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Thema: Reading Challenge 2018 – Zeit zum Lesen!

  1. #101
    Ich habe gestern endlich (nach immerhin über 2 Monaten für die paar Seiten) Agatha Christies And then there were none ausgelesen. Meine Güte, selten habe ich so lange für so ein dünnes Buch gebraucht. Hier ein kurzes Review, damit ich das Buch ins Regal verbannen kann:

    Die lange Lesezeit mag es einen bereits erahnen lassen, aber ich schließe mich Jack weitestgehend an: Der Schreibstil ist - zumindest die erste Hälfte, wo der Cast noch recht groß ist - eine Qual. "And she said", "and he said", "and he replied", "and she said", etc.

    Unterm Strich fand ich es gegen Ende, als dann auch nur noch eine Hand voll Charaktere übrig waren und ich endlich halbwegs drin hatte, wer die eigentlich sind, ganz okay - aber bis dahin hatte ich massive Schwierigkeiten mit dem Cast. Man bekommt in der Einleitung jeden kurz eine Seite lang vorgestellt und dann werden die Figuren als bekannt vorausgesetzt, dazu sind sie auch nicht sonderlich originell geschrieben, sodass für Menschen mit schlechtem Namensgedächtnis (wie mich) absolut keine Chance besteht durchzublicken, wer wer ist.

    Wie gesagt, das ganze wurde später besser, dafür hat mich dann aber die Auflösung massiv enttäuscht. "Ich hab mir mit Farbe ne Schusswunde auf den Kopf gemalt und drauf gebaut, dass sich das außer meinem Komplizen keiner genauer ansieht, höhö" fand ich nun wirklich billig, sorry.
    Ich halte dem Buch zu gute, dass es quasi einer der Vorreiter dieser Art von Krimi war und daher irgendwo klar ist, dass bspw. Umineko das einige Jahrzehnte später besser macht - aber insgesamt war es gerade für Christie, deren Auflösungen sonst ihr Markenzeichen sind, keine Glanzleistung. Umso unverständlicher, dass sie selbst, soweit ich gelesen habe, sehr stolz auf das Buch war.

    (Ich entschuldige mich für das etwas wirre und insgesamt sehr faule Review, aber ich hatte am Ende wirklich keine Lust mehr auf das Buch und das bisschen Motivation, das kurz vor Schluss aufflammte, starb mit der Auflösung. :'X)

    Geändert von BDraw (22.05.2018 um 22:13 Uhr)

  2. #102
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    @Byder: Du hast im letzten Post nach 270 Seiten gefragt, ich zähle aber 470. Was stimmt? Sag mir in Zukunft einfach immer direkt den Gesamtstand. =P
    200 Seiten für den Invisible Man (für das Jahr eingeplantes Buch) und 270 Seiten für uneingeplante Bücher. Mir gehts weniger um die Seitenzahl (auch wenn ich mich danach richte), als darum, die vorgenommenen Bücher zu lesen. Also sollten es 1500 + 270 Seiten sein. ;0

    Geändert von Byder (23.05.2018 um 19:12 Uhr)

  3. #103
    Cipo: Ich habe die Amber-Chroniken als einzelnes Buch gewertet, weil die Unterteilung wirklich keinen Sinn macht - Buchende ist nicht von Kapitelende zu unterscheiden und jedes Buch beginnt unmittelbar da wo das andere aufhörte.
    Du kannst aber 4/8 Bücher stehen lassen, weil ich mittlerweile die ersten 3 Scott Pilgrim Bücher in bunt vgelesen habe (und die sind überraschend lang, hatte ich nicht mehr im Kopf!).

    Aktuell ist bei mir jetzt immer noch The Worst Journey In The World, was spannend und gut geschrieben ist, aber sich trotzdem etwas zäh liest und deswegen nur manchmal von mir rausgekramt wird. Und das Ding ist laut meinem Kindle länger als Infinite Jest. ;(

    Aber hey, nochmal kurz zu Scott Pilgrim. Oh man. Ich bin ein Fanboy, ich gebe es zu, aber diese Comics sind soooo gut! Der wunderschöne Stil, die Dynamik, die Verwendung von schwarz/Kontrasten, die authentischen Charaktere, der wahnsinnige Humor... Ich bin wieder einmal total geflasht.
    Dieses Mal ist mir aufgefallen, dass Scott einen Bösewicht aus seiner (vermeintlichen) Jugend als "Kerl in lila Anzug, der Menschen mit seinen Worten alles machen lassen könnte, was er wollte". Umm, Jessica Jones?!
    Großartig sind auch die kleinen seltsamen World Building Sachen, die der Autor macht. Ramona hat in der "Carolina Sky University" studiert, die schwebt und mit einer riesigen Kette an einen Berg festgemacht ist. Comeau kennt jeden (ja, auch dich!) und hat einen magischen Ring aus der Zukunft. The Boys and Crash haben gelernt, Musik ohne Instrumente zu machen, indem sie die Schallwellen selbst manipulieren. Scott wird von virtuellen 16jährigen Filmstars verprügelt und bekommt als Belohnung Coupons für Sofagetränke. Und die geben in dieser Welt verschiedene Power-ups auf Attribute.
    Freu mich schon den Rest zu lesen.

    Aber ich will auch wirklich wissen, was an Scotts Antarktis-Expedition so schlimm war.

    Geändert von Schattenläufer (30.05.2018 um 21:02 Uhr)

  4. #104
    Oh ja, Scott Pilgrim ist einen genaueren Blick (oder mehrfaches Lesen) wert! ^^ Ich bin auch immer noch unentschieden, ob ich den Film oder die Comics lieber mag. Der Film hat das unvergleichliche Edgar-Wright-Feeling und ist konzeptuell dichter, eingängiger, mitreißender, aber die Comics sind subtiler, lebendiger und irgendwie auch tiefer. Schön, dass ich mich nicht entscheiden muss. *setzt die Comics nochmal auf die Reread-Liste*


    Karriere: Superheldin (im Original: A Superhero Story) aus der Reihe Wearing the Cape



    Es geht um eine nahe Zukunft, in der Superkräfte zum Alltag gehören, um eine Welt, die sich darauf eingestellt hat, und um eine junge Frau, die sich plötzlich als neuestes Mitglied des bekanntesten Superhelden-Teams wiederfindet.
    Das Buch war allem voran "Pflichtlektüre", weil das Fate-Rollenspiel zur Reihe gerade auf Deutsch erscheint, ich ein bisschen Fahnenlektorat gemacht habe und die Tage einen FateCast dazu aufnehme. ^^ Aaaaber machen wir uns nichts vor, Superheldengeschichten sind voll mein Schtick, und ich muss sagen, das Ding hat mich im Gesamtbild echt positiv überrascht.

    Ich könnte jetzt über objektive Schwächen labern, aber gehen wir doch lieber gleich zu den interessanten Punkten über.
    • Dieses Setting hätte vor zehn Jahren nicht als größere Buchreihe funktioniert, und das ist in meinen Augen schon wahnsinnig faszinierend. Es ist US-Comic-Kultur in Reinform, es ist Justice League und Infinity War, und es wundert mich kein bisschen, dass sie Serie gerade JETZT ein bisschen Feuer unter dem Hintern bekommt. Selbst als Casual Fan kann man den Wahnsinn, der in typischen Superhelden-Comics passiert, seltsam finden, und Harmon übernimmt ALLES davon: Es gibt Vampire, Zeitreisende, Magier, ALLES. Und der Witz:
    • Die Geschichte findet einen Weg, all das glaubwürdig zu gestalten, konsistent im Sinne eines Settings, und manchmal sogar realistisch. () Die Suspension of Disbelief erfordert natürlich ein großes "Comics yay!", aber davon ab wird immer ein, zwei Schritte weiter gedacht als in den Comics oder den aktuellen Adaptionen. Rechtliche Konsequenzen der Kräfte, Politik, Publicity, all das spielt eine entscheidende Rolle. Und die Kämpfe sind ... schnell vorbei. Kämpfe eben. Wenn der Superman-Verschnitt dich boxt (und nicht gerade sehr zärtlich ist), zerbricht er dich wortwörtlich, Punkt.
    • Obwohl das Buch nicht im geringsten vor Ideologie, Politik und Religion zurückschreckt (die weltpolitische Lage pendelt irgendwo zwischen "amerikanischer Fantasie" und "wahrscheinlich nicht ganz unwahrscheinlich"; manche Charaktere haben recht deutliche Positionen), hatte ich nie das Gefühl, dass mir der Autor irgendeine Agenda aufzwingen wollte, sondern eher interessante "Was wäre wenn?"-Fragen aufwirft. Was gerade beim Endkampf des Buchs eine gewisse Errungenschaft ist. Ich bin tatsächlich unentschieden, wie viel Amerika da drinsteckt, und bin gespannt, wie es sich in den nächsten Büchern entwickelt.
    Apropos unentschieden: Manchmal wirkt es das Ganze etwas random und Fan Fiction, manchmal sehr durchdacht und herzlich. Die Zwischenmenschlichkeiten sind anfangs nicht immer nachvollziehbar, haben mich gegen Ende aber doch überraschend mitgenommen. Mal ist das Buch berechenbar, mal twistet es hart. Die Hauptfigur war erst schwer zu greifen, gerade was ihr Alter angeht, aber Hölle, ist sie sympathisch und menschlich. Die Menge an Charakteren ist einschüchternd, aber man spürt immer, wer gerade relevant ist (zumal Superhelden bunter sind als Adlige aus Westeros). Und man hört, die Reihe wird besser, was nicht verwunderlich ist, da sie an allen Ecken und Enden nach MEHR riecht.

    Und am Ende des Tages liest es sich einfach gut und flüssig weg. Die Übersetzung ist voll okay, im Rahmen der Möglichkeiten. Allerdings sind sowohl das Konzept als auch die Geschichte extrem amerikanisch, da kann selbst eine perfekte Übersetzung nur so viel rausholen. Band 2 werde ich mal auf Englisch lesen, und dann gucke ich, ob (und auf welcher Sprache) ich weitermache.
    Also ja, Empfehlung, wenn man Superhelden mag.


    Damit bin ich auf 8/12! o/ Als nächstes steht voraussichtlich A Monster Calls an, dazu hat mich Maeve verpflichtet, jetzt wo ich wieder lese. ^^''

  5. #105


    A Monster Calls

    Es geht um einen Jungen, der nicht mit der zunehmend eskalierenden Krankheit seiner Mutter klarkommt, alles mit dem mehr oder minder übernatürlichen Überbau eines gewaltigen Monsters, das ihm ... hilft?

    Und ja, es haut rein. Es ist hammerdüster und hat wahnsinnig atmosphärische Illus (die da oben? Repräsentativ!), aber auch echt einfühlsam, herzlich und letztendlich natürlich positiv. Die Dialoge und Gedanken sind wunderbar nachvollziehbar geschrieben, alle wichtigen Charaktere einschließlich des Monsters haben Tiefe, Vielseitigkeit (Harry als Oberbully sticht hier heraus) und selbst der Humor ist ein richtig toller Gegenpol zur Härte der Thematik.
    Praktisch an einem Abend gelesen. Hat aber auch wunderbar wenig Schrift pro Seite. xD''

    Ja, perfektes Gesamtpaket. Keine Kritik.

    [9/12]

  6. #106
    Ich lese gerade den zweiten Band von Majo no Takkyuubin (Kikis kleiner Lieferservice), der deutlich länger als der erste ist (370 Seiten) und auch deutlich episodischer. Hier merkt man, dass die Bücher ursprünglich kapitelweise in Magazinen veröffentlicht wurden, denn auch wenn es durchaus chronologische Kontinuität gibt, könnte man auch mittendrin einsteigen und würde zurechtkommen. Gefällt mir bisher sehr gut, die Geschichten sind charmant und quirlig und voller lustiger Ideen, die die besondere, leicht verschrobene Magie der Bücher ausmachen. Darüber hinaus ist jedes Kapitel auch eine kleine Lektion und man merkt sehr gut, dass Kiki noch einen langen Weg vor sich hat.



    Ich hatte Kemono no Souja pausiert, da ich bei ein paar schwieriger zu lesende Kapitel mit ’ner Menge Lore und haufenweise mir unbekannten Wörtern angekommen bin, aber nach Kiki will ich das wieder aufnehmen. Kiki liest sich größtenteils ziemlich entspannt. Zwar gibt es manchmal Passagen, die mir Probleme bereiten, weil ich mir nicht sicher immer bin, ob ich etwas richtig verstanden habe. Manchmal habe ich das Gefühl, ich kapiere nicht so recht, was passiert, aber dann wird einfach nur etwas sehr Absurdes beschrieben und ich hatte es doch verstanden. Prinzipiell aber recht locker, was mich freut. Teilweise brauche ich seitenlang keine Wörter nachschlagen. Ein paar Unbekannte sind zwar immer dabei, aber gerade für die unendliche Zahl onomatopetischer Wörter des Japanischen, die ich eh schnell wieder vergesse, mache ich mir meist nicht mehr die Mühe, dafür im (digitalen) Wörterbuch nachzuschlagen.

    Bin nun ca. bei der Hälfte angelangt und werde in ein paar Wochen durch sein, denke ich.

    @Cipo: Klingt spannend und nach was, was mir auch gefallen könnte! Werde ich mal im Hinterkopf behalten.

    Geändert von Narcissu (05.06.2018 um 23:49 Uhr)

  7. #107
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    A Monster Calls

    Auch die Verfilmung von J.A. Bayona ist echt zu empfehlen. Aber das ist alles was ich sage, bevor jemandem auffällt, dass ich die Challenge so vernachlässige. :<

  8. #108

    Neil Gaiman - American Gods
    750 Seiten

    In American Gods arbeitet ein eindimensionaler und langweiliger Hauptcharakter mit nur minimal interessanteren alten Göttern (aus den bekannten Mythologien) zusammen, um diese zum Sieg im Kampf mit den neuen Göttern (Medien, Technik, Autos und wasauchimmer) zu führen. Das Pacing ist dabei unglaublich langsam und zwischendurch passiert auch einfach mal nichts bzw. nur wenig relevantes. Der Leser wird sich von Anfang an mit vielen Fragen konfrontiert sehen, die lange Zeit nicht oder nie beantwortet werden, da der Protagonist alles einfach so hinnimmt und keine Fragen stellt. Es gab keine "Holy Shit! Du bist fucking Anubis?!"-Momente und auch keine Dialoge, welche die verschiedenen Gottheiten in irgendeiner Form wirklich beleuchtet hätten. Dadurch wirkten alle Charaktere blass, besonders die Antagonisten waren langweilig. Das gesamte Worldbuilding ist da viel interessanter als das Buch an sich.

    Trotzdem hat es mir gefallen, eben weil das Buch so seine Momente hat und das Ende durchaus gelungen ist. Insgesamt bin ich aber schon enttäuscht, da man so viel aus der Prämisse hätte rausziehen können, aber stattdessen gibts nur abgespecktes Alice in Wonderland mit Göttern. Ich würde American Gods keinem wirklich empfehlen, da es einfach zu lang für seinen Inhalt ist und man mit seiner Zeit definitiv besseres anfangen kann.

    Damit bin ich jetzt bei [1500/3250] (+1020) Seiten.

    Next: The Time Machine und dann Gone Girl.

  9. #109
    Plebs.

    Wahrscheinlich würde dir die Serie deutlich besser gefallen. Die zieht viel Charakterisierung, die im Buch sehr subtil bzw. Interpretationssache ist, in den Vordergrund bzw. auf die Ebene des Schauspiels (vor allem für Shadow, Laura und die New Gods), gibt den Leuten an vielen Stellen mehr Fleisch und lässt auch eeetwas mehr passieren. Es bleibt aber ein Road Trip, bei dem es um das Setting und die Figuren geht. Auch wenn ich sehr gespannt bin, was sie noch so mit den News Gods anstellen.

    Für mich auf jeden Fall eins meiner Lieblingsbücher ever! Die Charaktere, das World Building, die Tiefe der Grundidee und in diesem Kontext auch einfach dieses Bild Amerikas haben mich völlig umgehauen. Wobei ich mich entsinnen kann, dass mich das Pacing beim ersten Lesen auch nicht sonderlich mitgerissen hat; da war ich aber auch 17 oder so und hatte eine entsprechende Aufmerksamkeitsspanne. ^^ Und ich hab fette Fantasy erwartet, was hier echt nicht die richtige Herangehensweise ist.

    Seit der Serie übrigens ein wunderbares Ding für den Englisch-Unterricht. Die ist nämlich noch mal amerikanischer und drückt voll den Finger rein.

    Zitat Zitat
    Der Leser wird sich von Anfang an mit vielen Fragen konfrontiert sehen, die lange Zeit nicht oder nie beantwortet werden, da der Protagonist alles einfach so hinnimmt und keine Fragen stellt. Es gab keine "Holy Shit! Du bist fucking Anubis?!"-Momente
    Genau das ist aber der KERN a) des Buchs und b) dieses Charakters! Er ist jemand, der so tief in seinem (Nicht-)Glauben verankert ist, dass er erst nicht akzeptieren will, was offensichtlich passiert, und selbst dann, als alles um ihn herum explodiert, noch nichts damit zu tun haben will oder es entgegen aller Vernunft als Normalität behandelt – und natürlich trotzdem mitmacht, weil sein (Nicht-)Glauben sehr tiefliegende Gründe hin, bis hinein in seinen Stammbaum. Er ist praktisch der perfekte Protagonist für dieses Buch, weil es seine gesamte Atmosphäre und Faszination aus dem Mittelweg zieht, dass alles offensichtlich durchdachte Erklärungen und Gründe hat, dass man diese als Leser aber abgesehen von den großen Konflikten nicht bekommt und sich so in einer fremden Welt wiederfindet, die man erkunden möchte – oder man "schwimmt" einfach in der Fremdartigkeit, aber das ist offenbar kein Reiz für dich. Weshalb es auch ein gutes Buch zum mehrmals lesen ist.
    Was übrigens ALLES das krasse Gegenteil von Alice ist, weshalb ich den Vergleich etwas abgefahren finde. xD
    Ich weiß bspw. noch sehr lebhaft, dass ich beim ersten Mal wirklich NULL Ahnung von Mythologie hatte und nicht mal Low Key gecheckt habe ... wo ich mir heute denke "WAS ZUR HÖLLE MANN?!" Ich bin also ähnlich ignorant wie Shadow durch dieses Buch gegangen, was anstrengend, aber hammer faszinierend war. Und seitdem wusste ich jedes Mal ein bisschen mehr (auch vom Lesen) und habe es einmal sogar mit "Wikipedia nebenbei" gelesen. Und ich weiß, dass ich nie das ganze Buch durchschauen werde, weil Gaiman bewusst Dinge eingebaut hat, die sich zumindest nach dem aktuellen Stand der Dinge nicht endgültig klären lassen. Es wird also immer ein Mysterium bleiben, und das gehört hier definitiv dazu.

  10. #110
    @La Cipolla: Die Sache ist aber, dass Shadow die Welt nicht erkundet und in allen Bezügen passiv und reaktiv bleibt. Ich hätte mir sehr gerne gewünscht, tiefer in das Konzept eintauchen zu können, aber da stand mir Shadow als Protagonist einfach im Weg. Das Setting und das Konzept fand ich wirklich großartig, aber ich denke, dass Neil Gaiman das insgesamt nicht gut ausgenutzt hat. Für mich hat er einfach so viel offen und unbeleuchtet gelassen, dass ich nicht mehr von Subtilität sprechen kann, sondern von persönlichem Mangel als Autor. Nächstes Jahr werde ich mal The Ocean at the End of the Lane lesen und wenn mich da die Charaktere nicht packen, werd ich seine Bücher wohl für mich abschreiben.

    Geändert von Byder (10.06.2018 um 00:45 Uhr)

  11. #111
    Sind zwei seeeehr unterschiedliche Bücher. Er wechselt seine Herangehensweise aber sowieso sehr krass von Buch zu Buch – definitiv kein Typ, der einen "typischen Stil" wie ein paar andere Autoren hat.

    Shadow soll die Welt nicht erkunden, DU sollst sie erkunden. Wenn er die ganze (Denk-/Recherche-/Aufmerksamkeits-)Arbeit für dich erledigen würde, wäre das ein komplett anderes Buch, und imho ein weniger faszinierenderes. Das sind ja nicht Bernd und Uschi, sondern Götter, um die es da geht. Ich will diese Welt nicht komplett verstehen, und definitiv nicht nach einer eindeutigen Erklärung oder so.

    Zitat Zitat
    Das Setting und das Konzept fand ich wirklich großartig, aber ich denke, dass Neil Gaiman das insgesamt nicht gut ausgenutzt hat. Für mich hat er einfach so viel offen und unbeleuchtet gelassen, dass ich nicht mehr von Subtilität sprechen kann, sondern von persönlichem Mangel als Autor.
    Das ist eine unpassende Einschätzung, da es zu 100% genau so gedacht war. Du musst es natürlich nicht mögen, aber wenn ein Autor genau das umsetzt, was er tun wollte, ist es kein persönlicher Mangel im Sinne einer Unfähigkeit – Es sei denn, du willst ihn wirklich als Person kritisieren, aber ich denke nicht, dass das die Idee war.
    Edit: Okay, man könnte auch eine bewusste Entscheidung als solche kritisieren, aber das ist mutig, nicht zuletzt, weil man dafür erstmal das Ziel des Autors als solches akzeptieren muss. (Also bspw.: Eine unverständliche Welt erschaffen.) Und sich einig/selbstsicher sein muss, was das Ziel war.

  12. #112
    Wenn das Buch so ist, wie er es sich vorgestellt hat, dann verstehe ich ihn und das Buch nicht. Aus meiner Perspektive hätte er sich dann nämlich bewusst für Methoden entschieden, die das Buch unspektakulärer und lebloser gestalten.

  13. #113
    Zitat Zitat
    Die Sache ist aber, dass Shadow die Welt nicht erkundet und in allen Bezügen passiv und reaktiv bleibt.
    Erinnert mich irgendwie an meine Meinung zu Sternwanderer...

  14. #114
    Zitat Zitat von Byder Beitrag anzeigen
    Wenn das Buch so ist, wie er es sich vorgestellt hat, dann verstehe ich ihn und das Buch nicht. Aus meiner Perspektive hätte er sich dann nämlich bewusst für Methoden entschieden, die das Buch unspektakulärer und lebloser gestalten.
    Jo, für mich hat es eben genau die beschriebene Wirkung gehabt, sollte also rein subjektiv sein.

    Der Sternenwanderer ist noch mal ein komplett anderer Fall, weil es praktisch ein Märchen ist und den ganzen fragwürdigen Ballast mitbringt, der mit dem Genre einhergeht. Das hat mir als Film besser gefallen, weil der deutlicher in Richtung Hollywood-Fantasy geht.

  15. #115
    Ich habe nun den zweiten Band von Majo no Takkyuubin 魔女の宅急便 (Kikis kleiner Lieferservice, 390 Seiten) durchgelesen und somit mein zweites Buch für die Challenge erledigt (2/5).

    Meine im letzten Beitrag geschilderten Eindrücke treffen noch immer so zu, allerdings muss ich noch etwas hinzufügen. Es gibt in dem Buch auch ein paar Kapitel, die etwas melancholischer sind, aber die Traurigkeit eher hintergründig und wird nie in den Fokus gerückt. In einem Kapitel bekommt Kiki von einem alten Mann, der im Krankenhaus liegt und der nicht mehr laufen kann, den Auftrag, mit seinem Gehstock spazierenzugehen, und zwar die Route, die er früher selbst jeden Tag gegangen ist. Dabei soll sie die Dinge um sich beobachten, mit den Menschen sprechen, gerne mal vom Weg abweichen und schließlich den Gehstock an seinen angestammten Platz in seinem Haus zurückbringen. Als Leser ahnt man schon direkt, dass der alte Mann weiß, dass sein Tod kurz bevorsteht, obwohl er sich selbst davon nichts anmerken lassen will. Am Ende des Kapitels wird nur gesagt, dass er nicht mehr in dem Krankenhaus liegt.

    In einem anderen Kapitel erzählt eine alte Frau Kiki die Geschichte von zwei Schwestern, die sich über einen roten Schuh zerstritten haben, der ins Wasser gefallen ist. Sie bittet Kiki, der Schwester, dem der Schuh gehörte, einen neuen zu bringen, den sie zufällig im Schaufenster entdeckt hat. Doch der Straßenname, den ihr die alte Frau nennt, scheint nicht zu existieren. Als Kiki bei den Leuten nachfragt, erfährt sie irgendwann, dass vor sehr langer Zeit mal eine Straße mit diesem Namen existiert hat. Kiki findet das Haus, in dem das Mädchen leben soll, schließlich doch, doch dort wohnt kein Mädchen, sondern eine alte Frau, die aber denselben Namen wie das Mädchen hat. Erst dann bemerkt Kiki, dass die (erste) alte Frau nicht die Geschichte von zwei Mädchen erzählt hat, sondern von sich selbst und ihrer Schwester. Eine Nichtigkeit hat quasi dafür gesorgt, dass sie sich jahrzehntelang gemieden haben. Als Kiki den Schuh überbringt, finden die beiden aber endlich wieder zueinander. (Das wird aber erst in einem späteren Kapitel nebenbei angedeutet.)

    Auf jeden Fall ist das ein tolles Kinderbuch, sehr schön geschrieben und voller zauberhafter Einfälle. Hätte vermutlich auch gut für den deutschen Markt funktioniert, denn kulturell fühlt sich das Buch nicht besonders exotisch an – erinnert im Grunde genommen sehr an westliche Kinderliteratur. Schade, dass es nie übersetzt wurde.

  16. #116
    Ich hab die Eröffnung des Threads nicht mitbekommen, aber zu Motivationszwecken würde ich gerne zur Halbzeit noch einsteigen.
    Mein Ziel sind 3 Bücher in 6 Monaten bis zum Ende des Jahres:

    1. Larry Niven und Jerry Pournelle: Der Splitter im Auge Gottes
    2. Dan Simmons: Hyperion
    3. Dan Simmons: Der Sturz von Hyperion

    Letzteres habe ich zwar als Sammelband, aber als Klotz von 1400 Seiten zählt ich das mal als 2 Bücher. ^^

  17. #117
    4327+572 = 4899 Seiten

    Zuletzt dann "Deutschstunde" von Siegfried Lenz, dass mir sehr gut gefallen hat. Wohl das beste in diesem Jahr. Wahnsinnig tiefgründige Parabel über zweieinhalb Streithähne und die Bedeutsamkeit, die Freuden und die Grenzen der Pflicht. Darüber hinaus sehr unterhaltsam, stellenweise echt witzig und unverkennbar norddeutsch geschrieben. Hab im Slang sehr oft meine Heimat wiedererkannt und das, obwohl ein Großteil des Buches vor fast 80 Jahren spielt.

    Ebenfalls als Hörbuch konsumiert. Diesmal vom Autor persönlich. 4,5/5

  18. #118
    H.G. Wells - The Time Machine
    100 Seiten

    Ein junger Mann reist mit einer selbstgebauten Zeitmaschine 80.000 Jahre in die Zukunft und stellt fest, dass sich die Menschheit in zwei Wesen weiterentwickelt und aufgeteilt hat: Die dummen aber friedvollen Eloi auf der Oberfläche und die bösartigen im Untergrund wohnenden Morlocks. Als ihm seine Zeitmaschine gestohlen wird, versucht er, diese wiederzubekommen.

    Inhaltlich schon ein interessantes Buch, aber anstrengend zu lesen. Wenn man sich auf die ausführlichen Beschreibungen in anspruchsvollerem Englisch einlassen kann, funktioniert dieses Abenteuer in eine unbekannte Welt auch, aber mit nur minimalen Müdigkeitserscheinungen ist es einfach nicht spektakulär genug, um dann auch wirklich aufmerksam dran zu bleiben. Ich fand hier aber sehr interessant, dass die Zukunftsvisionen von der jungen Evolutionstheorie geprägt sind und sich Morlocks und Eloi durch Anpassung entwickelt haben. Die sozialkritische Komponente des Buches ist mir jedoch nicht aufgefallen, die hab ich erst im Nachhinein nachgelesen.

    Fazit: Gutes Buch mit interessantem Hintergrund.

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