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Thema: Ludonarrative Dissonance

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Zitat Zitat von Eddy131 Beitrag anzeigen
    Doch schon, ich fand's einfach nur nicht gut gemacht.
    Vielleicht liegt's auch einfach daran, dass ich weniger auf solche abgedrehten Sachen stehe.
    Ein paar Stellen im Spiel fand ich schon gut. Vor allem die fliegende Stadt fand ich grafisch ziemlich beeindruckend. Aber durch die Miese Story wurde das alles kaputt gemacht.
    Welche abgedrehten Sachen? Du hast eine hochgezüchtete Bürgerwehr/ Armee die sich seit Jahren im Konflikt mit den Vox Populi befindet und daher ziemlich aufgerüstet ist, dazu nutzt Fink neueste Technik und versorgt die Stadt maßgeblich mit Waffen. Wenn du bis zu der Szene in einer möglichen Zukunft gespielt hast wo Columbia New York angreift, dann wirst du verstehen, dass Aufrüstung von vornherein zum Konzept der Stadt gehört.
    Die Zivilisten ziehen sich, wie das bereits gesagt wurde, zurück sobald du als falscher Hirte auftauchst, damit sie nicht als Kollateralschäden in den Kampf gegen dich hineingezogen werden. Angedeutet wird das bei der Verlosung wo alle Leute sofort panisch die Flucht ergreifen. Später ist es der Bürgerkrieg mit der Vox, der die Leute dazu zwingt sich in den ihren Häusern zu verstecken oder abzuahuen, während auf den Straßen gekämpft wird.

    Das was Bioshock seither versucht hat darzustellen und das in Infinite sogar am besten schafft (weil du die schöne Fassade auch noch selbst zu Gesicht bekommst) ist die Schattenseite hinter den Utopien zu zeigen. Columbia ist ein Hort von ziemlicher Pracht eben ein wahrhaft himmlisches Paradies aber wie es schon über Rapture hieß: "Irgendjemand muss die Toiletten schrubben". Die Religiösität der Leute von Columbia dreht in eine fanatische Richtung und folgt einer durchaus damals verbreiteten Überzeugung der Bekehrung oder Zurückführens auf den rechten Pfad. Der frühe Missionsgedanke Amerikas wird dort als zentraler Bestandteil herausgekehrt. Columbia ist das von Gott ausersehene Paradies, dass den Menschen die amerikanischen Werte bringen soll. Die Welt auf dem Boden wird als sündhaft und verachtenswert aufgefasst (was der Grund für den späteren Angriffs der Stadt auf New York und damit die USA ist). Diese Religiösität schließt ein Leute abweichenden Glaubens als Ketzer zu verdammen und sich vor dir als vermeintlichem Anti-Christen schwer in Acht zu nehmen. Gleichzeitig lebt die Gesellschaft eben die Denkweise des Amerikas um die Jahrhundertwende die nicht nur von seinem emphatischen Glauben sondern auch auf der Sklaverei und dem Rassismus basierte, während sich die kapitalistische Ausbeutung über den liberalen Markt legitimierte. Entsprechend hart wird der Bürgerkrieg geführt. Die Gründer tun alles um die Angehörigen der Vox (Neger, Iren, vermeintlich faule und damit sündhafte Arbeiter) als Menschen zu diskreditieren und erzeugen damit ein Klima, dass wiederum in Hass gegenüber der weißen, wohlhabenden Bevölkerung umschlägt, also die Vox selbst mit Hass ihr Leid vergilt und dabei die Stadt und auch die Zivilisten arg in Mitleidenschaft zieht, gleichwohl kaum einer der Zivilisten wirklich unschuldig ist. Wir sollten uns auch vor Augen führen, dass wir hier von Leuten sprechen, die anders als die Amerikaner am Boden den Attentäter von Lincoln für einen Helden halten und Lincoln selbst für einen Boten des Teufels.

    Auch ist nichts abgedrehtes an den Gegnern. Die meisten von ihnen sind normale Menschen, nur einige wenige von ihnen benutzen Vigors (Plasmide). Entsprechend des bereits oben erwähnten Textschnipsels wird auch klar, dass im Gegensatz zu Rapture Columbia eben wegen der Nebenwirkungen der Vigors nicht völlig aufgespliced ist und man Abstand davon nimmt, bis Fink die "Kinderkrankheiten" sprich die Nebenwirkungen wie den genetischen Verfall und die Sucht abzustellen.
    Ansonsten ist Bioshock auch schon immer Science Fiction gewesen. Einerseits operiert es mit einem Was-wäre-wenn-Szenario was die Utopie angeht, versucht aber gleichzeitig eben nach "glaubhaften" technischen Machbarkeitserklärungen die Welt aufzubauen.

    Ich habe weiter oben selbst Bioshock angesprochen. Diese Spiele könnten genauso gut als Adventure oder Stealth Games aufgemacht sein. Der Shooter-Apsekt ist keiner den die STory jetzt zwingend vorgeben würde. Allerdings stört hier das Gameplay die Story nicht. Die Kampfphasen unterbrechen die reine Narration zwischendrin natürlich, also du hast nicht einen fortlaufenden Erzählfluss, aber das stört eben nicht. Es ist nicht schwer von der Inszenierung her ins Kampfgetümmel überzugehen als auch wieder von dort aus in die nächste Erzählphase einzutreten, weil du zwischendurch nicht großartig abgelenkt wirst, der Kampf also praktisch nur ein Hindernis ist das zu überwinden ist.Das Gameplay ist also nicht etwas das zwangsläufig nicht aus der Story erwachsen ist, es negiert oder beeinträchtigt die Story aber auch nicht, weshalb das egal ist. Mein Beispiel diente also zu zeigen, dass es kein absolutes Primat eines der beiden Elemente gibt, sondern das es darauf ankommt die Konflikte zu minimieren.

    Geändert von KingPaddy (29.10.2015 um 17:09 Uhr)

  2. #2
    @Eddy: Vielleicht solltest du dann nicht über etwas diskutieren, womit du dich nicht großartig beschäftigt hast ^^; Das wäre als würdest du einen Mathelehrer dazu zwingen eine Französischklasse zu unterrichten. Das ist am Ende für alle Beteiligte dann nur noch frustrierend...sieht man ja an KingPaddy ~ dessen Antwort ich übrigens sehr lobe, da es mir etwas Kontext zu Bioshock:Infinite gibt, den ich nicht habe.

    Geändert von Pinguin mit Brille (29.10.2015 um 17:36 Uhr)

  3. #3
    Ein Spiel, wo Gameplay und Story praktisch überhaupt nicht zusammenpassen (naja, um genau zu sein passen nichtmal Story und Setting zusammen): Magrunner - Dark Pulse. Vom Gameplay her ist ein Puzzlespiel mit Magnetkräften (am besten einfach Portal vorstellen, das kommt halbwegs hin). Das ganze in einem netten Cyberpunk-Setting. Die Story? Lovecraft-Horror, was denn sonst?

  4. #4
    @KingPaddy: Erstmal danke für die gute Zusammenfassung
    Das wusste ich zwar alles schon, und darauf hat sich meine Kritik an dem Spiel nicht bezogen. Diese Gesellschaftskritik im Spiel wird ja in allen 3 Teilen sehr stark überzogen dargestellt und nicht selten in's lächerliche gezogen. Das ist ja auch Ok, so ist einfach der Stil der Reihe. Dennoch muss man dieses Überzeichnen nicht mögen, und ich mag solche Kritiken immer etwas realistischer gehalten. Ein großer Punkt, bei dem sich mir oft ein Spiel/Film/Buch/... das Prädikat eher gut oder eher schlecht verdient hängt stark davon ab, ob die Welt in sich schlüssig ist. Zauberei, übernatürliches, oder was auch immer, da hab ich nichts gegen. Aber es sollte einen Grund geben warum was wie ist und es sollte in sich selbst konsistent sein. Bestes Beispiel: Man startet das Spiel als normaler Mensch, entscheidet sich ein Held zu sein, schnappt sich ein Schwert und nachdem man als Halbwüchsiger 3 Schleime vor der Haustür erledigt hat ist man spontan mal stärker als der Muskelbepackte Schmied und zum Ende des Spiels könnte man eigentlich schon mit dem kleinen Finger ein Haus nur beim daran entlang streifen zum Einsturz bringen. Das mag ich an einigen Medien nicht, dass die oft nicht wissen wie weiter (so hat man das Gefühl) und dann übertreiben sie es. Es muss ja von Folge zu Folge immer mehr sein.
    Oder was auch oft gemacht wird; kennt wer die Serie "Heroes"?: Am Anfang sind ein paar Leute die Plötzlich übernatürliche Fähigkeiten entwickeln und diese entdecken, entwickeln und versuchen damit zurechtzukommen. Ich fand die erste Staffel genial. Da die Serie so beliebt war, bekommt sie noch ne Staffel. Die Produzenten völlig in Panik "Was sollen wir machen?!?!?". Lassen wir sie doch einfach die Welt retten!! "Boah, genial! Das ich da nicht drauf gekommen bin". Ergebnis = Serie ging den Bach runter, da sie es total übertrieben haben und das Interessante an der Serie außer acht gelassen haben: Normale Leute die plötzlich Fähigkeiten haben und was sie damit alles anstellen.
    Ich merk grad, das ich ein wenig zu sehr abschweife XD

    @Pinguin: Verstehe ich das richtig, die Aufforderung

    Zitat Zitat von Pinguin mit Brille Beitrag anzeigen
    Was haltet ihr davon? Ist es wichtig, dass Narrative und Game-Mechanik aufeinander aufbauen?
    am Anfang bezog sich nur auf Profis und Leute die sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben?
    Dann entschuldige ich mich, ich ging fälschlicherweise von der Annahme aus, dass du uns als Community gefragt hast und die ehrliche Meinung von möglichst vielen verschiedenen Menschen haben wolltest.
    Es tut mir wirklich leid. Aber schreib das beim nächsten mal bitte dazu, sonst merk ich sowas nicht. Ich fühl mich da immer gleich angesprochen und versuche so gut ich eben kann zu helfen

  5. #5
    @Eddy: Ich meinte damit, dass du vielleicht nicht unbedingt Spiele kritisieren solltest, die du selber nicht gespielt hast oder dich nicht mit beschäftigt hast, weil dann damit Leuten auf die Füße treten kannst, wie du gemerkt hast. Nicht, dass du dich aus der Diskussion raushalten sollst.

    Das Problem ist, dass wir nun vom Thema abgekommen sind, und ich gerne wieder zurückkommen würde.
    Wie z.B. das was Pete angesprochen hat - das finde ich nämlich auch nervig und vor allem unglaubhaft, dennoch wird es aus "Gameplay-technsichen" Gründen eingebaut, obwohl man das auch einfach umgehen könnte.

    Geändert von Pinguin mit Brille (29.10.2015 um 20:45 Uhr)

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