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Thema: [ZOOOOOmmxBIES! Staffel 3] Zwischenspiel/Vorbereitung: Nearer to thee, Mother Earth

  1. #41
    Da war es. Ganz klein und nicht besonders stabil, aber es war da. Das, was Sheng ausmachte. Das, was sie am meisten an ihm liebte. Jetzt musste sie es nur festhalten und bewahren, damit es nicht mehr weggehen konnte.
    "… du hast… Besseres verdient.“
    Es hörte sich mehr wie ein leises Echo an als Worte, die wirklich aus seinem Mund kamen, aber sie hatte es gehört. Und nun schien die sanfte Brise, die ihr von hinten über den Kopf strich, sämtliche Zweifel und Sorgen mit sich fortzutragen. Plötzlich fühlte sie sich stark und mutig und vor allem bereit, nichts mehr zurückzuhalten.

    "Du bist der beste Mensch, den ich kenne, ganz ehrlich. Ich finde du hast gar keinen Fehler gemacht, aber wenn du darauf bestehst, dann habe ich dazu auch was zu sagen. Ich habe ja jetzt so einiges an Erfahrung mit Anführern gesammelt.", begann Evi lächelnd.
    "Die Anführerin von den Vultures, Jackman - also Lancaster -, und ich zähle jetzt einfach mal Enigma dazu, obwohl er eigentlich auch nur Befehle ausführte, aber er hatte trotzdem den Respekt seiner Leute und... wie auch immer." Sie grinste bei der Erinnerung an die Leute, die sie getroffen hatte und fühlte sich noch besser. Alles, was sie erlebt hatte, hatte sie ein bisschen auch für diesen Moment gerüstet, und sie war dankbar für all die Erfahrungen.
    "Sie alle haben irgendwann einmal Fehler gemacht. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was Jackman sich schon alles anhören musste. Aber am Ende war ihnen die Treue ihrer Leute sicher, weil sie zu dem gestanden sind, was sie entschieden, getan oder nicht getan haben. Wenn du mich fragst, dann sehen dir die Menschen nicht mehr in die Augen, weil du sie auch nicht ansehen willst. Sie erwarten gar nicht, dass du etwas rückgängig machen kannst und sie wollen dir gar nicht vorwerfen, dass du keine Ahnung hattest. Sie wollen bloß irgendetwas. Wenn du dich dem stellst, was passiert ist, dann können sie das auch. Ich sagte doch, du verbreitest Hoffnung, das war schon immer so, und wenn du das nicht mehr kannst, wo sollen sie dann anfangen?"
    Sheng sah Evi zweifelnd an und sie nickte ermunternd.
    Eine Weile lang hörten sie nur das Glucksen der Seen und vielleicht irgendwo entfernt Stimmen der anderen, die hier in dieser Idylle aber eher wie eine leise Melodie klangen.

    "Ich weiß nicht was du alles mitbekommen hast, aber als ich auf den Kran geklettert bin, um dich zu holen, da ist Wingman völlig durchgedreht. Ich dachte erst er wollte mich davon abhalten, dir zu helfen, aber inzwischen weiß ich, dass ich falsch lag. Er hat dauernd gerufen 'Hört nicht auf ihn!' und wollte mir sogar nach." Sie imitierte Wingmans Stimme, was ziemlich erbärmlich klang, aber immerhin brachte sie Sheng zum Lachen. Festhalten und bewahren.
    "Jedenfalls wusste er wahrscheinlich, worum du mich bitten würdest. Er wollte dafür sorgen, dass dir nichts passiert und dich am liebsten selbst von da runter holen. Und wenn Wingman, also wirklich unser panischer Wingman - du kennst ihn doch - nach alledem zu dir steht, dann ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass du dir zu viel selbst Schuld gibst."

    Evi drehte sich nun so zu ihm, dass sie ihn direkt ansehen konnte. Ihre Haare tanzten vom Wind wild durch ihr Gesicht, aber sie strahlte Sheng voller Wärme an.
    "Das mit Wingman erzähle ich dir nur, weil es ja sein kann, dass das was ich sage dir wie hohle Phrasen vorkommt. Ich meine es ernst, aber ich weiß nicht, ob es auch so rüberkommt. Ich bin ja wahrscheinlich nicht gerade die objektivste Person, wenn es um dich geht. Immerhin bin ich so schrecklich verliebt in dich, dass ich lieber gestorben wäre, als in einer Welt ohne dich zu leben."

  2. #42
    Sheng atmete laut aus und ließ die Zehen im warmen Wasser des Sees wackeln.
    Dann blickte er sie lange an und seine Skepsis, sein Unglauben, sein Unwillen und die eingefallenen, eingerammten Tore seiner Gedanken, die ihn Versager schimpften, mussten kapitulieren.
    Evi sah, wie sich mehr und mehr etwas vom alten Sheng zurück stahl, erst eine gewisse Entschlossenheit, die sich in seiner Körperspannung ausdrückte, dann ein Lächeln und schließlich sein in die Ferne gerichteter Blick, der wie stets aussagte, dass er an einer Rede feilte.

    "Du meinst...", sagte er dann. "Wenn ich da jetzt hinaus gehe und zur Menge spreche, dann werden sie mich nicht zerreissen?"
    "Auf keinen Fall.", sagte Evi bestimmt.
    "Und wenn ich sie auf unseren letzten, gemeinsamen Kampf einschwöre, dann werden sie nicht weglaufen?"
    "Im Gegenteil.", sagte sie verschmitzt, erst jetzt realisierend, dass er während seiner Fragen mit dem Kopf immer näher an ihr Gesicht herangekommen war - ebenso wie sie an das Seine.
    "Und wenn ich nun..." Seine Stimme war nur mehr ein aufgeregtes Flüstern... "...dich küssen würde, dann wäre das von Erfolg gekrönt...?"
    "Nur einen Weg, das herauszufinden...", wisperte Evi, schloß die Augen und liebte das Gefühl ihres schlagenden Herzens in ihrer Brust, die Aufregung, das Adrenalin und die pure Lebensfreude, die durch ihren Körper jagte, einen Herzschlag lang, dann noch einen, dann noch einen... und noch einen?
    Der Kuss kam nicht.
    Sie öffnete verwundert die Augen und sah sein Gesicht direkt vor dem ihren, die Augen nach links und rechts wandernd.
    "Worauf wartest du?", wisperte sie, ihren Atem in seinen Mund hauchend, so nah waren sie sich schon.
    "Auf die Unterbrechung, die jetzt eigentlich kommen muss.", grinste er vorsichtig und flüsterte: "Wingman, Haile, geflügelte Kultis...."
    "Trottel.", schimpfte Evi im Scherz, griff in seinen Nacken und zog ihn zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss heran, der sie Beide niedersinken ließ auf das weiche Gras...

  3. #43
    Eryn zog den alten Mann mit der Hand, die sie ihm angeboten hatte, hoch, um dafür zu sorgen, dass er wieder aufrecht stand.
    "Es muss niemandem Leid tun, außer den scheiß Zombies und den scheiß Kultisten. Sie sind verantwortlich dafür, was passiert ist. Sie haben dafür gebüßt und werden das auch noch ein weiteres Mal tun , bis wir endlich dafür sorgen können, dass es ein für alle Mal vorbei ist."

    Sie beruhigte sich, wie es Henry auch tat. "Das ist ein schwacher Trost, aber wir beide wissen, dass Will nicht gegangen ist, ohne Spuren zu hinterlassen. Mir hat er nicht nur das Leben gerettet - wie vielen anderen -, sondern mich auch zu einem besseren Menschen gemacht. "

    Die Barfrau hatte Probleme damit, die Tränen zurückzuhalten. Dieser Mann, so aggressiv er auch gewesen ist, trauerte um einen Menschen, um den sie trauerte. Und wenn sie auch nicht verstand, wie es sein konnte, so war doch sicher, dass er Will nicht nur ehrlich geliebt, sondern ihn auch zu dem gemacht hatte, der er war. "Ich bedauere, Ihren Sohn nicht so gut gekannt zu haben wie sie und ich bedauere, dass sie mit seinem Tod konfrontiert werden. Aber ich kann dafür garantieren, dass in den letzten Sekunden seines Lebens mindestens ein Mensch an seiner Seite war, dem er unsagbar viel bedeutete."

    Die freie Hand legte sie sich in das eigene Gesicht, um die anfänglichen Tränen aus den Augen zu wischen. "So, genug Trübsal für's Erste. Ich muss bald wieder kämpfen. Wir werden eine ausgiebige Trauerfeier ausrichten, wenn alles vorbei ist. Aber jetzt... stärken wir uns erst ein mal. Das tut mir Leid, aber sie sehen echt nicht gut aus." Eryn verließ sich darauf, dass der Vater ihres umgekommenen Beschützers ihr folgte, ging einfach vor, in Richtung der Vorräte.

    Sie selbst hatte Hunger. Fast quälenden Hunger, noch dazu immer mehr auf Fleisch...

  4. #44


    Unzählige Augen. Unzählige müde Augen. Unzählige wütende Augen. Sie alle fixierten Haile mit ihren Blicken, während Kerosa auf der einen Seite von ihr ihre Muskeln spielen ließ und Raoul sich im Hintergrund hielt. Sie spürte seine Hand an ihrem Rücken, aber es half nichts. Tränen stiegen in ihren Augen auf. All diese Menschen. So viele gute Menschen.

    "..."

    Sie öffnete ihren Mund vorsichtig, aber es kamen keine Worte heraus. Sie konnte einfach nicht. Es war...wie damals. Wie damals, als sie in die Siedlung kam.

    "Hexe!"
    "Mörderin!"
    "Verdammte Kultistin!"


    Nein. Nein, sie hatten Recht. Sie alle hatten alle Recht. Haile riss sich von Raoul los und rannte los, über die Wiese, vorbei an Howard und Sara, die gerade einem Kind den Arm verbanden, vorbei an Eryn und Henry, die gemeinsam auf dem Boden knieten und ihr verwundert hinterhersahen. Vorbei an einem großen Busch mit hellen, lavendelfarbenen Blüten, zu einem kleinen Teich, an dessen Rand sie sich schluchzend fallen ließ. Da war es wieder. Raoul konnte es weglächeln, Sheng die Zweifel aus ihr drücken, aber das war der Beweis. Normale Menschen und Siedler wollten sie nicht. Wussten, was unter der Fassade steckte.

    "..."

    Sie war schon dabei, ihre Route zu planen, um vor Georgina am Forschungszentrum zu sein und sich ihrer Schwester allein zu stellen, wie es sein sollte, als sie Schritte von hinten hörte.

    Wingman. Von allen Leuten Wingman. Etwas unbeholfen patschte er Haile an die Schulter und beugte sich herunter zu ihr.

    "Kind. Ich weiß nicht, was Sheng damals an dir gefunden hat. Ich habe ihn für verrückt erklärt."

    Danke. das hab ich jetzt gebraucht.

    "Aber...wie immer wurde mein Vertrauen in ihn belohnt. Du bist keine von denen. Ich habe gehört, was du getan hast. Lancaster, Evi, mich, so ein Typ namens Jakal, diese Göre von den Flameridern...Scheiße, was weiß ich, wie viele Leute du gerettet hast. Du bist etwas besonderes, und Sheng hat es erkannt. Wir sind zu diesem Tempel oder wie auch immer gegangen, nachdem wir von Georgina so ÜBERAUS freundlich darauf hingewiesen wurden."

    Er spuckte kurz auf den Grasboden und ließ sich mit knackenden Knochen neben Haile nieder.

    "Wir haben denen so richtig die Hölle unter dem Arsch heiß gemacht. Von der scheiss Kirche standen nur noch die Grundmauern, um uns herum die Leichen und Reste dieser verdammten Kultisten. Und mittendrin du. Du hast nie ein Wort gesagt. Einfach nur geschaut. Mit diesen verdammten Augen. Sheng hat dich in seine Jacke gepackt und mitgenommen. Ich habe keine Ahnung, warum. Aber ich habe ihm vertraut. Und das hat sich bisher immer ausgezahlt, Kind."
    "..."
    "Die Reise zurück war so lang. Du warst mit Sheng auf seinem Pferd, hast kaum geblinzelt und keinen Ton von dir gegeben. Als würde es dich gar nicht geben. Wie alt warst du da? 12? 13?"
    "..."
    "Du warst so lange bei uns, aber ich habe dich nie gesehen. du warst immer in diesem verdammten Schiff. Aber Sheng hat an dich geglaubt. Und mit den Jahren...mit den Jahren wurdest du zu der Person, die du jetzt bist. Oder was weiß ich, vielleicht warst du das schon immer."
    "..."
    "Ich weiß, das tröstet dich nicht, und ich weiß auch nicht, was du erwartet hast, aber ich weiß eines...dieses Kind, das Sheng aus den rauchenden Trümmern gezogen, dieses Kind ist ein wunderbarer Mensch, der uns alle retten wird."
    "..."
    "Weil Sheng immer Recht hat."
    "...!"

    Wingman verschränkte die Arme und klopfte Haile nochmal auf die Schulter. Ächzend stand er wieder auf, streckte sich kurz und hielt ihr dann eine Hand hin.

    "Komm, du musst was essen. Und ich muss zusehen, dass diese Flameriderin nicht noch mehr Schaden anrichtet, was sagst du?"

    Haile griff nach seiner Hand.

  5. #45


    Wingman schnaubte kurz und als er ihr hoch geholfen hatte, legte er beide Hände auf ihre Schultern und tat so, als würde er links und rechts Schmutz von den Schultern putzen.
    „Mir egal was die Leute sagen und denken. Du hast mein Leben gerettet und mich von diesem Pfahl geholt.“ Und damit salutierte er vor ihr. Korrekt, in perfekter Ausführung und nur für sie alleine, auch wenn sie eine solche Geste an ihm noch niemals gesehen hatte.

    „Versuchen wir von dem undankbaren Bewohnern zu retten was deine kleine verrückte Plündererfreundin von ihnen über gelassen hat.“, knurrte er und stapfte voran, Haile sah, das er dem Impuls widerstand, nach ihrer Hand zu greifen und sie mit sich mit zu ziehen.

    „Ihr verfickten Flachwichser! In euren Garagen wurde so lange nicht mehr geparkt, dass ihr so untervögelt seid, dass ihr sogar einen Tankstutzen benutzen würdet! DER BRENNT!“, hörten sie schon von Weitem die Stimme von Kerosa, die spöttisch lachend an ihnen Beiden vorbei gerannt kam, mit Raoul im Schlepptau, der sich zu einem launigen „Genau!“ hinreissen hatte lassen und nun unter den wütenden Schreien der Bewohner von Shengs Hope in ihre Richtung rannten.
    „Ha, Siedler foppen ist fast so lustig wie ihnen in Fahrzeug und Lunge die Luft rauszulassen“, lachte Kerosa, auch wenn sie gerade ein Stein am Rücken traf und sie keuchend in die Knie ging.
    „Das endet jetzt.“, sagte Wingman entschlossen und in diesem Moment tauchte Sheng auf – der wie ausgewechselt schien.
    Er lächelte, er strahlte und hinter ihm war Evi erschienen, die offensichtlich der Grund dafür war. Der Blick, mit dem der ehemalige Pilot sie ansah, war Bewunderung und Dankbarkeit.

    „Bewohner von Shengs Hope!“, brüllte der Bürgermeister in den wilden und unruhigen Tumult hinein.
    Die Menge, aufgestachelt von den üblichen Unzufriedenen, ließ die wütenden Fäuste und wurfbereiten Steine sinken und blickte wütend in die Richtung der kleinen Gruppe.
    Sheng, der sich vor den drei Außenseitern postiert hatte, an seiner linken Seite Evi und rechts von ihm Wingman, der nun seine Hand auf die Schulter von Haile legte, sanft und ihr Kraft gebend.

    „Als der Sarg in unserer Heimat aufgetaucht ist, hat die Welt begonnen, nach Shengs Hope zu blicken.
    Eine kleine Welt nur, mit kleinem Radius.
    Keiner von uns hat um diese Aufgabe gebeten, nicht einmal Wingman, der diese Aufgabe schon länger in seinem Herzen trug als jeder von uns.
    Doch Adam und der Sarg sind aufgetaucht, wurden vom Schicksal an unsere Küste gespült und zum ersten Mal in unserem Leben hatten wir eine Waffe gegen unsere Feinde.
    SO dachten wir. In WAFFEN!
    Und jetzt sind wir dem Ziel so nahe und das EINZIGE, das ich sehe, ist, dass ihr NUR Waffen in den Händen haltet. Steine, um sie zu werfen, Knüppel, um Knochen zu brechen. Denkt ihr wirklich, wir gewinnen diese Schlacht alleine mit Waffen?“

    Er brüllte nun, wütend und mit einem Feuer, das noch nie Jemand an ihm gesehen hatte. Zorneslodern stand in seinem Blick, als er seinen Blick über die Menge schweifen ließ.


    „Wenn die Seite gewinnt, die mehr Waffen ins Feld tragen kann, dann können wir uns sofort und in diesem Moment ergeben und auf Knien die Zähne der Untoten empfangen!“
    Und damit schnappte er sich einen der alten Bauern, die unter Talia gearbeitet hatte und drückte den verdatterten Mann nach unten. „Da Jonathan, du hast nur Waffen, du kannst dich gleich ergeben.“
    Während Jonathan ihn mit offenen Mund anblickte und die Steine in seiner Hand fallen lassen musste, um wieder aufzustehen, ging Sheng weiter, ging die Reihen der Bürger ab und er sah, wie immer mehr aus den Zelten herbeiströmten und ihm zuhörten, die Blicke schweifen ließen.
    Dann waren Sara, Talia und Morris da, die sich wie selbstverständlich auf die Seite von Sheng stellten, Morris rieb sich dabei sogar fröhlich die Hände und raunte leise, obschon klar war, dass er keine Ahnung hatte, worum es ging, ein lautes: „Alles was dieser Mann sagt, ist wahr.


    „Die Kultisten haben nur eine einzige Waffe – und das ist ihre endlose Zahl. Ihre einzige Stärke sind ihre geschliffenen Waffen. Ein Soldat wie Wingman würde wissen, dass wir diesen Kampf nicht gewinnen können und doch ist er hier. "

    Als ob sie sich abgesprochen hätten, zeigten sie, wozu ein gutes, jahrelanges Team in der Lage war, denn Wingman, der sonst nie zu großen Mengen gesprochen hatte, ergriff das Wort.
    „Alles was ich über Kultisten wirklich weiß, weiß ich von diesem Mädchen hier. Und ich lerne noch immer jeden Tag dazu. Der Feind will uns mit Stärke in die Knie zwingen, aber ihren untoten Seelen, ihren dämlichen Fressen, ihren Anführern und jedem einzelnen Fußsoldaten fehlt etwas, das wir haben: Familien, für die wir kämpfen. Hoffnung und Glauben. Wir wissen, dass wir das Richtige tun und wir wissen, dass die ganze Welt auf uns zählt.“

    Sheng ergriff wieder das Wort. „All das hat Haile. Sie könnte nicht weniger Kultist sein. Dieses Mädchen ist die wahre Essenz von Shengs Hope, die Seele und die Botschaft unserer Siedlung. Der Ort, an dem jeder, der bereit ist, für die Gemeinschaft zu arbeiten, willkommen ist!“
    Er packte nun einen der Scavenger am den Schultern, einen pockennarbigen Kerl, der verdutzt drein blickte. Barry, du bist gesund und hast dich nicht gemeldet für diese Reise. Haile TAT es.“ Er ging weiter. Floris, du hast ein wirklich gutes Auge für Gewehre und bist unschlagbar mit dem Jagdgewehr – du hast dich nicht gemeldet. HAILE gingegen schon!“

    Die beiden Angesprochenen blickten zu Boden. Und Sheng fuhr fort: „Schaut sie euch an, schaut dem Mädchen in die Augen! Da ist nicht der geringste Vorwurf drin. Seht Frank an, schaut in Howards Augen, in die Augen von Eryn. NIEMAND verurteilt euch dafür, dass ihr hiergeblieben seid um in der Siedlung zu bleiben! WIE können wir dann DIE verurteilen, die gegangen sind, uns alle zu retten?“

    Er wurde leise und wusste, dass nun fast alle versammelt waren.
    „Denn die Wahrheit ist, dass nicht WIR sie gerettet haben. Sie haben uns gerettet. Sie haben nicht nur die Mission für uns begonnen, sie haben sie auch vergessen, um uns aus den Klauen zu befreien. Es gibt keinen anderen Weg, keine mächtigere Idee oder Tat, Liebe zu zeigen. Die Liebe Hailes zu uns, die Treue von Frank, die Stärke der Reisenden, ihr Mut und ihre Tapferkeit – das sind Geschenke von ihnen an uns. Und jeder der etwas Anderes sieht, Jeder der etwas Anderes denkt, der ist für uns für den kommenden Kampf nicht von Nutzen. Der ist besser beraten, sein Heil in der Flucht zu suchen und sich in Sicherheit zu bringen.“


    Er nickte bestimmt und blickte die Umstehenden an, die sich peinlich berührt und ihre Blicke schamhaft abwandten, obschon einige den Mut fanden, Haile offen in die Augen zu blicken als wollten sie ihr damit eine Entschuldigung symbolisieren.
    „Gut gesprochen, Sheng.“, schnarrte dann Jonathan und legte seine Flinte auf seine Schulter, dann spuckte er aus. „Trotzdem werden wir mit Mut und großen Worten alleine nicht gewinnen können.“




    „Tun wir auch nicht.“, war es mit schneidender Präzision zu hören und eine Gestalt schob sich an Sheng, Haile, Evi und der kleinen Truppe vorbei.
    Dort stand Ranger!
    Komplett nassgeschwitzt und keuchend. Mit Verbänden, Sonnenbrand und frischen Wunden übersät.

    „Ich dachte, ich tu mal was für euch alle.“, grinste Ranger und sank auf die Knie, um Atem zu schöpfen.
    Und aus dem Gebüsch, dem Dickicht, den Hecken schälten sich Reiter, fast hundert Stück und nochmal so viele zu Fuß.
    Angetan mit Lanzen und Bögen, kunstvolles Federgezier auf den Köpfen und an der Kleidung, wilde Tättowierungen auf der Haut und krude Metallsplitter an sicherlich schmerzhaften Stellen.

    Die Wildeste von ihnen, flankiert von einem Riesen und einem graubärtigen Mann, ritt ein paar Schritte nach vorne, grinste Evi an und ließ ihren Blick dann über die Menge schweifen, die samt und sonders mit offenen Mündern und blankem Entsetzen in den Augen dastand.
    „Ein bisschen blutleer, die Hope’Ari, so auf den ersten Blick. Aber ich will nie wieder die Flügel spreizen, wenn mein Clan sich an eurer Seite nicht in die Schlacht werfen würde.“, sagte Seeker Vulture und bleckte vor irrer Vorfreude die Zähne, während Prey und Voodoo neben ihr grinsten.

    „Ich glaube, mir ist grade ne Gasgranate in der Musch explodiert…“, sagte die vollkommen fassungslose Kerosa in die absolute Stille hinein, als sich Siedler und Plünderer in riesiger Zahl gegenüberstanden und sich nur Augenblicke danach mit neuem Mut anblickten…

    Geändert von Daen vom Clan (06.11.2015 um 19:48 Uhr)

  6. #46
    Als Rangers Stimme fast direkt hinter ihnen erklang, erschrak Evi und dachte in einem ersten Impuls, dass ein Feind an sie herangekommen war. Sie hatte diese Stimme so lange nicht gehört, dass sie sie beinahe vergessen hatte. Wann hatte der Kerl sich nochmal abgespalten?
    Es war eigentlich völlig egal, denn das Wichtigste war, dass sie hier waren.

    "Hey!", rief Evi und hob winkend die Arme, nachdem auch sie einen kurzen Moment gebraucht hatte, um all das zu realisieren und Kerosa die Stille so "charmant" durchbrochen hatte. Sie hüpfte von einem Bein auf das andere. "Voodoo! Pray! Huhu!!" Die Taucherin war nun nicht mehr zu halten und sie nahm Sheng an der Hand, um ihn die paar Schritte zu Seeker und den anderen zu ziehen. Sie nickte der Anführerin leicht und respektvoll zu, die ihren Blick erwiderte, mit den Augen dann aber die Siedler abtastete. Bestimmt suchte sie nach "Laangkaster" und dem "Affenmädchen". Wo waren die eigentlich?
    "Ich kann nicht fassen, dass ihr hergekommen seid!", richtete sie sich überglücklich an Voodoo, der sie angrinste und von seinem Pferd abstieg. Sie musste ihre ganze Stärke aufbringen, um ihm nicht um den Hals zu fallen. Sie war so unfassbar glücklich. Den Hauptanteil daran trug immer noch Sheng, aber das hier war einfach die Krönung. Sie legte dem großen Mann vor sich eine Hand auf die Schulter. "Ich wünschte Needles könnte hier sein und das sehen." Tränen standen ihr in den Augen, als sie ihn anstrahlte.

    "Teeth.", schnarrte die Stimme von Seeker, die sich nun vorerst wohl damit abgefunden hatte, Léo und Jackman nicht vorzufinden. Die Anführerin sah Evi mit hochgezogenen Augenbrauen fragend an und deutete mit einem leichten Nicken auf Sheng.
    "Oh." Die Taucherin lächelte verlegen und wandte sich an den Bürgermeister. "Sheng, das ist Seeker, die Anführerin der Road Vultures, von der ich dir ja schon kurz-" Ein kurzer Seitenblick "...ich meine natürlich, sehr ausführlich und ausschweifend erzählt habe. Und Seeker, das ist Sheng, unser..."
    Oh Mist. Es könnte etwas verstörend wirken, wenn sie plötzlich mit einem anderen Anführer daher kam als Jackman. Mal davon abgesehen, dass noch nicht soo eindeutig geklärt war, dass sie genau genommen kein richtiger Clan waren. Und selbst wenn, Sheng wusste ja nicht einmal richtig davon - nur so viel, wie sie im Rahmen von Hailes Heldentaten erzählt hatte.
    "Er ist der Anführer der Siedlung, zu der wir gehört haben, bevor wir zu den Hope'Ari wurden." Das war ja nicht einmal eine Lüge. Evi wusste auch nicht, was Ranger erzählt hatte oder erzählen hatte können - wie gesagt, sie war nicht mal sicher wann er abgehauen war - deshalb wollte sie erst einmal nichts Genaueres dazu sagen.

    Während Sheng und Seeker sich musterten, drehte Evi Voodo den Rücken zu. "Sieh mal,", sagte sie aufgeregt und hob ihre Weste und das Tanktop an ihrem Rücken hoch. "Ist es sehr verblasst?"

    Geändert von Lynx (07.11.2015 um 10:49 Uhr)

  7. #47
    Der Boden hier war recht weich, das mache das Graben einfach und es ging schnell. Um sicherzugehen dass Mary ohne Störung würde ruhen können, machte Frank das Grab noch ein klein wenig tiefer als es notwendig gewesen wäre. So war die Wahrscheinlichkeit noch einmal etwas geringer, dass ihren Überresten etwas zustoßen würde. Immerhin war bei ihr so oder so sicher, dass nichts von ihr wieder zurück kommen würde. Das war das schrecklichste an den Anfangstagen gewesen als man noch nicht viel wusste. Wenn die Toten, teils Freunde und Familienangehörigen wieder als Zombies zurück kamen.
    Noch im Grab stehend begutachtete er sein Werk als er meinte fertig zu sein und nickte dann langsam, als er es für gut gefand. Es war ein schönes fleckchen Erde und gut als letzte Ruhestätte geeignet, auch wenn es schade war, dass Mary einer letzten Ruhestätte überhaupt bedurfte. Er wollte gerade aus dem Grab steigen um Mary zu holen, als er schon Sarah sah, wie sie, mit Mary in den Armen, auf das Grab zu kam. Hier hast du sie. sagte sie mit leiser Stimme und nachdenklichem Gesichtsausdruck als Frank das Mädchen entgegen nahm und als Zeichen der Dankbarkeit nickte. Nachdem sie mich gerettet hat und dafür ihr Leben gegeben hat, schulde ich ihr zumindest meine Anwesenheit auf ihrer Beerdigung. fügte sie hinzu, als Frank Mary ins Grab legte.
    Dann stieg Frank aus dem Grab heraus und nahm die Schaufel. Ich bin mir sicher, dass sie das zu schätzen wissen würde. Sie hatte es mit einigen der anderen nicht ganz leicht gehabt. Meinungsverschiedenheiten, du kennst das ja aber sie war nicht nachtragend. Ganz am Ende meinte sie sogar, besagte personen sollen nicht mehr böse auf sie sein. erklärte Frank dankbar, als er begann das Grab wieder zuzuschütten.

    Schließlich war das Grab fertig und Frank und Sarah standen noch für einen Moment schweigend am Rand des frischen Grabes, als Sheng zu sprechen begann, der sich augenscheinlich aus seiner Schweigsamkeit und offensichtlichen Verzweiflung gelöst hatte und nun wie verwandelt wirkte. Er wirkte wieder genau wie jener Sheng, der In Shengs Hope die Abschiedsrede gehalten hatte. Er war wieder er selbst geworden und für einen Moment musste er auch an Shengs bereits vorbereitete Rede denken, deren Anfang sie gefunden hatten.
    Das wirklich Große Ding am Ende war dann jedoch nicht Shengs Rede, die Zweifelsohne die Feindseeligkeit gegenüber Haile beendete und auch wieder Mut in den Herzen der Menschen entfachte. Die größte Überraschung waren Ranger und die Vultures, die scheinbar aus dem nichts aufgetaucht waren. Er war für den Moment zu überrascht um etwas zu sagen aber die Vultures waren zweifelsohne zur richtigen Zeit gekommen. Sie konnten jeden einzelnen gebrauchen wenn sie ihre Mission erfüllen wollten.

    Geändert von wusch (07.11.2015 um 10:51 Uhr)

  8. #48
    Während Shengs Rede wurde Haile einerseits immer wärmer ums Herz, aber andererseits war da immer noch die nackte Angst, all diese Menschen in den Kampf gegen ihre Schwester zu schicken.

    "Die Liebe Hailes zu uns, die Treue von Frank, die Stärke der Reisenden, ihr Mut und ihre Tapferkeit – das sind Geschenke von ihnen an uns."

    Naja. Haile fand es immer ein wenig peinlich, wenn Sheng zu einer dieser Reden ansetzte. Sie machte das nicht für die Dorfbewohner, oder die Welt oder irgendein abstraktes Konzept. Sie machte das für ihn.

    "..."

    Nach seiner Rede stellte sich Sheng schützend neben sie und legte ihr einen Arm um die Schultern. Dankbar blickte Haile nach oben und lächelte.

    "...!"
    "..."

    Während Evi bereits strahlend zu Seeker gegangen war und Sheng gleich mitnahm, suchte Haile die Masse an Vultures nach einem bekannten Gesicht ab. Schließlich entdeckte sie ihn. Thorn sah GUT aus. Und anscheinend waren die letzten Wochen auch für ihn gut gelaufen - sein Arm wurde von einer Komposition von frisch gestochenen Linien geziert. Als Haile sich ihm langsam näherte, fing er an zu grinsen und wurde von den anderen Kriegern seiner Gruppe ein wenig in ihre Richtung geschubst.

    Sie legte ihre Arme auf die Schultern des Kriegers, den sie vor so langer Zeit geschlagen hatte. Thorn und Throatseeker umarmten sich kurz und der junge Krieger gab seiner Stammesschwester im Geiste einen Kuss auf die Wange.

    "..."
    "..."

    Hinter sich konnte sie Raoul hören, wie er schwer einatmete, und Kerosa, die sich vor lauter irrem Gekichere nicht mehr einbekam.

    "Ey, wenn hier gleich noch die verrosteten Buccaneers angeschissen kommen, fress ich 'nen halben Liter Motorenöl."
    "Mhhh."

    Raoul schien weniger begeistert zu sein, und war ein wenig eingeschüchtert ob der Masse und Wildheit der tätowierten Vultures, und vor allem ob der Tatsache, dass Haile sich mit diesem einen Krieger offensichtlich blendend verstand. Währenddessen klopfte Haile fachmännisch auf die Linien, die sich um Thorns muskulöse Arme schlangen. Einer der Krieger hinter Thorn sufflierte netterweise:

    "Throatseeker, das ist sein Lohn für die Schlacht gegen die Sabals, bei denen Thorn mit Mut und Furor Schrecken unter den ungefiederten verbreitete."
    "...!"
    "..."

    Auch Evi schien begeistert von der Verstärkung für den morgigen Kampf und war schon mit Voodoo in ein Gespräch verwickelt. Aus den Augenwinkeln sah Haile, wie sie ihr Oberteil lüftete und beschäftigte sich ganz schnell mit anderen Dingen, als sie merkte, dass Shengs Augen immer größer wurden und förmlich auf Evis unterem Rücken fixiert waren. Nein. Nein, manche Sachen gehen mich wirklich nichts an. Sie knuffte noch einmal kurz Thorn, grinste ihn an und wandte sich dann wieder um, zu Raoul und Kerosa. Oder, besser gesagt, nur Kerosa. Raoul war verschwunden.

    "Yo, Shenga, ich glaub, dein Stecher teilt nicht gerne."
    "...?"
    "Ey, schau mich nicht so an, hat irgendwas von "Blades" gemurmelt und sich verpisst. Soll ich den Rohrlutscher mal aufmischen?"

    Haile schüttelte den Kopf. Sie machte eine fragende Geste in Richtung Kerosa, die sich anscheinend ein wenig Feuchtigkeit aus den Augen wischte.

    "...?"
    "Wat? Ey, Nichts. Ich meine, ey, die Flameriders sind ja immerhin auch in voller Mannstärke da, oder?"
    "..."
    "Mach dir kein Kopp, Chromlöckchen, die große Sonnengöttin hat mir damit den besten Motor gegeben."
    "..."

    Sie streckte sich kurz und klopfte Haile dann auf die Schulter.

    "Komm, lass mal Essen fassen und unsere Tanks aufladen. Und dieser scheiss Stein hat mir ECHT im Getriebe weh getan."
    "..."

  9. #49
    Noch immer standen die Bewohner der Siedlung mit offenen Mündern da und starrten die Mensch gewordene Kriegsmaschinerie an, die sich vor ihnen aufgetan hatte.

    Da die Vultures in den Krieg zogen, so weit musste Ranger sie schon instruiert haben, sahen sie wirklich zum Fürchten aus. Waren sie doch schon in Friedenszeiten, bei ihren Kämpfen im Loch und selbst wenn sie sich zum Liebesspiel ausstaffierten, ein Anblick, der auf eigentümliche Art und Weise gruselig wirkte. Doch nun, da sie mit ihren Verbündeten einer Schlacht entgegen zogen, waren sie in deutlich andere Kleidung gehüllt. Viel Haut zeigten sie nicht mehr, das meiste war bedeckt von rauem Stoff, bestickt mit Vogelmotiven und darauf genähtem Leder oder Metall, welches sie schützen sollte. Sie hatten Reifen und Bänder vielfach um Arme und Beine geschlungen und auch um die Stirn, diese waren wiederrum mit Federn geschmückt, um so dem Abbild der gefiederten Schlange wieder näher zu sein.

    „Needles IST bei uns.“, sagte Seeker mit schnarrender Stimme und unverbrüchlicher Gewissheit, während nun Pray und Voodoo ebenfalls von ihren Pferden geglitten waren und den Blick von Haile, Eryn und Evi suchten, da sie sie am besten kannten.
    Beide warteten, bis Seeker sich kurz abwand, um Evi dann die Entscheidung der Begrüßung abzunehmen, denn Pray umarmte sie sanft und sehr herzlich, während Voodoo sie fest in die Arme schloss und ein bisschen zu arg drückte, aber Beiden stand die Freude ins Gesicht geschrieben.
    „Und ich dachte du machst Scherze…“, grinste Sheng und obschon er auch von dem Tattoo gehört hatte, sah er es nun zum ersten Mal richtig und schüttelte ungläubig den Kopf.
    „Hm, das Auge schließt sich. Das müssen wir ändern, Teeth. Willst du vor der Schlacht sehen können oder nach der Schlacht?“, gröhlte er und hob die Taucherin, die Hände an ihren Hüften und dem Po, einfach hoch, um so die Hautzeichnung besser in Augenschein nehmen zu können, was Sheng und die Dorfbewohner noch verblüffter starren ließ.

    Während Seeker nach der Erklärung von Evi und mit einem respektvollen Gruß an ihr vorbei geritten war, glitt sie mit einer eleganten Bewegung vom Pferd und blieb direkt vor Sheng stehen. Auf ihre unnachahmlich starrende Art, die keine Chance auf jedwede Art von Komfortzone zuließ, stand sie so nah an und vor ihm, dass Sheng fast schon nervös schluckte, während sich die Augen der Vulture in die Seinen bohrten.
    Dann nickte sie, als hätte ihr gefallen was sie sah und sie blickte – noch immer so nah an Sheng stehend, der es noch nicht wagte, sich zu bewegen – in Richtung Evi.
    „Teeth. Die große Schlange blickt durch meine Augen in die von Sheng. Sein Feuer hingegen brennt noch nicht so lang.“ Es klang wie eine Feststellung, doch Evi spürte, dass es mehr eine Frage war.

    Sie blickte abwechselnd Haile, die „Throatseeker“ und Evi, mit Vulturenamen „Teeth“ an, dann wieder mit noch deutlicher Skepsis in Richtung Sheng, Wingman und Jenen, die sich für Haile eingesetzt hatten.
    Dann wanderte ihr Blick zu Kerosa, die als letzte Überlebende der Flame-Riders, einem feindlichen Clan, stolz dastand und wie zufällig mit ihrem mit angeschweißten Spitzen verzierten Schraubenschlüssel spielte und diesen herum schwang.
    „Ach wie niedlich, ihr habt ein Haustier von den Riders.“, sagte Seeker süffisant und maß das Mädchen mit amüsiertem Blick.
    „Boah, fick mich, ständig sagen alle das gleiche. Eure Platten haben nen Sprung, ihr fahrt alle im Kreis.“, motzte Kerosa und die beiden Frauen maßen sich in einem Blickduell.

    Evi und Haile wussten, dass Seeker eine Art Bestandsaufnahme machte, ihre Kräfte einschätzen wollte.
    Schlichtweg aus der Not der Schlacht heraus wissen musste, wie viele ihres Clans sterben würden.

    Es war wahrscheinlich wichtig, dass Jemand bald etwas sagte, der kalt dreinblickenden Anführerin die Anwesenheit von Kerosa erklärte und die Vorzüge der Reisenden und der Siedler erläuterte.
    Sonst würde sich Seeker am Ende noch alleine die Schlacht stürzen und nichts würde von den Vultures überbleiben, da sie zwar allesamt brutale Kämpfer waren, jedoch über kaum andere Fähigkeiten verfügten.
    Diese Schlacht würden sie nur zusammen gewinnen können!

    Als Kerosa und Haile sich zum Gehen abwandten, schloss Thorn sich wie selbstverständlich an.
    Er war zuvor zu seinem Pferd gegangen und hatte seine Waffe hervor geholt. Es war ein metallenes Monstrum eines irrsinnigen Kampfstabes. Ein Eispickel und eine Feuerwehraxt, beide an den Stielen zusammengenagelt, damit sich ein Kampfstab ergab, der aus Stahlspitzen und Schneiden bestand und gut geführt sicherlich eine vernichtende Waffe war. Diesmal glotzten die Bewohner nur ehrfürchtig und mit beginnender Sympathie, wurde ihnen doch klar, dass eine Schlacht bevorstand und alleine diese Drei, die grade an ihnen vorbei schritten, eine brutal schlagkräftige Dreiertruppe waren.
    „Du weißt schon, dass deine beiden Geier-Knüppelchen auseinanderfliegen werden, wenn du das erste Mal richtig zuhaust, nech?“, grinste Kerosa und deutete auf die recht improvisierte Verbindung zwischen den beiden Waffen.
    „…!“
    „…?“
    „Jaja, ich kann dir dein Flügelchen halten und das schnell fixen. Unsere Vulture müssen ja nicht mit Second-Hand in die Schlacht ziehen, wenn der Weltenmotor mich an eure Seite gestellt hat.“, grinste sie. „Und wer weiß was mir als Belohnung so einfällt.“, sagte sie mit einem Schnalzen der Zunge und ging mit sichtlich wackelndem Hinterteil voran.

    --

    „Du solltest etwas sagen, Frank.“, sagte Sara leise, als sie an dem Grab standen. Mittlerweile hatten sich auch Sylvia und sein Sohn dazugesellt, es war eine stille Beerdigung und wahrscheinlich hätten mehr Menschen daran teilgenommen, wenn sie nicht vom Auftauchen Rangers und der Vultures so abgelenkt worden waren, denn in der Zelle, in der auch Sara gewesen war, waren einige andere Bewohner eingesperrt gewesen, die sicherlich ihrer Retterin auch die letzte Ehre erwiesen hätten.
    Wahrscheinlich wussten Viele nicht einmal, dass die Beerdigung nun stattfand.

    Geändert von Daen vom Clan (07.11.2015 um 13:06 Uhr)

  10. #50

    Gast-Benutzer Gast
    Diese Schlacht würden sie nur zusammen gewinnen können, so viel war klar und nicht nur ihm sondern offensichtlich jedem der nicht auf beiden Augen blind war.
    Er hatte sich nicht mehrmals, gefühlt, durch die halbe Welt gejagt um dann zuzusehen wie hier alles den Bach runter ging. Mal wieder musste er dafür Sorgen, dass die Gefahr für die Anderen möglichst gering blieb, mit dem für ihn negativen Eindruck, dass es dieses Mal offensichtlich und bemerkbar war. Sonst hatte lediglich Jäger etwas davon gewusst, schließlich waren Sie beide es gewesen die die Route der Gruppe auskundschafteten und Sie an zahlreichen Gefahren und Problemen vorbei dirigierten ohne das dies den Anderen je aufgefallen wäre.

    Ranger schnaufte tief durch und trat dann an Seeker und Sheng heran.

    Seeker, vor euch steht Sheng, Großmeister der Hop'ari und unser Volk. Sie mögen müde und schwach aussehen, aber täuscht euch nicht. Sie waren wochenlang in Gefangenschaft und haben viele unserer Familie verloren und als Sie anfingen nicht mehr an die Rettung zu glauben hat Sheng Sie am Leben erhalten, er hat ihre Flammen vor dem erlischen bewahrt in dem er ihnen von seinem Feuer abgab.

    Sie mögen zwar nicht alle Krieger sein, aber allein mit Kraft können wir diesen Kampf auch nicht gewinnen ohne List und Plan werden viele unserer beider Freunden und Familien sterben, so wie sie es gegen die Sabals getan hätten.

    Also sieh nochmals hin und erkenne die Flamme des Großmeisters die in allen diesen Menschen lodert. Mit deiner Hilfe sorgen wir dafür dass jeden einzelnens Flamme so groß und stark wie die von euch und unserem Großmeister wird und dann treten wir den Kultisten mächtig in den Arsch, für Eure und Unsere Welt.


    Als er geendet hatte blickte Ranger mit einem gutmütigen Blick zu Sheng und wartete auf die Reaktion von Seeker. Er wusste, dass davon nun abhing ob sie alleine oder gemeinsam in die Schlacht ziehen würden.

    Geändert von Sir Barett (07.11.2015 um 13:51 Uhr)

  11. #51
    „Wir werden sehen.“, sagte Seeker und gab, als sie dann wieder aufstieg, auf ihrem Pferd thronend, noch immer einen sehr kriegerischen und fast arroganten Anblick ab.
    „In der Gefangenahme liegt keine Schande in den Augen der gefiederten Schlange, denn immerhin hat er seine Familie nun auch wieder in die Freiheit geführt.“
    Dabei wirkte sie etwas distanziert, vielleicht konzentriert auf die Schlacht, doch nickte sie Ranger anerkennend zu.

    Dann wendete sie ihr Pferd, wahrscheinlich um ein provisorisches Lager im Süden der Wiesen aufzuschlagen, damit sie sich ausruhen konnten, bevor die Schlacht begann.


    ---

    Kerosa, Thorn und Haile hatten schließlich die Gasse der gaffenden Bewohner durchquert und dann hinter sich gelassen und waren am Wagen von Adam angekommen, wo auch die gesamten Vorräte der Reisenden lagerten.
    Dort sah das ehemalige Kultistenmädchen Raoul sitzen und sich gerade mit Blades unterhalten. Sie wirkten vertraut, wie alte Freunde, in den sanften Berührungen und den gemeinsamen Scherzen.
    Doch Raoul wahrte Distanz, während Blades ihn offensichtlich mit Blicken schmachtend ansah.

    „Das wird jetzt lustig.“, grinste Kerosa und schubste Haile nach vorne. „Da versucht Jemand deinen Ofen zu reiten.“, stichelte sie in Richtung Haile.

  12. #52
    Die meisten Augen folgten Seeker, bis die wilde, stolze Frau in Richtung Süden verschwunden war. Evi, die die Inspizierung stumm verfolgt hatte, entspannte sich augenblicklich wieder.
    "Sie schüchtert mich immer ein bisschen ein.", erklärte sie leise, damit die anderen Vultures es nicht hören konnten und nickte schließlich Ranger zu. "Gut gesprochen, ich denke das wird sie fürs Erste zufrieden stellen... okay, zufrieden ist vielleicht das falsche Wort, aber egal. Und Léo wird bestimmt auch noch einmal mit ihr sprechen." Letzteres fügte sie eher in Gedanken an sich selbst hinzu.
    "Jedenfalls danke, dass du die Vultures geholt hast. Ich habe hier zwar absolut nichts zu sagen und wir haben noch nie richtig miteinander geredet, aber du hast was gut bei mir." Sie zwinkerte und hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass sie Ranger bis vor kurzem beinahe völlig aus ihrem Gedächtnis verbannt hatte.

    Dann drehte sie sich wieder strahlend zu Voodoo - irgendwie war es unfassbar schwierig, allem die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie wollte. Es passierte einfach so viel auf einmal, mit lauter wundervollen Menschen...
    "Ich muss vor der Schlacht sehen können. Wenn es schon die Möglichkeit dazu gibt, dann muss sich das Auge öffnen bevor wir dem Feind entgegen treten. Du weißt doch - mit Lust lieben und" "mit Zorn kämpfen.", vollendete der starke Mann ihren Satz und nickte.
    Evis Augen nahmen wieder einen verdächtigen Glanz an. Dann drückte sie Shengs Hand und sagte zu ihm: "Also werde ich irgendwann kurz verschwinden, ja? Diese verbleichten Farben müssen wieder aufgefrischt werden - du weißt ja gar nicht wie gut die Tätowierung in Wahrheit aussieht. Das kann ich dir dann später ganz genau zeigen."
    Sheng sah sie mit hochgezogenen Brauen und irgendwie verschmitzt an - so, dass Evi automatisch errötete. "Was?"
    "Du möchtest deine Geschichte also mit seiner verschmelzen, die Bänder verweben und durch das Flechten stärken..."
    Oh. Ooooh.
    "D-das habe ich gar nicht- ... Und... das geht niemanden etwas an.", beschwerte sich die Taucherin vielleicht etwas zu lautstark und immer noch mit hochrotem Kopf. Voodoo begann zu lachen und ein paar Umstehende stimmten ein.
    "Sag mir einfach wann du Zeit hast.", murmelte Evi schließlich und strich sich verlegen, aber nun auch grinsend, eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

  13. #53
    Kerosa klopfte Haile nochmal schmerzhaft auf die Schulter und wackelte dann unverschämt gut gelaunt zu der Kiste mit den Vorräten der Gruppen, direkt vorbei an Raoul und Blades, die direkt neben dem Sarg von Adam saßen.

    "Ah, FICK mich in den Arsch, ist das DOSENFLEISCH? Das bringt meinen Motor so richtig zum Brummen, Baby!"

    Grinsend fischte sie drei Dosen aus der Kiste und schmiss eine direkt in die Richtung von Thorn und Haile, die immer noch etwas unschlüssig stehen geblieben waren. Thorn fing die Dose auf und schaute sie etwas ratlos an. Die Vultures waren im Herzen eben eher Jäger, und Dosennahrung stand nicht so wahnsinnig häufig auf seinem Speiseplan. Kerosa wühlte sich nach wie vor durch die Kiste, den Hintern in die Höhe gereckt und rhythmisch damit wackelnd.

    "Woher zum Fick hat ihr eigentlich den ganzen Kraftstoff, ich mein, was ihr auf eurer großen Tour alles fallen gelassen habt?"
    "Ähm...den haben wir gefunden, im Schiff in Shengs Hope...Da war eine Menge davon, den die Kids und ich da raus geholt haben, mit diesem alten Mann, der die Reisenden angeführt hat..."
    "Uh-Uh, der heiße alte Knacker mit massenweise Altmetall in der Hose?"
    "Ich...ähm...meinst du Lancaster...?"
    "Ah, Lancaster, Schmankaster, der Audi-Pleb mit dem heißen Fahrgestell halt."

    Kerosa war wieder aufgetaucht und zeigte in die generelle Richtung von Haile.

    "Shenga, du willst mir jetzt aber nicht erzählen, dass du mit dem Fummel morgen in die Schlacht fahren willst, oder?"
    "...?"

    Haile schaute an sich hinab. Sie trug immer noch ihr mittlerweile ziemlich zerrissenes schwarzes Kleid aus dem Tempel, mit einem breiten Riss unter ihrem Herzen, wo Jacks Dolch sie getroffen hatte.

    "Ah, aber mach dir kein Kopp, Chromlöckchen, ich hab da GENAU das Richtige für dich. Und hey, Geierchen, lass mal deinen heißen Stab rüberwachsen, Kerosa hat für alle noch etwas Liebe übrig..."

    Kerosa zwinkerte Blades zu, die diese Störung anscheinend gar nicht begrüßte, aber nichts dagegen machen konnte, als die wahnsinnige Flameriderin ihre Werkstatt taktisch geschickt zwischen ihr und Raoul aufbaute und fröhlich pfeifend anfing, Thorns Kampfstab mit nagelähnlichen Gegenständen und kiloweise Panzertape zu verbessern. Außerdem bastelte sie an etwas herum, das verdächtige Ähnlichkeit mit einer mit Dornen gespickten Rüstung hatte.

    "..."
    "..."

    Thorn warf Haile einen etwas zweifelnden Blick zu und ließ sich dann neben den anderen Jugendlichen nieder, um Kerosa bei der Arbeit zu beobachten. In regelmäßigen Abständen warf diese Haile einen mehr als offensichtlichen Blick zu und ruckte mit dem Kopf in Raouls Richtung. "Mach was" war die eindeutige Botschaft. Auch Thorn schaute sie erwartungsvoll an und deutete auf den freien Platz neben sich. Er lächelte Haile ermutigend an. Etwas unsicher ließ sich das Kultistenmädchen zwischen Raoul und Thorn nieder, die sich gelegentlich abschätzende Seitenblicke zuwarfen. Blades dagegen schien ein wenig zu schmollen.

    "Hey, hab ich euch Falschparkern eigentlich schonmal erzählt, wie ich an die Ehre gekommen bin mit Shenga hier bis in den Sonnenuntergang und noch weiter zu fahren? Die kleine Motorenschleuder hat mich nämlich aus den ewigen Flammen des Gottes der Motoren gezogen, höchstpersönlich! Hat so einem Rostlutscher von Zombie ihren kleinen Ellenbogen sowas von in die fiese Fresse gerammt, was bin ich da feucht geworden, ey!"
    "..."
    "Achja, jetzt schweigt euch nicht tot, das kann sie schon alleine ganz gut!"
    "..."
    "Ja, meine Fresse, sie hat zwar auch Redwrath in die ewige Ridegründe geschickt, und was hat sie mich vermöbelt, ey. Aber dafür hab ich ihr auch ein schönes Souvenir mitgegeben!"
    "..:!"

    Thorn nickte jetzt zustimmend.

    "Hast du dir auch Prügel von meiner Shenga eingefangen, Dicker?"
    "...!"
    "Ja, Haile ist ganz toll, aber..."
    "Ach, Kleine, halt mal kurz die Klappe. Ich bin nämlich fertig!"

    Sie warf Thorn seinen Kampfstab zu, dem Blades etwas panisch schauend auswich. Der wog seine verbesserte Waffe schätzend in der Hand und grinste dann. Dann sprang Kerosa auf und hielt Haile das Kleid hin, dass sie aus schwarzen Stoffbahnen, Nägeln und Bändern zusammengebastelt hatte. Es sah erstaunlich gut aus. Überraschend gut. Es war ähnlich geschnitten wie ihr altes Kleid, aber aus einem einzigen Stück Stoff mit gepolsterten Verstärkungen rund um die Brust, aus der an strategischen Stellen spitze Nägel ragten.

    "Und damit kommen auch endlich mal deine Tittchen besser zur Geltung!"
    "...Danke!"
    "Ach, Prinzesschen kann sprechen? Fick mich doch auf 'ner Motorhaube, ey!"

    Kerosa grinste sie wild an.

    "Ey, Geierchen, wollen wir deine neue Konfi mal probefahren? Ich hab gehört, hier gibts eine Menge Scheiss aus der alten Welt, vielleicht küsst mich der Sonnengott mit einem neuen Ride."
    "...!"

    Kerosa griff nach Thorns Hand und zog ihn nach oben. Gemeinsam verschwanden sie in die Weite des Golfplatzes, Haile konnte nur noch leise hören, was Kerosa zu dem jungen Vulture-Krieger sagte.

    "Und vielleicht fällt uns dann was ein, wie du dich bedanken kannst..."

    Jetzt saß das Kultistenmädchen hier alleine, zwischen Raoul und Blades, die sie ein wenig - aber wirklich nur ein wenig - bedrohlich anfunkelte. Es war unfassbar unangenehm. Haile öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber es kam nichts heraus. Nicht einmal die Frage, ob sie gehen sollte. Jetzt konnte sie nur hoffen, dass Blades Gnade zeigen würde. Oder wieder irgendjemand aus dem Unterholz auftauchte, um sie zu retten. Oder sich irgendjemand endlich einmal ein Herz fassen würde. Irgendwas.

  14. #54
    Sheng gestand sich ein, dass Evi nicht mehr ganz die Frau war, die er kennen- und lieben gelernt hatte. Im Gegenteil.
    Doch diese neue, noch viel wildere Seite an ihr, die ihre schon immer vorhandene Stärke ergänzte, ließ sie auf ihn noch attraktiver wirken und erzeugte in ihm ein Gefühl, dass schon lange über Zuneigung hinaus ging.
    Mittlerweile – auch durch das Ärgernis, dass sie immer wieder unterbrochen wurden, sobald sie sich näher kamen, spürte er zudem eine gewisse Erregung, wenn er sie sah. Das Funkeln ihrer Augen, diese Mischung aus Entschlossenheit, die trotzdem niemals ihre doch zarte und sensible Seite niemals ganz übertünchen konnte.
    Er hatte ihre Geschichte staunend vernommen und nun, als er sah, wie diese wilden, kampfgestählten Clansbrüder und –schwestern sie respektierten, sie durchaus begehrlich anblickten und ihre Nähe suchten und wie Evi sich wie selbstverständlich mit diesen Kriegern und Kämpfern unterhielt, da merkte er zum ersten Mal wirklich und wahrhaftig, was für eine starke Frau sie war. Ihre ungezwungene Wildheit auf der einen Seite und trotzdem die Gnade und weiche Sanftheit einer Siedlerin.
    In diesem Moment, wo sie ob ihres Tattoos so stotterte, da wurde ihm unglaublich warm ums Herz und wieder überrollte ihn eine Welle aus Verbundenheit.
    Der Gedanke, an ihrer Seite zu sein und mit ihr diese Schlacht zu schlagen, mit ihr eine neue Welt zu entdecken, jagte ihm nun keine Angst mehr ein.

    „Der Großmeister der Hope’Ari kann gerne mitkommen und sehen, wie der Zauber wirkt!“, lachte Voodoo. „Bestimmt denkst du oft darüber nach, wer deine erste Kriegerin im Clan sein soll, nun, wenn du siehst, wie Teeth grinst, wenn die Zähne der gefiederten Schlange sie stechen und das schwarze Blut ihre Haut mit der Geschichte ihres Mutes ziert, dann kannst du nicht anders, als sie auf das Lager zerren zu wollen.“
    Sheng blieb fast die Luft weg, als Voodoo mit seiner tiefen Stimme einfach weiter sprach, amüsiert, gut gelaunt und voller Vorfreude. „Bei der gefiederten Schlange, ich muss es wissen, ich habe es versucht!“

    Er lachte nun dröhnend und Pray, der dank seiner Menschenkenntnis schon lange das Band zwischen Sheng und Evi durchschaut hatte, blickte augenrollen nach unten, für ihn ein Moment des Fremdschämens.
    „Aber ich will verdammt sein, diese Kriegerin hier spart sich augenscheinlich für die gefiederte Schlange selbst auf. Sie hat die Arme der meisten Krieger hier ausgeschlagen.“
    Voodoo hatte seine Clansschwester wieder an den Schultern gepackt und scherzhaft geschüttelt und geknufft.

    „Also ich bin bereit, wann immer es die Hoep’Ari sind! Lassen wir das Auge von Teeth sehen, so dass alle, die sie in der Schlacht tötet, und die sie hinter sich lässt, von der gefiederten Schlange gesehen und gewertet werden können. Und wenn das hier vorbei ist und wir dann noch leben, denn zeichnen wir uns diesen Moment auf die Arme. Für immer.“

    Er grinste breit und Evi sah mit bangem Blick zu Sheng. Doch dieser lächelte einfach nur sanft und der Blick, mit dem er sie maß, war voller Vertrauen und warmer Zuneigung.
    Sie spürte, dass er sie in diesem Moment bewunderte.

    ---

    Die drei Halbwüchsigen saßen schweigend und in sichtlich unangenehmer Stille zusammen.
    Raouls Aufmerksamkeit wurde offensichtlich vollkommen von seiner Raviolidose in Beschlag genommen, dessen Inhalt er langsam essend, intensiv musterte.
    Haile blickte trotzig zwischen den Beiden hin und her und fing immer wieder Blades Blick auf, die spürte, dass sie eine unüberwindbare Kluft zwischen ihnen lag. Ein Riss, wie durch ein Erdbeben hervorgerufen, auf dessen einen Seite Raoul und Haile saß und sie auf dem viel kleineren Stück Erde.
    Sie hatte immer gewusst, dass Raoul sie benutzt hatte. Dass er in ihr immer nur eine Freundin, eine Vertraute, manchmal eine Liebhaberin und vor allem eine gut verleihbare Handelsware gesehen hatte und es hatte sie nie geschmerzt oder verletzt.
    Sie wusste auch, dass sie nicht war wie er und auch nicht in die Diebesbande gepasst hatte. Das wirklich Traurige daran war, dass sie in seiner Abwesenheit, als sie mit den nun toten Kindern alleine gewesen war, die glücklichste Zeit erlebt hatte, auch geschmiedet durch den Geschichtenerzähler Lancaster, der ihnen spielerisch einen neuen Weg aufgezeichnet hatte, sie hatten Piraten gespielt, ohne jedoch Diebe zu sein.

    Sie seufzte leise, doch laut genug, damit Beide zu ihr blickten.
    „Haile.“, sagte sie und sah sie direkt an. „Ich danke dir dafür, dass du Raoul befreit hast.“, sagte sie in die Stille hinein und blickte dann wieder zu Boden.
    Raoul räusperte sich verlegen, es blieb still zwischen ihnen, vor allem da Haile darauf nicht antwortete.
    „Es ist nur… ich weiß nicht wohin ich soll.“, sagte sie dann vollkommen ehrlich und offen, als wäre es bereits klar, dass Haile und Raoul zusammen gehörten und sie nur das fünfte Rad am Wagen war oder sich so fühlte, zwischen dem einen Paar aus Thorn und Kerosa, die sich grade so derbe gegenseitig die Köpfe aneinander schlugen, dass sie beide schwindelig in den See stürzten und Raoul und der ehemaligen Kultistin, die so unglaublich vertraut miteinander und so neugierig aufeinander wirkten, dass sie, obschon sie jedes Geheimnis ihres ehemaligen Bandenanführers kannte, sich wie die Fremde hier vor kam.

    Geändert von Daen vom Clan (07.11.2015 um 18:04 Uhr)

  15. #55

    Gast-Benutzer Gast
    "Jedenfalls danke, dass du die Vultures geholt hast. Ich habe hier zwar absolut nichts zu sagen und wir haben noch nie richtig miteinander geredet, aber du hast was gut bei mi " Ranger nickte Evi zu und signalisierte dadurch dass er sich über ihren dank freute auch wenn er ihn nicht als nötig erachtete. Nachdem Vodoo geendet hatte wandte sich Ranger kurz an Sheng Solltest du später etwas Zeit haben würde ich gerne mit dir und Wingman sprechen. Ich werde mich erstmal etwas den Dreck und das Blut vom Körper waschen.
    Ranger zog sich, das zum Teil zerissene Shirt vom Leib und entblöste einen definierten Körper welcher zahlreiche Narben aufwies und mit Dreck und getrocknetem Blut überzogen war. Er machte sich auf den Weg Richtung eines der Wasserlöcher, blieb kurz neben Sheng stehen und flüsterte diesem zu (so dass es niemand anderes vernehmen konnte) Ich habe vorhin kurz Raoul gesehen, ich denke da gibt es auch noch etwas zu besprechen, ich möchte ungern Morgen ein Schlachtfeld in den eigenen Reihen erleben.

    Als er in die Nähe einiger noch intakter Zelte kam vernahm er komische Geräusche, es klang fast wie geifernde Zombies. Ranger fragte sich ernsthaft ob die Anderen so erschöpft waren, dass Sie nicht mehr daran dachten ihre Umgebung zu überprüfen / abzusichern. Es hätte ihn nicht gewundert, denn den militärisch geschulten Jäger hatte er bisher nicht gesehen und Wingman war sicherlich nicht schon wieder auf der Höhe. Die anderen machten zwar durch Mut und Eifer ihre Schwächen wett aber nach dem was Sie in den letzten Wochen erlebt hatten und aufgrund der Erleichterung durch die Befreiung könnte die Erleichterung zum Nachlassen der Wachsamkeit geführt haben.
    Ranger nahm sich eine der Eisenstange eines zerstörten Zeltes und pirschte sich in Richtung der Geräusche. Das Zelt aus dem diese komischen Geräusche kamen war nicht geschlossen er spähte hinein und musste dann lauthals anfangen zu lachen.

    Was soll das werden wenn es fertig ist, wollt ihr euch gegenseitig fressen oder ist das eure Art eines Paarungstanzes? Ich mein ist ja an sich eure Sache was ihr hier macht aber entweder solltet ihr darauf achten euch nicht wie sabbernde Zombies anzuhören oder wenigstens das Zelt zu schließen, den ein oder anderen da draußen könnte es durchaus stören euch dabei zusehen zu müssen - wir haben ja auch einige Kinder hier. Also lasst euch nciht aufhalten, ich geh mal ne Runde schwimmen. Mit einem breiten Grinsen verließ Ranger daraufhin wieder das Zelt und ließ die Flameriderin und den Vulture alleine zurück.

    Er ging zu einem der Wasserlöcher die wie kleine Oasen in dieser doch so zerstörten Welt wirkten und legte seine restliche Kleidung ab, es war ihm dabei egal ob er von jemandem beobachtet wurde, außerdem verschwand er kurz darauf sowieso im Wasser und entspannte seine Muskeln während er das Gefühl des kalten Nass auf seiner Haut genoß und für einige Momente die Gedanken an den nächsten Tag verdrängte.

    Geändert von Sir Barett (07.11.2015 um 22:49 Uhr)

  16. #56


    Nichts und niemand hatte diesen innigen Moment gestört und nichts würde das jetzt noch können.

  17. #57
    Wingman war kein Narr, er hatte beschlossen, die unschönen Erinnerungen an den Überfall und die Folter weit hinten in seinem Kopf zu vergraben und sich erst in einiger Zeit damit zu beschäftigen.
    So gelang es ihm, wie automatisch wieder in einen Geisteszustand zurück zu kehren, der mit „schlichtweg funktionell“ am besten beschrieben wäre.
    Während er Sheng, der deutlich mehr ein Mensch des Herzens war als er selber, noch die Ruhe gönnte, sich zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen, fing er damit an, Wachen einzuteilen und Bestände aufzunehmen.
    Und jedem Idioten, der der kleinen Gruppe an Halbwüchsigen, die dort saß, böse Blicke zuwarf, seinerseits mit einem warnenden bis vernichtenden Blick zu verdenken.

    Und natürlich war dem auf Paranoia und Vorsicht getrimmten Mann auch der Rückzug von Hugh und Leo aufgefallen, so dass er sich gezwungen sah, eine Wache in respektabler Entfernung zu den Beiden zu postieren, da er davon ausgehen musste, dass sie sich ausruhten oder Dinge zu besprechen hatten.

    Diese Wache, ein schlaksiger Schweinehirte der zum Team von Sara gehörte, lag im Schatten eines Baumes und hatte ein Messer, seine einzige Waffe übrigens, auf den Schoß gelegt und starrte immer wieder furchtsam und mit einer gehörigen Portion Ehrfurcht in Richtung des Lagers der Vulture, als er eine hochgewachsene, schlanke, mit Hautbilder-Ornamentik übersäte Frau auf das Zelt zukommen sah, das zu bewachen er geheißen worden war.
    Mit trockener Kehle sprang er auf und schritt mit leicht zitternden Knien auf die Erscheinung zu, die dort als Ausbund von Kraft, Agilität und mörderischer Kampfeslust auf das Zelt zuschritt, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, Dieses zu betreten.

    Der junge Wachmann stellte sich ihr in den Weg und Seeker blickte ihn fast mitleidig an.
    „Ich…äh…“
    „Laangkaster.“, sagte Seeker nur mit einem Wort, in dem Schärfe und Bestimmtheit lag und starrte ihn nieder wie eine Schlange ein Häschen. Sie kniff die Augen in ihrem über und über mit Tätowierungen verziertem Gesicht zusammen und schnaubte ihm kurz ins Gesicht. Der Hirte ging, Nein, stolperte zwei Schritte nach hinten und murmelte etwas wie: „Ich kann nicht…“

    „Gut.“, sagte Seeker kalt und mit schneidender Stimme und ließ in einer fließenden Bewegung ihre lederne Umgürtung fallen, an der ihre ganzen Klingen befestigt waren, die klirrend und scheppernd zu Boden fielen. „Du hast das Auge der gefiederten Schlange auf dir. Halte mich auf.“

    Der junge Mann schluckte hilflos und zuckte mit dem Dolch halbherzig nach vorne, wobei Seeker ohne mit der Wimper zu zucken nach dem Arm griff, ihn umbog und dem Mann schmerzhaft die Beine weg trat, so dass er keuchend und jammernd mit dem Gesicht im warmen Gras lag. Sich seiner Pflicht bewusst, drehte er sich schnell auf den Rücken, bestrebt, aufzuspringen, doch da war schon Seekers Gesicht nah an seinem und sie zischte ihn wie eine Schlange ihre Beute an, dem Hirten fiel dabei auf, dass sogar ihre Zunge gespalten war, wie das einer verdammten Schlange, und Schweiß trat dem jungen Mann auf die Stirn.

    Er hatte die Aufgabe bekommen, das Zelt von Lancaster zu schützen, ihn zu schützen. Doch diese Kriegerin jagte ihm eine Heidenangst ein und ein Menschenleben eines einfachen Siedlers schien ihr nichts zu bedeuten.
    Diese Verrückte hatte sich die Zunge spalten lassen, um noch mehr nach Schlange auszusehen und vollkommen fassungslos blieb er auf dem Rücken liegen, während Seeker sich – ohne den Blick von ihm abzuwenden – langsam entfernte, dann noch einmal ihre Zähne bleckte und ihn einfach liegen ließ, zusammen mit ihrem Waffengurt und weiter schritt in Richtung des Zeltes.

    Dort angekommen verharrte sie, als sie das Spiel der Beiden vernahm und lehnte sich an einen Zeltmasten, der in der Mitte dort war und ihr einen ungestörten Anblick erlaubte.
    Als das wilde Liebesspiel der Beiden sich zu Ende neigte, lächelte sie süffisant und schnarrte mit kehliger Stimme: „Es gibt also doch ein paar Schlachten, die der Laangkaster selbst kämpft?“


    ---

    Frank und seine Familie, sowie Sara waren noch immer am Grab von Mary und bereiteten sich auf die Rede vor, als Frank ein sanftes Tippen auf seiner Schulter spürte.
    Er drehte sich herum und sah in ein sanftes Gesicht und ein wildes Gesicht.
    Einer von ihnen hatte zahlreiche blaue Flecken und sah aus als hätte er die letzten Tage immer wieder die eine oder andere Faust gespürt, das andere Gesicht war unversehrt, doch sorgenzerfurcht.
    Beide schienen mit dem Treck der Vulture gekommen zu sein und ihn gesucht zu haben.
    Vor dem ehemaligen Polizisten standen "you are" und Romero.

    ---

    Geändert von Daen vom Clan (08.11.2015 um 13:41 Uhr)

  18. #58
    Haile saß hilflos daneben, als Blades, mit einem Hauch Bitterkeit in der Stimme, zugab, dass sie sich ziellos fühlte, einsam und nicht wusste, wo sie hin sollte. Sie kannte das Mädchen nicht, wusste nichts von ihrem Schicksal oder welche Position sie in der Ahladita inne hatte. Haile stand auf und ging langsam zu dem Tisch, auf dem die Vorräte aufgestellt waren.

    "Stimmt es, dass die Kleinen alle..."

    Haile, die nun mit dem Rücken zu Blades stand, konnte nur nicken.

    "...das...das ist so schrecklich..."
    "..."
    "..."

    Haile drehte sich um, ging zu Blades und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. Auch wenn sie ihr nicht sagen konnte, wie unendlich Leid ihr all das tat, vielleicht würde diese Geste ja helfen?

    "Sie sind so aufgeblüht, weißt du? Nachdem dieser Mann, Lancaster, uns geholfen hatte, waren sie so lebendig...wollten Gutes tun, wie diese Guuunies, von denen er erzählt hatte. Wir haben sogar die Wand im Schiff zusammen bemalt..."
    "..."
    "Sie wollten sogar rausgehen, Sara helfen, Schätze finden, was auch immer es war, dass Lancaster ihnen erzählt hatte. Wollten diese restlichen Dosen verteilen. So habe ich die Kleinen noch nie erlebt..."

    Raoul beschäftigte sich weiterhin intensiv mit seiner Dose. Vielleicht begann er zu realisieren, dass er als Anführer einer Bande von Kindern mehr hätte tun sollen. Dass Blades mehr Vorzüge hatte als ein schönes Gesicht und ein ruhiges Wesen. Und Haile konnte erst Recht nichts tun, außer dastehen und sich merkwürdig fehl am Platze fühlen. Sie schaute Raoul an, der verschämt zur Seite blickte. Und hoffentlich Kraft sammelte, irgendwas zu sagen, was dem Mädchen vor ihr Kraft geben konnte.

  19. #59
    Frank stand da und überlegte was er sagen sollte. Am liebsten würde er etwas großes, bewegendes sagen, genau wie Sheng es schon mehrfach getan hatte, doch er war nicht Sheng und so blieb ihm nichts anderes übrig als hervorzubringen was eben gelang. Vielleicht wurde es ja etwas bewegendes, vielleicht auch nicht, wichtig war nur dass er es versuchte, denn es war der Gedanke der zählte. Und von den wenigen Menschen die hier versammelt waren, hatte er Mary am besten gekannt. Auch wenn er sie vielleicht einmal eine Woche lang gekannt hatte, eigentlich sogar weniger und sie war in seinen Armen gestorben. Wer wenn nicht er war also geeignet ein paar Worte zu sprechen?
    Er hob gerade an das erste Wort zu sagen, als ihm jemand auf die Schulter tippte. Als er sich umdrehte, überlebte er eine kleine Überraschung. Sicher, er wusste dass die Vultures gekommen waren, wie sollte man sie auch übersehen? Das war schlichtweg unmöglich. Mit Romero und "You are" jedoch hatte er jetzt irgendwie nicht gerechnet. Trotz der traurigen Situation, brauchte er ein Lächeln zustande.Schön zu sehen das ihr halbwegs wohl auf seit. begrüßte sie Frank. Es tut mir leid, dass das mit Shengs Hope nichts geworden ist und ich habe mich auch mehrfach gefragt, was aus euch geworden ist und mit ein paar Sorgen gemacht, hatte ich euch doch unwissend in eine Siedlung geschickt, deren Zerstörung unmittelbar bevor stand.

    Geändert von wusch (07.11.2015 um 23:47 Uhr)

  20. #60
    Evi konnte sich nicht erinnern, dass jemand sie jemals so angesehen hatte wie Sheng in diesem Augenblick. Verlegenheit und die leise, unterschwellige Furcht, er würde das alles nicht komplett verstehen können, fielen sofort von ihr ab.
    "Wenn der "Großmeister" möchte, dann wäre es mir eine Ehre, wenn er dabei wäre." Sie sagte es absichtlich respektvoll, mit einem demütigen Nicken, während ein amüsiertes Lächeln ihre Lippen umspielten. Aber ihre Augen deuteten Sheng, dass sie mehr als das sagte.
    Niemand anderen würde sie jemals diesem Ritual beiwohnen lassen.
    Evi erinnerte sich an diese außergewöhnliche Nacht. Sie konnte die heiße Luft, die von aufdringlichem Zimt und Vanille durchdrungen war, beinahe riechen. Sie konnte das brennende Kribbeln, abgerundet durch die sanften, kühlen Striche des Pinsels, beinahe spüren. Sie konnte das tiefe Summen, mit dem Voodoo seine geschickten Nadelstiche begleitet hatte, beinahe hören. Es war magisch gewesen, und die Taucherin merkte, wie sie beim Gedanken daran eine Gänsehaut bekam. Diese intensive Erfahrung würde sie im Leben mit niemandem teilen... außer mit Sheng.
    Und schon damals, nachdem alles vorbei gewesen war, war sie an Voodoos Hütte gelehnt und hatte an ihn gedacht. Sie hatte es völlig vergessen, aber jetzt, wo sie alles in Gedanken noch einmal erlebte, wusste sie es als wäre es gerade erst geschehen.
    Nur er durfte dabei sein.

    "Dann würde ich sehr gerne so schnell wie möglich loslegen. Wer weiß, wie viel Zeit uns dafür sonst noch bleibt.", sagte Evi zu Voodoo, in dessen Augen schon Vorfreude glänzte. Der Herr der Prüfungen machte sich augenblicklich an einer Art Lederbeutel zu schaffen, der noch an seinem Pferd angebracht war. Er konnte doch unmöglich den ganzen Kram mitgenommen haben. Aber irgendetwas musste er dabei haben, sonst hätte er nicht angeboten, das Auge erneut sehen zu lassen. Dankbar drückte sie sich kurz an seinen starken Arm.
    "Aber was meinst du überhaupt damit - du hast es versucht?", fiel Evi schließlich wieder ein, als sie sich mit Voodoo und Sheng langsam von den anderen entfernte. Der Vulture lachte nur schallend und schwieg.
    "Ich hatte echt keine Ahnung.", versicherte die Taucherin dem Bürgermeister. "Also, nicht dass es einen Unterschied gemacht hätte, aber das muss schon sehr subtil gewesen sein. Er hat mir sogar extra noch erklärt, dass Vultures sich nur aus einem Grund die Hand wie zum Gruß reichen." Sheng blickte sie fragend an, während Voodoo in sich hinein grinste. "Damit leistet man einen Schwur, sich in der Nacht zu vereinigen. Deshalb meinte er, ich hätte Arme ausgeschlagen." Sie lachte unbeschwert, merkte aber auch, dass sie zu plappern anfing, weil wieder eine leichte Nervosität in ihr aufstieg.
    Sie hatte keine Angst vor der Nadel und inzwischen wusste sie ja auch, was auf sie zukommen würde. Aber in die Vorfreude und Aufregung mischte sich eine Sorge, die sie sich nicht ganz erklären-

    Oh Mist. Ein winziges Detail aus dieser magischen Nacht damals hatte sie völlig verdrängt. Nun, da es ihr siedend heiß wieder einfiel, blieb sie abrupt stehen. Sie würde obenrum völlig nackt sein.
    "Was ist?", fragte Sheng überrascht.
    Voodoo musterte die Taucherin kurz. "Bist du nicht bereit, Teeth Vulture?"
    Mit hochrotem Kopf öffnete Evi den Mund, aber sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie sah erst Voodoo mit großen Augen an und blickte dann zu Sheng. Dieser lächelte fragend, aber immer noch mit unglaublicher Wärme. Wieder dieser Blick, der sie in helle Aufregung versetzte, aber gleichzeitig so eine unglaubliche Sicherheit in ihr auslöste, dass sie sofort ruhig wurde.
    Während die Taucherin keinen Moment lang ihre Augen von denen Shengs abwandte, antwortete sie fast verträumt und lächelnd: "Nein. Ich bin bereit."

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