[Neria]
Neria schlief tatsächlich tief und fest. Vielleicht waren es die vielen neuen Eindrücke, die auf sie eingestürzt waren, vielleicht auch die späten Nachwirkungen der Droge, welche ihr verpasst worden war, jedenfalls hatte tiefe Erschöpfung sie übermannt, die sie trotz ihrer Aufregung ins Reich der Träume geschickt hatte.
Aber plötzlich war etwas falsch, und sie riss erschrocken die Augen auf, als ihr Körper registrierte, dass ihm die Luft knapp wurde. Sie wand sich, noch halb im Schlaf, bevor sie begriff, dass scharfer Stahl an ihrer Kehle kratzte. Daraufhin erstarrte die Dunkelelfin, und der Griff einer behandschuhten Hand um Mund und Nase wurde leichter.
"Guten Morgen, Prinzessin."
Nerias Blick klärte sich, und sie starrte direkt in ein dunkles, bärtiges Gesicht. Ein schiefes Grinsen teilte Nazirs Lippen, und er nahm zunächst den Dolch, danach seine Hand von ihr und betrachtete sie für eine, wie es Neria vorkam, recht lange Weile. Was wohl hinter seiner Stirn vorgehen mochte, das konnte die Dunkelelfin nicht zu sagen. Die Augen des älteren Mannes waren unmöglich zu lesen.
"Nun steht schon auf", brummte der Redguard. "Und seid froh, dass Ihr dazu noch in der Lage seid. Wäre ich ein Feind gewesen, dann würdet Ihr jetzt schon in Sithis' kalten Armen liegen."
Er richtete sich auf und sagte, ohne sich umzudrehen: "Und du glotz nicht so blöd, Kayét. Du auch. Hoch mit dir."
Neria wuchtete sich von ihrem Lager hoch und griff nach ihren Klamotten. Während sie sich ankleidete, spürte sie Nazirs Augen deutlich auf sich ruhen, aber sie blieb ruhig, als sie das noch unvertraute Leder richtete und die Schnallen festzurrte. Erst, als sie damit fertig war, wagte sie es, den Blick wieder auf den älteren der beiden Rothwardonen zu richten.

[Kayét]
Früher hatte sich Kayét so gut wie nie auf seine innere Uhr verlassen können – wie oft war er selbst zu seiner Soldatenzeit in Hammerfell zu spät aus dem Bett gekommen während die anderen Rekruten bereits hergerichtet und gestriegelt vor ihren gemachten Nachtlagern standen? Unzählige Male.
Heute jedoch war alles anders. In der Bruderschaft lernte man die eigene Aufmerksamkeit zu schärfen und seinen Instinkten zu vertrauen. Dies kostete einiges an Überwindung und Training, aber nun wollte der Redguard diese Fähigkeit nicht mehr missen.
Die Folge dessen: Just in dem Moment, als Nazir den Schlafraum betrat, schlug Kayét die Augen auf und richtete sich geräuschlos auf. Der alte Veteran würdigte seinen Kameraden im Geiste jedoch keines Blickes, sondern hatte stattdessen nur Augen für Neria, welche seelenruhig vor sich hinschlummerte. Ein verschlagenes Lächeln schlich sich auf das Gesicht des alten Rothwardonen, und kurz darauf zog dieser seinen Dolch und machte sich (wie schon an Kayéts ersten Tag) einen Spaß daraus, der Bruderschafts-Anwärterin den Schreck ihres noch jungen, neuen Lebens zu verpassen. Kayét grinste in sich hinein, während er die Szene beobachtete, und prompt schlugen Nazirs im Hinterkopf befindlichen Augen zu. Wie macht der das, fragte sich Kayét und legte geschwind und mit routinierten Bewegungen seine Lederrüstung an.

„Beim nächsten Mal darf's ruhig etwas schneller gehen“, bemerkte Nazir im Anschluss trocken als sich Neria ihm zuwandte; dabei warf er einen Seitenblick auf Kayét, welcher bereits aufgrund seiner Routine weit vor der Dunmerin fertig angekleidet war. Ein kurzes Handzeichen folgte, und damit drehte sich der Rothwardone auf dem Absatz herum und ging, mit Neria & Kayét im Schlepptau, in Richtung des Wasserfalls davon.

Das Rauschen des Wassers hielt sich überraschenderweise trotz der Größe des Wasserfalls angenehm im Hintergrund, und so bot sich hier im Zentrum der Niederlassung ein geeigneter Trainingsort. Aus dem Augenwinkel erspähte Kayét den Argonier Veezara, welcher etwas abseits im Schatten auf einem Stein saß und das kleine Grüppchen beobachtete. Bei diesen Schuppenwesen konnte man sich nie so recht sicher sein, aber der Rothwardon glaubte, ein Lächeln entdeckt zu haben – woher auch immer dieses begründet war.
„Nun...", lenkte Nazir die Aufmerksamkeit seiner 'Zöglinge' wieder auf seine Wenigkeit, und dabei verschränkte er die Arme und ging ein paar Schritte auf und ab, "...ich bin gespannt, was das schläfrige Schneekätzchen so drauf hat", und dabei nickte der alte Rothwardone in Kayéts Richtung und bedeutete diesem, sich bereit zu machen. Die fragenden Blicke der beiden schienen ihm ganz und gar nicht zu gefallen, und daraufhin bellte er harsch: "Na los doch!", und die Geste in Richtung der Dunmerin war im Grunde unmissverständlich - Angriff.

[Neria]
Na los doch!
Neria hatte sich nach dem ungewöhnlichen Weckritual gerade wieder so weit sortiert, dass sie einigermaßen geradeaus denken konnte. Nazir kümmerte das offenbar nicht weiter; Schonung war von dem alten Haudegen also eher nicht zu erwarten. Sie fühlte sich trotzdem ertappt, als er sie so plötzlich anblaffte, und schaute perplex von ihm zu Kayét und wieder zurück. Dann begriff sie, und schluckte einmal. Kayét war sehr viel größer und stärker als sie, und für einen kleinen Moment kam sich Neria ziemlich verloren vor.
In Nazirs Augen erschien ein gefährliches Blitzen, ein deutlicher Hinweis, dass sich seine Geduld rapide dem Ende näherte - es katapultierte sie augenblicklich aus ihrer Verwirrung, und ansatzlos wirbelte Neria herum und schlug mit der Rechten nach Kayéts Magengrube.

[Kayét]
Wäre er ebenso wie Neria neu in der Niederlassung gewesen, er hätte den Angriff nicht vorhersehen können und hätte ihn gegebenenfalls ohne mit der Wimper zu zucken erwidert; so aber wusste Kayét um die Lektion, welche sie hier von Nazir vermittelt bekamen. Er selbst hatte diesen Test damals nicht bestanden, wie auch sämtliche Anwärter vor und jene nach ihm - und die Dunmerin machte hierbei keine Ausnahme. Dies war nicht schlimm, ganz im Gegenteil. Es gehörte einfach zum Erfahrungsschatz dazu und war von dem alten Rothwardonen beabsichtigt, bei dieser Prüfung zu versagen und sprichwörtlich baden zu gehen.
Ebenso blitzschnell wie die Dunkelelfe (und sie war wirklich verdammt schnell) fing Kayét den Schlag von Neria mit beiden Händen ab, packte sie am Handgelenk und nutzte ihren Schwung der Vorwärtsbewegung eiskalt aus. Gewandt trat er einen Schritt zur Seite und zog ruckartig an ihrem Arm, um sie damit in hohen Bogen in das klare Wasser der Grotte zu befördern. Mit einem lauten Platschen tauchte sie ein, und Kayét glaubte im Augenwinkel zu erkennen, dass das Grinsen von Veezara ein wenig breiter wurde. Auch dieser kannte verständlicherweise die Prozedur, und diese amüsierte ihn sichtlich.
Als Neria wieder aus dem Wasser auftauchte und zu ihnen aufschaute (Kayét glaubte eine Mischung von Enttäuschung, Wut und Scham in ihrem Blick zu erkennen), trat Nazir mit immer noch verschränkten Armen an das Ufer und erhob die Stimme.
"Die fünfte Regel der Dunklen Bruderschaft: Attackiere oder töte niemals einen deiner dunklen Brüder oder Schwestern", donnerte Nazir, ging dann aber auf die Knie und reichte der Dunkelelfe die Hand, um sie aus dem Wasser zu ziehen. "Vergiss das nie", funkelte er sie an, klang aber schon ein wenig versöhnlicher.

[Neria]
Neria hatte nicht wirklich erwartet, dass ihre Attacke durchkommen würde, aber Kayét reagierte noch schneller, als sie gedacht hatte. Gerade noch rechtzeitig spannte sie sämtliche Muskeln an, andernfalls hätte ihr Gegner ihr wohl entweder das Handgelenk gebrochen oder die Schulter ausgekugelt - vielleicht auch beides.
Viel Zeit, um die Situation zu analysieren, blieb Neria jedoch nicht - ehe sie sichs versah, flog sie durch die Luft. Gleich darauf presste ihr eiskaltes Wasser die Luft aus den Lungen. Sie verlor sofort die Orientierung, sah nur noch Luftblasen und ruderte panisch mit Armen und Beinen, dann durchstieß ihr Kopf die Wasseroberfläche und sie konnte wieder atmen. Ihr erster Impuls war, irgendjemandem die Zähne einzuschlagen - sei es Kayét, Nazir oder Veezara mit seinem dämlichen Grinsen.
Das Verlangen verging sofort, als Nazir sie mit tiefer, autoritätsgeladener Stimme zurechtwies. Neria war nicht daran gewöhnt, dass jemand ihr auf solch eine direkte Art Lektionen erteilte. Aber hier und jetzt, in dieser würdelosen Situation und Wasser tretend, begriff sie instinktiv, wie wertvoll diese Demütigung war, die Nazir ihr durch Kayéts Zutun zugefügt hatte.

Der alte Rothwardone musste das Verstehen in ihren Augen gesehen haben, denn er reichte ihr die Hand und zog sie ohne weitere Umschweife aus dem See. Die Elfin hielt seinen Blick nur einen Moment lang, bevor sie beschämt zu Boden blickte.
"Verstanden", sagte sie nur.
"Gut." Für Nazir war die Episode offensichtlich beendet. "Du bist schnell, Schneekatze. Aber ungeschickt. Du hast wohl begriffen, dass du mit roher Kraft nichts erreichen kannst, und deshalb auf Geschwindigkeit setzen musst."
Neria blickte vorsichtig auf. Sah von Nazir zu Kayéts beeindruckender Gestalt und wieder zurück. "Der haut mich doch sonst um, ohne zweimal drüber nachzudenken."
"Richtig." Nazir zog die Brauen zusammen und fuhr mit strenger Stimme fort: "Tut er aber auch, wenn du nicht lernst, trotz Schnelligkeit kontrolliert zu handeln. Du hast eben nicht einmal hingesehen, sondern einfach nur grob in die Richtung geschlagen. So wird das niemals was - deine Aufgabe: Lernen, wie du zielgerichtet handelst. Und du lernst es besser schnell, oder deine Zukunft wird recht überschaubar." Er machte eine Pause. "Willst du dich abtrocknen gehen?"
Neria schüttelte den Kopf. "Nicht nötig."
Das entlockte ihrem Ausbilder ein kleines Lächeln, offenbar war er zufrieden mit ihrer Antwort. "Dann versuch es noch einmal."
Sie sah ihn verwirrt an. "Ich dachte, ich darf nicht..."
"Du solltest nur begreifen, dass du deinen Geschwistern nicht ernsthaft schaden darfst. Ich hoffe, das hast du jetzt gefressen."
Sie nickte.
"Also quatsch nicht, und übe." Er wandte den Kopf. "Kayét. Du weißt ebenfalls, wie es läuft. Spiel sie nicht kaputt."

Spiel sie nicht kaputt... äffte Neria Nazir in Gedanken nach. Damit war wohl klar, an welcher Stelle der Rangordnung sie hier stand. Am meisten fuchste sie, dass er damit recht hatte. Dann riss sie sich zusammen und fixierte wiederum Kayét...

[Kayét]
Er wusste, was in Nerias Kopf vorging - dieses Gefühl der Niederlage hatten die Anwärter vor ihm, er selbst und alle anderen die nach ihnen beiden kommen würden zu ertragen. Die Dunkelelfe hingegen schien das Ganze jedoch noch etwas 'persönlicher' zu nehmen als es sonst üblich war, ihr Blick sprach dementsprechend Bände als sie seine Wenigkeit fixierte und sich wohl in diesem Moment überlegte, wie sie Kayét überrumpeln konnte. Etwas...animalisches blitze in ihren Augen, und auch Nazir schien das Ganze mit geübter Routine eines Veteranen bemerkt zu haben.

"Diese Unbeherrschtheit gefällt mir gar nicht, Kätzchen", schaltete er sich ein und trat zwischen Neria und Kayét, um die Augen der Dunkelelfe einzufangen und sich dann im Anschluss zu Kayét herumzudrehen.
"Ich denke, deine Abwehr ist ein guter Anfang für unser Training", lächelte Nazir plötzlich trocken und trat ein paar Schritte auf sein Gegenüber zu bis er an derselben Position wie Neria kurz zuvor stand.
"Dein Fehler neben dem ziellosen Angriff war es, die Reaktion von Kayéts zu ignorieren. Es wäre bestimmt ein toller Schlag geworden, aber auf Bauchhöhe hat er natürlich den kürzesten Weg um dich mit seinen Händen zu blocken. Was also tun? Ihm die Nase brechen?", und dabei blickte er prüfend Kayét neben sich an, der aber dem Blick seines Ausbilders gerade so standhielt.
"Nein, den Angriff führe ich genauso aus wie du, Schneekatze; mit einem kleinen Unterschied", und mit einem leichten Kopfnicken bedeutete er Neria und Kayét, sich bereit zu machen; erstere zum Beobachten, zweiterer zur Abwehr. Was Nazir beabsichtigte, war offensichtlich: Alternativen aufzeigen und damit Neria klar machen, dass Fehler zum Lernen dazugehörten - und natürlich ihre Stimmung abzukühlen.
Das wird jetzt wohl nicht so einfach, schoss es Kayét durch den Kopf, als er sah, wie sein Ausbilder sich vorbereitete. Und er sollte recht behalten.

Blitzschnell kam die rechte Hand von Nazir vorgeschossen und zielte dabei auf seinen Bauch, und abermals versuchte Kayét, das Handgelenk zu greifen und sich dabei zur Seite wegzudrehen. Dieses Mal jedoch misslang das Ganze kläglich. Statt der Faust griff er in die offene Hand von Nazir, welche ihn wiederrum packte und plötzlich an sich zog, seine seitliche Drehbewegung und den Schwung des Gegeners ausnutzend. Mit dem Oberkörper prallte Kayét mit Wucht gegen Nazirs vorgeschobene Schulter, sodass ihm die Luft aus den Lungen gedrückt wurde, und zeitgleich ließ Nazir seine Hand auch schon wieder los, woraufhin Kayét zurückgeworfen wurde und mit einem dumpfen Knall rücklings auf dem harten Steinboden der Niederlassung landete.
Als wäre nichts gewesen drehte sich Nazir nun wieder zu Neria herum, während Kayét für den Moment erst einmal liegen blieb und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Die Stimme des Ausbilders hörte er jedoch ausgezeichnet, als dieser das Wort ergriff.

"Den Unterschied hast du hoffentlich gesehen, Schneekatze. Keine Faust, sondern die offene Hand. Kraft brauchst du dafür ebenfalls keine, letztendlich hat sich mein Gegner durch seinen eigenen Schwung ausgeschaltete. Aber denk dran, nicht jeder Gegner ist so dumm wie der gute Kayét...", und damit drehte er sich wieder zu dem am Boden liegenden Anwärter der Bruderschaft herum und ging auf ihn zu, um ihm die Hand zum Aufstehen zu reichen.
"Zweimal derselbe Trick? Dafür solltest du eigentlich auch baden gehen, du Schwachkopf", war Nazirs trockener Kommentar und damit zog er Kayét mit spielender Leichtigkeit auf die Beine und winkte zeitgleich Neria herbei. Jetzt war sie wohl an der Reihe, und der Redguard holte noch einmal tief Luft und ging in eine Abwehrhaltung.
"Jetzt will ich zur Abwechslung mal einen vernünftigen Angriff sehen", gab Nazir, neben ihnen mit verschränkten Armen stehend, seine Anweisung in Richtung der Dunmerin und beobachtete das Ganze mit Argusaugen.

[Neria]
Neria wusste leider gar nicht, was Nazir unter einem 'vernünftigen Angriff' verstand, abgesehen von dem, den er selbst gerade ausgeführt hatte. Sie probierte zunächst einmal, sein Bewegungsmuster zu reproduzieren, sehr viel langsamer, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Kayét gab ihr die Chance, ließ sie den Griff und den Stoß ausführen, rollte sich ab und kam, wie es schien, mühelos wieder auf die Beine. Sie übten es ein paar mal, während Neria fieberhaft überlegte, wie sie ihren Lehrer zufriedenstellen könnte. Es durfte keine weitere Verzweifelungstat sein, denn dann wäre Nazir vermutlich geplatzt.
So versuchte sie beim nächsten Durchgang, den Bewegungsablauf etwas abzuändern: Wieder fasste sie mit der einen Hand in Kayéts, mit der anderen jedoch in seine Armbeuge und schickte sich an, mit einem schnellen Schritt hinter ihn zu kommen und ihm dabei den Arm auf den Rücken zu drehen.

[Kayét]
Mit Nerias mehr oder weniger vorhersehbaren Angriff (schließlich war ihm klar dass die Dunmerin irgendwann einen Ausfall wagen würde; nichts anderes hatte der alte Redguard angeordnet) sah sich Kayét in einer moralischen Zwickmühle, die ihn mehr zusetzte als er sich in den paar Millisekunden Gedenkzeit eingestehen konnte.
Spiel sie nicht kaputt, hallte Nazirs Stimme in seinem Schädel nach. Was war damit gemeint? Der Dunmerin ein Erfolgserlebnis einräumen? Für einen Außenstehenden mochte ihr Angriff clever wirken, aber für den durch die Soldatenakademie Hammerfells im Nahkampf geformten Kayét war dies schlichtweg zu....einfach. Schon im Ansatz erkannte er, was Neria beabsichtigte, und er musste in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, ob er es einfach geschehen lassen oder sich entsprechend wehren wollte.
Allein sein Ego nahm ihm die Entscheidung ab, gepaart mit den Reflexen und instinktiven Reaktionen eines geübten Nahkämpfers.
Trocken und vollkommen ansatzlos schlug er mit der freien Hand auf den Arm seiner Kontrahentin und löste somit die zusätzliche Verbindung, dachte aber zeitgleich gar nicht daran, Nerias Hand loszulassen; im Gegenteil, Kayét bog diese ihr entgegen und verstärkte sogar den Griff. Den Schwung ihrer angedachten Drehbewegung ausnutzend zwang Kayét seine Gegnerin damit in die gewünschte Richtung, ließ Neria über sein bewusst stehengelassenes Bein stolpern und drehte ihr im Fallen unsanft nun ihrerseits den Arm auf den Rücken. Dumpf machte die Dunkelelfe eine Bauchlandung auf dem harten Steinboden, und Kayét ging ihr hinterher auf die Knie und hielt ihren Arm fixiert und schickte sich an, mit der anderen Hand auf ihr Schulterblatt zu drücken, um sie entgültig außer Gefecht zu setzen.

"Das reicht!", donnerte plötzlich Nazirs Stimme durch die Höhle, und schlagartig hielt Kayét inne und blickte auf. Hatte er es jetzt übertrieben? In Nazirs vernarbten Gesicht war keinerlei Emotion zu erkennen, und sekundenlang blieb die Szenerie vollkommen starr
"Veezara fragt nach dir, Kayét", und der alte Redguard kam auf sie beide zu. Also doch zuviel, schoss es Kayét durch den Kopf und er ließ von Neria ab. Nazir kniete sich nun seinerseits auf den Boden und warf Kayét einen Blick der Kategorie 'Wie, du bist noch hier?' zu, und Kayét nickte nur knapp und machte sich geschwind in Richtung des Argoniers davon.

Nazir unterdessen packte ohne Umschweife Nerias Hand und zog sie mit sich auf die Beine; seinem erfahrenen Blick entging nicht was sich in dem Kopf der Dunkelelfe jetzt gerade abspielte, und mit fester Stimme riss er sie aus ihren Gedanken.
"Dein Kopf ist nicht frei, Schneekatze. Wir sind hier, um zu lernen, und dazu gehört neben dem Umgang mit der Niederlage auch das Einstudieren gewisser Bewegungsabläufe. Hör auf, zu improvisieren, sondern übe, bis der Ablauf dir in Fleisch und Blut übergegangen ist - erst dann kannst du beginnen, ihn zu erweitern". Ein Seitenblick zu Kayét, welcher sich soeben mit dem Argonier unterhielt, folgte, dann fuhr Nazir mit gedämpfter Stimme fort.
"Auch wenn die Bruderschaft unser Leben ist, jeder von uns hatte eine Geschichte. Und du, Schneekatze, hast gerade ein Puzzelteil deines Gefährten kennengelernt. Wenn du denkst, dies haben ich oder wir ihm beigebracht, dann irrst du. Umso....beachtlicher, dass du ihn gleich am ersten Tag seine Fähigkeiten abforderst; das hat noch keiner geschafft", und nun schlich sich doch glatt ein anerkennendes Lächeln auf das Gesicht des alten Kriegers.

Kayét unterdessen war bei Veezara angekommen und wurde sogleich freundlich begrüßt.
"Sie macht dir wohl Angst?", zischelte der Argonier süffisant und wippte auf seinem Stein hin und her während er mit dem Dolch in seinen Klauen herumspielte.
Verständnislos blickte der Redguard sein Gegenüber an; gegen diese Echsenwesen hatte Kayét im Grunde eine natürliche, seine Vergangenheit betreffende Abneigung, hier in der Bruderschaft war dies jedoch etwas anderes - er war ein Bruder, und so behandelte er ihn auch.
"Nein, wie kommst du darauf....", wich er aus, aber es klang alles andere als überzeugend. Im Nachhinein kam ihm seine Reakton einfach nur übertrieben und unnötig vor.
"Ich sehe, beobachte und verstehe, mein Bruder", war die knappe Antwort von Veezara, und die Reptilienaugen ruhten amüsiert auf seinem Gegenüber, bevor er nachschob: "Auch wenn das schwimmende Kätzchen wirklich ziemlich lustig war", und damit widmete sich der Argonier wieder der Alibi-Pflege seiner Waffen, während Kayét schwieg, Neria & Nazir von Weitem beobachtete und auf die Fortsetzung des Trainings wartete.