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Thema: Brexit? Yexit!

  1. #41
    Zitat Zitat von T.U.F.K.A.S. Beitrag anzeigen
    Na, ich würde der EU zumindest einen Teil der Schuld geben durch ihre stetige Passivität in dieser Angelegenheit. Die haben halt jetzt auch das Problem, dass sie in einer Art merkwürdigen Bringschuld sind, was das Vertrauen anderer Staaten angeht die auch schon mit dem Gedanken spiel(t)en auszutreten.

    Und nur zur Info: wer ist der mysteriöse Schweineficker?

    Cameron soll zu Studentenzeiten (?) als Aufnahmeprüfung in eine Vereinigung (???) einen Schweinekopf "lieb" gehabt haben.

    Geändert von Ave (24.06.2016 um 14:28 Uhr)

  2. #42
    Zitat Zitat von Ave Beitrag anzeigen
    Cameron soll zu Studentenzeiten (?) als Aufnahmeprüfung in eine Vereinigung (???) einen Schweinekopf "lieb" gehabt haben.
    Also ganz normale Britendinge halt.

  3. #43
    Zitat Zitat von Ave Beitrag anzeigen
    Cameron soll zu Studentenzeiten (?) als Aufnahmeprüfung in eine Vereinigung (???) einen Schweinekopf "lieb" gehabt haben.
    Und (manche) Burschenschafter hauen sich Degen um die Ohren. So ist das nun mal ^^ Ansonsten war Cameron ja kein EU-Gegner, er wollte halt innenpolitisch gegen die UKIP und den eu-skeptischen Teil der Torys Pokern und sich damit bei der Wahl profilieren und das mögliche britische "No" als Druckmittel für weitere Zugeständnisse der EU an GB nutzen. Er ist eigentlich die tragische Figur an der Geschichte, denn er hat sich in beiden Richtungen verzockt. Er ist All-in gegangen, hat verloren und muss jetzt seinen Posten räumen, um sich nicht weiter zu beschädigen. seine Zugeständnisse hat er nict bekommen und die UKIP reibt sich jetzt vorerst noch die Hände. Allerdings werden die an dem Austritt vermtl. zukünftig den meisten Schaden nehmen. Deren ganze Rethorik war daraus ausgerichtet alle Probleme Groß-Britanniens der EU anzulasten. Was wollen sie jetzt machen, wo GB aus der EU raus ist? Und was wollen sie machen, wenn offenkundig wird, dass die größten Probleme jetzt erst mit dem Austritt anfangen? Sobald sich die Wirtschaft im Land verschlechtert wird die UKIP eines der ersten Opfer.


    Ich bin gespannt, ob Ben Aaronovitch in seinem übernächsten Roman das Referendum erwähnt xD

  4. #44
    Zitat Zitat von Itaju Beitrag anzeigen
    Das Problem ist, dass die EU so reagieren wird, dass sie der UK den Ausstieg so salzig wie möglich machen wird, um "Nachahmer" zu verschrecken. "Seht ihr, das wollt ihr doch auch nicht, oder?" statt sich mal um grundlegende Reformen zu bemühen.
    Das wäre natürlich besonders asozial. Aus Gründen der Einschüchterung, andere fertig zu machen, obwohl vorher immer verkündet hat, dass man eine Gemeinschaft ist und wie wichtig Rücksichtnahme und Demokratie sind etc.
    Wenn das passiert und die EU-Bevölkerung das merkt, dann hasst wirklich jeder irgendwann Brüssel.

  5. #45
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Das wäre natürlich besonders asozial. Aus Gründen der Einschüchterung, andere fertig zu machen, obwohl vorher immer verkündet hat, dass man eine Gemeinschaft ist und wie wichtig Rücksichtnahme und Demokratie sind etc.
    Wenn das passiert und die EU-Bevölkerung das merkt, dann hasst wirklich jeder irgendwann Brüssel.
    Das sind alles leere Schönwetterphrasen. Entweder du parierst oder du bist die Pariah. Jetzt bedauert jeder noch den Ausstieg. Warte mal noch ein paar Wochen und dann wird der Ton schärfer da werden die Briten dann als welfremde Idioten verunglimpft Weil es nicht vorgesehen ist, dass man sowas tolles wie die EU ablehnen kann. Die Gemeinschaft wird nur bemüht, um die Leute in seine Fänge zu locken. An einer Gemeinschaft auf ideeller Basis sind die Leute gar nicht interessiert. Die sehen nur die Begrenzung der Nationalstaaten, weil sie immer noch in der Nachkriegslogik der Kriegsverhinderung funktionieren und man immer noch so Mumien wie Jaques Delore dahinstellt, für die die EU mal eine große Nummer war, um Ausgleich in Europa in unsicheren Zeiten herzustellen und die nicht begreifen, dass die Leute sich inzwischen von der EU erdrückt und bedroht sehen, entsprechend auf der Straße, auf der sich die EU befindet mehr Unfrieden stiftet. Wie gesagt zu einem gewissen Grad ist die Vergemeinschaftung völlig in Ordnung und nützlich, aber das aus ideologischen Gründen immer weiter zu forcieren zeitigt eben solche Gegenreaktionen.

  6. #46
    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Warte mal noch ein paar Wochen und dann wird der Ton schärfer da werden die Briten dann als welfremde Idioten verunglimpft.
    Das passiert doch schon jetzt, vor allem aus den eigenen Reihen. Das Referendum hat die Bevölkerung extrem gespalten.

  7. #47

    Mein Life, Habibi.

    Auf Anfrage verrate ich euch, was "amk" bedeutet.

  8. #48
    Ich war immer und bin ein Befürworter der europäischen Idee und der EU. Der Laden mag nicht perfekt sein, aber er bringt uns viel mehr und wir haben diesem mühevoll und friedlich aufgebauten Konstrukt weit mehr zu verdanken als die meisten Leute wissen oder anerkennen. Ist halt leicht, ständig auf ferne Bürokraten in Brüssel zu schimpfen, die sich Richtlinien für die korrekte Krümmung von Gurken und Bananen ausdenken. Heute war für mich ein sehr trauriger Tag. Dass ich von diesem Ergebnis tief enttäuscht bin, versteht sich von selbst.

    Hatte es kurz vorher irgendwie kommen sehen. Bin die Nacht noch aufgeblieben bis fünf, um Sicherheit zu haben dass der Rückstand nicht mehr aufgeholt werden kann. Bin auf jeden Fall dafür, jetzt eine harte Linie zu fahren und entsprechend strenge Bedingungen zu stellen, wenn das Vereinigte Königreich weiterhin Zugang zum gemeinsamen Markt haben möchte. Alleine schon, um anderen Ländern einen Austritt nicht noch extra schmackhaft erscheinen zu lassen.

    Ich hoffe, die Schotten bekommen in Zukunft ein weiteres Referendum zur Unabhängigkeit, um sich von Großbritannien zu lösen und langfristig zurück in die Gemeinschaft zu können. Die letzte Abstimmung ist zwar noch nicht so lange her, aber diese Möglichkeit wurde eingeräumt, wenn sich die äußeren Verhältnisse drastisch ändern sollten. Das ist nun definitiv der Fall. Ähnliches würde ich am liebsten auch für Nordirland (inklusive Wiedervereinigung mit der Republik) sehen, aber da war nicht nur die Mehrheit für das Remain-Lager geringer, die Lage dort ist durch Grenze und Geschichte auch um ein Vielfaches problematischer und wird sich so schnell nicht so drastisch ändern. Befürchte nun aber, dass die Insel nach den überaus positiven Entwicklungen der letzten Jahre, dem Zusammenwachsen auf mehreren Ebenen, was durch die EU begünstigt wurde, wieder stärker entzweit wird.

    Ganz ehrlich, ich finde die Entscheidung dumm, weil sie gemessen an zahllosen Aussagen von Brexit-Befürwortern aus völlig an den Haaren herbeigezogenen Gründen gefällt wurde, oder einfach, um dem Establishment mal einen Denkzettel zu verpassen, ohne dabei abzusehen, wie weit die Folgen wirklich reichen. Erstaunlich hierbei, dass jüngere und gebildetere Menschen in den Städten eher fürs Bleiben gestimmt haben, während die ältere, weniger gebildete Landbevölkerung eher für den Austritt war. Die Fakten verdrehende Kampagne empfand ich als katastrophal und übelst daneben. In die wenigen brauchbaren und realistischen Diskussionen mischten sich jede Menge Hass, überhöhter Nationalismus und Xenophobie.

    Bin überzeugt davon, dass wir als kleine Mittelmächte oder alleinstehende Winzlinge auf der Weltbühne völlig untergehen werden. Europa hat nur eine Chance, noch von Bedeutung zu sein und nicht bloß zum Spielball zu werden, wenn es lernt, besser mit einer Stimme zu sprechen und über (notfalls auch verdammt langweilige und komplizierte) Verhandlungen weiter eng Konsens-orientiert zusammenzuarbeiten. An den vielen Problemen und Herausforderungen muss gemeinsam gewerkelt werden. UK hat sich dagegen entschieden, also gehe ich davon aus, dass die Rolle des Landes spürbar schrumpfen wird.

    Mit das Schlimmste ist, dass man davon ausgehen muss, dass es hier in Schland und in diversen weiteren Mitgliedsstaaten ähnlich aussehen würde, wenn man das Volk abstimmen ließe. Lieber zurück ins Schneckenhaus und hin zu nationalen Egoismen. Traurig. Die erstarkenden rechtspopulistischen Tendenzen auf dem ganzen Kontinent find ich einerseits beschämend und andererseits sehr beunruhigend für die Zukunft. In einer Welt, die von AfD, Le Pen, Wilders und wie sie alle heißen mit permanenter und hämischer Hetze gelenkt wird, von Leuten, die bewusst bestrebt sind, ein großes und bedeutendes, über ein halbes Jahrhundert hinweg aufgebautes Werk und Friedensprojekt zu vernichten, welches der Menschheit ein neues und nobles Modell an die Hand gab, möchte ich ganz sicher nicht leben.

    Wenigstens gibt es nun einen Bremser und Nörgler weniger. Die Briten wollten ja ständig ihre Extrawürste haben, das hat sich jetzt erledigt. Ich meine damit nichtmal, dass unbedingt mehr oder weniger Europa bzw. Integration folgen muss. Das hängt ganz von den jeweiligen Themenbereichen ab und davon, ob die Mitglieder alleine etwas ausrichten könnten oder nicht - es gibt keine einfache und offensichtliche Lösung darüber, wohin die Reise gehen soll. Aber das Bestehende sollte verbessert werden. Die EU ist es verdammt nochmal wert, verbessert und nicht einfach aufgegeben zu werden! Neue Brücken gilt es zu bauen, nicht neue Mauern.

  9. #49
    Zitat Zitat von Enkidu Beitrag anzeigen
    Ganz ehrlich, ich finde die Entscheidung dumm, weil sie gemessen an zahllosen Aussagen von Brexit-Befürwortern aus völlig an den Haaren herbeigezogenen Gründen gefällt wurde, oder einfach, um dem Establishment mal einen Denkzettel zu verpassen, ohne dabei abzusehen, wie weit die Folgen wirklich reichen. Erstaunlich hierbei, dass jüngere und gebildetere Menschen in den Städten eher fürs Bleiben gestimmt haben, während die ältere, weniger gebildete Landbevölkerung eher für den Austritt war. Die Fakten verdrehende Kampagne empfand ich als katastrophal und übelst daneben. In die wenigen brauchbaren und realistischen Diskussionen mischten sich jede Menge Hass, überhöhter Nationalismus und Xenophobie.
    Früher war halt alles besser...

  10. #50
    Zitat Zitat von Whiz-zarD Beitrag anzeigen
    Früher war halt alles besser...
    Das ist in diesem Fall gerade das Ungewöhnliche. Großbritannien ist nicht erst seit gestern in der EU oder ihren Vorgänger-Organisationen. Letztenendes haben hier die betagteren und normalerweise konservativ eingestellten Bürger für einen ungewissen, risikoreichen und neuen Weg gewählt, während die weltoffene, modernere Jugend zum Status Quo tendierte. Meistens ist es eher andersherum.

    Wenn man sich aber anschaut, wie die Entwicklung im Bereich Migration usw. in den letzten Jahren gewesen ist, macht dein Einwand in den Augen vieler kritischer Stimmen doch wieder eine Menge Sinn. Allerdings irrt ein jeder von denen sich gewaltig, wenn sie glauben, dass mit dem Austritt alles besser wird. Gewiss waren da eine Menge dabei, denen es vor 20 Jahren sozial noch besser gegangen ist. Der Fehler besteht darin, der Stimmungsmache zu glauben, dass ein Großteil solch negativer Dynamik durch Brüssel verursacht worden sei.

  11. #51
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Das wäre natürlich besonders asozial. Aus Gründen der Einschüchterung, andere fertig zu machen, obwohl vorher immer verkündet hat, dass man eine Gemeinschaft ist und wie wichtig Rücksichtnahme und Demokratie sind etc.
    Wie stellst du dir das sonst vor? Wenn man etwas gibt bzw. jemanden an etwas wirklich Großem beteiligt, verlangt man naturgemäß eine Gegenleistung. So funktioniert die Welt. Die EU müsste hier nichtmal besonders hart bleiben, sondern bloß streng nach Vorschrift vorgehen - was für andere gilt, das soll auch fürs Vereinigte Königreich gelten. Vergleiche zum Beispiel Norwegen. Aber schon das wäre genug, um den Leave-Stimmen und erst Recht UKIP nicht zu schmecken, da das teilweise genau die Punkte beinhaltet, gegen die sie sich gestellt und heftig dagegen gewettert haben (Freizügigkeit etc.).

    Gemeinschaft bezieht sich auf diejenigen, die Teil der EU oder durch bilaterale Verträge mit dieser verbunden sind. Irgendein außenstehendes Land gehört nicht automatisch dazu, auch wenn es das in der Vergangenheit vielleicht mal tat. UK hat vorerst entschieden, daraus auszuscheiden. Also sorry, aber keine Verpflichtungen haben, aber weiter alle - zum Teil sehr bedeutenden - Vorteile nutzen zu dürfen, das ist nunmal einfach nicht drin. Wer dabei sein will, der muss auch was beitragen. Imho genau richtig so. Die Ironie besteht darin, dass das Land zuvor als Teil der EU einige Ausnahmeregelungen ausgehandelt hatte, und die sind jetzt endgültig futsch. Könnte also bedeuten, dass die Ausgangslage für die Briten am Ende eine schlechtere ist, da sie trotzdem einigen Kernpunkten zustimmen und EU-Recht annehmen müssen, aber eben nicht mehr in der Position sind, eine bevorzugte Behandlung als direkt in den Institutionen beteiligter Mitentscheider zu beanspruchen.

    Heißt ja nicht, dass die Diskussion jetzt unsachlich geführt werden oder die EU nichts mehr mit Großbritannien zu tun haben soll. Wurde auch schon mehrfach bekräftigt, dass man verhandlungsbereit ist. Aber zu verschenken gibt es nichts.

  12. #52
    Wer redet denn davon nur Vorteile zu haben ohne Gegenleistung? Ich hab nur die Befürchtung, dass man es UK jetzt extra hart macht, um ein abschreckendes Beispiel für andere Länder und den eigenen Bürger parat zu haben nach dem Motto

    "Seht ihr? Wie gut, dass wir noch in der EU sind.") , obwohl man vielleicht selbst an den richtig miesen Folgen Mitschuld trägt

    und das ist mies und einfach nur wiederliche Machtpolitik.

    Das ist so wie, wenn die Linke Leute kritisiert die in Aktien investieren, dann an die Macht kommt, dann 50% aller Depots als Sondersteuer für die Armen eintreibt und sich dann hinstellt und sagt:"

    Sehr ihr? In Aktien investieren ist ein Risiko."

    Klar ist das ein Risiko. Genau wie der Brexit für die Briten, aber extra draufzuhauen, damit es auch ja alles in die Hose geht, würde ich ganz entsetzlich finden. Man hat Angst. Angst, dass es am Ende ein Erfolg für die Briten wird. Und Erfolg ohne EU? Das darf natürlich nicht sein!

  13. #53
    Die Brexit-Leute waren diejenigen, die lauthals schrien, ohne die EU mit allem viel besser klarzukommen. Jetzt ist es ganz an ihnen, das auch zu beweisen. Hat nichts mit "draufhauen" zu tun. Mal ganz abgesehen davon, dass es für sowas überhaupt keine Anzeichen oder Aussagen von Politikern gibt. Die EU hat aber in erster Linie ihre eigenen Interessen zu schützen, jetzt ohne UK, und die bestehen nunmal mitunter darin, das eigene Fortbestehen zu sichern. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass man den Austritt nicht auch noch extra anpreisen möchte, indem man zeigt, dass sowas keine sehr ernsten Konsequenzen haben kann. Wenn Großbritannien alleine Erfolg hat, dann wird die EU das nicht verhindern können oder wollen. Doch besonders einfach machen in den Bereichen, wo beide Seiten beteiligt sind, darf man es dem Land nach dieser Geschichte auch nicht mehr. Es dämmert schon jetzt, dass sie auf den Single Market nicht verzichten wollen, weil die Hälfte von deren Handel mit dem europäischen Festland stattfindet. Hier sollte es von Seiten der EU imho aber keine butterweichen Zugeständnisse geben - im Gegenzug gehört mindestens Free Movement korrelativ dazu!

    "Draufhauen" ist aktives Vorgehen. Das wird keinesfalls passieren, zumal die EU ebenfalls ein Interesse an guter Zusammenarbeit und Nachbarschaft hat. Wenn jedoch das Vereinigte Königreich mehr oder weniger als Bittsteller selbst an die Europäische Union herantritt, etwa weil es nicht auf den gemeinsamen Markt verzichten möchte, dann muss es sich auch nach den Angeboten richten, die ihm gemacht werden, oder sich sonstwo Alternativen suchen (WTO). Es wird nach den Spielregeln gespielt, und die besagen seit Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit den Römischen Verträgen von 1958 ganz klar, dass freier Personen-, Dienstleistungs-, Kapital- und Warenverkehr zusammengehören und (zumindest innerhalb der Gemeinschaft) eine fundamentale Einheit bilden. Cherry picking von Außen unerwünscht.

    Geändert von Enkidu (24.06.2016 um 22:14 Uhr)

  14. #54
    Zitat Zitat
    Kommt jetzt die "flexible Union"?

    Deutschland und Frankreich wollen beim Außenministertreffen am Samstag in Berlin gemeinsame Vorschläge zur Zukunft der EU vorlegen. Offenbar halten Bundesaußenminister Steinmeier und sein französischer Kollege Ayrault eine "flexible Union" für vorstellbar.

    Deutschland und Frankreich wollen sich nach dem Brexit-Votum gemeinsam für die Weiterentwicklung der EU stark machen. "Europa braucht jetzt Orientierung. Da stehen Frankreich und Deutschland besonders in der Verantwortung", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das Blatt zitierte aus einem gemeinsamen Papier Steinmeiers und des französischen Außenministers Jean-Marc Ayrault, in dem beide demnach für eine "flexible Union" werben.

    Das Papier wollen Steinmeier und Ayrault demnach zunächst am Samstag ihren Amtskollegen aus den vier Gründerstaaten der EU-Vorläuferorganisation EWG - Italien, Niederlande, Luxemburg und Belgien - vorlegen. Laut "FAS" erkennen die beiden Minister darin an, dass manche EU-Staaten den Weg zu einer immer engeren Union nicht mitgehen wollen. Dafür solle es Raum geben.

    Es gehe aber nicht um ein Europa der zwei Geschwindigkeiten, sagte Steinmeier im ZDF. Bei der deutsch-französischen Initiative gehe es vielmehr um eine Antwort auf die Frage: "Was ist jetzt eigentlich die Botschaft, mit der wir in die nächsten Tage und die nächsten Monate gehen." Denn eines erlaube der Ausgang des britischen Referendums nicht: "Dass wir jetzt einfach die Botschaft überhören und den nächsten großen Integrationsschritt gehen."

    Entwicklung darf sich nicht wiederholen

    Steinmeier mahnte, die EU-Regierungen müssten "in unsere Bevölkerungen hineinhorchen". Er erwarte, dass es bei den kommenden Beratungen über die Zukunft Europas besonders um drei Themen gehe: Sicherheit in Zeiten des Terrorismus, die europäische Asyl- und Zuwanderungspolitik und die Frage der Beschäftigungs- und Wachstumspolitik.

    Dem "FAS"-Bericht zufolge heißt es in dem deutsch-französischen Papier: "Deutschland und Frankreich nehmen mit Bedauern zur Kenntnis, dass das britische Volk für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU gestimmt hat." Jetzt sei es die gemeinsame Pflicht beider Länder, daran zu arbeiten, dass eine ähnliche Entwicklung "sich nicht andernorts in Europa wiederholt".

    Der deutsch-französische Vorstoß sei noch "nicht der Stein der Weisen", sagte Steinmeier im ZDF. "Da wird viel anderes an Anregungen hinzukommen." Nach Ansicht des Bundesaußenminister stehen die Europäer nach dem Brexit-Votum vor einer schwierigen Aufgabe: "Es wird nicht ganz einfach sein, aus dieser Krise herauszukommen."

    Quelle
    Klingt ja im ersten Moment ganz nett, nur solange weiterhin die Politiker, denen die Europäische Fusion gar nicht schnell genug gehen kann, entscheiden, sehe ich nicht, inwiefern sich dadurch etwas ändern sollte...

  15. #55
    Zitat Zitat von T.U.F.K.A.S. Beitrag anzeigen
    Na, ich würde der EU zumindest einen Teil der Schuld geben durch ihre stetige Passivität in dieser Angelegenheit. Die haben halt jetzt auch das Problem, dass sie in einer Art merkwürdigen Bringschuld sind, was das Vertrauen anderer Staaten angeht die auch schon mit dem Gedanken spiel(t)en auszutreten.
    Ich bitte dich, die Leute sind freiwillig zur EU beigetreten, das war die zweite Abstimmung bezüglich eines Austritts. Die EU ist keine Geheimorganisation und niemand zwingt die Briten, sich immer nur eines oder alle drei der Anti-EU-Zeitungen reinzuknallen. Oder auf Leute wie Nigel Farange zu hören, die englische Gesetze als auf brüsseler Mist gewachsen verkaufen. Nebenbei ist es auch nicht angebracht, dass man sich von Brüssel aus direkt als Akteur in Wahlen einmischt, das ist nicht Sinn und Ziel der Union.
    Zitat Zitat
    Und nur zur Info: wer ist der mysteriöse Schweineficker?
    Cameron. Kannst dir bei Gelegenheit auch Little Britain ansehen, dann hast du einen Kontext wenn die Engländer sagen, dass bei dieser Wahl nur Little Britain gewonnen hat.

  16. #56
    ...was ist denn jetzt nun eigentlich mit dem "Grexit"?

  17. #57
    Ich find so ein Volksentscheid hat echt gewaltige Schwächen. Hier wurde die Arbeit von Jahrzehnten zerstört und die Auswirkung von folgenden Jahrzehnten durch eine einmalige Abstimmung zementiert, bei der nur ein paar Hunderttausend Wähler das Zünglein an der Waage waren. Eine Woche, ein Monat, ein Jahr früher oder später hätte das Ergebnis vielleicht ein bisschen anders ausgehen, die Umfragen sind ja ständig in beide Richtungen gekippt. Dann kommt noch hinzu, dass solche Wahlen natürlich hauptsächlich von älteren Leuten getragen werden, die aber nun ja, statistisch gesehen, weniger an den Auswirkungen zu knabbern haben als die jungen Menschen. Ebenfalls darf man nicht vernachlässigen, dass die ganze Sache ursprünglich nur aus wahlkampftaktischen Kalkül entstanden ist. Man hätte vielleicht noch ein paar Kompromisse anbieten sollen oder mehrere Wahlgänge, bei denen der Ton gegen die EU immer schärfer würde (man z.B. im ersten Durchgang sich dafür entscheidet, eine Sonderposition innerhalb der EU zu erstreiten, oder offensiver in Verhandlungen die eigenen Interessen umsetzen) und erst im dritten Wahlgang die Mitgliedschaft in Frage gestellt würde.

    Ich hoffe, dass es in Deutschland nie zu einem Volksentscheid zu einem solch gewichtigen Thema kommt..

    Grml.

  18. #58
    Bin ich der einzige, der den Eindruck hat, dass das Leave-Votum wenig mit der EU zu tun hat? Das war doch von Anfang an ein innenpolitisches Problem, begonnen mit Camerons Wahlversprechen (das er, mind you, hätte abwehren können, hätten die Tories nicht die absolute Mehrheit geholt), über die entlarvende Project-Fear-Propaganda in beiden Lagern, über diesen vermaledeihten Scheißkerl von George Osborne, hin zur Schwäche von Labour.

    Es ist bezeichnend, dass die junge, urbane Bevölkerung mehrheitlich Remain und die alte, rurale Bevölkerung mehrheitlich Leave votiert hat.

    Man kann nicht missachten, dass wir es hier nicht nur mit einem Problem der pan-europäischen Fehlumsetzung (die ohne Frage ein großer Faktor ist) zu tun haben, sondern zu großen Teilen auch mit dem der innenpolitischen Organisation und Situation. Man muss ganz genau gucken, wem die EU etwas bringt -- etwa Vertretungsrechte für Edinburgh und Belfast, Regulationspolitik für die großen Städte, Sicherheiten für den gehobenen Mittelstand. Und wem die Separation ein Sprachrohr verschafft -- etwa den völlig vernachlässigten Midlands und den völlig abgehängten Agrarregionen, der von den Tories unterworfenen Arbeiterschaft. Die Wahlresultate der einzelnen Boroughs, besonders wenn man sie mit demographischen Faktoren wie eben dem Lebensalter übereinander legt, zeigen allem zuvor eins: die soziale Ungleichheit im UK.

    Es geht hier überhaupt nicht um die europäische Idee; nicht mal um die europäische Politik und ihre doch sehr gravierenden Schwächen. Es geht um ein gravierendes Problem innerhalb der britischen Gesellschaft, die den Klassenkampf verschlafen hatte -- bis die EU kam und ihn mit sich brachte. In gewisser Weise ist dann das Leave-Votum ein Etappensieg der britischen Arbeiterklasse. Er kommt allerdings strategisch zu einer sehr ungünstigen Zeit und arbeitet sich, fürchte ich, an einem wahrgenommenen Problem ab, dessen Lösung ein Aderlass ist, an dem diese Gesellschaft nicht genesen wird. Vor allem nicht unter rumbly-mumbly Boris Johnson. (Ich persönlich würde ja, entgegen jeder Realität, gern Jacob Rees-Mogg gern an der Spitze sehen. Und das nicht nur, weil es nicht britischer und nicht posher werden kann als Jacob Rees-Mogg.)

  19. #59
    Zitat Zitat
    Ich hoffe, dass es in Deutschland nie zu einem Volksentscheid zu einem solch gewichtigen Thema kommt..
    Keine Sorge, unsere "Volksvertreter" wissen sehr wohl, dass sie nichts weniger sind als eben das, und werden sich daher davor hüten, der Bevölkerung eine Möglichkeit zu bieten, sich in ihre Herrschaft einzumischen.

  20. #60
    Zitat Zitat von Mordechaj Beitrag anzeigen
    Es geht um ein gravierendes Problem innerhalb der britischen Gesellschaft, die den Klassenkampf verschlafen hatte -- bis die EU kam und ihn mit sich brachte. In gewisser Weise ist dann das Leave-Votum ein Etappensieg der britischen Arbeiterklasse. Er kommt allerdings strategisch zu einer sehr ungünstigen Zeit und arbeitet sich, fürchte ich, an einem wahrgenommenen Problem ab, dessen Lösung ein Aderlass ist, an dem diese Gesellschaft nicht genesen wird. Vor allem nicht unter rumbly-mumbly Boris Johnson. (Ich persönlich würde ja, entgegen jeder Realität, gern Jacob Rees-Mogg gern an der Spitze sehen. Und das nicht nur, weil es nicht britischer und nicht posher werden kann als Jacob Rees-Mogg.)
    Woher kam dann die absolute Mehrheit für die Tories? Die Partei ist so anti-Sozialdemokratisch wie irgendwie möglich, woher kamen denn die Stimmen für die? Der Skandal unter Gordon Brown ist nun bald 6 Jahre her und Labour ist doch sicherlich glaubwürdiger wenn es um soziale Politik geht, als die Partei die eine Bettensteuer einführt.

    Ich denke im Moment ist das große Problem für UK die Periode der Unsicherheit wo überhaupt nicht klar ist, was für eine Vereinbarung nun kommt. Da gibt es auch keine Präzedensfälle und die Ängste um ein Zersplitterung der Union werden die Verhandlungen eher erschweren als erleichtern, niemand in der EU Spitze wirkt für mich wie jemand der mit so einem Druck gut umgehen kann.

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