenteuer zu bestehen. Thavir blieb noch einen Moment auf dem Dachfirst sitzen, bevor er sich auf den Heimweg machte und durch das Fenster zurck ins Haus kletterte.

  2. #2
    Interessant . Ich bin auf jeden Fall schon auf eine Fortsetzung gespannt!

    Die ersten Gedanken, die ich beim Durchlesen hatte:
    - Wenn so viele Jahre vergangen sind, gab es sicherlich technologischen Fortschritt. Wie sieht es diesbezglich aus?
    - Zuerst dachte ich, Thavir sei aufgrund seines schmchtigen Krpers gar kein Karadonier.
    - Ich finde, du hast die Heranwachsenden sehr gut beschrieben. Kinder knnen grausam sein.
    - Lsst die Mutter ihren Sohn wirklich ohne Bedenken nach drauen, um auf den Dchern rumzuhampeln? Insbesondere, wenn es ziemlich gefhrlich ist, wie es hier beschrieben wird?
    - Die Drachenstiefel erinnern mich sehr an Kuriere aus Peter V. Bretts "Das Lied der Dunkelheit". Das kann aber auch daran liegen, dass ich das gerade lese...

  3. #3
    Hey Gisulf,
    dein Schreibstil ist super, lsst sich richtig gut lesen, danke dir frs Teilen.

    Wieviele Jahre spielt es denn ungefhr nach den bekannten Ereignissen?

    Sehr cool finde ich den Grund, warum die beiden Jungen sauer auf Thivar sind, das wre so ein typischer Karadonierstumpfsinnsgrund.

    Und ganz ehrlich - als ich von den Drachenstiefeln las, dachte ich mir, was das wohl fr eine coole Spezialeinheit sein knnte und ... dann sind es verdammte Postboten! Sehr, sehr, sehr cool!
    Vor allem weil es nicht so over the top ist. ^^

  4. #4
    Zitat Zitat von Caledoriv Beitrag anzeigen
    Interessant . Ich bin auf jeden Fall schon auf eine Fortsetzung gespannt!
    Das freut mich sehr, vielen Dank.
    Und vielen Dank auch fr die Anregungen.

    @Technologischer Fortschritt:
    Ich werde versuchen, im Laufe der Geschichte zu beschreiben, wie es damit aussieht.

    Mini-Spoiler!



    @Thavir's Statur:
    Die Antwort auf die Frage folgt vielleicht schon im nchsten Kapitel, wenn du sie trotzdem direkt wissen willst:

    Mini-Spoiler!



    @Heranwachsene:
    Dankeschn. Ja, das ist wohl leider wahr.

    @Gefhrliche Dcher:

    Mini-Spoiler!



    @Drachenstiefel & Peter v. Brett:

    Ich will ganz ehrlich sein: Du hast mich ertappt
    In der Tat ist "Das Lied der Dunkelheit" eines meiner liebsten Bcher, weil es mir, in einer dunklen Zeit meines Lebens, sehr viel Mut gemacht hat.
    Mir kam einfach der Gedanke, dass dieses "Ganz allein durch die Gefahr wandern" in Verbindung mit Transport- & Postwesen, sehr gut in die Welt der Saga passt. Vor allem in Verbindung mit der Grundidee meines Plots, dass es nur noch wenige, aber dafr riesige Stdte gibt.

    @Daen:

    Vielen Dank, Daen!

    Toll, dass dir mein Stil gefllt. Das bedeutet mir wirklich sehr viel, da ich eigendlich ziemlich "ungebildet" bin. War in der Schule nicht der hellste

    Das ganze spielt etwa 1500 Jahre nach den Geschehnissen des Spiels. Ca. 500 Jahre nach dem Spiel war die Legende von Haaki vollstndig vergessen und der Krieg ist ausgebrochen.

    "Karadonierstumpfsinnsgrund" Ja genau, das ist es.

    Das Wort "Spezialeinheit" ist vielleicht gar nicht mal so abwegig. Du wirst schon sehr bald mehr ber sie erfahren Wer wei? Vielleicht haben sie noch ganz andere und "spezielle" Beweggrnde & Pflichten...?

    Auf jeden Fall toll, dass es euch soweit gefllt.
    Noch heute fange ich an das zweite Kapitel zu schreiben.

    Gendert von Gisulf91 (01.02.2018 um 08:30 Uhr)

  5. #5
    Viel Spa beim Lesen des zweiten Kapitels

    Kapitel 2 - Die Stiefel des Drachen

    Thavir schwang hastig einen Strohbesen ber den Boden. Schweiperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet und sein dreckiges Hemd war durchnsst und klebte an seinem Krper. In Windeseile kratzte er jeden Krmel, dem er gewahr wurde aus den Ecken und Ritzen seiner Kammer heraus, bevor er anfing, den steinernen Boden mit Wasser zu subern. Die Arbeit zehrte an den Krften, doch fr den kleinen Thavir kam diese Erfrischung, im heien, karadonischen Sommer, wie gerufen. Da sein Vater gerade in der Schmiede arbeitete, nutzte er den Moment des Alleinseins, um seinen Kopf tief in den hlzernen Wassereimer zu tauchen. Fr Thavir war es ein Moment des Friedens. Er sprte wie das kalte Nass seinen Schdel umsplte, seinen Mund durchflutete und seine Ohren verschlo. Pltzlich befand er sich an einem fremden Ort. Einem Ort, an dem es keine Huser gab und kein Hammerschlag durch die Luft schallte. Er sah wilde Tiere und nie enden wollende, grne und felsige Landschaften, die sich bis zum Horizont erstreckten. Er sah sich in einem langen Ledermantel, Straen und Pfade entlangwandern und war umringt von Gefahren. Thavir stellte sich vor ein Drachenstiefel zu sein, so wie er es immer tat, wenn er allein und unbeobachtet war. In diesen Augenblicken des Trumens fhlte er sich stark und war von allen Schmerzen befreit. Mit einem krftigen Ruck zog Thavir seinen Kopf aus dem Wasser und ging anschlieend weiter seinen Aufgaben nach, bis er die kleine Kammer von smtlichem Schmutz befreit hatte. In die Luft starrend und vertrumt schlenderte er in die Wohnstube, stellte sich ans Fenster und beobachtete das Geschehen auf der Strae. Die Menschen waren fleiig. Mit Stein und Erz beladene Karren wurden hin und her geschoben und Thavir konnte erkennen, wie die Brger an den Verkausstnden wild gestikulierten und die Hndler taten es ihnen gleich. Thavir hatte das Handelswesen noch nie verstanden. Ihm war es unbegreiflich, warum sich die Handelshuser Geheimnisse vorenthielten oder sich dem Konkurrenzkampf hingaben. Er dachte es wre am besten, wenn einfach alle zusammenarbeiten wrden. Als Thavir sich wieder dem Raum zuwandte, erbleichte er. Noch whrend er versuchte, sein Gesicht zu schtzen, prallte der Handrcken seines Vaters auf Thavir's Wange und er ging mit einem lauten Knall zu Boden. "Was glotzt du so bld aus dem Fenster?! An die Arbeit mit dir, du fauler Hund!" Der drahtige Mann schrie voller Zorn und sein Kopf war vollstndig errtet. Thavir sa auf dem Boden und hielt sich die Wange, als schwache Schreie aus dem Schlafzimmer in sein Ohr drangen: "Edvin! Hr' auf den Jungen zu schlagen!" Im Gegensatz zu Thavir, wagte es seine Mutter in seltenen Momenten des Mutes, sich ihrem Mann entgegenzustellen, auch wenn sie dies nur mit Worten vermochte. "Solange Ich uns ernhre, wird hier nach meiner Pfeife getanzt! Hast du das verstanden, Weibstck?!" Die Antwort seiner Mutter konnte Thavir nicht mehr hren, da sein Vater bereits mit dem Grtel auf ihn einschlug und sein Geschrei die Stimme aus dem Nebenraum bertnte. Nach einigen Schlgen beugte sich der schwitzende Mann ber Thavir und sprach langsam und boshaft: "Heute ist dein Glckstag, Junge. In den letzten Wochen gab es kaum Angriffe auf die groen Konvois. Dadurch sind viele Waren nun fr unbestimmte Zeit deutlich billiger und weil ich kein Gold scheien kann, muss ich diese Gelegenheit natrlich nutzen. Ich habe mir einen Karren und ein Maultier geliehen und werde jetzt zum groen Markt am anderen Ende der Stadt fahren. Da der Tag nicht mehr der jngste ist, werde ich die Nacht bei einem Freund verbringen und mich erst Morgen auf den Rckweg machen." Innerlich feierte Thavir ein Fest. Seit Wochen schon war sein Vater kaum aus dem Haus gegangen und auch seltener eingeschlafen, als er es sonst tat. "Wenn du gtterverdammter Scheihaufen auf die Idee kommen solltest, irgendeinen verfluchten Unsinn anzustellen, dann wirst du mich von meiner unfreundlichen Seite kennenlernen!" Der Mann grinste, hielt Thavir den Grtel vor die Augen und deutete mit dem Finger auf dessen eiserne Schnalle, danach verlie er das Haus. Thavir zitterte und weinte, doch tief in sich sprte er groe Erleichterung. Er rappelte sich auf und rannte so schnell er konnte zu seiner Mutter. Ihre Arme waren weit ausgebreitet und Thavir warf sich strmisch, aber dennoch vorsichtig, in eine liebevolle Umarmung. Er kuschelte sich fest an sie und lie seinen Trnen freien Lauf, whrend sie ihm zrtlich der den Hinterkopf streichelte. "Es ist vorbei, mein Junge, er ist fort. Ich wei, wie sehr du leidest, aber du musst stark sein, kleiner Drache." Thavir liebte es, wenn seine Mutter ihn so nannte. Er nahm sich ihre Worte zu Herzen und sein Schluchzen wurde langsam leiser. "So mchte ich das sehen. Du bist so hbsch wenn du lchelst, weit du das eigendlich?" Das Lcheln, das sie ihm schenkte, erfllte Thavir mit Stolz und nahm ihm alle Schmerzen. Er wischte sich die Trnen aus dem Gesicht und stieg aus dem Bett, um seine Glieder zu straffen. "Danke, Mutter. Wenn du nicht wrst, wrde ich das alles nicht aushalten. Ist dein Dunkelfieber immernoch so schlimm?", fragte Thavir und seine Mutter nickte leicht. "Ja, mein Junge. Die Heiler der Turinnia haben noch immer kein wirkungsvolles Heilmittel ersonnen und meine Kraft schwindet mit jedem Tag. Seit Sechs Jahren plagt und schwcht es mich, doch hat es mich noch nicht umbringen knnen. Ich wehre mich mit aller Kraft gegen das magische Fieber, doch dein Vater verdient bei weitem nicht genug Gold, um dich jeden Tag eine Mahlzeit kochen zu lassen und das sprt mein Krper, genauso wie es der deine sprt." Thavir blickte kurz auf seinen knurrenden Bauch und seine Mutter lchelte ihn an, whrend sie mit dem Finger auf ihr Kopfkissen zeigte. Behutsam tastete er das Kissen ab, bis er eine eingenhte Tasche entdeckte. Er griff hinein, holte den Inhalt des Verstecks heraus und klappte das Pckchen aus Papier auseinander. Thavir strahlte. Er ksste seine Mutter auf die Stirn und flitzte mit dem Inhalt des Pckchens in die Wohnstube, wo er sich sofort ans Werk machte, um Kartoffeln, Eier, Speck, Spinat und Zwiebeln in ein deftiges Mittagessen zu verwandeln. Whrend sie aen, schaute Thivar immer wieder sehnschtig durch das Fenster. "Du willst nach drauen, nicht wahr?" Damit hatte sie recht. Thavir wollte an die frische Luft, doch wollte er auch bei seiner Mutter bleiben und den kurzen Frieden im Haus genieen. "Es ist in Ordnung, mein Liebling. Geh schon raus, aber dieses Mal bitte durch die Tr, ja?" "Aber Kilk und Kolm..." Er hatte sehr leise gesprochen. Der Frau stand der Schmerz ins Gesicht geschrieben und so lie sie ihn gewhren.

    Die Sonne brannte hei auf seiner Haut, whrend er ber die Dcher schlich und vorsichtig von Haus zu Haus kletterte. Thavir konnte seine Fhigkeiten gut einschtzen. Obwohl er auf den Dachfirsten manchmal strauchelte, fand er immer wieder sein Gleichgewicht und konnte sie, trotz seiner Angst, zgig berqueren. Auerdem wagte Thavir weder einen Sprung, noch einen Kletterversuch, wenn er sich nicht ganz sicher war, dass er ihm auch gelang. Als Thavir auf einem Dach nah am Boden stand, von dem aus er kein weiteres erreichen konnte, beschlo er ein kleines Stck auf der Strae zu gehen, weil er das Gefhl hatte, weit genug von seinem Wohnort entfernt zu sein. Whrend er durch die Straen und Gassen spazierte, schaute er den Bewohnern von Krildje bei der Arbeit zu. Die Stadt stand niemals still. Allerlei Waren wurden in endlosen Schlangen aus Karren von einem Ort zum anderen gebracht, Gerche von deftigen Mahlzeiten hingen in der Luft und die lockenden Schreie der verschiedenen Hndler vermischten sich, sodass Thavir kein einziges ihrer Worte verstand. An einer Kreuzung des Weges zog ein Trupp Soldaten in Richtung des Tores und Thavir wurde geblendet, als die Rstungen der Mnner die Sonnenstraheln reflektierten. Thavir war jedes Mal beeindruckt, wenn er Soldaten oder Drachenstiefel sah, die sich auf den Weg machten, um die schtzenden Mauern des ueren Walls hinter sich zu lassen, denn niemand vom gewhnlichen Volk verlie jemals freiwillig eine Stadt. Die Sonne stand schon recht tief am Horizont. Er wollte gerade mithilfe einer leeren Obstkiste, die er gefunden hatte, zurck auf die Dcher klettern, als er kurz zur Seite blickte und pltzlich erschrak. Kilk und Kolm befanden sich nur wenige Schritte entfernt, in der Menschenmenge. Thavir versuchte schnell seinen Blick von den beiden abzuwenden, doch sie hatten ihn bereits entdeckt. "Da ist er! Auf Ihn!" Der kleine Thavir rannte so schnell er konnte. Seine Verfolger waren ihm dicht auf den Fersen und nahmen keinerlei Rcksicht auf unbeteiligte Menschen. Sie rempelten und schubsten, whrend Thavir jedem Hindernis geschickt auswich. Dadurch konnte er sich einen kleinen Vorsprung verschaffen und als er dachte, dass seine Peiniger ihn nur noch schlecht sehen konnten, bog er in eine kleine Seitenstrae ab. Seine Beine brannten wie Feuer. Als er nach dieser Kurve wieder Geschwindigkeit aufnehmen wollte, prallte er pltzlich gegen eine Wand aus Leder und strtzte.

    Thavir blickte zurck und stellte sich bereits darauf ein, jeden Moment den ersten Tritt einstecken zu mssen, doch blieb dieser aus und von Kilk und Kolm fehlte jede Spur. "Du solltest beim Rennen stets nach vorn schauen, mein junger Freund." Als Thavir seinen Blick wieder nach vorne richtete, schlug ihm sein Herz bis zum Hals. Vor ihm stand ein hochgewachsener, etwa Zwanzig Sommer alter Mann in einem langen Ledermantel und lchelte ihn freundlich an. Blitzartig rappelte Thavir sich auf, beugte sein Knie und senkte den Kopf. "Kein Grund fr solche Frmlichkeit, Freund. Diese Art von Begrung steht uns nur nach einer erfolgreichen Reise zu." Zum ersten Mal in seinem Leben stand Thavir einem Drachenstiefel von Angesicht zu Angesicht gegenber. Er hatte sie bisher immer nur aus einiger Distanz beobachtet und auch noch nie mit einem von ihnen gesprochen. "Guten Tag, Herr Drachenstiefel." Thavir lchelte und versuchte seine Aufregung zu verbergen. "Wollen wir uns nicht setzten?" Es war eher eine Feststellung, als eine Frage, denn schnell hatte der Mann zwei Krbe am Wegesrand vom Staub befreit und sie ein wenig in die weiche Erde der Seitenstrae gedrckt, damit sie stabil standen. "Ich habe noch nie mit einem von euch gesprochen." Thavir strahlte ber das ganze Gesicht, als der Drachenstiefel zu sprechen begann. "Na, dann sollten wir uns doch erstmal einander vorstellen, nicht wahr? Du kannst mich Aaron nennen. Wie darf ich dich nennen, junger Mann?" "Ich bin Thavir. Hocherfreut dich kennenzulernen, Aaron." Thavir zappelte vor Aufregung hastig auf seinem Korb hin und her. "Die Freude liegt ganz auf meiner Seite. Ich sehe, du hast viele Fragen. Nur raus damit und ich werde sie dir beantworten." Thavir berlegte keinen Augenblick und stellte sofort seine erste Frage. "Wer war der Erste?" Aaron lachte herzlich. "Eine sehr gute Frage. Es ist immer weise am Anfang anzufangen. Lass' mich dir die legendre Geschichte der Entstehung unseres Ordens erzhlen. Hre nun gut zu." Thavir sog jedes einzelne Wort in sich auf und unterbrach Aaron kein einziges Mal. "Der berlieferung des Ordens zufolge, begab es sich vor Dreihundert Jahren. Es war die bisher dunkelste Zeit im ewigen Konflikt und Karadon befand sich so fest im Griff der feindlichen Scharen, wie niemals zuvor.
    Unser Land drohte auseinanderzufallen. Es gab groe politische Spannungen zwischen Krildje, Rawinja und der Schildburg auf Bergenthorn.
    Krildje hatte es am schlimmsten getroffen. Die Stadt war unter feindlicher Kontrolle und jeder Soldat, der die Stadt htte verteidigen knnen, war in Gefangenschaft oder gefallen. Kein Konvi kam weiter als ein paar Meilen, bevor er entdeckt und vom Feind zerstrt wurde. Das Volk war ohne jede Hoffnung. Ein mutiger Mann, kein Soldat, sondern in einfacher Brger, hat die Angst besiegt. Er hat sich im Schutz der Dunkelheit aus dem besetzten Krildje herausgeschlichen und ist ganz allein den Weg von Krildje nach Rawinja gelaufen, um ein Pergament zu berbringen. Auf dem Schriftstck war ein Hilferuf des Volkes niedergeschrieben, in dem sie die groen Stdte beschworen sich wieder zu einen, damit Karadon bestehen bleiben konnte. Der Mann hatte einen beschwerlichen, schmerzvollen und entberungsreichen Weg vor sich. Er schlich sich an den zahlreichen feindlichen Heerlagern vorbei und ttete jeden, der ihn stoppen wollte im Kampf oder meuchelte ihn. Dann geriet er an einen Punkt der Verzweiflung. Er hatte sich verirrt, war schwer verletzt und von feindlichen Stellungen umringt. In diesem Moment der Kraftlosigkeit betete er zum groen Drachen und das einzige worum er ihn gebeten hat, war seinen Fen neue Kraft zu schenken. Der Herr Alcandor war so beeindruckt vom Mut und der Selbstlosigkeit des Mannes, dass er vom Himmel herabstieg. Er hat den Mann mit seinen Schwingen umschlungen, um ihn vor Wind und Regen zu schtzen. Mit seinem feurigen Atem hat der den Mann gewrmt, bis er wieder genesen war und ein langes Gesprch mit ihm gefhrt. Der groe Drache teilte seine Weisheit mit ihm und erklrte ihm den Weg nach Rawinja. Dann haben sie zusammen einen Segensspruch verfasst, der dem Mann Mut fr den restlichen Weg geben sollte. Gleichzeitig sollten diese heiligen Zeilen dem Mann als Leitstze dienen, nach denen er von nun an zu leben hatte, als Gegenleistung fr die Gnade des Drachen. Bis heute ist es nur den Drachenstiefeln erlaubt diese heiligen Worte laut auszusprechen.

    Der Stiefel des Drachen dient keinem Herren und keinem Rat. Er dient dem Volk und dem groen Alcandor.
    Der Stiefel des Drachen schtzt unter Einsatz seines Lebens, jeden Karadonier, in dem er ein reines Herz erblickt.
    Der Stiefel des Drachen verlangt niemals eine Bezahlung. Das Volk wird sich erkenntlich zeigen.
    Der Stiefel des Drachen trgt Hoffnung durch den schlimmsten Sturm, heim in den Hafen.
    Der Stiefel des Drachen wandert ohne Furcht und unter den Schwingen des groen Alcandor.

    Den Ausdruck 'Der Stiefel des Drachen' haben sie gewhlt, weil der mutige Wanderer ein Schuhmacher war. Als er in Rawinja angekommen war, hat er die Menschen durch seinen Mut inspiriert. Er hat den Orden der Drachenstiefel gegrndet, dem sich viele Menschen angeschlossen haben. Die Drachenstiefel waren auch diejenigen, die dann Bergenthorn beschworen haben sich ebenfalls wieder mit Karaon zu einen. Dank ihrer selbstlosen und gefhrlichen Arbeit konnte zwischen den Drei Stdten ein gewaltiger Gegenangriff geplant und vorbereitet werden, der den Griff des Krieges erheblich lockerte, als es fast zu spt war. Dank der Drachenstiefel existiert Karadon noch." In diesem Moment wurde Thavir bewut, wie wenig er ber die Drachenstiefel wute und er, wenn er davon trumte einer von ihnen zu sein, nie darber nachgedacht hatte, wie man eigendlich ein Drachenstiefel wird. Die nchste Frage, die er stelle, sollte sein Leben fr immer verndern. "Wie wird man denn ein Drachenstiefel?" "Nun, das ist schnell erklrt. Man bittet einen von uns, ihn zu einem Drachenmeister zu bringen. Wenn der Meister im Anwrter ein reines Herz erblickt, muss er ausgebildet werden. Doch es ist ein Leben voller Entbehrungen, zu dem sich Heute nur noch sehr wenige entscheiden." Thavir's Herz raste. "Ich mchte auch ein Drachenstiefel werden!" Aaron's Gesichtsausdruck wurde ernster, aber immernoch freundlich. "Und warum mchtest du ein Drachenstiefel werden?" Thavir blickte auf seinen geschundenen und von Blutergssen bershten Krper. Er wute, dass Aaron seine Verletzungen schon zu Beginn ihres Gesprchs bemerkt hatte, doch der Drachenstiefel hatte ihn nicht darauf angesprochen. Thavir ffnete sein Herz und erzhlte Aaron seine ganze Geschichte. Er erzhlte ihm alles ber seine Mutter, seinen Vater und ber Kilk und Kolm. Der Drachenstiefel hrte aufmerksam und mit nachdenklichem Blick zu und als Thavir fertig war, wurde die Stimme des Mannes sehr ernst. "Erblickt der Drachenmeister im Anwrter ein reines Herz, gibt es fr den Anwrter kein zurck mehr. Ist dir das bewut, mein Freund?" Pltzlich dachte Thavir an seine Mutter und daran, dass er sie zurcklassen msste, um ein Drachenstiefel zu werden. "Aber Mutter..." Aaron legte seine groe und krftige Hand auf Thavir's Nacken und lchelte. "Wenn du wirklich ein Stiefel des Drachen sein willst, dann sei nun ohne Furcht und vetraue auf den groen Drachen Alcandor." Die Berhrung des Mannes, sein Blick und der Klang seiner Stimme weckten in Thavir ein ursprngliches Gefhl von Vertrauen, das er sonst nur in Gegenwart seiner Mutter versprte und so legte er seine Angst und seine Zweifel ab und verschwand mit Aaron in den Gassen von Krildje.

    Gendert von Gisulf91 (06.02.2018 um 08:53 Uhr)

  6. #6
    Wie immer sehr gut geschrieben.
    Die paar Rechtschreibfehler hier und da (ber, Konvoi, Gesprch) passen sogar perfekt zur Saga, wir haben da ja noch heute welche drin.
    Nein, Scherz beiseite, ein paar kleine Fehlerchen haben sich eingeschlichen.

    Vom Text her ist er genau die Art von Prosa, die das Spiel auch prgen, sehr gute Arbeit, gefllt mir sehr gut.

    Das Einzige, was ich gerne anmerken wrde ist, dass du vielleicht - aber nur vielleicht - schon am Anfang ein bisschen differenzierter arbeiten knntest. Thivars Vater ist NUR ein Arsch, der Drachenstiefel NUR gut. Da sie beide sehr prsente Figuren sind, wrde hier ein bisschen weniger schwarz/wei den Stil meiner Meinung nach noch ein bisschen verbessern.
    Kilk und Kolm beispielsweise sind auch negativ dargestellt, haben aber durch den unglaublich interessanten Nebensatz ber die Schmiedekunst des Vaters stark an Substanz gewonnen, denn sie haben wirklich einen Grund, ihn zu hassen und ein Ventil zu suchen.

    Ansonsten: Klasse, wie immer!

  7. #7
    Nach einiger Zeit geht es nun weiter im Text.

    Kapitel 3 - Alcandor's Blut

    Schon seit Stunden wute Thavir nicht mehr, wo er und Aaron sich gerade befanden. Zgig folgte er dem Drachenstiefel durch Irrwege aus Gassen und Straen, immer tiefer in die Stadt Krildje hinein. Die Sonne war bereits vllig untergegangen und nur die sparsam aufgestellten Laternen beleuchteten ihren Weg. Eine Mischung aus Aufregung und Ungewissheit kochte in Thavir's innerem und die Tatsache, dass Aaron nach ihrem Gesprch kein einziges Wort mehr von sich gegeben hatte, verstrkte sein Gefhlschaos nur noch mehr. Was wrde nun mit ihm geschehen? Wrden die Drachenstiefel ihn berhaupt akzeptieren? Wie wrde es seiner Mutter ohne ihn ergehen? Tausend Fragen rasten durch seinen kleinen Schdel, whrend er sich bemhte, mit dem Drachenstiefel Schritt zu halten. Aaron legte ein Tempo vor, dass Thavir immer wieder zwang kurze Strecken zu rennen, um wieder zu ihm aufzuschlieen. Entschlossen, seine Erschpfung zu verbergen, biss Thavir die Zhne zusammen und folgte dem Beispiel seines schweigenden Begleiters. An einem unscheinbaren Haus, dass aussah wie alle anderen in dieser Gasse, blieb Aaron pltzlich stehen und richtete seinen Blick auf Thavir. "Hier ist es." Aaron klopfte an die alte Holztr und ein robust gebauter Zwerg ffnete ihnen. Als der Mann vom kleinen Volk den Drachenstiefel erkannte, baute er sich zu seiner vollen Gre auf. Aaron trat einen Schritt nher und die beiden Mnner packten sich gegenseitig fest am Unterarm, whrend sie die noch freie Hand zur Faust ballten und diese hrbar gegen die Brust ihres Gegenbers schlugen. Obwohl er den tieferen Sinn der Begrung nicht verstand, konnte Thavir erkennen, dass dieses Ritual den beiden Mnnern sehr wichtig war und sie ihm viel Bedeutung beimaen. "Bei Alcandor, es tut immer gut dich in einem Stck wiederzusehen, Aaron. Wie ich sehe bringst du einen Gast mit. Tretet ein." Der Innenraum wurde nur durch Kerzenlicht beleuchtet, doch war es heller, als die wenigen Laternen auf den Straen. Nie zuvor hatte Thavir ein so sauberes und ordentliches Haus gesehen. Der dunkle Holzboden glnzte, keines der fein gearbeiteten Mbelstcke wies Spuren von Staub auf und selbst am Kamin war kein Ru zu erkennen. "Alcandor zum Gru, Xaglosh. Das ist Thavir. Er ist hier, um den Meister zu treffen." Langsam trat Thavir einen Schritt nach vorn, um dem Zwerg die Hand zu reichen. Seine winzige Hand verschwand in der des graubrtigen und erstaunt stellte er fest, dass sogar ein Muskelberg imstande war sanft zu sein und seine Kraft kontrollieren konnte. "Du willst also ein Drachenstiefel werden. Wie alt bist du, Junge?" Xaglosh grinste in sich hinein. "Ich bin Zehn Jahre alt, Meister Xaglosh." "Ich bin nicht dein Meister, Jungchen, aber lass mich dir eines sagen. Stinken tust du jetzt schon wie ein echter Drachenstiefel!" Beide Mnner brachen augenblicklich in schallendes Gelchter aus und klopften sich ernergisch auf die Schenkel. Als sie sich etwas beruhigt hatten, legte Aaron seine Hand auf Thavir's Schulter. "Wenn der Meister dich aufnehmen sollte, wirst du den frher oder spter verstehen. Ich werde jetzt gehen und ihn herholen. Das wird ein Paar Stunden dauern. Warte hier mit Xaglosh, bis ich wieder da bin. Ich muss dich bitten kurz diese Augenbinde anzulegen, damit du nicht sehen kannst wohin ich gehe. Das ist eine Vorsichtsmanahme unseres Ordens, um uns dagegen zu schtzen infiltriert zu werden." Aaron wickelte Thavir ein schwarzes Tuch um den Kopf, sodass er nichts mehr sah. Pltzlich hrte er auch nichts mehr und sprte die mchtigen Hnde des Zwerges auf seinen Ohren.

    Nach wenigen Sekunden wurde er von der Augenbinde befreit. Aaron war verschwunden und Xaglosh drckte Thavir ein schlichtes blaues Hemd, eine weie Hose aus leichtem Stoff sowie ein Paar schwarze Sandalen in die Hand. Dazu gab er ihm ein groes Tuch, dass weicher war als alles was er jemals zuvor berhrt hatte. "Komm' mit. So wie du stinkst solltest du dem Meister besser nicht unter die Augen treten." Als der Zwerg die Tr zu einem Nebenzimmer ffnete, stockte Thavir der Atem und er musste blinzeln, um sicherzugehen, dass er nicht trumte. Der Raum war riesig, mindestens doppelt so gro wie die Wohnstube und um ein vielfaches prunkvoller als diese. Boden, Wnde und Decke waren aus einem Thavir vllig unbekannten Gestein gefertigt. Es war hell, fast wei und reflektierte das Licht, dass von unzhligen blauen Kerzen ausging, die in aufwndig verzierten Halterungen an den Wnden steckten, durch den ganzen Raum. Im Zentrum des Zimmers befand sich ein gewaltiges, im Boden eingelassenes Wasserbecken. Im Gegensatz zum hellen Rest des Bades, bestand dieses aus einer schwarzen Steinart und schien smtliches Licht, dass darauf fiel vollstndig zu verschlucken. Xaglosh lachte voller Stolz. "Nicht schlecht, was? Lass' dir Zeit, Bursche. Ich mach' uns was zu Essen, damit du spter nicht vor dem Meister zusammenklappst. Du fllst ja fast vom Fleisch." Thavir, der noch viel zu erstaunt war, um ein Wort zu sagen, nickte nur, zog sein Hemd aus und entblte seinen grn und blau geschlagenen Krper. "Na sieh' mal einer an! Einstecken kannst du auch schon wie ein Drachenstiefel! Wenn du im Wasser bist, zieh' am Hebel bei der Alcandorstatue. Ich rufe dich wenn das Essen fertig ist." Der Zwerg verlie das Zimmer und schlo die Tr hinter sich. Als Thavir auch seine Hose ausgezogen hatte, stieg er langsam ins Wasser. Das Becken war in Zwei Bereiche aufgeteilt. In der einen, etwa knietiefen Hlfte gab es viele steinerne Sitzmglichkeiten und fein geschliffene Mulden, die sich perfekt an den Krper anschmiegten. Die andere Hlfte des Beckens war tiefer, sodass man darin schwimmen konnte. Zum ersten mal in seinem Leben sprte Thavir die entspannende Wirkung warmen Wassers. In seinem Elternhaus bedeutete baden, sich mit dem Hintern in einen Holzeimer voll kaltem Putzwasser zu setzen oder in einen mit Regenwasser gefllten Futtertrog fr Tiere zu springen. Solche Mengen an Wasser waren fr Thavir eine vllig neue Erfahrung, die er sehr genoss. Als der junge Karadonier am Rand des seichten Bereichs eine Drachenstatue sah, zog er am Hebel neben dieser und eine rote Flssigkeit floss aus dem geffneten Maul der kleinen Statue ins Wasser. Thavir schreckte kurz auf, doch sobald er bemerkte, dass es sich nicht um Blut handelte, sah er gespannt zu wie sich die dicke Masse langsam im Wasser verteilte und es rot frbte. Ein exotischer und wrziger Geruch stieg ihm in die Nase und vernebelte seine Sinne. Thavir's Atem verlangsamte sich und bald darauf verlieen ihn seine Aufregung und Zweifel ebenso wie seine Schmerzen. Was immer dieses wundersame Gebru auch gewesen sein mochte, Thavir hielt es fr wertvoller als Gold. Frei von Gedanken und ohne Gefhl fr die Zeit, glitt er durch das blutrote Nass und tauchte darin umher, bis er versehentlich etwas von dem Wasser schluckte. Thavir hustete und zappelte wild mit Armen und Beinen, da der scharfe Geschmack ihm die Kehle zuschnrte und seinen Puls in die Hhe trieb. Wellen aus Hitze durchfluteten seinen gesamten Krper. Es fhlte sich an als wrde das Blut in seinen Adern brodeln und kochen, doch war es kein unangenehmes Gefhl. Nachdem er sich etwas daran gewhnt hatte, stellte er fest, dass sein eben noch vernebelter Geist einer Klarheit gewichen war, die ihn sofort noch einmal berwltigte. Er sah und hrte besser und nahm seinen Krper viel intensiver wahr. Thavir war gerade im Begriff einen weiteren Schluck zu trinken, doch pltzlich erreichte ihn die raue und vor lachen verzerrte Stimme des Zwerges aus dem Nebenraum. "Trink' nicht zu viel vom Wasser, Kleiner! Du wrdest es bitter bereuen! Glaub' mir, ich wei wovon ich rede! Das Essen ist jeden Moment fertig. Trockne dich mit dem Tuch ab und zieh' die Sachen an, die ich dir gegeben habe!"

    Sauber, trocken und in frische Kleidung gehllt, ging Thavir zurck in den Wohnraum des Hauses. Beim Anblick, der sich ihm darbot, lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Der Tisch war grozgig gedeckt. In einem Korb lagen unzhlige Sorten Brot und mehrere silberne Platten, bepackt mit Wurst, Kse und Bergen von duftendem Fleisch, reihten sich entlang des Tisches auf. Thavir lchelte ber das ganze Gesicht und klatschte vor Freude in die Hnde, noch immer angeregt von der Wirkung des roten Badezusatzes. "Das sieht kstlich aus! Vielen, vielen Dank!" Xaglosh deutete auf einen der Sthle um den Tisch herum und legte den Kopf etwas schief. "Keine Ursache, aber ob es auch kstlich schmeckt, findest du nicht heraus, wenn du es nur anglotzt." Auf dieses Stichwort hin sa Thavir blitzschnell auf einem Stuhl und fing an Unmengen der in Butter gebratenen Fleischbrocken in sich hineinzuschaufeln. Der Zwerg tat es ihm gleich und eine Zeit lang genossen sie schweigend das strkende Mahl. Nachdem er so viel gegessen hatte wie er konnte, brach Thavir das Schweigen, indem er Xaglosh eine Frage stellte, die ihn sehr beschftigte. "Was war dieses rote Zeug?" Der graubrtige lachte, erhob sich von seinem Stuhl und holte eine bauchige Flasche aus einem Schrank hervor, die mit roter Flssigkeit gefllt war. "Das ist Alcandorblut. Eine Mixtur aus Alkohol und verschiedenen Krutern, die Alcandor sich in Turinnia's kleinem Garten zusammengebraut hat, damit dieses stinkende Grnzeug auch fr Mnner einen Zweck erfllt. Die Zusammensetzung darf ich dir natrlich nicht verraten." Xaglosh zwinkerte Thavir zu, dann wurde seine Stimme etwas ernster. "Du hast seine Wirkung selbst gesprt. Auf der Haut wirkt es schmerzlindernd und beruhigend. Es lsst Wunden schneller heilen und zieht dir die Angst aus den Knochen. Getrunken entfacht es dein inneres Feuer, macht dich wach und lenkt deinen Blick auf das wesentliche." "Seine Wirkung ist unglaublich! Es ist sicher sehr wertvoll, nicht wahr?" Nickend lachte Xaglosh erneut und schnell stellte er Zwei Trinkgefe auf den Tisch. Einen groen Becher auf Thavir's Seite und ein winizges Glas auf seine. "Das fandest du unglaublich? Na dann pass' mal gut auf." Der Zwerg fllte Thavir's Becher mit Wasser und gab einige Tropfen der Mixtur hinzu. Obwohl die Menge verschwindend gering war, frbte sich das Wasser noch dunkler als im riesigen Becken. Ohne es zu verdnnen, goss Xaglosh das Alcandorblut in sein eigenes Glas, dass in etwa so hoch war wie ein Daumen, bis es zur Hlfte gefllt war. Ehe Thavir wirklich bewut wurde, dass der anregende und heilende Saft diesmal viel hher konzentriert war, hob Xaglosh sein Glas in die Luft. "Auf einen Zug, Junge!"

    Gendert von Gisulf91 (16.06.2018 um 18:08 Uhr)

  8. #8
    Kapitel 4 - Wiedergeburt

    Es hatte eine gefhlte Ewigkeit gedauert, bis das Brennen in seiner Kehle und seinem Bauch nachlie, doch nachdem er den Schmerz tapfer berwunden hatte und Xaglosh endlich wieder ansprechbar gewesen war, lauschte Thavir mit berraschend feinem Gehr den tollkhnen und humorvollen Geschichten des greisen Zwerges. Die meisten dieser Erzhlungen handelten von seinen Reisen, zu einer Zeit, als sein Bart noch nussbraun und sein Gesicht ohne Falten war. Thavir erfuhr, dass Xaglosh bereits ber Dreihundert Sommer alt war und er frher mit den Drachenstiefeln zusammen gereist ist, auch wenn er selbst nie einer von ihnen war. Den Kern seiner Geschichten jedoch, bildeten stinkende Menschen, vornehmlich Drachenstiefel. So wie auch jene, die der graubrtige ihm erzhlte, als Thavir ihn fragte, warum das Haus so beraus sauber war. "Ich mag es einfach nicht, wenn Dinge stinken, musst du wissen. Das war so damals: Vor etwa Zweihundert Jahren befand ich mich auf Reisen in den stark umkmpften Trennbergen und eine Gruppe thelonischer Soldaten hatte mich in die Enge getrieben und mir jeden Fluchtweg abgeschnitten. Dann tauchte pltzlich ein Drachenstiefel auf, der erste den ich je sah und richtete diese feigen nshne einen nach dem anderen hin, nachdem er sie im Kampf besiegt hatte. Er rettete mir das Leben ohne eine Gegenleistung zu verlangen und eskortierte mich sicher zurck nach Krildje. Auf unserer gemeinsamen Reise hat er mich in seine Philosophie eingeweiht und mich vieles gelehrt, doch hatte diese Reise auch ihre Schattenseiten. Der Kerl hat gestunken, schlimmer als Elfenpisse und Orkscheie zusammen! So manche Nacht mussten wir uns eng zusammengepfercht in irgendwelchen verdammten Lchern oder Bschen verstecken und stundenlang ausharren. Es war grauenvoll. Als wir es endlich geschafft hatten, habe ich sofort all meine Krfte mobilisiert und dieses Badehaus hier erbaut, damit jeder dieser tapferen, mutigen und stinkenden Mnner das heie Bad bekommt, dass er nach Erfllung seiner Pflicht verdient! Seitdem heie ich die Drachenstiefel in meinem Haus willkommen und untersttze sie so gut ich kann." Thavir konnte spren wie seine Augen vor Bewunderung leuchteten. "Das war und ist sehr ehrenhaft von dir, Xaglosh. Die Gtter sind bestimmt sehr stolz auf dich." Der Zwerg nickte leicht und hob erneut zu sprechen an. "Die Heldentat des Drachenstiefels war noch sehr viel ehrenhafter, Bursche. Er hat sein Leben fr einen fremden riskiert und hielt es fr selbstverstndlich. Deshalb musste auch ich keine Sekunde zgern, als ich beschlossen habe, fr den Rest meines Lebens den Drachenstiefeln zu helfen." Der kleine Thavir lie diese Worte einige Zeit durch seinen Kopf kreisen, doch er wurde aus seinen Gedankengngen herausgerissen, als sich pltzlich die Tr zum Badezimmer ffnete. Xaglosh stand auf und befahl Thavir mit Zwei unaufflligen Handbewegungen, das Selbe zu tun sowie zu schweigen. Zuerst betrat Aaron den Raum. Dank seines, durch den Genuss des Alcandorblutes geschrften Geistes, fiel Thavir sofort auf, dass das eigendlich gar nicht sein konnte, denn whrend seines Bades hatte er keine weitere Tr im Badezimmer gesehen, durch die der Drachenstiefel ins Haus gekommen sein knnte. Einen Wimpernschlag spter kamen noch Zwei Mnner zur Tr hinein. Anhand seiner Kleidung konnte Thavir erkennen, dass einer der beiden Mnner ein Geweihter des Alcandor war, denn er trug die gleichen langen, blauen Gewnder, die alle Diener des Kriegsgottes trugen. Der andere Mann trug hnliche Kleidung, doch war die blaue Robe dieses Geistlichen mit kunstvollen, in wei, schwarz und rot gehaltenen Mustern verziert. Es herrschte absolute Stille im Raum, als der Mann in der verzierten Robe erst Thavir und danach Xaglosh eine Zeit lang anblickte und mit klarer Stimme zu sprechen begann. "Sieht er bereits durch die Augen Alcandors?" Der greise Zwerg verbeugte sich tief und deutete mit dem Kopf auf die bauchige Flasche, die sich noch immer auf dem Tisch befand. "Ja, ehrwrdiger Drachenmeister!" "Gut. Dann wollen keine weitere Minute verschwenden, denn der Pfad des Alcandor ist lang und Aion sieht es nicht gern, wenn die wertvolle Zeit, welche die Zweigtter uns geschenkt haben ungenutzt vergeudet wird! Also, wo wohnst du, Knabe?"

    Thavir verstand gar nichts mehr. Ehe er den nchsten klaren Gedanken fassen konnte, befand er sich zusammen mit Aaron auf dem Rcken einer krftigen Stute und ritt mit dem Drachenstiefel, Xaglosh und den beiden geistlichen in Richtung seines Elternhauses. Hatten die Drachenstiefel ihn bereits aufgenommen? Warum waren sie auf dem Weg nach Hause? Wie wrde es nun weitergehen? Thavir's Gedanken berschlugen sich, bis er pltzlich Aarons Hand auf seiner Schulter sprte und nach hinten blickte. "Frchte dich nicht, Thavir. Schon bald wird all dies einen Sinn fr dich ergeben. Bis es soweit ist, ordne deine Gedanken und vertraue dem groen Drachen." Der verwirrte Junge versuchte sich zu entspannen und konzentrierte sich auf seine Atmung, doch wie sehr er sich auch bemhte, ein ungutes Gefhl machte sich in seiner Magengegend breit. Turinnias Finger berhrten bereits seine Haut und Thavir befrchtete, dass sein Vater wahrscheinlich schon frher Zuhause eintreffen wrde als der kleine Trupp mit dem er unterwegs war. Selbst auf dem Rcken eines Pferdes schien sich der Weg vom nrdlichen Stadtkern bis zu seinem Elterhaus in der Nhe des sdlichen Tores ewig hinzuziehen, denn sie benutzen oft Umwege durch kleinere Straen. Es schien als wrde der Drachenmeister versuchen, so wenig aufzufallen wie mglich. An der Tr von Thavir's Elternhaus machten sie halt, lieen die Pferde stehen ohne sie anzubinden und warteten, bis der Drachenmeister das Wort ergriff. "Klopfe an die Tr, Knabe." Zitternd streckte Thavir seine Hand aus und klopfte Drei mal fest an die Tr. Als sie sich ffnete, erbleichte Thavir. Vor ihm stand sein Vater. Zitternd, mit wutverzerrtem Gesicht und Trnen in den Augen. "Du gtterverdammter Scheihaufen! Wo im Namen aller Gtter hast du dich rumgetrieben!? Deine Mutter hatte einen ihrer schrecklichen Anflle, whrend du dich schn da drauen vergngt und deine Pflichten vernachlssigst hast! Wre ich auch nur eine Minute spter hier angekommen, wre sie jetzt tot, verdammte Orkscheie!" Der vor Zorn brodelnde Mann holte weit aus, um den Jungen ins Gesicht zu schlagen, doch noch bevor die Hand des Mannes Thavir's Gesicht erreichen konnte, hallte ein dumpfer Knall durch die Luft und Thavir's Vater ging bewutlos zu Boden. Aaron wirbelte seinen Speer einmal kunstvoll herum und hielt ihn dann wieder so, als sei berhaupt nichts passiert. "Der Stiefel des Drachen schtzt, unter Einsatz seines Lebens, jeden Karadonier, in dem er ein reines Herz erblickt!" Die Worte des Drachenstiefels waren durchzogen mit Stolz und es hrte sich an, als wrde er die Leitstze der Drachenstiefel wahrhaftig leben. Nickend stimmte ihm der Drachenmeister zu. "Gut gesprochen, gut gehandelt, Aaron. Lasst uns nun zum Wesentlichen kommen. Geht es deiner Mutter sehr schlecht, Junge?" "Ja, ehrwrdiger Drachenmeister!" Thavir wute nicht, wie er den Meister ansprechen sollte, darum nannte er ihn so wie Xaglosh ihn genannt hatte.

    Seine Mutter war weder ansprechbar, noch reagierte sie auf uere Reize. Mit leerem Blick lag sie da und war vllig geistesabwesend. Thavir zitterte und weinte, whrend er die Hand seiner kranken Mutter hielt und sie zrtlich streichelte. "Dunkelfieber." Zum ersten und einzigen mal sprach der Alcandorgeweihte, der mit dem Drachenmeister gekommen war ein Wort. Er nannte es beinahe beilufig, als ob er es jeden Tag benutzen wrde. Fragend zog Xaglosh die Augenbrauen hoch. "Dunkelfieber? Unter den Brgern? Den Dreck fangen sich doch nur Soldaten, Drachenstiefel und Reisende ein. Wie hat sie sich angesteckt?" Thavir zuckte mit den Schultern. "Ich wei nicht. Sie hat es seit ich denken kann und wollte nie mit mir darber reden, wie es passiert ist." Daraufhin gab der Drachenmeister dem Geweihten ein Handzeichen. Dieser verbeugte sich tief, verlie das Haus und ritt im Gallop davon. "Es ist soweit. Zieh' dich aus, Knabe." Thavir blickte zu Aaron, doch dieser nickte nur und die Stimme des Meisters klang nicht als wollte er einen Scherz machen und so gehorrchte Thavir, ohne den Befehl infrage zu stellen und zog die saubere Kleidung aus, die er von Xaglosh bekommen hatte. So wie die Gtter ihn schufen, stand er vor den Drei Mnnern. Abermals rasten die Gedanken ungeordnet durch seinen Kopf. Er wute nicht worauf er sich einlie, aber er sprte, dass es nun kein Zurck mehr gab, denn die Gesichter der Mnner zeigten keinerlei Regung und alle Drei schienen hochkonzentriert. Die nchsten Worte, die der Drachenmeister sprach beunruhigten ihn ebenso wie sie ihn verwirrten. "Ein Sohn Karadons mag Heute sterben, doch wird ein Sohn Alcandors Morgen Nacht erwachen und Sieben Jahre wandern auf dem Pfad des groen Drachen!" Thavir hatte keine Zeit ber die unendlich vielen Fragen nachzudenken, die in diesem Moment durch seinen Verstand schossen, denn schon kurz nachdem er den kleinen Singsang zuende gesprochen hatte, holte der Drachenmeister eine kleine Phiole aus dem weiten rmel seiner Robe hervor und goss eine beachtliche Menge des roten Inhalts unverdnnt ber seinen Kopf. Er sprte nur noch ein Gefhl von unbeschreiblicher Wrme, welches ihn an die Liebe seiner Mutter erinnerte, bevor er in einen tiefen und traumlosen Schlaf fiel.

  9. #9
    Kapitel 5 - Der Durchbruch

    Edvin sa am Esstisch seines Hauses und presste beide Hnde fest gegen seinen drhnenden Schdel. Nur mit groer Mhe hatte er es geschafft sich aufzuraffen und vor Schwindel taumelnd, den Weg zu einem Stuhl zu finden, nachdem er von seinem eigenen Sohn niedergeschlagen worden war. Doch war es wirklich sein Sohn? Nein! Niemals wre sein weinerlicher und schwchlicher Spross dazu imstande gewesen. Es musste einer der Mnner gewesen sein, die ihn begleitet hatten. Aber wer waren sie und wohin waren sein Sohn und seine Frau verschwunden? Als die Vier ihm unbekannten Mnner hinter Thavir an der Tr standen, hatte er sie kaum beachtet und seine gesamte Aufmerksamkeit seinem verhassten Sohn gewidmet. Edvin hatte seinen Jungen nicht immer gehasst, doch die Erinnerung an frhlichere Zeiten war lngst aus seinem Gedchtnis gewichen. Whrend er dasa und erfolglos versuchte, sich die jngsten Ereignisse zu erklren, wanderte sein Blick durch das menschenleere Haus. Der Tisch sowie der alte, teilweise aufgequollene Holzboden der Wohnstube waren bersht mit leeren Bier- und Metkrgen. Vereinzelt zogen sich Risse durch das schlecht verputze Mauerwerk und die hlzerne Dachkonstruktion des Hauses und in der Schmiede, dessen Zugangstr weit offen stand, brannte keine Esse und weder Hammerschlag noch Besenstrich fanden einen Weg in sein Gehr. Im Geiste verfluchte Edvin die Gtter. Vier Jahre nachdem sein Sohn das Licht der Welt erblickt hatte, fingen sie an auf ihn zu spucken. Sie lieen seine Frau erkranken und segneten seinen schmchtigen Sohn mit handwerklichen Fhigkeiten, die seine eigenen bereits nach ein paar Hammerschlgen bei weitem bertrafen. Um nicht stndig an diese Schmach erinnert zu werden, hatte er Thavir verboten seine Esse zu benutzen und ihn stattdessen putzen, kochen und Erz schleppen lassen. Er wute, dass sie weit mehr htten verdienen knnen, htte er seinen Sohn schmieden lassen, doch die Scham hatte ihn immer davon abgehalten und anstatt von seinem Sohn zu lernen, ertrank er seine Unfhigkeit und seine Selbstzweifel lieber regelmig in Bier und Met. Nachdem Edvin es geschafft hatte, die kreisenen Gedanken in seinem Kopf grob zu ordenen, erhob er sich von seinem Platz und ging zielstrebig, aber immer noch trokelnd auf seinen besten Bekannten zu, einem Bierfass. Ohne auch nur daran zu denken ihn vorher auszusplen, griff der Mann nach einem der vielen Krge auf dem Tisch und befllte ihn zitternd mit seinem goldenen Allheilmittel.

    "Das Tor ist durchbrochen! Wir werden angegriffen!" Vor Schreck zuckend erwachte Edvin und warf dabei seinen Bierkrug quer durch den Raum. Die Stimmen waren laut zu hren und nicht weit entfernt. Kurz darauf vernahm er ein Hornsignal, bei dessen Klang sich sein Magen zusammenzog. Ein langer drhnender Ton, gefolgt von einer Reihe dicht aufeinander folgender Ste. In Panik eilte er ans Fenster. Kampflrm und unverstndliche Schreie hallten durch die Nacht. Als er auf die Strae blickte, bot sich ihm ein Bild des Grauens. Die Brger rannten um ihr Leben, verfolgt von einer ganzen Horde brllender und blutrnstiger Orks. Dutzende Leichen lagen auf der Strae und das karadonische Blut auf den Pflastersteinen schimmerte im Licht der Laternen. Edvin hatte Menschen, die in den oberen Stockwerken der endlos hohen Bauten Krildjes wohnten immer belchelt, weil sie schon beim Aufstieg zu ihrem Heim ins Schwitzen gerieten. Nun wnschte er sich nichts sehnlicher, als dort oben zu sein. Mitten in seinem Blickfeld trieb eine der grnhutigen und in schwarze Tierfelle gekleideten Bestien ihre Axt tief in die Schulter eines Mannes. Der Bcker, dem Edvin jeden Tag mehrmals begegnet war, stie einen entsetzlichen Schrei aus und wurde kurz darauf von der Axt eines weiteren Orks enthauptet und zum schweigen gebracht. Um nicht vor Schreck laut aufzuschreien, presste er beide Hnde vor den Mund. Jeden Tag hatte Edvin seine Familie mit Gewalt kontrolliert und gefgig gemacht, doch der Anblick von so viel Blut und Tod lie ihn wrgen und vor Angst zittern. Noch nie hatte er einen Durchbruch miterlebt und er kannte auch sonst niemanden, der das von sich behaupten konnte. Pltzlich dachte er an Frau und Kind. Zum ersten mal, seit er sich zurckerinnern konnte, fhlte er beim Gedanken an seine Familie keinen Anflug von Zorn. Sein Herz raste wild , wie bei einem seiner Wutausbrche, doch fhlte er keine Wut. Es war etwas anderes. Trnen flossen ber sein Gesicht, er schwitzte stark und war eingehllt in ein kaltes Tuch der Hilflosigkeit. Ehe er ein Wort fr dieses eigenartige Gefhl finden konnte, wurde seine Aufmerksamkeit wieder auf das Geschehen drauen gelenkt, als er ein junges Mdchen schreien hrte. "Nein, bitte nicht! Ich flehe dich an, bitte verschone meine Mami!" Fast an der selben Stelle, an der auch der kopflose Leichnam des Bckers lag, hatte einer der Schwarzpelze eine verletzte Frau und ihr Kind in die Ecke getrieben. Die stark blutende Frau gab blo noch ein Rcheln von sich, bevor sie vor den Augen ihrer kleinen Tochter in Zwei Teile gespalten wurde. Edvin schnrte es die Kehle zu, als der Ork sich bse grollend vor das Kind stellte und seine blutverschmierte Axt in die Hhe wuchtete, um das wehrlose Mdchen zu schlachten. Edvin fehlte die Zeit zum nachdenken. Rasendschnell packte er sich eines seiner verbogenen und schlecht geschliffenen Schwerter und strmte, genauso wild brllend wie die Orks, in die Nacht hinaus.

    Gendert von Gisulf91 (24.06.2018 um 22:11 Uhr)

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