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Thema: [ZOOOOOmmxBIES! Staffel 3] Zwischenspiel/Vorbereitung: Nearer to thee, Mother Earth

  1. #101
    Hugh lag ruhig atmend auf dem mittlerweile vollkommen durchwärmten Boden. Einzelne Tropfen Schweiß hingen noch an den kümmerlichen Grashalmen, wie Tau im Morgengrauen.
    Sein ganzer Körper bebte vor wenigen Minuten noch, doch langsam kehrte die Ruhe in ihn ein. Der Atem wurde flacher, der Herzschlag ruhiger.
    Er spürte wie Léo neben ihm aufstand, wie ihr Unterarm dabei über seinen mit Striemen überzogenen Rücken strich.
    Wenn er nicht so müde und erschöpft gewesen wäre, dann hätte er sich vermutlich noch nach ihr umgedreht und geschaut aber...

    Scheiße tat ihm alles weh.

    Es war schon schwer genug ruhig liegen zu bleiben und nicht daran zu denken, dass er wortwörtlich aussah, als hätte man ihn überfallen.
    Zudem machte Seeker es ihm schwer sich überhaupt zu bewegen. Die Stammesführerin lag eng an seiner Brust, einen Arm um seine Hüfte geschlungen, die Hand auf seinem Steiß abgelegt.

    Er hörte im Hintergrund das Rascheln von Kleidung und... das blättern von dünnen Papierseiten.
    Seine Lider waren jedoch viel zu schwer, als das er sie hätte öffnen können. Er genoss einfach die Ruhe und den Frieden den er gerade hatte.
    Ständig machte er das eine, dann das andere. Einen Fuß vor den anderen, kam er niemals zum Stillstand. Doch selbst wenn sein Körper ihm eine Pause erlaubte, dann war es sein Kopf der ihn materte. Gehetzt, getrieben und innerlich zerissen.

    Ausgerechnet diese Nacht sollte es anders sein? Er lag still, atmete still, sein Kopf war still und auch sein Bauch... still.

    Leises Kritzeln im Hintergrund. Das selbe Geräusch wenn er einen Brief schrieb, nur weicher.
    Luft entwich zwischen Seiten und schweren Buchdeckeln. Er kannte das Geräusch noch aus seinem alten Leben.
    Erneut das rascheln von Kleidung und dann war es still.



    Jackman atmete tief ein und aus. Langsam rollte er sich auf den Rücken und spürte dabei jede einzelne der feinen Linien welche ihm mit Fingernägel auf die Haut gekratzt wurden.

    "Mhh. Ein Vogel der Freiheit kennt, wird immer die Flügel ausbreiten Laangkaster."

    Im aschfahlen Licht der Nacht versuchte Jackman Seeker anzuschauen. Leicht spiegelte sich das Licht in den Augen der Kriegerin, die dadurch noch unheimlicher wirkte als sie es sonst schon tat.

    "Mhh..."

    Kehlig grummelte der Schauspieler in seinen Mund ehe er den Oberkörper aufrichtete.

    "Was meinst du?"
    "Der große Laangkaster, Führer der Krieger Hope'Aris scharte Frauen um sich als er zu uns kam und doch ist er nie von ihnen umgeben."
    "Sag doch einfach was du sagen willst."

    Grashalme knirschten leise als sich Seeker aufrichtete und ihren nackten Oberkörper an seinen Rücken presste.
    Sanft spürte er ihre Hand auf seinem Rücken und die Lippen auf seiner zerbissenen Schulter.

    "Laangkaster umgibt sich selbst mit Rauch. Doch die Krallen des Raubvogels haben Ihre Beute bereits gefunden."
    "Mhh... du denkst also, dass..."
    "Echte Vultures leben wie es Ihnen Ihr Blut befiehlt, wie die Sonne Ihren Weg erhellt und die große Schlange Ihnen die Wahrheit flüstert. Wir denken nicht Laangkaster. Wir leben."

    Da war sie wieder. Die Unruhe. Das rasende Gefühl etwas verloren und verpasst zu haben. Tief in seiner Brust.
    Tief in sich ahnte Hugh bereits, dass er dieses Gefühl niemals loswerden könnte. Es würde ihn immer verfolgen und plagen.

    Langsam zog sich Jackman von Seeker weg und richtete sich auf.
    Die bemalte Kriegerin hinter ihm legte sich wieder hin und schloss die Augen. Echte Vultures lebten wie Ihr Instinkt es Ihnen befahl.

    Hugh hingegen war kein Vulture. Er würde gerne tun was sein Instinkt ihm sagte, hatte jedoch zu viel Angst vor den Konsequenzen und ob er mit ihnen leben könnte.
    Sein Blick fiel auf seine Kleidung... und auf das in weinrote Buch mit schimmerndem Silberschnitt.
    Langsam beugte sich Jackman vor und hob das Buch auf. Ein einfaches Kreuz und das Wort "Biblia"waren in den Einband geprägt.

    "Die Bibel?"

    Das muss es gewesen sein, was er vorhin hörte. Das blättern von dünnen Seiten. So dünn, wie die Seiten einer Bibel.
    Zögerlich ließ Jackman das Buch in seiner Hand aufklappen. Oft konnte man so die zuletzt geöffnete Seite sehen.

    CANCION de canciones, la cual es de Salomón.

    Hugh sprach kaum Spanisch. Das letzte mal vielleicht, mehr oder weniger, aktiv vor 20 Jahren... und das eine Mal auf der Farm. Doch selbst mit wirklicher Anstrengung hätte es niemals zu mehr gereicht als sich eine Cerveza und Tapas zu bestellen.

    Dann sah er die feinen grauen Linien, seitlich neben dem Text. Gezogen mit einem weichen Bleistift.



    Mit Küssen seines Mundes bedeckte er mich;
    Süßer als Wein ist deine Liebe.
    Wie Süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen.
    Seine Linke liegt unter meinem Kopf und seine Rechte umfängt mich.



    Alles an dir ist schön, meine Freundin.
    Alles ist schön.
    Rote Bänder sind deine Lippen.
    Hinter dem Schleier Deiner Augen, wie Tauben;
    und lieblich ist Dein Mund.
    Deine Brüste sind wie Kitzlein, die in den Lilien weiden
    Dein Schoß ist ein runder Kelch;

    Würzwein mangele ihm nicht.
    Dein Leib ist ein Weizenhilde mit Lilien umstellt
    Trauben am Weinstock seien mir deine Brüste
    Dein Mund köstlicher Wein.
    Öffne dich mir, meine Taube!
    Auf meinem Kopf die Tautropfen der Nacht.



    Komm mein Geliebter - lass uns schauen, ob der Weinstock schon treibt,
    Ob die Rebenblüte sich öffnet,
    Ob die Granatbäume blühen...

    Leocadia Arellano-Felix




    Seine Finger fuhren langsam über das Blatt Papier und die darauf geschriebenen Zeilen.
    Das Gefühl in seiner Brust wurde zunehmend unangenehmer.
    Jackman setzte sich auf den Boden, die Bibel in seinen Schoß gelegt. Seine Hand griff in seinen Haufen aus Kleidung, tief hinein zum Rucksack aus dem er die Ledermappe hervorzog.
    All die Briefe die er aufhob. Die Fotos. Die Erinnerungen...
    Das kratzige, alte, unbeschriftete Papier welches er noch hatte und jetzt füllen musste.
    Die Marken auf denen sein Name und seine Pseudonyme standen.

    Der alte Kugelschreiber kratzte über das ebenso alte Papier. Es kostete ihn so viel Kraft die Hand still zu halten, nicht zu zittern und zu ruinieren was er dort schrieb.

    Ein Messer, geborgt von der ahnungslosen Seeker, welches immer wieder über die Rückseite von Blech kratzte.

    Jackman faltete das beschriftete Stück Papier um die Erkennungsmarken herum und legte es zwischen die beiden Seiten der Bibel.
    Langsam klappte er das heilige Buch zu, ließ die Kettenanhänger dabei wie ein Lesezeichen zwischen den Seiten hervorblicken, ehe er das Buch wieder zurück auf den Kleidungshaufen legte.

    Seine Kehle schnürte sich zu. Seine Brust fühlte sich an wie eingequetscht. Er hatte das Gefühl zu ersticken. Er musste hier raus.

    Nur mit seiner Hose am Leib flüchtete er aus dem Zelt und lief durch das Gestrüpp und Geäst der Golfanlage und kam erst zum stehen, als er an einem der Wasserlöcher angelangt war.

    Geändert von Gendrek (11.11.2015 um 16:31 Uhr)

  2. #102

    Gast-Benutzer Gast
    Was wir brauchen würden, wären vielleicht Material der Streitkräfte, die diesen Minengürtel gelegt haben. Dieser Plan dürfte doch nicht so unlesbar sein, immerhin musste man damals davon ausgehen, dass der Feind, sollte er ihm in die untoten Hände fallen, diese eh nicht hätte lesen oder benutzen können. Aber das ist alles Wunschdenken. Im Moment stehen wir richtig beschissen da was den Plan betrifft. ES gibt nämlich noch Keinen, der nicht tausende Variablen offen lässt.“

    Wingman hatte recht, ohne einen vernünftigen Plan würden Sie Morgen einen wenig ehrenvollen, und was viel wichtiger war, einen sinnlosen Tod sterben und all die Mühen wären umsonst gewesen. Da er und Wingman so in keinster Weise vorwärts kamen und alle anderen mit anderen Dingen beschäftigt waren, verabschiedete sich Ranger von Wingman und begab sich dorthin wo es am lautesten war. Vielleicht würde er unter den dortigen Personen ja einige der Gruppe finden die im idealsten Fall momentan auch die Nerven dazu hatten sich mit dem Plan für den morgigen Tag zu beschäftigen.

    Auf dem Platz an dem ein Lagerfeuer entzündet worden war tanzten viele der Vultures und es herrschte im Allgemeinen eine gelockerte freudige Atmosphäre. An einer Stelle konnte er unter anderem Raoul, Haile, Sheng, Evy und Eryn erblicken. Die Art und Weise wie diese dort saßen, teils in den Armen liegend, teils der angespannte Versuch unaufmerksam / abgelenkt zu wirken vermittelte ihm, dass es momentan kein guter Zeitpunkt war diese Situation zu stören und nach Ideen für den morgigen Tag zu fragen. Er suchte sich einen Platz unter den Leuten im Blickfeld der Anderen, so konnte er immer noch zu ihnen gehen wenn sich die Situation augenscheinlich entspannt hatte oder vielleicht würde ja auch einer von ihnen auf ihn zukommen.

  3. #103
    Evi hatte Eryn in den Arm genommen und redete leise und behutsam auf sie ein. Sheng wollte diesen privaten Moment unter Freundinnen - Schwestern - offensichtlich nicht zu sehr stören und drehte sich deswegen zu Haile und Raoul.

    "Ich habe gehört, du hast dir endlich ein Hobby gesucht, wie ich es immer vorgeschlagen habe."
    "...?"
    "Naja, Zeichnen oder Muscheln sammeln hätten mir zwar besser gefallen, aber Menschenleben retten ist auch in Ordnung, schätze ich."

    Er lächelte voller väterlichem Stolz und drückte Haile an seine Schulter. Über Hailes Kopf hinweg warf er Raoul einen musternden Blick zu, der ihm so gut es eben ging standhielt.

    "Und ich verstehe richtig, dass...?"
    "...!"
    "Ich...verstehe. Es hat mich gewundert, warum Georgina so ein Auge auf den Jungen geworfen hatte. Wingman, mich, ja, wir haben die Folterungen auf uns genommen, für dich, aber was er damit zu tun hatte..."
    "..."
    "Sir, ich habe die Folterungen auch auf mich genommen. Für Haile."

    Sheng nickte stumm.

    "Für Haile."

    Jetzt ist aber mal wieder gut. Niemand soll sich für mich foltern lassen. Haile starrte ins Feuer und griff mit der Hand nach dem Amulett von Raoul, welches immernoch um ihren Hals hing. Niemals wieder.



    Von hinten konnte sie Schritte hören. Es waren langsame, bestimmte Schritte eines Mannes, der mehr Wissen hatte, als sie alle zusammen. Als Pray Vulture den Festplatz betrat, verstummten kurz die hitzigen Schreie der jungen Krieger und alle verneigten sich vor ihrem spirituellen Führer. Auch Evi nickte ihm respektvoll zu. Blades stand hinter dem alten Mann, deutlich gefasster als noch wenige Stunden zuvor. Pray schritt erhobenen Hauptes zu der kleinen Gruppe am Feuer, legte Evi väterlich eine Hand auf die Schulter und blickte dann Haile direkt in die Augen.

    "Throatseeker, was du suchst, war schon all die Zeit in deinem Besitz. Es sind kleine Dinge, selbstverständliche Dinge, die von Hoffnung künden."

    Wissend wandte er sich ab und nahm dankbar einen Becher mit einer dampfenden Flüssigkeit von Voodoo an und reichte ihn direkt an Blades weiter, die sich nun auch am Feuer niederließ. Evi drehte ihren Kopf zu dem blonden Mädchen und flüsterte ihr leise ihre Frage zu:

    "Haile, was meint Pray damit?"
    "...!"

    Stundenlang hatte sich Haile den Kopf zermatert, was sie Raoul schenken konnte. Es war so einfach und doch so schwer. Sie hatte wirklich diesen einen Anstoß gebraucht. Einen Gegenstand, den sie mit keinem teilen würde. Ihr war nichts eingefallen - schließlich besaß sie außer dem Dolch nichts. Sie hatte nichts, was nur ihr gehörte.

    Dabei hatte sie eine Sache vergessen, die einfach schon immer da war.

    Haile stand unter den neugierigen Blicken der Vultures auf und zog Raoul mit Schwung mit nach oben. Pray nickte anerkennend, als sie ihren Dolch zückte und eine kleine, silberne Kette vom Griff der Waffe löste.

    Es war ein kleines Kreuz aus Silber. Jack war massiv betrunken, als er es ihr gab. Er sagte, dass er es damals für seine Tochter anfertigen ließ, dieses undankbare Miststück. Sie sollte es bekommen, wenn sie ihre Ausbildung beendet hatte. Stattdessen lag das Schmuckstück damals in Hailes Hand, nur wenige Stunden, bevor er das Mädchen an den Kult verkaufte. In das Metall waren 6 Buchstaben eingraviert, die für Haile keine Bedeutung hatten, ihrem leiblichen Vater aber die Welt bedeutet hatten.


    Unter den Blicken ihres Vaters, Evi, den Vultures, Kerosa, den wachsamen Augen von Ranger und dem müden Blick von Eryn legte sie Raoul die Kette um den Hals. Sie befestigte die Kette in seinem Nacken und ließ ihre Hände auf seinen Schultern ruhen. Hailes Lippen berühren Raoul sanft an der Wange.

    Sie trug seine Kette.
    Und er ihre.

    Das wertvollste, was sie jeweils besaßen.

    "Ihr seid jetzt aber nicht verheiratet oder so ein Scheiss, oder?"
    "..."

    Thorn knuffte Kerosa in die Seite, damit sie einmal in ihrem Leben die Klappe hielt.

    Geändert von Caro (11.11.2015 um 15:25 Uhr)

  4. #104
    "Aber...aber was...woher...“

    Mit einem Gefühl irgendwo zwischen Mitgefühl und Faszination betrachtete Ellen die junge Frau vor sich. Wo sie sich zuvor trotz aller Indizien nicht wirklich sicher gewesen war, ob es sich bei ihr wirklich um das kleine Mädchen von damals handelte, war sie sich jetzt, von Angesicht zu Angesicht, sicher dass sie richtig gelegen hatte. Sie war älter, natürlich, und wo ihre Augen damals noch vor Unschuld glänzten, trotz des ganzen Chaos am Flughafen und danach, meinte Ellen nun ein anderes, härteres Glitzern zu sehen. Was sie wohl durchgemacht hat, nachdem ich sie aus den Augen verloren hatte? Was es auch war, sie hatte überlebt, und hatte es als Kämpferin wieder heraus geschafft - nicht als gebrochene Hülle wie so viele nach dem Zusammenbruch.

    "Was soll das hier Alles? Bist Du diese RedWitch? Wieso pinnst Du Dir tote und wahrscheinlich tote Leute an die Wand? Wa.... Wieso...einfach wieso...“

    Aber Kämpfernatur hin oder her - nach so einer Enthüllung verwunderte es nicht, dass sie etwas aus dem Gleichgewicht gebracht wirkte. Beruhigend und langsam hob Ellen die Hände, versuchte deutlich zu machen dass die Geste nicht aggressiv sein sollte.

    "Das... das ist eine längere Geschichte. Nachdem ich hier gelandet war - es waren ein paar Jahre, ich wusste am Anfang ja nicht dass... Also, nachdem ich endlich Zugriff auf alles hatte, hab ich versucht die Leute von damals wiederzufinden. Aber das war vier, fünf Jahre nach Sidney, und da war schon soviel zusammengebrochen.... es gab einfach keine zuverlässigen neuen Informationen mehr, und..."

    Frustriert ließ Ellen die Hände wieder sinken und schüttelte leicht den Kopf. Eine kleine Begegnung mit der Vergangenheit, und schon fing sie an wie ein Depp loszuplappern und über ihre eigenen Worte zu stolpern? Herrje... So entgeistert sie Leo sie immer noch anschaute, war sie sich nicht ganz sicher ob ihre Worte wirklich bei ihr ankamen, aber dennoch strömten die Worte weiter aus ihr heraus.

    "Alles was ich noch finden konnte waren ein paar Fragmente von .... vorher."
    Ellens Blick schweifte von Leo weg hinüber zu der Pinnwand. "Der Rest ist oben, aber ich wollte, naja..." Sie deutete mit einem Kopfnicken in Richtung ihrer Sammlung. "Ich wollte eure Gesichter nicht vergessen." Unvermittelt schloß sie die Augen und blinzelte dann einige Male heftig. Sie würde jetzt NICHT losheulen! Das hatte sie nicht als sie hier gestrandet war, nicht als die Station überrannt wurde, nicht als ihr Team draufgegangen war - und sie würde jetzt NICHT damit anfangen, nur weil diese faktisch Fremde mit den nicht mehr so unschuldigen Augen hier aufgetaucht war.

    Als Ellen die Augen wieder auf Leo richtete, wurde ihr bewusst dass diese immer noch den Facebook-Ausdruck von Clover in der Hand hielt. "Also, wenn du das behalten möchtest... "

    Geändert von Shinshrii (11.11.2015 um 21:42 Uhr)

  5. #105
    Ein essentieller Teil von Léos Überlebensstrategie lag darin, die Quellen für mögliche aufwühlende tiefgreifende Gefühle möglichst zu vermeiden.
    Die letzten 24 Stunden waren in der Hinsicht kein Paradebeispiel gewesen und sie fühlte sich dadurch langsam aber sicher emotional wirklich erschöpft.
    Den ganzen Tag im Kampf bis aufs Äußerste zu gehen war eine Sache.
    Aber sich einen ganzen Tag lag von einem emotionalen Extrem ins nächste zu rutschen war etwas ganz Anderes und es machte die Latina fertig.
    Sie musste atmen, versuchen, den Kopf von all den Gedanken zu befreien und sich auf eine Sache zu fokussieren. Zum Beispiel die Worte, die Ellen ihr nun entgegnete.
    "Das... das ist eine längere Geschichte. Nachdem ich hier gelandet war - es waren ein paar Jahre, ich wusste am Anfang ja nicht dass... Also, nachdem ich endlich Zugriff auf alles hatte, hab ich versucht die Leute von damals wiederzufinden. Aber das war vier, fünf Jahre nach Sidney, und da war schon soviel zusammengebrochen.... es gab einfach keine zuverlässigen neuen Informationen mehr, und..."
    Die ältere Frau schien auch durch den Wind zu sein, lag das an ihrem Besuch? Léo konnte sich nicht recht beruhigen, es war einfach zu viel, aber die Bemühungen zahlten sich durchaus etwas aus. Zumindest konnte sie den Worten ihres Gegenübers einigermaßen folgen.
    "Alles was ich noch finden konnte waren ein paar Fragmente von .... vorher."
    Ellens Blick schweifte von Leo weg hinüber zu der Pinnwand. "Der Rest ist oben, aber ich wollte, naja..."
    Moment, oben?
    Ellen deutete mit einem Kopfnicken in Richtung ihrer Sammlung. "Ich wollte eure Gesichter nicht vergessen."
    ...was?
    Die Rothaarige neigte ihr Haupt und schloss die Augen. Sie musste verdammt einsam gewesen sein, wenn sie gerade ihre Gesichter nicht vergessen wollte. Léo konnte sich nicht entsinnen, dass die beiden sich besonders nah gestanden hatten, als sie in Sidney gewesen waren. Dennoch berührte sie diese Offenbarung auf eine merkwürdige Weise...
    Sie wurde wirklich zu einem Weichfurz, wenn das so weiter ging. Langsam musste sie sich wieder zusammenreißen.
    . "Also, wenn du das behalten möchtest... "
    Offenbar hatte Ellen ihren schwachen Moment überstanden und wies auf das Bild in Léos Händen.
    "Oh...ja das...würde mir viel bedeuten, wenn das für Dich in Ordnung geht...“, meinte sie nach einer kleinen Sekunde des mentalen Sortierens.
    Ihr kamen wieder die mitgenommenen Waffen in den Sinn.
    "Die hier muss ich aber nicht behalten...“, sie nahm das Sturmgewehr von den Schultern und zog die Pistole aus der Hose, "... war ´ne Vorsichtsmaßnahme, Du hättest sonstwer oder –was sein können...“
    Schnell legte sie Beides zur Seite, ehe sie durchatmete.
    "Also... ich bin nicht gut mit Smalltalk und solchem Zeugs, ähm... also was genau machst Du nochmal hier? Du meintest, der Rest wäre oben, was ist da? Und...naja, ich weiß nicht...“
    Sie dachte angestrengt nach. Das ist nicht ihr Metier. Vielleicht sollte sie ja mal mit der grundlegenden Situation anfangen?
    „Ich bin oben mit meinen ...“Leuten“, weil wir Adam zum Forschungszentrum bringen wollen, wo nun wahrscheinlich schon die Kultisten hocken und auf uns warten, weil wir noch Balla- ähm, Anhang von einigen retten mussten...Aber wenn Du die Red Witch bist, weißt Du das wahrscheinlich schon...
    Jedenfalls machen wir uns grad bereit für den Kampf, die Vultures werden uns unterstützen, aber wir haben da noch dieses Minenfeld und allgemein noch nicht soooo viel darüber diskutiert, wie wir das angehen...“
    Weil sie die Anführer lieber erstmal ordentlich durchgenommen hatte. Es überraschte sie selbst, wie gut ihre Selbstablenkung immer funktionierte.
    "... wenn Du also irgendwas weißt und/oder uns helfen willst...nur zu...“
    Léo öffnete die Arme in einer Art einladender Geste, weil sie nicht wusste, wie sie sonst zeigen sollte, dass sie Ellen nicht verarschte. Aber noch etwas anderes brannte ihr auf dem Herzen. Sie rang um Worte, wie immer...
    ".Es.....es ist echt....schön Dich wiederzusehen....“

  6. #106


    Das Lagerfeuer brannte nun hoch und seine Flammen züngelten gierig und grell in den Nachthimmel hinein.
    Hätte Georgina gewusst, dass Niemand hier ihre inszenierte Schlachtmusik hören konnte, das schrill Fiepen der Flöten und die Trommeln und auch die Hörner, dann hätte sie wahrscheinlich fauchend den Angriff eingeleitet, doch das Lager der Vulture war zum einen gut gelegen und zum Anderen waren Gesänge und die eigenen Trommeln der Plünderer viel zu laut, um das grausige Orchester der Feindarmee auch nur wahr zu nehmen.

    Gierig schlangen die Krieger das fast schwarz und dunkel gegrillte Fleisch hinunter und spülten mit dem vergorenen Agarvensaft herunter, was durch die pure Gier im Hals stecken zu bleiben drohte.
    Sie feierten wild und ausgelassen, wissend, dass jeder getötete Feind in der kommenden Schlacht einhundert Lieder und ganze Arme voller Tattoos wert war, denn Seeker hatten ihnen berichtet, was sie sich zusammengereimt hatte und sie darauf eingeschworen, im Kommenden nicht zu vergessen, dass die Geschichte des Clans nun für immer in Blut geschrieben werden konnte.
    Kein Dahinsiechen in der neuen Welt neuer weißer Götter mit ihren Mikroskopen und Reagenzgläsern, kein Erstarken einer neuen Zivilisation sollte über sie einst entscheiden, dass sie keinen Platz mehr in der Welt hatten.
    Sie waren stolze Krieger und würden ihren Abgang in die eigenen Hände nehmen.
    Sie würden kämpfen und bluten, auch für die vielen Frauen und Kinder und Verletzten, die weit im Süden zurück geblieben waren und ohne ihre Kämpfer und Jäger bald schon von anderen Feinden verschlungen werden würden. Und so fanden sie sich im Tode vereint wieder alle zusammen, am Himmel als geisterhafte Vögel, vom Wind getragen und wissend, dass man anstatt sie zu vertreiben, nun Lieder über sie singen würde. Warme Stimmen, wohltönende Choräle, gesummter Windhauch in der Luft, der ihre geisterhaften Schwingen tragen und am Himmel halten würde.

    Sie balgten und prügelten sich, die Krieger sie tranken und sangen und gaben sich für alle sichtbar der Lust hin.
    Und zwischen ihnen, wie eine Festkönigin eines alten Hexengeschlechtes streunte Seeker herum die nun seltsam gelöst wirkte und von nichts Anderem als Zuversicht und Vorfreude auf die Schlacht erfüllt.
    Sie trat ab und an nach links oder rechts aus, um zwei zu sehr im Kampf verstrickte Jungkrieger zu trennen, stahl sich Küsse und Tonbecher mit dem scharfen, warmen Alkohol gleichermaßen und stimmte oftmals als Erste den Ton neuer Heldenlieder der Vulture an, die zumeist von Tod und Vernichtung handelten.
    Sheng wusste nicht, wo die Anführerin gewesen war, doch was immer sie erlebt hatte, sie wirkte nun „komplett“, gefestigter, vollständiger, sofern eine Steigerung noch möglich war.
    Und dann war sie an ihm heran. Sah Evi eindringlich an, drang unangenehm nah an ihn heran, als würde sie die vielgerühmte persönliche Distanz nicht kennen, nur um dann wölfisch zu grinsen und sich wieder zurück zu ziehen, fast so, als hätte sie ein letztes Mal den Duft von Evi wie eine Fährte aufnehmen wollen und Sheng zum ersten Mal richtig wahrgenommen, nun, wo er zwischen den Vulture saß und neben ihm seine erste Kriegerin.

    Das riesige Feuer machte einfach keine Anstalten, auszugehen und machte für die Krieger und Todgeweihten die Nacht zum Tage.
    Und Sheng besah sich die Gesichter jener, die bei ihm waren und plötzlich wusste er, dass sie morgen eine Chance haben würden.
    Dort war seine Ziehtochter, die das Wort Angst nur dann kannte, wenn es um den Kontakt mit anderen Menschen ging, und wie eine schwerelose Feder im Wind von Lachen und Worten schwebte sie nun zwischen Denen umher, die ihre Freunde zu sein schienen. Eine bunte Truppe, die unterschiedlicher nicht sein konnte. Neben der blonden Kultistin war da diese unverschämt großmäulige Flamerider, die permanent mit dem Unterleib irgendwelche Bewegungen ausführte und deren helle Stimme fast alle anderen übertönte, neben ihr der schweigsame junge Krieger der Vulture, dann noch Eryn, die arg blass wirkte und sich lange mit Evi unterhalten hatte, eine enge Freundschaft zweier so ungleicher Frauen.

    Evi… Teeth… die Frau, die er stets absichtlich übersehen hatte, damit er sich einreden konnte, es „morgen“ zu versuchen.
    Die Frau, die so oft an seiner Seite gewesen war, dass es schlichtweg an Absicht und ein Wunder grenzte, dass sie kaum ein Wort miteinander gewechselt hatten.
    Sie war die Eine, die ihn mehr beschäftigte als alles Andere, die, die nun sein Leben und dann seine Seele gerettet hatte.
    Sie, die die Wildheit und Stärke zu seinen Worten der Hoffnung war. Und er stellte in sich hineinlachend fest, wie schwer es war, die Lust, das Begehren, die Verliebtheit und das Gefühl nach Nähe gleichzeitig zu ertragen, wenn sie in seiner Nähe war und ihm diesen Blick zuwarf, der, wie gerade eben, der seine Lenden kochen ließ.

    An einem Baum gelehnt sah er Ranger, der alleine Unglaubliches geleistet hatte, indem er ihnen die wertvollsten Verbündeten gebracht hatte, die diese Welt für sie noch bereithalten konnte. Er wirkte, als wollte er alleine sein, ein Umstand, so kurz vor dem Ende so vieler Leben, den er ihm nicht verdenken konnte und wollte.
    Das Mädchen aus dem Schiff – Blades – und dieser Pray Vulture saßen zusammen neben ihnen, leise und doch mit einer sichtlichen Verbindung, die er jedoch nicht durchschauen konnte.
    Und dann kam immer wieder Voodoo zu ihnen, der ihnen weiter Getränke brachte und noch mehr Fleisch und der die Taucherin mit solcher Zufriedenheit und schieren Freude musterte, als würde er sich als Künstler an seinem Kunstwerk nicht satt sehen können. Es hätte den Bürgermeister nicht gewundert, hätte er sofort weitermachen wollen. Aber so schien die „Magie“ der Vulture nicht zu funktionieren.

    Und dann war da dieser Dieb aus dem Schiff, der eine innige Feindschaft mit seinem besten Mann pflegte. Die beiden waren häufiger aneinandergeraten als alle Vulture und Bucaneers zusammen.
    „Das werden ja lustige Weihnachten werden.“, lachte er leise und erntete einen verständnislosen Blick einer betrunkenen , vorbeistreifenden Vulture, der er zunickte, dann zuprostete und die ihm dann grinsend berauscht fast vor die Füße kotzte, ehe sie trillernd nach hinten umfiel.

    ---

    „Bahahaha, nicht deeeein Ernst!“, prustete Liz Graham los und verschluckte sich vor Lachen fast an ihren Dosenravioli, während sie mühsam darum kämpfte, nicht von dem umgefallenen Baumstamm zu fallen, auf dem sie Platz genommen hatte.
    Auch die anderen Siedler grinsten mehr dämlich und peinlich berührt, denn in ihrer Mitte stand der Scavenger Ben, mittlerweile voll ausgeheilt und nicht mehr zum Dienst in der Wäscherei verpflichtet, in etwas, was er ganz stolz Wappenrock genannt hatte, den er mehr schlecht als recht bemalt hatte.
    „Och Leute…“, maulte er grinsend, „wenn Eryn in einer Flagge als Kleid herum rennt, dann jubelt ihr der Frau alle zu.“, beschwerte er sich und drehte sich nochmals überzeugt im Kreis.

    Er hatte vorhin in einem der Zelte riesige Mengen grüner Decken gefunden und mit seinem ganzen Wissen aus dem langen Dienst in der Wäscherei einige Wappenröcke angefertigt, die man sich um den Kopf legen konnte, sie waren ärmelfrei und wurden dann durch einen Gürtel zusammengehalten. Er war unglaublich stolz auf sein Werk und seine Idee gewesen, immerhin zogen sie in eine Schlacht.
    Wie eindrucksvoll wäre es da gewesen, wenn sie ähnlich wie die Vulture im einigermaßen gleichen Gewand in die Schlacht gezogen wären.
    Doch ohne einen Fürsprecher waren seine Kameraden wahrscheinlich kaum zu begeistern.
    Sara schien die Einzige, die sich für den Gedanken halbwegs erwärmen konnte und stand zumindest auf, um sein „Kleidchen“ zurecht zu rücken und grade zu ziehen, augenscheinlich hatte es an seinem Rücken zu viele Falten geworfen und hatte mehr wie ein langer Kuhschwanz gewirkt. Er bereute es nun, sich nicht freiwillig gemeldet zu haben bei dieser Mission mit dem Sarg. Er war ein Gefangener gewesen, sie waren nun Helden.
    Wäre er ein Held, sie hätten seinen Vorschlag sicherlich ganz toll gefunden…
    Seufzend – und definitiv ohne seinen tollen Wappenrock abzulegen – setzte er sich neben Liz auf den umgestürzten Baumstamm und versuchte das leise Trommeln zu ignorieren. Das ihrer Feinde und das aus dem Vulturelager. Vor allem weil er keine Ahnung hatte, warum der Krieger, der ihm vorhin sozusagen „seinen Arm angeboten“ hatte, so glücklich gegrinst hatte, als er ihn mit "Ja, ja, auf jeden Fall." abgespeist hatte.

    Geändert von Daen vom Clan (11.11.2015 um 22:59 Uhr)

  7. #107
    Erleichtert registrierte Ellen, dass auch Leo sich wieder gefangen hatte. Und als sie dann anfing, Fragen zu stellen, wandte Ellen sich dankbar wieder der Gegenwart und ihren Problemen zu - besser das, als weiter in der Vergangenheit zu stochern.

    "Die hier muss ich aber nicht behalten...war ´ne Vorsichtsmaßnahme, Du hättest sonstwer oder –was sein können..." Waren das die von Punkt 3? Musste wohl so sein, der geflickten Stelle am Gurt des Sturmgewehrs nach.

    "Also... ich bin nicht gut mit Smalltalk und solchem Zeugs, ähm... also was genau machst Du nochmal hier? Du meintest, der Rest wäre oben, was ist da? Und...naja, ich weiß nicht..." Angesichts von Leos Fragen wollte Ellen gerade ansetzen, ihrerseits wieder mental auf Arbeitsmodus umzuschalten, stockte dann aber - zum zweiten Mal heute beinahe emotional aus der Bahn geworfen -, als Leo die Arme ausbreitete.

    ".Es.....es ist echt....schön Dich wiederzusehen...."


    Wo Ellens Lächeln vorher zweifellos freundlich, aber doch leicht distanziert gewirkt hatte, stahl sich jetzt ein richtiges Strahlen auf ihre Züge. Ein kurzer Augenblick des Zögerns, Abwägens, Analysierens - geboren aus über einem Jahrzehnt Gewohnheit -, dann schob sie zu ewiger Vorsicht mahnende Stimme für den Moment zur Seite, überwand die kurze Distanz zu ihrem Gegenüber, und drückte Leo mit einer regelrechten Bärenumarmung einen kurzen Moment fest an sich.
    "Und es ist wunderbar, dich wiederzusehen!"
    Falls sie beim sich wieder lösen ganz leicht schniefte, dann lag das mit Sicherheit nur diesem rührseligen Moment - und nicht etwa daran dass Leo doch recht... nun... streng roch.

    Und dann stolperte sie geistig, mit einiger Verspätung, über einen neuen Informationsbrocken, den Leo ihr gerade geliefert hatte - oder besser, bestätigt hatte. Adam. Sie haben ihn tatsächlich gefunden. Und er ist HIER.

    Ellen blinzelte als ihr die Tragweite dieses Umstands bewusst wurde. Zu wissen dass es ihn irgendwo gab, war eine Sache - aber direkt vor ihrer Haustür? Unvermittelt ergriff sie Leos Schultern. "Ihr habt den Tank also tatsächlich?! Wie geht es ihm, laufen die Systeme noch? Gabs Probleme mit der Kalibrierung? Doktor Ericson dachte, dass..." Sie unterbrach sich, als sie Leos verständnislosen Blick bemerkte. "Ach, egal - okay, fangen wir von vorne an. Komm mit!"

    Sie drehte sich um und ging schnurstracks auf eine unauffällige Tür an der Seite des Wohnbereichs zu - von dort war sie kurz zuvor auch herein gekommen. Während sie vorausging, sprach sie halb über ihre Schulter weiter zu Leo. "Was ich hier mache ist wie gesagt eine längere Geschichte - aber ja, ich bin die RedWitch der Skypeople."

    Als Leo durch die Tür trat, sah sie eine enge Metalltreppe nach oben führen, wo Ellen gerade durch einen weiteren Durchgang verschwand - anscheinend in einen direkt über dem Wohnbereich gelegenen Raum. Die Treppe endete hier allerdings nicht, sondern führte noch weiter - zum Dach womöglich?

    "Die Kurzfassung jedenfalls ist: ich bin nach Sidney beim Militär gelandet, dann bei der Einheit die die Forschungsstation bewachen sollte. Letzte Hoffnung der Menschheit - oh, wie sie uns mit Parolen eingepeitscht haben! Und die hatten ein NSA-Team vor Ort, um die Stadt zu überwachen - Perimetersicherung für die Forscher." Wieder Begriffe, der Sinn sich Leo nur aus dem Zusammenhang halbwegs erschloß. Sie folgte Ellens Stimme über die leise knarzende Treppe nach oben, und trat dann in einem Raum, gegen den ihr der ungemütlich sterile Bunker unten regelreicht heimelig und vertraut erschien.

    "Nachdem die ganze Sache dann zum Teufel ging, brauchten die Frischlinge von der NSA , die in den Außenteams, jemanden zu dem sie aufschauen konnten. Und da ich im Gegensatz zu den meisten von denen eh schon eine Einweisung hierfür erhalten hatte, hab ich diese Rolle übernommen."

    'Hierfür', das musste der monströse Aufbau aus Plastik, Metall und blinkenden Lichern sein, der die linke Hälfte dieses Raumes in Beschlag nahm. Jemand der mit der alten Welt besser vertraut war, würde in dem ordentlichen Setup technischer Geräte auf den Tischen dort neben einem leise rauschenden Funkgerät auch einen Computer mit mehreren Monitoren - die meisten derzeit abgeschaltet - erkennen, sowie einige kleinere Bildschirme die zu den Sicherheitskameras rings um den Bunker gehören mussten. Kisten aus mattem Metall, gefüllt mit verschiedensten Ersatzteilen und unter den Tischen verstaut, und dicke Kabelstränge die sich an der hinteren Wand nach oben durch die Decke schoben, erschienen für ein Kind der neuen Welt wie ein Teil der Aufbauen und verstärkten nur den Eindruck, dass sich hinter dem einen, einsamen Drehstuhl eine einzige riesige, monströse Maschine drängte, anstatt mehrerer kleiner.

    Auf besagtem Stuhl schwang sich just in diesem Moment Ellen in Richtung der Computermonitore, einen flüchtigen Blick hinüber zu den Kameras werfend. "Vultures, sagst du? Na, das erklärt wieso sich eure Zahl seit Sonnenuntergang fast verdoppelt hat - immerhin alles relativ ruhig da draußen." Während Ellen mit den Fingern auf einem kleinen knopfbewehrten Brett herumhackte ("Tastatur", erinnerte sich Leo), konnte die jüngere Frau ihren Blick über den Rest des Raumes wandern lassen. Ein großer Tisch mit mehreren Stühlen, wie geschaffen für eine Versammlung, und Wände, die - in krassem Kontrast zu der unpersönlichen Leere unten - über und über mit angepinnten Karten, Ausdrucken und Notizzetteln bedeckt waren. Informationskampagnen, Listen der größeren Plündererbanden im Umland, CDC-Informationsbroschüren, Volkszählungsliste der Skypeople, bekannte Mitglieder des Cult of Vision,... kein Flecken Wand war von der Informationsflut verschont geblieben.

    "Ah, hier - ich wusste der Plan ist hier drin." Zufrieden lehnte sich Ellen zurück, während an anderer Stelle im Raum einer der vielen Metallkästen schnarrend zum Leben erwachte. "Irgendwann würde ich zu gerne hören, wie ihr den verdammten Tank eigentlich finden konntet - und wie ihr euch mit einem von den Wilden Stämmen anfreunden konntet." Hier oben, in ihrem ureigensten Refugium, wirkte sie gleich wesentlich ... zielgerichteter, konzentrierter. "Also: schlechte Nachricht - die Kultisten sind nur noch ein paar Meilen entfernt , und ihre Armeen sind verdammt groß. Gute Nachricht - mit der Menge an Kämpfern da draußen haben wir vielleicht tatsächlich eine Chance, diese Sache hier zu einem guten Ende zu bringen." Sie stand auf, ging zu der nun nicht mehr schnarrenden Kiste hinüber, und zog einen großen Bogen Papier heraus. "Plan von der Forschungsstation." So langsam wurde nachvollziehbar, woher die Skypeople ihren abgehackten Sprechstil hatten. "Würde vorschlagen, eure Anführer treffen sich hier mit mir, damit ich nicht alles rausschleppen muss - oder mehrfach erzählen. Bis dahin bring ich die Pläne auf aktuellen Stand. Einverstanden?"

    Geändert von Shinshrii (11.11.2015 um 23:55 Uhr)

  8. #108
    Als Ellen ihre Arme um sie legte wie Pranken und sie fest an sich drückte, blieb Léo kurz die Luft weg. Ob nun von der Umarmung selbst oder der Überraschung, ohne irgendwas getan zu haben solch eine Sympathie entgegen gebracht zu bekommen, konnte sie selbst nicht einschätzen.
    "Und es ist wunderbar, dich wiederzusehen!"
    Wenn das weiter so ging, würde das richtig unangenehm werden. Doch noch bevor Léo sich zu winden beginnen musste, hatte die Ältere sich bereits mit einem sachten Schnaufen von ihr gelöst. Faszinierend, dass nichts von dem ...Film auf der Haut der Latina auf Ellens Klamotten gelandet war.
    Sie sollte sich dann echt mal waschen... sie roch vermutlich im Moment nach einem wandelnden Puff und sah aus, als ob sie aus einer Menschenmetzgerei geflohen wäre.
    Die Rothaarige packte sie nach einigen kurzen Augenblicken fest an den Schultern:
    "Ihr habt den Tank also tatsächlich?!“
    Ne, Léo dachte sich solche Sachen gerne aus, war neben Stricken ihr größtes Hobby.
    „Wie geht es ihm, laufen die Systeme noch?“
    Ähm...vermutlich? Sie hatten ja Batterien da dran gemacht...
    „Gabs Probleme mit der Kalibrierung?“
    Kaligrawas?
    „Doktor Ericson dachte, dass..."
    Wer...?
    Ellen unterbrach sich, als sie Léos verständnislosen Blick bemerkte. "Ach, egal - okay, fangen wir von vorne an. Komm mit!"
    Sprach’s und drehte sich um, die Schwarzhaarige folgte ihr auf dem Fuß. Durch eine Tür eine Metalltreppe hinauf, während die Vorrausgehende munter weitersprach.
    Also Fachchinesisch beherrschte Ellen fließend, das musste man ihr lassen.
    Den Raum, den sie schließlich betraten, erinnerte die Latina spontan an den Ort, wo sie vor vielen Jahren ihre große Chance verpasst hatten, weil Leute egozentrische Mistsäcke waren. Nur, dass es hier mehr wie ein Stalkerlabor wirkte mit all den Monitoren.
    Ellen hatte sich inzwischen hingesetzt.
    "Vultures, sagst du? Na, das erklärt wieso sich eure Zahl seit Sonnenuntergang fast verdoppelt hat - immerhin alles relativ ruhig da draußen."
    Wow, sie war wirklich eine Stalkerin und verbrachte anscheinend wirklich sehr, sehr, viel Zeit allein. Léo wusste nicht, ob sie sie beneiden oder bemitleiden sollte.
    Noch immer sprachlos sah sie sich weiter um und war überrascht, so ein Chaos an Karten, Zetteln und Plänen an den Wänden zu sehen. Das war also der „Rest“.
    Wenn sie nur viel Zeit mitgebracht hätte...oder sich auch nur im Ansatz dafür interessieren würde... Hier sollte jemand Anderes vorbeischneien, der sich für sowas begeistern konnte. Für ultraalte Geschichten, die ihnen im Moment überhaupt nicht weiterhelfen würden.
    "Ah, hier - ich wusste der Plan ist hier drin."
    Ihre Stimme zog Léos Aufmerksamkeit an sich, ebenso die Tatsache, dass an anderer Stelle im Raum einer der vielen Metallkästen schnarrend zum Leben erwachte. "Irgendwann würde ich zu gerne hören, wie ihr den verdammten Tank eigentlich finden konntet - und wie ihr euch mit einem von den Wilden Stämmen anfreunden konntet."
    Das ließe sich garantiert einrichten, wenn sie dann noch lebten.
    "Also: schlechte Nachricht - die Kultisten sind nur noch ein paar Meilen entfernt , und ihre Armeen sind verdammt groß. Gute Nachricht - mit der Menge an Kämpfern da draußen haben wir vielleicht tatsächlich eine Chance, diese Sache hier zu einem guten Ende zu bringen."
    Léo hob eine Augenbraue bei der Art, wie Ellen auf einmal sprach.
    Den Schwall an Papier, den sie aber auf einmal hervorzauberte und als "Plan von der Forschungsstation." , betitelte, brachte die Neugier der Schwarzhaarigen sekundenschnell wieder zurück.
    "Würde vorschlagen, eure Anführer treffen sich hier mit mir, damit ich nicht alles rausschleppen muss - oder mehrfach erzählen. Bis dahin bring ich die Pläne auf aktuellen Stand. Einverstanden?"
    Warum war sowas immer nur für die Anführer bestimmt? Zählte da jetzt Sheng auch wieder mit dazu? Als ob die automatisch das beste Verständnis für Kriegsführung hätten. Aber gut, sie wollte sich da nicht einmischen. Zwei der drei „Anführer“ waren Personen, denen Léo halbwegs vertraute, also ging das schon klar.
    „Einverstanden. Zwei sollten noch flach im Zelt liegen...und der andre wird auch aufzutreiben sein...Ich schick sie zu Dir.“
    So etwas wie ein Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht, als sie sich nochmal kurz umblickte.
    „Auch wenn ich verstehe, warum Du hier gerne Deine Ruhe haben willst... Etwas frische Luft kann Dir sicher nicht schaden und oben läuft gerade die größte Party im Umkreis von vielen Meilen. Wer weiß, ob wir jemals wieder eine erleben können... nur so als Idee nach eurer Planbesprechung.“
    Sie zwinkerte und tippte auf die Spirale in ihrer Unterlippe.
    „Dann kann ich Dir erzählen, wie wir die Vultures zu Freunden und ich selbst die Anführerin zur Schwester gemacht habe.
    Vielen... Dank nochmal für das Bild und ... wir sehen uns.“
    Das war keine Floskel, sondern Aufforderung und Versprechen zugleich.
    Eilig wandte sie sich um und machte sich auf den Rückweg durch das kleine Labyrinth des Bunkers.
    Irgendwie ging es ihr im Moment seltsam gut. Normalerweise würde sie einen halben Anfall bekommen, einen verkackten Botengang zu erledigen. Doch jetzt musste sie sich nichtmal überreden, dass es wenigstens ihr Vorhaben voranbrachte, sondern schlicht ein Gefallen für eine sehr alte wiedergefundene Bekannte war. Die ihr mit Nichts als Freundlichkeit begegnet war, obwohl sie sich so verändert hatte.

    Die kühle Nachtluft war geschwängert von den Geräuschen und Gerüchen der Feier.
    Ihr Inneres wollte sich sofort dazu gesellen, tanzen, trinken und einfach die Sau rauslassen. Ihr Körper wollte endlich Schlaf. Doch ihr Verstand lenkte sie zunächst wieder zum Zelt mit Hju und Seeker, die sie gleich mit Vergnügen hochtreten würde.
    Wenn sie noch im Zelt gewesen wären.
    Wundervoll, es wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn sie nicht ewig nach Jedem hätte suchen müssen.
    Von der Vulture-Anführerin war keine Spur mehr dageblieben, Guapos Habseligkeiten und sein Shirt lagen immernoch da. Merkwürdig, aber vielleicht hieß das auch, dass er nur kurz verschwunden war und gleich wiederkam.
    Sie griff nach der Biblia, die auf dem deutlich kleineren Haufen lag und...aus der Ketten hingen. Im Aufstehen klirrten diese sacht, einem Windspiel gleich, gegeneinander.
    Jemand war einfach an ihr Zeug gegangen. Schnell steckte sie das Buch weg, schritt nach draußen, wo der tote Álvaro angelehnt lag und durchsuchte ihn schnell. Doch hier schien nichts abhandengekommen oder dazugelegt worden zu sein. Allerdings fiel dabei ihr Blick auf die Souvenire aus Australien, die sie selbst nie benutzt hatte.
    Warum schleppte sie sie eigentlich die ganze Zeit mit sich herum, wenn es hier einen Haufen Schützen gab?
    Noch einmal blickte sie sich um, doch von Hju immernoch keine Spur. Hatte sich der alte Mann etwa halbnackt in die Feier gestürzt?
    Bei dem Gedanken musste sie grinsen, das würde sie zu gerne sehen.
    Mit großen Schritten näherte sie sich dem Getümmel, um schleißlich an einem der großen Feuer anzukommen, an denen sich eine kleine Gruppenversammlung eingefunden hatte.
    „Ey, hat Jemand Seeker gesehen?“, rief sie niemandem bestimmten zu. Sie hasste Versteck- und Suchspiele.
    Dann fiel ihr Blick auf Sheng und Evi, die andächtig nebeneinander hockten.
    „Hey, Sheng!“, brüllte sie ihm entgegen, „Dein Typ ist von der Red Witch gefragt, da hinten im Bunker. Sie möchte gerne über das Forschungszentrum und unseren Kampf mit den Anführern reden... keine Ahnung, es gibt hier sicher Leute, die Dich für einen Anführer halten, also sag ich’s Dir...und wo ist überhaupt Hju?“
    Léo ließ ihren Rucksack unsanft von der Schulter plumpsen, es klirrte an ihrem Hintern. Schnell fasste sie danach und erinnerte sich just wieder an das Buch, an dem sich Jemand vergriffen hatte.
    Beim Aufklappen fielen ihr drei Metallovale, die an den Ketten hingen, entgegen. Auf dem obersten stand „Lancaster
    Was zum...?
    Wieso legte gerade Guapo ihr sowas in ihre (geklaute) Bibel, wo er an sich schon nichts zu suchen hatte?
    Ungläubig klappte sie den Zettel auf, der um die Mettallteile geschlungen war.

    Hallo Léo,
    ich weiss nicht wann du das hier liest. Vielleicht bin ich schon weg, vielleicht bin ich noch da.
    Etwas muss ich dir allerdings noch sagen, bevor ich drauf-


    Sie brach ab und sah sich mit einem ganz flauen Gefühl im Magen um. Das konnte er nicht machen.
    Ihre Stimme überschlug sich fast, als sie erneut, nun deutlich besorgt rief:
    Wo, verdammte Scheiße ist Hju!?!
    ...“
    Ihre Inspizierung der versammelten Leute endete mit den Beiden, hinter denen sie von Beginn an zum Stehen gekommen war und die immernoch wild herumknutschten.
    „Und was glaubst Du hier eigentlich, was Du mit Haile machst, Muchacho?“
    Léo war auf 180.

    Geändert von Mephista (12.11.2015 um 11:40 Uhr)

  9. #109
    „Und was glaubst Du hier eigentlich, was Du mit Haile machst, Muchacho?“

    Große, goldene Augen, die erschrocken zu der Latina aufblickten, die offensichtlich vor Wut kochte. Dunkle Augen, immernoch leicht geschlossen, die diese merkwürdige, blutüberströmte Frau gar nicht einordnen konnten.

    "..."
    "...!"

    Während die Vultures immer heftiger feierten und die ersten jungen Krieger schon umgekippt waren, war das Kultistenmädchen immer wieder in Raouls Umarmung versunken. Mal tanzte sie mit Kerosa und den anderen Plünderern, mal wurde sie von ihm gepackt und vor purer Lebensfreude schwindlig geküsst. So auch jetzt - sie hatte gar nicht mitbekommen, dass Leo wieder aufgetaucht war.

    "Du lässt sofort deine dreckigen Griffel von meiner Hermana, oder ich reiß dir jeden Finger einzeln ab, klar, Muchacho? Und WO VERDAMMTE SCHEISSE STECKT HJU?!"
    "...LEO!"
    "Nichts mit LEO, Señorita! Für so einen Scheiss bist du entschieden zu jung, und er entschieden zu alt. Und überhaupt, wo hast du überhaupt gesteckt, ich hab mir Sor..."
    "....!"

    Leo schäumte. Haile funkelte sie wütend an, trotzig geradezu. Sheng und Evi warfen sich einen Blick zu, und Hailes Ziehvater stand auf, klopfte sich den Dreck des Bodens ab und sprach dann mit seiner unendlich beruhigenden Stimme auf Leo ein.

    "Wenn ich mich recht entsinne und richtig rechne, dürfte Haile ungefähr 16 sein. Und du Raoul, du bist...?
    "18."
    "18, siehst du, kein Grund zur Sorg...."


    Aber Leo hatte noch nicht einmal richtig begonnen...

  10. #110
    "Wenn ich mich recht entsinne und richtig rechne, dürfte Haile ungefähr 16 sein. Und du Raoul, du bist...?
    Was mischt sich der Pseudo-Anführer dieses verkackten Kaffes mit seiner scheißfreundlichen Stimme denn auf einmal ein? Sie redete hier mit Haile und ihrem potentiellen Vergewaltiger, nicht mit irgendeinen Shingshangsheng.
    Der ist ja schlimmer als Kerosin...
    "18."
    "18, siehst du, kein Grund zur Sorg...."

    " iLargo, chinito , o serás el siguiente! (Verpiss Dich, Schlitzauge, oder Du bist der Nächste!)

    Das hier ist ein verkacktes Privatgespräch, also wenn Du Deine Cojones für Deine Liebste behalten willst, dann bewegst Du Deinen Arsch in den Bunker da, da ist die Einsatzzentrale der Forschungseinrichtung. Die will mit euch reden. Mit den Anführern, und das stellst du ja dar, anscheinend. Und das Alles am besten ein bisschen rapido!“

    Vor Wut bebend starrte sie Sheng noch einen Moment, ehe sie sich wieder ihrem eigentlichen Ziel zuwandte.

    "Und DU..."
    Léo hielt inne.
    Ihre Augen hefteten sich einen Augenblick zu lang an die kleine Kette, die er trug und auf der der Name „Helena“ eingraviert war. Ebenso den neuen Halsanhänger um den Hals von Haile, die sie immer immernoch sauer anfunkelte.
    So unglaublich sauer.
    Waren die beiden etwa...?
    Kurz glitt ihr Blick über die übrigen Anwesenden der Runde. Anscheinend ja. So wie guggten, waren sie wohl live dabei gewesen.
    Wieso schmerzte es sie so, dass Haile es nicht wichtig gewesen war, dass sie sowas auch miterlebt? Sie hätte sich das eigentlich denken können.
    Nichtmal so beliebt wie Fußpilz, nein, so beliebt wie Genitalherpes.
    Eigentlich klar.
    Auch wenn sie sich gerade bei Haile eigentlich so sicher war, dass zumindest etwas Sympathie erwidert wurde.

    Sie schluckte kurz, atmete dann tief durch und ging vor Raoul in die Hocke. Die giftigen Seitenblicke von Haile und den anderen Gaffern ignorierte sie gekonnt.
    Léo packte den jungen am Oberteil und zog in zu sich, bohrte ihre nun tiefschwarz erscheinenden Augen in die seinen. Ein Schatten schien über sie gezogen zu sein, die Wut wich aus ihren Gesichtszügen.
    Dann hob sie mit sehr leiser, gefährlich ruhiger, aber zum bersten angespannter Grabesstimme an:
    „Pass auf, pendejo... Haile ist Familie für mich und wahrscheinlich viel zu gut für Dich. Aber wenn sie Dich mag, okay...
    Aber ich schwöre Dir eines, und präg Dir meine Worte gut ein... Wenn Du sie unglücklich machst, dann sind herausgerissene Finger noch das, was Du Dir am meisten wünschen wirst... Ich kenne mich sehr gut mit der menschlichen Anatomie aus, denn ich kann nicht nur Menschen umbringen, ich esse sie auch verdammt gerne. Weide sie aus, würze sie, röste sie knusprig...das volle Programm. Und glaube mir, ich habe schon Leute gegessen, die mir wesentlich mehr am Herzen lagen als Du es jemals wirst...
    Also, wenn ich mitbekomme, dass Du Haile zum Weinen bringst oder irgendwie sonst Schmerz jedweder Art zufügst... dann wirst Du Dich nirgends verstecken können... ich habe schon die halbe Welt gesehen und kenne Leute... außerdem habe ich die Angewohnheit, Sachen, die ich mir in den Kopf gesetzt habe, zu Ende zu bringen und wenn es 20 Jahre oder mehr dauern sollte...“
    Raouls Oberteil wurde freigegeben; Léo erhob sich wieder.
    „Also pass verdammt nochmal gut auf sie auf, Cabrón..sie ist was ganz Besonderes...“

    Geändert von Mephista (12.11.2015 um 17:39 Uhr)

  11. #111
    Jedes einzelne Wort, das ihre Freundin ihr gab, hatte sie so auch gebraucht, wenn es auch nicht dabei half, den Fluss an Tränen einzudammen. Evi war für die Sterbende da, mehr konnte sie sich nicht wünschen. Sie versicherte ihr, Unvollendetes in ihrem Namen zu erledigen - ein beruhigender Gedanke. Und doch gab die Kämpferin Eryn die Hoffnung, es gegen sämtliche Wahrscheinlichkeit irgendwie schaffen zu können.

    So lag die Bardame eine Zeit lang in den Armen der First Lady, deren Liebe immer wieder eher hilflose, mitleidige Blicke zu den beiden warf, während er ähnlich eng neben Evi saß wie die Irin selbst. Sie konnte nicht ausmachen, wie viele Minuten vergingen, doch mit jeder wurde die Kälte etwas weniger. Die Entspannung und die guten Gedanken halfen dabei, den Ausbruch der Krankheit von sich zu halten. Doch die kleine Idylle sollte gestört werden.

    Leo trat an die kleine Gruppe der vier Liebenden und Eryn heran und provozierte, nein, drohte Sheng und Raoul mit einem Feuer, dass andere selbst im Todeskampf gegen Feinde nicht zeigten. Wie konnte sie es wagen, diese Menschen für Nichts so anzugehen, nachdem sie sich bereits geweigert hatte, sie zu retten? Dieses egoistische Stück.

    Neben sich konnte die ehemalige Kellnerin ihre Freundin schnauben hören. Die 25-Jährige richtete sich noch im Sitzen auf und erkannte, dass die Halb-Vulture vor Wut fast zitterte. Wäre da nicht Sheng gewesen, der seine Finger in beruhigender Manier um die Oberarme der Amazone legte, um sie zu beruhigen und im Notfall sogar zurück zu halten - mit wahrscheinlich ausbleibendem Erfolg - wäre sie wohl auf der Stelle aufgesprungen, um das mexikanische Kaltblut um eben jenes zu berauben.

    Die Infizierte stand nun auf, vielleicht zu schnell und abrupt, denn es brachte ihren derzeit schwachen Kreislauf so in Wallung, dass ihr für einen Moment schwummrig vor Augen wurde. Doch diese Schwäche zeigte sie nicht. "Ey, chica!", raunte sie abfällig, ihre miserablen Kenntnisse der fremden Sprache präsentierend. Doch 'chica' bedeutete ihres Wissens nach sowas wie 'kleines Mädchen', und als mehr sah sie die wütende Aggressorin nicht. "Ist ja schön zu hören, wie stolz du auf deinen kleinen Menschenfressfetisch bist, aber du zeichnest dich als die schlechteste Familie der Welt aus, wenn du dem drohst, der deiner Schwester wichtig ist. Und bevor du vor hast, es noch mal zu tun: Wir reißen dir alle dermaßen den Arsch auf, bevor du auch nur eine Hand an Raoul oder Sheng legen kannst. Also nag an deinen eigenen Fingern weiter. Aber lass was übrig, denn ich gehöre bald zu deinem kleinen CLub!" Die Bleiche ihres Gesichts sollte gerade den letzten Satz untermalen Ein leises Grinsen legte sich auf ihre Lippen, deren Farbe langsam schon zu einem Hellblau wurde, als sie Evis Zustimmung in ihrem Rücken spürte, doch auch den sorgenvollen Blick ihrer Freundin bohren spüren konnte. Keiner außer Eryn selbst wusste so sehr wie sie, wie zehrend diese Aktion für sie war. Sie sah aus, wie sich fühlte. Doch sich für ihre Familie einzusetzen, gab ihr im selben Moment auch Kraft.

    "Du beruhigst dich besser und konzentrierst deine Wut auf die, die sie treffen sollte. Und quatsch nichts von Privatgesprächen. Niemand hat dich um deine scheiß Meinung gebeten."

    Geändert von MeTa (12.11.2015 um 18:12 Uhr)

  12. #112
    Seine Brust bebte durch das unruhige und vollkommen unrythmische Atmen.
    Was zur Hölle ist nur bitte los mit ihm? Er hatte doch sonst keine Probleme damit anzupacken und Scheiß zu erledigen. Es war als würde er sich selbst jedes Mal in die Eier und den Kopf gleichzeitig treten. Nur so konnte er sich zumindest die Aktionen erklären die er gerade abzog. Weit entfernt von jemandem mit einem Blumenkohl als Gehirn waren die jedenfalls nicht.

    Jetzt stand er hier. 65 verfickte Jahre alt. Kein Hemd. Keine Socken. Nur eine billige Jeans am Arsch kleben die vermutlich auch noch von Fawyers extrem schlecht, wenn überhaupt, bezahlten Personal zusammengenäht wurde. Fawyerjeans, genäht von traurigen Hurenhänden. Fucking A.

    Stumm stand er am Wasserloch, in dem früher Golfer einen Ball nach dem anderen versenkt haben und irgendwelche armen Schweine zum Tauchen gejagt haben.
    Vermutlich war das trotzdem noch ein Traumjob gewesen. Die meisten der Ballsammler hier kamen höchstwahrscheinlich aus Mexiko und waren froh genug, dass die wahnsinnige Knarren-Junkies sie nicht umgeballert haben.

    Während das hier also früher ein Ort war an dem sich reiche Snobs aufgeregt haben, dass José ihnen den Job geklaut hat, kein Englisch spricht und es wagt das ganze für weniger Lohn zu machen als es überlebensnotwendig gewesen wäre... jetzt sah das ganze hier recht friedlich aus.
    Friedlich genug um sich vielleicht auch mal zu waschen.
    Hugh sah sich gerade das erste Mal selber im grauen Schein des Mondes und... heilige Scheiße was haben die beiden bitte mit ihm angestellt?
    An seiner Brust und seinen Armen klebten dicke, dunkelrote und krustige Rinsäle an Blut. Seine Schultern waren komplett davon bedeckt und immer noch leicht verschmiert.

    So einfach wie er vorhin in seine Hose reingekommen ist, so schnell kam er auch wieder heraus. Nur wenige Sekunden später wurde die Nacht von einem lauten Platscher erfüllt. Mit dem Kopf voran und ausgestreckten Armen tauchte der Schauspieler in das kalte Nass ein.
    Wie schon in Shengs Hope ließ sich der Anführer durch das Wasser treiben, drehte sich noch unter der Wasseroberfläche herum und ließ sich, Bauch voran, nach oben treiben.
    So trieb er nun, wieder auf der Wasseroberfläche, auf dem See herum. Den Kopf halb eingetaucht, die Ohren unter Wasser.
    Er konnte es fühlen. Das vibrierende, kühle Nass.
    Er konnte es hören. Das Trommeln und Feiern der Vultures. Bass und Rhytmus schwangen durch die Nacht, trieben sich durch den Boden, ins Wasser und direkt in den Gehörgang des vom Leben gezeichneten Hugh Jackman.

    Minuten vergingen in denen er einfach die Ruhe genoss. Doch er hatte wirklich nicht ewig Zeit.
    Er musste wieder zurück, es gab noch so viel zu tun, so viel vorzubereiten.
    Wenn er draufgehen würde... würde er wenigstens etwas Schönes zurücklassen wollen.
    Der Schauspieler tauchte seinen Körper langsam unter Wasser und schwamm wieder zurück an die Stelle wo er eingetaucht war.

    Da er kein Handtuch hatte, strich er sich das Wasser einfach von den Beinen hinab. Tropfen um Tropfen presste er dabei aus der Behaarung seiner Beine hinaus, ehe er sich wieder seine Hose anzog.
    Noch einmal blickte er auf den See, der so wundersch...

    Der See, der vorhin noch dunkelblau, fast schon schwarz im Licht der Nacht erstrahlte sah nun leicht anders aus.
    Denn genau dort wo Hugh getrieben hatte schwamm nun eine rote Schicht.
    Das war postapokalyptischer Vandalismus in Reinstform. Geil.

    Seine nun nicht mehr nackten sondern auch nassen und kalten Füße, trugen ihn langsam dahin wo das Geräusch der Feier lauter wurde.
    Doch auch etwas anderes wurde lauter.

    "Ey, chica! Ist ja schön zu hören, wie stolz du auf deinen kleinen Menschenfressfetisch bist, aber du zeichnest dich als die schlechteste Familie der Welt aus, wenn du dem drohst, der deiner Schwester wichtig ist. Und bevor du vor hast, es noch mal zu tun: Wir reißen dir alle dermaßen den Arsch auf, bevor du auch nur eine Hand an Raoul oder Sheng legen kannst. Also nag an deinen eigenen Fingern weiter. Aber lass was übrig, denn ich gehöre bald zu deinem kleinen Club!"

    Da waren sie also alle versammelt. Also... mehr oder weniger alle. Eryn, Evi, Haile, Raoul, Sheng, Léo.

    "Du beruhigst du dich besser und konzentrierst deine Wut auf die, die sie treffen sollte. Und quatsch nichts von Privatgesprächen. Niemand hat dich um deine scheiß Meinung gebeten."

    Mit einem Ausdruck von leichter Angepisstheit, also dem Status Quo, kam Jackman auf die Gruppe zu und nachdem was Eryn sagte und so wie sie aussah musste Jackman nur 1 und 1 zusammenzählen. Er hatte den Scheiß schon oft genug gesehen. Jeder sah mal scheiße aus. Aber Scheiße aussehen und laut rausposaunen bald an Menschen zu nagen?

    "Und einige andere reißen dir den Arsch auf wenn du bald keine scheiß Meinung mehr hast, sondern uns deine Zähne in den Arm rammen willst. Meine Fresse, könnt ihr mal alle die Luft anhalten und nicht euch nicht aufführen wie ein verkackter Pimmelverein?"

    Hugh schaute mit wütendem Schnauben Eryn direkt an ehe er in die Gesichter der Gruppe blickte.
    Hier herrschte gerade nicht nur 7 Tagen schlechtes Wetter Stimmung. Hier herrschte gerade ne Stimmung als wäre den Leuten ne Jauchegrube in die Fresse explodiert.

    "Bevor wir uns also zerhacken... könntet ihr einfach mal durchatmen?"

    Geändert von Gendrek (12.11.2015 um 18:15 Uhr)

  13. #113
    Sheng war überrascht, wie aggressiv und hasserfüllt die junge Frau vor ihm war, aber dann wurde ihm klar, dass es wahrscheinlich Furcht vor dem Verlust war, die sie umtrieb und sein Blick wurde weich und voller Mitgefühl als Leo ihn musterte und er lächelte sie an.
    „Es ist in Ordnung, Leo. Sei ohne Sorge. Du bist hier unter Freunden, im Kreis deiner Verbündeten. Ich habe keine Ahnung, was dir vorhin so Schlimmes widerfahren ist, dass du im Moment so aufgeregt bist und dein Herz so blutet.“
    Dazu hob er beruhigend die Hand und spürte einen schlimmen Stich von Schuld, wahrscheinlich hatte die zornige Latina gerade einen schlimmen Verlust erlitten oder gerade eine übel zugerichtete Leiche gefunden, während sie hier getanzt und sich geliebt hatten.
    Und ihm wurde klar, dass er sie tatsächlich einige Zeit lang nicht gesehen hatte, sie war verschwunden, kaum dass sie hier angekommen waren und in dieser Zeit musste ihr Grausiges widerfahren sein, anders war sein Verhalten nicht zu erklären.

    Raoul starrte die Latina vollkommen verdattert an und sofort zog er seine Hand von Haile zurück, nachdem sie ihn gepackt hatte
    Er war vollkommen verwirrt, vor einem Augenblick lag er noch zum ersten Mal in den Händen der Frau, die ihm wirklich etwas bedeutet hatte und dann war dieser Racheengel über ihn hereingebrochen und bedrohte ihn für etwas das er noch nicht einmal getan hatte. Aber es verletzte ihn zutiefst, dass sie offensichtlich glaubte, er wäre dazu in der Lage.
    Raoul kannte sie nur flüchtig, sie hatten bisher kaum ein Wort miteinander gewechselt, er blinzelte, sie sah aus wie eine Vulture und war offensichtlich eine Freundin von Haile, seiner Haile.
    Der junge Dieb hätte nicht sagen können, was ihn so verwirrte, aber er hob entschuldigend die Hände und blickte sich unsicher um, im Moment vollkommen verwirrt, was da über ihn gekommen war ,aber für ihn war jedes Gefühl von Romantik verschwunden, er fühlte sich eher so, als hätte er schon wieder einen Fehler gemacht. Betroffen stand er auf, blickte zu Boden, als würde er es nicht wagen, in das Antlitz dieser Rachegöttin zu blicken und lehnte sich weiter weg gegen einen Baum, dort, wo Kerosa und Thorn standen, die die Szene ebenfalls betrachtet hatten.
    Kerosa grinste und legte dem Jungen den Arm um die Schulter und flüsterte genau so laut, dass es jeder hören konnte: „Junge, lass den Motor nicht streiken. Leo ist bei Berggorillas aufgewachsen. Die zeigen so ihre Sympathie. Außerdem hey, sie weiß, dass du einer von den Bösen bist, das hat die Misses Banana schon ganz gut durchschaut.“ Dabei nickte sie eifrig und versuchte ernst zu bleiben, während Thorn nur breit grinste, als Raoul genervt mit den Augen rollte und den Arm von Kerosa von seiner Schulter strich um dann das zu tun, was er Zeit seines Lebens schon immer gemacht hatte – er war weg gelaufen und hatte gewartet, bis der Sturm sich gelegt hatte. Haile war Kerosa einen wütenden Blick zu, doch diese grinste nur frech und breitete die Arme in einer entschuldigenden Geste aus.

    Dann hatten Eryn und Lancaster, der sich nun Hugh nannte und tatsächlich dem Schauspieler glich wie ein Ei dem Anderen, gesprochen und Stille hatte sich über die Streitenden gelegt.
    Der Bürgermeister war froh, dass Hugh wieder aufgetaucht war, er wollte ihn schon seit Stunden suchen und ihm im Namen aller Menschen danken, die er befreit hatte, und das war eine riesige Anzahl. Sie alle hätten wissen sollen, was für Helden sie sind, aber dazu war es nicht gekommen durch das plötzliche Auftauchen der Vulture und der aggressiven Haltung der Bewohner von Shengs Hope seiner Ziehtochter gegenüber.

    Schließlich sprach Sheng in die Stille hinein. Wie immer voller Zuversicht, nun da er nicht glauben wollte, dass sich ihr Glück jetzt noch einmal würde wenden können, wo sie alle vereint waren.
    „Es ist gut, dass du da bist, Leo und für dich, Hugh, gilt dasselbe. Ich kann und mag mir nicht vorstellen, welche grauenvollen Schrecken ihr habt erdulden müssen, während ihr diese Mission, für die ich euch ausgesandt habe, für die Welt, für die Siedlung und auch für mich erledigt habt. Es ist bekannt, dass ich kein großer Kämpfer bin, sonst wäre ich der Erste gewesen, der sich gemeldet hätte, aber es steht zu befürchten, dass ich keine große Hilfe gewesen wäre. Wofür auch immer ich verantwortlich bin, Leo, es tut mir leid. Womit auch immer ich deinen Zorn auf mich gezogen habe – ich denke, wir werden das zu gegebener Zeit regeln.“

    Er blickte sie nun fest und entschlossen a, suchte ihren Blick. „Doch du bist nicht alleine auf dieser Welt. Du willst den Menschen helfen, die du liebst? Dann zerstöre nicht was sie haben, jetzt, in den Momenten vor der Schlacht. Haile hat unglaubliches erlitten und Evi hat mir von ihren Taten berichtet. Sie macht mich zum stolzesten Vater auf dieser kleinen Erde, die uns geblieben ist. Und wenn ihr Lohn ein Kuss von dem Jungen sein soll, dann gönne ich es ihr von Herzen. Nicht jeder ist so mutig wie du, Mädchen, nicht jeder kann so sehr und fest auf seine Stärke vertrauen. Für uns war und für uns ist dieses Fest wichtig gewesen. Damit wir Mut schöpfen können um morgen zusammen zu kämpfen. Ich hätte diesen Moment, in dem wir uns endlich in aller Ruhe sehen, gerne genutzt, um euch Beiden noch mal meinen Dank auszudrücken. Ihr seid gekommen, uns zu retten und habt uns in dem Moment der größten Schwäche geholfen. Ich weiß nicht, ob es Shengs Hope je gelingen wird, diesen Gefallen zu erwidern. Doch wenn es etwas gibt, dann tretet einfach an mich heran. Den Ort gibt es nicht mehr, mein Lebenswerk wurde zerstört. Aber noch lebe ich und mit jedem Atemzug kann ich zumindest versuchen, den Traum am Leben zu erhalten. Und mich erkenntlich zeigen. Egal was es ist.“

    Leo hatte schon wieder Luft geholt, eine mehr als steile Zornesfalte, ein neuerlicher Ausbruch eines Vulkans, doch Sheng lächelte entwaffnend, durchschaute sie augenscheinlich und kam ihr zuvor, indem er sagte: „Außer es ist der Wunsch, dass ich endlich aufhöre zu reden. Das MUSSTE ich sagen. Es war das Wichtigste, was ich zu sagen hatte. Nicht jeder hier weiß es zu schätzen, viele haben Furcht. Doch wer hier noch lebt und atmet aus unserer Siedlung, der verdankt es euch.“

    Er blickte sich nun wieder um, gestrafft und stolz, sein Blick streifte Evi und er bemerkte, sie jegliche Lust, jegliches Wunsch einander zu umgarnen, nun verschwunden war und sie durch Leo allesamt wieder in den Ernst des Lebens zurück katapultiert worden waren. Nun gut, dann würden sie also an die Arbeit gehen. „Du hast dir also den Bunker angesehen und dort Jemanden getroffen? Einen Soldaten? Und dort sollen wir vorstellig werden? Das war sehr gute Arbeit, den Bunker zu finden. Unsere Leute haben ihn wohl einfach als verlassen eingestuft. Da trennt sich die Spreu wohl vom Weizen.“, grinste er.

    Er blickte sich um, suchte den Blick von Hugh und Evi, dann auch von Eryn und Haile. „Wollen wir uns das gemeinsam ansehen? Zusammen den letzten Plan angehen? Gleichberechtigt?“

    Geändert von Daen vom Clan (12.11.2015 um 19:37 Uhr)

  14. #114
    Eine Party? Nachdem Leo sich zum Gehen gewandt hatte, runzelte Ellen noch zweifelnd die Stirn und beobachtete durch die Kameras, wie die Latina sich auf den Rückweg machte. Als die Bunkertür dann hinter ihr zufiel, ließ Ellen die Schultern sinken und atmete tief durch, als ein Teil der Anspannung der letzten Minuten von ihr wich. Puh... das lief tatsächlich so gut wie erwartet. Rasch schälte sie sich aus der abgewetzten Militärjacke, die - wie ein Schnuppern daran schnell klarmachte - doch ein wenig von dem recht reifen Aroma Leos angenommen hatte, und machte sich dann daran, auch die Kevlarweste auszuziehen, die sie darunter getragen hatte. Und es lief um Längen besser als ich befürchtet hatte.

    Rasch huschte sie nach unten zu ihrem Spind, und verstaute die beiden Kleidungsstücke dort zusammen mit dem Rest ihrer Scavenger-Ausrüstung. Sie hatte das abgewetzte Outfit nur deshalb getragen, weil sie angesichts der den Bunker ignorierenden Menge - hatte Enigma ihre Einladung etwa nicht richtig weitergegeben? - drauf und dran gewesen war, selbst nach draußen zu gehen und sich die Verantwortlichen zu suchen. Jetzt aber, wo die Führer dieses Trupps da draußen sie in ihrem eigenen Refugium aufsuchen würde, war etwas anderes wesentlich... angemessener.

    Wieder oben in der Abhörzentrale angekommen räumte sie eine der vielen Pinwände an der Wand frei, und befestigte die zuvor ausgedruckten Pläne daran. Ein paar Notizen und Textmarker-Striche später, zufrieden mit ihrem Werk, wandte sie sich dann den restlichen Vorbereitungen zu.

    Nachdem der Raum für die Ankunft ihrer Besucher angemessen präpariert war, nahm sie an ihrer Workstation Platz und rief das Log auf.
    "Outpost 1Alpha, dritter November 2033, Eintrag zwei. Der kryogenische Tank mit Subjekt 'Adam' ist wie im vorgestrigen Logeintrag angekündigt am heutigen Abend beim Außenposten angekommen, begleitet von einer Milizgruppe aus der Siedlung 'Shengs Hope'. Wilder Stamm 'Vultures' als augenscheinliche Verbündete hinzugestoßen. Erste Kontaktaufnahme positiv verlaufen, Briefing zur aktuellen Lage erfolgt in Kürze. Angesichts der Personenzahl erscheint erfolgreicher Vorstoß zum Forschungszentrum möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Feindkontakt mit Cult of Vision am morgigen Tag erwartet." Ellen seufzte und rieb sich die Augen. Wie groß war überhaupt die Chance, dass diese Aufnahmen nochmal jemand anhören würde? Falls das morgen schiefgeht, mit Sicherheit Null. Ich bin hier so nah dran an der Station, hier wird mit Sicherheit alles vom Kult überrannt. Trotzdem, falls der Außenposten lange genug unentdeckt bliebt... "Automatische Notfalldurchsagen für den Fall der Niederlage sind eingesprochen und zur Sendung vorbereitet. Bleibt das Trägersignal vom Forschungszentrum aus, erfolgt die Umschaltung auf Notbetrieb auf den folgenden Frequenzen: .... ...."

    Geändert von Shinshrii (12.11.2015 um 22:23 Uhr)

  15. #115
    Howard kümmerte sich praktisch den ganzen Tag um die unzähligen Verwundeten von Shengs Hope. Er wusste, dass sie nur einige Tage unter der Hand der Kultisten leben mussten, doch sowohl der Angriff, als auch die Reise zurück und schließlich das Leben in Gefangenschaft hatten von vielen einen hohen Tribut verlangt. Die meisten offenen Wunden kamen zwar nur von den letzten Tagen. Alles ältere war offensichtlich selbst-verheilt, ohne richtige Behandlung. Einige davon würden wohl unschöne Narben abgeben, aber das war in dieser Welt wohl das harmloseste. Soweit er feststellen konnte, litt auch niemand unter einer eitrigen Wunde.

    Nachdem er schließlich alle, die bereitwillig zum ihm gekommen waren angesehen hatte, verwies er sie auf die kleinen Seen des Golfsplatzes. Einige folgen den Anweisungen nur wiederwillig, waren zu müde und wollten wohl direkt schlafen, oder zumindest jegliche Bewegung vermeiden. Aber auch sie waren nach dem kurzen Eintauchen im kalten Nass froh darüber. Howard wusste, dass Gesundheit nicht nur ein physischer Faktor war, und eine solche Katharsis würde ihnen sicher helfen die Ereignisse zurück zu legen und sich für morgen vorzubereiten.

    Er war dabei so beschäftigt, dass er die Rege Aktivität der anderen nur halb mitbekam. Er konnte natürlich verstehen wie schwierig es sein muss, in so einer Situation auch noch die ganze Familie dabei zu haben. Die Angst des Versagens war da doppolt so groß, wohl aber auch die Hoffnung eines Sieges.

    Nach getaner Arbeit packte er langsam seine Sachen zusammen. Es war nicht mehr alzu viel übrig, aber falls morgen alles gut ging und sie alle sicher im Labor unterkommen sollten sie dort wohl sowieso bessers Equipment haben, so hoffte Howard jedenfalls. Auf jeden Fall würden sie wohl für eine Weile dort bleiben, es wartete ja für viele Dorfbewohner keine Heimat mehr, alles war zerstört.

    Er legte sich unter einen der Bäume des alten Golfparkes. Er hörte die Blätter rauschen von den gelegentlichen Windböen. Er war zwar im Windschatten des Baumes, spürte aber auch den stechend kalten Zug. Es würde wohl nicht mehr lange bis zum Winter dauern. Es war ruhig hier, es wirkte wie ein wunderschöner Naturpark, nur die gelegentlichen Hügel und die Reste des ein oder anderen Wagens ließen ein geschultes Auge erkennen was dieser Ort in der alten Welt gewesen war.

    Er hörte entfernt die anderen in der Gruppe. Zum Teil klang es freundlich, aber auch einige disharmonische Töne waren dabei. Einige Worte konnte Howard sogar ausmachen. War das Eryns Stimme? Angesichts der enormen Anspannung, die auch Howard selbst fühlte, war es wohl nur verständlich. Für ihn war es eigentlich recht einfach, er hatte sein ganzes Leben darauf gewartet, er musste in dieses Labor. Beenden was er all diese Jahre begonnen hatte. Und danach? Würde er sich endlich ausruhen, als ihm die Augen plötzlich schwer wurden.

  16. #116


    Léo hatte im Moment sowas von keine Geduld mehr.
    Die Ketten in der Bibel , die sie noch immer umklammerte, klirrten sanft vor der bebenden Anspannung, in der sie sich befand.
    Ihr einziger klarer Gedanke war, dass sie unbedingt Hju finden musste, bevor dieser sich in das verdammte Minenfeld schmiss oder noch Schlimmeres. Dabei am besten auch noch Seeker, damit sie keinen Anschiss von Ellen bekam.
    Léo hatte keine Geduld mehr.
    Vor allem nicht für weitere Einmischungen von Leuten, die gerade absolut Nichts zu melden hatten.
    Und dann hob Shingshangsheng wieder an. Lächelte ihr kackdreist ins Gesicht. War er irgendwie Jesuchristo oder was, dass er hier den Heiligen markieren musste?
    „Es ist in Ordnung, Leo. Sei ohne Sorge. Du bist hier unter Freunden, im Kreis deiner Verbündeten. Ich habe keine Ahnung, was dir vorhin so Schlimmes widerfahren ist, dass du im Moment so aufgeregt bist und dein Herz so blutet.“
    Er konnte sich seine Sonnenscheintour sparen. Sie wusste, dass er sie anlog. Jedes seiner verkackten Worte war Kalkül, sie runterzubringen, damit er sie zu irgendeinem Scheiß bringen konnte, den er wollte.
    Er hatte überhaupt keine Ahnung von ihr, nicht im Geringsten, also soll er nicht so tun, als wäre er Álvaro und könne mit ihr wie mit einer alten Freundin reden.
    "Ey, chica!"
    Ihr Kopf schnellte herum und erkannte die bleiche Gestalt Eryns.
    Wie hatte sie dieses Wrack gerade genannt?!
    "Ist ja schön zu hören, wie stolz du auf deinen kleinen Menschenfressfetisch bist,“
    Misch Dich einfach nicht ein, in Sachen, von denen Du absolut keine Ahnung hast...
    „aber du zeichnest dich als die schlechteste Familie der Welt aus,“
    ...das hat sie nicht wirklich gesagt...
    kalter Hass wallte in Léo auf. Die Bardame hatte es erfolgreich geschafft, eine essentielle Sicherung in der Latina durchbrennen zu lassen. Niemand sagte ihr, dass sie sich nicht ordentlich um ihre Familie kümmerte.
    „wenn du dem drohst, der deiner Schwester wichtig ist. „
    Nein, das ist genau das, was man tun sollte. So wurde es schon immer bei den Arellano-Felix gemacht. Die Mädchen waren die kleinen Engel, für die niemand auch nur annähernd gut genug war und das musste man den Mackern auch in’s Gedächtnis rufen.
    „Und bevor du vor hast, es noch mal zu tun:“
    Ohja, als ob Léo noch mehr Gründe bräuchte, einfach gleich auf sie loszugehen.
    „Wir reißen dir alle dermaßen den Arsch auf, bevor du auch nur eine Hand an Raoul oder Sheng legen kannst.“
    Klar, allen voran Du, Puta, mit der Macht Deines kränkelnden Hüftschwungs.
    Langsam glitt Léos Hand an den Griff ihres alten Freundes Machete. Sie würde es jetzt mit allen hier aufnehmen, wenn es sein musste. Vernunft hatte keinen Platz mehr.
    „ Also nag an deinen eigenen Fingern weiter. Aber lass was übrig, denn ich gehöre bald zu deinem kleinen Club!"
    ....WAS?
    Sie war auf dem Weg, ein verkackter Zombie zu werden und hielt es nicht für nötig, das mal irgendwie zu sagen? Wegen der Hoffnung auf das Heilmittel? Gerade deswegen hätte sie es jedem erzählen sollen. Erinnerungen an Alice kamen in ihr hoch.
    Der Griff der Machete wurde fest umschlungen, die andere wanderte langsam zu Álvaros Leiche, wo das Survival-Messer schnell gezogen wäre.
    Würde diese Gemeingefährliche auch nur eine falsche Bewegung machen, würde sie sie sowas von zu Hackfleisch verarbeiten. Und wenn sie dafür selber von den anderen umgenietet würde, das wäre es ihr wirklich wert.
    "Du beruhigst dich besser und konzentrierst deine Wut auf die, die sie treffen sollte.“
    Solche wie Dich, genau.
    „Und quatsch nichts von Privatgesprächen. Niemand hat dich um deine scheiß Meinung gebeten."
    Aber um Deine, oder was?

    Was Léo aber wirklich fertig machte, war Evis Ausdruck hinter Eryn. Ihre dritte Hermana. Sie war eindeutig gegen sie, stimmte offenbar komplett mit der Zombine in spe überein.
    Diese Wut, dieses Unverständnis der Latina gegenüber.
    Es lähmte sie.
    Dann vernahm sie neben sich eine Stimme, die fast so etwas wie Erleichterung in ihr auslöste.
    "Und einige andere reißen dir den Arsch auf wenn du bald keine scheiß Meinung mehr hast, sondern uns deine Zähne in den Arm rammen willst. Meine Fresse, könnt ihr mal alle die Luft anhalten und nicht euch nicht aufführen wie ein verkackter Pimmelverein?"
    Hju stand da mit nichts als seiner Hose und den Blessuren der letzten Luststunden am Leib und blickte sich schnauben und grimmig um.
    Er war wieder da.
    Nicht auf ewig verschollen, unauffindbar, wie so viele in ihrem Leben.
    Es ging ihm gut.
    Er hat sich nicht in die Luft gesprengt oder sonstwie unnötig in Lebensgefahr gebracht.
    Gott sei Dank.
    Der Stein, der ihr vom Herzen fiel und die Wärme, die sich dadurch in ihr ausbreitete, lieferten sich einen harten Kampf mit all dem Hass und der Verletztheit, die sich bereits breitgemacht hatten.
    "Bevor wir uns also zerhacken... könntet ihr einfach mal durchatmen?"
    Sie hatte hier niemanden, der zu ihr stand. Sie wurde in einem fort ausgenutzt und sonst nur geduldet. Nichtmal Hju, der bis eben noch weglaufen wollte, warum und wohin auch immer. Was sie wiederum auf einer ganz anderen Ebene getroffen und verletzt hatte.

    Einfach mal durchatmen, als ob das so einfach wäre.
    Léo war so unendlich verwirrt.
    Sie wollte Eryn anschreien, leiden lassen, sich wild in den Kampf stürzen.
    Sie wollte Haile und Evi an sich drücken und ihnen sagen, wie wichtig sie für sie waren.
    Sie wollte Hju in die Fresse hauen für die Scheiße, die er abgezogen hatte und ... dann nie wieder loslassen.
    Sie wollte einfach nur, dass dieser Sturm an Gefühlen aufhörte.
    Léo verspannte sich noch mehr, jeder ihrer Sinne arbeitete auf Hochbetrieb.
    Sie war gefangen in dem Käfig, den sie sich über die Jahre aufgebaut hatte. Es gab für sie an dieser Stelle kein Zurück mehr, Rückzug war eine Schwäche, die sie sich nicht geben wollte und dennoch während der Reise schon viel zu oft anderen zu liebe ertragen hatte.
    Andere, die dies offenbar nichtmal wertschätzten.
    Kleine, heiße Tränen kullerten ihr aus den Augen, sie schlug Leck, sie war so übervoll von Emotionen..
    Hörte Kerosin irgendwas mit „Berggorillas und Sympathie zeigen“ außerhalb ihres Blickfeldes flüstern.
    Zuviele Sinneseindrücke, zu sehr veränderte sich die Situation mit jeder Sekunde, ihr System wusste nicht mehr, was sie tun sollte.
    Léo fühlte sich in die Ecke getrieben, obwohl es gar keinen Grund dafür gab.

    Und genau an diesem Punkt brauchte sie natürlich wieder diesen Kackfreundlichen Reisfresser-Jesus.
    „Es ist gut, dass du da bist, Leo und für dich, Hugh, gilt dasselbe“
    Blablablabla
    “Wofür auch immer ich verantwortlich bin, Leo, es tut mir leid. Womit auch immer ich deinen Zorn auf mich gezogen habe – ich denke, wir werden das zu gegebener Zeit regeln.“
    Kapierte er denn einfach nicht, dass sie ihn einfach nicht leiden konnte und garnichts mit ihm zu tun haben wollte? Geschweige davon, dass sie seine verschissene Art so richtig aufregte und ihren Hassmotor weiter antrieb, anstatt auszuschalten, wie er wohl wollte.
    Er blickte sie nun fest und entschlossen a, suchte ihren Blick. „Doch du bist nicht alleine auf dieser Welt. Du willst den Menschen helfen, die du liebst? Dann zerstöre nicht was sie haben, jetzt, in den Momenten vor der Schlacht.“
    Er hatte echt keine Ahnung. Komplett keine.
    „Haile hat unglaubliches erlitten und Evi hat mir von ihren Taten berichtet. Sie macht mich zum stolzesten Vater auf dieser kleinen Erde, die uns geblieben ist. Und wenn ihr Lohn ein Kuss von dem Jungen sein soll, dann gönne ich es ihr von Herzen.“
    Nur, dass sie nicht einen kleinen Kuss abbekommen hatte, sondern wahrscheinlich bald eine kleine MiniHaile im Bauch gehabt hätte.
    „Nicht jeder ist so mutig wie du, Mädchen, nicht jeder kann so sehr und fest auf seine Stärke vertrauen.“
    Okay, sie musste ihm offiziell nicht mehr zuhören. Ihr zu sagen, sie wäre mutig und standfest zeugte so sehr davon, nicht berechtigt zu sein, mit ihr in einem Ton zu reden, als ob er ihr Inneres kennen würde.
    Es folgten eh nurnoch Vorwürfe, dass sie irgendwas kaputt gemacht hätte. Und das Fest nicht gebraucht hätte. Na klar, weil Du auch wusstest, dass sie nicht und niemals noch mit dazu stoßen wollte.
    Die tiefe Wunde in ihr, die soviele in all den Jahren geschlagen haben, wurde von ihm gerade unbewusst so sehr aufgerissen und mit Salz bestreut.
    Das Animalische in ihr wog ab, ob Angriff oder Flucht die bessere Option darstellen würde.

    Sie schnappte wütend nach Luft
    „Außer es ist der Wunsch, dass ich endlich aufhöre zu reden.“
    Ja, puta madre, cabrón, halt. Endlich. Das. Maul!
    Aber natürlich redete er munter weiter. Folterte sie besser als es Mary damals auf Léos Drogentrip vermochte zu tun.
    Er wandte sich mit irgendwelchen Fragen an sie, doch sie hatte sich entschieden. Hier waren Leute dabei, die zu ihrer Familie zählten für sie, ein Angriff war bescheuert.
    „Danke, maracón, dass Du mir durch die Blume gesagt hast, dass ich eure schöne Stimmung kaputt gemacht habe, weil ich mich gesorgt habe...Aber weißt Du, nein, wisst ihr Alle?
    Ich mache das, was Hju anstellen wollte, was weiß ich warum:
    Ich bin weg. Verpisse mich, lasse euch in Ruhe.
    Das wollt ihr doch. Macht euren Scheiß, ich mach meinen, wir sehen uns vielleicht bei der Schlacht, aber ernsthaft, ich habe keinen Bock mehr.
    Ihr hasst mich doch eh alle, also, adiós...“
    Schluchzte sie Sheng und der Runde entgegen, schulterte sich Álvaro und stapfte davon.
    Sie hätte sich niemals auf diese Scheiß Reise zusammen mit der Gruppe einlassen sollen. Sie hätte ihren Weg allein gehen sollen.

    Geändert von Mephista (12.11.2015 um 20:40 Uhr)

  17. #117
    Die ganze Situation ging gerade dermaßen von den Gleisen, dass man sich einfach nur wünschte man könnte in eine Zeitmaschine springen und den ganzen Scheiß von vorn beginnen.
    Was zum Fick ist hier bitte abgegangen, dass abgefucktes Drama entstand? Warum musste jeder Furz zu irgendeinem Staatsakt aufgeblasen werden damit am Ende wieder alles schön eskalieren kann?
    Hugh hatte es so dermaßen satt. Wenn es nicht die Zombies waren die einen zerfleischten, dann schafften die Gruppen an Überlebenden es halt immer selbst.
    Jedes einzelne verfickte Mal.

    Er hörte sich, angespannt atmend, jedes einzelne der Worte von Sheng an.

    „Außer es ist der Wunsch, dass ich endlich aufhöre zu reden. Das MUSSTE ich sagen. Es war das Wichtigste, was ich zu sagen hatte. Nicht jeder hier weiß es zu schätzen, viele haben Furcht. Doch wer hier noch lebt und atmet aus unserer Siedlung, der verdankt es euch.“

    Sheng drückte einfach nur den Rücken durch und blickte alle stolz an.

    „Du hast dir also den Bunker angesehen und dort Jemanden getroffen? Einen Soldaten? Und dort sollen wir vorstellig werden? Das war sehr gute Arbeit, den Bunker zu finden. Unsere Leute haben ihn wohl einfach als verlassen eingestuft. Da trennt sich die Spreu wohl vom Weizen.“

    Er blickte sich um, suchte den Blick von Hugh und Evi, dann auch von Eryn und Haile.

    „Wollen wir uns das gemeinsam ansehen? Zusammen den letzten Plan angehen? Gleichberechtigt?“

    Hugh schnaubte und hätte gerade am liebsten seine gesamte Gedankenwelt vor allen Anwesenden ausgekotzt.

    „Danke, maracón, dass Du mir durch die Blume gesagt hast, dass ich eure schöne Stimmung kaputt gemacht habe, weil ich mich gesorgt habe...Aber weißt Du, nein, wisst ihr Alle?
    Ich mache das, was Hju anstellen wollte, was weiß ich warum:
    Ich bin weg. Verpisse mich, lasse euch in Ruhe.
    Das wollt ihr doch. Macht euren Scheiß, ich mach meinen, wir sehen uns vielleicht bei der Schlacht, aber ernsthaft, ich habe keinen Bock mehr.
    Ihr hasst mich doch eh alle, also, adiós...“


    Vollkommen machtlos musste er dabei zuschauen wie die Latina ihren Rucksack schulterte. Der kleine, angenähte Affenkopf wippte dabei durch die Bewegungen hin und her ehe Léo sich einfach davon machte, tief ins Dunkel der Nacht.

    Hugh blickte wieder in das Gesicht von Sheng der ihn immer noch einladend anlächelte.

    "Gott, was glaubst du worauf ich gerade Lust hätte? Bunker-Seeing, genau. Das möchte Geschichtenopi gerade bestimmt am liebsten machen."

    Vermutlich hätte ab diesem Zeitpunkt und bei diesem Blutdruck, jeder mit einem Herzleiden einen vierfachen Infarkt erlitten.

    "Gott. Netter Geschichtenopa am Arsch. Ich hab keine Ahnung warum hier jedem gerade die Köpfe so tief im Arsch stecken, dass ihr schon wieder Licht sehen könnt. Wisst ihr, jeder von uns hier hat seine eigenen Probleme und Macken. Haile redet so viel wie ne Nonne mit Schweigegelübde. Evi hat nen Stausee hinter den Augen, Léo beißt Leuten echt gern in die Schulter und verhält sich wie ein fucking Vorschlaghammer. Heilige Scheiße, Eryn wird zum verfickten Zombie und hatte nicht die Güte uns das irgendwie mitzuteilen."

    Hugh drehte sich einfach nur kurz von der Gruppe weg und schaute direkt auf den dicken, knorrigen Stamm eines Laubbaumes. Mit der Kraft eines angepissten Rentners auf Crack schlug er seine Faust so hart gegen die raue Rinde, dass jeder das erbärmliche Knacken seiner Hand hören konnte.

    "Ihr habt bestimmt eure Gründe gehabt sie anzufahren. Klar. Wieso auch nicht. Aber wisst ihr was ich jetzt erstmal mache? Ich gehe Léo jetzt hinterher, fang sie ein und sag ihr, dass sich alle wieder beruhigt haben und sie niemand hasst. Man. Ich geh ihr jetzt hinterher weil sie ein Teil unserer Gruppe ist. Ich geh ihr jetzt hinterher weil ich eine verdammt gute Zeit mit ihr in einem verkackten Zelt hatte. Ich geh ihr jetzt hinterher... weil ich endlich jemanden gefunden habe für den ich gerne ins Gras beiße."

    Hugh deutete auf Evi

    "Da, Anführerin Nummer 2. Hab ne Stimme mehr gehabt als sie. Wenn ihr nicht warten könnt mit Besprechungen, dann kann Evi das gerne machen. Ist eh ruhiger als ich. Und den Stausee hat sie auch echt gut unter Kontrolle, wenns ernst wird."

    Jackman schaute in die Gesichter der Anwesenden. Er sah so viel Unverständnis und wusste bereits innerlich, dass hier echt ne Menge Arbeit notwendig war um die ausgelassene Feier wieder herzustellen.

    "Wir stehen alle unter Druck. Manche können damit umgehen und manche explodieren halt."

    Der Schauspieler drehte sich um wollte schon losgehen ehe er sich nochmal umdrehte.

    "Oh... und bevor ichs vergesse..."

    Er blickte Eryn direkt an.

    "Ich stiefel jetzt schon seit 20 Jahren durch die Staaten und hab ein, zwei Mal gesehen was passiert. Wenn du das Gefühl bekommst, dass es zu viel wird... sag uns bitte Bescheid. Ich hab keinen Bock dich erschießen zu müssen. Eher fesseln wir dich und jagen dir ne Tonne Heilmittel in die Adern."

    Dann schaute er zu Haile die geknickt dem komischen Jungen hinterherschaute den sie im Dome befreit hatte. Er konnte die Reflektion in Ihren Augen sehen, das leichte schimmern von Tränen.
    Gott, er hasste es wenn Kinder weinen.

    "Und kann einer Haile bitte sagen, dass sie mal Arschbacken zusammen kneifen soll und sich den Bengel da hinten unterm Arm klemmen soll, als wäre er ne Pizzaschachtel? Mir lässt sie ja nur Baukräne auf den Kopf fallen anstatt zu reden."
    Er wartet noch kurz die Reaktionen aller ab, ehe er sich wieder umdrehte und in die selbe Richtung verschwand in die Léo verschwand.
    Er musste sie einfach noch erreichen bevor sie irgendwas wirklich Dummes abzog.

    **********

    Seine nackten Füße trugen ihn durch die Golfanlage. Er hatte keine Ahnung in welche Richtung Léo genau gegangen war. Doch er musste sie finden.
    Das erste Mal seit 20 beschissenen Jahren, dass er jemanden nicht loslassen wollte und die Person verpisste sich einfach.
    Das tapfen seiner panischen Schritte erfüllte die Nachtluft. Dieser Rucksack konnte doch nicht so schwer zu finden sein. Er war überall wo Léo war und jetzt echt nicht unauffällig.
    Das dichte Grün welches sich die Anlage zurückerobert hatte macht es schwerer als es sein musste. Doch als er das Klimpern von Kettengliedern hörte wusste er, dass er es geschafft hatte. Ganz in der Nähe.

    Er konnte sein Herz bis zum Hals schlagen hören. Hatte sie seine Nachricht bereits gelesen? Wenn ja, was dachte sie? Was fühlte sie? Was würde sie zu ihm sagen?
    Sein Kopf schwoll förmlich an wegen der Flut an Gedanken.

    Nur zögerlich näherte er sich dem Geräusch und umwand ein paar Bäume der Anlage. Dort saß sie.
    An einen Baum gelehnt, leise schluchzend und vollkommen aufgelöst.
    In einer Hand die Bibel, aus der immer noch die Kettenglieder schauten, leicht im Wind schaukelten und immer wieder aneinander stießen.

    Er wusste nicht wie er anfangen sollte.

    "Vielleicht einfach mal was sagen du Weichflöte?"
    "L... Léo. Endlich hab ich dich gefunden..."

    Geändert von Gendrek (12.11.2015 um 22:18 Uhr)

  18. #118
    Howard spürte, wie sich aus dem Dunkel neben ihm eine Gestalt schälte, da die großen Feuer der Vulture nur unzulänglich die große Fläche beleuchten konnten, doch er erschrak nicht, es war bekannt, dass Wingman die Leute von Shengs Hope, die glimpflich davon gekommen waren, zur Wache eingeteilt hatte. Er hörte ein leises Ächzen, als sich Morris neben ihm an den Baum plumpsen ließ, in der Hand hielt er ein improvisiertes Tablett das früher einmal ein Deckel eines Komposters aus Plastik gewesen sein musste, darauf befand sich etwas Fleisch, arg kross gebraten und damit wahrscheinlich aus dem Bestand der Vulture. Dazu eine aufgeschnittene und an den Rändern abgerundete Dose in der sich Wasser befand, daneben ein Tonbecher mit dem Agarvensaft, den die Wilden so gerne tranken.
    „Ich wusste ja nicht, wonach es dir gelüstet, Doc.“, grinste der Lebemann und hielt ihm das Tablett hin, wobei Howard durchaus erkennen konnte, dass jemand zumindest aus dem Tonbecher gerade getrunken hatte, augenscheinlich hatte sich Morris gerade an dem Getränk, dass er dem alten Arzt zugedacht hatte, selbst bedient. Er war einfach unverbesserlich.
    „Jedenfalls Danke, Howard, dass du dich um die Leute gekümmert hast.“, sagte er dann in die stille Dunkelheit hinein. „Den meisten scheint es nach einem Bad schon wieder deutlich besser zu gehen und einige Wenige haben die Hosen nicht komplett voll.“
    Er grinste, das war mehr zu hören als zu sehen.
    „Jedenfalls Danke, dass ihr den Umweg gemacht habt. Ich weiß mittlerweile, dass ihr das tatsächlich diskutiert habt, Hölle, das verstehe ich absolut, aber Danke, dass ihr zurück gekommen seid. Das war nicht unbedingt selbstverständlich.“

    ---

    „Wir warten.“, sagte Sheng entschlossen und nickte Hugh, der offensichtlich auf seine Antwort gewartet hatte, zu, da er es eilig hatte, Leo hinterher zu kommen.
    „Wenn wir es nicht schaffen, auf den Mann zu warten, der so Vieles für die Leute getan hat, dann haben wir morgen sowieso keine Chance auf einen Sieg. Und wahrscheinlich sollten wir uns so oder so ausruhen und die letzten Wunden ausheilen lassen…“, sagte er dann und klang zudem unglaublich müde. Er ließ sich neben Evi fallen und eine gewaltige Last fiel ihm von den Schultern, so schien es. Er senkte den Kopf auf ihre Schulter und gönnte sich einen Augenblick der Ruhe.

    Als er dann Hailes Blick fing, nickte er ihr aufmunternd zu, als wolle er damit sagen, dass auch er Hughs Idee für einen guten Ratschlag hielt.

    Geändert von Daen vom Clan (12.11.2015 um 22:58 Uhr)

  19. #119


    "Nah, er wird sich schon beruhigen. Ich musste da auch durch. Hat meine Maschine damals ganz schön gekübelt, aber die Gorillafrau ist halt so."
    "..."

    Kerosa und Haile starrten in die Richtung, in die Raoul verschwunden war. Leo hatte sich verpisst, und vorerst schien es wieder ruhiger zu werden am Feuer. Schwestern sind scheisse. Kerosa klopfte ihr auf die Schultern, was in ihrer Flamerider-Kommunikation schon das Maximum an Empathie darstellen dürfte. Auch Haile strich ihren Arm von der Schulter, was die Flameriderin achselzuckend registrierte und sich wieder an Thorn wand.

    Hinterherrennen oder nicht? Oder einen Umweg über Leo machen, ihr eine runterhauen, und dann hinterherrennen?

    "Und kann einer Haile bitte sagen, dass sie mal Arschbacken zusammen kneifen soll und sich den Bengel da hinten unterm Arm klemmen soll, als wäre er 'ne Pizzaschachtel? Mir lässt sie ja nur Baukräne auf den Kopf fallen, anstatt zu reden."

    Ja, danke, alter Mann. Aber auch Sheng schien diese Idee für nicht die allerschlechteste zu halten. Er nickte ihr aus der Ferne zu. Plötzlich stand Thorn neben ihr, eine weiche, gewebte Decke in der Hand und so viel Freundschaft und Kameradschaft in den Augen. Auch er nickte ihr zu und legte dem Kultistenmädchen den Stoff um die Schultern.

    Das war so schwer.
    So fucking schwer.
    Die ganze Reise über hatte Haile immer etwas zu tun, was sie konnte.

    Kräne. Zombies. Brennende Ölfelder. Irgendwas.

    Aber das war kein Kampf gegen einen Zombrilla oder gegen Zombiehorden im Alamodome. Auch wenn sie das gerade tausendmal gegen diese Scheisse eintauschen würde.

    Okay.
    Einatmen.
    Ausatmen.

    Morgen ist alles vorbei.




    Dieses mal war es Haile, die einige Meter von ihm entfernt stehen blieb. Unsicher. Verletzlich. Toll. Von allen Leuten, die für sowas nicht gerüstet sind, musste ausgerechnet sie hier stehen. Raoul sah sie nicht an, als er leise anfing zu reden.

    "Es wird langsam zur Angewohnheit, dass du mich retten willst."
    "..."
    "Aber das isses nicht wert. Wenn selbst diese Frau ... Leo ... in mir nur das Schlechteste sieht, dann ist da wohl auch nicht so viel mehr."
    "..."

    Niemand lässt mich meine gottverdammten eigenen Entscheidungen treffen.

    Er hatte sich direkt an einem der kleinen Seen niedergelassen, hatte die Zehen ins Wasser getaucht und war fast nicht zu sehen, weil er sich selbst so klein machte.

    Hailes Stolz war angekratzt. Nein, falsch, er war nicht angekratzt, er war in Stücke getreten. Sie schwankte zwischen "Hingehen-und-umarmen-und-abgewiesen-werden" und "Weggehen-und-für-immer-und-ewig-allein-sein.". Momentan schien selbst der Gang zu Georgina eine attraktive Alternative. Sie hatte keine Ahnung, wie Raoul - der erste Mensch, mit dem das Sprechen so EINFACH schien - reagieren würde. Was er wollte. Was er brauchte.

    "..."
    "Es ist egal, was ich tue. Es ist falsch."
    "..."

    Er ließ den Kopf auf seine Knie sinken und Haile konnte nur hören, wie er schwer atmete...schluchzte? Okay. Langsam, vorsichtig, fast schwebend näherte sie sich seiner zusammengesunkenen Form. Mit der Decke über den Schultern kniete sie sich hinter ihn und schlang ihre Arme um seinen Körper, drückte ihren Kopf an seine Schulterblätter und bedeckte so sie beide mit der Vulture-Decke.

    Okay.
    Einatmen.
    Ausatmen.

    Geändert von Caro (12.11.2015 um 23:28 Uhr)

  20. #120
    Evi focht in ihrem Kopf einen ganz eigenen Kampf aus. Sie bebte innerlich und führte ein Gespräch, das es nicht gab. Sie ging durch, was sie zu Léo gesagt hätte, wenn Sheng sie nicht ruhig gehalten hätte und Eryn nicht im ersten Moment aufgesprungen gewesen wäre. Und sie malte sich aus, was sie Jackman entgegen gebrüllt hätte, als er ihre Freundin, die sämtliche Kräfte mit ihrer Ansage aufgebraucht hatte, so blöd anging.
    Aber nichts davon war wirklich geschehen. "Setz dich, Eryn.", zischte Evi stattdessen und unterdrückte mit aller Kraft ihre aufgeflammte Wut. Sie war dankbar, dass jemand sich sofort berufen gefühlt hatte, Léo entgegen zu treten, weil sie so einen Streit nach wie vor selbst nur schlecht verkraftete. Aber nun bereute sie es, nicht selbst aufgestanden zu sein. Eryn wirkte, als als wollte sie immer noch etwas sagen und ein feuriges Wortgefecht führen wollen - vielleicht sogar jemandem die Augen auskratzen, aber sie konnte einfach nicht mehr.
    Als schließlich Raoul wegrannte, sah Evi in Hailes Augen einen Ausdruck, den sie noch nie bei ihr gesehen hatte, und der in ihr alles zusammenzog. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, sie wirkte hilflos. Ausgerechnet sie.
    Daraufhin verstummten Evis Gedanken völlig und sie wusste augenblicklich, dass sie kein Wort herausbringen würde. Sie fühlte sich wie damals, als entschieden werden sollte, ob es zum Alamodome gehen sollte oder nicht. Irgendetwas zerbrach gerade.

    Aber es war nicht die Gruppe, die fast mit geballter Einigkeit Unverständnis für die Situation zeigte, es war Léo selbst.
    Shengs Worte beruhigten die Taucherin und sie stellte beeindruckt fest, dass sie niemals die Stärke besessen hätte, der Latina so gegenüberzutreten. Gefasst, freundlich, mit unerschütterlichem Glauben. Der Mann, den sie liebte, in seiner reinsten Form.
    Aber Léo war völlig anders, für sie war offenbar alles Gift, was er sagte. Es war so unverschämt, so unfair, dass sie hier durchdrehte und dann die Frechheit besaß, ihnen vorzuwerfen, sie würde ihnen nichts bedeuten. Sie hatte ja keine Ahnung.
    ...Sie hatte keine Ahnung...
    ...Sie hatte wirklich keine Ahnung.

    Wann hatte ihr jemand zuletzt gesagt, dass sie ihm etwas bedeutete?

    Evi hörte gar nicht genau, was Jackman genau sagte, aber jede Geste seines Körpers drückte aus, dass Léo ihm etwas bedeutete. Und er war nicht der einzige. Die Taucherin griff wie selbstverständlich an ihre Brusttasche, wo sie den Gorillazahn aufbewahrte, aber sie hatte die Jacke gar nicht an. Sie lag irgendwo auf dieser Anhöhe, gemeinsam mit Voodoos Decke. Irgendwann musste sie sie holen.
    "Wir warten. Wenn wir es nicht schaffen, auf den Mann zu warten, der so Vieles für die Leute getan hat, dann haben wir morgen sowieso keine Chance auf einen Sieg. Und wahrscheinlich sollten wir uns so oder so ausruhen und die letzten Wunden ausheilen lassen."
    Sheng lehnte sich an ihre Schulter und schien tief durchzuatmen. Er wirkte müde.
    "Du hast nichts falsch gemacht.", sagte Evi, obwohl sie spürte, dass er das wusste. "Sie ist einfach... anders. Ich persönlich habe mich bei denen Worten ja gleich nochmal in dich verliebt, also kann ich wohl froh sein, dass sie anders ist." Sie brachte ein Lachen zu Stande.
    "Das wird schon wieder." Dies sagte sie mehr zu sich selbst, als zu irgendjemand anderem und dabei starrte sie nervös in die Richtung, in die Jackman verschwunden war.
    Es durfte nicht sein, dass dies das Letzte war, was sie vor der Schlacht von Léo gehört hatte. Und das Schweigen und der wütende Blick durften nicht das Letzte sein, was Léo vor der Schlacht von ihr gesehen hatte.

    Hoffentlich konnte Hugh sie zurückholen. Vielleicht würde es dann immer noch Streit geben, vielleicht würden die Latina und Evi sich anfauchen und anbrüllen, aber das war in Ordnung. Sie würde ihrer Stammesschwester schon irgendwie zu verstehen geben, dass sie sie mochten. Dass sie dazugehörte.
    Denn so war es mit großen Geschwistern doch, oder nicht? Sie waren gemein, nervten und man wünschte ihnen die Pest an den Hals. Aber am Ende des Tages waren sie immer noch Familie.

    Geändert von Lynx (13.11.2015 um 08:54 Uhr)

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