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Thema: Agentur für Arbeit - Echte Hilfe oder Abstellgleis?

  1. #61

    [Guardian Force] Examinierter Senfautomat
    stars_gf
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Wie ist es denn dann bei Lehrern? Nur aus Interesse?
    Im Prinzip so, wie ich es geschildert habe, allerdings mit einer sehr fachabhängigen Komponente. Mangelfächer (Mathematik, Physik, Chemie und zum Teil Neuere Sprachen) werden eigentlich immer gesucht und auch von der Stelle weg verbeamtet. Je nachdem, an welcher Schule man dann unterrichtet, bekommt man dann ein Gehalt zwischen A10 und A13Z (mit Ausnahme der Funktionstellen, die teilweise an Gymnasien, in der Lehramtsausbildung oder als abgeordnete Lehrkraft an den Universitäten oder Bezirksregierungen noch höher ausfallen können, aber auch etliche Dienstjahre Erfahrung erfordern).

    Bei allen anderen Fächern und vor allem in den neuen Bundesländern sieht es allerdings so aus, dass man kaum noch verbeamtet wird, sondern als "Lehrer in Anstellung" angestellt wird. Dementsprechend fällt man dann auch in den Tarifvertrag der Länder rein (TV-L), bei dem man dann schon deutlich weniger als sein verbeamtetes Äquivalent verdient (und natürlich auch im Höchstsatz für die Sozialabgaben landet [ich zahle alleine für die Krankenversicherung gut dreimal so viel in die gesetzliche Krankenkasse ein als noch zu Referendarszeiten und davor (Vater ist Beamter gewesen) in die PKV]). Zusätzlich dazu sind die Veträge dabei teils stark befristet und können zwischen einem Monat und einem Jahr unterschiedliche Längen einnehmen (mit der logischen Konsequenz, dass man dann bei entsprechenden Kettenverträgen trotz guter Arbeit entlassen wird auf Weisung der Bezirksregierung). Auch ist es durchaus noch übliche Praxis, dass Lehrer dann bis zu den Sommerferien dann befristet eingestellt werden und sich dann über die Ferien arbeitslos melden dürfen, wobei zum Schuljahresanfang dann schon ein neuer Vertrag existiert. Je nachdem, wie lange man vorher gearbeitet hat, kann das dann heißen, dass man sich auch für Hartz 4 melden darf, obwohl man theoretisch ja nicht ohne Arbeit ist. Blöderweise werden nämlich die Ausbildungszeiten an der Universität (herzlichen Dank an die CDU/FDP-Koalition) und innerhalb des Referendariats (herzlichen Dank rot-grüne Koalition) da heutzutage nicht mehr angerechnet und theoretisch startet man da bei "Null" in den Sozialkassen (selbst wenn man auf anderen Wegen schon Abgaben geleistet hat).

    Und natürlich wissen die beim Arbeitsamt mit dir als ausgebildetem Lehrer dann auch nichts anzufangen. Mit den Fächern Deutsch und Geschichte war da die Aussage mir gegenüber immer: "Da können wir Ihnen nicht helfen, da gibt es aktuell nichts. Auch nicht in den Alternativberufen." Und ja, mit den Zeitverträgen hatte ich da häufiger als mir lieb war den Kontakt mit den Leuten, wobei das nie mehr als fünf Minuten gedauert hat (da ich eine gut gefüllte Mappe mit Bewerbungen in chronologischer Reihenfolge da immer mitgebracht habe, die am Ende über 500 Bewerbungen in allen Bundesländern und Brasilien (Deutsche Schule in Rio) enthielt), aber teilweise dann natürlich in meiner Arbeitszeit angesetzt war. Ich war ja nie arbeitslos, aber immer in diesem Teufelskreis gefangen. Deshalb bin ich ja auch froh, dass ich jetzt fest als angestellter Lehrer im Sauerland gelandet bin.

  2. #62
    Von welchem Bundesland redest du jetzt? Hessen?

    Da ist Mathe kein Mangelfach. Lediglich Kunst und Religion (Stand vor ca. 3 Monaten). Habe nämlich mal nachgeschaut wegen einem Quereinstieg und das geht nur solchen Fächern.

  3. #63

    [Guardian Force] Examinierter Senfautomat
    stars_gf
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Von welchem Bundesland redest du jetzt? Hessen?
    Nordrhein-Westfalen.

    Zitat Zitat
    Da ist Mathe kein Mangelfach. Lediglich Kunst und Religion (Stand vor ca. 3 Monaten). Habe nämlich mal nachgeschaut wegen einem Quereinstieg und das geht nur solchen Fächern.
    Also in NRW sollte ein Quereinstieg problemlos möglich sein, übrigens genauso wie in Hessen. Allerdings musst du natürlich auch die Einstellungstermine beachten, die da bei der Bewerbung gelten. In Nordhrein-Westfalen sind die Einstellungstermine für die Verfahren und das Referendariat immer im Mai und November, dementsprechend gestaltet sich der Vorlauf der Bewerbungen dann natürlich auch. Momentan, also direkt vor oder nach den Sommerferien, sind die Portale da nie gefüllt, weil die Termine eben verstrichen sind. Lehrer werden nämlich in den alten Bundesländern in der Regel nur zu Stichtagen eingestellt.

    In NRW ist da gerade bei LOIS (Lehrereinstellung Online Interessenten für den Seiteneinstieg) auch nur ein Angebot gelistet, bei VERENA (Vetretungsunterricht, bedingt auch für Fachwissenschaftler) wirst du allerdings immer noch erschlagen. Da kann es dann auch nicht schaden, sich einmal zu bewerben und so seine Karte zu hinterlassen. Möglicherweise kann daraus nämlich ein OBAS-Verfahren zum Seiteneinstieg entstehen (den Fall hatten wir letztes Jahr bei uns an der Schule).

  4. #64
    Hi,

    nee. Ich habe in Hessen die entsprechende Beratungshotline Anfang Mai angerufen und dort wurde mir gesagt, dass der Quereinstieg in Mathe in Hessen in diesen Halbjahr nicht möglich ist. Wie du schreibst gibt es immer im Mai und November die "Updates" das wurde mir gesagt.
    Frage ist, wie hoch heut noch die Chancen sind verbeamtet zu werden *g*
    Wie dem auch sei, als Lehrer wollt ich nicht unbedingt arbeiten. Das ist sicher kein Job nur für die Kohle.

  5. #65

    [Guardian Force] Examinierter Senfautomat
    stars_gf
    Mit einer OBAS-Stelle wirst du zu nahezu hundert Prozent verbeamtet.

  6. #66
    Zitat Zitat von BIT
    Blöderweise werden nämlich die Ausbildungszeiten an der Universität (herzlichen Dank an die CDU/FDP-Koalition) und innerhalb des Referendariats (herzlichen Dank rot-grüne Koalition)
    Ich muss zugeben, als ich das erste Mal wählen konnte, habe ich mich leider (!) für rot-grün entschieden. Weil ich diese Agenda 2010 und die ganzen Reformen (Hartz IV und Co.) nicht absehen konnte. Außerdem lässt man sich als 18jähriger sehr leicht blenden. Dass Stoiber als Kanzler damals die bessere Wahl gewesen wäre, konnte ich nicht absehen; erstens war er mir unsympathischer als sein Gegenkandidat (sehe ich heute aber etwas anders) und die CSU war für mich zu rechts. Ist sie auch heute noch, allerdings mag ich die SPD noch deutlich weniger und das nicht nur wegen Gabriel.

    Ach ja, schaut Euch das mal an: http://www.spiegel.de/politik/deutsc...a-1045880.html
    Die SPD will Balkanflüchtlinge abschieben, genau wie die CSU, nur netter! Jo...

    Die ganze Crux ist wirklich: Ich habe letztes Jahr eine 70-75 Stundenwoche gehabt und nicht einmal das Existenzminimum verdient. Ich bekomme KEINE Hilfe vom Staat. Meine Eltern gleichen momentan die Differenz aus - fühl mich natürlich auch nicht grade geil dabei. Erstens sind sie nicht wirklich reich und mein Vater arbeitet ohnehin haufenweise Überstunden und zweitens ist es ja nicht so, dass ich einfach zu Hause sitze und nichts tue. Die 70-75 Stunden, ach ja:
    Aufgrund der äußerst dramatischen Lage in der Medienbranche hab ich mich gezwungen gesehen, noch einmal eine Ausbildung anzufangen. Diesmal eine Ausbildung in einem Therapieberuf (Logo, Ergo, Physio), die NICHT vergütet wird. Der Ausbildungsstandard ist da sehr hoch und nicht wesentlich leichter als ein Grundstudium in Medizin. Die Berufschance ist aber sehr gut, als Freiberufler kann man in den Therapiebereichen relativ normal verdienen, auch wenn sich die Angestelltengehälter nicht von denen im Einzelhandel unterscheiden (Ja, genau, die wo man zwei Jobs braucht um eine Familie ernähren zu können). Wenn man sich nämlich für eine vergütete Ausbildung im Medienbereich (z.B. Mediengestalter Bild und Ton) bewirbt, habe ich aufgrund meines biblischen Alters (das mit de "3" vorne) keine Chance (50mal probiert, 50mal ist nix passiert, 50 und eine Bewerbung - Ablehnung). Ablehnungsgrund auch: "Sie haben doch schon ein Studium. Ihr Abschluss beinhaltet doch schon alles, dass Sie sich auf eine richtige Stelle bewerben können!" Stimmt auch. Aber wenn man sich auf die Stellen bewirbt, dann... tja... ich war noch NIE bei einem Vorstellungsgespräch in der Branche...
    Also habe ich mich für eine Therapeutenausbildung entschieden, bevor ich als Vollzeit-Tellerwäscher für gerade mal Hartz-IV vom Staat arbeite, wobei hier die Berufsaussichten richtig gut sind. Das Problem ist der hohe Lernaufwand und dank vielerlei Praktika die wenigen Ferien. Und damit ich nicht komplett von Mama und Papa leben muss nehme ich nebenbei alle Aufträge an, die ich kriegen kann. Das führt dazu, dass ich mit meiner Therapeutenschule (staatlich) in Konflikt komme. Ich kann nicht einfach Urlaub nehmen und dank Attestpflicht muss ich Produktionen unter der Woche, die nicht in die Ferien fallen irgendwie deichseln... Entweder an Abenden oder mit Attest, etc. Schnittarbeiten erledige ich nachts oder am Wochenende, neben dem ganzen Lernen. Dann ist meine Familie auch noch über ganz (!) Bayern verteilt. Ich selbst wohne über 300 km von Würzburg, bzw. 200 km von Nürnberg entfernt...

    Ich bin so ein typischer Fall von "durch's Raster gefallen". Und die Jobcenter helfen solchen Fällen halt überhaupt nicht. Was mir auch schon aufgefallen ist, dass die Arbeitsagenturen in reichen Landkreisen mit weniger großen Städten schlicht überfordert sind, wenn jemand als "Tonmeister" vorstellig wird. Ich bin in den letzten fünf Jahren viermal umgezogen. Den "Gag" mit dem Töpfern habe ich nicht nur einmal gehört. Als studierter Musiker wird man sowieso als Spinner abgestempelt, wegen "Hobby", genauso als Toningenieur. In Anbetracht dessen, was heutzutage alles auf CD gepresst wird, gar nicht mal so abwegig. Naja, ich habe bei mehreren Ämtern eben eine Beratung verlangt; auch zwecks Umschulung. Letztenendes hatte ich im Dialog mit einem Sprecher, mit dem ich ein Hörbuch aufgenommen habe, die Anregung, soch in Richtung Sprecherzieher zu gehen. Nach eingehender Recherche entschied ich mich, mich für das sehr gefragte Berufsbild eines Sprachtherapeuten zu bewerben und wurde nach einer Aufnahmeprüfung tatsächlich genommen. Und tatsächlich fühle ich mich ganz wohl dabei, außer dass die Ausbildung alles versucht, um mich in den Burnout zu treiben. Aber ich möchte meinen eigentlich Beruf erstmal nicht aufgeben und wenn ich beide Ausbildungen habe und als Logopäde freiberuflich zu arbeiten beginne, kann ich trotz der momentan zwar stabilen, aber nicht ausreichenden Auftragslage im Toningenieursbereich, in beiden Bereichen arbeiten und mein Überleben sichern ohne jemals noch eine Arbeitsagentur zu betreten.

    Fazit: Was mich wurmt. Rot-grün hat aus Arbeitsämtern Jobcenter gemacht, aus der Sozialhilfe Hartz IV. Ist mal einmal im System Hartz IV kommt man nur sehr schwer wieder heraus. Laut Jobcenter eines Vollbeschäftigungslandkreises hätte mir Hartz IV als Tellerwäscher gedroht. Ich entschied die Sache selbst in die Hand zu nehmen und bewege mich daher momentan an der Auslastungsgrenze. Hätte ich in irgendeiner Branche Beziehungen oder würde tatsächlich das zählen was ich kann und für das ich ausgebildet wurde, hätte ich das Problem jetzt nicht und könnte mich bei knapp 35 Stunden über einen Nettoverdienst zwischen ungefähr 1500 bis 2000 Euro freuen, sowie es einige meiner Komilitonen machen.

    Ach ja: BafÖG kann ich für meine Ausbildung nicht beantragen, da ich schon ein erfolgreich abgeschlossenes Studium hinter mir habe. Ich muss also neben der Ausbildung arbeiten, auch wenn das die Schule nicht gerne sieht.

    Geändert von Cuzco (09.09.2015 um 09:47 Uhr)

  7. #67
    Find die Grundidee eigentlich recht gut. Leider wird halt - wie überall, wo Menschen arbeiten - immer der bequemste Weg gesucht für sich selber. Das führt dann eben dazu, dass es Mitarbeiter in Jobcentern gibt, die Leute in Sinnlos-Maßnahmen vermitteln und gar keine Ahnung von allem haben.

    Gerade mit der Statistik - das ist doof. Da sollten andere Zielsetzungen her. Ich habe - nach meiner neuerlichen Erfahrung - sogar mal eine Petition beim Bundestag eingereicht (ist noch in Bearbeitung und unklar ob die das veröffentlichen wollen auf der Internetseite) die darauf abzielt sinnvollere Maßnahmen anzubieten bzw. die Sinnhaftigkeit besser zu überprüfen.

    Wenn jemand nach der Maßnahme nur ein paar Monate in Zeitarbeit ist und dann wieder arbeitslos ist ... dann wärs ja weniger sinnvoll so eine Maßnahme anzubieten. Derjenige könnte sich auch so auf Zeitarbeit bewerben und man hätte die Maßnahmekosten gespart. Vielleicht braucht er 1 Monat länger bis er ne Stelle hat, aber der 1 Monat mehr Hartz IV ist sicher günstiger als die Maßnahmekosten.

    War in einer Maßnahme - für 5 Tage oder so. Das nannte sich FTEC (darüber hört man auch viel Negatives im Internet). Es sollen "Vermittlungshemmnisse festgestellt und verringert" (oder so ähnlich) werden. Nebenher in einem Berufsfeld ein bissl Kenntnisse vermittelt werden. Aber diese Maßnahme ist allein dadurch schon ungeeignet, dass ein "fliegender Einstieg" möglich ist. (Alle paar Tage bzw. jede Woche kommen neue Leute dazu.) Da ist gar kein richtiger Lehrplan möglich.

    Es wurde auch nix "festgestellt". Man kam hin. Dann hieß es jede Woche 7:30 antanzen. 8:30 war die Dozentin erst wirklich war. (Wollen wohl gucken, ob man früh aufstehen kann.) Dann in so ein Übungslager - ohne Beaufsichtigung - selber sich beschäftigen, mit Sinnloskram den man in 1-2 Tagen auswendig kann.

    Meiner Meinung nach sogar ein Fall für die Staatsanwaltschaft - da es gewerbsmässiger Betrug ist, da hier gar nix vermittelt wird - die Maßnahmeträger aber abkassiern.

    Leider machen viele einfach mit. Da sie dann "weniger vom Jobcenter wegen Bewerbungen usw. genervt werden" (Meinung von einem andern Teilnehmer mit dem ich dort persönlich sprach) oder halt auch Angst haben wegen Leistungskürzungen. Grad wenn Familie da ist und man das Geld braucht und nicht so fit ist in Rechtsdingen (leider viele die Zielgruppe solcher Maßnahmen sind) - das war die Meinung von nem andern mit dem ich kurz sprach. So bleibt das halt alles bestehen und wird nie zerschlagen, dieses System.

    Dabei ist es möglich - hab nach paar Tagen abgebrochen. Und Beschwerde ans "Kundenreaktionsmanagement". Die haben gemerkt, dass ich Ahnung habe und es gab keine Sanktion.

    Die Zertifizierungen der Maßnahmeträger bringen übrigens nix. Werden nur stichprobenartig - nicht an allen Standorten - kontrolliert. Außerdem kann man viel in sein Qualtiätsmanagementprogramm schreiben und später doch andere Sachen machen als man irgendwie dokumentiert (was halt oft für so Zertifikate reicht).

    Gibt auch teils sinnvollere Maßnahmen. Gerade wenn ein festerer Lehrplan da ist. Oder wenn es noch länger ist und noch mehr kostet. Richtung Umschulung - wenn man dann auch freiwillig was machen will. (Da muss der Maßnahmeträger ja schon mehr bieten, wenn ihm nicht die Leute zugeworfen werden vom Jobcenter aus.)


    Jetzt hab ich ne neue Maßnahme. "Systemisches Coaching". Wäre wohl teurer, da es Einzelgespräche sind. Musste mich selber anmelden (hätte auch anderen Anbieter als den vorgeschlagenen suchen können, aber keinen gefunden der mit der örtlichen Beschränkung des Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins passte). Nur 2 Termine pro Woche. Mal gucken wie das so wird. Wenigstens nich so langweilig, da man dann nen Ansprechpartner hat und auch tatsächlich was gemacht wird, da Einzeltermine. (Und die Coaches wohl auch ne Qualifikation haben wie man auf der Webseite sehen konnte und das auch an Akademiker sich richten tut unter anderm als Zielgruppe.)

    Der Flyer is lustig. "Wir legen großen Wert auf eine persönliche Atmsophäre und empfangen Sie in geschmackvoll gestalteten Räumlichkeiten."

    Aber auch hier: "Da gehen Sie halt hin und dann werden die Vermittlungshemmnisse abgebaut - irgendwelche müssen Sie ja haben, sonst hätte es bisher mit den Bewerbungen geklappt." - Aussage vom Mitarbeiter des Jobcenters als Begründung für die Maßnahme. (Eigentlich sollte man wissen welche Vermittlungshemmnisse es konkret sind - damit man zugeschniten darauf ne passende Maßnahme anbietet/vorschlägt.)

    Na ja. Nich mein Geld. So langs nich zu langweilig wird mach ich brav mit und schreib meine Mindestanzahl an Bewerbungen. Nicht viele mehr - so motiviert bin ich nich. Mal gucken ob sie mir dan noch mehr anbieten. Geld scheint en mass vorhanden zu sein. Die Agentur macht wohl auch Überschüsse, mein ich - in den letzten Jahren soll es wohl so gewesen sein.

    Vielleicht werde ich Maßnahmetester.

  8. #68

    Khosu Gast
    Das ist interessant was du berichtest Pete S.

    Wir haben in der Universität ein Seminar über Arbeitslose mit einem ehemealigen Leiter einer Arbeitsagentur.

    Dieser ist davon überzeugt, dass man fast jeden Arbeitslosen auch in Arbeit bekommt, wenn man ihn nur individuell und gezielt fördert.

    Ich wiederspreche dem ganzen immer, da ich der Meinung bin, dass man auch nur Arbeit findet, wenn Arbeit da ist.

    Wenn es keine Jobs gibt, kann man sich qualifizieren wie man will, man findet keine Arbeit.

  9. #69
    Zitat Zitat von Khosu Beitrag anzeigen
    Dieser ist davon überzeugt, dass man fast jeden Arbeitslosen auch in Arbeit bekommt, wenn man ihn nur individuell und gezielt fördert.
    Achte auf die Details. Das ist wie "Im Kapitalismus kann jeder Wohlstand erlangen." Stimmt, jeder. Aber nicht alle gleichzeitig.

  10. #70
    Ich wäre generell für einen Bestandsmechanismus für gewisse Werte. Ich denke da vor allem an Grundbesitz, zumindest Wohngrundbesitz. Ich verstehe, dass man erwarten kann, dass Empfänger von sozialer Sicherung zunächst einmal eigene Besitzstände nutzen, um sich über Wasser zu halten, aber wie Lonicera meinte kann das zu erheblichem Sozialen Abstieg führen und darüber hinaus die soziale Versorgung sogar noch verteuern oder die Möglichkeiten zur Arbeitsannahme schmälern. Von den Auswirkungen auf Kinder gar nicht zu reden.

    Generell würde ich die Freibeiträge für erspartes Einkommen deutlich anheben und langlaufende Vorsorge- und Investitionsmöglichkeiten ebenso daraus halten wie Lebensversicherungen etc. Die absurde Logik ist ja, dass für die Leute überhaupt keinen Nutzen hat irgendetwas zu sparen, weil sie ja beim Herunterlassen der Hosen dann dafür auch noch bestraft werden, dass sie "vorgesorgt" haben. Am wichtigsten fände ich allerdings Wohngrundbesitz der Leute zu erhalten. Der ist ohnehin gerade in strukturschwachen Regionen kaum oder nur zu Ramschpreisen zu veräußern und ich persönlich fände es immer sinnvoller, wenn die Leute ein eigenes Haus haben, statt ihr Geld so einem Miethai in den Rachen zu werfen. Ich würde deshalb Wohnunterstützung in gleicher Höhe vorziehen, anstatt die Leute dazu zu zwingen sich in die Abhängigkeit eines Mietverhältnisses zu begeben, obwohl sie eigentlich ein Haus damit halten könnten.

  11. #71
    Zitat Zitat
    Aber ganz ehrlich! Ich wäre mehr als sauer, wenn mein Nachbar seine Hausfinanzierung vom Arbeitsamt bezahlt bekäme.
    Und ich rede von ALG II - also das was eigentlich Sozialhilfe ist.
    Es geht ja nicht um Hausfinanzierung. Es geht um das Besitzer-Äquivalent der Mietkosten. Nur weil du nicht zur Miete wohnst verursacht das Haus ja auch laufende Kosten, obwohl du hier etwas flexibler bei der Bezahlung sein kannst. Heizkosten, Wasser etc. die hast du ja trotzdem. Es geht nicht darum, dass dir der Staat beim Abbezahlen deines Hauses helfen soll. Die Grundlage wäre: hast du schuldenfreien Wohngrundbesitz, solltest du ihn halten dürfen.

  12. #72
    Zitat Zitat
    Wenn dein Haus aber schon bezahlt ist, biste fast im Rentenalter, außer bei Leuten mit gutem finanziellem Hintergrund. Der normale Häuslebauer zahlt doch 30 Jahre ab.
    Aber wenn es noch nicht bezahlt ist, kann die Zinszahlung übernommen werden (so wie Miete), nicht aber die Tilgung. Weil da eben der Grundsatz greift, dass Sozialhilfe nicht zum Vermögenserwerb dient.
    Ähm nicht unbedingt. Wenn du neu baust vielleicht. Häuser kaufen kostet bei mir in der Region im Vergleich kaum was (Renovierung vielleicht) und noch häufiger wird das Haus vererbt bzw. einfach von den Kindern übernommen. Wir hatten es leider schon zu oft, dass die Häuser, weil die eben nicht so klein sind (groß bedeutet nicht zwangsläufig luxuriös) abgestoßen werden mussten als Leute in Hartz rutschten. Gab es ein paar tragische Fälle in unserer Kleinstadt die letzten Jahre. Selbst das Haus meiner Oma, das ein altes Bauernhaus ist, liegt da weit über der 80qm Größe und auf das Ding wäre kaum einer neidisch.

    Ich denke schon das Besitzstandserhaltung zumindest in diesen Bereichen wie Wohngrundbesitz eine relevante Sache ist. Ein Teil der Problematik der Arm-Reich-Schere liegt darin begründet, dass die Reichen sich auf einem Niveau befinden, dass sie eigentlich so gut wie unmöglich unter eine bestimmte Schwelle rutschen können, weil das Kapital produktiv genug ist, während der Rest der Bevölkerung einerseits kaum Möglichkeiten zum Kapitalaufbau besitzt einerseits, andererseits ständig davon bedroht ist, wenn dann gleich richtig zu viel verlieren. Ich denke es wäre sinnvoll da Netze einzuziehen, die es möglich machen Besitzstände in einem bestimmten Rahmen unter Bestandsschutz zu stellen.

  13. #73
    Zitat Zitat von Lonicera Beitrag anzeigen
    ALG I ist ja eine Versicherung und dafür zahlt ein Arbeitnehmer.
    Kann man auch aus der Versicherung austreten? In meinem Berufsleben war ich jetzt insgesamt 3 Mal arbeitslos (jedes Mal ca. 1 1/2 Monat lang) keinen einzigen Cent bekommen.
    Das erste Mal war direkt nach meiner Ausbildung. Da bekam ich nur zu hören, dass meine Eltern mich ja finanzieren können.
    Das zweite Mal hatte ich mich geweigert, wieder bei einer Zeitarbeitsfirma zu bewerben. Die Arge hat sich auch nicht für meine Depression interessiert und ignorierte auch meine Berufswünsche. Als Mechatroniker brauch ich ja keine neue Ausbildung zum Softwareentwickler ...
    Das dritte Mal hatte ich wegen der Depression selbst gekündigt und mich dann um die neue Ausbildung selbst gekümmert und wer selbst kündigt bekommt eine Sperre.

    Also vollkommen Sinnlos eingezahlt.

    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Ähm nicht unbedingt. Wenn du neu baust vielleicht. Häuser kaufen kostet bei mir in der Region im Vergleich kaum was (Renovierung vielleicht) und noch häufiger wird das Haus vererbt bzw. einfach von den Kindern übernommen. Wir hatten es leider schon zu oft, dass die Häuser, weil die eben nicht so klein sind (groß bedeutet nicht zwangsläufig luxuriös) abgestoßen werden mussten als Leute in Hartz rutschten. Gab es ein paar tragische Fälle in unserer Kleinstadt die letzten Jahre. Selbst das Haus meiner Oma, das ein altes Bauernhaus ist, liegt da weit über der 80qm Größe und auf das Ding wäre kaum einer neidisch.
    In welcher Gegend wohnst du? O_o
    In meiner Gegend sind die Immobilienpreise explodiert und derzeit lohnt es sich nicht, ein Haus zu kaufen, weil Neubauen genauso teuer wird.
    Vor 3 Jahren habe ich meine Wohnung für 124.000 € (Plus Notarkosten) gekauft. Vor einem halben Jahr wurde im Nachbarhaus (selbe Bauweise; selbes Baujahr) eine Wohnung mit den selben Grundrissen für 175.000 € verkauft und die besaß noch die Erstaustattung aus dem Jahr 1984. Meine hingegen hatten die Vorbesitzer schon modernisiert. Ich könnte meine also locker für 190.000 € verkaufen.

  14. #74
    Zitat Zitat
    In welcher Gegend wohnst du? O_o
    Sachsen-Anhalt und Brandenburg (und ich glaube in MeckPomm sieht es nicht viel besser aus). Geht aus den Zentren raus und ihr habt Zugriff auf jede Menge auch größere Anwesen zu einem Teil der Preise, die ihr anderswo zahlt. Der Löwenanteil wären hauptsächlich anfallende Renovierungskosten. Die zerfallen einem nicht gleich alle unterm Hintern aber brauchen ggf. auch mal eine Erneuerung des Daches. Strukturschwache, ländliche Regionen. Im Umgebungsgürtel der Städte steigen die Preise hingegen wieder rasant an. Da wo ich herkomme haben wir eher mit zunehmenden Leerstand zu kämpfen. Allein im Dorf, in dem meine Oma lebt, sterben so langsam ganze Familien mit den alten Herrschaften peu a peu aus und dort gibt es derzeit auch große Grundstücke (Bauerngehöfte, mit Scheunen und Nebengelassen dazu ggf. Gartenfläche und nach hinten raus auch noch Fläche für oder zwei kleine Felder + Obstbäume. Aber natürlich auch kleinere Klitschen. Zu Anfang werden die Preise meist noch recht hoch angesetzt aber die sinken erfahrungsgemäß dann zunehmend schnell ab, damit die Dinger überhaupt irgendwie verkauft werden können.

    Einfache Marktwirtschaft: Steigendes Angebot + kaum Nachfrage = niedrige Preise

  15. #75
    Zitat Zitat
    Ja, aber das ist ja das Problem - da will keiner hin. Daher gehen die Hauspreise in den Keller.
    Was soll ich denn auf so einem (zugegeben) idyllischen Dorf, wenn Einkaufen, Arbeitswege, Arztbesuche usw. zum Aufwand werden, von Schulen und Kinderbelustigung (Kind-muss-alles-lernen-Kurse) will ich gar nicht reden.
    Schon. Deswegen weise ich daraufhin, dass die Leute, die hier bei uns dazu gezwungen werden ihre Häuser zu veräußern, weil das Amt den Wohnraum zu groß befindet, keinesfalls darum geht hier Luxus und Umengen an Wohlstand auf Staatskosten anzuhäufen oder zu erhalten. Die Häuser sind praktisch kaum was wert und trotzdem müssen die die auf Teufel komm raus abzustoßen versuchen, damit sie in einer Form sicherungsfähig sind. Und dabei sind etliche davon seit Generationen in Familienbesitz (gewesen).

    Außerdem hatte Whiz-zarD gefragt, wo man so günstig wohnen kann ^^ Das ein Haken an der Sache ist absolut klar Aber hier geht es eben nicht um Wohlstand auf Staatskosten und neidische Nachbarn wirst du hier erst Recht nicht haben, weil die alle zusehen, wie sie hier über die Runden kommen.

    Zitat Zitat
    Das liegt aber hier am ehemaligen Zonenrandgebiet. Die brauchen bisschen länger, bis sie aufgeholt haben. Die "blühenden Landschaften" wurden ja nur für den Osten versprochen.
    Und nicht mal da wurde es gehalten, naja gut. Will ich nicht sagen. Von den Investitionsgeldern wurden Städte und Dörfer saniert usw. Das will ich alles anerkennen, allerdings ohne Infrastruktur gehen wir jetzt halt gut aussehend zu Grunde

  16. #76
    Zitat Zitat von Whiz-zarD Beitrag anzeigen
    . Die Arge hat sich auch nicht für meine Depression interessiert und ignorierte auch meine Berufswünsche. Als Mechatroniker brauch ich ja keine neue Ausbildung zum Softwareentwickler ...
    Das dritte Mal hatte ich wegen der Depression selbst gekündigt und mich dann um die neue Ausbildung selbst gekümmert und wer selbst kündigt bekommt eine Sperre.
    Was du hattest Depris?? Ohww

    Ich möchte diesen Thread nutzen um hemmungslos abzutrollen, um bekannt zugeben, dass ich ab nächstem Monat, also rund 20 Monate nach dem Abschluss meines Studiums mit Topnoten, endlich einen Job hab (der sogar sehr gut bezahlt ist und auch sonst optimal ist)

    Eins vorweg, ich hätte wenn ich vorher gewusst hätte wie bestimmte Sachen so laufen, diese Zeit vielleicht etwas verkürzen können, aber nicht sehr stark. Also jetzt nicht um 8,9 Monate oder so. Vielleicht um drei.

    Zweitens muss ich ebenfalls erwähnen, dass auch ich, wie im Prinzip alle Leute die ich kenne und die studiert haben, ebenfalls sagen wir mal sehr deprimiert gewesen bin. Nach einer so immensen Anstrengung wie diesem Studium, der jahrelangen finanziellen Tiefstapellei,
    der Zeit am Gymnasium, wo die Lehrer einem die Jugend und Kindheit geraubt haben, weil "Er soll doch Abitur machen, da stehen ihm ja allen Türen offen und das lohnt sich doch auch soooo sehr und wer studiert ist schlau, verdient viel und hat vor allem den sicheren Job und naja dann gibts noch die Handwerker und das ist ja nix, weil Goethe und Schiller- DAS ist die hohe Kunst, das ist was Richtiges fürs Leben."- was immer so der Tenor der Lehrer war- ist man dann fertig, hat Topnoten, gehört zu den weniger als 10% die noch promovieren könnten und dann wird man 100 mal ohne Begründung abgelehnt und eiert fast zwei Jahre rum, bis es endlich was wird. Da will ich euch mal sehen. Aber es geht vielen meiner ehemaligen Kommilitonen so. Das war im Wesentlichen der Trost und viel Sport.

    Kommen wir nun zum Amt für soziale Arbeit auch genannt HartzIV-Amt. Dieses verhält sich sehr ähnlich der Arge.

    Zunächst mal nerfen die euch häufig per Telefon und per Brief bzw. dann per Gespräch. Stellt euch das vor. Ihr habt letze Woche drei Absagen kassiert, noch 4,5 Bewerbungen laufen und dann klingelt es morgens um 08.05 und dann ist euere "Sozialberaterinn" dran und fragt:" Hallo Herr noRkia, hier Frau SB. Haben sie jetzt einen Job?" Leute, das grenzt an seelische Grausamkeit.

    Dann kommen die tollen Eingliederungsvorschläge:

    SB:" Wir können ihnen einen Excelkurs anbieten. Das wird von einem Bidlungsträger Y übernommen, hier ein Bildungsgutschein."
    nRk:"Ähm, laut homepage kostet dieser vierwöchige Kurzs rund 2200 euro."
    SB:"Ja wir investieren viel in die Leute!"
    nRk:"Ja aber ich beherrsche bereits: Office, Matlab,R/S,Maple,Mupad,Pari,Stata,Singular, 3dMax () und C halbwegs. Für mich wäre wichtig eine gute SAS -Einführung. Kann ich mir vermutlich auch selbst beibringen nur brauch ich die Software."
    SB:"Neeee das geht nicht."
    nRk:"Wieso?"
    SB:" Ja weil SAS ist ja nicht berufsspezifisch."
    nRk:"Könnten sie mir wenigstens ein Office Paket bezahlen, damit ich nochmal VBA Markos üben kann?"
    SB:"Neeee. Dafür gibt es extra einen Kurs."
    nRk:"Der kostet ja auch 1500€ o_0. Zahlen wir mir doch bitte die Software für 50 euro, dann brauch ich da nicht hin."
    SB:"Neeee. Das geht nicht."


    Oh man. Dann gibts Leute bekommen vom Amt den Führerschein bezahlt. Bei mir natürlich nicht, wodurch die Chancen bei einer Beratungsgesellschaft landen zu können vermutlich gering sind. Dann gibts für einige Leute Berufskleidung. Bei mir nicht, weil Anzüge gelten nicht als zwingend notwendig. Dann gibt es die Weiterbildung (hat mim Amt nix zu tun, das ist eine extra Akademie) zum Aktuar(= mathematischer Gutachter), die kostet pro Klausur zb. 500-800 euro und wenn man damit schonmal anfängt, kommt das beim Arbeitgeber sehr gut an. Aber NEEEE. Das ist angeblich nicht Berufsspezifisch für Mathematiker. Ich bin nicht unverschämt und verlange unbedingt solche Leistungen will da klagen oder so, aber dann sollen auch bitte andere das alles nicht bekommen. Zum Finale kommt jetzt, dass es Gehalt natürlich erst so am 28,29 gibt, also vier Wochen nach Beginn des Jobs, aber für diesen Monat es natürlich keine Leistungen mehr gibt, weil man ist ja schon in Arbeit. Toller erster Monat, ich muss mir 5 Anzüge + was man sonst noch brauch kaufen und bekomme keine Leistung mehr. Trick: Ich könnte den Arbeitgeber bitten erst am 1 im übernächsten Monat zu überweisen. Das macht kein großer Laden und ich müsste ja dann meine Abhängig dieser Behörde dort offenlegen, was wieder einen schlechten Eindruck macht.

  17. #77
    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Schon. Deswegen weise ich daraufhin, dass die Leute, die hier bei uns dazu gezwungen werden ihre Häuser zu veräußern, weil das Amt den Wohnraum zu groß befindet, keinesfalls darum geht hier Luxus und Umengen an Wohlstand auf Staatskosten anzuhäufen oder zu erhalten. Die Häuser sind praktisch kaum was wert und trotzdem müssen die die auf Teufel komm raus abzustoßen versuchen, damit sie in einer Form sicherungsfähig sind. Und dabei sind etliche davon seit Generationen in Familienbesitz (gewesen).
    Ich gebe dir ja völlig recht. Aber es gibt doch die Regelung, dass bei unter Wert zu verkaufender Immobilie der Härtefall gilt. Vielleicht ist es auch mal wieder eine Frage der Kommunikation. Ich habe noch niemals bei irgendeinem Amt etwas nicht geregelt bekommen. Selbst wenn es schon schief lief, bekam ich es mit der richtigen Argumentation wieder auf die Bahn.

    Ok - zweimal wurde ich auch bös. Aber selbst das hat geholfen. Unserer Amtsärztin habe ich mal vorgeworfen, warum sie denn Ärztin geworden sei, wenn sie sich zu fein ist, Patienten zu untersuchen. Ich flog aus dem Gesundheitsamt - achtkantig, aber unser Antrag wurde genehmigt, weil ich gleichzeitig beim LaSo (das ist zuständig für Hypotheken für Behinderte) das Verhalten geschildert hatte und von dort eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Ärztin lief.
    Vorher hatte ich aber dem LaSo schon mal (auch ganz bös - sozusagen wutschäumend) gedroht, entweder wir bekämen die Hypothek oder würden beide arbeitslos - dann würden sie eh zahlen müssen.


    Ansonsten sachlich fundierte Argumentation, in scheißfreundlichem Ton - klappt bisher immer.

    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Und nicht mal da wurde es gehalten, naja gut. Will ich nicht sagen. Von den Investitionsgeldern wurden Städte und Dörfer saniert usw. Das will ich alles anerkennen, allerdings ohne Infrastruktur gehen wir jetzt halt gut aussehend zu Grunde
    Schöne Formulierung. Habe ich auch mal gesagt, als wir komplett alles neu eingerichtet und renoviert hatten und ich dann arbeitslos wurde: "so, jetzt können wir in Schönheit verarmen".

  18. #78
    Zitat Zitat von Khosu Beitrag anzeigen
    Wir haben in der Universität ein Seminar über Arbeitslose mit einem ehemealigen Leiter einer Arbeitsagentur.

    Dieser ist davon überzeugt, dass man fast jeden Arbeitslosen auch in Arbeit bekommt, wenn man ihn nur individuell und gezielt fördert.
    Wie schon jemand erwähnte: Jeden, aber nicht alle gleichzeitig. Außerdem wurde schon auf vorigen Seiten im Thread mal festgehalten, dass manche Unternehmen Stellen quasi nur als Werbung ausschreiben und gar nix zu besetzen haben. Und gerade Zeitarbeitsfirmen machen das sowieso um nur mal Bewerberdaten zu sammeln.

    Dann gibts genügend die merkwürdige Vorstellungen haben und nur die Uniabsolventen suchen die auch schon überall im Ausland waren und frisch von der Uni schon zig Jahre Berufserfahrung haben sollen. (Da sind zig Praktika schon mal Pflicht.)

    Der Arbeitsplatz muss am Ende halt auch fachlich und persönlich zum Arbeitnehmer passen. Auf hochqualifizierte Sachen kann man nicht jeden total unqualifizierten hinfördern, wenn er einfach nich intelligent genug ist, zum Beispiel.

    Manche haben nich genug "Biss" um im Verkaufsbereich zu arbeiten - oder sind körperlich nich kräftig genug, damit sie jemand für Lagerarbeiten haben will. Fehlender Führerschein kann auch ein Vermittlungshemmis darstellen.

    norKia hat angesprochen dass manche den bezahlt bekommen. Meines Wissens nach gibt es sowas nur als Darlehen - und wenn man nachweisen kann, dass man mit dem Führerschein dann direkt eine Stelle hätte. (Die wollen dann vermutlich schon nen Arbeitsvertrag wo drinsteht "Wir stellen Sie in 3 Monaten ein wenn sie ab da nen Führerschein haben.")


    Zu den Wohnungen: Ja klar, im Osten wo keiner hin will is sicher billiger.


    Gibt ja im Internet viele Foren, in denen Leute sich gegenseitig gegen die Jobcenter aufhetzen. Kann mir vorstellen, dass die Mitarbeiter da auch ziemlcih im Stress sind - bei hunderten "Kunden" pro Mitarbeiter. Habs immer mit Freundlichkeit und "gut mitarbeiten" versucht. Bisher - ohne Krankschreibung - ohne Sanktionen geklappt (über Jahre). Die machen auch genug unpassende Stellenvorschläge. Da bewerb ich mich einfach - meist klappt das dann sowieso nicht. Wenn man - wie ich - "mehr zuhören, weniger reden" praktiziert, ist man immer gut geschützt.

    Ich geh da nich zum Termin beim Jobcenter und erzähl dem freiwillig alles - sonst würd er eventuell noch was finden. Versuche aber trotzdem den Eindruck zu erwecken, dass ich auch mich bewerbe. Viel kontrolliern dürfen die ja glaub eh nich. Bei Arbeitgebern anrufen - wär ja schon wegen Datenschutz problematisch.

    Hängt aber auch stark von der Region ab. Gibt auch immer wieder Urteile. Hier in meiner Region ist man sehr human (die kennen wohl auch viele Urteile und haben Angst, da Jobcenter ja über die Hälfte der Gerichtsverfahren verlieren). 8 Bewerbungen auf 2 Monate (etwa 1 pro Woche nur, maximal war ich mal bei 8 pro Monat). Vorlegen muss ich nur ne Auflistung wo ich alles eintrage. Der lädt alle 2 Monate mal ein und druckt paar Vermittlungsvorschläge aus - die auch per Post ab und zu mal (eher selten) kommen. Hängt auch mit Fahrtkosten und Bewerbungskosten zusammen - die haben da im Budget ne Grenze. Würden sie so viele Bewerbungen verlangen würd sich das beißen mit dem Budget pro Person, dann könnt ich nach paar Monaten gar nix mehr machen (vorausgesetzt ich würd für alles Kosten beantragen, Email-Bewerbung machen die nich mehr ... aber wenn ich per Post machen würd müssten sie was zahlen) - weil kein Geld mehr da.


    Zeit halt, wie wenig fähig die Mitarbeiter sind. norKias Beispiele zeigen auch nochmal viel Unsinn auf. (Würde er mit der Software selber lernen könnten sie es kaum kontrolliern - aber auf die Maßnahmeträger die sowieso kaum was beibringen vertraut man wegen dem komischen Qualitätsmanagement und den Zertifikaten, die eh nix taugen. - Und dann noch im Extremfall die Maßnahmen die eh Sachen beibrinegn die derjenige im Schlaf kann.)


    Würde daher sagen der "ehemalige Leiter einer Arbeitsagentur" - von dem Khosu sprach - ist nicht wirklich geeignet, darüber Aussagen zu tätigen. Der war vermutlich auch inkompetent. Weiß nich ob das noch aktuell ist aber vor Jahren ... hieß es ja glaub ich auch mal, dass sogar ehemalige Postbeamte (als die Post umgwandelt wurde) in Jobcenter gesteckt wurden - da man die als Beamte ja nicht loswurde.

    Genügend Quereinsteiger gibts da auch, aus andern Bereichen.

    Die haben zwar ne eigene Hochschule um Nachwuchs zu züchten. Aber das is wohl nich genug. Und ob das was bringt is auch fraglich, wenn das System schon so wenig Spielraum gibt. (So Sachen wie einfach mal nur die Software zahlen dürfen die vermutlich gar nicht, selbst wenn sie wollten.)



    Hab deshalb meine Gedankengänge/Einstellung geändert - war lange (auch wenn ichs quasi ein bissl ausnutze und es mir auch schlechter gehen könnte wenn härter durchgegriffen würde ... was aber halt nich so gut geht ) der Meinung, dass das jetzige System gut ist. Grundeinkommen usw. Schwachsinn, da ja viel mehr dann Faulenzen würden und es mehr Geld kosten würde.

    Aber: Ginge man zumindest mal in die Richtung, Maßnahmen nur zu machen wenn der Arbeitnehmer die auch will - das könnte Geld sparen (Sinnlosmaßnahmen die nix bringen kosten nur extra, außerdem eventuell Bürokratiekosteneinsparung). Vermutlich würden dann aber Leute die beim Maßnahmetrainer arbeiten arbeitslos, wenn weniger Mitarbeiter für das Anbieten von Maßnahmen benötigt werden.

    Noch weiter: Grundeinkommen könnte doch sehr viel das System entschlacken, wenn weniger Arbeitsvermittler bei Jobcentern benötigt werden. Eventuell würde diese Einsparung ja tatsächlich die Mehrkosten durch eventuell ein paar mehr "Faulenzer" überwiegen. Faul sein kann man - wenn man geschickt ist - auch jetzt schon sein. Und viele haben doch - allein durch die Gesellschaft (kommt halt auch besser bei Frauen an ) - von sich aus den Anreiz zu arbeiten. Grad wenn Kinder da sind und das Hartz IV (Grundeinkommen dürfte halt auch nich höher sein) auch nich so prall is.


    Stattdessen demotivieren Sanktionen (Bundesverfassungsgericht lässt sich da mit ner noch offenstehenden Entscheidung Zeit) und unnütze Maßnahmen. Damit hält man Leute eher in Arbeitslosigkeit, statt diese herauszubringen. Man könnte zumindst überlegen ALG2-Satz abzüglich 30 Prozent (1 Sanktion) + Kosten der Unterkunft ... als Existenzminimum und Grundeinkommen anzusehen. Dann diese 30 Prozent (statt bis zu 100 Prozent sanktiniern zu lassen) als Spielraum bissl zu lassen wodurch man Anreize sich zu bewerben geben könnte.



    Kleine Story noch von meiner einen abgebrochenen Maßnahme in der ich in meinem vorigen Post berichtete:

    1x in der Woche war ein "Dozent" da zur Überarbeitung der Bewerbungsunterlagen. Der wirkte schon älter. Wer weiß, was der vorher machte. Technisch und fachlich jedenfalls nich so fit. In Word - ohne Formatvorlagen - mit Entertaste (neuer Absatz immer) alles untereinanter geklatscht. Lebenslauf mit Grundschule drin und ältester Sache oben (nich das was am aktuellsten war). Angeblich wolle das Jobcenter da so.

    Als jemand die ganzen Monate nich mehr wusste (der hatte viele kurze Beschäftigungen bei Zeitarbeitsfirmen, Jahre zurückliegend): "Monate müssen da rein. Überlegen sie mal, obs da geschneit hat oder so ... oder ob die Sonne gescheint hat." War der Lacher und Kracher des Tages für mich.

    Er kam aber dann noch mit einer sinnvolleren Idee: Rentenversicherung sich Nachweise zu holen wo man zumindest anhand der Einzahlungen schätzen kann wann Arbeitsverhältnisse bestanden haben. (Und angeblich muss man den Personalausweis und Rentenversicherungsausweis immer mit sich führen. Galt noch nie. Man muss nur einen besitzen und letzteres gilt - oder galt - auch nur in bestimmten Gewerben dann halt mit Bild drauf wegen Zollkontrollen, wurd glaub auch schon wieder geändert die Pflichten hier.)

    Er war jedenfalls total ins Schwitzen geraten, weil der Teilnehmer auch seine Sozialversicherungsnummer nich auswendig kannte und der Maßnahmeträger die wohl auch nich hatte (brauchen die ja auch nich die haben schon genug Daten) und er deshalb nich ihm so gut helfen konnte mit dem Lebenslauf. (Die wollten Online da Daten abrufen aber das wird sowieso ja erst zugeschickt.) Hab gut gelacht, an dem Tag.

  19. #79
    Ok du hast jetzt eigentlich alle Themen zusammengefasst. Bist du ein Roboter :P ?

    Ich muss nochmal sagen, dass durchaus verstehe, dass die bei den Leuten (Kunden genannt) auch öfters mal nachfragen, um zu kontrollieren, ob die sich echt bewerben etc.
    Es gibt bestimmt Leute, die echt nur abchillen und drauf reiten bezahlt zu werden.
    Trotzdem hätte ich mir gerade in meinem Fall, wo man doch davon ausgehen kann, dass man was sucht gewünscht, dass die einem gegenüber mehr Zuversicht signalisieren.
    Im Prinzip war das wie sone Kontrolle ob man nicht vielleicht zu doof ist, was hinzukriegen. Klar kann das sein, aber wenn man grad ein sehr schweres Studium abgeschlossen hat, bei dem es von den Profs immer nur heißt:"Bearbeiten sie die Aufgaben. Igrendwie mit Software am besten. Sie finden schon raus was sich so eignet und bringen sich das dann selbst bei. Abgabetermin: Freitag 10:00 Uhr per Mail an meinen Doktorand.", dann wird man es auch hinbekommen sich Stellenangebote zu suchen.

  20. #80
    Zitat Zitat
    Also, wer nun absolut meint, heutzutage ohne Führerschein auskommen zu wollen, ist selber schuld. Warum soll der Steuerzahler dafür aufkommen?
    Naja es geht ja um Fördermaßnahmen und Führerscheine werden ja auch gefördert, allerdings meistens nicht dann, wenn sie wirklich sinnvoll wären. Für viele Jobs musst du heute mobil sein, entsprechend ist das Finanzieren eines Führerscheins (im Gegensatz zu einem meist sinnlosen Excel-Kurs (ich kenne niemanden, der in der Privatwirtschaft (und nicht etwa selbstständig) ist, der wirklich mit Excel im Job zu tun hat, sondern mit ganz anderen Software-Lösungen) häufig eine Qualifizierungsmaßnahme, die ich pauschal als sinnvoll erachten würde. Wie norkia bereits sagte wird für diesen PC-Qualifizierungsschwachsinn (der zudem meist qualitativ unter aller Sau ist) jede Menge Geld aus dem Fenster geworfen, weil der gerontokratische Gesetzgeber irgendwann mal "Irgendwas mit PC" = Modern identifiziert, während Leute abgelehnt werden, weil sie nicht mobil genug sind.

    Witzige Anekdote am Rande: Ich durfte das zweckgebundene Fahrschulsparbuch bei meiner Sparkasse auflösen, weil sie mir den Betrag darauf sonst bei der Berechnung meines BAFöG-Anspruchs angerechnet hätten. Ich hab keinen Führerschein und wenn ich einen wollte, hätte ich jetzt zum Beispiel gar nicht mehr die Mittel eine Fahrschule zu besuchen. Entsprechend wenn sich das bei der Bewerbung günstig auswirken würde, dann eine Förderung vom Amt der einzige Weg wäre.

    Ebenfalls nette Anekdote: Damals als 16-jähriger (!) wurde ich bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz abgewiesen, weil der Betrieb (eine Sparkasse) nicht erkennen konnte, wie ich ohne zumindest einen Moped-Führerschein die tägliche Anreise zum Arbeitsplatz hätte bewältigen sollen.

    Zitat Zitat
    Nee, ging nicht um den Osten - der ist wunderschön. Es geht um das platte Land, wo es wenig Infrastruktur gibt.
    Da will ich Lonicera zustimmen. Osten ist vielleicht noch ein weiterer grund weil generell Infrastruktur fehlt aber um Berlin rum in Brandenburg oder die Ballungszentren in SA, Sachsen oder Thüringen herum bspw. in Erfurt, Dresden oder Leipzig (seit das aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund als neues Berlin bzegl. der Hippigkeit gilt) ziehen die Wohnungspreise ebenso wie in den Städten selbst an, wobei Leipzig schon noch ein günstiges Pflaster ist und ne tolle Stadt

    Das mit dem Land stimmt schon eher. Allerdings sind wir da doppelt gearscht, weil die Mittelstädte im Osten ebenfalls unter dem gerne euphemistisch so genannten Strukturwandel leiden und somit anders als anderswo auch keine wirkliche Leuchtturmwirkung auf die ländlichen Regionen drum rum haben.

    Im Übrigen hat das auch nichts mehr der Demographie zu tun. Die Kinder gibt es. Sogar relativ viele und durchaus auch junge Eltern. Aber die Kinder bleiben halt nicht. Das ist das eigentliche Problem. Aber ich meine, wenn man nicht mal einen landkreis oder bundeslandübergreifenden Busverkehr in den Grenzregionen geschissen kriegt, kann man offenkundig von politischem Versagen sprechen.

    Geändert von KingPaddy (15.06.2016 um 18:10 Uhr)

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