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Thema: Politisch korrekt: Awareness/Erziehung und/oder Zensur?

  1. #121
    Also auch recht interessant ist ja die Sache mit dem Lindner, der wohl ne Anekdote in der es um nen Bäckerei-Besuch geht:
    https://www.welt.de/politik/deutschl...k-zurueck.html

    Ich finde das immer krass - dass die Leute, die so extrem die politische Korrektheit einfordern dann gleich so weit gehen jemandem Rassismus vorzuwerfen. Ich selber habe das so interpretiert, dass er eben nur - als Beobachtung (ohne selber dieser Meinung zu sein/Angst zu haben) wiedergibt, dass es eben Leute gibt, die Angst haben. Und man sich Gedanken drüber machen sollte, was man verändern kann, damit dies nicht mehr so ist.

    Er selber meinte wohl, dass geordnete rechtsstaatliche Verfahren eben ein Sicherheitsgefühl geben. Das war - der Erklärung nach - vielleicht nicht soooooo positiv gegenüber Flüchtlingen. Aber auch nicht negativ. Das war rein neutral darauf gerichtet, dass der Rechtsstaat manchmal versagt. (Es gab ja neulich auch erst Probleme wo Mitarbeiter vom Migrationsamt eigentlich Leuten Asyl durchgehen liesen, die gar keinen Anspruch hatten - vielleicht spielt er drauf an.)

    Es ging also mehr um die Verhältnisse beim Rechtsstaat und den Behörden. Weniger eigentlich da um die Leute an sich. (Wenn am Ende die hier sind, die sich legal aufhalten - und alle, die über "Umwege" hier sind, aber eigentlich nicht hätten hier sein dürfen - weg sind. Dann ist natürlich alles gut.)

  2. #122
    Nein das ist eine völlig falsche Interpretation, die das FDP-Mitglied, das dort ausgetreten ist, genutzt hat, um sich seinen Abgang (und wahrscheinlich baldigen wechsel zu den Grünen oder zur Linkspartei) zu vergolden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das nicht absichtlich missverstehen wollte.

    Was Lindner meinte ist, dass Vorurteile einer allgemeinen Unsicherheit über die rechtlichen verhältnisse wegen entspringen. Da werden dann qualifizierte Zuwanderer (die Lindner hier anspricht) dann in der Wahrnehmung mit Asylschleichern in einen Topf geworfen. Das wofür er plädiert ist eine Durchsetzung des bestehenden Rechts, die eben klar macht, dass es sich bei denen, die hier sind entweder um zugewanderte Fachkräfte handelt oder diejenigen, die tatsächlich einen huminatären Anspruch darauf haben. Wenn der Staat bei dieser Durchsetzung versagt, ist es letztlich seine Schuld, dass Migranten mit der Zeit dann pauschal ins Gerede geraten.

    Letztlich hat er damit also genau das Gegenteil von dem gesagt, was ihm dann im Anschluss vorgeworfen wurde.


  3. #123
    Jaja, die Rassismuskarte mal wieder. Blabla langweilig. Ich habe mittlerweile gelesen worum es ging. Nachdem ich die ersten Schlagzeilen gelese hatte, verspürte ich eine akute Unlust mehr zu erfahren. Weil es sowieso wieder dumm ist. Wer hundert mal schreit "Hilfe, es brennt!" nur um sich wichtig zu machen, muss sich nicht wundern wenn bei einem echten Feuer keiner mehr zu Hilfe kommt.

  4. #124
    Zitat Zitat von Corti Beitrag anzeigen
    Wer hundert mal schreit "Hilfe, es brennt!" nur um sich wichtig zu machen, muss sich nicht wundern wenn bei einem echten Feuer keiner mehr zu Hilfe kommt.
    Das gilt in zwei Richtungen

    Wer immer schreit, wie schlimm rassistisch etwas ist, verwässert die Rassismusdebatte, die Deutschland eigentlich führen müsste.
    Wer immer schreit, wie katastrophal schlimm Einwanderer und Flüchtlinge sind, verwässert das Problem mit radikalem Judenhass und der Terrorismusgefahr durch eine kleine Gruppe im Immigranten.

    Ist beides nicht geil.

  5. #125
    Ich sehe das Problem darin, dass es mir bei manchen nur vorkommt, als würden sie auf irgendwelche "Ausrutscher" warten, um irgendwas zu kritisieren. Wo man dann bei offensichtlich nichtrassistischen Personen (FDP ist liberal - da sind alle Menschen gleich ... außer halt vom Geld/Verdienst her und was jemand von seinen Qualifikationen Wert ist - deshalb auch die Sache mit dem Softwarentwickler dabei ... aber rein die Rasse ist erst mal egal) sofort mit Rassismus gekommen wird.

    Das mag bei manchen wo die Motive etwas anders sind vielleicht auch so sein (bei Linder auf jeden Fall nicht) - aber man sollte immer versuchen genau die Aussage zu analyiseren erst mal.

    Es wird sehr oft versucht möglichst negativ bei andern alles auszulegen. Also was KingPaddy also auch sagt - so ist es korrekt zu interpretiern gewesen.


    Etwas "unklug" war es sicher den Softwarentwickler oder was das grad war ... gleich mit dem illegalen Einwanderer zu vergleichen. Das hat dann doch so für manche sicher - was zu den Überreakionen führe - den Beigeschmack, als seien alle andern die auch legal hier sind, aber keine Software-Entwickler sind - schlechter. Aber das sind halt schon auch 2 verschiedene Sachen. Den andern die legal hier sind wegen Asyl, die sind wegen Asyl hier. Softwareentwickler sollen ja laut FPD legal einandern dürfen, auch ohne Asylgrund.

    Dann gibts halt die Problematik, dass MItarbeiter irgendwo im Amt sich zum Essen einladen lassen und dafür Leuten Asyl gewähren, die gar nich es bekommen dürften, etc. Das geht halt nich und schwächt Vertrauen in den Rechtsstaat (der an genug andern Stellen auch so seine Probleme schon hat).

  6. #126
    Wenn Rhetorik auf Rhetorik trifft. Die reflexhaften Reaktionen auf Lindners Anekdote waren nutzlos bis dusselig, aber die Anekdote selbst war auch dusselig. Wieso meint er denn, das Bild des indischen IT-Fachmanns zeichnen zu müssen? Wieso sollte man einen Inder nicht von einem Somali unterscheiden können (lächerliche Frage, aber Lindner hätte nicht mit Ethnien arbeiten sollen, weil das seine Argumentation schief gemacht hat)? Wieso drückt sich ein geübter, hervorragender Redner so deutungsoffen aus? "Rassismus" wäre nicht mein erster Reflex gewesen - vielmehr klingt die Anekdote nach wirtschaftsliberalem Utilitarismus.

  7. #127
    Zitat Zitat von Owly Beitrag anzeigen
    Wenn Rhetorik auf Rhetorik trifft. Die reflexhaften Reaktionen auf Lindners Anekdote waren nutzlos bis dusselig, aber die Anekdote selbst war auch dusselig. Wieso meint er denn, das Bild des indischen IT-Fachmanns zeichnen zu müssen? Wieso sollte man einen Inder nicht von einem Somali unterscheiden können (lächerliche Frage, aber Lindner hätte nicht mit Ethnien arbeiten sollen, weil das seine Argumentation schief gemacht hat)? Wieso drückt sich ein geübter, hervorragender Redner so deutungsoffen aus? "Rassismus" wäre nicht mein erster Reflex gewesen - vielmehr klingt die Anekdote nach wirtschaftsliberalem Utilitarismus.
    Das fand ich noch am verständlichsten, die FDP hat sich ja mit ihrer AfD-Wende vor der letzten Bundestagswahl, aber ich denke das passt auch gut zum ökonomisch-liberalen Selbstverständnis und ich glaube auch zu Lindners politischem Wirken in NRW, stark für die Schiene mit den Fachkräften eingesetzt, wo er ja (wenn man mal von Brain Drain absieht, aber lassen wir das mal beiseite) an sich eine gute Sache anspricht. Das war in den letzten Wochen glaube ich auch von Wirtschaftsforschern thematisiert worden, in der es um die Qualifikationsstruktur geht, die ein Land wie deutschland brauchen würde. Ich denke das ist erstens ein positives und nützliches Migrantenbild, das zudem selbst von rechtsgerichten Wählern und auch sonst geteilt wird.

    Was die Rhetorik angeht, fand ich eher die Sache, wie er es in der Rede gesagt hat, etwas wirr in der vortragsweise.

    Im Prinzip hätte ein anderes Beispiel besser passen können. Zum Beispiel medizinische Fachkräfte. Ist ja seit Jahren ein Problem, dass Abschlüsse nicht anerkannt werden, das die Verfahren für Qualifikationsnachweise ewig dauern oder das es kaum Möglichkeiten zur nachprüfbaren Nachqualifikation gibt. Du kannst ein gutes rechtsstaatliches Verfahren entwickelt oder du kannst mit einem Blick auf eine schnelle Integration angesichts von Massenzuwanderung die Nachprüfung oder Nachqualifikation lasch behandeln oder Sachen einfach unbeleckt als gleichwertig anerkennen. Die Folge bei letzterem ist, dass es ein allgemeines Misstrauen über die Qualifikation von Ärzten mit Migrationshintergrund herrschen wird, insbesondere wenn entsprechende Negativfälle Schlagzeilen machen. Wenn hingegen der Bürger sich auf ein strenges, aber zugängliches Kontroll- und Nachqualifikationsverfahren verlassen kann, dann gäbe es diesbezüglich deutlich weniger Unsicherheiten und mehr Akzeptanz.

    Gleiches gitl natürlich für andere Bereiche, wie Asylanerkennung, Alters- und Identitätsfeststellung, etc.

  8. #128
    Mich wundert es auch, dass ein erfahrener Politiker zu einer Anekdote greift (ist das überhaupt eine, Lindner spricht ja nicht über eine erlebte Situation), die zum einen das Potenzial hat, als moralischer Fehlgriff angesehen zu werden, und die zum anderen das Thema nicht richtig trifft. Wenn jemand Angst vor einem Menschen hat, weil er fremd wirkt (aus welchen Gründen auch immer), dann wohl nicht, weil er illegal eingewandert sein könnte. Über die Angst vor dem Fremden - die man nicht mit Rassismus gleichsetzen darf - sollte auf jeden Fall diskutiert werden, aber da gibt es sicher bessere Wege als Anekdoten. Und der Rechtsstaat kann mir unabhängig von der Herkunft bei keinem Menschen die Rechtschaffenheit (die natürlich auch nicht nur true or false ist) garantieren.

    Geändert von Kelven (16.05.2018 um 13:55 Uhr)

  9. #129
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Mich wundert es auch, dass ein erfahrener Politiker zu einer Anekdote greift (ist das überhaupt eine, Lindner spricht ja nicht über eine erlebte Situation), die zum einen das Potenzial hat, als moralischer Fehlgriff angesehen zu werden, und die zum anderen das Thema nicht richtig trifft. Wenn jemand Angst vor einem Menschen hat, weil er fremd wirkt (aus welchen Gründen auch immer), dann wohl nicht, weil er illegal eingewandert sein könnte. Über die Angst vor dem Fremden - die man nicht mit Rassismus gleichsetzen darf - sollte auf jeden Fall diskutiert werden, aber da gibt es sicher bessere Wege als Anekdoten. Und der Rechtsstaat kann mir unabhängig von der Herkunft bei keinem Menschen die Rechtschaffenheit (die natürlich auch nicht nur true or false ist) garantieren.
    Soweit ich weiß erklärte er später, dass er sich auf eine Situation bezog, die ein Bekannter ihm geschildert habe.

    Ich fand die Äußerung zwar kritisch, aber würde sie auch nicht selbst als rassistisch einstufen - problematisch fand ich sie deswegen, weil sie halt so undeutlich in ihrer Aussagekraft ist und daher durchaus für rassistische Ansichten Futter sein kann bzw. weil es so eine Blödsinnssituation ist. Ich kann ja verstehen, wenn man hinsichtlich Terrorwarnungen, die nun einmal oft im Kontext mit Islamismus genannt werden, eine Angst entwickelt (die, wie Kelven schon sagte, noch nicht dasselbe ist wie Rassismus, bloß auch hier zu diesem führen kann) - aber ich habe Schwierigkeiten zu verstehen, warum jemand Angst hat, weil jemand eventuell keinen gültigen Aufenthaltstitel hat.

    Sehr viel klarer rassistisch fand ich da die Rede von Alice Weidel, welche mal eben eine ganze Gruppe von Menschen als "Messerstecher" und "Kopftuchmädchen" (letztere mit klar negativer Konnotation) verkauft.

  10. #130
    Dieser türkischstämmige dt. Fußballer ist ja auch grad wieder in der Kritik - dieser Mesut Özil. Wobei viele entgegnen "dann hätte man ja auch überhaupt gar nicht erst zur WM nach Russland dürfen, weil Putin auch ein Diktator ist".
    Ich sehe da schon unterschiedliche Problematiken.

    Als Fußballer geht es ja um Geld und Sport - und bei den Nationalmannschaften dann letztendlich doch irgendwie darum "sein Land zu vertreten". Da wäre es wünschenswert wenn einer auch tatsächlich hinter dem Land steht und sich damit idenfitizieren kann, also auch unabhängig vom Sport. Bei Özil wirkte es mehr so nach "ach eigentlich wär ich lieber Türke, aber die Mannschaft von denen ist nich so gut, also bin ich halt notgedrungen Deutscher, damit ich da in der Nationalmannschaft spielen kann". Absolut nachvollziehbar, dass das bei vielen nicht gut ankommt und man auch drauf rumreitet jetzt.

    Zumal es für rein den Sport auch die privaten Vereine gibt - da muss man nich in ne Nationalmannschaft.

    Und da Erdogan auch eher auf Kriegsfuss mit der EU und Deutschland steht und da immer wieder Forderungen stellt, etc. ... ist das nochmal gesondert problematisch.


    Bei der WM an sich fährt man ja rein dorthin und macht seinen Sport. Putin ist bisher nich mal groß in Erscheinung. Wieder ne andere Sache sind da in der Schweiz nochmal diese Albaner (ich persönlich find sie cool/sympathisch) - die haben wohl mit wo nem "Adlergruss" gegen Serbien die Politik mit aufs Spielfeld gebracht, was man auch kritisieren kann. Wobei - wäre ich Schweizer - wär mir es am Ende wieder auch persönlich egal. Da er es gegen Serbien richtete die wohl mit seinem Herkunftsland Stress hatten.

    Özils Geste mit Erdogan war schon mehr wie eine direkte Absage an Deutschland zu werten.

    Mal gespannt wie das weitergeht. Der DFB (die sind dort doch auch nur alle geldgeil und haben Angst vor weniger Zuschauern und Werbeeinnahmen ), etc. haben sich auch eingeschaltt. Ist ja aktuell wieder in den Medien. Man verlangt wohl ne Erklärung von Özil - sonst ist er "raus", wenn er nich freiwillig raus geht.


    Hat auch absolut nix mit Rassismus oder ähnlichem zu tun, wenn hier Özil kritisiert wird.

  11. #131
    Wären sie Weltmeister, würde es keinen interessieren. Das ist doch nur Sündenbockscheisse. So wie der Rest auch gespielt hat, wäre es nie was geworden, auch mit nem blonden Deutschen statt Özil.

  12. #132
    Das geht jetzt auch noch bisschen Sport + Politik:
    In den USA hat man auch so gewisse Problemchen - und Trump mischt sich auch mal wieder ein:
    https://www.welt.de/sport/article179...e-Spieler.html

    In der NFL wollen wohl Leute nich die Hymne mitsingen und kritisieren/demonstrieren demonstrativ gegen die USA oder die Politik. Und das sind nich mal Nationalmannschaften - sondern alles nur reine Clubs, so weit ich das erkenne. (Gut so wie Football eher rein in den USA verbreitet ist sind das wohl für manche alles so kleine Nationalmannschaften an sich.)

    Ist ganz witzig.


    Die Sache mit dem "Wären sie Weltmeister, würde es keinen interessieren" ist ne gesonderte Problematik die hier noch mit reinspielt. Das "Basking in reflected glory" findet da halt statt - und man sonnt sich im Erfolg der Mannschaft (mit der man sich verbindet, zu der man selber aber nich gehört). Da wird auch von "wir" geredet, als gehöre man selber dazu. Spielt die Mannschaft schlecht redet man nur in der 3. Person. Da sind das dann alles Loser, etc. (Flaschen leer.)

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