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Thema: Reading Challenge 2018 – Zeit zum Lesen!

  1. #41
    Ich habe gerade Murder on the Orient Express beendet und muss sagen, dass es mich verglichen mit And Then There Were None doch positiv überrascht hat. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass es meiner Meinung nach wesentlich besser geschrieben ist obwohl es fünf Jahre vorher veröffentlicht wurde. Sprich die Dialoge wurden schön in den Text eingearbeitet anstatt so furchtbar script-artig zu klingen. Es mag zwar insgesamt weniger passieren, aber dafür findet auch eine richtige Untersuchung statt die es einem eventuell erlauben würde den Fall selber zu lösen (was mir allerdings nicht gelungen ist). Das läuft zwar darauf hinaus, dass circa 100 Seiten nur ein Verhör nach dem anderen abgehandelt wird ... und es nach ein paar Untersuchungen noch weitere Verhöre gibt, aber es hat mich eigentlich nie gelangweilt. Und obwohl ich drauf und dran war die Auflösung als sehr unwahrscheinlich abzutun, hat sie schlussendlich doch noch die Kurve gekriegt. And Then There Were None hat das meiner Ansicht nach nicht ganz so gut hinbekommen.

    Von daher weiß ich jetzt nicht was ich jetzt von The Murder of Roger Ackroyd zu erwarten habe. Aber ich hoffe einfach mal, dass es mehr wie Murder on the Orient Express als wie And Then There Were None ist Letzteres hatte zwar ein interessantes Konzept, aber Umineko hat das imo wesentlich besser umgesetzt

  2. #42
    Und durch mit Der Richter und sein Henker.


    Der Richter und sein Henker von Friedrich Dürrenmatt ist eine interessante, im frühen 20. Jahrhundert angesiedelte Detektivgeschichte, die mir hauptsächlich wegen der nüchternen und distanzierten Erzählweise gefallen hat. Dürrenmatt schafft es meiner Meinung nach hier ganz gut, das Geschehen ausführlich zu beschreiben, ohne dabei zu langweilen. Dieser Erzählstil hilft der eigentlichen Handlung ebenfalls sehr, die zwar eine klassische Detektivgeschichte bleibt, aber dennoch spannend und unterhaltsam ist. Die moralische Pointe bleibt da allerdings etwas auf der Strecke und die Auflösung leidet etwas unter den zum Leser zu distanzierten Charakteren, weswegen das Buch in meinen Augen kein Must-Read ist.

    100 Seiten, Cipo!

    Das nächste wird dann das zweite Expanse-Buch sein. Vermutlich bin ich damit erst im April durch.

    Geändert von Byder (11.02.2018 um 04:40 Uhr)

  3. #43
    Darf ich noch mitmachen? Ich glaube ich schaffe so acht bücher, aber weil ich mich herausfordern will, versuche ich zehn. Eines habe ich schon geschaft, zählt das? Es war HIPPOKRATES IN DER HÖLLE. Und gerade bin ich bei world war Z.

  4. #44
    Klar doch! =) Ich trag dich ein.

  5. #45
    Ich mache auch mit und setze mir mal 12 Bücher zum Ziel - eins pro Monat, auch wenn wir schon Februar haben. Da ich dieses Jahr beschlossen habe, meine Agatha Christie-Sammlung auszubauen, kommt das ganz gut (und ich kann mit Jack quatschen, yay!). Natürlich finge ich dann auch mit einem nicht-Christie-Buch an:




    Februar
    Sarah Kuttner (2009), Mängelexemplar

    "'Eine Depression ist ein fucking Event!'
    Meine Güte.
    Mein neuer Psychiater gebärdet sich wie ein Popstar. Selbstbewusst sitzt er hinter seinem Schreibtisch, vor sich eine Flasche Bionade und auf dem Gesicht ein recht gefälliges Niels-Ruf-Grinsen.
    Das verwirrt mich. Bionade und Niels Ruf kenne ich nämlich aus dem richtigen Leben, beide haben in meiner psychiatrischen Praxis bitteschön nichts verloren."


    Karo ist mitte-ende 20, frisch arbeitslos, mit ihrer Beziehung nicht mehr so richtig glücklich - und findet sich plötzlich in einer Depression wieder. Keine "Mh, heute geht's mir nicht gut, ich bin wohl deprimiert"-Depression, eine richtige "Panikattacken-in-der-Nacht"-Depression, in der sie sich plötzlich selbst nicht mehr über den Weg traut und in der alles einfach nur schlimm ist.
    Trotz der finsteren Thematik liest sich das Buch sehr witzig und flüssig, aber ganz ohne dabei Dinge allzu sehr zu beschönigen oder zu verklären: Mängelexemplart gibt ziemlich realistische Einblicke, wie so eine Depression ablaufen kann. Es räumt auf mit Missverständnissen und Vorurteilen - dass ein Psychiater kein Psychotherapeut ist, warum man denn Kreislauftabletten anstandslos nimmt aber bei Antidepressiva erwartet, dass der Körper jetzt bitte auch wieder von alleine klarkommt, warum "reiß dich mal zusammen" ein selten dämlicher Rat ist - und vermittelt, dass es auch okay ist, sich ernsthaft beschissen zu fühlen und man damit nicht einmal alleine ist.

    Natürlich ist in ~260 Seiten Belletristik kein Platz für eine umfassende Abhandlung, zusammen mit sorgfältiger Abwägung von Pro und Contra und Behandlungsmethoden und überhaupt, aber darauf legt es Sarah Kuttner auch nicht an: Sie beschreibt, wie eine Depression verlaufen, wie der Weg dadurch aussehen kann, und bringt damit auch Menschen die das Glück haben, davon unberührt geblieben zu sein, die Thematik näher - und vermittelt anderen womöglich ein Gefühl á la "Sowas, du auch hier? Was ein Zufall!". Meiner Meinung nach ein toller Beitrag, Depressionen zu ent-stigmatisieren und damit sowohl Betroffenen als auch nicht-Betroffenen ein kleines bisschen den Umgang damit zu erleichtern.

    ★★★★★ (5/5)




    @Jack:
    The Murder of Roger Ackroyd hatten wir in der Uni behandelt und ich fand es hervorragend. Bin auf deine Eindrücke gespannt. And Then There Were None habe ich dafür gerade angefangen.

    Geändert von BDraw (18.02.2018 um 13:11 Uhr)

  6. #46
    Bist dabei!

  7. #47
    Zitat Zitat von BDraw Beitrag anzeigen
    @Jack:
    The Murder of Roger Ackroyd hatten wir in der Uni behandelt und ich fand es hervorragend. Bin auf deine Eindrücke gespannt. And Then There Were None habe ich dafür gerade angefangen.
    Wird aber noch ein bisschen dauern bis ich das mal anfange. Zwei Werke von ihr hintereinander reichen erstmal. Von And Then There Were None will ich mir demnächst aber vielleicht mal diese dreiteilige Serie anschauen. Da dürften mich zumindest die Dialoge nicht stören

    Ich habe heute außerdem die ersten 100 Seiten von Collection Fiction - H.P. Lovecraft - A Variorum Edition: Volume 1 gelesen, aber wirklich überzeugt hat mich das noch nicht. H.P. Lovecraft kann zwar offensichtlich gut schreiben, aber storytechnisch lassen seine Geschichten momentan noch zu wünschen übrig, was sicherlich auch an ihrer Kürze liegt.

    So hatte The Beast in the Cave zwar eine gute Prämisse, den Twist am Ende fand ich aber etwas lächerlich präsentiert, vor allem aufgrund der Masse an Ausrufezeichen die darauf folgte. It had at one time been a MAN!!!
    The Alchemist war da schon besser, nur musste ich mir am Ende die Frage stellen: "Ja und? Wurde das nicht gerade schon enthüllt?" Auch wenn der Protagonist das scheinbar nicht verstanden hat.
    The Tomb war dafür nur okay.
    Dagon widerrum hatte einiges an Potenzial, aber der Horror war quasi vorbei bevor er überhaupt beginnen konnte. Mir ist zwar klar, dass H.P. Lovecraft einem die Monster nicht unbedingt ins Gesicht wirft, aber ein bisschen mehr hätte ich trotzdem nicht schlecht gefunden.
    A Reminiscience of Dr. Samuel Johnson fand ich dafür furchtbar langweilig und auch noch schlecht geschrieben. Das soll zwar scheinbar eine akkurate Nachahmung des Stils des 17. und 18.Jahrhunderts sein ... aber ne
    Polaris war zwar wieder besser geschrieben, lief aber nicht wirklich auf irgendwas hinaus.
    Und Beyond the Wall of Sleep war zwar interessant, aber mehr auch nicht.

    Die Fußnoten dieser Sammlung finde ich außerdem recht nutzlos. Am Anfang wird ein bisschen was über unterschiedliche Fassungen der jeweiligen Stories gesagt, aber wirklich interessant ist das auch nicht.
    Aber mal schauen wie der Rest so ist. Sind ja noch so 400 Seiten. Und an sich gäbe es ja noch weitere Bände dieser Variorum Edition, aber ob mir seine späteren Stories besser gefallen weiß ich ja nicht.

    Geändert von ~Jack~ (18.02.2018 um 18:11 Uhr)

  8. #48
    Ich wünschte, ich könnte mit Lovecraft mehr anfangen, aber was ich bisher von ihm gelesen habe war mehr anstrengend als unterhaltsam. Aus Popkulturgründen werde ich mir nochmal ein Sammelband zum Cthulhu-Mythos besorgen und es wahrscheinlich dann auch damit belassen. Wie bist du da zurechtgekommen?

    Edit:
    Zitat Zitat von Jack
    Mir eine Sammlung zu besorgen?
    ....

    Geändert von Byder (18.02.2018 um 18:58 Uhr)

  9. #49
    Zitat Zitat von Byder Beitrag anzeigen
    Wie bist du da zurechtgekommen?
    Mir eine Sammlung zu besorgen? Da hab ich einfach bei reddit nachgeschaut welche Sammlung am besten ist. Diese Variorum Editionen sind zwar nicht die billigsten, schon weil es eben mehrere Bände sind, aber dafür ist die Qualität ganz gut. Gibt zwar auch Komplettsammlungen mit über 1000 Seiten, aber so einen riesigen Wälzer hätte ich nicht unbedingt am Stück lesen wollen, schon weil die Qualität da nicht so gut sein soll. Sowas hatte ich ja schon mit einer 3er Sammlung von Ludlums Bourne Reihe, wo einige Seiten sich einfach mal gelöst haben. Hätte mir den Kauf zwar eigentlich auch sparen können weil man Lovecrafts Werke ja kostenlos online lesen kann, aber dann hätte ich vermutlich noch weniger Motivation die überhaupt zu lesen.
    Anstrengend fand ich die Geschichten bisher aber nicht, außer halt den Schreibstil von A Reminiscience of Dr. Samuel Johnson. Die hab ich deswegen aber auch mehr überflogen als gelesen, was aufgrund der langweilgen Story offensichtlich keine schlechte Idee war

  10. #50
    Zufällig den Thread hier gesehen und mir gedacht „Hey, du machst ja selbst eine kleine Bücherchallenge, dann kannst du die hier auch offiziell machen“ Habe das letzte Jahr fast gar nichts gelesen und möchte das unbedingt ändern.

    Ich plane erstmal mit diesen 6 Büchern: (bzw. eigentlich 12)

    1. J.K. Rowling - Harry Potter [aktuell: 6/7]
      Nochmal alle Bücher auf Englisch. Ich liebe diese Buchreihe über alles und war dank der guten Coldmirror wieder so gehyped, dass ich mir unbedingt den schicken Schuber mit allen Bänden holen musste.
    2. Robert Galbraith – Der Ruf des Kuckucks
      Für die, die es nicht wissen: Robert Galbraith ist ein Pseudonym von J.K. Rowling, unter dem sie seit 2013 Krimis veröffentlicht. Ich mag Harry Potter und habe ihren ersten „Erwachsenenroman“ „Ein plötzlicher Todesfall“ gelesen – da kann man den Krimis doch mal ne Chance geben, oder?
    3. Robert Galbraith – Der Seidenspinner
      s.o.
    4. Robert Galbraith – Die Ernte des Bösen
      s.o.²
    5. Walter Moers - Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
      Die Zamonien-Romane gehören zu meinen absoluten Lieblingsromanen, da kann ich mir das neueste Werk natürlich nicht entgehen lassen! So lässt sich die schmerzhafte Wartezeit bis zur Veröffentlichung von „Das Schloss der Träumenden Bücher“ hoffentlich etwas besser überbrücken.
    6. Alexandre Dumas – Der Graf von Monte Christo
      Seit ich damals „Gankutsuou: The Count of Monte Cristo“, eine Anime-Adaption dieses Buches, gesehen habe, wuchs in mir das Interesse, das Original auch mal zu lesen. Bisher haben mich die 1200 Seiten jedoch abgeschreckt. (den Anime müsste ich auch mal wieder schauen…)

    Das sind erstmal die Bücher, die bei mir zu Hause rumstehen. Sobald die (hoffentlich) geschafft sind, werde ich gucken, was die Bücherei so hergibt Es gibt momentan nichts, was ich unbedingt lesen möchte, aber vielleicht kommen die Ideen mit der Zeit.

    (Das hier ist neben der JRPG Challenge und einer Anime Challenge auf einer anderen Seite meine dritte Challenge für dieses Jahr, wtf)

  11. #51
    Ich habe dich jetzt erstmal für 6 eingetragen, hab ich das richtig gelesen? ^^ Viel Spaß!

  12. #52
    @Jeidist:
    Oh, Galbraith kann ich sehr empfehlen! Das waren die besten neueren Krimis, die ich die letzten Jahre gelesen habe. Ich kenne die deutsche Fassung nicht, aber sollte mich wundern, wenn die allzu sehr gelitten haben sollte. Schilder gern mal deine Eindrücke!
    Ist aber sehr anders als Harry Potter oder Ein plötzlicher Todesfall, ich fand aber im positiven Sinne. Gerade Ein plötzlicher Todesfall fand ich furchtbar deprimierend. ^^;

  13. #53


    So, ich hab das Glasperlenspiel von Hermann Hesse durch.

    Eindruck

    Zuerst will ich noch mal unterstreichen, dass man dieses Buch nicht lesen sollte, wenn man nicht eine gewisse Vorstellung von dem Typen dahinter hat. Das macht wirklich keinen Sinn, es ist sozusagen Hesse Reloaded. Und eigentlich wollte ich hinter meinen ersten Satz oben direkt "Was ein Krampf!" schreiben, denn die ersten – I SHIT YOU NOT – 300 Seiten des Buchs sind meiner Meinung nach mega anstrengend, uninteressant und unglaublich lang gezogen. Es liest sich, als wäre jemand der Meinung gewesen, ein Buch bräuchte eine möglichst idiotensichere und umfassende Exposition, bevor es richtig losgehen kann, und dass diese Exposition auch schon mal die Hälfte der 600 Seiten fressen darf. Das Ganze ist zwar nicht ganz frei von Faszination (gerade durch das fiktive Setting, für das sich Hesse erstmal fett auf der ersten Seite rechtfertigt ), und ich bilde mir ein, ich hätte beim Steppenwolf eine ähnliche Erfahrung gemacht, aber in diesem Umfang geht das echt gar nicht, Intention oder Interpretation hin oder her. Es erinnert mich in diesem Sinne an Unterm Rad – zu wenig für so viel Text! – und wenn es nicht Hesse und nicht dieses Buch gewesen wären, hätte ich es schnell abgebrochen.
    Danach geht es dann aber aufwärts. Nicht nur bekommt die Hauptstory etwas Konflikt, etwas Fleisch, eine weniger konventionelle Auflösung, gerade die Gedichte und die fiktiven Lebensläufe des Hauptcharakters bringen eine Vielseitigkeit in das Buch, die es unbedingt braucht, um seinen Umfang zu rechtfertigen. Besonders der Beichtvater und der indische Lebenslauf haben mir dann richtig gut gefallen. Der Gesamteindruck wird dadurch "echt interessant", denn 300 Seiten Krampf vergesse ich nicht einfach, so gut mir das Ende auch gefallen hat. Und ich denke auch nicht, dass die dafür wirklich nötig gewesen sind.

    Inhaltlich geht es im Glasperlenspiel eigentlich um zwei verschiedene Themen.

    Meister und Schüler

    Das erste, die Beziehung zwischen Meister und Schüler, der Kreis des Lernens und Lehrens, wirkt sehr persönlich, fast als hätte sich Hesse hier nicht mit einem Thema beschäftigen, sondern seine eigenen Erfahrungen und Meinungen dazu niederschreiben wollen, um sie nicht zu vergessen. Was nicht per se schlecht ist, und vor allem am Ende ergibt das Ganze schon einen sehr runden Kreis, ein dickes Gesamtwerk in dieser Sache. Ich musste trotz allem öfter mal an Knights of the Old Republic II denken, das sich ja ebenfalls damit beschäftigt, an den Charakter Kreia, an Zitate wie dieses hier:
    Zitat Zitat
    "Manipulation is done through propelling events – or selected ones – into motion. It is done through teaching, through example, and through conviction. And the greatest of victories are not manipulations at all, but simply awakening others to the truth of what you believe."
    ...und irgendwie finde ich komisch, dass ein halbfertiges Obsidian-Videospiel dieses Thema für mich so viel eingängiger, so viel stärker angeht als Hermann Hesse. Aber hey, warum nicht? Es IST ein gutes Videospiel, und es idealisiert diese Beziehung nun mal nicht so einseitig, fokussiert sich nicht nur auf ihre scheinbare Allgemeingültigkeit als Baustein der menschlichen Realität, sondern stellt sie auch infrage und zeigt die Gefahren, die Irrwege und vor allem die Alternativen. Ich sage später noch mal was dazu, aber letztendlich verwendet Hesse eine Menge Energie, um sich ein nettes, rundes Weltbild aufzubauen, statt sich die tatsächliche Welt anzuschauen.

    Gefühl und Verstand

    Das zweite Thema stellt eigentlich nur den Hintergrund, den Konfliktherd für Meister und Schüler, nämlich diese uralte Wahrnehmung einer Distanz zwischen Instinkt und Verstand, Gefühl und Vernunft ... was heute tatsächlich deutlich aktueller scheint als das Hauptthema, wo man in den Staaten doch immer wieder den "Culture War" befeuert und sich wegen Trump streitet, wo man hierzulande über den Populismus sowie die Elfenbeintürme der Intellektuellen und Politiker wettert. Ich denke aber nicht, dass Hesse in dieser Sache eine hilfreiche Autorität ist, oder nur ein gut gemeintes Beispiel, wie man es nicht machen sollte.
    Denn so sehr er sich praktisch schon seit seinen früheren Büchern an einer Synthese versucht, so sehr er betont, dass auch die "Weltmenschen" eine Weisheit haben, die Joseph Knecht erstrebenswert und wertvoll erscheint – und die er in seinen letzten Lebensabschnitten auch zu erreichen scheint! –, so wahnsinnig distanziert liest sich all das, spätestens in diesem lahmen, Hochkultur-verliebten Schreibstil selbst. Der alte Hesse selbst ist offensichtlich ein astreiner Vorzeige-Intellektueller, der die "Weltmenschen" mit einer distanzierten Faszination betrachtet, immer noch von oben herab, wie einen Menschenzoo mit edlen Wilden. Anders gesagt, er will offenbar einen Riss zwischen Weltlichem und Geistigem aufzeigen, ist aber eigentlich Teil dieses Problems.

    Egozeit!

    An der Stelle trifft mich das Buch auch wieder sehr persönlich, was ich an Hesse schon immer geschätzt habe. Da ist eine Menge drin, mit der ich mich viel zu gut identifizieren kann, seien es Ideale, Ängste, Charakterprobleme, zwischenmenschliche Erfahrungen ... alles dabei. Beispielhaft nur mal dieses bekannte Gedicht hier.
    Zitat Zitat
    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
    Geht mir schon sehr nah, und Hesses Schwächen selbst sind da auch wieder ein teils unangenehmer, teils beruhigender Spiegel.

    Hesse als arme Wurst

    ... deeeenn atsächlich habe ich beim Glasperlenspiel wieder DEUTLICH gemerkt, wie viele Probleme der Mann selbst mit sich herumgetragen haben muss, wie stark die sich in seinen Büchern niederschlagen, wie sie die Bücher sicherlich interessant, aber auch schlechter und fragwürdiger machen. Am offensichtlichsten finde ich im Glasperlenspiel etwa dieses Bild des zufriedenen sterbenden Mannes, der ja ach so erleuchtet ist, dass ihm die Welt nix mehr anhaben kann. Das war zwar nicht die einzige Stelle, an der sich eine gewisse Angst vor dem Tod durch die Zeilen schummelt, aber HOLY FUCK, wollte sich dieser Mann überzeugen, alles richtig zu machen! Oder es zumindest richtig machen zu können, bevor er draufgeht. Zynisch betrachtet ist das ganze Buch ein Versuch, ein Weltbild des "richtigen Lebens" zu bestätigen, eine Naturgegebenheit, und gerade durch die oben beschriebenen Widersprüche und die veralteten Momente wirkt das Ganze heute so. verdammt. traurig. Ein gutes Beispiel ist etwa auch die Sache mit dem lächerlich dualistischen Frauenbild und der homoerotischen Dimension: Alle zwei (!) wichtigen Frauen auf diesen 600 Seiten sind fleischliche Hindernisse, und wenn Hesse nicht ernsthafte Probleme gehabt hat, seine Gefühle und Beziehungen in Einklang mit seinem Selbstbild zu kriegen, fresse ich einen Besen.

    Wie gesagt, das ist natürlich alles ein Teil dessen, was ihn auch heute noch interessant und spannend macht. Aber während er früher ein absolutes Idol für mich war, sehe ich momentan gerade das Glasperlenspiel in vielerlei Hinsicht als ein hübsches und interessantes Glashaus, in dem bloß niemand mit Steinen werfen sollte.




    Damit läuft die Challenge! o/

  14. #54


    Eigentlich habe ich The Wishlist von Eoin Colfer (auf Deutsch: Meg Finn und Liste der vier Wünsche ) nur gelesen, weil es bei meinem letzten Artemis-Fowl-Paket dabei war, aber ich muss sagen, nice! Die 200 Seiten kann man auch sehr gut in einer Woche Busfahren durchlesen.
    Die Story dreht sich um die 14-jährige Meg Finn, die beim Versuch, einen sterbenden alten Mann auszurauben, umgebracht wird, und ihm nun als körperlose Seele dabei helfen muss, seine letzte Wunschliste abzuarbeiten, wenn sie nicht in der Hölle landen will.
    Ähnlich wie bei Artemis Fowl bringt Colfer hier eine Mythologie (in diesem Fall die christliche), Techno-Babbel und niedliche Charakterinteraktionen zusammen. Gerade, dass der zweite Hauptcharakter in einem Kinder-/Jugendbuch ein uralter, zynischer Mann ist, sieht man nicht so oft, und zusammen mit dem zickigen Teenie macht das die Dialoge ziemlich großartig. Tatsächlich geht das Buch aber auch recht emotional in Themen wie Tod und Bedauern, und am Ende hat es mich sogar ein bisschen mitgenommen.
    Artemis Fowl hat zwar das interessantere Setting (und die weniger kitschige Mythologie), aber The Wishlist ist in einem Buch abgeschlossen und insgesamt runder.

    On a roll! Wenn das so weiter geht, verdoppele ich meine eigene Liste noch! ^__~

  15. #55
    Angespornt dadurch, wie sehr ich Mängelexemplar mochte, habe ich mir quasi direkt im Anschluss Wachstumsschmerz und 180 Grad Meer zu Gemüte geführt, die beiden weiteren Bücher von Sarah Kuttner - allerdings als Hörbuch, weswegen ich diesmal keinen Ausschnitt habe. (ich war mir nicht sicher, ob Hörbücher für die Challenge zählen, wollte aber trotzdem kurz berichten!)

    __________

    Sarah Kuttner, Wachstumsschmerz (2011)

    Wachstumsschmerz wird erzählt aus Sicht von Luise, einer Schneiderin für Herrenanzüge Ende 20, die sich mit ihrem langjährigen Partner Flo dazu entschieden hat, zusammenzuziehen - was für beide ein großer, da vor allem auch neuer, Schritt ist. Die Herrenschneiderei läuft solala, die Beziehung ist traumhaft - aber Luise ist unzufrieden. Mit sich selbst, ihrer Situation, ihren Zielen: Alles um sie herum suggeriert ihr, dass sie doch mehr wollen muss, dass sie doch etwas aus ihrem Leben machen soll. Aber warum eigentlich, und vor allem was denn um Himmels Willen?
    Von viel mehr handelt das Buch eigentlich schon gar nicht, aber genau das mag ich daran: Es gibt einige, ausgewählte Foki, und die werden schön und von mehreren Seiten aus beleuchtet.

    Besonders erwähnen möchte ich noch den Erzählstil: Wie immer bei Kuttner ist das ganze Buch aus der ich-Perspektive erzählt, aber jeder größere Abschnitt endet in einem "Memo" von Luise an Flo: Kleine Passagen, wie Briefe, die offenbar zeitversetzt spielen, inmitten einer ganz frischen Beziehungspause. Die beiden Erzählstränge nähern sich somit einander an, man sieht gewissermaßen, wie alles gut ist, weiß aber, dass der große Knall kommen wird. Bloß wie ist unklar. Das ist jetzt natürlich um Gottes Willen nicht die Neuerfindung des Rads, aber ich fand, dass es der oft wieder sehr leichten und lustigen Geschichte eine gewissen Tiefe und sowas wie einen gut greifbaren roten Faden mitgibt.

    Der eigentlich Grund für die Fünf-Sterne-Wertung ist aber das Ende, das mich sehr unerwartet getroffen hat. Ich hab sicher noch zwei Minuten die Kofhörer drin gehabt in der Hoffnung, es käme noch was, und mich nicht getraut nachzusehen. Mehr will ich gar nicht sagen um nicht zu spoilern, aber ich fand es sehr effektvoll und mutig.

    ★★★★★ (5/5)

    __________

    Sarah Kuttner, 180 Grad Meer (2015)

    In 180 Grad Meer verdient sich Jule (mitte 30, dauer-schlecht-gelaunt, streitsüchtig, leicht nymphomanisch) ihr Geld als leidenschaftslose Jazz-Sängerin in einer Bar, mit deren Besitzer sie schläft. Als das jedoch ihr Freund herausbekommt, gibt es Stress: Er will eine Pause, sie kommt für ein paar Wochen bei ihrem Bruder in London unter - nur ein paar Stunden entfernt von ihrem krebskranken Vater, mit dem sie sich schon vor Jahren zerstritten hat.
    Obwohl der Aufhänger für Jules England-Trip ihre Beziehung ist, steht diese gar nicht so sehr im Fokus des Buchs, vielmehr geht es darum, etwas Abstand von sich selbst zu nehmen und sich so aus sicherer Distanz betrachten zu können: Wer und wie bin ich eigentlich (und vor allem wieso) - und was bedeutet das für die Personen um mich herum?

    Von allen drei Büchern gefällt mir 180 Grad Meer gleichzeitig am besten und am wenigsten. Einerseits hat die Autorin es inzwischen wirklich raus mit jeder einzelnen Handlung, jedem Satz, jeder Geste ihre Charaktere lebendig werden zu lassen. Nichts ist umsonst da, alles drückt aus, was für ein Mensch das ist. Andererseits gibt es gleich mehrere Knackpunkte: Jules Beziehung, ihr fast schon krankhaftes Verhältnis zu sexueller Nähe, das schwierige Aufwachsen mit ihrem Bruder bei einer alleinerziehenden, schwer depressiven Mutter, die Entscheidung, wie man mit einem sterbenskranken Mann umgeht, den man eigentlich gar nicht mag, aber dessen Tochter man nunmal leider ist. Von diesen ganzen Knackpunkten wird eigentlich kaum einer richtig beendet, vielmehr bleiben alle in verschiedenen Phasen in der Luft hängen. So sieht's aus, mehr gibt das Leben nicht her, denk dir was schönes dazu.
    Das finde ich als Leser höchst unbefriedigend (daher "am wenigsten"), auf einer theoretischen und erzählerischen Ebene imponiert es mir aber wahnsinnig und geht voll d'accord mit der Kernbotschaft dieser drei Romane: Im Leben läuft vieles schief, Menschen gehen oft kaputt und überhaupt sind Happy Ends zwar ein schönes, aber auch ziemlich naives Konzept - weiter geht es trotzdem immer irgendwie.

    Einen Punkt Abzug gibt es dafür, dass Jule mir an ein paar Stellen etwas zu fix einsichtig war - wenn man einen Charakterzug lang und breit als Kerneigenschaft und Ergebnis einer sehr langen, verkorksten Kindheit etabliert, sollte die Lösung meiner Meinung nach nicht an einem Nachmittag in Form eines einzigen Dialog präsentiert werden. Vor allem nicht, wenn es ja sonst in der Geschichte eigentlich genau darum geht: Diese ganzen Macken und Narben sind eben nicht so einfach aus der Welt zu schaffen, wenn überhaupt.

    ★★★★☆ (4/5)

    __________


    Nachdem ich jetzt alle drei Romane von der guten Frau relativ begeistert gelesen bzw. gehört habe: Würde ich sie empfehlen? Jain.

    Ich weiß ganz ehrlich nicht, wie andere Leute diese Geschichten finden würden. Auf mich haben sie eine große Wirkung, weil ich mich in vielen kleinen Details, aber auch größeren Thematiken, wiederfinde - entweder aufgrund bestimmter Erlebnisse oder auch einfach aufgrund bestimmter Ansichten. Ich kann mir vorstellen, dass das alles (allen voran die Protagonistinnen) furchtbar anstrengend ist für Leute, die diese Identifikationsmöglichkeit da nicht haben oder die einfach gerade sauber konstruierte Handlungsstränge mit sauber verknoteten Enden wollen.

    Hand aufs Herz, alle drei Frauen sind ziemlich kaputt, alle drei verstehen es super, unsympathisch zu sein und sich selbst zu sabottieren, alle drei Geschichten haben wahnsinnig viele lose Enden und lassen einen ohne Antworten auf die meisten aufgeworfenen Fragen zurück. Das muss man mögen. Ich mag es sehr gerne und hoffe, dass Sarah Kuttner vielleicht Lust auf noch ein viertes Buch bekommt.

    Geändert von BDraw (02.03.2018 um 23:55 Uhr)

  16. #56
    Ich habe mir 5 Bücher für diese Challenge vorgenommen. Sprich, ich muss ungefähr alle zwei Monate ein Buch beenden, um meine Quote zu erfüllen (und vielleicht noch ein weiteres Buch dieses Jahr zu schaffen, was ich hoffe. BDraw hat mich ein bisschen heiß auf die Bücher von Sarah Kuttner gemacht. )





    Radical Self-Love
    von Gala Darling

    Okay, warum sollte ausgerechnet ich ein Buch lesen, welches sich um radikale Selbstliebe dreht? Je nachdem, wen man fragt, bin ich entweder eine selbstverliebte Dramaqueen oder eine herrische Hyperkapitalistin oder beides. Außerdem stehen die meisten Leute "Selbsthilfebüchern" und ähnlichem Scheiss recht misstrauisch entgegen. Ich auch.

    Trotzdem hat mich irgendetwas an dem Buch angesprochen. Vom Versprechen, dass Gala Darling ein 'Orakel allen geheimnisvollen Glamours' und ein 'modernen Guru' sei bis hin zum allgemeinen Design und der wunderhübschen Ästhetik ihres Instagram-Accounts sah das ganze wirklich vielversprechend aus. Ich hatte mir von dem Buch versprochen, ein paar handfeste Tipps dazu zu bekommen, wie ich im Alltag besser auf mich Acht gebe und wie ich ich es schaffe, an meinen Fehlern zu arbeiten, ohne mich selbst zu verleugnen.

    Wenn Gala Darling davon spricht, dass sie den Alltag ihrer Leserinnen "magischer" machen will, dann meint sie das auch so. Das Buch ist voll mit Wohlfühlphrasen und derbe esoterisch angehauchten Ideen, aber im Kern steht vor allem eine Sache: Wie derbe geil sich die Autorin selber findet. Ich meine, gut, sie liebt sich selbst radikal, und das muss man ihr auch zugestehen. Vielleicht ist das auch der Versuch, mit gutem Beispiel voranzugehen. Leider sind ihre Tipps für mehr Selbstliebe und Selbstachtung so alt wie der Begriff "famos": Sei nett zu dir selbst, ziehe dir hübsche Sachen an, stehe bei Partys nicht immer nur in der Ecke. Ich finde solche abgedroschenen Phrasen fürchterlich, denn sie helfen eigentlich niemandem. Anfängerinnen und wirklich schüchterne Girls werden sich nicht plötzlich mit der Hand gegen die Stirn schlagen und sagen "Achsooo, ich soll auf andere Leute ZUGEHEN!". Und Frauen wie ich, die so halbwegs wissen, was sie wollen und können, sind schon von alleine auf die Idee gekommen, dass man sich auch einmal selbst herausfordern muss.

    Es gibt keinerlei konkrete Ideen oder Anregungen zum Konzept "radikale Selbstliebe", sondern nur Wischi-Waschi-Esoterik-Wohlfühlgeblubber mit viel, viel Selbstbeweihräucherung. Ein paar gute Ansätze, aber nichts handfestes. Schade!



    Für wen empfehle ich das Buch
    : Als Geschenk für etwas schüchterne Mädchen zum 16. Geburtstag.

    Geändert von Caro (03.03.2018 um 00:19 Uhr)

  17. #57
    Zitat Zitat
    Für wen empfehle ich das Buch: Als Geschenk für etwas schüchterne Mädchen zum 16. Geburtstag.
    Schön Klingt wirklich sehr amerikanisch das Buch.

    Die Sarah-Kuttner-Geschichten reizen mich jetzt tatsächlich auch. Hast du toll hingekriegt, BDraw.

  18. #58
    Zitat Zitat von BDraw Beitrag anzeigen
    Oh, Galbraith kann ich sehr empfehlen! Das waren die besten neueren Krimis, die ich die letzten Jahre gelesen habe. Ich kenne die deutsche Fassung nicht, aber sollte mich wundern, wenn die allzu sehr gelitten haben sollte. Schilder gern mal deine Eindrücke!
    Ist aber sehr anders als Harry Potter oder Ein plötzlicher Todesfall, ich fand aber im positiven Sinne. Gerade Ein plötzlicher Todesfall fand ich furchtbar deprimierend. ^^;
    Ihr Wunsch sei mir Befehl



    Der Ruf des Kuckucks
    von Robert Galbraith

    2013 erschienen
    638 Seiten

    Als das berühmte Model Lula Landry von ihrem schneebedeckten Balkon im Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod stürzt, steht für die ermittelnden Beamten schnell fest, dass es Selbstmord war. Der Fall scheint abgeschlossen. Doch Lulas Bruder hat Zweifel – ein Privatdetektiv soll für ihn die Wahrheit ans Licht bringen.

    Cormoran Strike hat in Afghanistan körperliche und seelische Wunden davongetragen, mangels Aufträgen ist er außerdem finanziell am Ende. Der spektakuläre neue Fall ist seine Rettung, doch der Privatdetektiv ahnt nicht, was die Ermittlungen ihm abverlangen werden. Während Strike immer weiter eindringt in die Welt der Reichen und Schönen, fördert er Erschreckendes zutage und gerät selbst in große Gefahr …

    Ein fesselnder, einzigartiger Kriminalroman, der die Atmosphäre Londons eindrucksvoll einfängt – von der gedämpften Ruhe in den Straßen Mayfairs zu den versteckten Pubs des East Ends und dem lebhaften Treiben Sohos.

    "Der Ruf des Kuckucks“ ist das hochgelobte Krimidebüt von J.K. Rowling, geschrieben unter dem Pseudonym Robert Galbraith, in dem sie mit Cormoran Strike einen ungewöhnlichen Ermittler präsentiert.


    Warum dieses Buch?

    Ich mag Harry Potter. Ich könnte lang und breit erzählen, warum die Buchreihe für mich besonders ist, aber wie der geneigte Leser schon gemerkt hat, geht es hier um eine andere Buchreihe, doch ich hielt es für richtig, das gleich am Anfang loszuwerden, bevor ich noch ständig auf Harry Potter zurückkomme.

    Der Ruf des Kuckucks ist der erste Kriminalroman von J.K. Rowling geschrieben unter dem Pseudonym Robert Galbraith. Das ganze Buch ist in Geheimarbeit entstanden und wurde anonym zu Verlagen geschickt und letztendlich von einem veröffentlicht, mit moderatem Erfolg. Leider wurde die Wahrheit hinter Robert Galbraith nach nur zwei Monaten von einer Zeitung enthüllt, was natürlich zu einem starken Anstieg der Verkaufszahlen führte.
    Schade für J.K. Rowling, die es scheinbar sehr genossen hat, ein komplett neues Buch unabhängig von ihrem vorherigen Ruhm zu schreiben.

    Dass sie die Autorin von Harry Potter ist, ist für mich auch ehrlich gesagt der einzige Grund, warum ich das Buch gelesen habe.


    Worum geht es?

    Der Ruf des Kuckucks ist ein klassischer Kriminalroman: Er beginnt mit dem Tod eines Supermodels unter mysteriösen Umständen, der dazu führt, dass Privatdetektiv Cormoran Strike von einem Familienmitglied der Toten beauftragt wird, die Wahrheit zu enthüllen. Mit seiner neuen Assistentin Robin Ellacott macht Strike sich auf die Suche nach Zeugen und sonstigen Personen von Interesse, um dann ganz am Ende allein den Täter direkt zu konfrontieren.

    Joa. Klassischer Krimi halt.


    Wie hat es mir gefallen?

    Naja. Es war ein ganz nett geschriebener Krimi, aber nichts großartig Besonderes.

    Ganz groß enttäuscht hat mich, wie altbacken und klischeebehaftet die Figuren des Buches sind: Cormoran Strike wird zwar als „ungewöhnlicher Ermittler“ betitelt, doch letztendlich unterscheidet er sich kaum von den ganzen anderen männlichen Detektiven des Genres. Er ist natürlich nicht in der Lage, sein Leben im Griff zu haben, er ist natürlich superintelligent, wird als nicht gerade gutaussehend bezeichnet und war trotzdem mit einer reichen Schönheit verlobt und lässt sich im Buch natürlich nicht die Gelegenheit entgehen, mit einem betrunkenen Supermodel zu schlafen. Und natürlich ist er nicht in der Lage, seine Assistentin Robin als nur eben das anzusehen.

    Das einzig außergewöhnliche an ihm ist sein Millitärhintergrund und dass er im Rahmen dessen ein Bein verloren hat.

    Robin könnte genauso gut aus einem alten Krimi stammen: Sie ist die natürlich hyperkompetente professionelle Assistentin von Strike, die die ganze Drecksarbeit (Google-Recherchen und mögliche Zeugen und Verdächtige solange anrufen, bis sie endlich einem Termin zustimmen) erledigen muss und trotzdem von dem Job begeistert ist, denn ganz mädchenhaft war sie von dem Beruf eines Detektivs schon immer fasziniert. Und NATÜRLICH ist sie superhübsch und sexy, was auch Strike desöfteren erwähnen muss, um sich dann daran zu erinnern, dass Robin ja verlobt ist. Ihr Verlobter ist natürlich gegen Robins Job und hält von Strike so ungefähr gar nichts.

    Sollten Robin und Strike irgendwann was miteinander haben, werde ich kotzen.

    Die restlichen Figuren wirken auch alle öde: Das zickige Supermodel mit einem weichen Kern, der tuntige Modedesigner, der rassistische Onkel der Toten, der drogenabhängige durchgeknallte Rockstar, der Arschloch-Verlobte und und und.

    Die Kriminalgeschichte an sich ist solide, aber echt nichts Besonderes. Die Enthüllung am Ende war ganz nett, wenn auch ein wenig vorhersehbar. Wenigstens lässt sich das Buch ganz gut weglesen und bleibt die ganze Zeit über relativ spannend.


    Und jetzt?

    Der Ruf des Kuckucks fällt für mich in die Kategorie „Ganz nett, kann man mal lesen“. Man wird die 600 Seiten über gut unterhalten, aber nicht überrascht. Vielleicht hatte ich auch einfach zu hohe Erwartungen an Rowling, schließlich ist es ihr Krimidebüt.

    (Ich habe mir die Fortsetzungen Der Seidenspinner und Die Ernte des Bösen trotzdem aus der Bücherei ausgeliehen. Einfach um zu sehen, ob Rowling sich noch verbessern wird )

  19. #59
    Kurzes Update, ich schaue hier immer noch gerne rein und lese, was die anderen so schaffen - aber ich selbst komme nur im Schneckentempo voran, weil mich mein Buch gerade etwas kalt lässt.
    (Das war "Die Chroniken von Amber", Merlins Geschichte.)

    Es hatte anfangs eine ganz schöne 70er-Okkultkrimi-Atmosphäre (ähnlich wie Gabriel Knight, Rosemary's Baby usw.), aber es war klar, dass das nicht lange anhalten würde, denn der Protagonist ist halt Teil der überdimensionalen Königsfamilie und nicht irgendein Mensch, und schon bald ist er in ein großes Abenteuer verstrickt, das mich halt gerade ein bisschen kalt lässt. Darauf gehe ich dann näher ein, wenn ich es durchgelesen habe.

    @Jeidist: Was du über Rowlings Krimi schreibst, klingt total furchtbar. Ich kann deine Kritik sehr gut nachvollziehen. Jetzt sehe ich aber zu dem Buch lauter positive Reviews und bin ein bisschen enttäuscht. Da sieht man, denke ich, dass bei Literatur längst nicht so kritisch hingeschaut wird wie bei Filmen.
    Ich bin mal gespannt, wie die Verfilmung dann ankommen wird, die es ja anscheinend geben soll. Könnte mir gut vorstellen, dass die doch eher zerrissen wird.

  20. #60
    Zitat Zitat von Schattenläufer Beitrag anzeigen
    @Jeidist: Was du über Rowlings Krimi schreibst, klingt total furchtbar. Ich kann deine Kritik sehr gut nachvollziehen. Jetzt sehe ich aber zu dem Buch lauter positive Reviews und bin ein bisschen enttäuscht. Da sieht man, denke ich, dass bei Literatur längst nicht so kritisch hingeschaut wird wie bei Filmen.
    Ich bin mal gespannt, wie die Verfilmung dann ankommen wird, die es ja anscheinend geben soll. Könnte mir gut vorstellen, dass die doch eher zerrissen wird.
    Das will ich jetzt so doch nicht stehen lassen

    Es kommt denke ich wirklich darauf an, was man erwartet. Die Strike-Romane sind letztlich klassische Detektivromane und wollen auch genau das sein, und das machen sie (finde ich) gut. Besser als sehr viele andere Kriminalromane der letzten Jahre, meiner Meinung nach, die sich doch schon sehr weit von den klassischen Eigenschaften entfernt haben. Ich kann verstehen, wenn das auf den einen "altbacken und klischeebehaftet" wirkt, für mich ist das aber der Grund, warum ich die Reihe so mag und was mich gerade dabei reizt.

    Wo ich aber entschieden protestieren muss, ist, dass Robin aus einem alten Krimi stammen könnte: Die gute (und das ist das, was ich der Reihe am höchsten anrechne) ist ein ziemlich moderner und vielschichtiger, weiblicher Hauptcharakter. Ich weiß jetzt nicht, was Jeidist unter "alten Krimi" versteht, aber die alten Krimis, die ich kenne, springen da mit allem was weiblich ist ganz anders um. Ich kann aber ehrlich gesagt da die Kritik komplett nicht nachvollziehen - Robin war für mich weit entfernt von "hyperkompetent" (größter Skill: Kann Googlen und Leute auf social media finden), sondern halt eine recht realistische Frauenfigur, die aus ihrer Stelle bei der Zeitarbeitsfirma das beste macht, indem sie dann wenigstens was macht, was sie inhaltlich reizt. Finde ich jetzt als Motivation auch nicht so verkehrt, wenn sie hier ja nunmal als Assistentin für die ganze Serie etabliert werden soll.
    Vor allem wird sie aber im Laufe der drei Bände sehr gut ausgebaut und entwickelt und geht dabei konträr gegen einen ziemlichen Batzen an blöden Frauen- und vor allem Damsel in Distress-Klischees, was (again) ganz im Gegensatz zu den Damen steht, die etwa Chandler so geschrieben hat.

    Bei Strike bin ich dann - vor allem im ersten Band - wieder bei der Kritik: Dafür, dass ja oft betont, wird wie schrecklich er aussieht, war er mir dafür doch etwas zu... mühelos erfolgreich mit Damen, die er sicher nicht durch seinen Charakter begeistert hat.

    Von daher: Die Bücher sind für mich kein Meisterwerk, schon gar nicht wegen der Fälle - die sind mir zu verworren -, aber ich finde, dass Strike und vor allem Robin solide und vor allem vielschichtige Charaktere sind, die auch gut im Laufe der Bände entwickelt werden. Letztlich sind es aber klassische Detektivgeschichten etwas moderner aufgelegt und mit dem Fokus auf den Cahrakteren als auf dem Verbrechen. Frischer Wind kommt da erst später - da würde ich dann tatsächlich von "hardboiled crime fiction meets modern-day feminism" sprechen, was (wieder, für mich) ein interessanter, da erst einmal sehr widersprüchlicher, Mix ist.

    Geändert von BDraw (06.03.2018 um 00:02 Uhr)

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