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Thema: Reading Challenge 2018 – Zeit zum Lesen!

  1. #121


    Gillian Flynn - Gone Girl
    550 Seiten

    Gone Girl ist eines der beste Bücher die ich in den letzten Jahren und wahrscheinlich eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe, auch wenn ich mich nicht ganz dazu bringen kann, dem ganzen 5/5 zu geben. Ich kann jedem empfehlen, entweder das Buch zu lesen oder den Film zu schauen (den ich noch nicht gesehen hab, der jedoch ebenfalls sehr gut sein soll!), sich aber vorher in keinster Weise über den Inhalt zu informieren.

    Kurze Meinung im Spoilerkasten:



    Mal gucken, ob ich nächstes Jahr noch ein Buch von ihr lese. Angefixt bin ich jedenfalls.

    Geändert von Byder (17.07.2018 um 00:57 Uhr)

  2. #122
    Also just for the records - ich habe alle Bücher bis auf Band 2 und 3 der Stormlightsaga durch.

    Aber ich hab halt noch keine Kurzartikel darüber geschrieben ^^"
    Kommt aber noch! Stormlight fasse ich dann vllt auch einfach zu einem zusammen, wenn ich mit dem dritten durch bin.

  3. #123
    Mal wieder was auf dem BMT durchgelesen, wenngleich ich zu beidem nicht soviel zu sagen habe.

    Roadside Picnic - Arkady and Boris Strugatsky
    Ein interessantes Buch in dem die Menschheit mal kurz von Aliens besucht wurden die aber genauso schnell wieder verschwunden sind, woraufhin sie mysteriöse Zonen voller Artefakte und Anomalien hinterlassen haben. Deswegen haben manche Menschen auch die Theorie, dass die Aliens quasi nur ein Picknick gemacht und daraufhin ihren Müll liegen gelassen haben. Und die Erforschung dieser Zonen mit all ihrer Tücken ist auch richtig gut gemacht. Es gibt nur leider nicht soviel davon. Genauso wenig wie von irgendwas anderem. Das Buch ist nämlich leider nur 200 Seiten lang, weswegen ich kurz nachdem ich damit angefangen hatte auch schon wieder durch war. Und die Story wird leider etwas sprunghaft erzählt, mit einigen Zeitsprüngen die mich anfangs kurz verwirrt hatten, bis ich dann nochmal zurückgegangen und nach dem vorherigen Datum geschaut hatte. Kann mal also durchaus lesen um zu sehen von was die S.T.A.L.K.E.R. Reihe inspiriert wurde, aber es hätte noch soviel länger sein können. Da bleibe ich doch lieber bei Metro 2033, auch wenn die Nachfolger bei weitem nicht so gut sind. Zumindest was die Bücher angeht.

    The Murder of Roger Ackroyd - Agatha Christie
    Hier habe ich echt nicht viel zu sagen. Nettes Buch mit einer guten Enthüllung die sicher davon profitieren würde es nochmal zu lesen. Ist mit 300 Seiten ja auch nicht so lang. Aber nachdem ich jetzt drei Bücher von Agatha Christie gelesen habe, von denen ich eins ja nicht mal wirklich gut fand, habe ich nicht wirklich Interesse noch mehr von ihr zu lesen. Durchaus ein netter Zeitvertreib, auch wenn ich die positiven Meinungen zu And Then There Were None echt nicht verstehen kann, aber sie haben mich nicht so sehr begeistert, dass ich unbedingt noch all ihre anderen Werke lesen müsste.

    Geändert von ~Jack~ (06.08.2018 um 20:45 Uhr)

  4. #124
    Archetypes in Branding
    Margaret Hartwell, Joshua C. Chen

    Dieses Buch wurde mir von meiner Vorgesetzten gegeben, mit dem Auftrag, es zu lesen und die wichtigen Inhalte für unsere Abteilung herauszufiltern. Ich habe jedoch schnell eigene Faszination für die Archetypes entwickelt und die Arbeit damit als sehr interessant empfunden.
    Es geht - wie der Titel schon verrät - grob gesagt um Archetypen, die man zur Findung, Beschreibung und Reflexion seiner eigenen Marke/Firma/whatever einsetzen kann. Man denkt hier in bildlichen und emotionalen Konzepten und "Personas". Personifiziert also seinen Gegenstand der Untersuchung (Meist eine Marke/Firma oder ein Produkt). Die fachliche Basis dieser Typen bietet die Archetypenlehre von Jung. (Üblicherweise sind 12 Typen bekannt, das Buch geht jedoch noch einen Schritt weiter und clustert stolze 60 Archetypen zu 12 Archetypenfamilien.)

    Ich habe schon schnell festgestellt, dass es sich hierbei nicht nicht um ein übliches Fachbuch handelt, sondern um ein Kreativtool. Es gibt ein paar Seiten Text mit mäßig relevantem Inhalt. Der Großteil des Buches besteht jedoch aus den 60 Typbeschreibungen und 60 heraustrennbaren Karten. Die Vorderseiten (für die rechte Gehirnhälfte gedacht, wie das Buch sagt) sind von unterschiedlicher Gestaltung, die in ihrem Wesen den Kern des jeweiligen Archetypen wiederspiegeln soll. Die Rückseite (für die linke Gehirnhälfte gedacht) enthält die Einordnung des jeweiligen Archetypen in die 12 Familien, eine Beschreibung und eine kurze Übersicht über Vorteile und Herausforderungen, die dem Archetypen zu eigen sind.

    Klingt kompliziert und umfangreich, ist es aber nicht wirklich.
    • Die 12 Grundtypen sind schnell zu erfassen und werden innerhalb der Untertypen lediglich variiert. Man kann sich auch lediglich die Grundtypen heraussuchen und ausschließlich mit diesen arbeiten.
    • Da die Vorderseiten der Karten sehr charakteristisch gestaltet sind, kann man sehr intuitiv mit ihnen arbeiten, ohne sich die beschriebenen Rückseiten auch nur anzuschauen. Dann verwendet man die Karten wie eine Art bunteren Rorschachtest.
    • Letztendlich geht es nicht um eine genaue Einordnung, sondern um Denkanstöße, Reflexion und die Gespräche, die aus der kreativen Arbeit mit den Karten entstehen.


    Vor allem der letzte Punkt ist wichtig. Archetypen sind keine Stereotypen. Das heißt: Sie sind nicht präzise, sie sind keine Definitionen. Zwar sind sie intuitiv erfassbar, aber es wird Lücken geben. Sie geben also lediglich eine gedankliche Richtung vor. Die Autoren sagen dazu:

    Perhaps, there are many right ways.
    Perhaps the point isn‘t to do it right.




    Fazit:
    Als Konzepterin für Präsentationen konnte ich die Karten sehr sinnvoll einsetzen, um mir die Unternehmen unserer Kunden emotional begreifbar zu machen und entsprechende Projektentscheidungen daraus abzuleiten. Ich konnte sehr zielführende Gespräche auf Basis der Karten führen. Auch in internen Workshops habe ich gute und interessante Erfahrungen damit gemacht. Zum Beispiel sagt es viel über einen Chef und seine Einstellung zum Thema Führung aus, wenn er für seine Position die Karte des Caregivers wählt. Die Karten "triggern" solche Erkenntnisse.
    Es macht Spaß, mit den Karten zu hantieren und die interessant gestalteten Vorderseiten bieten eine gute Gesprächs- und Reflexionsbasis.
    Wahrscheinlich werde ich mir auch eigenes Set kaufen und es zur Selbstreflexion nutzen. Und ein bisschen sinnlos damit rumspielen, weil es halt Spaß macht ^^

    Es gibt natürlich auch Kritikpunkte: Das System mit den 12 Archetypen wird bereits erfolgreich in der Werbebranche eingesetzt. Man kann sich darüber streiten, ob die Erweiterung auf ganze 60 Typen wirklich sinnvoll ist. Ich sehe es als optionale Vertiefungsmögichkeit, habe aber auch schon Stimmen gehört, die den Umfang irritierend finden und denken, dass er vom Wesentlichen ablenkt.
    Die Gestaltung der Karten ist Geschmackssache. Meine Stichproben haben bisher ergeben, dass Vorderseite und Rückseite erstaunlich gut zusammenpassen scheinen. Man kann also tatsächlich gut intuitiv damit arbeiten. Natürlich ist das Konzept aber fehlbar. Ich finde jedoch wie gesagt auch nicht, dass man die Rückseite dringend braucht (Rorschachtest und so. Letztendlich ist es ja auch einfach interessant, WAS man in einer Karte sieht.) daher stört mich das nicht allzu sehr.
    Was mich dagegen in der Tat stört ist, dass der Name der 60 Typen jeweils auf der Vorderseite abgebildet ist. Das widerspricht einer Herangehensweise, die sich ausschließlich auf die Gestaltung und die - wie das Buch sagt - rechte Gehirnhälfte konzentriert. Man geht automatisch voreingenommener an die Auswahl heran und der Rorschacheffekt wird deutlich getrübt.


    Letztendlich ist "Archetypes in branding" ein Tool. Meiner Meinung nach ein realtiv gutes, wenn auch mit einigen Schwächen. Aber ich mag es.
    Entscheidend ist jedoch, wie man es einsetzt.

    Geändert von Ty Ni (14.08.2018 um 14:34 Uhr)

  5. #125
    Eine sechswöchige Reise mit diversen Flughäfenaufenthalten und mehrstündigen Busfahrten zollen ihren Tribut:

    Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Proust war wirklich eine verlorene Zeit. Praktisch alles was ich darüber sagen möchte, habe ich schon über der Mann ohne Eigenschaften gesagt. Mich hat der Protagonist und seine Befindlichkeiten nicht die Bohne interessiert. Prosa über den Alltag des Adels ist halt nicht meins. Lediglich ein Zitat war mal ganz gut. Auch der philosophische Unterbau ist mMn total überbewertet.

    Fahrenheit 451 war da schon etwas interessanter. Die Sprache (hab es auf Englisch gehört) war erst gewöhnungsbedürftig, aber sehr lyrisch. Diese Glorifizierung von Büchern find ich nicht ganz so mitreißend, aber Montag ist n ganz solider Protagonist.

    The Ocean at the End of the Lane fand ich ziemlich plump. Viel zu junge Protagonisten (der hier ist 7 Jahre alt) in einer Geschichte, die sich doch eher an Erwachsene richtet, gehen für mich nie so wirklich auf, weil ich das Alter selten abkaufen kann. Außerdem gibt es in der Geschichte etwa drölf Deus Ex Machina Rettungen, was bis zum Schluss keine Spannung mehr aufkommen lässt. Würde durch seine mysteriöse Art und etwas kindgerechter vielleicht einen guten Ghiblifilm machen.

    Bin damit bei 9442 Seiten und habe mein Ziel bereits übertroffen. Dann setz ich noch mal 5000 drauf, um meinen bisherigen Rekord einzustellen.

    Geändert von Itaju (16.08.2018 um 15:55 Uhr)

  6. #126


    a murder is announced hat deutlich länger gedauert als ich es gedacht hätte und auch länger als And then there was no one was zum einen sicher daran liegt, dass das buch auf für mich anstrengendem englisch war und zum anderen, dass ich den inhalt selbst in der ersten hälfte sehr träge und zäh empfand. Die Geschichte und die aufklärung des mordfalls kommt nur sehr, sehr langsam in fahrt, und alles zieht sich in der besagten ersten hälfte beschwerlich. Und ich konnte die meisten charaktere nicht außeinanderhalten. Die paar wichtigsten schon, aber den großteil der bekanntschaft nicht. Zu viele zu gleich klingende namen und kaum persönlichkeit. Ich hatte das buch noch vor dem orientexpress angefangen weil es so dünn ist, aber man kommt trotzdem nicht gut durch. Etwas in fahrt kommt die erzählung endlich, wenn ein bestimmtes, zweites tragisches ereignis passiert. Ab da musste ich mich nicht mehr zum lesen zwingen, weil sich die dramatik und das tempo endlich spürbar erhöhten. Das letzte drittel des buches mochte ich schlussendlich auch noch ganz gern, und die auflösung ist in ordnung. Trotzdem kann ich das buch nicht empfehlen, weil ich es im gegensatz And then there was No One als sehr sperrig und slow-paced empfinde...

    Ich habe direkt danach begonnen, den orient express zu lesen. Das buch habe ich auf deutsch hier und ich erwarte, das es deutlich besser auch ist. Das geht also hoffentlich fixer. Die challenge schaffe ich vielleicht nicht mehr, aber ist ja nicht schlimnm. Der einzige grund warum ich A murder is announced nicht abgebrochen habe ist die challenge, weil ich nach mobby dick und We need to talk about kevin nicht noch ein drittes buch abbrechen wollte...

    Geändert von Pacebook (18.08.2018 um 10:38 Uhr)

  7. #127


    Was für ein tolles, tolles buch! Nach a murder is announced waren meine erwartungen gesenkt, aber trotzdem habe ich auf ein besseres buch gehofft, das ich auch bekommen habe. Es hat doch merklich geholfen es auf deutsch zu lesen, aber für mein gefühl ist es auch unabhängig davon viel besser geschrieben als and then there was no one und announced murder. Ich habe mich kein einziges mal gelangweilt und konnte sogar manchmal das buch nicht weglegen. Poirot ist ein charismatischer detektiv und ich konnte alle charaktere gut voneinander unterscheiden. Mir hat sehr gefallen, dass der leser miträtseln konnte und das buch wie ein zu lösender krimi aufgebaut war. Stolz kann ich sagen, dass ich die letztendliche auflösung etwa nach der hälfte des buches ersonnen habe.

    Ich habe eigentlich nichts am buch auszusetzen. Es war kurzweilig, spannend und sehr befriedigend.

    Ich bin schon zur hälfte mit Die Welle durch. Ein furchtbares buch, aber zum glück liest es sich runter wie ein comic. Danach habe ich noch agatha christies Schneewittchen Party hier. Hat das jemand gelesen? Geht es eher in richtung ihrer schwächeren werke? Immerhin ist poirot der protagonist, das gibt mir hoffnung. I have no mouth and I must scream möchte ich auch endlich noch lesen.

    Euch noch einen guten Sonntag.

  8. #128
    1. Wie erwartet schlaucht die Schule etwas, aber hey, endlich alles geupdated! Überprüft gerne, ob ich zählen kann!
    2. Willkommen, Kayano! ^__^
    3. Byder hat wieder seine Seiten nicht zusammengezählt! ;(((
    4. Die Posts von Jack & Ty Ni verwirren mich etwas, weil ich mir nicht sicher bin, wie ich zählen soll. Bitte einfach immer kurz mit angeben, was vorne festgehalten wird! ^^''
    5. Profit!





    Trevor Noah – Born a Crime

    Hat mir meine Freundin empfohlen (wir mögen beide die Daily Show sehr gern!), und holy fuck, was für ein Leben. Eigentlich wäre das so eine typische Biografie, bei der alles danach schreit, dass sich irgendein Auftragsschreiber die abgefahrenst-möglichen Sachen ausgedacht hat, aber Trevor Noah nimmt man das durchaus ab. Der Mann ist einfach eine wahnsinnige Persönlichkeit und genau das scheint auch im Buch durch. Außerdem lernt man eine Unmenge über Südafrika, über die Apartheid, und dass er Geschichten erzählen kann wie ein junger Gott hilft natürlich ebenfalls. Volle Empfehlung!





    Samuel Beckett – Endgame

    Beim Couchsurfen mitgenommen, ohne Erwartungen außer "Hat der nicht Godot geschrieben ...?", und ja, es ist seltsam. Seeeltsames modernes Theater. Ernsthaft lustig und tragisch (auf eine äußerst absurde Art und Weise), aber selbst der Humor liegt in der Ziellosigkeit, im Ficken der Erwartungen. Ich glaube auch, man sollte das hier eher im Theater sehen als es zu lesen. Es stinkt förmlich nach Dialogkunst im Sinne einer echten Unterhaltung. Da es kurz war, bereue ich nichts, aber empfehlen würde ich es nur, wenn man allgemein auf so Kram steht.



    [11/12]

    Ich lese tatsächlich auch schon am nächsten Buch (einem Splittermond-Fantasy-Roman), eins muss ich noch für die Schule lesen (A Raisin in the Sun) und Pratchett kommt danach auch noch dran. Es werden also miiindestens 14 Bücher dieses Jahr, wenn nicht irgendwas schrecklich schief geht. <3

  9. #129
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    4. Die Posts von Jack & Ty Ni verwirren mich etwas, weil ich mir nicht sicher bin, wie ich zählen soll. Bitte einfach immer kurz mit angeben, was vorne festgehalten wird! ^^''
    +2 zu den gelesenen und + 1 zu den maximalen? Also 6/7. Ob da noch was anderes dazukommt weiß ich jetzt nicht, aber ich hätte noch mehr als genug rumliegen Das Erbe der Elfen kommt jetzt aber sicherlich als nächstes. Irgendwann.

    Geändert von ~Jack~ (26.08.2018 um 21:56 Uhr)

  10. #130
    Ich komme auch gut voran mit Kemono no Souja Bd. 2, ich bin nun bei den letzten 15 Prozent. Mit fast 500 Seiten gehört das Buch aber definitiv zu den längeren japanischen Büchern, die ich besitze und im Anschluss will ich definitiv was lesen, was in der modernen Zeit spielt, denn so gut das Buch ist (und es ist wirklich gut!), ist das spezialisierte Vokabular manchmal etwas anstrengend. Das Kindle war echt keine schlechte Investition, habe auf längeren Bahnfahrten gute Fortschritte gemacht.

    Habe schon mehrere Ideen, was ich danach lesen will – momentan liebäugle ich sehr mit Minami no Kuni no Kanyada (南の国のカンヤダ, "Kanyada aus dem Land im Süden"), einem Non-Fiction-Roman (?) von Ghibli-Produzent Toshio Suzuki, das erst kürzlich erschienen ist. Geht scheinbar um eine alleinerziehende Mutter in einer thailändischen Großfamilie und das Thema des Buches ist „im Jetzt leben“. Mehr weiß ich auch nicht, aber ich bin gespannt.

    Geändert von Narcissu (26.08.2018 um 23:17 Uhr)

  11. #131
    @Cipo:
    Ok, dann update ich auch gleich mal: Bin bei 4/5
    Aktuell lese ich Oathbringer von Brandon Sanderson.

    Und ich bin euch noch 3 Kurzrezensionen schuldig

  12. #132
    Fertig mit Kemono no Souja Bd. 2 und somit bei (4/5).

    Das Ende war tatsächlich sehr offen, es endet wirklich mittendrin, was wohl so gewollt zu sein scheint, aber ohne die zwei Nachfolgerbände wären definitiv zu viele wichtige Fragen offengeblieben. Über die wiederum weiß ich fast gar nichts, aber ich bin gespannt.

    Gibt die Bücher übrigens seit ein paar Monaten auch auf Englisch, wie ich die Tage bemerkt habe:

  13. #133
    Aktualisiert!

    Zitat Zitat von Ty Ni
    Und ich bin euch noch 3 Kurzrezensionen schuldig
    Mach dir da aber keinen Stress, es geht ja letztlich ums Lesen und nicht darum, sich noch zusätzlich Druck zu machen oder so. ^_~





    Phönix und Affe – Judith C. Vogt

    Ich kopiere mal einen Text aus dem Splittermond-Forum. Das bedeutet, er ist zwar detaillierter als sonst, aber auch irgendwo auf das dortige Publikum zugeschnitten. Ist der Roman auch für Nicht-Splittermond-Fans interessant? Ich denke schon, aber nur, wenn man auf Wuxia, Kung Fu oder asiatisch angehauchte Fantasy steht.

    Phönix und Affe ist der erste Splimo-Roman, den ich nicht nur rudimentär verfolgt, sondern komplett gelesen habe, und zwar ganz einfach deshalb, weil es der erste Splimo-Roman ist, den ich ernsthaft lesen wollte. Das lag teilweise am offensichtlichen Genre, teilweise an einer durchscheinenden Konzeptualität (die Wahl des Titels!) sowie einigen interessanten Herangehensweisen, von denen ich in den sozialen Medien Wind bekommen habe, teilweise aber auch ganz stumpf am Setting, da ich mit am Zhoujiang-Band geschrieben habe und insofern mindestens etwas voreingenommen bin. Generell lese ich aber schon seit langem kaum mehr Fantasy, wenn auch nicht aus Überzeugung, sondern aus "zu wenig Zeit, zu viel Stuff" und einem Job heraus, der es erfordert, viele andere Dinge zu lesen. Deshalb habe ich auch hier etwas gebraucht. :<
    [size=8pt]Das war jetzt also der Disclaimer! ;P[/size]

    Wie es geschrieben ist

    Das Buch liest sich grundlegend sehr angenehm. Die Beschreibungen faszinieren, weil sie genau den richtigen Umfang haben. Die Dialoge sind lebendig, beim näheren Hinschauen vielleicht sogar glaubwürdig: Anfangs etwas schwierig zu greifen – die Klischees "fehlen" eben –, im Laufe des Buchs aber zunehmend nachvollziehbar; nicht weil sie besser geschrieben wären, sondern weil man die Charaktere kennenlernt und versteht, wie sie sprechen (oder auch nicht 8D). Gerade Ming-Na hatte diesen Effekt bei mir, denn spätestens in Palitan habe ich mehr als genug von der Pubertät gehört, die mich am Anfang noch überrascht hat. Zhihous "Sprache" ist wie schon im Thread angemerkt sehr engagiert umgesetzt, auch wenn es mir zeitweise etwas "gimmicky" vorkam. Man merkt sozusagen, dass hier an erster Stelle eine Idee stand, keine organische Entwicklung. Störend fand ich das aber nicht, nicht zuletzt weil dieses Genre nun mal mit starken Ideen und Klischees spielt, bis sich alles biegt und bricht. Umso schöner, dass sie sich in diesem Buch eher auf der Oberfläche abspielen, während die Charaktere deutlich "echter" herüberkommen!
    Ein bisschen muss man sich sozusagen drauf auflassen, hier eine Wuxia-Kung-Fu-etc-Geschichte zu lesen, und diese Aussage packe ich auch direkt mal in eine neue Zeile, weil ich mir gut vorstellen kann, dass sie für einige Leute einen wiederkehrenden Kritikpunkt darstellen könnte. Ich habe genau das aber durchaus genossen.
    Hin und wieder haben die detailliert beschriebenen Kämpfe meine Aufmerksamkeit verloren, was nicht am Detailgrad liegt, sondern daran, dass ich als alternder Millenial vielleicht doch einen Tacken mehr Leserfreundlichkeit benötigt hätte, ein bisschen mehr Wiederholung und Absicherung, ein bisschen Idiotensicherheit eben. So richtig verwunderlich ist das Ganze aber nicht, weil nun mal jede Bewegung von Dynamik und Drama getragen wird, und da kommt der Schreibstil nicht immer ganz hinterher. Ich möchte hier aber die Wörter "hin und wieder" betonen, denn im Großen und Ganzen passen die Kämpfe nicht nur zum Genre, sondern sind auch noch spannend und kreativ inszeniert. Und das liest sich (meistens) auch so. Lustigerweise habe ich auch bei den Nebenfiguren gerne mal den Überblick verloren, was einerseits eine persönliche Schwäche ist (ich hatte eine MENGE Spaß an George R. R. Martin ~_~), andererseits aber auch durch den einen oder anderen Nebensatz hätte abgefedert werden können: "[...], ihre alte Meisterin", "[...], der große Tiergeist der Spinne" usw.

    Hin und wieder hatte ich vor diesem Hintergrund auch den Gedanken, dass das hier ganz schön harter Stoff sein könnte, wenn man nicht mit Lorakis oder Zhoujiang vertraut ist ... Das ist aber natürlich nur eine Vermutung, und vielleicht ist gerade dieser Overkill an fremdartigen Konzepten und Namen auch ein Teil der Faszination für viele Unbedarfte. Würde mich interessieren!

    Was es mit Splittermond zu tun hat

    Eine Menge? Holy fuck, dieser Roman ist ja mal so richtig schön Splimo, oder noch spezifischer, so richtig schön Zhoujiang geworden! =D Ich habe mich definitiv etwas woozy gefühlt, weil er das Feeling dieses Subsettings so viel lebendiger und rabiat greifbarer als der Kampagnenband einfängt. Die alltägliche Magie liegt in der Luft, ohne die "richtigen" Mysterien zu entwerten. Der Einstieg im Affentempel und die anhaltend-allgegenwärtige Bedeutung der verschiedenartigen Geister sind genau das, was ich mir von einem Zhoujiang-Roman gewünscht hätte. Der Konflikt der drei Parteien schwelt stets im Hintergrund, ohne sich dabei in jedes Winkelchen der Story quetschen zu müssen. Es bleibt Raum für Setting, für massenhaft offene Fragen, für eigene Abenteuer. Die Mentalität der Zhoujiangis, die im Kampagnenbuch vielleicht eine halbe Seite einnimmt, wird immer wieder direkt angesprochen oder subtil eingebunden. Die Spinnenprovinz? Einfach nur nice. Teilweise fühlt es sich fast schon wie ein Road Trip durch unser Setting an, was ja auch im vielfachen Sinne Sinn macht.
    Auch der Power-Level der beteiligten Charaktere entspricht größtenteils dem Splittermond in meinem Kopf. Jemand hatte hier zwar schon angesprochen, dass die Bedrohung durch die Gegenspieler deutlicher oder bedrohlicher sein könnte (Ich stimme zu und ergänze: Zu viele chaotische Großkämpfe, zu wenige Duelle, zumindest für das Genre!), aber beim Lesen hat mich das nicht wirklich gestört. Ist sicher auch eine Konsequenz daraus, dass sich die Antagonisten trotz deutlich geklärter Fronten nicht unbedingt wie solche lesen – was ich sehr angenehm finde! Selbst Xitinhis Soldatenbegleiter mochte ich am Ende irgendwie, obwohl er wahrscheinlich drei Zeilen Dialog und vier Zeilen Beschreibung hatte.
    Dicke Kudos übrigens auch für die Darstellung der Triaden und ihrer Oberhäupter, sowie der prekären Balance, solche für das Setting essenziellen Charaktere sinnvoll in die Story einzubinden, sie aber weder unfähig, noch wie unantastbare "Meister-NSCs" (lol) erscheinen zu lassen. Das war so richtig fantastisch! =D
    Es gibt ein paar Details, die den Kampagnenband zumindest ... interpretieren, aber ich werde mich hüten, sie zu kritisieren, da ich sie tendenziell ziemlich cool finde und mir nicht mal 100% sicher bin, ob wir sie alleine durch die Weltredaktion bekommen hätten. 8D

    Wie es seine Geschichte erzählt

    Die Story lebt von der Reise, Wuxia eben, und durch die vielen Schauplätze mit ihren Besonderheiten und die vielen kleinen Mysterien funktioniert das für mich auch ganz hervorragend. Der seichte Humor und die süßen Beziehungshiebe hier und da helfen ebenfalls; auch wenn sie maaaaanchmal noch einen kleinen Tacken organischer kommen könnten.
    Was die Gesamtstruktur und das "große Mysterium" angeht ... hm. Hier tue ich mich etwas schwerer mit einer Einschätzung. Ich habe erst überlegt, (wie schon jemand vor mir) die Spannungskurve zu kritisieren, da es eine lange Strecke gibt, auf der man nicht wirklich viel Neues erfährt, aber ehrlich gesagt hat mich das kein bisschen gestört, und ich halte nichts davon, etwas nach Schema F zu bewerten. Reden wir also lieber über etwas, das mich gestört hat! (So ein bisschen zumindest.) Spoiler!
    Die Auflösung um Ming-Nas "Identität" funktioniert, aber nur haarscharf. Ich hatte so etwa zwei bis drei Seiten, auf denen der Deus-Ex-Machina-Alarm in meinem Hinterkopf ziemlich schlimm herumgeheult hat, und zwar nicht, weil Hüeng ein ziemlich fetter "Deus" ist, sondern weil uns die Romanmaschine davor ziemlich deutlich in die Richtung einer größtenteils weltlichen Auflösung um familiäre Herkunft, politische Doppelgänger u.ä. stupst. Natürlich gibt es immer eine übernatürliche Komponente, aber "Ming-Na ist ein großer Geist, tja!" legt dann doch schon ein paar Schippen oben drauf. DASS der Phönix für mich persönlich am Ende, nach diesen drei Seiten, doch noch funktioniert hat, ist wiederum eine große Errungenschaft der Autorin: Sie hat erfolgreich eine Welt beschrieben, in der das Eingreifen eines Geistes nicht billig wirkt, sondern wie selbstverständlich passt, in der es den großen Affen am Anfang und den Krebs in der Mitte spiegelt, und natürlich alles um Lia-Anh. Dicken Respekt dafür! Man kann sich halt streiten, ob die weltlichen Dinge um Ming-Na nicht ein bisschen zu aufdringlich waren, aber das Gesamtbild hält so oder so.
    Oh, und ich mag das offene Ende! Man kann es als "Der Weg ist das Ziel!" lesen, was in diesem Genre abermals komplett Sinn macht, man kann aber auch auf einen Nachfolgeroman hoffen, dann sicherlich mit dem Geisterdrachen oder ähnlich mächtigen Gegenspielern. Xitinhi ist an dieser Stelle ja höchstens noch ein/-e Antiheld/-in, was natürlich auch sehr cool werden kann. Sie/er hat auch den einzigen Storystrang, der für meinen Geschmack einen Tacken zu offen bleibt. Hier hätte ich gerne einen Epilog gelesen, nicht zuletzt, um einem Charakter mit so offensichtlich progressiv motivierter Entstehung einen gewissen Endpunkt zu geben. Dann wiederum: Vielleicht ist diese absolute Offenheit ja auch genau der richtige Endpunkt.

    Fazit: Insgesamt habe ich Phönix und Affe sehr genossen, und genau das ist der Punkt. Der Roman tut genau das, was er tun möchte, ohne Probleme, die ich als ernsthaft störend empfunden hätte. Im Gegensatz gibt es viele Dinge, die mich fasziniert, hier und da mitgerissen und definitiv regelmäßig lächeln lassen haben. Volle Empfehlung, wenn man etwas mit dem Genre oder Splittermond im Allgemeinen anfangen kann!

    Btw, eine lächerliche Detailfrage spukt mir schon seit Stunden durch den Kopf: Welche Überlegungen standen dahinter, das Buch nicht "Affe und Phönix" zu nennen? (Vom Klang wäre das eindeutig besser gewesen, würde ich persönlich sagen.) Ist es die Konzeptualität des Phönix als erstem der Tiergeister? Hat es was mit der Platzierung der Hauptfiguren und ihrer Beziehung in der Geschichte zu tun? Gibt es einen ganz anderen Grund, den ich noch nicht sehe?! xD''



    [12/12]

    Ich feire aber mal noch nicht zu hart, weil mir noch ein Tiffany-Aching-Buch aus meiner Liste fehlt. ^^ Das klappt noch, aber hey, vielleicht komme ich ja auch noch auf 15, das wäre eine schön runde Zahl.

  14. #134


    Lorraine Hansberry – A Raisin in the Sun

    Ein Theaterstück über die Träume und Probleme einer schwarzen Familie im Chicago der 50er-Jahre.

    Wir nehmen es in der Schule durch, und nun ja, ich muss sagen, es ist so ein richtiges Schulbuch, mit allen Implikationen. Ich werde mich die Tage noch ein bisschen ins Sekundärmaterial einlesen (heißt, allem voran Youtube-Videos und Verfilmungen schauen ), aber so richtig umgehauen oder mitgerissen hat es mich nicht, auch wenn ich den intellektuellen Wert durchaus sehen kann. Was aber auch nicht schwer ist, denn das Ding OOZT regelrecht gesellschaftlich-historische Relevanz, gerade wenn man sich vor Augen hält, dass es direkt vor der Bürgerrechtsbewegung und der zweiten Feminismus-Welle veröffentlicht wurde. Der Schreibstil ist dabei, genau wie die Handlung, sehr lebensnah und bodenständig, bis hin zum Black English, die Charaktere sind nachvollziehbar und sympathisch. Ich mag den oftmals trockenen Humor, aber letztendlich merkt man imho sehr deutlich, dass das Ganze für das Theater geschrieben wurde und als Drama nicht unbedingt gewinnt. Vor diesem Hintergrund würde ich eher empfehlen, es irgendwie zu sehen als es zu lesen; vielleicht ergänze ich hier noch eine Empfehlung, wenn ich mich selbst durch die Adaptionen geguckt habe.

    Meine momentane Unterrichtsplanung jedenfalls geht eher in die Richtung, recht schnell vom Stück in die Gegenwart zu kommen. Relevant ist es definitiv noch, ich weiß nur nicht, ob man sich dafür durch die Bühnenanleitung kämpfen muss. ^_~

    [13/12]


    So, nun aber Tiffany Aching!

  15. #135
    Lang nicht mehr gemeldet, aber ich habe dank eines längeren Urlaubs es endlich wieder geschafft, ein bisschen am Stück zu lesen. Und zwar habe ich Homers Ilias gelesen.
    (Den Erfahrungsbericht über Scotts Antarktisreise habe ich für's erste auf Eis gelegt, da er mich nicht ganz packen konnte und etwas zu lang war, aber ich komme hoffentlich bald darauf zurück.)

    Die Ilias ist super spannend. Ich habe sie in der englischen Prosa-Übersetzung von Samuel Butler gelesen, was mir sehr geholfen hat, die Geschichte richtig zu verstehen. Kann ich jedem zumindest für die erste Lektüre ans Herz legen - da hier nichts der Poesie wegen verkürzt oder kryptisch formuliert wird, ist es auch eine sehr korrekte Übersetzung. In der Version liest es sich wirklich wie ein Action-Blockbuster, der sich an grausamen Gewaltszenen ergötzt. Da werden Leute geköpft, durch die Nippel erstochen, aufgeschlitzt dass alle Gedärme herausquillen usw., und danach stehen die Helden lachend und höhnend über den Leichen und erklären fröhlich, dass Frau und Familie dieses Mannes nun bitter weinen werden.
    Aber kurz worum es geht: um den trojanischen Krieg. Die Stadt Troja heißt nämlich eigentlich auch Ilios, und die Ilias ist also der Gesang vom Krieg um diese Stadt. Dabei werden nur ca. 50 Tage des Krieges beschrieben, der eigentlich 10 Jahre lang ging. Das Ende, wie Troja/Ilios schließlich fällt, wird nur vorhergesagt, aber nicht beschrieben. Tatsächlich arbeitet das Gedicht aber stark damit, dass irgendwelche Charaktere von vergangenen oder kommenden Geschichten erzählen, so dass man am Ende des Gedichtes eigentlich alles Wesentliche über den Krieg weiß.
    Das Gedicht selbst fokussiert sich aber auf ein Schlüsselereignis, nämlich auf die Tage, in denen Achilles sich weigert zu kämpfen, und wie diese schließlich beendet werden. Es fängt damit an, dass Agamemnon eine Gefangene an ihren Vater zurückgeben muss, weil Apollo wütend ist und Unheil über die Griechen bringt. Weil Agamemnon aber nicht weniger Raubgut als die Männer unter ihm haben will, verlangt er von Achilles, dass dieser seine liebste Gefangene ihm gibt. Achilles ist super angepisst, fügt sich aber letztendlich. Aber er sagt, dass er und seine Myrmiden dann nicht mehr kämpfen werden. Da Achilles der größte Held der Griechen ist und das auch alle wissen, ist das also sehr heftig. Außerdem bittet er seine göttliche Mutter, dass die Zeus bitten soll, es den Griechen besonders schwer zu machen, damit sie sehen, was für ein Idiot Agamemnon ist. Zeus stimmt zu, und was folgt ist ein heftiges Hin und Her, weil manche Götter auf der Seite der Griechen sind, manche auf der Seite der Trojaner, und alle versuchen ihrer Seite zu helfen und kämpfen teilweise auch im Getümmel mit. Irgendwann schreitet Zeus ein, sagt dass ab jetzt keiner mehr helfen darf, und lenkt das Schicksal des Krieges höchstpersönlich: er lässt Hektor und seine Trojaner bis zu den Schiffen der Griechen kommen, so dass die Griechen schon in heller Panik sind. Dann sieht er vor, dass der Kumpel von Achilles durch Hektor getötet wird, woraufhin Achilles grenzenlosen Zorn, Trauer und Rachsucht spürt, sich von einem Gott eine neue Rüstung machen lässt und wieder mitkämpft, wodurch sich letztendlich das Blatt wendet. Er tötet Hektor, zerrt seinen Leichnam dann mehrere Tage hinter seinem Streitwagen her und ist generell ein riesiger Arsch. Dann kommt der trojanische König Priamos höchstpersönlich zu ihm und fleht ihn an, ihm seinen toten Sohn zurück zu geben. Die beiden haben einen Moment zusammen, weinen gemeinsam, und Achilles gewährt den Trojanern 12 Tage Waffenstillstand, um in Ruhe um Hektor zu trauern. ENDE.

    ... Wie, Ende? Wo ist der Rest? Muss nicht noch Paris Achilles umbringen? Muss der dann nicht wiederum getötet werden? Was ist mit dem trojanischen Pferd? Und wie entkommt Aeneas aus der Stadt? Tja, das dachte ich mir dann auch, aber wie gesagt, die Geschichte erzählt nur einen Ausschnitt. Es geht letztendlich um die Tage, wo die Götter selbst maßgeblich am Krieg beteiligt sind, und wo Achilles seinen Wunsch erfüllt bekommt, dass der Krieg mies für seine eigene Seite läuft. Zwar wird der Rest angedeutet, und auch Achilles' Tod auf dem Schlachtfeld wird ihm prophezeit (von einem sprechenden Pferd ^^), aber das Gedicht endet dann doch relativ unvermittelt mit einer langen Reihe von Trauerbekundungen der Trojaner bezüglich des toten Hektors.
    Was ich halt sehr überraschend, aber auch spannend und unerwartet finde. Das ist das älteste erhaltene Epos der westlichen Zivilisation! Und es hat trotzdem schon wahnsinnig "modern" wirkende erzählerische Mittel und ist überhaupt nicht das, was ich von einem 3000 Jahre altem Epos erwartet habe. Allein auch, dass die Griechen und die Trojaner in fast gleichem Maße beschrieben werden, und dass dabei immer ihre Sichtweise eingenommen wird und keine Seite stärker dämonisiert oder glorifiziert wird, finde ich beeindruckend. Jeder der Helden ist sowohl ein glorreicher Held aus auch ein unglaubliches Monster. Alle haben niedere Beweggründe und alle kämpfen dreckig.

    Spaß gemacht haben außerdem die Beschreibungen der Götter, die unglaublich eitel sind und sich ständig gegenseitig manipulieren. Spannend auch, weil sie eben konsequent als Ausrede benutzt werden - der Held hat nicht getroffen, weil Athene gegen ihn war, Zeus hat Agamemnon Flausen in den Kopf gesetzt und er kann deshalb ja nichts dafür, dass er so töricht war usw. Die Sekundärliteratur hierzu ist auch lesenswert, weil es z.B. möglich ist, dass die Götter der Ilias letztendlich nur eine Interpretation des Denkens selbst sind - also eine Erklärung für diese komische Stimme in deinem Kopf. Es gibt Leute, die sehen darin eine allmähliche Entdeckung des menschlichen Bewusstseins.

    Jetzt lese ich erst einmal Homers Odyssee, wieder in Samuel Butlers Übersetzung.
    Hier wird das trojanische Pferd dann übrigens kurz erwähnt, in Erzählungen. Spannend ist hier auch bereits, dass 80% der Probleme von Odysseus zu Beginn der Geschichte bereits geschehen sind (Zyklopen, Schafe von Helios, Sirenen usw.). Die Geschichte beginnt damit, dass er für tot gehalten wird, weil er seit 7 Jahren auf Kalypsos Insel gefangen gehalten (und vergewaltigt!) wird. Als er endlich gehen darf, ist seine Irrfahrt kurz darauf schon fast vorbei. Die Geschichte wird zwar erzählt, aber extrem nicht-chronologisch durch Erzählungen verschiedener Charaktere.

    Aktueller Stand:
    5/8

    Geändert von Schattenläufer (11.09.2018 um 09:54 Uhr)

  16. #136
    Geil, eine Zusammenfassung von Schattenläufer über eine übersetzte Prosaversion der Geschichte. Lesenswert!

    Vergiss nicht noch die seitenlange Aufzählung über die Städte und Stämme der Achäer. Man nimmt an, dass da nachträglich immer wieder welche hinzugefügt wurden, damit, egal wo in Griechenland die Geschichte erzählt wird, sich jeder irgegndwie mit seinem lokalpatriotischen Hintergrund beteiligt fühlen kann.

    Die Götter sind der Hammer, das geht in der Odysee leider n bisschen zurück. Aber Athene Waifu4ever. Schick, wie sich die Götter wirklich in zwei Lager teilen und Zeus son bisschen unqualifiziert über allem erstreckt, es den Leuten recht machen will, aber sich dann doch ständig beeinflussen lässt.

  17. #137
    Ich weiß nicht, ob die Zusammenfassung dieses Lob verdient. ^^° Aber dankeschön.
    Ich habe meine Lieblingsstellen tatsächlich gar nicht richtig erwähnt, und die haben fast alle mit Götter-Streitigkeiten zu tun. (Die eine Ausnahme ist alles mit Diomedes. Er, Nestor und Aeneas sind für mich die einzigen wirklichen Sympathieträger, aber im Gegensatz zu den beiden anderen hat Diomedes einfach eine epische Killstreak und ist auch sonst einfach nur Badass - und er ist nicht Sohn einer Gottheit, sondern ein einfacher Mann, sogar einer der jüngsten auf dem Schlachtfeld, und wird von Agamemnon direkt vor seiner Badass-Szene gedemütigt und als seinem Vater nicht ebenbürtig hingestellt. Coole Sau! Schön, dass er dann auch das Wagenrennen gewinnt. )

    Die Vermutung, dass da griechische Stämme hinzugefügt wurden, macht irgendwie Sinn. Hatte ich so noch nicht gelesen, sehr interessant. Mir ist das beim Lesen nicht aufgefallen, ich hatte genau solche langatmigen Passagen erwartet bei einem alten Epos, und viele Charaktere werden da ja auch schon genannt, die irgendwann dann mal auftauchen... dachte ich zumindest? Aber ist möglich, dass ich das falsch im Kopf habe.

    Und total, Zeus und seine Beeinflussbarkeit sind super.
    Zeus: "Von jetzt an greift keiner mehr in den Krieg ein, sonst bekommt er es mit mir zu tun, und ihr wisst, wie viel stärker und besser ich bin als ihr alle!"
    Athene (angepisst): "Wie bitte?! Ich werde sehr wohl den Griechen helfen!"
    Zeus: "Beruhige dich, meine liebste Tochter, ich hab es ja gar nicht wirklich ernst gemeint. Du darfst ihnen weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen."
    So eine Szene gab es zweimal zwischen den beiden. ^^ (Nicht zu vergessen, dass Zeus überredet wurde, Achilles' Wunsch zu erfüllen, indem Thetis ihn am Knie berührte...)

    Die Odyssee liest sich in der Tat sehr anders bisher. Gefällt mir auch total, aber ist durch die klar definierten Hauptcharaktere und die Abenteuergeschichte irgendwie einerseits weniger sperrig, andererseits auch weniger "episch". Mal sehen wie es weitergeht!
    Hast du von der recht neuen englischen Übersetzung von Emily Wilson gehört? Die hat wohl ziemliche Wellen geschlagen, weil sie einerseits sehr poetisch ist, andererseits extrem abgespeckt (ihr Ziel war es, pro Originalvers auch genau einen Vers mit gleicher Anzahl Silben zu verwenden, was wohl recht schwierig ist), und wiederum andererseits, weil ihre Übersetzung wohl teilweise sehr stark vom Original abweicht, um das Ganze etwas moderner, feministischer und "anprangernder" zu machen. Mir hat da vor allem die Berichterstattung darüber missfallen, die alle früheren Übersetzer ein bisschen als Sexisten darstelle, aber ich bin neugierig und werde ihre Übersetzung vielleicht als zweites lesen.

    Geändert von Schattenläufer (12.09.2018 um 09:30 Uhr)

  18. #138
    Holy fuck, der Text ist wie gesagt der älteste Text der westlichen Zivilisation und da wundert sich irgendwen, dass das im 21. Jahrhundert sexistisch aussieht? Die Leute wollen einfach nicht verstehen, dass solche Kunstwerke die Kultur ihrer eigenen Gegenwart beschreiben.
    Ich kann mich gut erinnern, wie ich tumber Tor in meinem ersten Semester an der Uni doch monierte, dass Odysseus seiner so geliebten Penelope untreu war, weil er sich mit der Circe und wenn ich mich richtig erinnere auch mit ein paar anderen Ollen vergnügte (einen Umstand, den auch John "SJW" Green in seiner Crash Course Episode kritisch anmerkte, um Odysseus als Mann, der auch chararkterliche Schwächen hat, anmerkte), bis mein Professor meinem 20-jährigen Ich erwiderte, dass das Konzept von Monogamie wie wir es kennen da noch nicht so ganz State-of-the-Art war.

    Ich hab btw. die klassische Johann Voß Übersetzung gelesen, was anderes kenn ich nich.

  19. #139

    Franz Kafka - Das Schloss (350/350)

    Bevor ich "Kafka am Strand" von Murakami lese, dachte ich, ich les noch vorher was von Kafka, da ich von ihm noch nicht so viel kenne, bis eben auf "Die Verwandlung" und ein paar Parabeln. Dass ich dann aber fast 2 Monate an "Das Schloss" hängenbleibe, kam für mich sehr überraschend.

    Zunächst liegt es daran, dass das Buch kaum formatiert ist. Es gibt so gut wie keine Absätze, der gesamte Text liegt in Form eines monolithischen Blocks vor, was den Lesefluss arg behindert und den Text noch nüchterner gestaltet, als er ohnehin schon ist. Dann ist das Buch stellenweise inhaltlich nur schwer zu greifen und mitunter auch frustrierend, so dass ich mich nie wirklich dazu durchringen konnte, mehr als 20 Seiten am Stück zu lesen.

    Worum geht es? K. reist in ein unbenanntes Dorf, da ihm dort eine Anstellung als Landvermesser zugesagt wurde. Es zeigt sich jedoch, dass es sich dabei um einen bürokratischen Fehler handelt, da eigentlich kein Landvermesser notwendig ist und er dieser Arbeit nicht nachgehen kann. Da er jedoch seine gesamte Zukunft auf diese Anstellung gesetzt hat und nicht nach Hause oder woanders hingehen möchte, versucht er diesen bürokratischen Irrtum durch ein Gespräch mit dem für ihn zuständigen Beamten zu klären, schließlich sei er ja angestellt. Zu diesem Gespräch kommt es jedoch nicht, da der Beamte, der eine Angestellter im regierendem Schloss ist, nur durch seinen Boten und Schreibern mit den Dorfbewohnern korrespondiert. In diesem Dorf gibt es nämlich ein Zweiklassensystem bestehend aus den Dorfbewohnern und den Beamten des Schlosses und wer etwas zu klären hat, muss sich an die Sekretäre richten. Zudem wurden ihm zwei Gehilfen zugeteilt, mit denen er sich auch herumplagen muss, da er diese nicht loswird.

    K. versucht alle möglichen Kniffe und Tricks, um auf Amtswegen mit den Beamten ins Gespräch zu kommen, scheitert jedoch, da er nie ganz hinter den bürokratischen Wahnsinn des Dorfes blickt und am laufenden Band, unbeabsichtigt, Fehltritte begeht.

    Da das Buch nie vollendet wurde, hört es mittendrin einfach auf. Zunächst hat mich dieser Umstand davon abgehalten, dieses Buch überhaupt anzufangen, aber ich glaube, dass es sehr gut passt und dem Buch einen gewissen Charakter gibt. Viele Abschnitte des Buches gehen auch um zwischenmenschliche Beziehungen, vermeintliche Intrigen und der immerwährenden Präsenz des Schlosses und der Beamten. So droht K. zwar an keiner Stelle eine Strafe oder muss er sich sonstwie bedroht fühlen, jedoch scheint immer durch, welche Macht vom rätselhaften Schloss ausgeht und wie seine Regelungen das Leben dort bestimmen und dass er sich dem fügen muss, um etwas zu erreichen.

    Höhepunkt des Buches war für mich, als K. nach einigen Tagen im Dorf von seinem Boten einen Brief erhält, in dem er für seine bisherige Arbeit als Landvermesser gelobt wird, obwohl er diese kein einziges Mal nachgehen konnte. Der Abschnitt über Barnabas, seinem Boten, der zwar seit Jahren im Schloss als Bote angestellt ist, jedoch an der Sinnhaftigkeit seiner Aufgabe zweifelt, hat mir ebenfalls gut gefalllen.

    Insgesamt ist es ein Buch, welches sich auf jeden Fall lohnt, auch wenn es unglaublich anstrengend ist.

    @Cipo:
    2050/3450 Seiten gelesen + zusätzlich 1370 Seiten.

    Geändert von Byder (20.09.2018 um 13:02 Uhr)

  20. #140
    Ich dachte ich gebe mal ein Update - in der Zwischenzeit habe ich einige Hörbücher durch (American Gods, das zweite Magic Cleaning-Buch (s.u., das war aber mehr Hintergrundrauschen für mich) sowie inzwischen stolze 3x Mängelexemplar sowie je ein zweites Mal Wachstumsschmerz und 180 Grad Meer) und immerhin zwei Bücher ausgelesen:
    __________________________________________________

    Marie Kondo - Magic Cleaning
    Nachdem mir die "Konmari-Methode" gefühlt im Stundentakt unterkam (meiner Vorliebe für Inneneinrichtungsfotos sei gedankt) habe ich mir das Buch dazu mal angetan. Und... es ist schon was dran. Aber dazu später mehr.

    Marie Kondo propagiert eine Aufräummethode mit 0% Rückfallrate: Man wirft alles (also alles) auf einen Haufen und nimmt dann einzeln jeden Gegenstand in die Hand und horcht in sich hinein, ob einem der Gegenstand Freude bereitet. Wenn nein - weg damit, wenn ja - behalten, aber dann auch an einen Platz, wo der Gegenstand wertgeschätzt wird. Dabei gibt es verschiedene Kategorien (Erinnerungsstücke vs. Bettwäsche, etwa) und kleinere Einschränkungen (ich fühle mich zu meiner Pfanne weniger emotional verbunden, dennoch leistet sie gute Dienste) und das ganze wird komplementiert durch Tipps, wie die verbleibenden Sachen am besten zu verstauen und zu behandeln sind (beim Portmonnaie sollte man sich etwa am Abend für seine gute Arbeit bedanken, ehe es an einem schönen Ort verstaut wird; die Kleidung des Mannes sollte bitte über der der Frau verstaut werden - aus Respekt, und, weil das Feng Shui das so will).

    Meine Meinung ist etwas Zwiegespalten. Einerseits halte ich 0% Rückfallrate für Humbug, Gespräche mit meinem Portmonnaie für bedenklich und "Respekt vor dem Mann" für eine ziemlich antiquierte Argumentation hinsichtlich meiner Ordnung im Schrank. Hier schimmert außerdem durch, dass sich das Buch sehr an Frauen richtet - aber gut, kommt aus dem japanischen, da ist das mit den Geschlechterrollen alles noch etwas anders als hier.
    Die Idee dagegen, dass man sich nur mit Gegenständen umgeben sollte, die einem Freude bereiten (oder die einem zumindest gute Dienste leisten) hat schon etwas, ebenso wie der dem zugrunde liegende Gedanke, dass eine Wohnung, die nur und explizit mit eben diesen Gegenständen ausstaffiert ist, einem automatisch auch mehr Freude bereitet. "Magic" und "life changing" sind nichts destotrotz etwa sehr euphorische Begriffe. Es ist eine ganz nette Philosophie die glaube ich auch - in Teilen - sehr gut und gesund für den Alltag ist, allerdings ist mir da zuviel Bauernfängerei mit dabei.

    ★★☆☆☆ (2/5)
    __________________________________________________

    Robert Galbraith - Lethal White

    Band 4 der Cormoran Strike-Reihe! Und es ist ein wahnsinniger Wälzer.

    Ich hatte viel Spaß mit dem Buch, gerade auch, da ich Robin und Strike so liebgewonnen habe. Nichtsdestotrotz muss ich zähneknirschend gestehen, dass mir Robins Beziehung etwas zu viel Platz bekommt und vor allem einfach zu vorhersehbar ist, ebenso wie die ganze Dynamik zwischen ihr und Strike. Ich mag auch diese Parts, so ist es nicht, aber zum Einen gerät mir da das Detektivroman-Genre etwas zu sehr in den Hintergrund, zum Anderen wird langsam doch etwas zu klischeehaft und diverse Szenen in der Hinsicht wirken etwas unpassend im Gesamtkontext. Weiterhin ist ein kleiner Teil von mir da altmodisch und hält es (wenn auch weniger dogmatisch) mit Van Dine: "There must be no love interest in the story" (oder sollte zumindest nicht die Hauptrolle spielen). Ich glaube, dass deutlich weniger Beziehungsdramatik der Aufklärung sehr zugute käme - ich kann mir einfach nicht merken, dass auf Seite 83 der Name x in Kontext y auftauchte, wenn dann 600 folgen, von denen ein guter Teil nichts mit dem Fall zu tun hat.

    Der Fall selbst war besser erzählt als in Career of Evil und nicht annähernd so konfus, allerdings stört mich auch, dass es buchstäblich das halbe Buch braucht, bevor endlich mal ein Mord passiert. Klar können Krimis auch sogar ganz ohne auskommen, aber was ich persönlich an der Strike-Serie mag bzw. mochte, war halt dieser leichte, klassische Flair des Detektivromans. Und auch da halte ich es mit Van Dine's Auffassung:
    Ich mochte Lethal White sehr gerne, mag die Charaktere immer noch sehr gerne, aber ich habe etwas Angst, dass Rowling/Galbraith das Detektivgenre aus den Augen verliert und am Ende doch in die Klischeefalle tappt.

    ★★★★☆ (4/5)
    __________________________________________________

    Ansonsten habe ich mir aus dem Urlaub u.a. The Handmaid's Tale mitgebracht (in Ermangelung eines Amazon Prime-Accounts) und ein Buch über die Farbe Weiß. Man darf gespannt sein - Agatha Christie wird, fürchte ich, aber noch etwas auf Eis liegen müssen, dafür habe ich mich da in der ersten Jahreshälfte zu sehr durchgequält.

    8/12, wenn ich mich nicht irre - mal schauen, ob ich das noch schaffe!

    Geändert von BDraw (23.09.2018 um 18:40 Uhr)

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