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Thema: Agentur für Arbeit - Echte Hilfe oder Abstellgleis?

  1. #1

    Agentur für Arbeit - Echte Hilfe oder Abstellgleis?

    Oh, Arbeitsamt, pardon Agentur für Arbeit. Da kann ich ein Lied davon singen.

    Ich dachte, dass nur die Arbeitsagenturen in Bayern so drauf sind, aber anscheinend ist NRW wohl auch nicht besser. Bei mir haben sie wegen dem Abschluss rumgezickt. Ich habe nicht mehr zu Hause gewohnt, aber halt auch nicht gleich einen Job gefunden, trotz 100+ Bewerbungen. Als unbedarfter Studienabgänger wusste ich damals noch nicht, dass die Situation in der Medienbranche soooooooo scheiße ist. Dafür durfte ich mir anhören, dass so etwas, was ich studiert habe, allemal als Hobby taugt und aufgrund meines Alters auch keine Lehrstelle mehr in Frage kommt. Sie wollten mich in Maßnahmen (Spüler an der Autobahnraststätte) stecken und mich als "nicht vermittelbar" einstufen, nur dass ich nicht in der frisierten Arbeitssuchenden-Statistik des Landkreises auftauche. Und ich musste mir jedes Mal Vorwürfe anhören, warum ich so etwas studiert hätte und dann ist mir der Kragen geplatzt. Ich habe daraufhin meine Arbeitssuchenden- und Ratssuchenden-Meldung zurückgezogen. Und das, obwohl ich in meinem Nebenjob zum Studium (immerhin Teilzeit) bestimmt einiges in die Sozialversicherungen eingezahlt habe (so knapp 200 Euro/ Monat an Sozialabgaben) und somit evtl. sogar ein Anrecht auf ALG I gehabt hätte, wobei das aufgrund des geringen Verdienstes wohl unterhalb von Hartz IV ausgefallen wäre.

    Wenn ich jetzt keine Eltern und Ersparnisse gehabt hätte, dann hätt ich mich niemals selbstständig machen können. Und eine Vermittlung durch die Agentur hätte ich auch nicht bekommen. Ich solle mir eine private Jobvermittlung suchen, haben sie gesagt.

    Ja, da hat uns die Agenda 2010 ziemlich was eingebrockt. Überall sind Lehrstellen frei, man hat mehr Arbeitslose als man zugeben möchte und trotzdem kriegt man es nicht gebacken...

    Deswegen kann ich Deinen Ärger sehr wohl nachvollziehen, steel; und ich drücke Dir die Daumen, dass Du schnellstmöglichst wieder eine (einigermaßen gut bezahlte und schöne) Stelle findest, damit Du mit diesen "Sachbearbeitern" nichts mehr zu tun hast.

    Greetz, Cuzco

  2. #2
    Zitat Zitat von Cuzco Beitrag anzeigen
    . Überall sind Lehrstellen frei, man hat mehr Arbeitslose als man zugeben möchte und trotzdem kriegt man es nicht gebacken...
    Die sind nicht frei. In der Zeitung inserieren "wir wollen 3 Leute ausbilden" ist günstiger und wirksamer als "Wir sind toll, kaufen sie doch mal bei uns" und ausserdem vermittelt es, dass es der Firma gut geht, dass sie sich für die Jugend engagiert etc.
    Eine Firma, die nicht sucht, hat in unserer Wachstum&Gewinn-Welt schnell einen Hauch vom absteigenden Ast.

  3. #3

    Gast-Benutzer Gast
    Zitat Zitat
    Die sind nicht frei.
    Ja klar, alles nur PR ..*Facepalm* - ich behaupte das 90% der freien Lehrstellen allein im handwerklichen Bereich auch tatsächlich frei sind. Es will heutzutage ja keiner mehr arbeiten, sondern mit möglichst wenig Einsatz das große Geld zu verdienen.

  4. #4
    Zitat Zitat von Sir Barett Beitrag anzeigen
    Ja klar, alles nur PR ..*Facepalm* - ich behaupte das 90% der freien Lehrstellen allein im handwerklichen Bereich auch tatsächlich frei sind. Es will heutzutage ja keiner mehr arbeiten, sondern mit möglichst wenig Einsatz das große Geld zu verdienen.
    Ehr überhaupt Geld verdienen. Es geht nicht mal so sehr, um wenig Anstrengung als vielmehr darum, dass die Jobs einfach generell nicht genug abwerfen, um sich Leben + kleinen Luxus zu finanzieren.
    Man kann das jetzt als 1st-World-Problem deklarieren, aber das ist einfach nicht zu vergleichen. Es gibt einen gewissen allgemeinen Lebensstandard im Land und an dem will man auch Teilhabe haben.
    Das mit den Lehrstellen ist dazu noch ganz klar eine Sache der Branche und der Region. Es wird keinesfalls alles gesucht, dann entscheiden die Leute, was sie machen wollen, heutzutage nicht nach dem Angebot sondern anhand ihrer eigenen Fähigkeiten, weil es heutzutage wichtiger ist einen Job zu machen, mit dem man auch zufrieden ist und dann hat man eben gewisse Vorstellungen wo man im Leben hin will. Wenn man selbst etwas sehr konservatives anstrebt wie bescheidenes Eigenheim und 2 Kinder dann schließt das schon gewisse Jobs einfach aus, weil die überhaupt nicht mehr ausreichen, um da irgendwas zu reißen in der Richtung.
    Auch der Fachkräftemangel ist ganz überwiegend ein Verteilungs- und Umstandsproblem. Du hast Fachkräfte, aber die haben nicht die fachliche Richtung, die gerade gesucht wird, gleichsam finden die dann wiederum keinen Job.
    Und wie gesagt die Region spielt auch eine große Rolle. Bei mir in der Region würden sie jede Menge potenzielle Azubis finden. Aber hier gibt es eben keine Betriebe.

    Diese Problematiken sind sehr vielschichtig. Da dann jedes Mal diese Kurzschlussdenkweise in Richtung pauschalen Fachkräftemangel nervt da manchmal extrem.

  5. #5
    Zitat Zitat von Sir Barett Beitrag anzeigen
    Ja klar, alles nur PR ..*Facepalm* - ich behaupte das 90% der freien Lehrstellen allein im handwerklichen Bereich auch tatsächlich frei sind. Es will heutzutage ja keiner mehr arbeiten, sondern mit möglichst wenig Einsatz das große Geld zu verdienen.
    Es will aber auch nicht jeder ins Handwerk, bzw. viele sind dafür auch nicht geschaffen oder schlichtweg überqualifiziert. Solche Aussagen finde ich etwas unfair, da man sich seinen Beruf aussuchen sollte. Ich hätte niemals eine Lehre z.B. als Tischler angefangen, nicht nur weil ich da total talentfrei bin, sondern auch weil mich das nicht die Bohne interessiert hätte und ich nicht mein Leben lang als Tischler hätte arbeiten wollen. Und ich denke, dass solche Berufe heute noch unpopulärer sind. Dementsprechend habe ich auch lange nach einer Ausbildung suchen müssen und hatte ähnlichen Ärger mit der Arbeitsagentur bzw. dem Jobcenter. Vom finanziellen Aspekt will ich erst gar nicht anfangen.

    Cortis Aussage ist btw. vollkommen richtig. Das ist Gang und Gäbe. Vielleicht nicht gerade im Handwerk, aber in anderen Branchen.

  6. #6
    Zitat Zitat von Eisbaer Beitrag anzeigen
    ... oder schlichtweg überqualifiziert.
    Solche Aussagen finde ICH etwas unfair. Was ist bitte überqualifiziert? Ich muss in meinem Job weniger wissen und mich weniger körperlich anstrengen als ich es in meinem Lehrberuf tat. Ergo ist mein alter Job eigentlich viel schwerer gewesen und das obwohl es "nur" Handwerk war.
    Der Grund zu wechseln war tatsächlich die Bezahlung. Im Handwerk reißt Du Dir körperlich und geistig den Arsch auf und bekommst 1400 Netto wenns gut läuft.
    Nun bin ich Sesselfurzer und habe deutlich mehr. Finde ich das fair? Nein. Dennoch habe ich mich diesem Problem angepasst, um nicht auf jeden kleinen Luxus verzichten zu müssen.

    "Handwerk = schlechtere Qualifikation" stimmt imo nicht pauschal!

    Das nur dazu

  7. #7
    Zitat Zitat von Eisbaer Beitrag anzeigen
    Cortis Aussage ist btw. vollkommen richtig. Das ist Gang und Gäbe. Vielleicht nicht gerade im Handwerk, aber in anderen Branchen.
    In welchen denn? Rein aus Interesse, ich höre davon zum ersten Mal und wüßte es gerne.

  8. #8
    Zitat Zitat
    "Handwerk = schlechtere Qualifikation" stimmt imo nicht pauschal!
    Überhaupt nicht! Ich finde es auch total daneben das so gegeneinander auszuspielen. Auch in anderer Richtung. Die geistige Tätigkeit die ein Büromensch verrichtet, kann z.T. ebenso körperlich belastend sein, wie tätige Arbeit. Und in beiden Fällen braucht man eine fundierte Ausbildung, wenn man nicht gerade der berühmte Saftkistenschlepper oder Postschupse ist.

    Aber überqualifiziert wäre es dann doch auf jeden Fall bei Macces an der Fritte zu stehen, wenn man eigentlich ein abgeschlossenes Studium in Geschichte oder Germanistik oder eine Ausbildung eben zum Tischler vorzuweisen hat. Es geht ja um die Zumutbarkeit von Arbeit.

    Die Agenda fand ich nicht so daneben. Es ist schon vernünftig, dass die Leute ein bisschen getreten werden und sich nicht auf der Zumutbarkeit ewig ausruhen, aber das funktioniert eben nur, wenn das GegenVersprechen auch seitens der Agentur gehalten wird, qualifikationsgerechte Arbeit zu vermitteln und der eigentlich nicht zumutbare Job nur etwas für die Durststrecke ist. Aber ich kann bestätigen, dass da häufig nicht das Hauptinteresse des Apparats im Groben liegt (ich kenne nämlich auch viele sehr engagierte Sachbearbeiter im Einzelnen)

  9. #9
    Zitat Zitat von Dizzy Beitrag anzeigen
    Solche Aussagen finde ICH etwas unfair. Was ist bitte überqualifiziert? Ich muss in meinem Job weniger wissen und mich weniger körperlich anstrengen als ich es in meinem Lehrberuf tat. Ergo ist mein alter Job eigentlich viel schwerer gewesen und das obwohl es "nur" Handwerk war.
    Der Grund zu wechseln war tatsächlich die Bezahlung. Im Handwerk reißt Du Dir körperlich und geistig den Arsch auf und bekommst 1400 Netto wenns gut läuft.
    Nun bin ich Sesselfurzer und habe deutlich mehr. Finde ich das fair? Nein. Dennoch habe ich mich diesem Problem angepasst, um nicht auf jeden kleinen Luxus verzichten zu müssen.

    "Handwerk = schlechtere Qualifikation" stimmt imo nicht pauschal!

    Das nur dazu
    Und wieso ist das jetzt unfair? Und für wen?

    Mit überqualifiziert meine ich schlichtweg, dass jemand mit Abitur selten auf die Idee kommt, eine Lehre als Tischler oder Einzelhandelskaufmann bei Rewe zu machen und das ist auch vollkommen nachvollziehbar. Mal ganz davon abgesehen, dass du häufig sogar abgelehnt wirst, weil du zu qualifiziert bist für einen Job oder eine Ausbildung. Hab das mal während eines Praktikums erlebt, dass ich einem Mann eine Absage schreiben sollte, der sogar nen Dr.-Titel hatte und sich als Hausmeister beworben hat. Und dem wurde exakt deswegen abgesagt.


    Zitat Zitat von Glannaragh Beitrag anzeigen
    In welchen denn? Rein aus Interesse, ich höre davon zum ersten Mal und wüßte es gerne.
    Kann ich dir nicht genau sagen, in welchen Branchen genau. Ich hab das allerdings auch schon häufig gehört, vor allem auch von meiner Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt damals. Das ist durchaus allgemein bekannt, auch bei den Jobcentern.

  10. #10
    Zitat Zitat von Dizzy Beitrag anzeigen
    Solche Aussagen finde ICH etwas unfair. Was ist bitte überqualifiziert?
    Ich kenne es aber auch so: Sehr gut ausgebildende Leute wollen auch angemessen bezahlt werden. Da die Zahlungsmoral der meisten AG nicht gerade hoch ist, wird das oft bei Absagen angegeben, dass man überqualifiziert ist. Ich würde auch nicht mehr für einen niedrigen Lohn arbeiten gehen, wenn ich in dem Job schon mehrjährige Erfahrungen hätte, aber da beginnt auch der Teufelskreis: Lieber weniger Geld verdienen, obwohl dir weitaus mehr zustehen würde oder doch auf mehr Geld beharren und die Chance haben, den Job zu verlieren...?

    Es ist echt nicht leicht... Man muss mittlerweile viel einstecken können als Arbeitnehmer...

    - Das Inno -

  11. #11
    Zitat Zitat von Glannaragh Beitrag anzeigen
    In welchen denn? Rein aus Interesse, ich höre davon zum ersten Mal und wüßte es gerne.
    Ich weiss von mittelständischen Betrieben und dem Handwerk. Aber auch ländlicher Raum, wo Zeitungsinseratare noch die Reputation einer Firma beeinflussen.

    @Eisbär & Dizzy & Überqualifiziert:
    Ich habe zu viel Respekt vor dem Können mir bekannter Handwerker ( sei es nun Tischler, Bäcker oder KFZ-M. ) als dass ich unterschiedliche Interessen und Veranlagungen in so einem wertenden Begriff ausdrücken würde. Bei der Wahl von Berufen und Lehrstellen geht es ja weniger um erlangte Qualifikation sondern mehr darum etwas zu finden, was zu den eigenen Veranlagungen passt.

    Zitat Zitat von Inno
    wird das oft bei Absagen angegeben, dass man überqualifiziert ist.
    Bei allem, was man nicht mehr schreiben darf, ohne gleich verklagt zu werden, würde ich das wohl jedem zweiten auch schreiben.

    Zitat Zitat von Inno
    Sehr gut ausgebildende Leute wollen auch angemessen bezahlt werden
    Böse Zungen behaupten der Fachkräftemangel wäre allein ein Mangel an Qualifizierten, die es für wenig Geld tun.

    Zitat Zitat von Kingpaddy
    Die Agenda fand ich nicht so daneben.
    Naja, sie war unvollständig ( Mindestlohn war Teil des Konzeptes ) und ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Handhabung aus psychologischer Sicht zu den cleversten Konzepten gehörte.

    PS:
    Wer ist qualifiziert und tut's für wenig Geld? Deine Mudder!

  12. #12
    Zitat Zitat
    Naja, sie war unvollständig ( Mindestlohn war Teil des Konzeptes ) und ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Handhabung aus psychologischer Sicht zu den cleversten Konzepten gehörte.
    Jep genau. Die wirtschaftlichen Erfolge und die Notwendigkeit kann man denke ich als unbestritten ansehen, aber jetzt nach Jahren wirtschaftlichen Aufschwungs wurden von den wechselnden Regierungen Merkel die (Gerechtigkeits)lücken leider immer noch nicht geschlossen. Stattdessen rasen wir auf das nächste Reformschlagloch zu, dass sich Investitionen nennt. Vergeudete Jahre, aber seis drum.

    Zitat Zitat
    Böse Zungen behaupten der Fachkräftemangel wäre allein ein Mangel an Qualifizierten, die es für wenig Geld tun.
    *hust*

  13. #13
    Verschoben aus der Wutschachtel.

  14. #14
    Ich finde gar nicht, dass "überqualifiziert" irgendwo ein negativ behafteter Begriff wäre. Warum denn? Die Qualifikation ergibt sich aus der eigenen Schul- und Berufsausbildung, bzw. entsprechender Erfahrung. Und manche Berufe erfordern eben weniger Qualifikation. Da ist man dann schnell überqualifiziert und wird abgelehnt oder sucht gar nicht erst dort, weil man höheres anstrebt.

    Btw. ist das mit dem Fachkräftemangel sowieso so eine Sache. Wird ja auch immer von der IT behauptet, aber da gehts dann eher z.B. um Programmierer. Unterschieden wird da kaum.

  15. #15
    Also in Österreich ist der einzige Sinn des Arbeitsamtes, dass du über sie Arbeitslose bekommst. Die Art von Stellen, die sie vermitteln können sind über Temp-Agenturen schneller und mit besserem Service erhältlich und für einen anständigen Job im Bereich für den man ausgebildet ist findet man mit Blindbewerbungen und Kontakte in der entsprechenden Brache, aber nicht über das Amt.

    Geändert von Ianus (01.09.2015 um 20:49 Uhr)

  16. #16
    Zitat Zitat von Eisbaer Beitrag anzeigen
    Btw. ist das mit dem Fachkräftemangel sowieso so eine Sache. Wird ja auch immer von der IT behauptet, aber da gehts dann eher z.B. um Programmierer. Unterschieden wird da kaum.
    In der IT gibt es kein Fachkräftemangel. Fachkräfte gibt es genug.
    Die Meinung, dass es einen Fachkräftemangel in dieser Branche gibt, hat im Grunde zweierlei Gründe.
    Zum einen boomen momentan Startup-Unternehmen, die exotische Programmiersprachen- und Frameworks verwenden, weil sie in den IT-Hipster-Studenten-Kreisen gerade voll angesagt sind und deswegen keinen finden, der die exotischen Sprachen beherrscht, da diese Sprachen in der Wirtschaft Null Relevanz haben. Oftmals handeln nämlich die Produkte der Startup-Unternehmen um Studenten-Projekte, wo sie dann mal eine neue Sprache ausprobiert haben und dabei dann auch blieben. Ein weiterer Grund für den angeblichen Fachkräftemangel ist, dass solche Firmen nicht gerade viel Geld für ihr Personal in die Hand nehmen wollen. Wenn man aber einen spezialisierten Programmierer sucht muss man dies aber, denn er kennt seinen Marktwert und verkauft sich nicht unter dem Wert. Nur Neulinge, die noch nicht so viel Erfahrung haben und auch noch nicht so recht ihren Platz in der IT kennen, verkaufen sich unter dem Wert.

    In Deutschland gibt es noch einen dritten Grund. Deutschland lebt von seinen mittelständischen Unternehmen. Mittelständische IT-Unternehmen entwickeln aber überwiegend Business Intelligence-Tools. Das kommt bei vielen jungen Programmierern nicht an, weil sie oftmals altbacken und langweilig aussehen. Ich arbeite in so einem Unternehmen und selbst unser Werksstudent hat nun die halbfertige Bachelor-Thesis hingeschmissen, um in einem Startup-Unternehmen irgendeine hippe Android-App zu basteln.

    Die Handwerks-Branche kenne ich auch, da ich früher als Mechatroniker gearbeitet habe. Den Job habe ich dann vor ca. 7 Jahren hingemissen, weil man dort eh nichts verdient. Es hat nicht mal für eine Zwei-Zimmer-Wohnung gereicht, und man wird nur wie der letzte Dreck behandelt. Bei der Zeitarbeitsfirma Randstad habe ich nur 8,92 € pro Stunde bei einer 35-Stunden Woche verdient. Pro Woche habe ich auch noch um die 50 € tanken müssen. Also kann man sagen, dass ich pro Woche einen ganzen Tag nur fürs Tanken gearbeitet habe. Die 8,92 € waren schon der Höchstsatz, den ich überhaupt bekommen konnte.

    Auch ich habe mich desöfteren mit der Arbeitsagentur angelegt. Das Problem ist ja, die Mitarbeiter von der Arbeitsagentur sollen sich ja mit den jüngeren Arbeitslosen anlegen. Die jüngeren sollen ja härter bestraft werden, weil man diese mit Biegen und Brechen aus der Statistik raushaben will.
    Das führte bei mir sogar zu einer Depression, weil ich mit einem Alter von 24 Jahren immer noch bei meinen Eltern wohnte, weil das Geld vorne und hinten nicht reichte, und man in der Arbeitsagentur nicht mal auf meine Wünsche oder Bedürfnisse einging. Man hat mir immer weiter 12-Wochen-Arbeitslosengeld-Sperren aufgedrückt, weil ich mich weigerte, bei Zeitarbeitsfirmen zu bewerben, weil ich diesen Scheiß nicht noch mal erleben möchte. Stattdessen habe ich mich auf eigene Faust beworben, aber das war denen nicht genug. Auch den Wunsch eine neue Ausbildung als Fachinformatiker anzufangen, begegnete man nur mit einem Kopfschütteln, da ich ja schon einen Beruf erlernt habe, und was solle ich dann bittesehr mit zwei Ausbildungsabschlüssen?

    Ich frage mich sowieso, wozu ein junger Mensch sowieso eine Arbeitslosenversicherung bezahlen muss, wenn er davon sowieso nichts hat? Insgesamt war ich in meinem gesamten Berufsleben bis jetzt drei Monate lang Arbeitslos und habe kein einziges mal Arbeitslosengeld erhalten.

  17. #17
    Ach herrje, jetzt wurde auch noch ein eigener Thread gegründet... ^^

    Interessant, dass es irgendwie vielen so ging wie mir: Whiz-zarD, steel, Eisbaer... Auch in meinem Bekanntenkreis ist es so. Wenn man einmal in der Mühle des Jobcenters ist, braucht man eigentlich nichts mehr erwarten. Bei mir war das ganz ähnlich wie bei Whiz-zarD: "Was Toningenieur sind Sie? Dann haben Sie komplett verschissen! Können für den Rest Ihres Lebens 1-Euro-Jobs annehmen, dürfen die Stadt nicht mehr verlassen... Einen neue Ausbildung? Kommt nicht in Frage! Ihre Zukunft: schwer vermittelbarer Langzeitarbeitsloser ohne Statistikeintrag..." So wurde es mir zwar nicht gesagt, aber genau das hatten die mit mir vor. Ich kann nix beantragen und hätte ich meine Familie nicht gehabt, wäre ich weder krankenversichert gewesen, noch hätte Miete und Essen gehabt. Glücklicherweise klappte das mit der Selbstständigkeit einigermaßen. Es gab zwar - insbesondere am Anfang - Monate, wo ich meine Parents anhauen musste, aber momentan reicht's so zum Leben. Dabei zahle ich die Krankenversicherung voll und bin auch voll umsatzsteuerpflichtig (bei einigen Kunden ein Nachteil, weil es auch Hobbytoningenieure gibt, die wegen der Kleinunternehmerregelung keine Umsatzsteuer berechnen...). Der Staat verdient mit mir also momentan eine Menge Geld: Lohnsteuer, Umsatzsteuer und Sozialabgaben (wobei hier nur Kranken- und Pflegeversicherung). Um die Rentenversicherung (die komplett privat läuft kümmern sich momentan meine Eltern und Großeltern. Bei etwas höheren Einkommen leiste ich auch noch Sonderzahlungen, damit es etwas Rente gibt...) Auf alle Fälle muss ich alles selbst in die Hand nehmen. Das ist auch das beste. Wer auf das Jobcenter angewiesen ist, hat in vielen Fällen leider schon verloren.

    Dabei verstehe ich nicht, wieso die Situation so mies ist. In einem Land, das wirtschaftlich so gut dasteht. Und trotzdem kenne ich eine Menge Leute die nicht viel verdienen. Wir haben in Deutschland im Druchschnitt das zehnhöchste Durchschnittseinkommen weltweit und trotzdem sind knapp 2/3 der Bevölkerung vom Lohndumping betroffen. Erst ab rund 2900 Euro brutto ist man kein "Zinssklave" mehr, hieß es vor längeren Zeiten in der Boulevardpresse. Das bedeutet: Dass die Wirtschaftsleistung angemessen vergütet wird und das Einkommen dafür ausreicht, Vermögen anzuhäufen und sich nicht in Luft auflöst. Darunter wird es arg knapp. Allerdings verdient der Durchschnittsdeutsche ja knapp 3800 Euro brutto. Leider ist die Einkommensverteilung mittlerweile ungleich, so dass es keine Gaußsche Kurve ist mit Maximum bei 3800 mehr ist, sondern dieses liegt drunter. Für mich liegt ein normales durchschnittliches Einkommen bei 2500 brutto. Ab da kann man sich einige Sachen erfüllen und sogar schon eine kleine Familie ernähren. Wenn man sich vorstellt, dass Kfz-Mechatroniker trotz der handwerklichen Arbeit 1800 brutto oder Logopäden/ Ergo- und Physiotherapeuten nur um die 2000 Euro verdienen fragt man sich schon. Allerdings ist das alles mehr, als man bekommt, wenn man ALG II erhält. Nur muss dieser, wenn er es geschickt anstellt, wenigstens nicht arbeiten und taucht dafür in der Statistik auf.

  18. #18
    Zum "Amt für Schreibarbeit" hab ich nach Jahren des "ausbildungssuchend" seins ne "ganz besondere" Beziehung. Genauere Erklärung gern später, für mich paßt "Abstellgleis" zumindest deutlich besser nach meinen Erfahrungen...

  19. #19
    Zitat Zitat von Eisbaer Beitrag anzeigen
    Und wieso ist das jetzt unfair? Und für wen?

    Mit überqualifiziert meine ich schlichtweg, dass jemand mit Abitur selten auf die Idee kommt, eine Lehre als Tischler oder Einzelhandelskaufmann bei Rewe zu machen und das ist auch vollkommen nachvollziehbar. Mal ganz davon abgesehen, dass du häufig sogar abgelehnt wirst, weil du zu qualifiziert bist für einen Job oder eine Ausbildung. Hab das mal während eines Praktikums erlebt, dass ich einem Mann eine Absage schreiben sollte, der sogar nen Dr.-Titel hatte und sich als Hausmeister beworben hat. Und dem wurde exakt deswegen abgesagt.
    Gut, du hast Deine Aussage bereits erklärt, daher passt eh alles. Habe es erst so verstanden, dass Handwerker ja eh nix in der Birne haben müssen etc (um es überspitzt zu formulieren).

    @Inno: Ja natürlich möchte man angemessen bezahlt werden. Ich finde die Bezahlung im Handwerk eh lächerlich. Ich habe vor 2 Wochen freiwillig in der Produktion ausgeholfen, weil zuviel zu tun war. Da habe ich echt mal gemerkt, was die tag täglich reißen, während ich, gut bezahlt, auf meinem Sessel hocke. Die bekommen nichtmal die Hälfte meines Gehaltes. Und das finde ich ziemlich bedenklich. Handwerk bzw. körperliche Arbeit muss besser bezahlt werden. Meinetwegen unter dem Umstand, dass Sesselfurzer, wie ich, weniger Geld bekommen.

  20. #20
    Zitat Zitat von Cuzco Beitrag anzeigen
    Bei mir war das ganz ähnlich wie bei Whiz-zarD: "Was Toningenieur sind Sie? Dann haben Sie komplett verschissen! Können für den Rest Ihres Lebens 1-Euro-Jobs annehmen, dürfen die Stadt nicht mehr verlassen... Einen neue Ausbildung? Kommt nicht in Frage! Ihre Zukunft: schwer vermittelbarer Langzeitarbeitsloser ohne Statistikeintrag..." So wurde es mir zwar nicht gesagt, aber genau das hatten die mit mir vor.
    Naja, bei mir war es schon etwas anders. Beim ersten Gespräch in der Arbeitsagentur hat man mir deutlich gesagt, dass man mir nicht helfen wolle, sondern dass es schlicht und ergreifend nur darum geht, mich aus der Arbeitslosenstatistik streichen zu können. Komme was wolle. Der seelische Zustand spielte dabei keine Rolle. Damals galt der Beruf "Mechatroniker" noch als _DER_ Beruf der Zukunft. Täglich hatte ich mindestens drei Briefe von der Arbeitsagentur im Briefkasten, mit Adressen von Zeitarbeitsfirmen, denn diese Firmen nehmen jeden Idioten. Sei es auch nur fürs Putzen von Zügen, was ich mal zwei Tage lang machen musste ...

    Die Arbeitsagentur Hamburg bot mir sogar eine Weiterbildung zum Fluggeräte-Elektroniker an und hatte mir sogar den Vertrag zugeschickt. Ich brauchte ihn nur noch unterschreiben, doch da meine zuständige Arbeitsagentur außerhalb Hamburgs lag, brauchte ich eine Genehmigung meiner Arbeitsagentur, da diese Weiterbildung vom Bund subventioniert wurde. Man lehnte dies aber ab, mit der Begründung, als Mechatroniker würde ich auch einen regulären Job finden.

    Zitat Zitat von Dizzy Beitrag anzeigen
    @Inno: Ja natürlich möchte man angemessen bezahlt werden. Ich finde die Bezahlung im Handwerk eh lächerlich. Ich habe vor 2 Wochen freiwillig in der Produktion ausgeholfen, weil zuviel zu tun war. Da habe ich echt mal gemerkt, was die tag täglich reißen, während ich, gut bezahlt, auf meinem Sessel hocke. Die bekommen nichtmal die Hälfte meines Gehaltes. Und das finde ich ziemlich bedenklich. Handwerk bzw. körperliche Arbeit muss besser bezahlt werden. Meinetwegen unter dem Umstand, dass Sesselfurzer, wie ich, weniger Geld bekommen.
    Wenigstens einer, der es merkt.
    Darum würde ich es sehr gut finden, wenn Leute, die Ingenieurswesen oder ähnlichem studieren wollen, zuerst eine handwerkliche Ausbildung absolvieren, um überhaupt mal zu sehen, was das für eine Arbeit ist, über die sie dann entscheiden. Ich habe es vielfach erlebt, dass solche Leute überhaupt keinen Bezug zur Realität haben und z.B. Konstruktionszeichnungen hinrotzen, wo man schon auf Anhieb sehen kann, dass das so nichts wird oder bei der Montage erst mal ein Winkelbohrer erfunden werden müsste. Den Gipfel der Unverschämtheit habe ich mal bei einem Konzern erlebt, wo ich im Akkord gearbeitet habe. Die Montage dauerte einigen Entscheidungsträgern zu lange, also hat man einfach die festgelegten Zeiten, wie lange man für die Montage braucht, neu berechnet. Als Basis diente nur die Anzahl der Bauelemente, das dazu führte, dass die Zeit auf Papier sich um mehrere Stunden verringerte, was natürlich für die Schlipsträger toll war. Dass aber die Montage oftmals sehr fummelig war, wurde natürlich nicht berücksichtigt. Verwundert stellte man fest, dass die Produktion nicht schneller ging, obwohl sie laut Papier schneller sein sollte. Schuld lag dann nur bei den unfähigen Mitarbeitern ...

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