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Thema: Über den moralischen Wert des Vegetarismus\der Tierschonung

  1. #41
    Meint er die momentan in der Fleischproduktion lebenden Tiere, oder Tiere ganz allgemein?

    So oder so ist das als Argument definitiv wahnsinnig irreführend und ablenkend. Wenn es um die aktuellen Bestände geht, hofft ja wohl niemand ernsthaft auf "100% Veggie JETZT!" oder auf das Freilassen der Tiere (xD), sondern auf einen langsamen Abbau der Produktion, in dessen Rahmen irgendwann auch ein Zuchtstop hier und da möglich wäre. Wenn es um Tiere allgemein geht, ist da sicher was dran (Jägerberuf und so), lenkt aber vom Punkt ab. Weder der Fleischindustrie noch "uns Fleischessern" geht es um die "Plage Tier", und man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Fleischproduktion in keiner Relation zur Populationskontrolle unserer Fauna steht. Vielleicht kann man das Argument aber wieder aus der Kiste holen, wenn die Gesellschaft in 50 Jahren größtenteils vegetarisch und Fleisch zu einer umstrittenen und seltenen Delikatesse geworden ist.

    Wobei, nein. Lasst die Tiere frei. JETZT.

  2. #42
    Zitat Zitat
    Na na! Itaju hat ja das Recht sich auch Dingen gegenüber zu äußern, die noch nicht genannt oder behauptet wurden, aber sehr wohl zum Thema gehören
    .

    Das hier:
    Zitat Zitat
    Ich amüsiere mich gerade darüber, wenn die vegetarische/vegane Ernährung von Haustieren als unmoralisch dargestellt wird, die Fütterung dieser mit Tierfleisch, das garantiert nicht unter moralischen Bedingungen hergestellt wurde jedoch wenig oder überhaupt nicht.
    bezog sich eindeutig auf die hier bereits stattgefundene Diskussion darüber. Wir haben weidlich Leute als Tierquäler beschimpft, die ihren Carnivoren dazu zwingen, sich an seinen Lebensstil anzupassen, weil er es moralisch richtiger findet, dass auch sein Haustier vegan leben solle.
    Es hat in diesem Zusammenhang aber eben niemand behauptet, dass dadurch die Haltung von Schlachttieren verbessert würde, eben weil es sinnlos ist, da das Leid der einen gegen das Leid der anderen Tiere in Stellung zu bringen.

  3. #43
    Zitat Zitat von Stray Beitrag anzeigen
    Um jetzt die Diskussion ein bisschen zu drehen möchte ich mal darauf verweisen, was ich in einer Diskussion vor kurzem mal aufgefasst habe: Jemand hat mir mal gesagt, man käme nicht drumrum Tiere zu töten, weil sie früher oder später zur Plage werden, indem sie sich ungehindert vermehren. Sicher, das ändert nichts daran, dass noch andere Tiere getötet werden, aber abgesehen davon, würde der Bestand dem Menschen tatsächlich früher oder später zur Last fallen?
    Das Argument höre ich auch häufiger, wenn es um Jagd als Hobby geht: wenn wir nichts gegen die Wildpopulationen machen, gibt es mehr Wildunfälle. Und wenn der Bestand Jahr um Jahr um 10% wächst, ist in 30 Jahren die gesamte Erdoberfläche mit Rehen und Hirschen bedeckt!

    Der Fehler ist: Ökosysteme gleichen sich von alleine aus. Wenn eine Spezies sich wegen guter Bedingungen rasch fortpflanzt, konkurriern in kurzer Zeit auch Vertreter dieser Spezies um zunehmend geringer werdenen Nahrungsbeständen: es verhungern wieder Tiere und alles gleicht sich aus.

    Der Mensch kann diese Prozesse durch Einmischung etwas beeinflussen und beschleunigen. Notwendig ist der Einfluss jedoch nicht.


    Um mich noch mal abschließend in die Haustierernährungssituation einzuklinken. Dass für Tiernahrung Fleischrückstände verwendet werden, die nicht primäre Produkte der Fleischherstellung sind, bedeutet noch nicht, dass es nicht den Herstellern schädigen würde, wenn die paar Euro, die sie pro produziertem Kilo Fleisch extra durch die Verwertung der Überreste verdienen würde, wegfallen würden. Es wäre sicher kein großer Verlust, aber würde den Leuten zu denken geben.

    Ich würde mich aber auch gegen die Haustierhaltung aussprechen, es sei denn, die Tiere sind "selbstverpflegt".

  4. #44
    Zitat Zitat
    Der Fehler ist: Ökosysteme gleichen sich von alleine aus. Wenn eine Spezies sich wegen guter Bedingungen rasch fortpflanzt, konkurriern in kurzer Zeit auch Vertreter dieser Spezies um zunehmend geringer werdenen Nahrungsbeständen: es verhungern wieder Tiere und alles gleicht sich aus.
    Oder die Jäger der Rasse nehmen zu, und haben eine gefülltere Speisekammer. Da sind die Tiere dann sicher froh, dass sie nicht von Menschen gegessen werden.

    Zitat Zitat
    Ich würde mich aber auch gegen die Haustierhaltung aussprechen, es sei denn, die Tiere sind "selbstverpflegt".
    Oh ja, wenn so ein Hund über die Wiese rennt und einen Hasen totbeißt ist das sicher sehr viel humaner, als wenn ein gezüchteter Hase geschlachtet wird...

  5. #45
    Zitat Zitat
    Oder die Jäger der Rasse nehmen zu, und haben eine gefülltere Speisekammer. Da sind die Tiere dann sicher froh, dass sie nicht von Menschen gegessen werden.
    Könntest Du das ausführen? Ich verstehe nicht ganz, was Du meinst. Zu viele grammatikalische Subjekte, die alles mögliche bedeuten könnten. :P. Gibt es Tiere, die sich Reserven aus Tierkadavern anhäufen. Wenn ich nicht ganz auf dem Schlauch stehe, häufen Tiere Vorräte nur aus pflanzlicher Nahrung an, weil die lange nicht so schnell verderblich sind.
    Mein Beispiel gilt übrigens nicht nur für pflanzenfressende Tiere, sondern für alle Tiere: sie pflanzen sich erfolgreich fort und konkurrieren dann mit ihren zusätzlichen Artgenossen um immer geringere Nahrungsbestände.


    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Oh ja, wenn so ein Hund über die Wiese rennt und einen Hasen totbeißt ist das sicher sehr viel humaner, als wenn ein gezüchteter Hase geschlachtet wird...
    Human? Was hat das mit Menschen zu tun, wenn ein Tier etwas in einer unbeeinflussten Umgebung mit einem anderen macht? Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Tierschützer durch den Urwald rennen und jedes Beutetier von seinem Opfer fernhällt (und verhungern lässt).

    Von Humanität kann man hier nicht reden, da die leidenden Subjekte keine Menschen sind. Aber eine der Grundannahmen von Vegetarischer/Veganer-Ernährung ist eben die Solidarität mit Tieren, die nicht jeder Mensch nachempfinden kann.

    Davon abgesehen finde ich es tatsächlich verwerflicher als Mensch ein Kaninchen zu züchten und es dann (sogar mit Betäubung) zu welchen Zwcken auch immer zu töten als ein Kaninchen (in der Natur!) seinen natürlichen Feinden ausgeliefert zu sehen.



    @Surface Dweller:

    Nun ja, natürlich ist es eine Resteverwertung und es wird sicherlich kein Tier mehr geschlachtet (höchstwahrscheinlich zumindest), aber wenn eine Firma durch die zusätzliche Verwertung statt 10 Euro 10,50 Euro pro Kilo verdient (Zahlen sind aus dem Kopf gegriffen, ich hab keine Ahnung, wie das in der Realität aussieht), sind das ca 5% Gewinn mehr, die diese Firma für Zwecke ausgeben kann wie z.B. Expansion, Werbung für Fleisch, etc. die am Ende den Tieren nicht zu gute kommen.

    Ein Argument was ich häufig in (meist unerwünschten) Diskussionen über meine Ernährung höre (und wirklich das allerschlechteste ist): die Tiere sind doch schon tot, da kann man sie schon essen. Ja, wenn ich im Supermarkt bin, gehe ich an einer üppig geschmückten Fleischtheke vorbei. Die Tiere sind tot, aber wenn ich den Supermarkt verlasse habe ich dann vielleicht doch ein Paket Tofu mehr statt einer Packung Wurst auf dem Einkaufszettel und wenn die Supermärkte den Großhändlern Rückmeldung geben, wie sich ihre Produkte machen bin ich Teil an einer Tendenz, die sich zugungsten von vegetarischer Ernährung entwickelt. Wenn alle Vegetarier in Deutschland (es gibt keine verlässlichen Angaben, wie viele es wirklich sind), morgen wieder Fleisch essen würden, wären das (die Zahl ist ebenfalls aus der Luft gegriffen) sicherlich eine 5% größere Nachfrage. Andersherum sind es im Moment dann vermutlich etwa 5% Gewinn, die der Fleischproduktion verloren geht, weil Vegetarier und Veganer ihre Produkte eben nicht kaufen. Und anders herum ist jedes Veggie-Produkt ein Zeichen dafür, dass diese Produkte verlangt werden und somit wird dort das Angebot (und tierfreundlichere Produktion) steigen. (Kleiner Exkurs, hat mit deinem Posting nur bedingt zu tun).

    Aber du musst meine Argumente gar nicht so vehement anfachten. Eigentlich habe ich mich nur an der Tatsache gestört, dass es Leute gibt, die ihren Haustieren billiges Tierfutter geben und dennoch Vegetarier/Veganer, die sich für eine pflanzliche. Dieser Widerspruch stört mich. Ob man nun generell Haustiere halten soll oder ob es okay ist, so viele Tiere wie möglich zu halten, die man nun vegetarisch oder nicht ernährt verursachen ganz andere Diskussionen, in die ich mich nicht einschalte, weil ich finde, dass Haustiere unnötig sind und nur ein weiterer Teil unserer Konsumgesellschaft sind (das wiederum wäre eine neue Diskussion zu der du ja auch schon Argumente geliefert hast). So gesehen habe ich auch etwas gegen Leute, die ihre Hunde vegetarisch ernähren, aber nur, weil ich eher finde, dass sie einfach gar keinen Hund haben sollten.

  6. #46
    Zitat Zitat von Itaju Beitrag anzeigen
    Ob man nun generell Haustiere halten soll oder ob es okay ist, so viele Tiere wie möglich zu halten, die man nun vegetarisch oder nicht ernährt verursachen ganz andere Diskussionen, in die ich mich nicht einschalte, weil ich finde, dass Haustiere unnötig sind und nur ein weiterer Teil unserer Konsumgesellschaft sind (das wiederum wäre eine neue Diskussion zu der du ja auch schon Argumente geliefert hast). So gesehen habe ich auch etwas gegen Leute, die ihre Hunde vegetarisch ernähren, aber nur, weil ich eher finde, dass sie einfach gar keinen Hund haben sollten.

    Es gibt also auch Tiere, die Haustiere halten. Also kann es ja wohl kaum an unserer Konsumgesellschaft liegen

  7. #47
    Auch noch ein Beitrag zu einer etwaigen Nutztierdebatte:
    Auch Ameisen nutzen Blattläuse für die Ernährung ihrer Brut. Also von anderen Tieren zu profitieren ist nicht nur eine Angewohnheit des Menschen.

  8. #48
    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Also von anderen Tieren zu profitieren ist nicht nur eine Angewohnheit des Menschen.
    Da gibt es auch noch die Parasiten.
    Die Juwelwespe z.B. manipuliert eine Kakerlake, sodass sie sich als Opfer für die Larven bereitstellt.
    Oder der Kuckuck, der seine Eier in fremde Nester legt.

    Parasiten gibt es auch in er Pflanzenwelt.
    Wie z.B. die Misteln, die viele Menschen als romantisch empfinden, und sich unbedingt küssen müssen, wenn sie unter einem Mistelzweig stehen.

  9. #49
    Ich halte es nicht für sonderlich zielführend, eine moralische Diskussion, die per Definition eine rein menschliche Sache ist, auf die Tierwelt auszuweiten. Es geht ja nicht um "natürlich" oder sowas, sondern eben um die Frage, ob es gut oder richtig ist. Was, wie gesagt, eine menschliche Angelegenheit ist. Die Natur scheißt auf Moral.
    Die "Konsumgesellschaft" als Argument hilft da aber imho auch nicht weiter. Dann lieber spezifisch bleiben.

    Der Übergang zwischen Nutztier und Haustier (im Sinne von "Unterhaltungstier") ist eh fließend, zumal man argumentieren kann, dass heute kaum ein Nutztier wirklich notwendig ist.

  10. #50
    Ich frage mich immer, und mehr will ich zum Thema eigentlich auch gar nicht sagen, ob es überhaupt möglich ist, die gegenseitigen Argumente zu akzeptieren bzw. das Thema argumentativ anzugehen. Schließlich ist es so, dass die meisten Vegetarier Tiere deswegen nicht essen, weil sie Mitgefühl mit ihnen haben und das ist ja nicht Folge eines rationalen Prozesses, sondern eines Gefühls. Genauso essen die anderen nicht deswegen Tiere, weil es Argumente gibt, mit denen sie es begründen können, sondern weil sie keine moralischen Bedenken haben, also auch ein Gefühl.

  11. #51
    Ja, wenn wir uns an der Tierwelt orientieren und was da so alles heilig ist, dann können wir auch wieder Sozialdarwinismus und moralische Vertretbarkeit von Vergewaltigungen einführen.

    @Kelven: ich kann die Argumente anderer Leute akzeptieren. Bis auf die von Jean_Claude sogar ohne Zähneknirschen.
    Ich habe genügend Aspekte meines Lebensstils und Konsumverhalten, in denen mir andere Leute, die diese Dinge brennend interessieren die Hölle heiß machen würden. Ich würde mich also niemals weit aus dem Fenster halten.

    Wenn du meine Postings in diese Thread überfliegst, wirst du feststellen, dass ich mich hauptsächlich eingeschaltet habe, wenn ich ein faktisch (und eben nicht moralisch) falsche Annahme eines Vorposters (so habe ich zumindest den Eindruck gehabt) richtigstellen wollte. z.B. die Sache mit den Naturkreisläufen oder die (wissenschaftlich reichlich belegbare) Falschannahme, dass Fleischproduktion in ihrem Aufwand in etwa mit Produktion pflanzlicher Lebensmittel gleichzusetzen ist.
    Einmal habe ich eine moralische Ambivalenz angeprangert, fand ich jetzt auch okay.

  12. #52
    Zitat Zitat
    Könntest Du das ausführen? Ich verstehe nicht ganz, was Du meinst. Zu viele grammatikalische Subjekte, die alles mögliche bedeuten könnten. :P. Gibt es Tiere, die sich Reserven aus Tierkadavern anhäufen. Wenn ich nicht ganz auf dem Schlauch stehe, häufen Tiere Vorräte nur aus pflanzlicher Nahrung an, weil die lange nicht so schnell verderblich sind.
    Mein Beispiel gilt übrigens nicht nur für pflanzenfressende Tiere, sondern für alle Tiere: sie pflanzen sich erfolgreich fort und konkurrieren dann mit ihren zusätzlichen Artgenossen um immer geringere Nahrungsbestände.
    Vielleicht hätte ich den Begriff Speisekammer nicht verwenden sollen.
    Worauf ich hinauswollte: Wenn der Mensch z.B. aufhören würde, Wildschweine zu jagen, würden sich die Wildschweine erstmal mehr vermehren. Allerdings verhindert die Natur dann selbst, dass die Wildschweine die Erde erobern, indem sie ihnen natürliche Feinde in der Form von z.B. Wölfen entgegensetzt, die sich dann durch den zusätzlichen Wildscheinbraten auch schneller vermehren. Und ob ein Wildschwein dann letztendlich vom Jäger geschossen, oder vom Wolf gerissen wird, ist dem Schwein selbst dann wahrscheinlich ziemlich egal (wobei ich allerdings annehme, dass erschossen zu werden sogar noch die angenehmere Todesart ist).

    Zitat Zitat
    Human? Was hat das mit Menschen zu tun, wenn ein Tier etwas in einer unbeeinflussten Umgebung mit einem anderen macht? Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Tierschützer durch den Urwald rennen und jedes Beutetier von seinem Opfer fernhällt (und verhungern lässt).
    Nun, du sagtest schließlich, dass die Haustiere Selbstversorger sein sollten. Abgesehen davon, dass das in urbanen Gebieten aufgrund von Beutemangel schlicht unmöglich sein dürfte (ganz zu schweigen davon, dass die Nachbarn vermutlich nicht begeistert wären, wenn du deinen "Hasso" auf Beutesuche schickst), kann ich auch nicht erkennen, inwiefern es moralisch weniger fragwürdig sein soll, wenn ein Haustier wildlebende Tiere jagt, anstatt bereits fertig "verarbeitete" vorgesetzt zu bekommen.

  13. #53
    @La Cipola
    Zu der neuen Formulierung würd ich behaupten, dass sie mit Moralischen Relativismus in Konflikt steht, und der ist in einer Pluralistischen Gesellschaft sowieso unabdingbar. Alleinschon das Miteinander von Menschen anderer Religionen bedeutet, dass man unbedingt in der Lage sein muss, einzuräumen, dass andere Menschen anderen moralischen Plichten folgen können und nichts absolut richtig und falsch sein kann (moralisch betrachtet), ohne die Überzeugungen der jeweiligen Person zu berücksichtigen. (Natürlich gibts da Grenzen, und funktioniert am besten wenns ne große Basis gibt, aber gerade für die feinen Unterschiede muss man eben so vorgehen)

    Und, da es zum Thema passt, hier ein sehr starkes Argument gegen den Verzehr von Tieren, konkret Hasen:

    Geändert von Mivey (20.01.2015 um 23:53 Uhr)

  14. #54
    Zitat Zitat von Mivey Beitrag anzeigen
    Und, da es zum Thema passt, hier ein sehr starkes Argument gegen den Verzehr von Tieren, konkret Hasen:
    Linguistenkeule: Es heißt BUNNIES!11

  15. #55
    Zitat Zitat
    @La Cipola
    Zu der neuen Formulierung würd ich behaupten, dass sie mit Moralischen Relativismus in Konflikt steht, und der ist in einer Pluralistischen Gesellschaft sowieso unabdingbar. Alleinschon das Miteinander von Menschen anderer Religionen bedeutet, dass man unbedingt in der Lage sein muss, einzuräumen, dass andere Menschen anderen moralischen Plichten folgen können und nichts absolut richtig und falsch sein kann (moralisch betrachtet), ohne die Überzeugungen der jeweiligen Person zu berücksichtigen. (Natürlich gibts da Grenzen, und funktioniert am besten wenns ne große Basis gibt, aber gerade für die feinen Unterschiede muss man eben so vorgehen)
    Jo, das war doch der Punkt. Dass das eben nicht funktioniert, leider.

  16. #56
    Was mich an dieser Debatte ganz massiv stört: Ich habe oft das Gefühl, dass der Veganismus / Vegetarismus verkennt, dass er kein Alleinstehungsmerkmal innerhalb unserer ach so furchtbaren dekadenten Konsumgesellschaft ist, will heißen, sicherlich haben wir Tiere objektiviert, wir betrachten sie als ein Ding im kapitalistischen System, das einfach geschlachtet wird, aber wird das bei uns Menschen außerhalb des Abendlands nicht auch ständig getan? Auf ein Großteil aller Veganer trifft folgendes nämlich zu, achja, die armen Tiere, aber bei H&M wird dann weitergekauft und die Bananen aus dem Aldi auch. Menschen produzieren in Asien teilweise 13 Stunden am Tag unter menschenverachtenden Bedingungen Klamotten, das gleiche gilt für Plantagenarbeit in Afrika, Südamerika und Ozeanien, über den Indischen Ozena segeln Boote, die mitunter echte Sklaven an Board haben und dort fischen, das wird dann alles weiter konsumiert weil Tiere sind doch bisschen süßer? Versteht mich nicht falsch, Massentierhaltung ist ein Problem. Aber es ist nicht DAS Problem der Menscheit, aber einige erheben es dazu.

  17. #57
    Eine Bekannte würde einwerfen, dass Tiere im Gegensatz zum Menschen keine Moral oder keinen Hass kennen. Soll heißen: Der Mensch ist an seinem Unglück selber schuld, während die Tiere immer Opfer des Menschen sind, deshalb sind ihr menschliche Probleme egal. Das ist sehr Schwarz-Weiß gedacht und genau darum geht es auch. *schulter zuck* Mit solchen Leuten stellt man die Debatte am besten ein. Ich habe neulich erst eine Schülerin von zarten 13 Jahren erlebt, die nicht unglücklich darüber wäre, wenn die Mensch ausgerottet wäre. Naja solange diese Leute nicht an eine Kernwaffe gelangen, muss ich mir darüber keinen Kopf machen und bis dahin sind sie bei PETA gut aufgehoben.


  18. #58
    Zitat Zitat
    Was mich an dieser Debatte ganz massiv stört: Ich habe oft das Gefühl, dass der Veganismus / Vegetarismus verkennt, dass er kein Alleinstehungsmerkmal innerhalb unserer ach so furchtbaren dekadenten Konsumgesellschaft ist, will heißen, sicherlich haben wir Tiere objektiviert, wir betrachten sie als ein Ding im kapitalistischen System, das einfach geschlachtet wird, aber wird das bei uns Menschen außerhalb des Abendlands nicht auch ständig getan? Auf ein Großteil aller Veganer trifft folgendes nämlich zu, achja, die armen Tiere, aber bei H&M wird dann weitergekauft und die Bananen aus dem Aldi auch. Menschen produzieren in Asien teilweise 13 Stunden am Tag unter menschenverachtenden Bedingungen Klamotten, das gleiche gilt für Plantagenarbeit in Afrika, Südamerika und Ozeanien, über den Indischen Ozena segeln Boote, die mitunter echte Sklaven an Board haben und dort fischen, das wird dann alles weiter konsumiert weil Tiere sind doch bisschen süßer? Versteht mich nicht falsch, Massentierhaltung ist ein Problem. Aber es ist nicht DAS Problem der Menscheit, aber einige erheben es dazu.
    Man darf auch nicht vergessen, dass es nicht nur "aus harter Ideologie" und "aus Gesundsheitsgründen" gibt, sondern viel dazwischen. Wenn jemand die Wahl hat, in einer Facette seines Lebens etwas moralisch besser zu machen (jetzt mal unabhängig davon, ob es das wirklich ist), sollte man nicht unbedingt fordern oder erwarten, dass er das immer und überall tut. Von jedem ein bisschen bringt auch eine Menge, und immer alles richtig machen will und kann man sowie nicht. Allerdings gebe ich dir insofern recht, dass man sich dementsprechend auch nicht als größten Gutmenschen inszenieren sollte, der alles richtig macht. Fehler und Schwächen einsehen ist immer gut.

    Deshalb find ich Abstufungen auch klasse. Kein Veganer, aber Vegetarier? Cool. Kein Vegetarier, aber ein bisschen drauf aufpassen, wie viele Tierprodukte man isst, oder wie die Tiere gelebt haben? Cool. Nichts davon, aber wenigstens nicht das totale Arschloch zu Leuten sein, die Wert darauf legen? Auch schon was wert!

  19. #59
    Mein Problem mit veganer oder vegetarischer Ernährung ist, dass ich diese Leute nicht mit meinem Saltimbocca begeistern kann. Oder zusammen mit ihnen Tagliatelle mit leckerer Lachs-Spinat-Soße kochen kann. Im Falle der Veganer ja nichtmal einen Käsekuchen... es ist für mich jedes Mal so ein kleiner Schlag, wenn ich merke, dass ich mit diesen Menschen solches Essen nicht teilen kann. (Oder nur Reismilch für den Kaffee zu bekommen... seufz.)

    Abgesehen davon vollkommene Zustimmung mit Cipo (wie fast immer), es gibt nicht nur die drei harten Kategorien "Fleischesser", "Vegetarier" und "Veganer", sondern auch Abstufungen. Und jeder kleine Schritt ist für die Gesellschaft im Allgemeinen hilfreich. Jetzt irgendwelche Gründe zu suchen, warum Vegetarier ja auch irgendwo Heuchler sind... das nützt niemandem was. Das ist nur eine persönliche Ausrede, um eine Änderung der persönlichen Einstellung vermeiden zu können.
    Wenn das einzige Problem die arrogante Haltung ist... dann steh drüber. Nimm nicht die arrogante Haltung als Argument gegen die Entscheidung, etwas Gutes zu tun.

    Aber wenn man das Thema gesamtgesellschaftlich angehen möchte, sind freiwillige Restriktionen in der Ernährung nicht realistisch. Meiner Meinung nach müssten Gesetze zur ethischen Behandlung von Tieren her. Man kann nicht dem Kunden die Verantwortung aufdrücken, sich zu informieren - einerseits, weil das halt gar nicht so einfach ist, und andererseits, weil es vielen auch egal ist. Den Leuten ist aber generell alles egal, was hinter den Kulissen stattfindet - das kann nicht die Grundlage für unser Handeln sein.

  20. #60
    Zitat Zitat von Surface Dweller Beitrag anzeigen
    Wenn so eine Entscheidung durch ein Bewusstwerden der Endlichkeit des eigenen Seins und seines persönlichen Vermögens in Relation zu gegenwärtigen Problemen/seiner Umwelt und gutem Willen entsteht dann bedarf es schon einiges dafür und das wird auch kaum jemanden stören. ChazzyJazz meint wohl eher die mit Vegetarismus/Veganismus bei einigen einhergehende, unreflektierte Verurteilung/Dämonisierung von Lebensgewohnheiten anderer, die durch ihre Scheuklappendarstellung ihre Bedeutsamkeit relativ zu anderen Problemen bzw. den Einsatz, andere Probleme zu lösen völlig außer Acht lässt.
    Ich hab ehrlich gesagt ein Problem damit. Also mit der Aussage, dass Vegetarier / Veganer die Fleischesser in der Mehrzahl verurteilen. Stimmt das überhaupt? Oder ist das so eine Urban Legend, die sich verfestigt hat? Seinen Standpunkt darlegen, das ist legitim, auch für Vegetarier und Veganer. Ich hab häufig das Gefühl, dass sich Leute schon angegriffen fühlen wenn die (wir, denn wie schon beschrieben, ich bin extrem wählerisch, was meinen Fleischkonsum betrifft) einfach darlegen, warum diese Ernährungsform gewählt wurde. Ich bin übrigens weitgehend Pescetarier. Sprich: Fisch aus Wildfang esse ich, Fleisch nur, wenn es meinen Ansprüchen genügt; das geht mit einem hohen Preis einher. Darum kommt das vielleicht alle ein- zwei Monate mal für mich in Frage. Mein Lebensgefährte isst übrigens ganz normal Fleisch und Wurst aus konventioneller Haltung; ich bereite das für ihn sogar zu. Nur selber essen will ich es nicht. Wie Cipo sagte, das ist so der Teil, wo ich persönlich etwas anders machen will, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Und ich glaube, dass die meisten Leute, die sich entscheiden auf bestimmte Produkte zu verzichten oder den Gebrauch einzuschränken, das ähnlich sehen.

    Übrigens: Natürlich ist Vegetarismus / Veganismus ein Luxusphänomen. Wenn ich mir jeden Tag Gedanken dazu machen müsste, wie ich überhaupt satt werde, dann würde ich keine Überlegung daran verschwenden. Aber das dekadent zu nennen, halte ich für falsch - im Gegenteil, wir in diesem Teil der Welt haben durch die sichere Versorgungslage überhaupt erst die Möglichkeit, uns solche Gedanken zu machen. Wie und warum ein Hinterfragen der eigenen Lebensgewohnheiten dekadent zu nennen sei, das will mir nicht in den Kopf.

    Zitat Zitat
    Ich glaube, die Probleme mit Massentierhaltung, Tierquälerei und Schadstoffbelastung sind genau so wie die Bedeutsamkeit der Nährstoffe und Geschmack bekannt genug, so dass der einzelne auch ohne Anstandsdame in der Lage ist, das Ausmaß des Fleischkonsums für sich abzuwägen..
    Es geht nicht um Anstandsdamen, es geht um eine einfache Entscheidung: Will / kann ich mir Gedanken darüber machen oder nicht. Wer das nicht will, möge bitte dazu stehen und einfach sagen: "Ist mir scheißegal!" Das ist ein Standpunkt, und gut is'. Dann aber gegen Leute auszukeilen, für die solche Überlegungen wichtig sind, empfinde ich als billig und erbärmlich. Platt gesagt: Jemand hat kein Bock darauf, sich Gedanken um Nachhaltigkeit zu machen der zu schauen, was er/sie persönlich verändern könnte? - Bitte. Ist legitim. Aber dann steht dazu und schlagt nicht aus gegen andere, denen es ein Anliegen ist, für sich selbst Standards festzulegen, soweit das in der industrialisierten Nahrungsmittelproduktion möglich ist.

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