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Thema: Reading Challenge 2018 – Zeit zum Lesen!

  1. #141


    Ein fürchterliches buch. Ich fand den film damals und heute in ordnung. Er hat seine kleinen und großen schwächen, zum beispiel das acting, aber ich konnte den übergang von spiel zu ernst, von zusammenhalt zu faschismus einigermaßen nachvollziehen, und details wie die weißen hemden wurden gut eingearbeitet. Das buch ist von der ersten bis zur letzten seite ein drohender erhobener zeigefinger, nicht mehr. Hier braucht es buchstäblich nur eine schulstunde von ordentlich hinstellen und disziplin üben, damit sich alle benehmen als hätten sie eine militärdroge geschluckt und die wenig überzeugende protagonistin sich sorgen macht, dass das ja alles zu weit geht. Keine einzige person im buch benimmt sich wie ein echter mensch, keiner scheint einen gesunden menschenverstand zu besitzen und die entwicklung der welle verläuft von 0 auf 100. Auf fast jeder zweiten seite ist ein mahnender satz an den leser gerichtet - Das ist faschismus, faschismus ist schlecht, faschismus ist zeitlos. Damit eignet sich die welle als gutes schlechtes schulbuch, aber nicht als lektüre abseits von phrasen und offensichtlichkeiten. Das ende ist auch so leer wie bedeutungslos... mit sicherheit eines der schlechtesten bücher die ich je gelesen habe. Ganz, ganz anstrengend.



    Niedrige erwartungen hatte ich an dieses buch. und tatsächlich waren die ersten 50 seiten für mich sehr zäh, und ich habe es nur langsam hindurchgeschafft. Das erneute problem, dass ich den namen kaum personen zuordnen konnte ist passiert. aber irgendwann hat es mich dann doch ein wenig hineingezogen, als poirot seine ermittlungen vertieft. Meine persönliche theorie zur auflösung war die folgende
    Was das buch für mich vor allem getragen hat ist der charakter des poirot, den ich sehr mag. Am ende war es ein deutlich belangloseres buch als and then there was no one oder orient express, aber einmal lesen war in ordnung. Ich mag die zeitgemäße sprache in agatha christies büchern die man dann mitbekommt, und in der so einige schöne satzkonstruktionen unterkommen.

    Jetzt habe ich hier das dritte, dicke buch von hunger games vor dem ich mich fürchte und noch ein buch von christie, ein gefährlicher gegner. Das sieht aber noch belangloser aus als schneewitchen-party, und kein poirot. Die zeit wird zeigen, wann ich mich heran traue...

    Euch noch einen schönenn sonntag

  2. #142
    Aktualisiert!



    @Schattenläufer: Interessant zu lesen! Hat mich wieder sehr für den ganzen Schmarrn fasziniert. Ich habe mal eins der beiden Dinger gelesen, aber es ist so lange her, dass ich dir nicht mal mehr sagen kann, welches es war. xD' Kommt auf die nächste Liste!

    @Byder: Es ist hervorragend, dass du mit Persona 5 endlich einen brauchbaren Geschmack entwickelt hast.
    Im Ernst, ich hatte beim Schloss tatsächlich eine ganz ähnliche Erfahrung, und bin tatsächlich auch ein paar Jahre lang davon ausgegangen, dass das Ende genau so sein sollte wie es ist, eh mir jemand gesagt hat, dass es ein Fragment ist. Tut dem Ganzen imho keinen Abbruch, und ich würde sogar sagen, es war das erste Buch, das ich nicht auf dem direkten "Unterhaltungslevel" genossen habe, sondern das mich eher konzeptuell fasziniert hat.
    Und vorbildlich mit der Seitenangabe!





    Terry Prattchett: I Shall Wear Midnight

    Im Fernbus fertig gelesen, und mannomann, ich war wieder ein 14-jähriges Mädchen mit Pipi in den Augen. Tiffany Aching ist sowieso voll mein Ding, aber auch Band vier hält, was er verspricht. Der Antagonist ist nicht nur konzeptuell cool, er baut auch ganz extensiv auf den letzten drei Bänden auf – I Shall Wear Midnight könnte weder der erste, noch der zweite oder der dritte Band sein, und das ist ein FETTES Argument für die Reihe. Tatsächlich ist mein einziger "Kritikpunkt", dass die Situation, die Gefahr, die von ihm ausgeht, nicht noch weiter eskaliert ist; sie endet sozusagen, wenn der Shit in ähnlichen Konstellationen erst so richtig losbricht. Dann wiederum passt das auch irgendwo zu Pratchett, und es macht auch Sinn im Kontext des Buchs. Das Ende fällt dadurch nur etwas antiklimaktisch aus, so emotional und schön es auch ist (die Beerdigung und die letzte Seite, ey). So oder so, vollste Empfehlung! Ich bin wieder maximal gehypt auf den letzten Band, den Pratchett noch schreiben konnte, bevor er verstorben ist. The Shepard's Crown is waiting for me, and it will DESTROY me.

    [14/12]

    Damit habe ich meine Challenge vollständig geschafft! ^__^ Mal schauen, wie viele Bücher es noch werden ... Momentan lese ich "Die Ladenhüterin" von Sayaka Murata, das habe ich geschenkt bekommen und es gefällt mir bisher sehr gut.

  3. #143


    Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

    Das habe ich geschenkt bekommen und dementsprechend erstmal nix erwartet. Ich muss aber sagen: Mannomann, hat mich dann doch voll erwischt! *-*
    Es geht um eine Frau, die große Probleme mit dem (gerade sozialen) Leben in der japanischen Gesellschaft hat und daher fast vollständig die Persona einer perfekten Konbini-Mitarbeiterin adaptiert. Was zunehmend problematisch ist, weil mit steigendem Alter neue Erwartungen auf sie zukommen, die sie in ihrer alten Rolle nicht mehr erfüllen kann.
    Das Buch ist sehr süß geschrieben, und so schmerzhaft glaubwürdig, dass sich ein autobiografischer Hintergrund regelrecht aufzwängt. Auch die Nebencharaktere sind lebendig, lustig, teilweise bemerkenswert unsympathisch, die Dialoge sind sehr einfühlsam, positiv "bekannt" eben, und durch die offenen Gedanken der Protagonistin hat man immer eine interessante Perspektive auf das doch sehr alltägliche Geschehen. Tatsächlich habe ich auch bis zum Ende des Buchs überlegt, wie die Autorin das Ganze bitte abschließen will – was ihr aber sehr heftig, passend und vielseitig gelingt. Hat mich sehr an eine Kurzgeschichte erinnert. Interessant ist in diesem Sinne auch die Atmosphäre. Ich habe beim Lesen zwischen "belustigt" und "bedrückt" hin- und hergewechselt, teilweise hat sich das Ganze für mich regelrecht wie ein Psychothriller gelesen. War es dann aber natürlich doch nicht, was cool ist. ^^
    Und natürlich auch ein toller Einblick in die japanische Kultur, und dankenswerterweise hervorragend übersetzt (schon der Titel, von "Konbini Ningen", ist fast treffender als im Original). Man überlegt ständig, inwiefern es auf unsere Breitengrade übertragbar ist, und wo die feinen Unterschiede liegen.

    Auch hier eine volle Empfehlung!

    [15/12]

  4. #144

    Killer Queen - Bombe Nr 3: Bite the Dust!
    stars5
    hack//Another Birth 2 hab ich auch durch, übrigens genau so, wie 2 weitere Bücher. Das Problem ist, ich weiß gar nicht mehr was - irgend so ein Light Novel Rotz. Binalso bei 6/12

    Geändert von Shieru (11.10.2018 um 09:59 Uhr)

  5. #145

    Killer Queen - Bombe Nr 3: Bite the Dust!
    stars5
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Ich bin wieder maximal gehypt auf den letzten Band, den Pratchett noch schreiben konnte, bevor er verstorben ist. The Shepard's Crown is waiting for me, and it will DESTROY me.
    Ich habe bei dem Buch geweint wie ein Schlosshnd.

    Mein bisher noch ungeleener Band ist "Unseen Academials"

  6. #146
    Zuletzt wieder einmal gelesen: "The Summer of the Ubume" von Natsuhiko Kyogoku in der Übersetzung von Alexander O. Smith und Elye J. Alexander.

    Das "Original", 姑獲鳥の夏, besitze ich ebenfalls, allerdings ist die Materie des Buches relativ komplex (insbesondere die Diskussionen des Protagonisten mit seinem Freund, dem exzentrischen Buchhändler und Priester Akihiko "Kyogoku" Chuzenji), sodass ich mich nach einigem Hin und Her dafür entschieden habe, die Übersetzung zu lesen und später ab zu gleichen. Eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe, ist Smith doch ein mehr als guter Übersetzer, der sich bei diesem Buch merklich Mühe gegeben hat, sowohl Ton als auch Inhalt genau zu treffen. Und es ist gelungen.

    Wie viele Detektivromane bedient sich "The Summer of the Ubume" dabei der altbewährten Watson-Holmes Dynamik: Der Protagonist Tatsumi Sekiguchi trifft sich mit seinem Freund Kyogoku, um einen scheinbar unmöglichen Fall zu besprechen: Die Schwangerschaft einer Frau, welche seit nunmehr zwanzig Monaten andauert. Die Gedanken Sekiguchis sind dabei für den Leser vollständig offen (sodass dieser beispielsweise an dessen Depressionen vollständig Teil hat), die zum Teil sehr exzentrische doch durch und durch rationale Weltsicht seines Freundes hingegen wird nur nach und nach offenbar. Sekiguchi entwickelt im Verlauf der Handlung ein immer größeres, da auch persönliches, Interesse an dem Fall der ungewöhnlich langen Schwangerschaft, die zu allem Überfluss noch dazu mit einem scheinbar unmöglichen Verschwinden einer Person aus einem definitiv verschlossenen Raum zu tun hat.

    Gleich vorab: "Summer of the Ubume" ist auf Deutsch nicht erschienen und ich habe so meine Zweifel, ob das je passieren wird. Denn das Buch ist alles andere als leichte Kost. Das liegt nicht einmal unbedingt an der Handlung selbst, denn diese ist stringent und durchaus schlüssig erzählt, sondern vielmehr an dem philosophischen, religiösen und auch ethischen Inhalt, den vor allem der "Sherlock Holmes" dieses Buches vermittelt. Kyogoku (Charakter wie Autor) kennt sich exzellent in Mythen und Legenden aus, ganz besonders den Yōkai der japanischen Folklore, und vermittelt dieses Wissen nicht nur im Bezug auf ihre Kontextualität mit anderen Mythen sondern auch Dingen wie moderne Psychologie, Sternschnuppen oder die Lesart chinesischer und japanischer Schriftzeichen.
    Das alles tut dem Vergnügungsfaktor des Buches natürlich keinen Abbruch, wenn man sich auf solche Dinge einlassen will, doch ich will auch nicht leugnen, dass die langen Monologe des "Detektivs", wenn man Kyogoku so nennen will, stellenweise durchaus ermüdend sind. Gerade zum Ende des Buches geht es daher auch immer weniger um die Lösung des konkret vorliegenden Verbrechens, sondern darum, ein kompliziertes Geflecht teils jahrhundertealter Gebräuche, Vorurteile und Missverständnisse zu durchbrechen. Wer an so etwas seine Freude hat, dem sei "The Summer of the Ubume" wärmestens ans Herz gelegt, wer jedoch einen einfachen Kriminalroman erwartet, der wird hier wahrscheinlich enttäuscht.

    Gesamturteil: 9.5/10 Punkten mit leichtem Abzug für Langatmigkeit und kleinere Schwächen im Mittelteil.

    Es sei nebenher nicht unerwähnt, dass "The Summer of the Ubume" zahlreiche Nachfolger mit derselben Figurenkonstellation hat, die zum Teil sogar aufeinander Bezug nehmen. Stets geht es um ein scheinbar übernatürliches Ereignis, das jedoch immer komplett rational gelöst werden kann. Die anderen Romane wurden bislang nicht ins Englische übersetzt, ein guter Teil von ihnen jedoch von der Zeichnerin Aki Shimizu unter Mitarbeit des Autors als Manga veröffentlicht.

  7. #147
    Tunnel no Mori 1945 (トンネルの森1945 / Der Tunnelwald 1945) von Eiko Kadono



    Das Buch habe ich zufällig ein paar Tage, nachdem ich nach Japan kam, in einer Buchhandlung entdeckt. Das Cover hat mich sofort angesprochen und hellhörig hat mich auch gemacht, dass es von Eiko Kadono geschrieben wurde, die ich ja schon gut durch die Kiki-Bücher kenne. Handlung spielt während des Krieges zunächst in Tokyo, später dann in einem ländlichen Gebiet. Geht um ein neunjähriges Mädchen und ihre Familie (Vater, Stiefmutter, später kleiner Bruder). Man mag eine Tragödie erwarten, aber das ist zumindest in der ersten Hälfte überhaupt nicht der Fall. Zwar zieht sich der Krieg deutlich durch die Handlung – so zieht das Mädchen im Verlauf aufs Land, um den ständigen Bombardements in Tokyo zu entkommen –, aber es scheint viel mehr um eine kindliche Perspektive auf den Alltag zu sein als alles andere.

    Werde später noch mal mehr zum Inhalt schreiben. Habe ca. die Hälfte der 200 Seiten gelesen und es ist sehr interessant geschrieben, da eben diese kindliche Perspektive auf die alltäglichen Seiten des Krieges (und eben auch auf den Alltag, der unabhängig vom Krieg existiert) eher selten ist. Habe auch irgendwo gelesen, dass Kadono Teile ihrer eigenen Kindheit im Buch verarbeitet haben soll, aber das muss ich noch mal genauer recherchieren.

    Geändert von Narcissu (21.10.2018 um 13:42 Uhr)

  8. #148
    Han Kang - The White Book

    "The White Book is a meditation on colour, beginning with a simple list of white things. It is a book about mourning, rebirth and the tenacity of the human spirit. It is a stunning investigation of the fragility, beauty and strangeness of life."

    The White Book war ein Spontankauf, da ich die Idee, ein Buch über eine Farbe zu schreiben, sehr interessant fand. Tatsächlich ist das ganze Format sehr... modern. Jeder der Listengegenstände hat ein eigenes Kapitel, welches meist eine Seite lang ist, manchmal eine halbe, manchmal auch zwei oder drei. Die Erzählerin - eine junge Koreanerin - erzählt dabei über ihre Assoziationen mit den jeweiligen Gegenständen und arbeitet dabei ihre Gefühle über die Stadt, in der sie lebt, ihren Alltag, aber auch über ihre kurz nach der Geburt verstorbenen Geschwister auf sowie die Rolle ihrer Mutter und der damaligen Zeit dabei auf und sinniert über "Was wäre wenn"-Situationen. Insgesamt ein sehr faszinierendes, aber auch sehr eigenes Buch, denn obwohl es so fragmentiert wirkt, schafft es doch eine nie wirklich greifbare Grundstimmung und Atmosphäre.

    Bestimmt nicht für jeden was, aber wer vor etwas abstrakteren Texten nicht zurückschreckt, dem sie es auf jeden Fall empfohlen. Ich würde sehr gerne mehr schreiben... aber ich weiß beim besten Willen nicht wie. ^^"

    ★★★★★ (5/5)

    (Und Sarah Kuttner hat ein neues Buch für Frühjahr 2019 angekündigt und ich bin sehr erwartungsvoll.)

  9. #149
    Zitat Zitat von Narcissu Beitrag anzeigen
    Tunnel no Mori 1945 (トンネルの森1945 / Der Tunnelwald 1945) von Eiko Kadono
    Bin nun fertig und habe somit die (5/5) erreicht, wenn auch ich ein Buch aus der ursprünglichen Liste ausgelassen habe.

    Zum Buch: Gegen Ende wurde es dann doch noch ganz schön düster. Die großen japanbezogenen Weltkriegsthemen sind neben den Dingen, die außerhalb des Landes geschehen sind (China, Pearl Harbour, Nanqing), natürlich in erster Linie die Atombombenabwürfe. In dem Buch sind die aber kein Thema, da geografisch zu weit weg, um für ein Kind abgesehen von einer kurzen Erwähnung einer Radiodurchsage relevant zu sein. Stattdessen ging es mehr um die Bombardierung Tokyos, speziell um den Einsatz von Brandbomben, durch die so gut wie die ganze Stadt zerstört wurde. Da das eigentliche Geschehen der Handlung aber in einem ländlichen Gebiet abseits spielt, bekommt man das alles aber auch nur indirekt mit.

    Eine der schönsten Ideen des Buchs: Die Protagonistin, Iko, zieht mit ihrer Stiefmutter und ihrem sehr kleinen Bruder in ein heruntergekommenes Häuschen auf dem Land, um aus der Gefahrenzone Tokyo zu entkommen, wo ihr Vater allerdings immer noch arbeiten muss. Das aus ist ziemlich abgelegen und bis zur Schule sind es eine Stunde Fußweg, die durch einen sehr dichten, düsteren "Tunnelwald" führen, vor dem Iko große Angst hat. Ihr Vater sagt ihr, wenn sie sich mit dem Wald anfreundet, ist er nicht mehr gruselig. Das versucht sie dann auch mit verschiedenen Mitteln, z.B. indem sie jedes Mal ihre Präsenz ankündigt, wenn sie durch den "Tunnel" geht. Eine Weile nach ihrer Ankunft hört sie in der Schule eine Geschichte, dass ein Deserteur eine Weile vor ihrer Ankunft in dem Haus Zuflucht gesucht hat. Alle sagen, der Mann müsse aber mittlerweile gefasst oder tot sein, doch eines Nachts hört Iko jemandem im Wald Mundharmonika spielen. Das wiederholt sich öfter, manchmal sieht sie auch den Schatten eines Soldaten. Einmal findet sie sogar am Wegesrand ihren Schuh wieder, den sie am Vortag im Moor in der Nähe verloren hatte. Bis zum Ende gibt es aber keine klare Bestätigung, ob in dem Wald wirklich ein desertierter Soldat haust, oder ob das auf Ikos Fantasie zurückzuführen ist.

    Kurz vor Ende des Buches kam mir der Gedanke: Was, wenn Ikos Vater in echt der Deserteur ist? Es gab einige Punkte, die diese Theorie unterstützten, doch noch viel mehr, die dagegensprachen. Als dann aber die Meldung eingeht, dass ihr Vater mit schweren Brandwunden und Amnesie in einem Krankenhaus liegt (aber sonst wohlauf ist), wurde relativ klar, dass das doch nicht der Fall sein kann.

    Unterm Strich hat mir das Buch ziemlich gut gefallen. Es ist realistisch aus der Perspektive eines Kindes geschrieben, ist grundlegend unpolitisch und trotz der teils sehr tragischen Ereignisse im späteren Verlauf der Handlung fängt es eher ein allgemeines Stimmungsbild der Zeit ein, anstatt einzelne Ereignisse besonders emotional mitreißend darzustellen. Es ist keineswegs eine nüchterne Betrachtungsweise der Dinge, das lässt die kindliche Perspektive ja gar nicht zu, aber das Buch verweilt nicht lange und intensiv genug auf den tragischen Ereignissen, um den Leser (zumindest mich) wirklich emotional zu stimmen, was ich persönlich für eine gute Entscheidung halte, da das Buch in erster Linie auch kein schwer verdauliches Kriegsdrama sein will. Es endet auch mit den Worten ihres Vaters (der zum ersten Mal seit seiner Amnesie wieder spricht): „Iko, der Krieg ist vorbei.“ (「イコ、戦争は終わったよ」).

  10. #150
    Ich will gerade noch einmal anmerken, was Lesen eigentlich für eine schöne Routine sein kann. Mir hilft es jedenfalls sehr, etwas bewusst regelmäßig zu machen, um es nicht aus den Augen zu verlieren. Und da ich das Lesen in den letzten Jahren eigentlich fast durchgehend aus den Augen verloren hatte – von kleineren Ausnahmephasen mal abgesehen –, macht das für mich einen großen Unterschied.

    Will mir von nun auch als Ziel setzen, pro Monat etwa ein Buch zu lesen. Mein Challenge-Ziel ist zwar erreicht, aber bis zum Jahresende würde ich noch gern 2-3 Bücher schaffen, um dann direkt ambitionierter ins nächste Jahr starten zu können.

  11. #151
    Haruki Murakami - Kafka am Strand (600/600)
    Damit bin ich bei 2650/3450 +1370 Seiten. Wird knapp.

    Ich glaube, Murakami ist einfach nicht mein Autor. "Südlich der Grenze, Westlich der Sonne" fand ich super, aber das kam auch ohne surreale Elemente aus und wie das stark fantastische "Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt" fand ich "Kafka am Strand" einfach nur nett. Die erste Hälfte des Buches fand ich noch ziemlich gut, da ihm die Charakterzeichnung und das Darstellen von verschiedenen Situation wirklich tadellos gelungen sind, aber ab der Hälfte wurde mir so allmählich bewusst, dass ein wirklicher Plot nie so richtig ins Rollen kam und dass das Buch auch nach über 300 Seiten noch immer vor sich hin dümpelt. Das ständige Aufgreifen von Elementen aus der Folklore bzw. Mythologie und die immermals auftretenden bizarren Situationen haben mir anfangs auch noch zugesagt, später konnte ich damit jedoch nichts mehr anfangen. Um die Hälfte rum und besonders im letzten Drittel wird die Handlung nur noch durch stark fantastische Elemente vorangetrieben, die auch nicht mehr erläutert werden und für mich das gesamte Buch hinter einem Schleier verstecken.

    In einer Reddit-Diskussion habe ich ein paar nette Anhaltspunkte gefunden, die das Buch etwas näher erläutern, aber trotzdem noch einen fahlen Beigeschmack mit sich bringen. In erster Linie wurde das, was der wahre Kern der Geschichte zu sein scheint, etwas zu gut für meinen Geschmack versteckt, während die Elemente, die für mich gut funktioniert haben, mir durch zu wundersamen Unsinn ruiniert wurden. Leider arteten auch zu viele Gespräche in philosophisches Geplapper aus, welches auf mich eher substanzlos wirkte, auch wenn ich die Charaktere allesamt mochte und ich ihnen gerne gefolgt bin.

    Insgesamt kein schlechtes Buch, aber auch nicht besonders gut.

  12. #152
    Zitat Zitat
    Um die Hälfte rum und besonders im letzten Drittel wird die Handlung nur noch durch stark fantastische Elemente vorangetrieben, die auch nicht mehr erläutert werden und für mich das gesamte Buch hinter einem Schleier verstecken.
    Also so ist fast jedes Murakamiwerk, das ich gelesen hab. Abgesehen von den natürlichen wie Naokos Lächeln. Bin aber zu sehr mit dem Gesamtwerkvertraut, meine mich aber zu erinnern, dass die übernatürlichen die Mehrheit ausmachen.

    Ich glaube, man kann niemanden zwingen, das zu mögen und mich wirft die Tatsache, dass nichts aufgeklärt wird, auch ein bisschen aus der Bahn, bis ich irgendwann erkannt habe, dass das Nichtaufklären ein typisch asiatisches Stilmittel ist. Das Buch was das angeht, total impressionistisch. Es geht nicht darum, den Plot aufzuklären, sondern wie er erzählt wird. Das ganze Buch würde mit klaren Antworten ganz anders funktionieren und das ist für mich der einfache Schlüssel zu Murakamis Werk (und auch ein paar anderen Autoren).

    Vielleicht hilfts dir. <3

  13. #153
    Oh, Galbraith kann ich sehr empfehlen!

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