Puh, mein erster Post seit über acht Jahren...Wollte nun schon seit einer Weile wieder in den Foren hier schreiben, bin seit Squarenet-Zeiten dabei, aber hab dann irgendwann einfach aufgehört hier aktiv zu sein, obwohl ich regelmäßig online war und mitverfolgt habe. Dieser schöne Thread scheint ja geradezu prädestiniert für einen Wiedereinstieg zu sein! Könnte aber etwas ungeordnet und assoziativ werden^^"
Mal überlegen...Videospiele im Allgemeinen begleiten mich schon sehr lange, weiß gar nicht mehr genau, womit genau das angefangen hat: entweder mit dem Gameboy oder dem NES, wobei wir den Gameboy in der Familie hatten und NES immer mit einem großen Tagesausflug zu einem Freund meiner Eltern verbunden war, wodurch das voll den Eventcharakter für mich als Kind hatte. Oh und wir hatten so eine seltsame nachgemachte Konsole, Family Videos Games oder so, auf der es Imitate von Mario, etc. gab. Jedenfalls hab ich mit dem Spielen früh zu Grundschulzeiten angefangen, denn ich konnte schon lesen (nur die englischsprachigen Texte natürlich nicht verstehen xD) und so gerne ich das machte, blieb es als Hobby immer weit hinter dem Lesen zurück. Mario, Tetris und co waren ein netter Zeitvertreib, aber ich konnte es auch immer gut beiseite legen, weil ich durch und durch Bücherwurm war und lieber in meinen Geschichten schwelgte. Und vermutlich kommt auch genau daher meine Vorliebe für RPGs (sobald ich wusste, was das überhaupt ist).
Ich weiß nicht mehr genau, ab wann meine Schwester ihre (später dann unsere, am Ende meine) PS1 hatte, aber ich weiß nocht gut, wie ich ihr dort beim Spielen zuschaute, vor allem an Tomb Raider 1 und 2 erinnere ich mich in allen Details, als hätte ich es selbst gespielt (wozu ich nie den Wunsch verspürt habe, ich war mit dem Zuschauen total zufrieden). Meine Schwester sollte allerding nie richtiger Fan von RPGs werden, vor allem nicht der japanischen. Da gab es nur wenige Ausahmen. Ich glaube bis ich dann mit Final Fantasy in Berührung kam, gab es nur ein einziges Spiel, das bleibenden Eindruck bei mit hinterließ, und das war Ocarina of Time.
Das N64 war ursprünglich auch wieder ihre Konsole (glaub sogar ein Geschenk), bevor es im Laufe der Zeit in meinen Besitz überging und obwohl Nintendo auch damals schon für mich für ganz andere Qualitäten stand als PS1, weiß ich noch gut, wie unfassbar umgehauen ich von Ocarina of Time war und wie sehr ich alles an Leerstellen in der Geschichte dort mit meiner Phantasie füllte, bei jedem Durchgang Neues dazudichtete oder Altes verwarf und mir so meine ganz eigene Spieleerfahrung schuf, die sich sehr von der meiner Schwester unterschied. Müsste da so acht oder neun gewesen sein.
Zwei Dinge habe ich daraus mitgenommen: Die Erfahrung, dass es neben so etwas wie Gameplay und Spielspaß mit Mechaniken und Rätseln, zum einen so etwas wie eine richtige Geschichte in einem Spiel geben kann, die weit über daus hinausging, was ich bislang von Jump n Runs kannte (das mag aus heutiger Sicht total übertriegen klingen, aber ich habe dieses Spiel wie gesagt so sehr mit "Zusatzmaterial" in meinem Kopf angefüllt, dass sich das für mich größer anfühle als es im Endeffekt war), und dass es andererseits so etwas wie Inszenierung gibt. Die Art, wie Story präsentiert werden kann. Und das brachte den ganzen Komplex Videospiel, der vorher für mich einfach nur als Zeitvertreib da gewesen war, in die Nähe dessen, was beim Lesen geschieht, näherte sich also auf einmal sehr meinem Überhobby an. Es entpuppte sich plötzlich als Spiel mit der Phantasie, es gab Narration, Spannung, Überraschung und alles, was dazu gehört. Und darüber hinaus auch Details, die es beim Lesen nicht gibt, allen voran die Musik.
Dies alles potenzierte sich dann mit FF7 im Übermaß. Bevor ich anfing es zu spielen, wurde mir von einem neuen Freund auf der weiterführenden Schule, im Übergang von der 5. in die 6. Klasse, davon erzählt. Er erwähnte es nicht einfach, sondern erzählte richtig davon, von der Geschichte, den Charakteren, der Welt, etc und sein Enthusiasmus übertrug sich auf mich, ohne dass ich zu Namen wie Bahamut, Sephiroth und Cid konkrete Bilder im Kopf hatte. Von FF8 erzählte er dann auch in der 6. und die beiden Teile mischten sich in meinem Kopf ein wenig. Es kam dann nie dazu, dass er mir die Spiele zeigte, weil ich mir dann FF7 selbst holte und da war es um mich geschehen und ich verliebte mich in das Spiel, die Reihe und das Genre (Von ihm hörte ich auch das erste Mal den Begriff RPG). Dabei war ich anfangs sehr ernüchtert von der Spielmechanik: diesen seltsamen rundenbasierten Kämpfen konnte ich zunächst nichts abgewinnen, sie unterschieden sich zu sehr von dem viel "direkteren" Kämpfen bei Zelda oder Mario. Auch habe ich das ganze System um die Substanzen anfangs nicht verstanden und konnte von dem Einsatz im Mako-Reaktor noch keine Verknüpfung zu den Geschichten erstellen, die besgater Freund mir erzählt hatte.
Aber der Durchbruch kam und war anhaltend, fortan spielte ich fast nur noch (J)RPGs, mit gelegentlichen Abstechern in für mich "kleinere" zeitvertreibende Genres (oft mit einem Wechsel auf Nintendo verbunden). Ich begann mich zu informieren und mit Freunden über diese Art geschichtsgetriebener Spiele zu reden, die mich so begeisterten, und denen ich schlechte, zähe, langweilige Spielemechaniken verzieh, solange ich eine gute Story, interessante Charaktere, phantasievolle Orte geboten bekam (Xenogears, Legend of Dragoon, etc etc). Ich fing an zu interpretieren und mir die Interpretationen anderer anzuschauen und mich auszutauschen.
So wurde ich mit dem Genre vertrauter, spielte die neuen Spiele, holte einige ältere nach, oder solche, die es nicht nach Europa geschafft hatten, wie Xenogears oder Chrono Cross (Chrono Trigger kam erst deutlich später), lernte
SNES auf Grund seiner RPGs lieben (habs leider nie selbst besessen, immer nur bei Freunden ausgeliehen) und kam dann zu Internetzeiten zu Squarenet.
Das, was heute so oft als Goldene Ära zelebriert wird, bekam ich damals also voll mit und genoss es in vollen Zügen. Auch mit der PS2 war ich immer noch sehr viel mit PS1-Spielen unterwegs, lernte aber natürlich auch die neuen kennen, Shadow Hearts hatte es mir da zum Beispiel sehr angetan. Und nach und nach nahm mein Interesse wieder ab. Zu viel wiederholte sich, zu viel wurde nicht mehr so gut umgesetzt wie ich es aus anderen Spielen zu kennen meinte, es begann neben anderen Hobbys zu einer Zeitfrage zu werden...man kennt das ja. Die PS3 interessierte mich dann schon gar nicht mehr, FF13 habe ich nie gespielt (und auch nicht viel verpasst, wenn man sich so umhört ^^) und als die nächste Konsolengeneration rauskam, war ich schon so raus bei den Neuheiten, dass ich nur noch halb interessiert zur Kenntnis nahm, was in dem Bereich so vor sich ging.
Ich spielte nach wie vor zwischendurch mal Titel für SNES, PS1 oder 2 oder Gameboys, aber das war es dann, bis meine Schwester und ich uns zusammen eine Wii zulegten und der Funke durch kleine, feine Spiele wie Last Story oder, vor allem, Xenoblade Chronicles wieder etwas entfacht wurde. Ich begann wieder, mich einzulesen und zu informieren, Diskussionen zu verfolgen (zum Beispiel hier) und wurde immer neugieriger darauf, mal ein RPG in guter Grafik und (vielleicht) neuen Mechaniken auf der PS4 zu spielen. Mein größter Vorbehalt war jahrelang die meiner Meinung immer weiter ausufernde cineastische Inszenierung, der Drang zum Realismus und im Zuge dessen das Verflachen der Geschichten, der Verlust von Subtilität, dieses unfassbar nervige An-die-Hand-Nehmen der Spieler, denen anscheinend kaum noch etwas zu getraut wurde und zuallerletzt das, was ich vor Jahren so geliebt hatte: Die eigene, phantasievolle Beschäftigung mit dem Spiel, seiner Story und Welt, mitsamt der Leerstellen.
Nun kam ich vor einem Jahr überraschend in den Besitz einer PS4 und seitdem bin ich mehr oder weniger wieder halbwegs dabei. Den Einstieg bildete natürlich FF15.
Ich merke, dass sich mein Blick und mein Anspruch geändert haben, oft erwarte ich beispielsweise gar nicht mal mehr so viel von einem RPG, auch nicht von der Story, und manchmal reicht mir eine einzige innovative Idee oder Abänderungs eines Klischees, um ein Spiel bereits wert zu schätzen. Ich achte nach wie vor sehr stark auf die Inszenierung der Narration und wie diese überhaupt funktioniert und versuche so das Hobby von früher in Studium und "Arbeit" zu integrieren, so wie ich es mit der Literatur mache, glaub anders könnte ich den zeitlichen Aufwand gar nicht mehr rechtfertigen.
Es ist jedenfalls schön, wieder dabei zu sein ^^

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