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Thema: [Verbrecher von Düsterburg] Tag 0 - Rollenspielintro und Anführerwahl

  1. #41
    "Nein Mr. Foster, ich meine mich zu erinnern, dass KILA etwas von einer neuen Wahl gesagt hat."

    Ja, das ist ein Punkt, der Theo auch im Kopf herumgeistert. Dummerweise auch der, der ihm gerade am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Das vorzeitige Ableben des Dons ist eine Sache, die sich nur sehr begrenzt auf die lange Bank wird schieben lassen, aber zumindest für den Moment ist unklar, was genau dort zu tun ist. KILAs Hang zur Demokratie dagegen...

    "Auch wenn ich mich nicht dazu in der Lage sehe, irgendjemanden der hier Inhaftierten gut genug bewerten zu können um ihm oder ihr solch eine Position zuzuteilen."

    ...bringt das Problem mit sich, Partei ergreifen zu müssen. Auch, wenn Theo sich die größte Mühe gibt, mit allen Leuten wenigstens irgendwann mal gesprochen zu haben, ist es doch noch einmal etwas anderes, zu sagen "Ey du! Ja, du hast das Zeug, den Prison Club anzuleiten ohne, dass Reise nach Jerusalem in die letzte Runde geht! Ich glaub an dich, yay~"

    Theo guckt Robert stichprobenartig tief in die Augen (welcher wiederum zutief irritiert zurückblickt, nachdem die magische 5 Sekunden-Schwelle überschritten ist) und... Würden Sie DIESEN Augen ihr Leben anvertrauen?
    Ne, spontan eher nicht so. Wobei das weniger an den Augen als an den Feuerteufel-Alüren liegen mag.

    "Naja, wir haben ja noch bis heute Abend Zeit. Wenigstens sind wir inzwischen wenig genug, dass die Auswahlgespräche nicht so lange dauern!"
    "Dude..."

    Alles ja trotzdem noch kein Grund, die gute Laune zu verlieren, findet Theo. Davon wird ja auch keiner wieder lebendig. Oder unsterblich. Matts verunsichertem Lachen nach war der sich da allerdings noch nicht im Klaren darüber, ob Theos Kommentar ein willkommener Gag oder die Mutter der Pietätlosigkeit war.

    Just in diesem Moment biegt ein Trauerzug um die Ecke. Also, wortwörtlich. Boyle, ein etwas gröberer Kamerad, mit dem aber eigentlich ganz gut klarzukommen ist, wenn man einen gewissen Mindestabstand wahrt (oder ihm etwas zum Handel bieten kann), und Tod, eine Figur aus einem schlechten Gothic-Roman mit derart lockerer Schraube, dass Theo sich eher mit Robert und Matt das Bett als mit ihm eine längere Unterhaltung teilen würde, tragen den - verschleierten? - Don, offenbar in Richtung Medizinstation. Hinten dran, Leone, eine neue Insassin, die sich offenbar noch nicht so richtig eingelebt hat und guckt, als hätte man ihr auferlegt, Frankenstein persönlich nachzuwandern.

    Der Anblick genügt, um die drei Männer im Gespräch verstummen zu lassen (nicht jedoch, um Theo vom kauen abzuhalten). Als die Parade um die Ecke verschwindet, schweigen sich alle noch eine Weile an. Irgendwie ist aus dem Gespräch die Luft raus.

    "Nun, offenbar doch keine Feuerbestattung für den Don wie es scheint. Mh, ich glaube, ich lass' das mit der Möhre mal und hole mir stattdessen noch ein Brot. Kommt wer mit? Nein?"

    Fassungsloses Schweigen.

    "Okay, dann halt nicht... Bis später dann!"

    Mit diesen Worten macht unser sichtlich unbekümmerter Sonderling sich auf den Weg, zurück in die Mensa, wo, angesichts Mademoiselle Eeries Cateringspezialitäten, aus dem Brot dann doch ein falsches Schnitzel. Konnte ja jetzt auch nicht mehr so lange dauern, bis noch jemand zum Frühstück antrabte - schließlich musste auch die Trauergemeinde irgendwann mal zum Leichenschmaus ausrücken, oder?

    Geändert von BDraw (22.02.2017 um 20:55 Uhr)

  2. #42
    "Bist du sicher, dass du überhaupt schon volljährig bist?"

    Auf der Skala, die Leona in diesem Moment in ihrem Kopf angefertigt hatte, war dieser Kerl zwar noch weit hinter dem Doktor, was sein Mörderpotenzial anging. Doch wirklich von der Liste der Verdächtigen streichen konnte sie ihn nicht. Dann jedoch kam ihr, dass sie offener sein sollte. Das war sie früher immerhin auch gewesen. Es gab keinen Grund, den Menschen hier prinzipiell zu misstrauen. Gut, sie waren allesamt Verbrecher. Und unter ihnen befand sich mindestens eine Person, die noch immer aktiv Morde beging. Aber... - warum wollte ich noch mal offener sein?

    Mit einem hatte Boyle aber Recht. Die Floristin war zu jung für den Tod. Und das in jeder Hinsicht. Weder wollte sie viel Zeit mit dem Namensträger verbringen, noch das Schicksal des Anführers erleiden, hinter dessen Leiche sie nun zögerlich her gelaufen war, während die beiden Männer sie trugen. "Ich bin 21", hatte sie mit Verzögerung noch die offene Frage beantwortet, ohne genau zu wissen, ob überhaupt eine Antwort erwartet wurde.

    Nach dem kurzen Aufenthalt in der Medizinstation konnte die 21-Jährige schließlich auch gar nicht schnell genug fliehen. Sie bedankte sich bei den beiden Helfern und verließ schließlich auch die Hydroponik - nicht ohne einen Blick auf ihre Pflanzen zu werfen, die von Erie allerdings schon gut umsorgt wurden. Auch die war Leona - keine Überraschung - nicht geheuer, doch wenn es um den Umgang mit allerlei Gewächsen geht, wusste sie was sie tat und konnte unbesorgt allein gelassen werden. Für die vielleicht Jüngste aller noch lebenden Insassen galt jetzt: Nach dem unschönen Tagesbeginn eine hoffentlich warme Dusche genießen, erst mal auf Touren kommen und sich dann hoffentlich im Speisesaal ohne große Störfaktoren der Anführerwahl widmen. Auch, wenn sie sich ernsthaft fragte, wofür die verbleibenden Insassen überhaupt noch einen Anführer brauchten.

  3. #43
    Leigh hatte sich den ganzen Morgen lang bemüht, möglichst niemandem über den Weg zu laufen. Ihr war nicht nach Gesellschaft gewesen. Sie war nicht aus ihrem harten Bett gekrochen, bevor KILA mit unsäglich heiterer Stimme ihre Durchsage gemacht hatte, um sie alle zu informieren, dass wieder einer abgekratzt war. Und offenbar wollte die auch noch einen Orden dafür, dass sie jetzt "sicher" waren. Nicht weil diese Psychos, die nachts Insassen abstachen geschnappt worden waren, sondern weil die Opfer dabei nicht mehr bewusstlos wären. Das hatte ihre Laune wirklich nicht gebessert und schon gar nichts gegen dieses Gefühl von Unsicherheit getan, das seit dem ersten Mord an ihr nagte. Wen würde es als nächstes treffen? Wem konnte man noch trauen? Gut, diese Frage konnte sie sich eigentlich selbst beantworten, seit Jennifer dafür gesorgt hatte, dass sie in diesem Loch eingebuchtet wurde. Hatte ein schönes Unschuldslämmchen abgegeben vor Gericht. Blöde Schlampe. Sollte sie doch im gleichen Atomkrieg sterben wie die anderen.
    Das waren die Gedanken, die Leigh durch den Kopf schossen, während sie missmutig in Richtung Gärten stapfte. Kaum dass sie die riesige Halle betreten hatte, hellte sich ihre Miene allerdings ein merklich auf. Sie mochte ihre Arbeit in den Gärten. Nun, so sehr sie eben irgendwas in der Düsterburg mochte. Das Licht war künstlich, die Umgebung pragmatisch und zierlos, es gab nicht mal Erde hier. Aber das viele Grün beruhigte sie trotzdem, es erinnerte sie manchmal an die vielen Stunden, die sie als Kind im Gewächshaus ihrer Eltern zugebracht hatte. Es war ein schönes Gewächshaus gewesen, zumindest bis ihre Eltern sich an einem Sylvesterabend gestritten hatten und irgendwie eine Rakete hineingeflogen war.
    Leigh war nicht alleine im Garten, sie konnte in einiger Entfernung Erie sehen, die gerade die Blumen goss. Leigh kannte die ältere Frau nicht gut, wusste eigentlich kaum etwas über sie, außer dass sie diese berühmte Giftmörderin war. Das alleine reichte ihr, um zu wissen, dass sie es sich mit dieser Frau nicht unbedingt verscherzen sollte. Besonders wenn sie kochte. Die andere Person, die sie hier sehen konnte, war Leona, ein süßes, scheues Ding, das zwischen den ganzen schmierigen Kerlen und exzentrischen Gestalten hier in der Düsterburg irgendwie vollkommen fehl am Platze wirkte. Aber ihre Arbeit im Garten machte sie gut. Leigh nickte den beiden Frauen zu und brummte ein leises "Hi" bevor sie sich an die Arbeit machte und die Pflanzen nach eventuellen welken Blättern und Schädlingen zu durchwühlen. Letztere ließen sich von den Sicherheitsbarrieren des Knasts nämlich genausowenig beeindrucken wie mörderische Psychopathen.

  4. #44
    Erie war mit ihrer bisherigen Arbeit an der hydroponischen Farm gut vorwärts gekommen und erlaubte sich nun den Luxus, sich einmal ächzend zu strecken.
    Früher, so vor 20 Jahren, wäre die Arbeit hier wohl keinerlei Problem gewesen, wie sie sich eingestehen musste, hatte sie damals doch bedeutend weniger gewogen, jetzt tat ihr der Rücken weh vom Herunterbeugen beim Hegen der Pflanzen und ihre Arme schmerzten durch das nach oben greifen beim Wechsel der UV-Lampen, die das Tageslicht hier unten simulierten und dafür sorgten, dass die Pflanzen trotzdem wachsen konnten.

    Sie schloss die Augen und genoss den zurückweichenden Schmerz im unteren Rücken, als sie sich wieder in den Rosengarten ihres letzten Ehemannes zurücksehnte, wo sie sich den ganzen Tag einzig und alleine um die Pflanzen und den Garten hatte kümmern dürfen. Der Geruch der frischen Erde, der Duft feuchter Blüten und Knospen, das war ihr Paradies in dieser kleinen Hölle.

    Als sie so da stand, den massigen Leib nach links und rechts drehend, fielen ihr dei beiden Küken auf, Leigh und Leona, die eine im Gehen begriffen, die Andere im Kommen und sie lächelte den Beiden freundlich zu. Auf das eher stille Gebrumme Leighs antwortete sie mit warmer und sanfter Stimme
    "Guten Morgen, Kinderchen. Ich hoffe, ihr habt gut geschlafen?"

    Ihr war klar, dass durch die ausschweifende Berichterstattung sie und vor allem ihre recht heimtückische Vergangenheit durchaus bekannt waren, also wollte sie - vielleicht einem Mutterinstinkt folgend - die Beiden nicht erschrecken, auch wenn sie keinen blassen Schimmer hatte, warum sie eigentlich hier waren. Vor allem die Blonde sah sehr unschuldig aus, während die Dunkelhaarige einen fast schon rebellischen Eindruck machte.
    Wie dem auch sei, sicherlich hatte Keine von Beiden das kriminelle Kaliber eines Mr. Silvers oder - wie sie sich schmunzelnd eingestehen musse - sie selbst.

    Die beiden Mädchen blickten sie abwartend an, sie wirkten misstrauisch, was man ihnen nicht verdenken konnte, wollten wohl aber auch nicht unfreundlich wirken.

    "Wisst ihr, ich könnte eure Hilfe gebrauchen.", sagte die Französin sanft und streckte noch einmal den Rücken durch - wohldosiert und gut geschauspielert, denn so wirkte sie noch einmal eine Spur gebrechlicher und der Schmerz ließ tatsächlich nach.
    "Ich kann mir vorstellen, dass ihr Beide es sehr schlimm findet, hier unten eingesperrt zu sein.", sprach sie leise und legte großes Mitgefühl in ihre Stimme, zwang sie durch das leise Sprechen aber auch näher zu rücken, womit sie Nähe schaffen konnte. "Junge Dinger wie ihr sollten eigentlich draußen sein, tanzen, Spaß haben und Jungs den Kopf verdrehen." Sie lachte leise, fast so als würde sie selbst in Erinnerungen schwelgen.

    "Aber was wir nicht ändern können, müssen wir ertragen lernen.", sagte sie dann und fuhr etwas aufgeräumter fort: "Ihr habt großes Glück, wisst ihr? Früher, so vor 7 Jahren, waren die Sitten hier sehr viel schlimmer. Vor allem für junge Mädchen." Sie lächelte schmerzvoll - und dies war nicht einmal gespielt. "Jetzt herrscht hier eine wunderbare Ruhe des gegenseitig in Ruhe lassens. Und wir haben Essen, richtig gutes Essen sogar." Sie pflückte eine der Tomaten von einem der Sträucher und rieb mit dem schwieligen Daumen über die rosige, rote Fläche. "In Neo-Paris, im Sektor 1, zahlt man für so eine Tomate mittlerweile fast 120 N-euro. Und wir zahlen lediglich den Preis von Freiheit dafür."
    Plötzlich wurde sie ernst, die Nachdenklichkeit verflog und sie blickte die beiden direkt an, nicht eindringlich, aber wie eine strenge Lehrerin oder Gouvernante, die eine Antwort forderte. "Schmeckt euch das Essen denn?"
    Die beiden Mädchen blickten sich kurz an, dann nickten sie vorsichtig, eine sanft, die Andere, die Rebellische mehr mit einem Schulterzucken.
    "Das ist gut.", sprach Erie wieder sanfter, unbemerkt zwischen den Emotionen wechselnd.

    "Damit dies so bleibt und wir weiterhin etwas zu essen haben, brauche ich eure Hilfe. Nicht nur beim Hegen der Pflanzen, was ihr ganz und gar großartig macht." Dabei lächelte sie vor allem Leigh an. "Sondern auch bei so wichtigen Dingen wie dem Kompost. Gerade unsere Kartoffeln brauchen eine gewisse Art von Nährstoff. Und dem Kompost, das könnt ihr vielleicht sogar riechen, fehlt es an Mikroorganismen. Worum ich euch bitte, ist ein Dienst an der gesamten Bevölkerung hier."

    Die beiden jungen Mädchen blickten sie vorsichtig an, misstrauisch, sicherlich nicht zu verdenken.
    "Eine von euch Beiden muss in den Abwasserschacht kriechen und mir einen Kübel des Inhaltes von Behälter IIV bringen."
    Sie lächelte nachsichtig. "Ich weiß, keine angenehme Aufgabe, aber Paloma, die es früher gemacht hat, ist ja nun nicht mehr unter uns. Und ich, nun ja... ich würde es tun, aber ich passe nicht in den Schacht."

    Sie hob entschuldigend die Arme, die Geste wirkte echt...

  5. #45
    "...Aber am Ende wissen wir vielleicht endlich, welches Gift es war. Ich informiere euch. Danke. Ihr könnt wieder zu den anderen gehen. Und vergesst nicht die Wahl. KILA out."
    Kaum war KILA verstummt, hauchte Fräulein 21 den beiden Männern ein Dankeschön zu und verschwand fast schon fluchtartig. Boyle und Tod standen indessen wie angewurzelt in der Medizinkammer und starrten sich einen Augenblick lang an. Es wirkte fast, als wolle keiner der beiden den jeweils anderen mit Thatchers Leiche alleine lassen, deren Summen die Stille nur noch unangenehmer erschienen ließ.
    "Wolltest du Miss 21 nicht beschützen?", durchbrach Boyle schließlich das Schweigen. "Wollten Sie nicht zurück in Ihre Koje?", konterte Tod und schürzte seine trockenen Lippen.
    Dieser verdammte... Woher wusste er das schon wieder?

    Für einen kurzen Moment sahen sie sich noch einmal feindselig an, dann kicherte der Doktor plötzlich. "Vielleicht sollten wir beide erst mal sehen, was für einen Fraß es heute gibt. Und vergessen Sie nicht die Wahl!", äffte er am Ende KILA nach, und auch wenn das alles wie ein Versöhnungsangebot wirken konnte, klangen die Worte herausfordernd. Als würde der Doc sagen wollen, dass er jederzeit - mit der Leiche? - machen konnte, was er wollte und dafür nicht unbedingt diesen Moment brauchte.
    Aber... durch diesen kurzen Gedankengang kam Lionel selbst ein Idee. Er brauchte Thatcher nicht für irgendwelche Hinweise, die er vielleicht sowieso nicht mehr hatte - die bisherige Ausbeute war schließlich schon deutlich über Boyles Erwartungen gewesen.
    "Ich vergesse die Wahl nicht, Tod, keine Sorge. Aber wenn dir niemand einfällt, dann wähl doch Boyle!" Er setzte ein Grinsen auf, von dem er überzeugt war, dass es nur schleimige Autoverkäufer benutzten. "Also mich." Er reckte kurz den Daumen in die Höhe und war dann schneller weg, als dass er noch eine Antwort von Tod hätte hören können.

    Es war perfekt. Also, für einen Einfall, über den er nicht länger nachgedacht hatte als zwei, drei Minuten. In diesen Zeiten war der Job des Anführers eher eine Formalität als etwas anderes - und falls etwas Gröberes zu machen war, würde er sich schon irgendwie durchkämpfen. Aber meine Güte, das Privatzimmer der ehemaligen Anführer, das war das, worauf es wirklich ankam. Und Boyle wollte hinein. Unbedingt.
    Als er sich also auf den Weg zurück machte, hielt er Ausschau nach den restlichen Bewohnern der Düsterburg. Die drei Damen, die in den Gärten zusammenstanden, wirkten gerade in eine Unterhaltung vertieft, trotzdem rief Lionel ihnen ein "Hey! Wählt Boyle!" zu, als er durch die Hydroponik ging, wofür er nur von Erie mit einem Glimmern in den Augen bedacht wurde. Vermutlich störte er gerade etwas Wichtiges, aber Hauptsache, sie hatten ihn gehört. Viel mehr Aufwand wollte er auch gar nicht betreiben, weil es den meisten ohnehin nicht mehr so wichtig war, wer diesen Sauhaufen eigentlich anführte. Und immerhin, der Großteil der Leute kannte ihn zumindest entfernt.
    Nun wollte Boyle einen kurzen Blick in die Küche werfen - weil er Erie in den Gärten wusste - und seinen zweiwörtrigen "Wahlspruch" pro forma hineinrufen, aber davor standen immer noch dieselben Männer, an denen sie vorher mit Thatcher vorbeigegangen waren. Oder zumindest zwei von ihnen. Mr. Silver war jemand, mit dem Lionel sich beinahe so ungern unterhalten wollte wie mit Tod, aber natürlich aus völlig anderen Gründen. Er fühlte sich dem Mann, wie er sich irgendwann eingestehen hatte müssen, irgendwie unterlegen, was nun wirklich nicht oft vorkam. Trotzdem bekam er es hin, bei Silver und Matt ein "Wählt Boyle" loszuwerden, auch wenn es ohne Grinsen oder Daumen kam.

    Dann war er endlich in der Mensa, in der bis auf diesen Theo gähnnende Leere herrschte. Aber erst mal was essen, das war jetzt ja beinahe anstrengend gewesen.
    Boyle holte sich also ein falsches Schnitzel und biss herzhaft ab. Es schmeckte noch besser, als es so aufgetischt ausgehen hatte. Gott, zum Glück hatte noch niemand Erie abgemurkst. Dann fiel ihm wieder ein, auf welcher "Mission" er eigentlich war - er tat, als würde er Theo mit dem Schnitzel zuprosten und sagte noch mit halbvollem Mund: "Hey, wähl Boyle!"

    Geändert von Lynx (23.02.2017 um 16:44 Uhr)

  6. #46
    Er folgte diesem Boyle in die Kantine, wo es heute Schnitzel gab.

    "Dich, wählen? Und was genau qualifiziert dich, außer schnellen Fingern?"

    Er schüttelte den Kopf. Boyle? Im Leben nicht.

    "Ich kenne Leichen, die sehen schmackhafter aus, selbst nachdem sie schon richtig viel Schimmel angesetzt haben. Und sie riechen auch besser. Nebenbei..."
    , sagte er und grinste, ... hat schon jemand den Hund, den KILA vermisst wiedergefunden? Ich habe das Gefühl, dass die Flohschleuder auf Boyles Teller liegt, wuff!

    Dann nahm er sich einen Teller Suppe, die eindeutig aus der Dose war, aber sie war dafür auch eindeutig ohne Hund.
    "Ich tendiere dazu, Fräulein Leona zu wählen. Ich finde, dass sie von uns allen die Beste Wahl ist. Achja, KILA? Du - bist - feige!"

  7. #47
    Boyle starrte Tod kurz verwirrt an und vergaß beinahe, weiter zu essen. Fräulein Leona? Durch reines Ausschlussverfahren musste das die 21 sein.
    Er grinste nun und nahm einen weiteren, besonders genüsslichen Bissen. "Fräulein Leona. Ja. Die beste Wahl. Definitiv."
    Dann allerdings dachte er tatsächlich ernsthaft über die Frage des Doktors nach. Was qualifizierte ihn?
    "Also, erstens bin ich so lange hier, dass ich mich ein bisschen auskenne." Da Tod sich mal wieder mit einem Monolog, bzw. KILA, beschäftigte, richtete Boyle sich immer noch kauend eher an Theo.
    "Ich bin hart im nehmen. Außerdem schreibe ich niemandem was vor... oh, aber ich kann aber auch anders, wenn es gefordert wird. Und, hm... ich habe geholfen, Thatcher in den Medizinbereich zu bringen. Also habe ich ja wohl offensichtliches Interesse daran herauszufinden, wer hier mordend durch die Gegend zieht."
    Er schluckte seinen Bissen nun endlich runter und war sehr zufrieden mit sich. Das hatte gar nicht soo schlecht geklungen.

    Geändert von Lynx (23.02.2017 um 17:21 Uhr)

  8. #48
    Robert und Matt verharrten noch einen Moment schweigend im Gang und sahen Theo dabei zu wie er um die Ecke bog und in der Mensa verschwand.
    Nur wenige Augenblicke später, Robert wollte sich im selben Moment von Matt verabschieden, ging Lionel Boyle der Händler,
    dem Robert seinen Papiervorrat zu verdanken hatte, an ihnen vorbei.
    "Wählt Boyle!"
    Schweigen. Ohne stehen zu bleiben führten Boyles Schritte ihn in die Mensa. Dicht gefolgt vom dunklen Schatten des Dr. Tod.

    "Nun Mr. Foster. Vielleicht sollten Sie sich mit Ihren Überlegungen hinsichtlich des Gefallens nicht zu lange Zeit lassen.
    Wer weiß wie lange wir noch leben. Der Tod begleitet jeden von uns. Immer."

    Normalerweise hätte er diesem Satz ein süffisantes Lächeln hinzugefügt, doch Roberts Miene blieb starr wie Stein.

    Matts Mund öffnete und schloss sich wie der eines gestrandeten Fisches und Robert gab ihm gar nicht erst die Zeit sich eine passende, coole Antwort zu überlegen.

    Der ältere Mann machte auf dem Absatz kehrt und lief gemächlichen Schrittes in Richtung Hydroponik, in der Hoffnung, dort noch einige Minuten für sich und seine Zeichnung zu finden.
    Dort angekommen, sah er die junge Ms. Petty, Ms. Matthews und Eerie Laureanne, welche momentan die einzige Person mit dem Privileg war ihn duzen zu dürfen, in ein Gespräch verwickelt stehen.

    Da er die drei Damen nicht stören wollte, lief Robert gemächlichen Schrittes an den Pflanzen vorbei, auf der suche nach einer Blüte die es Wert war festgehalten zu werden.

  9. #49
    "Fräulein Leona und ich haben die Leiche ebenfalls getragen, also sollen wir deswegen ein Triumvirat gründen? Klingt so. Und anders können? Kann ich auch. Und was vormachen? Mache ich auch nicht. Und lange hier sein? Wer von uns ist das nicht?"

    Dann sah er Boyle erneut an. Fräulein Leona ist noch jung, und im Gegensatz zu den meisten von uns, einschließlich mir, wirklich noch eine unschuldige Person. Wenn, dann verdient sie die Privilegien des Anführers."

    Edward hätte Boyle nur zu gerne in seinem Laboratorium gehabt. Gefesselt, mit offen liegendem Hirn und vielen technischen Dingen, aber leider war das hier ein Gefängnis, in das er eindeutig ebenso wenig gehörte, wie Fräulein Leona. Nein, sie beide waren missverstandene Opfer der Gesellschaft, die überwiegend aus Vollidioten wie Boyle und KILA bestand.

  10. #50
    Wieder halbwegs sauber nach der Dusche trat Leroy in den Aufenthaltsraum. Auf dem Rückweg war einiges losgewesen dafür, dass sie nur noch so wenige waren. Irgendjemand war in der Krankenstation gewesen (wahrscheinlich mal wieder eine Schlägerei, vermutete Leroy, er hatte es aber nur im Vorbeigehen mitbekommen), die alte Hexe mit dem passenden Namen Eerie (oder so ähnlich) hatte sich in der Hydroponik herumgetrieben, und vor der Küche hatte auch jemand rumgestanden. Er hatte es wie üblich gehalten, sich so dicht wie möglich an der gegenüberliegende Wand entlangbewegt, und Augenkontakt vermieden. Da ihn niemand angesprochen hatte, hatte er wohl alles richtig gemacht.
    Nun sah er sich um. Mit geübtem Blick erspähte er auch das heutige Essen. Vegetarisches Schnitzel, wenn ihn seine Augen nicht täuschten. Er schnappte sich eine Portion (nach der Schufterei vorhin hatte er genug Hunger, um das Essen runterzubekommen) und ging in Richtung seines Stammplatzes in der hintesten Ecke. Oh, halt, wollte er sich nicht "sozialisieren"? Also setzte er sich stattdessen an einen anderen Tisch, mehr in der Mitte der Halle (allerdings einer, an dem noch niemand saß - man musste es ja nicht gleich übertreiben).
    Während er sein Essen in sich hineinschaufelte, wanderten seine Gedanken zur heute (schon wieder) anstehenden Anführerwahl. Im Grunde gab es nur eine einzige Person, der er in dieser Krise zutraute, über genug Intelligenz, gesunden Menschenverstand und Verantwortungsbewusstsein zu verfügen, um sie zumindest halbwegs sicher hindurchzubringen. Allerdings wollte er den Anführerposten aus demselben Grund nicht, aus dem er schon die Beförderung vorhin (vorerst) abgelehnt hatte, weil man sich damit praktisch eine gigantische Zielscheibe auf die Brust malte. Daher würde er es vermutlich so halten, wie bei den letzten paar Wahlen: Er würde warten bis der Sieger ohnehin unumstößlich feststand, und dann für diesen stimmen, damit er nicht durch Nichtbeteiligung auffiel. Also spitzte er die Ohren, ob sich bereits irgendwelche aussichtsreichen Kandidaten abzeichneten.

    Geändert von Liferipper (25.02.2017 um 12:29 Uhr)

  11. #51
    "Hey! Wählt Boyle!"

    Der Kerl - offensichtlich Boyle -, der gerade noch die Leiche getragen hatte, rief diese Worte in den Monolog Eries hinein. Auf der einen Seite war das wirklich nicht die feine Art, auf der anderen war Leona ganz froh, durch diese Ablenkung der Aura der alten Frau für einen Moment zu entkommen. Sie war nett und charmant gegenüber Leigh und ihr, heute nicht das erste Mal. Doch auch hier versteckte sich eine Angst einflößende Tendenz hinter der Freundlichkeit, die wohl nicht mal verborgen werden wollte. Ohnehin schienen die Leute oft... besonders auf die Französin zu reagieren und den ein oder anderen Kommentar zu ihr hatte es auch gegeben. Die 21-Jährige wusste jedoch nicht genau, was es damit auf sich hatte. Und ihr war auch nicht klar, ob sie inzwischen nicht einfach jeden Menschen hier drin furchterregend fand, ohne dass es dafür einen triftigen Grund gab. Zugegeben: In der Zeit vor der Düsterburg hätte Erie eine Kundin von ihr sein oder einsam im Krankenhaus liegen und sich über wöchentlichen Besuch freuen können. Ihre Liebe für Pflanzen sprach für sie. Und mit Sicherheit war Leona auch nicht die Einzige, die nicht hierher gehörte. Oder der das zumindest so vorkam.

    Nachdem Mademoiselle Laureanne ihr Anliegen in mütterlicher Art und Weise mit den beiden geteilt hatte, zögerte Leona und warf dabei einige Blicke zu Leigh, die auch genau in diesem Moment eine Antwort parat zu haben schien. "Ich bin hier, um die Pflanzen nach Mist zu untersuchen. Nicht, um mich selbst in Scheiße zu wälzen. Besonders nicht für Tomaten!" Der patzige Ton war kaum zu überhören und er machte der Blondine etwas Angst vor der Reaktion der alten Frau. Jetzt könnte sie nicht auch noch absagen, oder? Das größte Bedenken der Floristin war ihr Kleid. Es war nicht gerade für solche Exkursionen gemacht und Kleidung war ein wertvolles Gut in der Düsterburg. So zweifelte Leona noch als sie das Wort ergriff.

    "Ich... wollte eigentlich gerade duschen gehen", sagte sie. Was ursprünglich als Ausrede gedacht war, um die Aufgabe nicht übernehmen zu müssen, änderte sich unter dem strengen Blick der älteren Frau jedoch sofort. "Also könnte ich mich vorher ruhig noch dreckig machen", fügte sie dementsprechend hinzu und lächelte angestrengt.

    Ein weiterer, unsicherer Blick zu Leigh, während sich unweit von ihnen ein ebenfalls etwas älterer Herr befand und sich offenbar an der Pflanzenpracht ergötzte. Die junge Frau, die sich wohl im ungefähr selben Alter wie Leona befand, erwiderte den Blick aus missmutigen, schwarzen Augen. "Wohin soll ich genau kriechen?", wollte sie wissen und sollte kurz darauf nicht gerade positiv überrascht werden.

    Mit Worten, die von Dankbarkeit und noch immer einem gewissen Charme geprägt waren, erklärte die Französin ihr, dass sie in einen engen Schacht hier in der Hydroponik würde kriechen müssen. Die Information, was sie dort zu bergen hatte, kam dann reichlich spät und machte die Aufgabe nicht angenehmer. Bislang hatte sie geglaubt, dass der Ausdruck 'Scheiße' eine Übertreibung sei, doch anscheinend hatte ihre 'Kollegin' nur einen möglichst vulgär klingenden Ausdruck für die Wahrheit gesucht. Mit schon jetzt verzogener Miene blickte Leona auf den Eingang zu jenem Schacht und näherte sich ihm gemeinsam mit Erie.

    Ihr Tag hatte mit dem Begutachten einer Leiche nicht sonderlich schön angefangen und sollte nun wohl auch ähnlich miserabel weiter gehen. Doch noch kurz bevor sie die Zweifel überwund und den Weg auf die Knie antreten wollte, um der alten Frau ihren Wunsch zu erfüllen, hörte sie ein "Ach, komm, ich bin nicht herzlos" hinter sich. Plötzlich huschte eine sich die Ärmel hoch krempelnde Leigh an ihr vorbei. "Ich mach schon!", sagte diese und begab sich auf den Boden, um in den Abwasserschacht zu kriechen und den Dünger zu besorgen. Währenddessen konnte man sie noch trocken in sich hinein murmeln hören:"Wer weiß, vielleicht lieben diese Psychos ja Tomaten und lassen mich hierfür leben... ha ha ha..."

  12. #52
    Roberts Glück, von dem er vor einigen Stunden noch gedacht hatte, dass es ihm heute hold war, hatte ihn wohl bereits wieder verlassen. Es schien so, als hätte irgendein Idiot alle Blüten von den Pflanzen gerissen. Wahrscheinlich beim Entfernen der Parasiten. Ein Großteil der Insassen der Düsterburg hatten einfach keine Ahnung, was Schönheit bedeutete und das man diese am besten in Ruhe lassen sollte.

    Mit einem enttäuschten Seufzen, eine emotionale Regung die er sich nur in Abwesenheit der anderen Gefangenen erlaubte, erhob er sich und sah erneut zu der kleinen Frauengruppe hinüber.
    Nun standen nur noch Eerie und die Frau mit blondem Haar da.
    Robert richtete seine Kleidung und ging auf die beiden Damen zu.
    Sie schienen im Moment nicht miteinander zu sprechen sondern sahen zur nahen Wand hinüber. Es schien ein Gitter zu fehlen welches einen Schacht freigeben hatte.

    Um die beiden nicht zu erschrecken räusperte Robert sich einige Schritte bevor er zu ihnen aufgeschlossen hatte.
    Eerie schien nicht überrascht ihn hier zu sehen, immerhin hatten sie schon oft, schweigend und beide in ihre Arbeit vertieft, die Zeit miteinander in der Hydroponik verbracht.

    Er bedachte die ältere Frau daher nur mit einem freundlichen Lächeln und einem Nicken in ihre Richtung.
    Die junge Frau hatte Robert zwar bereits gesehen, aber nie wirklich wahrgenommen.
    Er schenkte also seine gesamte Aufmerksamkeit Leona, welche mit einer leichten Unsicherheit im Blick zu ihm aufsah.

    "Wenn ich mich vorstellen darf, Robert Silver. Sie müssen neu in unserem bescheidenen Etablissement sein. Sie sind mir bis heute noch nie aufgefallen."
    Robert hielt der Frau zur Begrüßung seine Hand hin. Er wusste, dass diese höfliche Geste in der Düsterburg eher verpönt war.
    Mit einer Hand ließ sich schlecht kämpfen und das weglaufen war auch erschwert, wenn man seinen Feind an der Hand hielt.
    Es gab allerdings Dinge aus seinem früheren Leben, die er sich nicht abgewöhnen konnte.

    Eerie beobachtete die beiden mit wachen Augen. Leonas Blick huschte kurz zu der älteren Dame herüber, dann nahm sie zögerlich die warme Hand des Mannes in ihre.
    "Leona." Ihre Stimme klang selbst in ihren eigenen Ohren schwach und ängstlich. Doch sie würde sich jetzt keine blöße geben. "Leona Petty. Ich bin noch nicht lange hier."

    Nach einem kurzen Händedruck gab Robert ihre Hand wieder frei.
    "Sie sind erst wenige Zeit hier und planen bereits einen Ausbruch?" Er lachte leise. "Ein kleiner Scherz. Nun was geht hier vor?"
    Mit einer Handbewegung zum freigelegten Schacht deutend sah er ruhig zwischen Eerie und Leona hin und her.

    "Nein nein." Eerie kicherte leise. "Ich brauche den Inhalt aus Behälter IIV für die Pflanzen und die liebreizende Leigh hat sich bereit erklärt mir zu helfen. Leona auch, aber Leigh war etwas... energischer."
    Nun deutete auch sie auf den Schacht. "Sie ist vor wenigen Minuten hineingeklettert."

    Robert zog die Augenbrauen hoch.
    "Was für eine unangenehme Aufgabe."
    Er besah sich die Öffnung genauer. Robert selber hätte niemals hinein gepasst und Eerie schon gar nicht.
    "Hat Ms. Matthews denn etwas mitgenommen, womit sie es transportieren kann?"

    Leona beobachtete die beiden kurz, entschloss sich dann allerdings lieber zu gehen. Was sollte sie noch hier? Sie brauchte eine Dusche.
    "Entschuldigen Sie mich, aber ich werde jetzt gehen. Bis... später."

    Robert und Eerie sahen ihr kurz nach. Dann, als die junge Blondine aus Hörreichweite, war wandte sich Robert mit ernster Miene seiner Gespärchspartnerin zu.
    "Wen wählst du zum neuen Anführer, Eerie?"

  13. #53
    Als Leigh auf so grobe Art und Weise reagierte, konnte man Erie ansehen, dass sie um ein Haar mit der Hand ausgeholt hätte, augenscheinlich, um der jungen Dame eine Ohrfeige zu geben.
    Doch obschon der dickliche Leib sich straffte und eine Augenbraue gefährlich wie bei einer mehr als unzufriedenen altenglische Gouverante hochwanderte, konnte sie sich augenscheinlich gerade noch so beherrschen. Die Umstehenden spürten, dass die Dame aus Frankreich solche Wutausbrüche - und vor allem das Ablehnen einer solchen "Bitte" - aus ihrem alten Leben nicht gewohnt war.

    Es war also Leona, die die Situation bereinigte, indem sie sich bereit erklärte und ein wieder mütterliches, gnadenvolles Lächeln auf ihre Lippen zauberte.
    "Du bist ein gutes Kind, Leona.", sagte Erie sanft und maß dabei Leigh mit einem strengen Blick, als würde sie die schulischen Leistungen zweier Schülerinnen miteinander vergleichen, es wirkte vollkommen fehl an diesem Orte, tief unter der Erde.

    Als Leona sich dann anschickte, den Schacht hinein zu kriechen, war die Überraschung groß, als sich Leigh doch entschloss, die mehr als unangenehme Aufgabe in Angriff zu nehmen.
    Erie glaubte, so etwas wie Erleichterung und Dankbarkeit im Blick von Leona Richtung Leigh zu sehen und als Leigh im Schacht verschwunden war und Leona sich an der älteren, dicklichen Dame nach dem Gespräch mit Mister Silver vorbei schleichen wollte, wurde sie trotzdem augehalten, als Erie ihr eine Hand auf die Schulter legte.

    "Danke, Kindchen.", raunte sie leise und blickte ihr trotzdem streng in die Augen. Ein paar unangenehme Millisekunden zu viel hielt sie den Griff an der Schulter der jungen Schönheit aufrecht und musterte ihr Gesicht. Dann entließ sie das Mädchen, griff in die Tasche ihrer Schürze und holte ein kleines, fein gesticktes Tuch heraus und drückte es Leona in die Hand, danach schloß sie - wie um keine Widerrede zu dulden - die Hand Leonas mit ihrer Rechten um den geheimnisvollen Inhalt des Tuches.
    Für Leona fühlte es sich an, als wären es Augäpfel, die sich darin befanden und wenn sie genauer hinblickte, erkannte sie auch, dass sich das Tuch leicht rot färbte.
    Sie schluckte unsicher und wich dem habichtähnlichen Blick der Älteren aus und wisperte ein "Danke.", ehe sie sich lösen konnte und mit einem letzten Blick auf den geöffneten Schacht in dem Leigh verschwunden war, sich Richtung Dusche wandte.

    Dann wandte sich Eerie dem aristokratisch lächelnden Mister Silver zu.
    "Nun, lieber Robert..." begann Eerie und legte ihm vertrauensvoll und sanft eine Hand auf den Arm. "...den Fehler, einen Kübel zu vergessen, machen sie alle das erste Mal. So erging es Paloma und vor ihr auch Remete."

    Der Angesprochene im feinen Anzug, der bei jeder anderen Person hier unten lächerlich gewirkt hätte, Mister Silver aber vorzüglich kleidete und ihn mit einer Aura des Unnahbaren und Edlen umgab, schmunzelte nachsichtig.
    "Aber genug von den Kindern.", lächelte Eerie. "Ich hatte gehofft, dass du dich zur Wahl aufstellen lassen würdest, lieber Robert. Du hast etwas von meinem zweiten Mann. Einen starken Willen und einen wachen Blick. Dazu eine Ruhe, die Bewunderung verdient. Wenn hier unten Jemand meine Stimme verdient hätte, dann wärst dies du. Und einem Mann mit so einem Kinn..." Sie blickte zu ihm hoch und schmunzelte, während sie mit der Hand geschwisterlich über den Stoff seines Anzugs strich, "...so einem Mann würde ich auch folgen können. Nicht, dass Mister Boyle nicht auch eine gute Wahl darstellt - aber als Händlerseele will ich ihm mein Leben nicht unbedingt anvertrauen"

    Geändert von Daen vom Clan (23.02.2017 um 23:23 Uhr)

  14. #54
    Matt sah sich die Totenshow vor ihm ruhig an, es war auch irgendwie einfach zu creepy da irgendwas noch groß zu sagen. Und hey, auch wenn er immer einen guten One-Liner hatte, manchmal war es besser die Klappe zu halten. Das hatte er auf die harte Tour lernen müssen.

    Als Boyle wieder an ihnen vorbeikam warf er ihnen einfach nur stumpf einen Aufruf ihn zu wählen entgegen.
    Das war merkwürdig. Damn. Das war sowas von merkwürdig.

    "Nun Mr. Foster. Vielleicht sollten Sie sich mit Ihren Überlegungen hinsichtlich des Gefallens nicht zu lange Zeit lassen.
    Wer weiß wie lange wir noch leben. Der Tod begleitet jeden von uns. Immer."


    Scheiße. Normalerweise würde Matt ja gerne sagen, dass sein ganzes Leben noch vor ihm liegt. Aber irgendwie sah es schon kacke aus.

    "Alter, das klingt aktuell echt nicht vertrauenswürdig, weisste?

    Wie gesagt, manchmal war es besser die Klappe zu halten. Robby Tobby sowas ins Gesicht zu sagen... nope, better not. Doch Silver machte es ihm einfach und wandte sich von ihm ab.
    Ohne weitere Worte verschwand Matt dann auch wieder in der Küche.

    Schnell ließ er das Messer wieder im Messerblock verschwinden und schaute nochmal zu dem Bottich voller Gemüse in dem früher eigentlich mal Zement angerührt wurde.
    Big Boss und Matt arbeiteten nun schon seit einiger Zeit in der Küche und er selbst hatte nie Ambitionen den Laden zu schmeißen. Klar, irgendwo wäre es geil gewesen da draußen Chefkoch zu sein. Aber hier drinnen? Was sollte es ihm bringen. Chefkoch in der Düsterburg wäre eh kein geiles Statement für seine Vita gewesen.
    Es hatte auch einfach seine Vorteile hier unterm Radar zu bleiben und trotzdem wusste jeder, dass er zu einem wichtigen Teil der Belegschaft gehörte.

    "Yo KILA. Fass mir nochmal den Verlauf der letzten Wochen und Monate zusammen... ich verlier hier unten den Überblick wie viele schon Hopps gegangen sind... und wie lange schon."

    Matt ging zu den Pilzen und griff an die übliche Stelle um sich seine Extraportion Essen zu schnappen. Eines musste man Big Boss lassen. Kochen konnte sie. Was bei den vorhandenen Zutaten nicht unbedingt die einfachste und dankbarste Aufgabe war.

    "Und wann treffen wir uns eigentlich mal zum Picknick? Ich mein... meine Picknicke bestehen aus Wodka und Käse aber... you know?"

    Geändert von Gendrek (24.02.2017 um 00:51 Uhr)

  15. #55
    Während er so Boyles Wahlkampfrede lauscht - selbstredend betont interessiert guckend - kaut Theo genüsslich weiter. Auch wenn die Argumente jetzt eher so bedingt überzeugend sind, die Tatsache, dass Boyle der erste ist, der offensichtlich immerhin Interesse an dem Job hat, spricht doch irgendwie für sich. Da meldet sich Tod zu Wort:

    "Fräulein Leona und ich haben die Leiche ebenfalls getragen, also sollen wir deswegen ein Triumvirat gründen? Klingt so. Und anders können? Kann ich auch. Und was vormachen? Mache ich auch nicht. Und lange hier sein? Wer von uns ist das nicht? Fräulein Leona ist noch jung, und im Gegensatz zu den meisten von uns, einschließlich mir, wirklich noch eine unschuldige Person. Wenn, dann verdient sie die Privilegien des Anführers."

    Die Ansage ist so absurd, dass Theo kurz vergisst, weiterzukauen und sich nur knapp ein lautes Lachen verkneifen kann. Sicher, mit Leona wären sie definitiv an jemandem, der wohl kaum einen auf verkappter Despot machen würde, aber... Von dem, was Theo die letzten Wochen so mitbekommen hatte, wäre Leona kaum sonderlich glücklich, wenn sie wüsste, dass man sie auf einmal als Anführerin für Sodom und Gomorrha handelt. Vermutlich wäre sie eher so verängstigt, dass sie sich gar nicht trauen würde, sich gegen die anderen durchzusetzen. Das hätte zwar auch seine Vorteile, auch für Theo, aber - nein, die Gesellschaft von Leuten wie Frankenstein hier und gewiss auch die eines gewissen Feuerteufels wäre weitaus angenehmer, wenn im Hintergrund jemand steht, der sie einfangen kann. Und der den Job überhaupt will.

    Diesem Gedanken - und den Weg zu einem weiteren falschen Schnitzel - folgend, geht Theo im Kopf die Optionen durch. Leona steht völlig außer Frage. Leigh ist noch zu neu, als dass man sie einschätzen könnte. Robert und Tod? Beide ganz weit unten auf Theos Liste - bei einer Mörderplage einen inhaftierten Mörder als el Cheffe zu wählen ist selbst ihm zu absurd. Wer wäre denn noch so da? Leroy wäre ne Idee, fällt aber wie Leona in die Kategorie der Leute, bei denen Theo sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass die von dem Posten begeistert wären. Matt... ist ein netter Typ und definitiv vertrauenswürdig, wirkt aber nicht wie der geborene Organisator. Natürlich wäre auch noch Theo selbst da, aber jeder weiß, dass die hohen Posten nur dann Spaß machen, wenn das Königreich nicht gerade mitten in der Scheiße steckt. So wie jetzt also.

    'Bleibt Boyle. Hat sich zuerst gemeldet, von daher wäre das nur fair, oder? Aber irgendwie... So, wie der seinen Wahlkampf hier aufzieht wirkt das nicht so überzeugend.'

    Skeptisch guckt Theo sein falsches Schnitzel an. Der Trupp braucht jemanden mit etwas Autorität, jemanden, der wenigstens einigermaßen von der Mehrheit respektiert wird und jemand, der Leute organisieren kann. Mit einem mal scheint es dem jungen Mann, als schaue das Schnitzel zurück.

    'Sie kommandiert eh schon den halben Laden rum, check. Kann sich durchsetzen, check. Wird halbwegs respektiert, da man Giftmischer an der Futterausgabe besser nicht verärgert, check. Und sie hat mal erwähnt, dass sie früher irgend so nen Laden geschmissen hat... oder zumindest die Küche. Sagt man nicht immer, in Küchen gehe es hart zu?'

    Während Theo die endlich den letzten Bissen kaut und seinen Teller wegräumt, fällt auch schon die Entscheidung: Eerie ist die beste Wahl. Und wenn die nicht will... hat Boyle zuerst gefragt. Zufrieden mit seinem Plan fängt Theo an, ein kleines Liedchen zu pfeifen. Der Fahrplan für die Versammlung steht!

    Geändert von BDraw (24.02.2017 um 03:19 Uhr)

  16. #56
    "Deine Worte schmeicheln mir zwar, aber ich selbst würde mich nicht vorschlagen. Sollen das die jungen Leute machen, nicht wahr?"
    Natürlich konnte er sich als Anführer der Düsterburg sehen. Wahrscheinlich war er sogar die einzige Person hier, die für solch eine Position qualifiziert war.
    Er würde die nächsten Tage allerdings genug mit sich selbst zu tun haben und hatte keine Zeit, sich auch noch mit den Angelegenheiten der anderen herumzuschlagen.
    Robert nahm Eeries Hand, die sich noch immer an seinem Anzug befand, in seine.

    "Lass uns über deine Angestellten sprechen. Ms. Petty ist zu zerbrechlich für diese Aufgabe, nicht wahr? Und Ms. Matthews zu hitzköpfig."
    Robert schwieg einige Sekunden.
    "Mr Foster ist leicht zu manipulieren und ließt sich wie ein offenes Buch."
    Die restliche Liste der Gefangenen der Düsterburg hielt auch keinen Kandidaten bereit, für den oder die er sich auch nur im Geringsten hätte erwärmen können.
    Er seufzte.
    "Nun wir haben ja noch ein wenig Zeit darüber nachzudenken nicht wahr?"
    Robert ließ ihr einen kurzen Moment um über das Gesagte nachzudenken, aber nicht genug Zeit um zu antworten. Es gab da etwas anderes was er mit ihr besprechen musste.
    Seine Hände schlossen sich etwas fester um Eeries Hand und er lächelte sie an.
    "Kommen wir zu einem anderen Thema meine Liebe. Es scheint mir, als hätten wir jemanden in unserer Gemeinschaft, der sein kleines Mundwerk nicht halten kann.
    Sie wissen welche Umstände uns in die Düsterburg gebracht haben. Du weißt nicht zufällig,"
    Robert Blick verdunkelte sich, "von wem?"

  17. #57



    Eeries Hände verkrampften sich leicht, als Robert sie mit diesem düsteren Blick maß, doch als ihr klar wurde, dass er unmöglich sie meinen konnte, entspannte sie sich zusehends.
    Nicht, dass sie Angst vor ihm gehabt hätte - ihre einzige Angst war, die Person hier unten als... nun ja... Freund? zu verlieren, den sie hier noch hatte.

    Sie erinnerte sich unbewusst an den Moment zurück, als er das erste Mal in ihr Leben getreten war.
    Es muss vor vielleicht zehn Jahren gewesen sein, Düsterburg war als Gefängnis noch relativ neu und in den Bunkeranlagen herrschte Anarchie, Gewalt und Chaos.
    Während es ihr gelungen war, sich aus den meisten Problemen heraus zu halten und aalglatt zumeist entwichen war, gab es doch den einen Tag, an dem ihr Leben an einem mehr als seidenen Faden hing.

    Mehr aus Zufall, gepaart mit einer Prise Spaß und Sehnsucht, hatte sie in der hydropnischen Farm Avancen einer Bewundererin erfahren.
    Ihren Namen hatte Eerie schon wieder vergessen, sie wusste lediglich, dass die aus dem VIS stammte, dem "Vereinigten Islamischen Staat" und als Vergewaltigungsopfer von der Scharia als schuldig für Düsterburg gesprochen wurde. Durch ihren Hass auf Männern - was Eerie in diesem Fall mehr als verstehen konnte - suchte sie wohl die Nähe der Frau, die kaltblütig sich an Männern vergangen hatte. Als es zum ersten - fast ungewollten - Kuss kam, wurden sie von einigen inhaftierten Supportern des "New-Klux-Clan" angegriffen, die von der Trumpadministration hier unten eingesperrt worden waren und die "hohen, christlichen Werte der NATION" auch hier unten hochhalten wollten.

    Während auf sie Beiden eingetreten wurde, schlenderte Mister Silver - so zumindest in ihrer Erinnerung - im tadellos sitzenden Anzug in den Garten, nestelte an seinen Manschettenknöpfen herum und sagte nur ein Wort. "Halt."
    Die Tritte "verstummten", die Angreifer wandten sich dem charismatischen Mann zu, der sie mit einem Blick strafte, der ihnen klar machte, dass sie für ihn nur Gewürm waren.
    Zu ihrer Überraschung schlugen die Angreifer die Augen nieder und waren schnell verschwunden. Für ihre kleine Liason war die Hilfe jedoch zu spät gekommen, sie starb an einer Hirnblutung durch die Tritte.
    Ähnlich böse erging es ihren Angreifern. Laut der alten KILA wurden sie mit den Resten von Feuerzeugbenzin im Mund mit halbverbrannten Gesichtern tot aufgefunden...

    Doch fortan sollte Robert ihr einziger Vertrauter werden. So kam es, dass sie einander auch den Grund ihres Daseins nach einigen Jahren in zweisamer Runde anvertrauten.
    Während er über sie dank ihres Prozesses natürlich bestens Bescheid wusste, war sie erstaunt - und seltsamerweise ein bisschen aufgeregt und erregt - als er in samtener Plauderlaune von den Schreien der Verbrennenden erzählte, fast plauderte oder schwadronierte.

    Seitdem waren sie füreinander da gewesen. Und sie hatten die Anarchie überlebt. Und den Aufstand von Zelle 56 und den "Marsch der braunen Bänder." Und nun waren sie hier und Robert hatte wieder diesen Blick in den Augen.
    Sie wusste, dass Mister Silver einzig und allein ihr die Tatsache anvertraut hatte, dass er ein Feuerteufel war und dass seine mediale Begleitung im Grunde nicht stattgefunden hatte.

    Seine Sorge spielte also die Wut auf einen Maulwurf wieder. Jemand schien geplaudert zu haben.
    Erie legte ihm sanft eine Hand an die Wange und aller Überzeugung, die sie aufbringen konnte und die sie aus ihrem Herzen speiste, sagte sie: "Wir finden das Schwein. Denken wir einmal logisch - Dieses Wissen kann nur Jemand haben, der sich mit KILA gut versteht. Und wir haben eine neue KILA."
    Sie nahm die Hand von seiner Wange und legte sie wieder in seine Hände.
    "Also kann es Herr Dr. Tod nicht sein, er und die neue KI hassen sich. Die jungen Mädchen, Leigh und Leona ebenfalls nicht, ich denke nicht, dass sie sich dafür interessieren würden. Bleibt noch Mister Boyle. Der Mann, der sich hier unten als Händler verdingt? Oder Mister Schumann oder Mister Hoffmann gar?"
    Der Blick von Mister Silver wurde kalt, doch Erie sprach leise weiter.
    "Viel wahrscheinlicher ist jedoch die Tatsache, dass der, der es wusste, bereits tot ist. Wir waren einstmals so viele Menschen hier unten. Jetzt sind wir so wenige. Es ist wahrscheinlich, dass der, der dies wusste und sich verplappert hatte, bereits nicht mehr unter uns weilt."

    Robert atmete ein und hob den Kopf - eine aristokratische Geste, die etwas in ihr schwingen ließ - und ließ den Atem geräuschlos entweichen.
    "Dann sollten wir uns nun um das Tagesgeschäft kümmern, nicht wahr?", sagte er dann aufgeräumt.
    "Meine Stimme geht an Matt Foster, denke ich. Er stellt keine Gefahr dar und ist einfach zu durchschauen. Ihn an der Spitze zu haben, wird uns keine Probleme bereiten, sofern die See sich anschickt, rauer zu werden."
    Damit schwieg Robert Silver, als wäre alles gesagt.

    Unnötig zu erwähnen, dass sich Eerie Lauseanne seiner Wahl anschließen und für Matt Foster stimmen würde...

    Geändert von Daen vom Clan (24.02.2017 um 15:06 Uhr)

  18. #58

    Wieder einmal war Leigh alleine. Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie nicht wenigstens mit einem halben Herzen erwartet hatte, dass Leona ihr wenigstens anstandhalber hinterherkommen würde. Aber niemand kam, und der dunkle Schacht vor Behälter IIV blieb still.

    Es war eng, hier unten. Der Wartungsschacht spaltete sich von der Südseite der Hydroponik ab und machte einen leichten Bogen. Nach dem schmalen Eingang war er groß genug, um sich darin geduckt fortzubewegen. Wenn sie ihren Sinnen und ihrer Orientierung trauen durfte, bewegte sie sich ins Zentrum der Düsterburg, die wie ein Ring aufgebaut war. Was in der Mitte lag, wusste keiner von Ihnen so genau. Es wurde vermutet, dass hier allerlei technische Anlagen waren, die Lüftungsanlage zum Beispiel. Manche Glückssucher wagten sogar zu hoffen, dass sich hier ein Notausgang befinden könnte. Aber wenn jemand hier hin aufgebrochen war, die Wartungsgänge durchkrochen hatte und jeden Millimeter nach einem Griff oder einer Klappe abgesucht hatte - immer dann kehrte die Person am Abend entmutigt zurück zu den anderen.

    Aber doch, eine wahre Legende aus der Düsterburg, einer hatte es geschafft. Ramirez Estaga, ein Insasse und Widerstandskämpfer aus dem ehemaligen Mexico, das schnell nach der Machtübernahme gefallen war, war in den dunklen Gang gekrochen und kam nie wieder. Die Gerüchte über seinen Ausbruch verbreiteten sich wie ein Lauffeuer unter den Gefangenen und er wurde als Held gefeiert, auch wenn der eine oder andere sauer war, dass er seinen genialen Trick nicht mit all den anderen Insassen geteilt hatte. Aber auch das war schon 5 Jahre her, und Leigh hatte nur am Rande davon gehört.

    Sie schob sich weiter durch den engen Gang. Sie musste in den Nähen der Toiletten angekommen sein - auch, wenn es nur dezent nach Bahnhofstoilette roch. Es war überradschenderweise auszuhalten. Hatte KILA vielleicht schon abgepumpt und das braune Gold war schon weg? Aber nach einer weiteren Biegung konnte Leigh es im fahlen Schein der Notbeleuchtung sehen...

    "Scheisse...."

    Normalerweise funktionierte das Abwassersystem der Düsterburg wie eine riesige, chemische Toilette. Die Hinterlassenschaften trafen auf ein Gel, dass sie erstarren ließ. Die so entstehenden Pellets waren hygienisch und ließen sich in der Hydroponik relativ einfach wieder in lebendiges Mulch umwandeln.

    Aber dieses System war für die Nutzung von Hunderten gedacht, und sie waren nur noch zu zwölft. Der Pegelstand in dem Behälter war extrem niedrig, und statt trockener Pellets hatte sie eine schleimige, blau-braun geschlierte Gelmasse vor sich. Aber noch etwas anderes hier stank. Im übertragenen Sinne. Ganz hinten in dem Behälter, nur sichtbar, weil der Pegelstand so niedrig war - waren das Knochen, die aus dem Schleim herausschauten?

    --------

    "ACHTUNG, liebe Bewohner. Die Abstimmung zum neuen Anführer hat er zwei von zwölf Stimmen, mit einer Stimme für Lionel Boyle, von Mr. Boyle selbst , und einer Stimme für Erie Laurenne, von Mr. Schumacher. Ich möchte Euch alle darum bitten, die Stimme bald abzugeben. Wie ihr wisst, bekommt der Anführer Zutritt zu den Privatzellen im hinten Bereich der Düsterburg und hat bei einem Patt in der abendlichen Abstimmung die entscheidende Stimme."


    ------

    "Yo KILA. Fass mir nochmal den Verlauf der letzten Wochen und Monate zusammen... ich verlier hier unten den Überblick wie viele schon Hopps gegangen sind... und wie lange schon."

    Matt hörte ein stumpfes Seufzen aus den Lautsprechern.

    "Oh Matt, wie oft sind wir das alles schon durchgegangen? Hast du einen Zettel? Stift? Also, ich bin hier jetzt seit sechs Monaten. Vor sechs Monaten wart ihr genau 382 Bunkerbewohner. 200 Männer, 182 Frauen. Damit stand die Düsterburg knapp vor ihrer Belastungsgrenze."


    Das klang merkwürdig in Matts Ohren. Klar, die Schlafkojen wurden langsam knapp, aber dafür war ja der neu errichtete Kojenbereich G3 da, und allgemein sah das ganze Gebäude aus, als würden hier noch viel mehr Menschen Platz finden. Auch in Sachen Nahrungsmitteln war es noch nie zu einem Engpass gekommen.

    "Jedenfalls, ich war gerade einen Monat hier, da ging es los. Eines Morgens wurden die Schlafkojen G2-25 bis G2-50 tot aufgefunden. Die Nacht der braunen Bänder, wie ihr es nennt, weil die Toten aus der Industriestation alle mit den brauen Gürteln ihrer Arbeitsanzüge erwürgt wurden. Danach wurde das Töten langsamer, doch immernoch starben pro Nacht eine, manchmal auch zwei Personen. Vor etwa 3 Monaten habt ihr mit den Abstimmungen angefangen. Vorher schon gab es tagsüber Lynchmorde von Übereifrigen. Die Abstimmungen über die tägliche Hinrichtung haben all das nur aufgegriffen. Seitdem stimmen die Überlebenden täglich über eine Person ab, die sterben soll. "

    "Und wie war eigentlich so unsere Erfolgsquote?"


    "Ihr habt 85 mal abgestimmt.
    7 Personen haben unmittelbar vor ihrem Tod gestanden, dass sie schuldig waren.
    78 Personen haben um ihr Leben gefleht und ihre Unschuld beteuert, bis der Selbstzerstörungschip schließlich detonierte."


    Es wurde kurz still im Raum. Hatten sie wirklich das Richtige getan?

    "Von ehemals 382 Bunkerbewohnern leben nun noch 12."
    Und unter ihnen mindestens ein weiterer Killer.

    KILA sagte es nicht. Sie wurde kurz still.

    "Und in Sachen Picknick..."

    Ihre Stimme wurde leiser und Matt war sich jetzt ganz sicher, dass nur ein einziger Lautsprecher aktiviert war, einer, der ganz in seiner Nähe war. Es gab eine kleine Pause und er hörte ein leises Rascheln, als müsste KILA sich umsehen. Oder vielleicht war das das Kratzen von einem Stift auf Papier?

    "...überleb das, okay?"

    Geändert von Caro (24.02.2017 um 14:59 Uhr)

  19. #59
    ICH WÄHLE LEONA ALS ANFÜHRERIN, sagte Dr. Tod nun sicher. Dann sah er jemanden an und musste irgendwie an einen Mann denken, den er eines Tages einst getroffen hatte - Vladi. Die Fahne des Mannes roch er heute noch in Gedanken. Dann sah er Eerie vor seinem geistigen Auge. Warum auch immer.

    Abgesehen davon, wäre es toll, wenn du deinen Hintern zu uns runterhieven würdest, KILA. Wer garantiert uns, dass du nicht der Killer in der Nacht bist? Eben, keiner. Wir wollen Beweise!

    Dr. Tod war, wie meistens, auf KILA sauer.
    "Ehr vertraue ich einem Dackel mit drei Köpfen, als KILA!", wettere er. Nun gut, Dackel mit drei Köpfen mochten selten sein, aber immerhin gab es welche, die sein Labor verlassen hatten. Und Versuchsobjekten traute er viel ehr, als einer Tusse, die zu feige war, ihre Hackfresse zu zeigen.
    Ja, er mochte KILA nicht. Immerhin: sie gab ihm ja auch keinen Grund das zu ändern, oder?

    Geändert von Loxagon (24.02.2017 um 16:41 Uhr)

  20. #60
    KILAs Stimme hallte durch den Raum und Robert warf Eerie nur einen wissenden Blick zu.
    "Auch ich muss mich nun entschuldigen. Wir sehen uns dann später in der Mensa?"
    "Aber sicher doch. Ich warte noch auf Leighs Rückkehr."
    Sei vorsichtig.
    Sie dachten beide das selbe, sprachen es allerdings nicht aus.
    Mit einer kleinen Verbeugung verabschiedete sich Robert dann und ging den Weg, den er zuvor gekommen war, wieder zurück.

    Wie erwartet stand niemand mehr im Flur welcher die Mensa, die Küche und die Hydroponik verband, dafür war der Aufenthaltsbereich einigermaßen gefüllt.
    Robert hielt kurz im Eingangsbereich inne und sah sich um.
    Es gab noch immer einige Bewohner, die sich noch nicht hatten Blicken lassen.
    Auch wenn er sie nicht alle beim Namen kannte, so wie er Ms. Pettys Namen nicht gekannt hatte, so waren ihm doch wenigstens die Gesichter vertraut.

    Vor seinem geistigen Augen versuchte er sich vorzustellen, wo sich die Personen, welche er heute schon getroffen hatte, momentan aufhielten.
    Wohin Ms. Petty gegangen war wusste er nicht. Auch Matt Foster war nirgendwo zu sehen. Ms. Matthews befand sich auf dem Weg zum Abwassersystem. Eerie war in der Hydroponik zurückgeblieben. In der Mensa befanden sich Mr. Schumann, Lionel Boyle, Leroy Hoffmann und Edward Tod. Letzterer war nicht zu überhören.

    Robert nahm sich eines der Schnitzel und setzte sich zu Dr. Tod an den Tisch.
    Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und einer nicht überhörbaren Genervtheit, jemanden der ihre einzige Informationsquelle bedrohte konnten sie nun wirklich nicht gebrauchen, in der Stimme sprach er ruhig aber laut genug, dass es jeder im Raum hören konnte.
    "Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Doktor, dass KILA vielleicht nicht herunterkommen kann?
    Warum sollte sie auch. Wir sind Häftlinge, einige gefährlicher als andere,"
    er hielt kurz inne und beschloss für sich, dass Tod eindeutig geisteskrank und ohne psychische Behandlung gefährlich war ",es wäre ziemlich unklug von ihr uns einen Besuch abzustatten.
    Nicht wahr? Außerdem, ein gut gemeinter Rat. Sie sollten sich mit Drohungen und Anschuldigungen etwas zurück halten. Sie stiften nur Unfrieden. Das ist das Letzte was wir jetzt gebrauchen können. Machen Sie sich nützlich oder seien Sie still."
    Nach den letzten Worten biss er beherzt in das falsche Schnitzel. Eerie mochte eine Hexe sein, aber kochen konnte sie wie keine andere.


    Geändert von Kaia (24.02.2017 um 16:28 Uhr)

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