ersönlich denke ich nicht, dass sich die Gaming Szene in der "Wahrnemung" durch den Konsumenten innerhalb der nächsten Jahre Drastisch verändern wird. Nicht deshalb, weil es nicht möglich wäre, sondern weil sich die Aktuelle Konsolengeneration seit der Einführug der Wireless-Controller schon sehr nah am Kosten/Nutzen Maximum befindet. Alternative Bedienkonzepte werden es schwer haben, diesem Umstand zu begegnen, wie man ja schon an der WII gesehen hat.
Die Bewegungssteuerung wurde damals über den Klee gelobt, hat es aber letztlich trotzdem nicht zum Marktstandart gebracht, wie die PS4 und XBOX One mit dem weiterhin bestehenden Fokus auf klassische Controller deutlich gemacht haben. Das aktuelle System ist einfach optimal, weil es günstig, flexibel und nahezu universell nutzbar ist. Bewegungssteuerung unterliegt demgegenüber extremen einschränkungen, da ihre Nutzbarkeit je nach umfeld Platz und eine gewisse, körperliche unversehrtheit verlangt. Zum Beispiel wird die Nutzbarkeit durch enge Räume, niedrige decken, die Geräuschentwicklung auf Parkett und Fliesenboden oder körperliche Beeinträchtigungen teilweise stark eingeschränkt. Eine Einschränkung, die beim klassichen Controller-System nicht gegeben ist.
VR-Systeme unterliegen ähnlichen, wenngleich auch andersartigen Einschränkungen. Nintendo hat vor ein paar Jahren mit dem Virtua-Boy mal einen Vorstoß im Bereich 3D-Gaming gewagt, der katastrophal in die Hose gegangen ist. Der Grund war nicht die Technik des gerätes, sondern dass die Nutzer das Bedienkonzept mit einem Display-Helm auf dem Kopf, großflächig abgelehnt haben. Man kann eben Psychologie und Instinkte nicht durch technik wegrationalisieren. Wir Menschen sind naturbedingt "Fluchttiere" und ein Zustand, in dem normalerweise vorhandene Sinne in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkt sind, wird von vielen Unserer Art, als stressig und unangenehm empfunden. Während wir am TV oder Monitor zocken, können wir noch so fokussiert sein, wir halten unser direktes Umfeld trotzdem immer unbewust unter Beobachtung.
Ein Helm, der mit Display und Kopfhörern die Aufmerksamkeit des Trägers zu 80% oder mehr von der Realen umgebung abschirmt, würde das maximum in der Gegenrichtung darstellen. Wir interagieren mit einer Umwelt (der Realität) die wir sensorisch nicht mehr wahrnehmen. Man muss sich einfach das konzept "Elternteil auf Kinderwacht" vor augen führen. Schläft das Kind im Bett, können Papa und Mama daneben sitzen und zocken, wie sie wollen, denn ihre Außenwahnehmung ist nicht eingeschränkt. Sollte das Kind anfangen zu schreien, bekommen sie es dennoch mit. Mit einem VR-Helm auf dem Kopf wäre die Wahrnehmung ihres Umfeldes und damit die sicherheit ihres Kindes, eingeschränkt. VR-Systeme sind damit als Freizeitunterhaltung absolut ungeeignet. VR ist sicherlich eine interessante technische spielerei und eine witzige Idee allemal. Aber das die Mehrheit der Spieler keinen dämlichen Helm auf dem Kopf haben will, um zu daddeln, ist nunmal ein Fakt. Das hat sich die letzten 10 Jahre seit dem Virtua-Boy nicht geändert, und wird sich auch in den nächsten 10 nicht ändern.
Dazu kommt, dass VR in spielerischer Hinsicht weder im Nutzbarkeit-Bereich, noch bei der Preis-Leistungs-Schiene einen Vorteil bietet. Was uns heute in den Medien als VR verkauft wird, sind überwiegend "Spiele" in denen jemand mit einem VR-Helm auf dem Kopf durch Gänge schleicht und dabei eine Pistole in der Hand hat. Man muss nicht intelligent genug sein, um 1+1 rechnen zu können, um zu erkennen, dass das Bullshit ist. Niemand setzt sich für 30.000€ einen VR-Helm auf den Kopf, um dann damit "Doom" zu spielen. Alleine die Vorstellung ist albern.
VR hat nur dann einen Sinn, wenn sie eine "greifbarere" Umgebung simuliert. Die Einschränkung, seine Umgebung Audio-Visuell wahrzunehmen, ansonsten aber nicht mit ihr interagieren zu können, macht VR zu einem sinnlosen Witz im gaming Bereich. Systeme müssten in der Lage sein, auch an anderen stellen sensorisches Feedback zu liefern, z.B. an den Händen, damit der Spieler ein herumstehendes Glas nicht nur ansehen, sondern auch betasten und aufnehmen kann. Dadurch würden dann aber sowohl die Kosten für die Hardware als auch für die Entwicklung in exorbitante Höhen schnellen. Denn während ein Schwert, das nutzlos an der Wand hängt, in einem Spiel wie Skyrim nicht negativ auffällt - weil es einfach deko ist - würde es in einer VR zum einem extremen Verlusst an Imagination führen.
Was in technischer Hinsicht eventuell realisierbar wäre, dürften Augmented-Reality Produkte auf Basis von Smart-Googles sein. Zweifelhaft an einem solchen Konzept sind dann aber natürlich auch wieder die gesellschaftlichen implikationen. Denn ein Spieler, der im Bus plötzlich aufspringt und seine Spielzeug-Pistole zieht, um ein Monster in seiner Augmented-Reality zu erschießen, stellt ein EXTREMES Gefahrenpotential für die Umwelt dar, die im jeweiligen Augenblich wahrscheinlich nicht sofort erkennt, dass die entsprechende Person nur am zocken ist.
Was ich erwarte:
-Persönlich gehe ich nicht davon aus, dass sich der Gamesmarkt auf dieser Ebene in den nächsten zehn Jahren deutlich ändern wird. Diverse Handyspiele und GTA5 beweisen eindrucksvoll, dass unterschiedliche Märkte Problemlos nebeneinander existieren können. Handy-Gaming wird den PC und die Konsolen niemals vollständig verdrängen, einfach weil Handys hinsichtlich Interaktion und Bildschirmgröße keine gleichwertige Spielerfahrung zulassen. Gleichsam werden aber auch die Festkonsolen niemals die Handys verdrängen können, weil sie nicht mobil sind. Mobile Spielkonsolen wie der 3DS oder die PSP werden sich mittelfristig aber wohl den Handys geschlagen geben müssen und vom Markt verschwinden.
Der PC als Spielgerät wird innerhalb des nächsten jahrzehnts an Bedeutung verlieren. Freizeit ist ein wertvolles Gut und wer schon einmal ein mit vorfreude erwartetes Spiel in Hängen gehalten hat, um dann festzustellen, dass es mit der eigenen Hardwarekonfiguration nicht läuft, wird verstehen, was ich meine. Situationen wie es sie beispielsweise bei HOMM6 gab, dass das Spiel mit einigen Grafikkarten nur mit extremen "Walkarounds" zum laufen zu kriegen war, werden grade Gelegenheitsdaddler in Zukunft immer stärker zu den Konsolen treiben.
Nachrüstungszwang und kompatibilitätsprobleme und ähnliches werden einen weiteren Anteil dazu beitragen, dass der PC künftig bei zockern und Herstellern immer weniger Beachtung finden wird. Die Multimediatauglichkeit moderner Spielkonsolen wird ihr übriges beitragen.
-Was wir in den nächsten Jahrzehnten erleben könnten, wird wohl ein stärkeres verschmelzen von Spielindustrie und Filmindustrie sein. Große Blockbuster-Games laufen heute schon vielen Filmen den Rang ab und mit technischen Fortschritten im Bereich des Motion-Capturing werden über lang oder kurz die anonymen 3D-Avatare sicher aussterben. Stattdessen wird der Trend zu spielen gehen, in denen virtualisierte Schauspieler auftreten, wie es schon bei "Beyond:Two Souls" war, das auf seiner Verpackung Ellen Paige und William DaFoe als Darsteller explizit aufgeführt hat. Spiele, auf denen ein großflächiges "with Christian Bale, Johnny Deep and Claire Danes" prangt, werden in zukunft also wohl verstärkt zu Regel als zur Ausnahme werden.
-Eine weitere mögliche Entwicklung hängt von der Fortentwicklung der Netzwerktechnik ab. Bei dem rasanten Fortschritt der letzten Jahre wird das Gaming in Zukunft noch stärker als Bisher zum Online gaming und Game-Streaming gehen. Spiele, die keinen echten Multiplayermodus mehr haben, bei denen man sich aber einen Kumpel direkt in das eigene Spiel holen kann um dann kooperativ zu daddeln werden künftig sicher einen hohen Marktanteil haben. Das hängt aber natürlich davon ab, ob das bisherige Flatrate-Modell bestehen bleibt. Wenn hingegen Geschäftsmodelle wie die Mogel-Flat der T-Com künftig weltweit schule machen, könnte es natürlich auch anders herum kommen und der Trend wieder zum offline-Gaming gehen weil die Benutzerakzeptanz für Online-Spiele schwinden wird, wenn dafür zusätzliche Kosten anfallen.
-"Echte" MMO's sehe ich für die Zukunft ziemlich sicher auf einem absteigenden Ast. WoW war ein Ausnahmeerfolg, der sich so wohl nie mehr wiederholen wird. Die Begeisterungswelle für WOW, die zeitweilig zu einer fast Flächndeckenden Akzeptanz für MMO's geführt hat, hat längst abgeebt und MMO-Spieler werden inzwischen wieder mehrheitlich als süchtige Freaks bettrachtet. Dieser Trend dürfte sich so lange fortsetzen bis MMO's in vielleicht 10 Jahren in der westlichen Welt wieder ähnlich unbedeutend sein werden, wie sie es vor WoW waren.
-Gelegenheitsspieler werden ein immer wichtigeres Segment in der Spieleindustrie werden. Das bedeutet, wir werden verstärkt spiele erleben, die einen einfachen, möglichst intuitiven Einstieg bieten. Extrem komplizierte Spiele wie z.B. die Dungeons&Dragons RPGs werden wohl aussterben und durch einfacher zugängliche Spieler wie Skyrim mit einem geringeren Schwierigkeitsgrad ersetzt werden.







Zitieren


