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Thema: Flüchtlinge, Pegida & Co.

  1. #61
    Zitat Zitat
    13 Prozent der Deutschen würden für Pegida marschieren


    Links und rechts hat damit nicht viel zu tun, die sin vorrangig anti.

  2. #62
    Interessant auch, wie die beiden großen Parteien mit den Demonstrationen umgehen. In der SPD äußern die Nachgeordneten den teils deftig formulierten Widerspruch, während der Vorsitzende Gabriel auch Verständnis anklingen lässt. Heiko Maas etwa redet von "Schande für Deutschland", was für den Justizminister schon eine verwunderliche Äußerung zum Versammlungsrecht ist. So bleibt es am Parteivorsitzenden, an die machtpolitische Nachdenklichkeit zu erinnern. Will die SPD wieder zur anderen Volkspartei aufschließen, darf sie sich nicht zu fein für maulende Deutsche sein, die mit der wieder einmal in Bewegung geratenen gesellschaftlichen Ordnung hadern. Diese Hinwendung halte ich auch für erfolgversprechender als die vergangenen Versuche, mit den Grünen um die Nische zu streiten oder per doppelter Staatsbürgerschaft neue Wählerschaften einfach zu importieren.

    In der CDU ist die Rollenverteilung anders herum. Die Nachgeordneten äußern konditionierte Verständnisse für den demonstrierenden Unwillen und tasten nach möglichen Anknüpfungspunkten, während es an der Vorsitzenden ist, die schroffesten Ablehnungsworte zu verbreiten. Ich denke, die Rollenverteilung hat mit der öffentlichen Reichweite der Sender zu tun. Politiker wie Innenminister de Maiziere und Wolfgang Bosbach (Verständnisäußerer) wirken stärker in konservative Kreise hinein, während die Kanzlerin die Allgemeinheit bedient.
    Solange Unterbringungsheime weiterhin vorrangig nur in prekärer Nachbarschaft aufgestellt werden, ist bis auf ein paar konservative Prinzipienritter (nicht mal 20.000 Demonstranten) aus der übrigen Mittelschicht keine Aufwallung zu befürchten. Edelmut gedeiht am besten aus der Ferne. Und fern bleiben die Heime, da die Personalrekrutierungsmuster der staatlichen Ämter weiterhin dafür sorgen, dass die Mittelschicht über die Orte der Unterbringung befindet. Auf dem nächsten Kirchentag besingt man sich dann als solidarisch und gerecht.

  3. #63
    Zitat Zitat
    Ich denke, die Rollenverteilung hat mit der öffentlichen Reichweite der Sender zu tun. Politiker wie Innenminister de Maiziere und Wolfgang Bosbach (Verständnisäußerer) wirken stärker in konservative Kreise hinein, während die Kanzlerin die Allgemeinheit bedient.
    Jo, zumal was "Mutti" sagt, ja in der Öffentlichkeit tendenziell verständnisvoll abgenickt wird, weil es so vernünftig und bequem ist. Sie ist halt der "Alles unter Kontrolle"-Part der Konservative; wenn man gerade etwas rechte Rebellion will, holt man sich lieber ein paar Parolen bei der CSU oder neuerdings der AfD. Ich glaube nicht, dass die besagten CDU-Leute da mit ein bisschen Anbiederung groß was dran ändern werden, auch wenn sie sicherlich mehr Verluste verhindern als die SPD. Ich hab manchmal das Gefühl, man ist immer noch so sehr von Schröder und dem Schicksal der FDP traumatisiert, dass jeder allzu deutliche Schritt Richtung Mitte oder Links automatisch zu einem Stolpern wird. Und Merkel als politische Person kann von der ganzen Situation eigentlich auch wieder nur gewinnen, weil sie von der Instabilität genau so sehr profitiert wie von der Ruhe der letzten Jahre. Am Ende werden schließlich auch die verunsicherten 50% nicht die AfD wählen, so viel Rebellion ist dann doch nicht drin. Im Zweifelsfall ...

    Zitat Zitat
    13 Prozent der Deutschen würden für Pegida marschieren
    Tun sie aber nicht. Nach der schweren Hürde, dass man sich ja in einen Zug setzen müsste, bleiben noch 10.000. Zugegeben, ein Kreuz für die AfD ist mit weniger Aufwand verbunden (und vor allem anonymer), aber ich denke, die Richtung ist klar: Mutti wird es schon richten. Nicht, dass ich es ihr oder ihren Wählern momentan übel nehmen würde, sie macht das schon alles ganz gut im Rahmen der Möglichkeiten. Wirklich interessant könnten erst die kommenden Jahre werden. Bisher war gefühlt ja jeder große Zug in ihrer Politik irgendwie Schadensbegrenzung.

  4. #64
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    JSie ist halt der "Alles unter Kontrolle"-Part der Konservative; wenn man gerade etwas rechte Rebellion will, holt man sich lieber ein paar Parolen bei der CSU oder neuerdings der AfD.
    Die CSU steht vor ihrer jährlichen Klausurtagung (Wildbad Kreuth) und ist traditionell bestrebt, wieder einmal gar nicht erst den Eindruck aufkommen zu lassen, sie hätte als rein bayerische Partei lediglich einen regionalen Horizont. Wie jedes Jahr sucht sie ein Thema von bundespolitischem Belang zu setzen. Ex-Minister Friedrich durfte sogar direkt gegen die Kanzlerin losgelassen werden - er muss beim Rasieren keine Karrierewünsche mehr ins Morgen hineinträumen. Die CSU-Wortmeldungen würde ich also nicht als "rechte Rebellionen" deuten, vielmehr im Zusammenhang mit der langjährigen Kreuther Tradition sehen, die da lautet: Die (wenigstens bundespoltische) Welt möge sich über die Bedeutung der bayerischen Staatspartei belehrt fühlen. Und es scheint einmal mehr zu klappen: Themen an sich ziehen, mit eigenen Gesichtern besetzen, zugleich mit der anderen Hand die Antithese verbreiten, damit die heimische Opposition im Landtag weiterhin arbeitslos bleibt.
    Und Kanzlerin Merkel als Teil der Konservativen anzusehen, geht in meinen Augen fehl. Sie hat dem nicht nur selbst widersprochen, sie unterstreicht ihre Nichtzugehörigkeit auch in Tat wie Leitgedanke ("alternativlos").

  5. #65
    Das mag wohl beides stimmen. Die CSU ist mir sowieso so ein kleines Rätsel. Kommt ja aber auch aus Bayern.

    Und die Kanzlerin aus dem Osten!

  6. #66
    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Schlimm, schlimm, diese Nazis, besonders die linken Nazis...
    Sind ja keine Nazis. Nazis sind für mich Menschen mit sowas wie einer Ideologie. Sowas hat der Durchschnittsdeutsche nicht. Der hat keinen Hass auf Türken, der hat Angst sich den Türkeiurlaub nicht mehr leisten zu können, wenn die Türken seinen Job wegnehmen. Es geht doch sowieso nur um Geld, Besitz und Lebensqualität, und wenn die Angst was davon zu verlieren, wenn andere herkommen weil sie glauben hier gäbe es mehr davon als in ihrer Heimat.

    Wisst ihr, was mich wohl ankotzen würde? Wenn ich Türke wäre und man würde mich nur als Moslem wahrnehmen. Oder wenn man glauben würde, meine Interessen wären vertreten wenn ein paar erzkonservative Bartträger mit Politikern zu Abend essen um zu diskutieren. Ich bin Deutscher aber auch nicht in erster Linie Christ und Kardinal Marx vertritt mich ganz und gar nicht.

    Kann sein, dass ich mich irre, ich bin ja kein Türke, aber wenn ich mir jetzt in Internet irgendwas über z.B. Istanbul raussuche und wie es da ist, dann sieht das für mich mehr aus wie eine säkulare Stadt mit orientalischem Touch als wie Mekka vor 1000 Jahren. Wieso tun Medien und Politik dann so, als wären z.B. Türken allesamt erzkonservativ und würden einen Islamstaat überhaupt gut finden. Ich mein, nicht wenige Zuwanderer aus dem Orient von denen haben ihren islamkonformen Staat ja nicht ganz grundlos hinter sich gelassen.

  7. #67
    Zitat Zitat
    Sind ja keine Nazis.
    Sag das nicht mir, sondern den Medien/Politikern, die keine Gelegenheit auslassen, die AfD als NSDAP und die Pegida als SS darzustellen... Mir geht die einseitige Berichterstattung zu dem Thema, die ständig den Untergang des Abendlandes (Moment, das macht keinen Sinn. Vielleicht Untergang des Morgenlandes?) heraufbeschwört, jedenfalls mehr auf die Nerven als Bürger, die ihr Recht auf Meiningsfreiheit nutzen (was auch immer man persönlich von dieser Meinung halten mag).

    Geändert von Liferipper (05.01.2015 um 10:44 Uhr)

  8. #68
    Zitat Zitat von Corti Beitrag anzeigen
    Wisst ihr, was mich wohl ankotzen würde? Wenn ich Türke wäre und man würde mich nur als Moslem wahrnehmen.
    Würde dir in der Türkei eher nicht passieren. Würdest du nach Japan fliegen nur um dich selbst zu bekotzen weil man dich dort als aus christlicher Kultur stammend wahrnimmt?

  9. #69
    Kann nur sagen, dass ich das Gedankengut von Pegida nicht teile, mich die ganze öffentliche Debatte darüber aber ziemlich nervt. Auf der einen Seite unterstellen wir einer Bewegung eine polemische Hetzkampagne gegen Muslime und Migranten und im selben Atemzug hetzen wir eigentlich polemisch zurück, nicht falsch verstehen, mit "wir" mein ich einfach die Öffentlichkeit im Gesamten. Die News und Zeitungen sind voll von:,achja Lutz Bachmann hat ja'n paar Vorstrafen und die andere leugnet den Holocaust und diese ach so dummen Leute aus dem ARD Panorama, die den totalen Quatsch quasseln. Damit sind die sozialen Netzwerke vollgemüllt, keine Frage, das ist irgendwo auch Teil der Diskussion, aber es kann nicht die Essenz sein, sondern es bedarf auch bei angeblichem Blödsinn einer sachlichen Auseinandersetzung mit Argumenten, sonst ist man vom rein argumentativen und logischen Niveau keinen Deut besser als die, die man damit kritisiert.

  10. #70
    Ein Problem dabei, dass festzustellen ist, eine sachliche Debatte zu führen, besteht darin das einen einen unauflösbaren Grundlagenkonflikt gibt, der sich in der Polemik erschöpfen muss, weil das Aufkommen eines anderes Denkens bzw. einer Verstärkung des Zwanges der Faktizität für keine der Seiten hinnehmbar ist. Beide Gruppen arbeiten an einem normativen gesellschaftlichen Projekt bzw. die einen arbeiten daran und die anderen versuchen die Sache, die die andere als alternativlos, unausweislich und evolutionär zwangsläufig bezeichnen zu verhindern, weil sie eine solche Gesellschatt nicht wollen. Es ist ein Wertekonflikt. Sich auf einen Dialog einzulassen, würde bedeuten die Vorstellung der anderen aufzuwerten bzw. salonfähig zu machen.

    Und mit Verweis auf die bereits stattgefundene Einwanderung und Faktizität von Vermischung und Migration der Vergangenheit in den Staat, kann es nicht opportun sein, sich mit einem Rekurieren auf der Verteidigung ethnischer und kultureller Reproduktion gemein zu machen. Allein der Gedanke darf gar nicht mehr auftauchen, weil das das gesamtgesellschaftliche, postnationale Projekt gefährdet. Während PEGIDA darauf noch hofft, dass ihrer Meinung ein Platz und ein Stück weit Verwirklichung eingeräumt wird, haben jene Negaitvbeispiele die Ausländer (wohlgemerkt auch schon seit Jahren) jagen, Heime anzünden usw. den Dialog bereits aufgegeben und versuchen wie die Gegenseite stattdessen Fakten zu schaffen. Was freilich jetzt auch den "vernünftigen" Demonstranten angelastet wird und damit die ohnehin verdächtig erscheinen müssende Meinung noch verdächtiger und noch weniger opportun macht.

    Die Demonstranten sollten die Illusion aufgeben, dass auch nur ein Politiker, der politisch noch etwas werden will, ihre Sorge mit Wirkung Ernst nimmt. Die Politik sollte aufhören sich einzureden, dass es um irrationale Angst vor dem Fremden sondern um, durchaus glaubhafte und von Medien und Parteien sogar selbst bestätigten, Ver- und Überfremdungsfurcht geht. Aber wie gesagt: Wer in Verlust und Auflösung bewährter Identität nichts Negatives erkennen mag im Gegensatz sogar etwas Positives, der wird diese Leute auch nie verstehen können und kann mit ihnen nicht einig werden.

    Geändert von KingPaddy (07.01.2015 um 10:55 Uhr)

  11. #71
    Die Schießerei bei Charlie Hebdo dürfte den Surrogat-Nazis in der Hinsicht wieder neuen Auftrieb geben. *seufz*

  12. #72
    Glaub ich fast nicht. Zumindest das Internet ist voll mit Anti-Pegida-Sentiment in diesem Zusammenhang, und auch von den Demonstrantenzahlen her scheint Pegida wohl schon wieder vorbei zu sein, liest man, gerade außerhalb Dresdens.

    Anders gesagt: Es war wohl nur ein Moment, und der wurde schnell wieder zerschlagen.

    Wenn ich werten müsste, würde ich sogar sagen, dass die ganze Sache einen gewissen Katharsis-Moment hatte; rein vom Gefühl her sind einige langfristig aufgestaute Sachen explodiert, aber die Unterscheidung zwischen "Moslem" und "Islamist" scheint durch den krassen Backlash tiefer in den Mainstream gesunken zu sein. Vielleicht bin ich aber auch nur zu optimistisch.

  13. #73
    Ich wollte meinen Beitrag noch um einen Gedanken erweitern: Es geht nicht nur um eine normative Wertvorstellung sondern auch um Existenzangst auf beiden Seiten und damit meine ich nicht den Lebensstandard oder den Job primär sondern hier wie da die Befürchtung, dass die Durchsetzung der jeweils anderen zur Auflösung oder Entwertung des eigenen Selbst führt. Hier die Migranten, Migrationskinder und die gemischter Abstammung, die das, was sie sind in einem deutschtümelnden Land in Frage gestellt sehen. Gleichwohl aber eine Gruppe von Deutschen, die sich - nicht ganz zu unrecht durchaus als (nicht unüberbrückbar) verschiedenen von diesen Menschen definiert - durch deren zunehmende Zahl unter einen Behauptungsdruck gerät, zumal eben davon auch abhängt, wie Staat und Gesellschaft sich weiter entwickeln.

    Ich glaube langsam auch einen kommunikativen und ideologischen Fehlschluss auf beiden Seiten zu erkennen, der, wie oben erwähnt, eine gütliche Einigung schwierig bis gar unmöglich macht und eigentlich zu diesen verhärteten Fronten führt. in dieser Hinsicht kann man dann schon zu einem gewissen Grad die Meinungsmacher und Politiker eine Verantwortung für Eskalation zuweisen. Das ist jetzt nicht bezogen auf dem Umgang mit den Demonstranten sondern auf das, was seit Jahren eigentlich schon bezüglich der gesellschaftlichen Entwicklung geschrieben wurde und jetzt auch noch einmal wiederholt wurde und die jeweils andere Seite in ihrer verhärteten Position einerseits bestärkt, andererseits zu einer jeweils eigenen Form von Alternativlosigkeit zwingt.

    Ich denke daher gerade dieses "zerschlagen" der PEGIDA ist dann eher negativ zu werten, weil es ein "Weiter so" mit der Gewissheit auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, suggeriert, aber für die beteiligten Bürger das Problem nicht löst. Hier hat sich einfach eine Ideologie mit ihrer (auch publizistischen) Mehrgewalt durchgesetzt.

    Ich glaube persönlich nicht an diese Verschwörung und Kampfbegriffe wie der Lügenpresse. Das sind eher Gründe mich persönlich zu distanzieren von diesen Gruppen und gleichzeitig zu seufzen, weil ich in meiner persönlichen pol. Zerrissenheit wohl immer noch keine Wahl finde zwischen einer einer eher linken Mitte und nationalen Vollpfosten. Aber bleiben wir bei einer ketzerischen Frage: Statt eben eine Diskussion in dieser Richtung aufzuzeigen (was wie oben bereits erwähnt gar nicht möglich ist, weil es dem gesellschaftlichen postnationalen Projekt im Weg steht) kam es dann zu alten oder sehr eindeutigen schwarz-weiß-Reflexen die Demonstranten eben mit Nazis gleichzusetzen. Und natürlich will niemand Nazis, weshalb es relativ einfach war auch große Gegen-Demonstrationen unter diesem medialen Begleitfeuer zusammenzukriegen.
    Ich will darauf hinaus, weil, wenn man sich immer die Mottos unter denen sich Gegen-Demos oder Widerstand formierte in die Richtung gingen: Gegen Islamfeindlichkeit, Gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Nazis, Faschismus und Für Toleranz oder Solidarität. Und von den PEGIDA-Anhängern weder diese Pro-Werte in Frage gestellt wurden, noch das sich eine tatsächliche Feindlichkeit Bahn brach, noch die Demokratie in Frage gestellt wurde. Dazu aber bestens noch orchestriert, dass das Brennen von Asylheimen und ein verstärktes rechtes Vorgehen gegen Migranten zeitgleich aufgetreten ist, also die mediale Beachtung und zum Teil Aufwertung von PEGIDA diese Kräfte ermutige dies zu tun. Wobei der Zusammenhang dabei auch mehr als fragwürdig war.

  14. #74
    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Ich glaube langsam auch einen kommunikativen und ideologischen Fehlschluss auf beiden Seiten zu erkennen, der, wie oben erwähnt, eine gütliche Einigung schwierig bis gar unmöglich macht und eigentlich zu diesen verhärteten Fronten führt. in dieser Hinsicht kann man dann schon zu einem gewissen Grad die Meinungsmacher und Politiker eine Verantwortung für Eskalation zuweisen. Das ist jetzt nicht bezogen auf dem Umgang mit den Demonstranten sondern auf das, was seit Jahren eigentlich schon bezüglich der gesellschaftlichen Entwicklung geschrieben wurde und jetzt auch noch einmal wiederholt wurde und die jeweils andere Seite in ihrer verhärteten Position einerseits bestärkt, andererseits zu einer jeweils eigenen Form von Alternativlosigkeit zwingt.
    Sehe ich ähnlich. Man kann die Politik irgendwie nachvollziehen, da Ereignisse dieser Art außenpolitische Konsequenzen haben aber ich halte es für sehr grenzwertig, die Sache (so verlockend es auch ist) als kleinen Ausrutscher abzutun und schnell wieder unter den Teppich zu kehren. Es sollte auf der Hand liegen, dass einem nicht unbedeutenden Teil der Bevölkerung ein gewisses Identitätsbewusstsein wichtig ist und dass dieses, möglicherweise je nach wirtschaftlicher Situation, mal mehr mal weniger durchscheint. Das kann man jetzt mögen oder nicht mögen, nur sollte man es als Tatsache akzeptieren.

    Wenn wir diesen Kurs weiterfahren, enden wir womöglich (mal wieder) in einer Art Spitzelgesellschaft, in der sporadisch durch Missbrauch des Überwachungsapparats Leute herausgepickt werden, die zum falschen Zeitpunkt ventilieren um nochmal die "Werte" zu festigen. Ansätze sind jetzt schon erkennbar. Es ist kaum mehr möglich, zu einem aktuellen Thema eine reflektierte, differenzierte Meinung zu haben ohne sich bei beiden "Seiten" unbeliebt zu machen (jetzt nicht speziell zu diesem Thema). Meinungen sind nun binär. Sieht man auf beiden Seiten Vor- und Nachteile, ist man nicht X genug um bei den Xies als gut zu gelten und nicht Y genug um bei den Ys als gut zu gelten. Da müsste jemand erste Zugeständnisse machen, nur wird das kaum machbar sein, wenn die Medien konkret Stellung beziehen und dauerfeuern und weiter polarisieren. Dabei ist eine basis für Vereinbarkeit immer gegeben; auch deswegen, weil man sich durch ständige Konfilkte letztendlich gegenseitig behindert.

    Die einzige Möglichkeit, hier entgegenzusteuern, sehe ich in einem Gleichgewicht der Interessensvertreter bzw. würde einfach schon ein Entschleunigen mancher Entwicklungen gut sein. Gibt man denen etwas Raum, entstehen möglicherweise mehr "gemäßigte Rechte", die sich ebenfalls von den Extremisten zu distanzieren (und nicht nur so tun). Wahrscheinlich reicht es bei vielen schon wenn man ihnen einfach das Gefühl gibt, ihre Sorgen ernst zu nehmen um die Wogen zu glätten.

  15. #75
    Ich denke auch, es würde schon reichen, wenn ein paar vernünftige Rechte mal den gesunden Mittelweg zwischen "wir könnten eigentlich auch SPD sein" und "lieber Oma statt Roma" erwischen. Momentan gibt es da halt keine wirklich ernst zu nehmende Interessenvertretung, in der diese Energie auf einen konstruktiven Pfad geleitet werden kann.

    Ist also ein Dilemma: Die, die Einfluss haben, sind zu gemäßigt (und haben deshalb Einfluss), und die, die immer kurzfristig Zulauf kriegen, sind zu extrem (und kriegen nur deshalb Zulauf). Problematischerweise gibt es also auch keine politische Fraktion, die allzu sehr von einer "rechteren" gemäßigten Rechten profitieren würde. Schwierig.

    Dann wiederum glaube ich durchaus, dass "rechte Problem" durch Pegida auch im konstruktiven Sinne wieder näher in die Mitte der Gesellschaft gerückt sind, eben WEIL die Idioten nichts erreicht haben mit ihrer Idiotie. Klar sind die Link(sextrem)en auch wieder etwas hypersensibler geworden, aber das ist bei unserer Geschichte und Sozialisation wahrscheinlich nicht zu verhindern.

  16. #76
    Zitat Zitat
    Die einzige Möglichkeit, hier entgegenzusteuern, sehe ich in einem Gleichgewicht der Interessensvertreter bzw. würde einfach schon ein Entschleunigen mancher Entwicklungen gut sein. Gibt man denen etwas Raum, entstehen möglicherweise mehr "gemäßigte Rechte", die sich ebenfalls von den Extremisten zu distanzieren (und nicht nur so tun). Wahrscheinlich reicht es bei vielen schon wenn man ihnen einfach das Gefühl gibt, ihre Sorgen ernst zu nehmen um die Wogen zu glätten
    Das ist das, was ich mit existenziell ansgesprochen habe. Für die Rechten geht es an der Stelle um ihre Identität und die Identität ihre Kinder und auch Nachkommen, die sie in Bedrohung oder Unterwerfung begreifen. Gleichwohl auch ein Versuch der Schärfung einer deutschen Identität ebenfalls abgeschmettert wird. Man müsste es als legitimes Eigeninteresse ansehen, dass sich die Nation an der Stelle kulturell und ethnisch weiterhin reproduzieren kann und darf.

    Das kommunikative Versagen ist ja folgendes: Wer sich eher als Links einstuft nimmt einerseits jede rechte Gewalttat als Bestätigung dafür, dass die Gesellschaft noch immer tiefgreifend rassistisch wäre und muss deshalb mit harten Bandagen kämpfen, dazu kommt noch eine gänzlich andere Auslegung von bspw. Zahlenwerten während ein Migrationsanteil von über zehn Prozent den linken womöglich noch zu wenig ist oder nciht als viel erscheint, sehen die Rechten darin eventuell schon zuviel insbesondere wenn er mit Zahlen wie einer sinkenden Geburtenrate oder steigenden Zuwanderungszahlen verknüpft. Und darauf kommen Aussagen von Politikern die die Zuwanderung noch erhöhen wollen gezielt, oder den Abbau von Zuwanderungsschränken reden aus normativen Gründe, Erleichterung von Einbürgerungen usw. usf. Und das die Medien dann mit Aussagen, wie der das Vermischung und Migration ohnehin zum Zerfall von NAtionaler Identität führt und dies ein unaufhaltsamer und ohnehin alternativloser (durch die Tonart impliziert sogar positiver) Prozess, womit sie eigentlich die Rechten von der Sinnlosigkeit überzeugen wollen - dabei wohl gemerkt auch deren Anliegen entweder ad absurdum führen oder zumindest delegitimieren - dabei aber eben auf die bereits erfolgten Zuwanderungsbewegungen verweisen und die in die Zukunft weiterdenken, den Anlass eben dazu geben sich insbesondere bedroht zu fühlen und geradezu zwingen wenn nicht jetzt wann dann Maßnahmen zu ergreifen. Denn klar wird ja daraus, um so mehr der Prozess voranschreitet, umso schwieriger wird es bis es dann gänzlich zu spät ist. Und gerade aus dieser Eilbedürftigkeit verbunden mit der gleichzeitigen Ignoranz gegenüber dem eigenen Anliegen, wird man hartleibig und fanatisch.

    Dieses Kommunikationsproblem führt eben, wie du schön ansprichst dazu, dass man sich nur für x y entscheiden muss und das davon aber gerade die radikalsten Ausprägungen bzw. Ansichten das Bild der jeweils anderen Seite dominieren und dabei die Ängste noch verstärken. Mit Ausnahme einzelner weniger wird wahrscheinlich nämlich auch von den LEuten bei PEGIDA, die eben nationale Selbstbehauptung verlangen wollen, niemand daran denken integrierte AUsländer auszuweisen, in Lager zu stecken oder plötzlich ethnische Säuberungen zu fordern. Man muss sich nämlich trotz der Logik der Forderungen auch auf den gesellschaftlich-rechtlichen Rahmen verlassen, der diese Forderungen zumindest in rechter Richtung ohne deckt. Ich habe ja schon Berichte gelesen, die aus einer Anerkennung dieses Interesses nach Selbstbehauptung Parallelen gezogen hat auf Jugoslawien wo das Erwachen nationaler Eigenidentitäten zu ethnischen Säuberungen und Massenmorden usw. geführt hat. Unterschlägt aber sämtliche Begleitbedingungen wie bspw. extrem nationalisitische Scharfmacher und den nicht einmal erfolgten Versuch sich in irgendeinerweise über eine gütliche Auftrennung zu unterhalten. Von Minderheitenschutz und Tolerierung dergleichen gar nicht zu reden. Ich denke man kann dieses Selbstbehauptungsrecht hierzulande einerseits anerkennen und dem auch in gewissem Maße entsprechen, zum Beispiel in dem man diesen Bedrohungsprozess nich noch weiter beschleunigt. Ohne Risiko zu laufen gleich ethnische Säuberungen zu riskieren. Vielmehr kann das ein Schlüssel dazu sein, entspannten eben mit dem Fremden im Innern umzugehen. Die Leute sprechen immer von Vorurteilen als Verursachern von Ängsten, die ausgeräumt werden müssen. Hiermit würde man auf beiden Seiten die grundlegende existenzielle Angst nehmen.

    EDIT:
    Zitat Zitat
    Ich denke auch, es würde schon reichen, wenn ein paar vernünftige Rechte mal den gesunden Mittelweg zwischen "wir könnten eigentlich auch SPD sein" und "lieber Oma statt Roma" erwischen. Momentan gibt es da halt keine wirklich ernst zu nehmende Interessenvertretung, in der diese Energie auf einen konstruktiven Pfad geleitet werden kann.
    Ich hatte das ja auf einer der Seiten davor schon erwähnt, dass die Rechten auch eine ziemlich heterogene Gruppe sind. Die NPD oder ihr weiterer Sympathisantenstab ist ähnlich zersplittert wie die Linke mit ihren dutzenden kleinen Arbeitskreisen und Plattformen. Die arbeiten eben auch nur zusammen, weil es politisch noch die einzige realistische Chance ist, etwas zu erreichen und man zumindest in einigen grundlegenden Fragen Übereinstimmung findet. Ansonsten kennt man ja von der Linken wie genüsslich da die innerparteilichen MEinungskämpfe zwischen Klein- und Kleinstgruppen ideologisch ausgefochten werden. Der rechte Block scheint da geschlossener, aber ich glaube da besteht einfach mehr Disziplin. Ich finde selbst bei meinen Kommilitonen überraschte Gesichter, wenn man ihnen erzählt, dass es Rechte gibt, die sich als nationale Sozialisten oder nationale Sozialdemokraten verstehen, die also eine Kombination aus Heimat- und Staatsverbundeheit mit eher linken Wirtschaftsvorstellungen propagieren, wo es dann manchmal irgendwo witzlos erscheint die rechts von einer neoliberalen FDP einzuordnen.

    Vielen leuten fehlen da einfach gemäßigte Identifikationsangebote.

    Geändert von KingPaddy (08.01.2015 um 17:58 Uhr)

  17. #77
    Zitat Zitat
    Die Schießerei bei Charlie Hebdo dürfte den Surrogat-Nazis in der Hinsicht wieder neuen Auftrieb geben. *seufz*
    btw. ich hatte gestern ein Politikseminar während des Ding Live auf jedem Smartphone über den Ticker lief. Wir waren uns alle einig darin, dass Le Pen sich dabei wahrscheinlich den Arsch zu Hause abgelacht hat. Was besseres hätte ihr gerade nicht passieren können.

    Ich finde es persönlich widerlich, wenn jetzt irgendjemand damit auf Stimmenfang gehen will. Wir hatten Anschläge in Madrid und London. Der In Paris, auch wenn er gezielt gegen Meinungsfreiheit gerichtet war, unterscheidet sich in seiner Auswirkung von den anderen nicht. Es muss dabei bleiben das Extremismus bekämpft werden muss, gerade auch in Richtung vielleicht salafistischer Gruppen, die dafür eine gewisse Anfälligkeit haben, aber daraus jetzt Islamophobie schüren zu wollen ist lächerlich, zumal es ja auch von verschiedensten Seiten innerhalb der Glaubensgemeinschaft verurteilt wurde. Nachzudenken wäre nur über das, über das ja auch schon gesprochen wurde. Aufklärung, bessere Imame, mehr staatliche Kontrolle bei der Ausbildung usw. dazu Sozialarbeit. Ansonsten klassische polizeiliche und nachrichtendienstliche Arbeit haben wir ja ohnehin.

  18. #78
    Halb-OT:
    Zitat Zitat
    Die Schießerei bei Charlie Hebdo dürfte den Surrogat-Nazis in der Hinsicht wieder neuen Auftrieb geben. *seufz*
    Und die CSU fordert mal wieder die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung sowie "[...] mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden und eine Verschärfung des Strafgesetzbuches [...]". ( Quelle: http://www.faz.net/-hzv-7yc8y )
    Da fehlt nur noch dass sie die oben genannten Forderungen mit den Pegida-Demonstrationen und deren Nachahmungen begründet werden.

  19. #79
    Die typischen Reaktionen. An der Sicherheitslage hat sich wie gesagt zu dem Status vor dem Anschlag nichts verändert. Europa ist nicht unsicherer geworden. Seit 2006 weis man, dass die Extremisten nicht gut auf Karikaturen ansprechen und es gab auch schon Anschläge in London und Madrid. Das Frankreich oder gar Deutschland bisher nicht betroffen waren, ist reines Glück gewesen. Und das herauskramen dieser ollen Mittel. Wir leben in einer Welt in der sämtliche elektronische Kommunikation von der NSA, dem GCHQ sowie weiteren Geheimdiensten aufgezeichnet und gezielt ausgewertet wird und sich die Dienste auch besser denn je untereinander zumindest über diese Informationen austauschen. Wenn die von diesem Anschlag im Vorfeld nichts gewusst haben, hilft uns die Vorratsdatenspeicherung (die allein vom Namen her schon suggeriert, dass auf diese Daten auch nur bei Verdacht tatsächlich zurückgegriffen wird und den hatten wir hier ja offenbar auch nicht) dann ist es reine Symbolpolitik das zu fordern oder Dummheit ernsthaft an dessen Wirksamkeit zu glauben.

    Und bezüglich Grundrechts- und Privatssphärenschutz, möchte ich die einzige prominente FDP-Politikerin mit Rückgrat und Anstand an dieser Stelle auftreten lassen (die Geste ist unbezahlbar):

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    "Hat jemand Vorratsdatenspeicherung gesagt?" DAM DAM DAAAM

  20. #80
    Pegida hats sogar bis in den Schwarzwald-Baar-Kreis geschafft.
    Auf dem Villinger Münsterplatz wollen die Leute sich am Montag auch "versammeln". Linkundso

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