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Thema: Flüchtlinge, Pegida & Co.

  1. #21
    Zuviel Text. Wer Bock hat liests. Aber das musste raus an der Stelle.

    Die wirtschaftlichen Argumente sind eigentlich ausgelutscht bis eben auf das Sozialschmarotzertum. Gerade den vielen bürgerlichen Demonstranten geht es einerseits um Sicherheit (man will sich keine potenziellen Terroristen, Totschläger oder andersartige Religions- oder Kulturkonflikte ins Land holen (Kurden vs. Salafisten-Problematik hätten wir bspw. gar nicht wenn es weder Kurden noch radikalisierte Muslime oder überhaupt Muslime im Land gäbe; ich persönlich finde es auch befremdlich, dass die im Land lebenden Kurden unsere Bundesregierung in dieser Sache zu härterem Durchgreifen aufgefordert haben).und andererseits und damit kriegt man mich ehrlich gesagt auch, mit einer wachsenden Zahl bunter Menschen in Deutschland eine Debatte darüber, was man als "weißer Deutscher" noch darf und was nicht und daraus dann wiederum eine Verschleuderung von Traditionen konstruiert wird. Da geht es nicht um den Islam allein. Auch der Blackfacing-Skandal bei Wetten dass oder auch bei einer Theateraufführung waren so eine Sache. Da ist dann eben die Frage ob "wir" uns da jetzt anpassen müssen und das abschreiben müssen, weil deutsch sein heutzutage nicht mehr mit Weißsein gleichzusetzen ist, was ebenfalls auch einer gewissen Spannung unterliegt, als das Abstammungsprinzip abgeschafft wurde.

    Vermehrt kann man sagen, dass bei vergangenen Migrationsströmungen nach Deutschland irgendwann insbesondere die Assimilierung in die autochthone Bevölkerung gewirkt hat. Da erinnern nur noch wenige Reste wie zum Beispiel Nachnamen an die eigentliche Herkunft im Falle polnischer Einwanderung nicht mal unbedingt das, weil es auch genauso gut aus den preußischen ostgebieten stammende Deutsche als Vorfahren hätten sein können. Die Integration und schließeliche Assimilierung verlierf hier deutlich günstiger, weil sie uns kulturell und religiös deutlich näher waren, ihre Muttersprache irgendwann weitestgehend abgelegt haben und kulturelle Eigenheiten entweder verschwanden oder zu einer neben der dt. Kulturpraxis gleichberechtigten oder immer stärker untergeordneten Praxis wurde und auch wenn man darüber nicht gerne spricht, auch weil sie optisch von Deutschen nicht zu unterscheiden waren.
    Insofern sind gerade die neuen nicht mehr allein innereuropäischen Migrationsströme aus islamischen Länder, aus afrikanischen Ländern nicht so leicht assimilierbar, weil die kulturellen gegensätze deutlich größer sind, auch gerade weil der gegensatz so groß ist, viel eher Wert auf eine Behauptung der eigenen kulturellen Identität gelegt wird, weil sie eben kaum oder nur begrenzt anschlussfähig ist, dazu gehört auch die Tradierung der eigenen Sprache, was inzwischen auch eine Förderung bezüglich der Globalisierung und positiver Mehrsprachigkeit erfährt und eben weil sie ob man will oder nicht immer auch von einer weißen Gesellschaft optisch geschieden bleiben und selbst auch auf diese Optik rekurieren, wenn eben Rücksichtnahme auf Afro-Deutsche von diesen gefordert wird. Die Leute sind bestenfalls integrierbar aber nicht mehr assimilierbar.
    Dies führt zu einem Wachstum dreier Gruppen: autochthoner Deutscher (inklusive assimilierter Europäer); Mischidentitäten und reinen Migranten mit gefestigter Herkunftsidentität, die auf dem Gebiet eines Staates leben, dass die Autochthonen als ihren begreifen und als Institutionalisierung ihrer Kultur, Traditionen, Werte und Geschichte sehen, der aber wiederum einen Ausgleich dafür schaffen muss, dass die Mischidentitäten und die Migranten nicht abgehängt werden. Umso mehr aber eben jene nach Selbstverwirklichung und Mitbestimmung im Staat streben, umso mehr gerät die Rolle und das Selbstverständnis der ersten Gruppe ins Wanken und das führt nachvollziehbar zu Konflikten, praktisch wird hier nicht nur unmittelbar gegen Ausländer gekämpft sondern eher darum wer und in welcher Form diesen staat und das darin befindliche Leben bestimmen soll. Und jeder neue aufgenomme Flüchtling, potenzielle Migrant stärkt letzte beide Gruppen.

    Es geht eben um eine Frage der Relationen. Etwa 13% Anteil Migranten an der Bevölkerung in Deutschland soll es geben. Rechnet man das in harte Zahlen um sind das schon einige Millionen. Dann kann man das schon für zu hoch halten, für akzeptabel oder sogar noch für zu niedrig (wie in linken kreisen). An sich ist das ist eine schhier ungeheure Anzahl und die soll wenn es nach der Politik und den Medien geht sogar noch wachsen und das sei wünschenwert wegen der Demographie, Fachkräften usw. Auf der anderen Seite kommen dann noch Flüchtlingsströme dazu, die man im Gegensatz zu Migration nicht politisch kontrollieren und steuern kann, weil Asyl nun einmal Asyl ist (auch wenn ich glaube das die Asylgesetze unter den Prämissen einer deutlich geringeren Zahl und der Option auf Rückkehr gemacht wurden).
    Und dann hat man eben vor Augen ganze Stadtviertel die nur noch migrantisch besetzt sind und man sich fragt, ob man eben noch in Deutschland, also seinem eigenen Land, lebt oder nicht. Wir reden nicht von einer paar Tausenden oder wenigen Hunderttausend insgesamt, sondern von Hunderttausenden jedes Jahr + den Millionen die bereits hier leben + Stadtviertel die übernommen werden + medial aufbereitete Gewalttaten und kulturelle Probleme, die man sich ins Land holt + Deutschenfeindlichkeit (die nicht unbedingt nur aus der Luft gegriffen sein muss) + dann noch Debatten darüber zu führen, dass man dies und das nicht mehr darf oder zumindest dafür skandalisiert wird, gerade bei Dingen die sonst nie ein problem waren und mit denen man auch selbstverständlich aufgewachsen ist, weil nun die Menschen sich hier "eingenistet" haben. Und deshalb auch jeder neue Zuzögling eine weitere Zumutung ist, die den wachsenden Block nur noch einmal vergrößert.

    Und dann wird noch jedes Vorhaben stattdessen eben dagegen zu halten und auch zu beharren, von Seiten der Politik, der Medien und der anderen Öffentlichkeit wahlweise als rechtsextrem, ausländerfeindlich, rassistisch, proto-faschistisch und weis der Teufel was noch alles verbrämt und die Ängste damit nicht nur nicht ernst genommen sondern sogar verbal abgestraft. Und Ernst nehmen würde an der Stelle auch bedeuten zumindest theoretisch offen zu sein auch für Lösungen, die eben mehr national gewandet sind. Sorgen Ernst nehmen bedeutet nicht nur zu sagen "Ja wir verstehen ihre Befürchtungen", dann 5 Experten vorzuführen die uns sagen warum wir Migration brauchen und dann trotz murren einfach weiter zu machen, weil die Leute zu dumm sind es zu kapieren.
    In diesem Zusammenhang ist auch die Frage des Dürfens relativ zu betrachten. Natürlich gibt es kein Gesetz das mir jetzt solche Äußerungen pauschal untersagen würde, aber allein das Thema entweder anzusprechen oder eine bestimmte Position einzunehmen ist derart vergiftet, dass man zumindest damit rechnen muss, eine Ausgrenzung und vernichtende Verbalisierung zu erfahren, dass damit zumindest ein öffentliches Leben zumindest in den gewohnten Bahnen erledigt wäre. Sarrazin hat man aus der SPD geworfen und ist auch für viele Politiker weiterhin persona non grata, die Medien haben ihn in der Luft zerrissen (bezüglich der Gen-Thesen auch berechtigterweise muss man sagen). Genauso ist es jetzt auch mit den Pegida-Demonstranten. Die erste Reaktion ist eine eine Stellung in die Rechte Ecke und das abarbeiten der Klischees, ätzende Kommentierung und das Aufmarschieren der Antifa als stünde da gerade ein Marsch auf Berlin an, der verhindert werden muss. Ob die Leute dann noch irgendwelche berechtigten Anliegen haben, ist dann vollkommen egal.
    Das es dann natürlich immer noch LEute gibt, die zu einem halten ist klar, aber beim Apparat auf den du eigentlich angewiesen bist, um eben Politik zu machen, bist du unten durch. Freunde oder langjährige Weggefährten wenden sich, vielleicht auch vorsorglich von dir ab, wer will schon etwas mit jemandem zu tun haben, dem die Öffentlichkeit den Nazi-Stempel verpasst hat. Man macht sich ja direkt mit verdächtig, wenn man mit dem weiter Umgang hält. Selbst Sarazin wird jetzt immer der Typ mit dem Buch sein, sein Leben bis dahin, interessiert keine Sau mehr.
    Gerade, was mir so einfällt, wenn ich so an mein derzeitiges Umfeld denke. Da gab es mal eine hitzige Diskussion zum Thema Wagner, weil der ja bekennender Antisemit, Chauvinist usw. gewesen ist. Für die ist Wagner (mal ohne lobende Zusätze) auch kein Komponist mehr, dessen werk man noch in irgendeiner Form Ernst nehmen müsste, sondern nur noch Wagner der Antisemit, den man am besten der Damnatio übergibt. Man hat diesen Stempel weg, gerade wenn man in der Öffentlichkeit steht und da ist dann wie gesagt eine Frage nach dem Dürfen eine relative. Laut Gesetz darf man, aber der Skandal und die Ausgrenzung die darauffolgt ist eine die in ihrer Wirkung der Verletzung eines gesetzlichen Verbots durchaus nahekommt.

    EDIT:
    Zitat Zitat
    Andere Kulturen sind nämlich voll interessant. Und diese anderen Kulturen nur auf die Arschlöcher zu beschränken die daraus Kapital schlagen/damit Leuten Angst machen wollen ergibt auf mehreren Ebenen keinen gottverdammten Sinn. Dass Leute auf diesen hirnverbrannten Zug aufspringen und Öl ins Feuer kippen indem sie die Scheiße promoten ergibt noch weniger Sinn.

    Und ich schwöre, eines Tages wenn ich an einer dieser Demos vorbeilatsche schnappe ich mir ein Megafon und schreie mit all meiner weißen ehrfurchterregenden Wut "Sikderlim ihr Hurensöhne!"
    Ein wichtiger Punkt. Anders als Sarrazin beispielsweise tut und der Ausspruch Untergang des Abendlandes suggeriert, kann es nicht darum gehen eine Kultur in einem Rangkampf gegen die andere auszuspielen, sondern die Furcht ist eher, wir haben unsere Kultur und ihr habt die eure und wir können uns aus der Außenperspektive als interessierte Beobachter miteinander beschäftigen und uns füreinander interessieren, aber schlussendlich wollen wir eben auch in einem Land leben, in dem wir unsere Kultur so auch ausleben können.

    Ich vergleiche das gerne mit einer Weltreise. Es ist schön sich all die verschiedenen Länder anzuschauen und dadurch zu reisen, aber man ist am Ende eigentlich froh wieder zu Hause zu sein.

    Geändert von KingPaddy (16.12.2014 um 13:44 Uhr)

  2. #22
    Integration und Assimilation sind unnötig. Es gibt z.B. in Düsseldorf eine japanische Gemeinde, mit japanischen Ärzten, Schulen, Kindergärten, Einzelhandelsgeschäften etc. eine richtige deftige Parallelgesellschaft! Das ist ein interessantes Fleckchen Fremdkultur mitten in Deutschland. Und es stört niemanden!

    Würde es jemanden stören, wenn Türken ihr türkisches Viertel gründen würden? Mich würde es nicht stören.Das ist mir doch sowas von egal, und welche Religion jemand hat oder ob dieser Mensch ein Kopftuch trägt ist mir auch egal. Und den meisten Deutschen, schätze ich, wird das auch scheissegal sein.

    Mich würde es stören, wenn sich in diesen Parallelgesellschaften ein weites Netz aus Bandenkriminalität gründet und Polizeibeamte beschämt auf den Boden gucken aus Angst, dass man sie und ihre Familien kaputtschlägt, wenn sie einschreiten. Ob an der Spitze der Gangstercrew nun der Busenfreund von Bushido, ein Kerl namens Yoshi oder die Familie Schmidt sitzt ist mir latte.

  3. #23
    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    (...)bestimmte Position einzunehmen ist derart vergiftet, dass man zumindest damit rechnen muss, eine Ausgrenzung und vernichtende Verbalisierung zu erfahren, dass damit zumindest ein öffentliches Leben zumindest in den gewohnten Bahnen erledigt wäre. Sarrazin hat man aus der SPD geworfen (...)Selbst Sarazin wird jetzt immer der Typ mit dem Buch sein, sein Leben bis dahin, interessiert keine Sau mehr. (...)
    NEIN, hat man nicht.
    Es gab zwei Partei Ausschluss verfahren gegen ihn, die aber beide erfolglos verliefen.

    Deshalb habe ich ihn ja angeführt: Sarrazin ist das perfekte Beispiel dafür, dass das ganze "Das darf man nicht mal mehr sagen" Gerede Substanzloser Schmonz ist.
    Sarrazin durfte in der Massenpartei SPD bleiben, obwohl er ein Buch geschrieben hatte, in dem er sagte, dass Türken* aus genetischen Gründen gewalttätig und dumm wären, und sich zur Belegung seiner Thesen auch nicht zu schade war u.a. Eugeniker aus den 20ern zu zitieren.

    Und nunja. Er war auch in seinem Leben "bis dahin" jetzt nicht unbedingt ein so dufter Typ. Z.B. erstellte er als Berliner Finanz-Senator für Hartz IV Empfänger einen Speiseplan um zu belegen, dass man sich mit 4 Euro am Tag voll supi ausreichend und gesund ernähren könne. Das Problem an der Sache: Der Plan ging in der Praxis nur auf, wenn man jeweils eine knapp Woche lang das selbe isst. [1] [2] [3] [4] [5]

    Und es schient auch nicht als sei ihm groß daran gelegen für die Zukunft sein Image zu ändern, immerhin Meldete er sich vor ein paar Tagen wieder einmal mit einem Beitrag zu Wort:
    Es gäbe seiner Meinung nach zu viele Immigranten bei der Polizei. (!) [2] [3]

    Damit wäre, denke ich, genug (beinahe schon OT) über diesen Charakter gesagt.

    ---

    Ansonsten das was Corti sagt!

    * Funfact am Rande: Er sagte in seinem Büchlein ähnliches über Ostdeutsche, dennoch hat sich das Schundwerk da super verkauft.

  4. #24
    Zitat Zitat
    Deshalb habe ich ihn ja angeführt: Sarrazin ist das perfekte Beispiel dafür, dass das ganze "Das darf man nicht mal mehr sagen" Gerede Substanzloser Schmonz ist.
    Tabus entstehen erst durch Tabubrüche. Also eigentlich eher das komplette Gegenteil von dem, was du sagst: Wenn man "es sagen dürfte", hätte sein dummes Buch niemals so viel Aufmerksamkeit gekriegt. Keine Chance. Er bedient sich des Fakts, DASS man es nicht sagen darf, und bedient damit das Bedürfnis, es trotz allem sagen. Es ist deshalb auch genau null verwunderlich, dass ihn die SPD konnte nicht rauswerfen konnte: Tabus sind nicht zwangsweise Gesetze, sondern allem voran Normen.

    Dass Sarrazin ein Trittbrettfahrer voller Bullshit ist, ist lediglich ein Symptom. Er hätte auch ein voll gut recherchiertes, modernes Buch schreiben können, das hätte denselben Aufschrei verursacht, sofern es nur ähnlich provokante Formulierungen benutzt hätte.

    Ich seh das bspw. bei jemandem aus meiner Familie: Hochintelligent, weiß, dass Sarrazin Bullshit schreibt, aber geht voll drauf ab, weil der Kontext relevanter ist als alles, was Sarrazin jemals in seine literarische Kloschüssel befördern könnte. Aber hey, wenn man nur Pegida und Sarrazin als Sprachrohre hat, wo denn sonst hin damit? Ernst gemeinte Frage, nicht rhetorisch. An wen wendet man sich heute als Politik-nicht-wirklich-interessierter Mensch, wenn man bspw. Asylpolitik oder kulturelle Konflikte diskutieren will, ohne sich gleich auf akademisches Niveau begeben zu müssen?

    Der (noch-)Mainstream sagt einfach: Pssst, es gibt doch gar keine Konflikte! Du Mini-Hitler! Und unabhängig davon, ob das stimmt (ich denke persönlich, es stimmt! wir haben keinen "Kulturkrieg" lol), ist ein Totschweigen und Wort-abschneiden eigentlich immer eine gute Möglichkeiten, um ein Problem draus zu machen. Und dann wundert man sich noch drüber, warum Leute Zulauf kriegen, die darüber reden? Wie überraschend.
    Und natürlich sind es die größten Idioten im Raum. Die haben schließlich nichts zu verlieren und können damit auch problemlos auf Tabus kacken.

    Wird sich das Normalisieren? Ich denke schon. Spätestens, wenn Frau Merkel in ihrer unvergleichlichen Art den Finger in die Luft hält und tief durchatmet. Dafür ist sie die bestmögliche Person momentan. Hoffen wir nur, dass bis dahin nicht allzu viele Autos Feuer fangen. Die empörte Mittelschicht mag brennende Autos.

  5. #25
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Ernst gemeinte Frage, nicht rhetorisch.
    An wen wendet man sich heute als Politik-nicht-wirklich-interessierter Mensch, wenn man bspw. Asylpolitik oder kulturelle Konflikte diskutieren will, ohne sich gleich auf akademisches Niveau begeben zu müssen?
    Da gibts Orte, an denen trinken Leute Bier und spielen Dart oder Tischkicker. Und wenn draußen die Sonne untergeht und nach dem 4. Bier die Müdigkeit einsetzt, lässt man sich an der Theke aus poliertem solidem deutschen Eichenholz nieder und bespricht eben solche Dinge.

    Vor Internet und Facebook tat man das so, und es hatte den Vorteil, dass ich die Ergebnisse solche Konversationen nicht sehen musste.

    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Wird sich das Normalisieren? Ich denke schon. Spätestens, wenn Frau Merkel in ihrer unvergleichlichen Art den Finger in die Luft hält und tief durchatmet. Dafür ist sie die bestmögliche Person momentan.
    Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden.

  6. #26
    Zitat Zitat
    Es gab zwei Partei Ausschluss verfahren gegen ihn, die aber beide erfolglos verliefen.
    Eben. Faktisch ist er draußen. Außer Buschkowsky vielleicht noch, will mit ihm da auch niemand was zu tun haben. Sie hatten rechtlich keine Handhabe also haben sie ihn faktisch aus der Partei ausgeschlossen. Buschkowsky musste sich die gleiche Debatte ebenfalls gefallen lassen als er die gleichen Missstände angeprangert hat, freilich ohne eugenische Verbrämung. Sarrazin aber hat sich damit eben endgültig zur persona non grata gemacht. Im Gegensatz zu anderen Leuten, hatte er nicht mehr viel zu verlieren und das Buch auch genau auf den Skandal hin getrimmt, damit es eben wahrgenommen wird, aber die gleichen Skandale werden ja eben auch schon auf kleineren Flammen gekocht, eben sobald jemand wagt dies öffentlich anzusprechen. Die Reaktionen sind stellenweise geradezu hysterisch.und genau das bleibt dann auch hängen.

    Zitat Zitat
    Ich seh das bspw. bei jemandem aus meiner Familie: Hochintelligent, weiß, dass Sarrazin Bullshit schreibt, aber geht voll drauf ab, weil der Kontext relevanter ist als alles, was Sarrazin jemals in seine literarische Kloschüssel befördern könnte
    Damals kam das Thema im Atelier mal auf. Wie gesagt jetzt wird das Buch vor allem auf diesen Schwachsinn mit der genetischen Verblödetheit der Araber reduziert, gerade weil man hieraus den größten Nazi-Ansatzpunkt hatte und das Buch und Sarrazin selbst werden jetzt auf diesen Abschnitt reduziert. Das das Buch allerdings nebenher eine Schilderung von alltäglichen Problemlagen und Integrationsfragen aufmacht und eigentlich mal Anlass geben sollte, eben zu überdenken, ob eine Zurückhaltung bei diesem Thema da förderlich ist, wird dabei dann überlesen, wobei gerade auch das in den ersten Rezensionen durchauch noch thematisiert worden ist. Aber das hielt eben nicht lange vor. Danach ging es um die Person Sarazin selbst und wie man sie am besten wegkriegt und schon ging es eben um die Fragen, ob er überhaupt sagen durfte, was er gesagt hat.

    @ Corti
    Der Stammtisch ist aber eben der Stammtisch. Tatsächlich wollen die Leute ja auch eine politische Reaktion, deshalb gehen sie ja auf die Straße. Sie wollen Wahrnehmung und wollen eben auch darüber sprechen ohne gleich als Proto-Faschisten abgestempelt zu werden. Und wie gesagt, wenn man darauf nicht eingeht, sucht man sich notfalls auch Leute, die einem da eher entgegenkommen wie die AfD und die NPD auch wenn man mit deren sonstigen Positionen nicht viel gemein hat. Aber die Frage ist eben, wen hat man sonst? Gibt es eine politisch opportune Partei, die das irgendwie einfängt? Eher nicht.

    Geändert von KingPaddy (16.12.2014 um 16:48 Uhr)

  7. #27
    Wer bei Pegida mitspazierend hört, er sei bereits deswegen ein Nazi, wird Probleme haben, sich unter dem Nationalsozialismus noch was wirklich Fieses vorstellen zu können. Stand der etwa für die Wahrnehmung des Demonstrationsrechtes? Die Leute haben das Recht, ihr Wunschbild von Deutschland zu artikulieren. Das sieht eben eine Höchstzahl an Ausländern von gefühlten 2% vor. Also so richtige ausländische Ausländer - laut, farbig, markant fremd, irgendwie komisch, nicht die unauffälligen Weißen aus der europäischen Kulturnachbarschaft.

    Von ihrer Regierungschefin müssen sich die paar tausend Protestler sagen lassen, sie betrieben "Hetze" und ""Verleumdung". Ja, das herumgereichte Beispiel der angeblichen Oma, die sich keinen Weihnachtsstollen leisten könne, weil der teure Ausländer so viel verschlinge, ist verzerrend. "Finanzheuschrecken" auch. Gängige Urteile über Politiker, Journalisten und Anwälte ebenso. Letztgenannte Simpeleien sind uns gewöhnlich geworden, die zuwanderungskritischen Einwürfe werden das auch noch. Verstummen werden sie vermutlich nicht, dafür wirbt unser Bruttosozialprodukt zu laut in der Welt Zuzugsinteresse ein, dafür demographiert sich der eingeborene Teil unseres Volkes zu sehr in Richtung Besorgnis als altersgemäßes Standardgefühl, dafür fehlt uns auch die unsere Neubürger verpflichtende imperiale Idee.
    Jüngere, mutigere Deutsche mit einem vitalen Gruppensinn hätten diese Probleme nicht, wenn das Ausland lobt: Bei euch ist es schön, wer von uns darf rein?

  8. #28
    Zitat Zitat
    Dass Leute auf diesen hirnverbrannten Zug aufspringen und Öl ins Feuer kippen indem sie die Scheiße promoten ergibt noch weniger Sinn.
    Na aber du weißt schon, dass gerade deswegen der Rechtspopulismus so gut funktioniert weil "Gutmenschen" eben nicht die Wahrheit ( "weniger Sinn" ) kennen über Multi-Kulti, Chemtrails und Nazi-Ufos - Sich jedoch eine Majorität an (weißen), deutschen Staatsbürgern (Intelligente Atheistische Neo-Nationalsozialisten (*tips fedora*) und Rechts-Außen-Konservative ) dazu erkoren haben, das Folk eben durch die erfolgreichste Proxy, besser bekannt als Pegida (phalische erotik gemeinschaft integriert deutsche ausländer), zu bilden/zu integrieren. Der freier Zugang zu Herrn Doktor Stolls DeineTube-Videos scheint eines der vielen populären Medien zu sein, die dieser neuen Revolte verhilft sich nicht von der Opposition blinden zu lassen.

    Konnte leider nicht in Köln dabei sein und mich einfach mal der Masse anschließen, wir hätten alle Händchen halten können, zusammen gegen diesen Islam sein, ein paar Instagram pics mit meinen Süßen, danach Glühwein trinken und einen Döner bei Mustafaa essen.

  9. #29
    Zitat Zitat
    Konnte leider nicht in Köln dabei sein und mich einfach mal der Masse anschließen, wir hätten alle Händchen halten können, zusammen gegen diesen Islam sein, ein paar Instagram pics mit meinen Süßen, danach Glühwein trinken und einen Döner bei Mustafaa essen.
    Du verwechselst da was. Das mit dem Händchenhalten gegen die pöhsen Ausländer äh faschistischen Noch-rechter-als-Nazis-Alles-Hasser waren die "Guten"...

    Geändert von Liferipper (17.12.2014 um 11:26 Uhr)

  10. #30
    Oh nein, das meinte ich ja gar nicht, das Händchenhalten war nur so als Euphemismus der Brüderlichkeit gedacht haha.

  11. #31

    Hier wird nicht geterrort
    stars_gf
    Zitat Zitat
    Ein herber Schlag für die Glaubwürdigkeit des Journalismus.
    Wir reden hier von RTL. Wundert das irgendwen?

  12. #32
    Wenn RTL Interviews als deutscher Journalismus durchgehen, ist dann in der Tat ein herber Schlag für den Journamismus.

  13. #33
    Da hat der Bruder unseres kleinen Michel Blut geleckt. Der Islamismus ist sein Feind.
    Bloß ist Michels Bruder blind und erkennt den Unterschied zwischen Islam und Islamismus nicht.

    Wer soll den Brüdern den Weg weisen, wenn der Weg nicht klar erkennbar ist und sich auf allen anderen Wegen Gefahren befinden?

  14. #34
    Dummes RTL, wie es besser geht zeigt die Heute Show. Haben sich als fiktiver russischer Sender ausgegeben.

  15. #35
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Ich weis,dass es auch genügend "echte Deutsche" gibt, die genau so das System belasten. Genau so wie ich einige Deutschtürken/Deutschiraner kenne,die so sehr integriert sind,dass man sich wirklich anstrengen müsste irgendwas gegen die Leute zu sagen. Der Witz ist,aber dass die genau die Meinung aus Punkt 3 teilen,weil es für sie als Deutsche mit Migrationshintergrund ganz besonders frustrierend und vielleicht sogar verletzend ist,wenn sie mit denen im Punkt 3 gennanten Leuten in einen Topf geworfen werden.
    Jaja, die Nation weiß, dass die Unterdrückungsinstrumente funktionieren, wenn sich Menschen, welche dieselbe Form der Benachteiligung erfahren oder erfahren haben sich gegeneinander entsolidarisieren.

    Zitat Zitat
    Wer bei Pegida mitspazierend hört, er sei bereits deswegen ein Nazi, wird Probleme haben, sich unter dem Nationalsozialismus noch was wirklich Fieses vorstellen zu können.
    Der Schweizer Wille-Clan war ja auch um die Integration von Fremdländern bemüht, wenn sie nicht gerade die Integration der Schweizer in Fremdländer voranzutreiben versuchten.

    Geändert von Ianus (22.12.2014 um 22:16 Uhr)

  16. #36
    Eigentlich sollte man nicht überrascht sein, aber die Bild hat sich mal wieder selbst übertroffen, selbst im wahrscheinlich giftigsten politischen Klima, das Deutschland seit Jahren gesehen hat.
    tl;dr - Die angebliche Forderung, in Kirchen solle man doch bitte muslimische Weihnachtslieder spielen, kommt praktisch 1:1 von der Bild selbst. Alles andere ist eindeutig verdreht.

    Prinzipiell verteidige ich das Blatt und seine Daseinsberechtigung ja gern mal, aber so ein "Journalismus" zu diesem Zeitpunkt ist wirklich nicht zu entschuldigen. Da sollte man auch rechtlich gegen vorgehen können, und zwar mit härtesten Konsequenzen.

  17. #37

    Hier wird nicht geterrort
    stars_gf
    Die Facebookkommentare sind großes Kino. Ganz großes.

  18. #38
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Prinzipiell verteidige ich das Blatt und seine Daseinsberechtigung ja gern mal, aber so ein "Journalismus" zu diesem Zeitpunkt ist wirklich nicht zu entschuldigen. Da sollte man auch rechtlich gegen vorgehen können, und zwar mit härtesten Konsequenzen.
    Ist das wirklich die Schuld der "Bild"? Zeitungen sind nicht dazu verpflichtet die objektive WAHRHEIT™ zu drucken/online stellen. Als Unternehmen ist das wichtigste Prinzip Geld zu scheffeln. Klar, wenn das der einzie Grund ist, sollte man sich als Journalist schon fragen was man für eine Existenzberechtigung hat.

    Das Problem sehe ich nur in ihrer Verbreitung. Genau wie Monopole in der Realwirtschaft so schadhaft sind, dass ein staatlicher Eingriff akzeptiert werden kann, so sollte man das auch bei Medien tun. Wie so ein Eingriff auszusehen hat, ist natürlich eine schwierige Frage. Bei einem Kartellverfahren wird auch nicht einfachmal das ganze Unternehmen zwangsverstaatlicht, lediglich bestraft.

  19. #39
    Die Bild ist so verbreitet, weil sie jeder lesen kann und sie dir an jeder Straßenecke ins Gesicht springt. Wüsste nicht, wie man das rechtlich angehen sollte, zumal man höllisch aufpassen muss, wenn der Staat auch nur ansatzweise versucht, dem Journalismus reinzureden.

    Das Ding speziell mit der Bild ist einfach, dass sie einen riesigen Einfluss hat, sich der Verantwortung, die damit kommt, aber null bewusst ist (oder nicht sein will). Aber wayne, wen interessiert schon, was man mit seinem Geschmiere anrichtet, hat der Verlag ja bereits zu Zeiten Bölls (Stichwort "Die verlorene Ehre der Katharina Blum") wunderbar zur Schau gestellt. Die plumpen und reißerisch bis hetzerischen Schlagzeilen zeigen täglich, dass sich da nicht viel geändert hat seitdem.

  20. #40
    Mir würde es auch schon reichen, wenn andere (relevante) Medien von solchen extremen Vorfällen berichten würden. Das ist ja nicht einfach "höhö, die Bild ist nur für Dumme und hetzt mal wieder dumm rum", die haben ernsthaft einen Vorfall konstruiert, ohne realen Hintergrund, aber mit realen Personen und halt in einer Situation, die irgendwo an Volksverhetzung grenzt. Eigentlich müssten die anderen Medien die in der Luft zerfetzen und nicht nur der Bild-Blog, der ja selbst vorrangig als "Elite-Mimimi-Phänomen" wahrgenommen wird. Aber wahrscheinlich "keine Eier", und sicherlich nicht ganz unbegründet.

    Auf der rechtlichen Seite sollte bspw. der Politiker, der da "zitiert" wurde, gegen vorgehen können. Schließlich ist das gegen jemanden in der Position ein ernsthaftes Vergehen. Oder wie gesagt Volksverhetzung. Leute ohne Hintergrund gegen Religionen aufzubringen, ist schon hart. Die Meinungs- bzw. Pressefreiheit endet für mich in dem Moment als "unantastbares Recht", in dem eindeutig Scheiße erzählt wird oder andere Gesetze gebrochen werden.

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