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Thema: [Verbrecher von Düsterburg] Tag 0 - Rollenspielintro und Anführerwahl

  1. #61
    "Wir wären schön blöd, wenn wir KILA umbringen würden, käme sie zu uns. Immerhin muss sie alles regeln. Ohne KILA nippeln wir ab.

    Und Drohungen? Ich drohe nur KILA. Die anderen haben nichts vor mir zu befürchten, im Gegenteil. Vereint könnten wir alle sicherlich dieser Anlage hier entkommen. Mit etwas Zeit habe ich im Nu ein Gegenmittel für das Schlafgas entwickelt und diese Todeschips? Könnte ich schnell entfernen. Aber da man das weiß, lässt mich KILA natürlich nicht in die Nähe der notwendigen Gerätschaften."


    Dann sah er sein "Schnitzel" an.

    "Naja, es ist essbar. Und vermutlich könnte Fräulein Eerie mit guten Zutaten etwas gutes Kochen. Wollte nicht jemand eine Pilzzucht aufmachen?", seufzte er und biss erneut in dieses Etwas von Möchtegernschnitzel.

    "Hm, und gefährlich? Ich weiß, dass Sie mich damit meinen, Robert. Allerdings hat hier unten niemand etwas vor mir zu befürchten. Allerdings könnten Sie mir ja erklären, warum wir KILA vertrauen sollten? Es ist ja nicht so, dass es besonders vertrauenserweckend ist, dass sie uns alle Onehit auslöschen kann und dann diese Wahl verlangt, wo er eine Person am Tag opfern. Vertrauensvoll? Nein, hier unten vertraue ich nur wenigen und KILA ist niemand, die dazu gehört. Sie sind allerdings in der engeren Auswahl."

    Dann stand er auf, räumte sein Geschirr weg und begann die Tische mit einem Tuch zu wischen.

    "Sauberkeit ist wichtig!", sagte er lächelnd und putzte, wie so oft, die Tische. Ja, der gute Doktor hatte einen Putzfimmel und hasste es, wenn Dreck rumlag.

  2. #62
    Fräulein Eerie.
    Er schmunzelte kurz in sich hinein, dann wurde Roberts Miene wieder hart.
    "Ich glaube wir wissen beide, dass ihre Art der Bedrohung eine andere ist als die, vor der ich mich fürchten würde."

    Er stach mit seinem Besteck etwas zu fest in das, aus Gemüsepampe geformte Schnitzel. Nicht nur, dass Tod nicht den Anstand zu besitzen schien mit dem Putzen zu warten,
    bis Robert und die anderen Anwesenden fertig gegessen hatten, er hatte ihn bei seinem Vornamen genannt.

    Das Besteck lag nun neben seinem halb aufgegessenen Schnitzel.
    Er hatte zwei Möglichkeiten diese Situation zu lösen.
    Möglichkeit Nummer eins würde ihn sofort auf die Abschussliste für die Wahl am nächsten Abend setzen und ziemlich an seinem Image kratzen.
    Möglichkeit Nummer zwei allerdings...

    "Da Sie nach all der Zeit noch immer nicht zu verstehen vermögen wie das Leben in der Düsterburg funktioniert, sehen Sie das was ich Ihnen jetzt erzähle als freundliches Geschenk an, Doktor."
    Robert stand auf und bewegte sich zwischen den Tischen, den Blick wie eine Raubkatze immer auf Dr. Tod gerichtet.
    "KILA hält Sie hier unten am Leben. Ohne sie wären wir bereits verhungert und verdurstet. Und auch wenn sie nicht hier unter uns weilt ist KILA nützlicher als Sie.
    Sie, Dr.,"
    Robert ging einen Schritt näher auf den putzenden Edward zu. Noch immer beherrschte die Ruhe seine Stimme.
    Alle anderen Anwesenden sahen den beiden gespannt zu, nur das Klappern von Theos Besteck war im Hintergrund zu hören.
    "...und ihre haltlosen Aussagen sind so nützlich wie der Schmutz der sich über die Jahre an meinem Hemdkragen festgesetzt hat.
    Also fangen Sie an sich nützlich zu machen und Beweise gegen KILA oder noch besser, die Mörder des letzten Anführers zu finden oder hören Sie auf unseren Sauerstoff mit ihren lächerlichen Anschuldigungen zu verschwenden."

    Nun war sogar das Klappern des Bestecks verstummt.
    "Vielen Dank, Sir."

  3. #63
    Den Mörder suche ich schon noch. Aber erst wird geputzt. Und ja, ich weiß was KILA für uns alle ... macht. Vor allem, dass sie uns bespitzelt und uns einkerkert, als wären wir ... Monster.

    Dann sah er sich Robert genauer an. Natürlich, das war doch dieser Feuerteufel. Aber egal.

    "Würde KILA wirklich etwas für uns machen, dann ließe sie uns frei. Meinetwegen mit diesen Chips, aber hier unten sterben wir wie die Fliegen. Wenn KILA das also unterbinden will, muss sie uns freilassen. Zumal einige von uns wirklich nicht hierher gehören. Vor allem Fräulein Leona nicht. Und der Schmutz an ihrem Hemdkragen? Geben sie mir das Hemd und ich wasche es. Reinlichkeit ist für einen Wissenschaftler das A und O! Da sind schmutzige Hemden das reinste Kinderspiel."

    Dann ging er zur Küche, die er nicht betreten konnte, rief aber lauthals: "Fräääääuleiiiiiiin Eeeeeriieeeeeeeeeee! Die Tische wären nun sauber. Ich stelle dann gleich die Stühle hoch und putze den Boden. Haben Sie noch etwas von Ihrem herrlichen Fleckenlöser?"

    Dann wandte er sich wieder an Robert. "Unser letzter Anführer wurde vergiftet, es ist also jemand, der Zugang zu Giften hat. Was immerhin eine Handvoll Personen ausschließt."

    Seufz, wieso sollten alle dieser KILA nur bis über den Anschlag hinaus in den Arsch kriechen und nach dem kacken ausschlecken?
    Was für Spinner! Er war wirklich der Einzig normale Mensch hier unten. Nun ja, Fräulein Leona auch. Und wenn Fräulein Eerie ebenfalls hier raus kommen sollte, nun eine gute Handwerkerin konnte er bei seinen OPs immer gut gebrauchen. Hirne und Köpfe lösten sich leider immer ein wenig schwer.

  4. #64
    KILA ratterte all die Zahlen und Ereignisse nochmal runter vor denen Matt am liebsten die Augen verschloss. Aber er hatte gefragt. Zum... keine Ahnung wie vielten Male.

    "Und in Sachen Picknick..."

    Ihre Stimme wurde leiser und Matt war sich jetzt ganz sicher, dass nur ein einziger Lautsprecher aktiviert war, einer, der ganz in seiner Nähe war. Es gab eine kleine Pause und er hörte ein leises Rascheln, als müsste KILA sich umsehen. Oder vielleicht war das das Kratzen von einem Stift auf Papier?

    "...überleb das, okay?"

    Matt wollte gerade eine Ladung Gemüseschnitzel runterschlucken, weil er eh mit einem "Danke, aber nein Danke" gerechnet hätte. Doch die Antwort brachte ihn tatsächlich ein wenig aus dem Konzept und er verschluckte sich fast an seinem Schnitzel inklusive Gabel.

    "Oh damn Girl. Eines ist sicher. Du weisst wie man jemandem Hoffnung macht."

    Matt räusperte sich noch einige Male und hustete angestrengt einige Bröckchen Gemüseschnitzel aus seiner Luftröhre nach oben.
    Das war tatsächlich eine angenehme Überraschung die ihm zumindest den Antrieb gab morgens für etwas anderes als Möhren, Pilze und anderes Gemüse aufzustehen. Matt lehnte sich mit dem Rücken an die Wand und schaute sich die Küche genauer an, während sein Blick umherschweifte und er die Gedanken kreisen lies.

    Es ist sonnig, schön warm. Ein großer, grüner Park mit alten Bäumen voller dichtem Blätterwerk.
    Eine alte, ramponierte blau-graue Picknickdecke auf der ein alter, faseriger Bastkorb stand der tatsächlich nur eine Flasche Wodka und ein zur Hälfte aufgebrauchtes Stück Gouda lag. Picknick war nicht so sein Ding. Aber er hatte es angekündigt und es ging ja eigentlich auch um was ganz anderes.
    Den vor ihm würde Sie sitzen und...


    "Fräääääuleiiiiiiin Eeeeeriieeeeeeeeeee! Die Tische wären nun sauber. Ich stelle dann gleich die Stühle hoch und putze den Boden. Haben Sie noch etwas von Ihrem herrlichen Fleckenlöser?"

    Das Gekeife war markerschütternd.

    Alter. Calm. The. Fuck. Down.

    Matt war an sich eigentlich die Ruhe selbst. Auch wenn er sich schon einiges an Scheiße anhören musste und sich einige Beleidigungen direkt gefallen lassen musste, blieb er immer cool und versuchte einfach die bessere Person zu sein.
    Aber dieser Typ, Dr. Mein-Name-ist-überhaupt-nicht-beunruhigend, war ne Nummer für sich.

    Ich geb dir dein scheiß Putzmittel

    Matt ging stellte seinen Teller angefressen auf eine Arbeitsfläche und seine Gabel fiel klirrend vom Teller und klapperte auf der Arbeitsfläche. Mit gezielten Schritten ging er auf eine Reihe an Einbauschränken zu die sich unter den Arbeitsplatten befanden und zog eine der Türen mit einem festen Ruck auf.
    Hier lagerte Mal das gesammelte Arsenal an Reinigungsmittel.

    Wie gesagt... lagerte. Er erinnerte sich daran, dass einer der Häftlinge sich ein besonders aggressives Mittel auslieh und es einem anderen ins Gesicht schüttete. Kurz daraufhin hat der ehemalige Küchenchef die besonders kräftigen Putzmittel weggeschüttet.
    Alles was ihnen jetzt noch blieb war ein Kanister Essigreiniger in Industriegröße.
    Matt drehte den Schraubverschluss runter und kippte fast hinten über. Die pure Essig Keule war echt kaum auszuhalten. Mal schauen wie das dem Doc gefallen würde.

    Er griff sich einen der Putzeimer und füllte die echt übel muffende Flüssigkeit hinein. Einer der übler aussehenden Putzschwämme, Marke Sexy CarWash, flog ebenfalls in dem Eimer und es machte Matt große Freude den Schwamm darin zu tränken bis er beim hochheben anfing zu tropfen.

    Alsbald ging er dann zur Küchentür und öffnete Sie.
    Da stand er. Mad Doc

    Ha, der war gut.

    "So, kleiner Schreihals. Viel Spaß beim Stühle hochstellen und Boden schrubben. Tu mir aber nen Gefallen und halt dabei bitte einfach mal die Klappe. Nen Knast zusammenbrüllen und dabei zeitgleich wie ein Schulkind klingen ist ne harte Leistung, weisste?"

    Matt kickte Dr. Tod den Eimer vor die Füße und warf ihm den nassen Schwamm entgegen, bevor er die Türe wieder ins Schloss flogen ließ.

    Damn. Dabei hatte er gerade gedanklich seine Hände schon an den Hüften von... damn.
    Jetzt sah er nurnoch die Fresse von Doc vor seinem inneren Auge.

    "Yo KILA. Kannst schonmal meine Stimme für unseren Lord and Saviour Boylie Boy klar machen... und... kannst du die Küche mit etwas guter Musik fluten?"

    Geändert von Gendrek (24.02.2017 um 23:52 Uhr)

  5. #65
    Leroy war verwirrt. Nicht von Doktor Hirntots seltsamen Verhalten (na gut, nicht NUR vom seltsamen Verhalten des Doktors), sondern eher davon, dass sich bisher eigentlich kein klarer Favorit für den Hauptmannsposten unter den Gefangenen abzuzeichnen schien. Bisher hatten sich eigentlich immer recht schnell verschiedene Gruppe mit ihrem eigenen Kandidaten gegründet. Na gut, vielleicht waren sie inzwischen einfach zu wenige dafür. Allerdings bedeutete dies, dass seine normale Taktik zur Wahl deismal wohl nicht funktionieren würde. Wen sollte er dann wählen? Vielleicht den Doc, in der Hoffnung, dass ihm das tatsächlich schnell den Garaus machen würde? Nein, zu gefährlich, was, wenn er wider Erwarten doch überleben würde?
    Also, was waren die Kriterien, nach denen er wählen sollte? Zum einen, dass derjenige (zumindest habwegs) verantwortungsbewusst handeln würde, zum anderen, dass es ihm selbst nichts ausmachen sollte, wenn derjenige seinen letzten Sonnenaufgang gesehen haben sollte (also, das was hier unten als Sonnenaufgang galt, es gab einige hier, die wohl nie wieder echtes Sonnenlicht sehen würden). Die zweite Forderung war leicht zu erfüllen, sie traf nämlich auf alle hier unten zu, und stellte demnach keine Einschränkung dar. Die erste reduzierte die Auswahl hingegen deutlich. Wenn er ganz ehrlich war, wurde sie von niemandem hier erfüllt. Entmutugt lies er seinen Blick über die anderen Anwesenden schweifen.

    Doktor Hirntot hatte er ja bereits ausgeschlossen.
    Der Grinsekasper? Nein, wirkte zu planlos.
    Boyle? Nein, Leroy mochte seine Art nicht. Außerdem hatte er bis heute nicht komplett ausschließen können, dass Boyle etwas mit dem Scheitern seines eigenen Versuchs, einen Handel aufzubauen, zu tun hatte, weil er keine Konkurrenz mochte. Auch wenn es dafür keinen direkten Beweis gab, hielt er die Theorie immer noch für plausibel.
    Die alte Hexe kam ihm plötzlich wieder in den Sinn, auch wenn sie gerade nicht hier war. Ganz sicher nicht!
    Soweit er wusste, gab es noch ein paar mehr Überlebende, aber er hatte gerade nicht genau im Kopf, wer dazugehörte.
    Damit blieb nur noch...

    "KILA, meine Stimme geht an Herrn Silver." sagte er in die leere Luft. KILAs Mikrofone waren in der Regel recht zuverlässig. Ansonsten hoffte er einfach mal, dass aufgrund des Spektakels, das Doktor Seltsam gerade veranstaltete, niemand etwas mitbekommen hatte. Sonst müsste er sich am Ende noch für seine Entscheidung rechtfertigen...

  6. #66
    Endlich war Leona zu ihrer Dusche gekommen. Man konnte dieses Mal wohl auch wirklich davon sprechen, dass sie verdient war. Sie hatte zwar noch Angst gehabt, dass sie auf dem Weg zu den sanitären Anlagen erneut aufgehalten würde und jemand mit irgendeiner Bitte an sie heran trat, doch das war glücklicher Weise nicht geschehen. So genoss sie das mal kühle, mal warme, mal zu heiße Nass und bekam einen immer klareren Kopf, was nicht nur positiv war.

    Erstmals wurde ihr jetzt so richtig bewusst, in welcher Gefahr sie steckte. Das Misstrauen, mit dem sie sich selbst rund um die Uhr konfrontierte, welches mal einer und mal einer anderen Person galt, war unecht und nur ein paranoider Schutzmechanismus, der immerhin funktionierte. Die Menschen hier waren für sie Furcht einflößend, ohne dass sie das aber mit konkreten Ängsten verband. Es war in den meisten Fällen wohl unbegründet, und irgendwo wusste sie das auch. Doch dann wiederum gab es eine sehr reelle Bedrohung, die tatsächlich unter ihnen war und mehr als nur einen ehemaligen Insassen auf dem Gewissen hatte. Es war erstaunlich, dass dieser Gedanke Leona erst jetzt so wirklich kam: Sie war in Gefahr. Ganz akut und ohne, dass sich ihr Kopf das nur ausmalte. Da war jemand, der die Personen um sie herum umbrachte. Ein Konzept ließ sich dabei nicht erkennen, dafür waren zu viele gestorben und diese scheinbar zu wahllos. Das hieß, dass es auch sie treffen konnte. Und wo sie jetzt nur noch etwa ein Dutzend waren, konnte die Floristin nicht mehr unter dem Radar fliegen.

    Da war sie also nun - frisch geduscht und mit einer kleinen Liste an Dingen ausgestattet, die sie zu erledigen hatte. Ganz groß auf der Nummer 1: Überleben. Mit etwas mehr Abstand auf Platz 2: Sich bei Leigh bedanken, dafür, dass sie ihr die leidige Aufgabe abgenommen hatte, obwohl sie mehr als eindeutig zeigte, dass sie keine Lust darauf hatte. Zu guter Letzt musste sie dann wohl zu den anderen in die Kantine und sich für einen neuen Anführer entscheiden. Einer Antwort auf die Frage, wer sich an dieser Stelle gut machen würde, war sie noch nicht näher gekommen. Und das wiederum beantwortete die Frage von selbst. Ihr war es im Grunde egal, doch es gab nur einen, der offen seine Bereitschaft erklärt hatte, den Posten überhaupt zu wollen. Also würde sie Boyle wählen, um niemanden in die Ungewissheit zu schicken, der das vielleicht gar nicht wollte.

    Mit diesem Plan und einem grummelnden Magen begab Leona sich in die Mensa.

  7. #67
    Egal, wie sehr Dr. Tod KILA provozierte und sie anstachelte, doch hier herunter zu kommen - es geschah überhaupt nichts. Während die Stimme aus den Lautsprechern sonst schon bei der reinen Erwähnung ihres Namens erschien, schien sie auf persönliche Ansprachen, Fragen oder Vorwürfe nie zu reagieren. Zumindest hätte man noch nie davon gehört, dass KILA einmal so etwas wie persönlich geworden war oder gar Fragen über sich selbst beantwortet hätte.

    -----
    Matt grummelte noch ein bisschen vor sich hin, weil Tod seinen Tagtraum so rüde unterbrochen hatte. Aber kaum, dass die Tür der Küche wieder fest verschlossen war, kicherte KILA leise aus den Lautsprechern - ein Geräusch, das vermutlich noch niemals jemand gehört hatte.

    "Okay, aber nur, weil du alleine bist. Du bist doch wieder alleine, oder?"
    "Klar bin ich alleine. KILA, warum haben wir eigentlich Dr. fucking Tod noch nicht umgenietet?"
    "Irgendjemand hat in den Raum gestellt, dass es ja wohl ZU offensichtlich wäre, wenn er wirklich ein Killer wäre, und dass es niemals das offensichtliche Ziel ist. Er stand zwar schon oft zur Wahl, aber bisher hat er immer knapp überlebt."

    Matt gab ein genervtes Stöhnen von sich. Aber während er sich in der blitzeblanken Küche umschaute, hörte er das leise Klicken einer Maus - und plötzlich dran aus seinem kleinen Privatlautsprecher ganz leise und dezent Musik. Es klang weniger, als würde wirklich der Lautsprecher die Musik wiedergeben, sondern es klang wie ein Youtube-Lied, das von schlechten Bildschirmlautsprechern über ein schlechtes Mikro zu einem schlechten eingebauten Lautsprecher transformiert wurde. Als würde KILA den Song in ihrem Büro abspielen und nur ihn daran teilhaben lassen.



    Es war die erste Musik, die er seit den Monaten seiner Inhaftierung gehört hatte. Auch, wenn es nicht das war, was er normalerweise hören würde, so war es einfach ganz schön, ein bisschen Musik zu hören. Irgendein anderer Häftling hat einmal einen iPod mitgebracht, und diesen Schatz mit seinem Leben beschützt. Im Wortsinn. Niemand weiß, wo der Musikplayer hinverschwunden ist, nachdem sein Besitzer gestorben war. Vielleicht war er in irgendeiner Koje, vielleicht wurde er auch schon lange auseinandergenommen, um an ein paar Schaltkreise und eine Batterie zu kommen.

    Er lehnte an einem der Unterschränke, die Arme verschränkt und lauschte einfach der Musik. Sein Blick wanderte über die unzähligen Schränke in der Küche, über die ganze Wand, an der Öfen standen - und plötzlich fragte er sich, warum die Küche eigentlich so groß war. Er hatte während seiner Zeit am College als Kellner gejobbt, und die Küchen in den Restaurants, die er kannte, waren viel kleiner. das hier sah eher aus wie die Mensa am College. Dort hatte er zwar nicht gearbeitet, aber er hatte sich einmal wild knutschend mit einer Aushilfsköchin darin wiedergefunden. Diese riesigen Kombiöfen, in denen man fertiges Essen warmhalten konnte - er hatte sich nie wirklich gefragt, wofür die hier unten gut waren. Es gab hier kein Essen warmzuhalten, was gekocht wurde, wurde auch gegessen. Langsam trottete er hinüber zu den Öfen, sodass die Musik aus dem einen Lautsprecher leiser wurde und in weite Ferne rückte.

    Acht Herde mit je vier Flammen. Das war eine Menge. Auch die großen Industriebräter, die vielleicht einmal zum Einsatz kamen, als sie noch fast 400 Insassen waren, kamen ihm plötzlich geradezu lächerlich überdimensioniert vor. Ein leises Flüstern riss ihn aus seinen Gedanken.

    KILA hatte am anderen Ende der Küche wieder angefangen zu sprechen - fast so, als hätte sie trotz der Kameras gar nicht mitbekommen, dass Matt sich von dem einen, leise dudelnden Lautsprecher entfernt hatte. Hastig hechtete er wieder zu "seinem" Lautsprecher, konnte aber nur noch die Überreste von KILAs Stimme hören.

    "...es...es tut mir so Leid, Matt. Ich... muss die Durchsage machen... Ciao."

    Mit einem Klicken verstummte die Musik, und KILA war verschwunden.

    -------

    Matt blickte den Lautsprecher immernoch etwas vorwurfsvoll an, als sich wenige Sekunden später das ganze Lautsprechersystem in der Düsterburg krachend zu Wort meldete. Selbst unten bei Leigh in der Kanalisation gab es anscheinend irgendwo einen Lautsprecher, dann ganz dumpf konnte auch die KILAs Durchsage hören.

    "Liebe Insassen, ihr habt nur noch wenige Stunden bis zur Einleitung des Schlafgases
    . Ich möchte euch daher darum bitten, euch im Aufenthaltsbereich einzufinden, damit ich ihn komplett abriegeln kann. Ihr solltet euch um eine Nachtwache kümmern. Hoffen wir, dass der Plan funktioniert.

    In Sachen Abstimmung liegt momentan Mr. Boyle mit drei Stimmen vorne, gefolgt von Mr. Matt Foster mit zwei Stimmen. Sollte sich daran nichts mehr ändern, werde ich morgen früh dem Sieger die Zugangsrechte zur Privatzelle des Anführers geben. Morgen früh wird außerdem die Blutanalyse von Mr. Thatcher vorliegen - dann wissen wir vielleicht noch mehr. Danke für eure Mithilfe und viel Erfolg heute Nacht. Ich melde mich noch einmal, wenn alles geklappt hat. KILA out."

  8. #68
    Fast vier Jahre hatte Leigh schon in der Düsterburg verbracht und über Monate zogen diese Morde sich nun schon hin. Beides fühlte sich wie eine Ewigkeit an und sie hatte schon einiges erlebt, war abgehärtet. Aber das bei diesem Anblick drehte sich ihr doch der Magen um. Mit von Ekel verzerrtem Gesicht wandte Leigh den Blick ab und kämpfte gegen den Würgereiz an. Dabei war sie gar nicht sicher, was sie hierdran so verstörend fand. Sie hatte in den vergangenen Wochen genug Leichen gesehen, manche so übel zugerichtet, dass sie man sie kaum noch als Menschen erkennen konnte. Es war zum Alltag geworden. Aber das hier...
    Sie wagte noch einen Blick auf die Knochen und zwang sich diesmal zum Hinschauen, auch wenn ihr Puls sich schlagartig beschleunigte. Nicht dass es einen großen Nutzen hatte, schließlich hatte sie keine Ahnung von solchen Dingen. Aber sie brauchte keine zwei Sekunden, um sich davon zu überzeugen, dass die Überreste zu diesem Ramirez Estaga gehörten, von dem die älteren Gefangenen immer so geschwärmt hatten. "So endet man hier also als Held", murmelte Leigh, um sich selbst ein wenig zu beruhigen. "Gut zu wissen..." Vielleicht war das der Grund, warum die Entdeckung sie so erschreckte. Weil es der Beweis war, dass niemand hier lebend rauskam. Was sie hier sah war quasi ihre Hoffnung, gestorben und beerdigt unter einem Berg von Scheiße. Was, wenn sie genau drüber nachdachte, eigentlich hervorragend zu ihrem Leben passte.
    Langsam und kontrolliert stieß Leigh ihren angehaltenen Atem aus und klammerte sich an die mitgebrachte Schaufel, bis ihre Knöchel schmerzten. Sie war aus einem bestimmten Grund hier. Besser, sie würde es schnell hinter sich bringen...

    Als Leigh mit bleichem Gesicht aus dem Schacht kletterte, stand Eerie noch an der gleichen Stelle. Wortlos stellte das Mädchen einen Eimer, halbvoll mit dem widerlichen Schleim, vor ihr ab, ging dann ein paar Schritte zur Seite und atmete erst einmal tief ein. Leigh erinnerte sich nicht daran, dass das grelle Licht, der Geruch von Pflanzen und Feuchtigkeit sie jemals so erleichtert hatte wie in diesem Augenblick. Es rückte die Erinnerung an die Entdeckung immerhin ein bisschen in den Hintergrund. Sicher, ihre Knie und Hände zitterten immer noch ein bisschen und Schweißperlen standen in ihrer Stirn, aber das würde sich hoffentlich bald wieder legen. Mit einem leichten Nicken in Richtung des Eimers erklärte sie Eerie: "Keine Ahnung, ob mit dem Zeug geht, ich konnte nichts besseres finden. Wir sind zu wenige." Wenn auch weit entfernt von freundlich, fehlte ihrem Ton doch die Schärfe, die sie sonst ausmachte. "Und ich... ich glaube, ich geh jetzt duschen." Ja, nach einer Dusche sehnte sie sich jetzt wirklich. Auch wenn sie nicht wirklich etwas abbekommen hatte, fühlte Leigh sich, als müsse sie sich schichtenweise Dreck vom Körper waschen.

  9. #69
    "Mein Lieber Matt, diese Plörre ätzt ein Loch in den Boden. Also falls Sie fliehen wollen, brauchen Sie nur ein paar Hektoliter dieses Mittelchens. Ne, ich frage lieber das gnädige Fräulein Eerie. sie weiß, was sie macht!

    Dann erklang plötzlich KILAs Stimme. Klar, die Trulla musste wieder blubbern.
    Danach ließ er die Plörre stehen und ging in seine Zelle und meditierte. Denn bisher hatte es in all den Jahren, die er KILA kannte, nicht eine Durchsage gegeben, die nur ansatzweise brauchbar war.

    "Typisch alte Jungfer!", sagte er, und wurde nur von KILA gehört.

  10. #70
    Alek schlurfte den Gang entlang und kam an der Küche vorbei, in der es schon ordentlich brodelte und übermäßig nach Essen duftete. "Ob ich einen Blick riskieren soll?", fragte er sich, doch Alek entschied sich lieber, sich die Überraschnung fürs Essen nicht zu verderben. Diese Entscheidung hielt allerdings nicht lange an und er sprintete zurück Richtung Küche. Ach du Scheiße, roch das gut dadrin!

    Zumindest dachte der das. Er öffnete die Türe - und in der Küche beobachtete er eine kleine Art Zwist zwischen einem eigenartig aussehendem Typen und einer Art Schönling - mehr oder weniger zumindest. Besagter Schönling drückte dem verwitterten alten Mann ein Reinigungsmittel in die Hand und meckerte ihn dann an, er möge bitte beim Putzen ein Mal ruhig sein. "Heftig.", dachte sich Alek. "Der muss ja echt Nerven haben. Ich könnte das nicht, den so rundzumachen, diese alte Ratte sieht so aus, als würde sie mit dem Tod spielen." Als der Schönling der alten Ratte das Reinigungsmittel in die Hand gab, meinte dieser: "Mein Lieber Matt, diese Plörre ätzt ein Loch in den Boden. Also falls Sie fliehen wollen, brauchen Sie nur ein paar Hektoliter dieses Mittelchens. Ne, ich frage lieber das gnädige Fräulein Eerie. sie weiß, was sie macht!" Daraufhin schaltete sich Alek auch ein: "Werter Herr, ich glaube, Sie haben ein wenig zu viel von den anderen Lösemitteldämpfen eingeatmet. Der Essigreiniger sollte eigentlich komplett ausreichen, um diese Sauerei hier loszuwerden. Alternativ könnte ich Ihnen noch einige andere Sachen empfehlen, wenn das denn von Nöten wäre." Anschließend wandte er sich an den, den diese verwitterte Mann "Matt" nannte. "Ich kann gar nicht begreifen, wie Sie so gewählt reagieren konnten, nach dem Radau, den diese alte Ratte hier veranstaltet hat."

    In diesem Moment ertönte die Ansage:
    "Liebe Insassen, ihr habt nur noch wenige Stunden bis zur Einleitung des Schlafgases. Ich möchte euch daher darum bitten, euch im Aufenthaltsbereich einzufinden, damit ich ihn komplett abriegeln kann. Ihr solltet euch um eine Nachtwache kümmern. Hoffen wir, dass der Plan funktioniert."
    "Ist es schon wieder soweit?" murmelte Alek, während der alte Knacker und Matt noch herumstanden. Somit wandte er sich wieder an den Alten: "Nun kommen Sie schon. Dieser Essigreiniger ist komplett ausreichend. Ich gehe jetzt aber Richtung Mensa, man sieht sich später." Somit verließ Alek den Raum. Offenbar hatte sich der Alte aber nicht weiter um die Sauerei gekümmert.

    Auf den Weg zur Mensa dachte Alek über die Situation von der alten Ratte, Tod und Matt nach. Wie Tod Matts Hilfe nicht zu schätzen wusste, war für Alek einfach unbegreiflich. Dabei war Matt doch so cool.

  11. #71
    Auch, wenn Zeit unter der Erde keine Rolle spielte - die Uhr tickte unaufhaltsam dem Abend entgegen, und mit der Zeit fanden sich tatsächlich alle zwölf Überlebenden in der Mensa ein. Auch die, die den Tag sonst in ihrer Koje verbracht hatten, und die auch sonst nie wirklich erschienen und von der ganzen Situation eher erschlagen schienen, waren gekommen. Gerade, als Dr. Tod durch die Tür geschlurft kam, schloss sie sich mit einem Rumsen hinter ihm. Ein Geräusch, wie als würde Luft irgendwo herausgepumpt werden, erfüllte kurz den Raum, begleitet von einem gemurmelten "Will sie uns wohl doch umbringen?" von Dr. Tod. Aber nach wenigen Sekunden verstummte der Luftzug, und sie waren wieder allein in dem riesigen Saal.

    Die Minuten vertickten, und um Schlag 22:00, wenn normalerweise das Gas in die Räume geleitet wurde, passierte - nichts. Die leisen Gespräche der einzelnen kleinen Grüppchen waren verstummt, alle lauschten angestrengt und manche hatten es sich auf den Bänken und Stühlen so gemütlich gemacht, wie es eben ging - nur für den Fall, dass sie doch gleich einschlafen würden. Aber es geschah nichts. Es wurde 22:01. 22:02. 22:03. 22:04 gingen die Lichter kurz aus, aber erwachten kurz später leicht flackernd und deutlich dunkler wieder zum Leben.

    "Seid ihr...noch da?"

    KILAs Stimme klang in der gespenstischen Stimme besonders leise, als würde sie flüstern.

    "Wenn ihr mich hören könnt...Viel Erfolg heute Nacht. "

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