Umfrageergebnis anzeigen: Welche Partei wirst du wählen?

Teilnehmer
45. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • CDU/CSU

    4 8,89%
  • SPD

    8 17,78%
  • FDP

    8 17,78%
  • Die Grünen

    2 4,44%
  • Die Linke

    13 28,89%
  • AfD

    6 13,33%
  • Eine andere Partei

    2 4,44%
  • Ich wähle nicht/ungültig

    2 4,44%
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Ergebnis 261 bis 268 von 268

Thema: Butawa 2017 - Aktuell: Duell-O-Mat

  1. #261
    Zitat Zitat
    Ich lehne mich darüber hinaus einfach mal so weit aus dem Fenster um zu sagen, dass diese Aussage von Gauland - wie man sie nun deuten mag - der Partei minimalen prozentualen Schaden zufügen wird.
    Geschichspolitik ist ein wichtiges Thema für die AfD das verschiedene Bereiche freilich tangiert, aber ja das ist schon außerhalb von Wahlkampfzeiten, wo man zuspitzt, ein Eisen, dass man nur mit ner kneifzange und viel Geduld und dem richtigen Rahmen anfassen sollte. Ein Wahlkampf bzw. in seiner heißesten Phase ist dem Thema einfach absolut nicht angemessen. Eine über Wochen aufgebaute Debatte mit vielleicht einigen durchdachten und ausformulierten Beitragen in entsprechenden Publikationen, wie seinerzeit bei Matthias Platzeck bzgl. der Stasi-Vergangenheit vieler DDR-Bürger, wäre ein besserer Rahmen. Heißt nicht, dass sich dann keiner aufregt, aber man könnte das halbwegs gesittet führen.

    Zitat Zitat
    Gauland will, dass man auf die Vergangenheit stolz sein kann? Dann soll er sich doch bitte an die vielen genialen Wissenschaftler und Philosophen halten, die sich als Teil dieser Nation und den vorherigen verstanden haben.
    Auch das ja. Ich hab das in der Vereinsarbeit sehr hautnah erlebt. Wir betreuten vereinstechnisch ein historisches Objekt, dass eine lange Vorgeschichte hatte und dann im NS zu enem Konzentrationslager umfunktioniert wurde, für einen Zeitraum von 12 Jahren aus inzwischen mehreren Hundertjahren abwechslungsreicher Bestandsgeschichte. Am Ende war das einzig entscheidende diese 12 Jahre. Gefördert mit einer Gedenkstättenstiftung und mit dem Fokus, dass wir kulturelle und historische Nutzungen abseits dieser 12 Jahre KZ eher kritisch gesehen wird.

    Wenn diese Debatte um den sogeannten "Schlussstrich" immer wieder aufscheint, dann nicht, wir vergessen den NS jetzt mal, was dank der, und da hat Gauland auch recht, vergleichsweise vorbidlichen historischen und bildungspolitischen Aufarbeitung, auf die wir auch stolz sein können, wenn man halt darauf stolz sein kann, dass sie überhaupt notwendig geworden ist, ohnehin nicht möglich und das Ziel ist. Wir sind aber nach wie vor mit unserer Geschichte peinlich berührbar, erpressbar es gehen auch in der Politik und anderen Bereichen Formulierungen herum, wie unsere Geschichte verbietet uns dies, so gebietet uns das. Es ist ein Vorgang den freilich Unbeteiligte Außenstehende häufig einerseits fast schon für absurd halten, der uns aber wiederum auch heute noch in den Generationen der Weit-Nachgeborenen in einem fast schon sklavischen, unsouveränen Würgegriff hält. Wir perpetuieren dieses historische Ereignis semantisch und auch gefühlsmäßig wie die Christen ihre Erbsünde. Ich denke nicht, dass das es gesunder Umgang mit Geschichte ist.

    Was die Soldaten und die Kriege angeht. Bzw. den Krieg. Den ersten Weltkrieg sollten wir in der Gemengelage mal ganz weit ausklammern, denn Angriffskrieg wäre hier eine recht unzureichende Bezeichnung für einen Konlfikt, an dem jede der europäischen Großmächte das seinige beigetrage hat und die vor dem Hintergrund der Großmachtspolitik des 19. Jahrhunderts stattfand, nach der der Krieg eigentlich nur ein diplomatischer Konflikt mit anderen Mittel ist, der Krieg also übergreifend als legitimes Mittel internationaler Politik anerkannt war und von dem man sich im Versailler Vertrag, angesichts der kriegerischen Möglichkeiten und Opfer der Kriegsführungsmethoden, die im 20. Jahrhundert möglich waren, verabschiedete. Einen Hauptverantwortlichen zu benennen war eine reine politische Notwendigkeit, um die wirtschaftlichen, menschlichen und moralischen Kosten dieses Krieges posthum zu rechtfertigen. Was den Übergang vom rationalen zum moralischen und ideologischen Krieg im 20. Jahrhundert markiert, für den der 2. Weltkrieg exemplarisch ist.

    Bei der klaren Gut-Böse-Verteilung ist es klar, dass die Russen und amerikaner und Engländer, die "Heldentaten" ihrer Soldaten freilich feiern, einerseits als mutige Abwehrkämpfer andererseits als jene, die das böse faschistische Regime zu Fall gebracht haben. Der deutsche Soldat ist einerseits im Narrativ des Gegners die Verkörperung des Bösen, Hitlers, schlechthin als dessen langer Arm. Wenn man noch die Kriegsverbrechen gegen Partisanen, die Zivilbevölkerung hinter der Front und die Kriegsmethoden einbezieht, hat auch da die Wehrmacht und nicht nur die SS schwer gewürtet. Allerdings auch das als Teil der gesamten Relation, wenn es sich nicht allein die vom Vormarsch gedeckte Umsetzung der NS-Ideologie auf die Besetzten sondern die direkt auch mit der Armee in Verbindung stehenden Gräuel geht, muss man auch anerkennen, dass der Krieg an sich Monster schafft. Wir finden das durch die geschichte als Konstante so auch im Zweiten Weltkrieg, dass für Vergewaltigungen und Repressionen in besetzten Gebieten auch Russen, Amerikaner oder Engländer sich ebenfalls die Westen schmutzig gemacht haben. Für die Wehrmacht gilt das natürlich insbesondere, weil es hier im Zusammenhang mit der bösen Ideologie im Hintergrund gelesen werden kann.

    Wir sollten anerkennen, dass wir uns inzwischen selbst in der geistigen Position der Siegermächte sehen und eigentlich dank unseres Status als Nachgeborene eine geistige Dissonanz zu uns selbst einnehmen können. Der Faschismus ist für uns mit dem Wissen der Nachgeborenen das verwirklichte Ur-Böse schlechthin und seine Bezwingung so notwendig wie die Zerstörung von Sauron im Herr der Ringe, allerdings - um kurz im Bild zu bleiben - sind wir die Nachgeborenen Orks und nicht Teil der edlen Elfen oder Menschen, obwohl sie auf der richtigen Seite der GEschichte standen und wir das auch so sehen.
    Um Gauland und insbesondere die Position von insbesondere älteren Menschen zu verstehen, die nicht aus ideologischem Kalkül, wie Neo-Nazis, Hitler verehren, findet man eine andere Sichtweise auf die Dinge. Im Endeffekt hingen unsere Vorfahren im Endeffekt gesammelt der Ideologie an, die es legitimierte Lebensraum im Osten auf Kosten der dort lebenden Menschen zu erobern und all diese anderen Dinge zu rechtfertigen oder zumindest hinzunehmen. Im Krieg selbst aber, wenn er denn einmal ausgelöst ist, verschwimmt das. Ist der Kriegszustand eingetreten geht es auf Leben und Tod. In der Nachschau ist es sicherlich eine nur allzu berechtigte Anmerkung: Ihr habt euch darauf eingelassen, also müsst ihr auch mit den Konsequenzen leben. Das ist richtig. Das ändert aber nichts an der Wahrnehmung. Wolf Schneider sagte im Interview mit dem SPIEGEL einmal, dass er vermutlich noch kein Volk gegeben hat das freiwillig einen Krieg verlieren wollte. Was für uns Nachgeborene der Segen einer nachträglichen Befreiung war, war für die Leute, die die Zeit miterlebt haben, die totale Niederlage und Unterwerfung unter den Willen der Sieger, der konnte milde oder auch rachsüchtig sein. Wir wissen alle, dass Hitler gestoppt werden musste und ich denke das wissen auch viele von diesen Leuten und gleichzeitig haben auch diese viel verloren, entweder selbst als Soldaten an der Front oder als angehörige oder Kinder von Soldaten. Dazu kommt eben noch, dass es eben bis zur totalen Niederlage ging. Erst waren wir Angreifer dann Verteidiger auf dem Rückzug.

    Wenn man sich an die mediale Debatte im Vorfeld von "Unsere Mütter, unsere Väter" erinnert und die Frage danach, ob man die Deutschen des NS-Regimes so milde und menschlich darstellen darf, eben genau die Kernfrage in all diesen Dingen. Es gibt da verschiedene Realitäten, die übereinander liegen. Wenn Leute wie Gauland einen gewissen Respekt auch für dt. Soldaten einfordern, dann aus der Perspektive nicht der Elite sondern der Plebs, die die Politik Hitlers zu tragen hatte im Guten wie im Schlechten und die nun einmal in einem Krieg kämpfen mussten, der, freilich gewollt, gegenüber allen Soldaten eigentlich ein großer Gleichmacher war.

    Auf der anderen Seite, wenn er Napoleon anspricht, dann meint er eine nüchterne Erfolgsbetrachtung. Klar die Wehrmacht hat den Krieg wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit ihrer Gegner verloren, wie auch schon Deutschland im 1. Weltkrieg. Im Endeffekt ist das eine Betrachtung die aus der moralischen Komponente komplett aussteigt und die militärischen Erfolge im Sinne der reinen Kriegsbetrachtung lobt. Napoleon war ein imperalistischer Diktator, der sich fast ganz Europa unterwerfen wollte und bei den Deutschen, den Enländern und Russen vor allem verhasst und wir haben auch ein recht negatives Bild von ihm, weil seine Niederlage für die europ. Völker eine Befreiung bedeutete, während die Franzosen ihn auch unabhängig davon als großen General verehren (auch hier wieder Wahrnehmungsdissonanz) aber selbst im rest von Europa hat Napoleon den Nimbus eines großes Generals und Taktikers. Darauf spielte Gauland hier auch an. Die militärischen Taktiken der Wehrmacht werden und wurden tatsächlich mit einiger Anerkennung im Ausland rezipiert, insbesondere die konsequente Verwendung von Panzern für einen schnellen Bewegungskrieg. Da geht es um den Respekt vor einem militärischen Gegner und so ist wahrscheinlich auch der Respekt vor dt. Soldaten zu verstehen. Wenn gleich so eine militaristische Betrachtungsweise hier bei uns hohe Wellen schlägt. Der Verweis auf Napoleon sollte eher zeigen, dass es Länder gibt, freilich mit weniger historisch-ideologischem Sprengstoff, die wesentlich gemäßigter und auch souveräner mit ihrer militärischen Vergangenheit umgehen. Wenn gleich man auch von Deutschland hier eine gewisse Zurückhaltung lernen kann.

    Das Problem das Gauland und das die AfD hat, wenn sie so etwas anspricht und das hätte ihm und der Partei klar sein müssen, (freilich muss man auch sagen, dass solche Debattenvorschläge aber ohnehin nur von rechts überhaupt kommen werden, anderswo (abgesehen von der CDU) pflegt man weiter fast schon kindlich-religiöse Schuldkomplexe, weil sie auch der eigenen ideologischen Legitimation dienen), dass es einen ganz besonderen Klang hat, wenn eine vornehmlich rechte Partei so etwas von sich gibt. Es hätte sicher auch einen Skandal gegeben, hätte ein geschichtsbeflissener Sozialdemokrat das Thema ansprechen wollen, Klaus von Dohnanyi bspw., aber aus dem Mund einer rechten Partei greifen natürlich sofort sämtliche eingeübten Assoziationsketten vom Landser bis hin zu Kameradschaftsgruppen, die Hitler verehren und der Waffen-SS gedenken. Und bei Leuten wie Höcke in der Partei auch kein Wunder.

    Ansonsten würde ich schon sagen, dass Gauland sie noch alle beisammen hat, aber er ist ein alter Mann, aus der CDU einer Zeit, in der dieser doppelte Blick auf die Geschichte auch in der CDU noch deutlich größeren Boden und Raum hatten und keineswegs verwerflich waren. Vielmehr noch spricht Gauland hier wahrscheinlich zuvorderst an seine eigene Generation, die das, denke ich, auch so wahrnehmen wie es gemeint ist.

    Aber wie gesagt so eine Sache hat im Wahlkampf und vor allem auf diese Art und Weise der fast schon absoluten, nicht abwägenden Art nichts verloren.

  2. #262

  3. #263
    Zitat Zitat von Gendrek Beitrag anzeigen
    Ich finde es immer wieder bedenklich, dass gezielte Provokationen von Gauland durch Unbeteiligte und nicht befangene Leute relativiert werden, damit sich die Partei der "unglücklichen Formulierungen" zu einem späteren Zeitpunkt noch weiter aus dem Fenster lehnen kann.

    Gauland will, dass man auf die Vergangenheit stolz sein kann? Dann soll er sich doch bitte an die vielen genialen Wissenschaftler und Philosophen halten, die sich als Teil dieser Nation und den vorherigen verstanden haben.
    Aber auch euch sollte eines auffallen:



    Gauland zieht den Stolz anderer Nationen auf Ihre ehemaligen Führer heran. Er will, dass wir uns den Stolz unserer Vergangenheit zurückholen. Ein Schelm, wer da Böses denkt, wenn er bereits über die großen Führer anderer Nationen redet . Aber natürlich, er meint ja nur die Soldaten (die, egal wie der Umstand war, Völkermord begannen und Angriffskriege geführt haben) und nicht den ehemaligen Führer des dritten Reiches.

    Leute, ernsthaft mal. Die Spitze und auch der Rest dieser Partei drücken sich so häufig "unglücklich" aus. Das ist kein Zufall. Das ist gewollt. Und es kommt zu immer größeren und dickeren Dingern.
    Erst auf die Kacke hauen, dann relativieren. Und Schritt 2 nehmen Sie jetzt mittlerweile auch nicht mehr so ernst.
    Also ich glaube der meint das zum einen wörtlich und zum anderen will auch wohl auch trollen und sich um jeden Preis abheben. Er will halt underground und nicht mainstream sein. Egal was man dazu sagen muss.
    Ist ähnlich wie bei den Linken, die teils alle Banken verstaatlichen wollen, Leuten die Immobilien nehmen wollen und überhaupt über 100.000 einen Steuersatz von 100% einführen wollen.
    Ob jetzt DDR oder Drittes Reich, rückwärtsgewandt und abseits der der Realität sind die alle. Nur die AFD ist halt eine Marke mit der man sich vom Mainstream abheben kann. So ähnlich wie die Leute in den 90ern dann Gothics sein wollten, weil Punks zu populär geworden waren - Hauptsache man kann sich abheben.

  4. #264
    Die AfD als Hipster? Ich hab zwar schon so eine gewisse Rebellen-Haltung festgestellt, insbesondere weil der Gegner ja der spießige Mainstream ist, aber ich glaube die Interpretation geht dann doch etwas weit Ich glaube schon, dass Gauland sehr genau wusste, was er da sagte und das auch so meinte. Problem ist halt, was man in die vielen Leerstellen reininterpretieren kann, wenn man dran denkt, dass er ein rechter Politiker ist.

    Zu dem Link:

    Kann ich nicht viel dazu sagen. Im Endeffekt macht ihr Abgang es natürlich noch leichter für rechte Kräfte die Partei zu übernehmen. Aber ich meine als Libertäre, ist sie bei der FDP als möglicher Alternative sicher jetzt auch nicht soo schlecht aufgehoben, da hat sie ja die Wahl.

  5. #265
    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Zu dem Link:

    Kann ich nicht viel dazu sagen. Im Endeffekt macht ihr Abgang es natürlich noch leichter für rechte Kräfte die Partei zu übernehmen. Aber ich meine als Libertäre, ist sie bei der FDP als möglicher Alternative sicher jetzt auch nicht soo schlecht aufgehoben, da hat sie ja die Wahl.
    So schießt sich die Partei aber natürlich auch Schritt für Schritt ins Abseits, wenn die sich weiterhin weigern sich in Richtung Mitte hin zu öffnen und stattdessen weiterhin in ihrer Dauer-Opferrolle suhlen. Aber das was die Aussteigerin da sagt, kann dir eh jeder erzählen der zwei und zwei zusammenzählen kann und einen Internetzugang besitzt. Dazu muss man sich ja nichtmal in kaum moderierte Imageboards begeben, Facebook und Youtube genügen bereits.

  6. #266
    ich hatte, glaube auf dem Höhepunkt meiner pol. Entfremdung mit dem Gedanken gespielt der Partei beizutreten, da die SPD gestorben war. Habs aber dann nicht getan, auch weil mir ein Freund nochmal zugeredet hat. Im Endeffekt, kann ich mich da auch nur halbherzig beschweren, weil ich den Kurs der Partei eben auch nicht mitbestimmen werde. Im Endeffekt könnt ihr doch alle froh sein, wenn es geschieht und die AfD schließlich soweit rechts ist, dass sie ihre Wähler vergrault.

    Allerdings sind da alle Sichtweisen denkbar. Die AfD ist ein Sammelbecken und schwwer in ihren unterschiedlichen Interessen auszutarieren. Wie gesagt in einigen grundsätzlichen Belangen sympathisiere ich mit dem deutsch-nationalen Flügel, eigentlich sind die auch der Hauptgrund eine ansonsten eher konservative Partei zu unterstützen, ich kann aber Höcke und Co. nicht leiden. Solange die Partei aber nicht endgültig gekippt ist, ist es halt ne politische Alternative, zu den restlichen Parteien, die das rundheraus ablehnen. Meine Bemerkung zu Höcke von vor ein paar Seiten bezog sich ja auf das Problem. Ich denke die Kritik des rechten Flügels ist derart fundementaler Natur, dass du, selbst wenn du alle vom Schlage eines Höcke aus der Partei schmeißen könntest, die Kritik unverändert fortfahren würde.


    Ach ich weis auch nicht. Im Moment scheint mir die Wahl auch eher wie ein letzter Strohhalm zu sein, an den ich mich klammere...

  7. #267
    Zitat Zitat
    Steinmeier beklagt Einschüchterung und Aggression im Wahlkampf

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich am Dienstag in die Endphase des Bundestagswahlkampfs eingeschaltet und ein Klima der Einschüchterung und Aggression beklagt. "Tomaten und Trillerpfeifen sind im demokratischen Diskurs aus meiner Sicht kein Mittel zu höherer Erkenntnis, und Ohrenschmerzen kein Ausweis einer wirklich geglückten Kontroverse", sagte er zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe "Forum Bellevue".

    Ohne die AfD beim Namen zu nennen, wandte Steinmeier sich gegen Sprechchöre und Gebrüll rechter Gruppierungen bei Wahlkampfauftritten der Bundeskanzlerin. "Schärfe in der Kontroverse ist erlaubt und bei den Entscheidungen, die zu treffen sind, auch geboten", sagte er. Eine Demokratie müsse gegensätzliche Meinungsäußerungen aushalten, aber "in Rede und Gegenrede, und vor allem ohne Einschüchterung und Gewalt".

    Mit der Diskussionsreihe "Forum Bellevue zur Zukunft der Demokratie" will Steinmeier zur Verteidigung der offenen Gesellschaft gegen anti-demokratische Anfechtung beitragen. Thematisiert werden soll dabei auch der Blick anderer Kontinente auf westliche Werte.

    Zum Auftakt am Dienstagabend waren der Historiker Heinrich August Winkler, die US-Philosophin Susan Neiman und der in Singapur lebende Politikwissenschaftler Parag Khanna eingeladen. Im November soll der Schriftsteller Salman Rushdie über die Verteidigung von Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit gegen Fanatismus und anti-intellektuelle Ressentiments sprechen.

    In seiner Eröffnungsrede rügte der Bundespräsident in ungewohnt scharfen Worten die Verrohung politischer Kultur in Deutschland. "Wer nur auf Kundgebungen geht, um andere am Reden zu hindern, der wendet sich gegen eine offene Debatte, die er einfordert", sagte er. Inakzeptabel seien auch die Versuche, Journalisten mit Drohungen einzuschüchtern.

    "Gerade wer zornig und anderer Meinung ist, sollte selbst das Wort ergreifen, statt andere zum Schweigen bringen zu wollen." Anders als manche glauben machen wollten, gebe es in Deutschland "kein Redeverbot" und niemand komme für seine Meinung ins Gefängnis. Es schade aber auch nicht, anderen zuzuhören.

    Lernen, für Demokratie zu streiten
    Steinmeier forderte dazu auf, nach den Ursachen von Wut und Enttäuschung zu suchen, die sich Populisten zunutze machten. Manche Menschen fühlten sich "nicht vertreten" oder hätten Zweifel, "dass unser Staat die wirklich brennenden Probleme lösen kann". Andere zeigten offene Verachtung für Politiker. "Zu übergroßer Gelassenheit besteht kein Anlass", so Steinmeier. Politiker und Bürger müssten wieder lernen, für die Demokratie zu streiten.

    Deutliche Kritik übte der Bundespräsident auch an anti-demokratischen Entwicklungen in manchen EU-Staaten und "vornehmlich" in den USA. Dort würden heute Prinzipien angefochten, die für das Selbstverständnis des Westens bislang konstitutiv gewesen seien: "Dazu gehören Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung, Bürger- und Menschenrechte."

    Quelle
    Ich behalte mir vor, den Mann zu zitieren, wenn bei der nächsten AfD-Veranstaltung mal wieder die aufrechten Bürger meinen, sich für die Demokratie einsetzen zu müssen...

  8. #268
    Das erinnert mich daran, dass ich letztens irgendwo ne News las die die Anzahl der Straftaten im Zusammenhang mit der Wahl aufzeigte - und die meisten der begangenen Straftaten richteten sich gegen die AfD.

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