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Thema: Flüchtlinge, Pegida & Co.

  1. #1161
    Zitat Zitat von PeteS Beitrag anzeigen
    Ich denk die Sprache wird erst mal das größte Problem sein. Selbst mit Schulbildung wären die ohne Sprachkenntnisse schwer zu integrieren. Das dürfte ohne große Probleme nur bei denen gehen die Englisch perfekt sprechen (Deutsch wird da wohl kaum wer gelernt haben) - so Akadamikern die vorher schon "international" warn und dann in größeren Firmen in denen eh englisch gesprochen wird unterzubringen sind.
    Woher nimmst du denn die Vermutung, dass Menschen ohne eingehende Englischkenntnisse nicht in der Lage sind, "ohne große Probleme" Deutsch zu lernen? Ein/e gute/r DaZ-LehrerIn -- von denen es durchaus eine Menge gibt -- kann Lernende, die keine europäische Sprache sprechen, ohne zu Hilfenahme einer Brückensprache innerhalb einiger Wochen/Monate vom 0-Niveau auf A2 bringen. Zertifiziert ist A2 ein ausreichendes Niveau für den Beginn einer Berufsausbildung. Ich arbeite zufällig mit DaZ-Lehrkräften zusammen, die in ihren Kursen Menschen ohne relevante Schulbildung vom 0-Niveau bis in die Arbeitsintegration begleitet haben -- inklusive Alphabetisierung und integrative Begleitung der basalen Berufsausbildung. 2 Jahre hat das bei den meisten Lernenden gedauert (die Kurs-Abbruchquote, das verschweige ich nicht, war vergleichsweise hoch, was aber auch mit Abschiebeprozessen und Fragen der Arbeitserlaubnis und des Bleiberechts und Problemen beim Familiennachzug zusammenhängt). Wir wissen übrigens seit den 80ern, dass parallele Integration -- also sprachliche und berufliche Integration gleichzeitig -- ein Wundermittel ist.

    Nur, um gleich dem Vorurteil (das bei dir höchstens unterschwellig anklang oder gar nicht mitgemeint war, deshalb ist das gar kein richtiger Vorwurf) vorzubeugen, man hätte da jetzt eine nicht oder nur sehr schwer integrierbare Masse vor sich. Die Aufgaben sind groß und kostenintensiv ist Integration halt auch immer. Aber es ist nicht so, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen muss. Im Gegenteil muss man dafür sorgen, dass die DaZ-Angebote und die berufsintegrativen Konzepte effizient und fachlich fundiert implementiert werden, dann kriegt man nämlich auch viele von denen mitgezogen, die eigentlich keinen Bock haben. In diesem Punkt bleiben noch enorme Desiderate -- und vor allem die BA hat sich in den letzten Monaten und Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was das angeht.

  2. #1162
    Ich meinte eher dass das Geld ein Problem ist bzw. dass die Leute und die zuständigen Institutionen keine Geld dafür zur Verfügung stellen würden - oder halt nich genug. Bei vielen ist ja die Idee dass die eh wieder zurück sollen irgendwann und man deshalb gar nich Deutsch beibringen müsste. Was aber Quatsch ist. Gerade bei der Dauer von Asylverfahren hier - selbst wenn jemand zu unrecht hier wäre - würde das ewig dauern. In der Zeit könnte er arbeiten und würde weniger Kosten wenn er sich selber versorgt.

    Ich meinte also tatsächlich "ohne Sprachkenntnisse". Also den Zustand wie er ist ohne erst mal anzunehmen dass er sich verbessert weil ich da auch starken Bedarf sehen an Verbesserung auf Seiten der Behörden. Selbst für einfache Tätigkeiten ist nämlich die Sprache erforderlich da es dann zum Beispiel Sicherheitshinweise gibt die man verstehn muss (nich alles - wenn auch schon viel - lässt sich mit Bildern und Piktogrammen erläutern).

    Da regt es mich halt manchmal auch auf wenn ich sehe für was sonst Geld verschwendet wird. Eigentlich sollten alle direkt am ersten Tag Bildungsangebote bekommen was Sprache betrifft. Dann kriegt man die auch eher aus Gruppenbildung heraus - was sicher auch die Gewalt mindert. Wenn man halt zusammehockt eingepfercht im Flüchtlingsheim und draußen nich teilhaben kann so viel auch am normalen Leben (dafür hilft Sprache ja auch wenn man nich nur zugucken will oder stark eingeschränkt sich mit Händen und Füßen kommunizieren) dann dreht man eher mal durch.

    Begreifen aber auch manche nicht die Panik machen wenn in mem Flüchtlingsheim mal Flüchtlinge aggressive werden - was es ja gibt und immer aufgebauscht wird als wäre das täglich überall und bei jedem so. Obwohl es stinknormale Einzelfälle sind so wie bei uns auch die Straftaten. Meine Nachbarn werden ja auch nich alle zum Mörder nur weil andernords irgendwo ein Deutscher mal durchdrehte.

  3. #1163
    Mal ganz stumpf gefragt: Macht das wirklich einen Unterschied mit der Schulbildung? Gibt es jetzt plötzlich total viele freie Jobs?

  4. #1164
    Zitat Zitat von PeteS Beitrag anzeigen
    Ich meinte eher dass das Geld ein Problem ist bzw. dass die Leute und die zuständigen Institutionen keine Geld dafür zur Verfügung stellen würden - oder halt nich genug.
    Der Witz ist ja: Es wurde tatsächlich sehr viel Geld freigegeben, auch für Angebote zum Sprachunterricht. Aber damit wurden nicht etwa ausgebildete Sprachenlehrkräfte bezahlt, sondern in aller Regel Quereinsteiger und ehrenamtlich gestützte Kursangebote. Wieder hat sich die BA mit sehr viel Ruhm bekleckert, als nach anderthalb Jahren klar wurde: Die Angebote haben enorm hohe Abbrecher- und enorm niedrige Erfolgsquoten. Fachlich qualifizierte und vor allem fachlich koordinierte Angebote, das zeigen die Untersuchungen seit Jahren, sorgt für enorm hohe Erfolgschancen (höher als bei Bildungsinländern übrigens) und kostet vergleichsweise wenig, selbst wenn man sich doch mal anschickt, die Leute entsprechend ihrer Qualifikation zu entlohnen. Also: Geld ist durchaus da (wobei es da von Gemeinde zu Gemeinde, die meistens auch mit solchen Dingen alleingelassen werden, weil Integration ja definitiv mal auf regionaler Ebene gelöst werden müssen und keine Landes- oder gar Bundesaufgabe sein können ...), es wird sogar ortsweise sehr freizügig freigegeben -- aber bisher mangelt es an einer effektiven Implementierung.

    In allem anderen stimmen wir übrigens wunderbar überein. ^^

    Zitat Zitat von Corti Beitrag anzeigen
    Mal ganz stumpf gefragt: Macht das wirklich einen Unterschied mit der Schulbildung? Gibt es jetzt plötzlich total viele freie Jobs?
    Man muss schon sehen, dass wir eine Bildungsgesellschaft sind, unser Arbeitsmarkt hält einfach so gut wie keine unausgebildeten Arbeitskräfte aus (zumindest nicht en gros). Sobald du zulässt, dass sich eine Masse an (ich nutze das Wort jetzt einfach mal so) unqualifizierter Arbeiterschaft entwickelt, die sich dann eben zu großen Teilen aus Migranten und eben vor allem Flüchtlingen zusammensetzt, hast du stratifikatorisch dasselbe wie z.B. die Franzosen topologisch haben: Statt ghettoisierten und armutsbehafteten Vierteln hast du auf einmal eine große demographische Gruppe, die nicht am Wohlstand partizipieren kann. Und in der Sozialdemokratie heißt das: Die dem armen schuftenden Michel auf der Tasche liegt, weil sie den Sozialapparat bemühen. Dieses Problem haben wir übrigens bereits in großem Maße mit unterqualifizierter Arbeiterschaft in Ostdeutschland, die ist ein Grund für das Erstarken neo-faschistischen Gedankenguts im Osten.

    Bildungsintegration ist etwas Gutes; wahrscheinlich unintentional schließt die rechte Argumentation hier vor allem auch das Wohl derer mit ein, die da in unsere Gesellschaft aufgenommen werden wollen. Und das Netz an bildungsintegrativen Angeboten ist in Deutschland übrigens ausgesprochen gut, zumindest auf rein struktureller Ebene haben wir da eins der besten Systeme der Welt. Und dass alles von der Arbeitsplatzfrage eigentlich abgesehen, aber: Die Chance, dass sich jemand den eigenen Arbeitsplatz schafft (das ist ein korrelatives Argument, kein kausales), steigt für Bildungsinländer exponentiell zum erreichten Bildungsabschluss. Im Klartext: Je mehr der Leute wir hier effektiv ausbilden, umso mehr Wohlstand generieren wir. Das sind längerfristige Chancen. Aber Bildung und Arbeit haben halt immer was mit Längerfristigkeit zu tun. (Außer es steht in der SPD-Agenda, dann sinken die Arbeitslosenzahlen natürlich schon vorsorglich.)

    Geändert von Mordechaj (22.08.2017 um 14:53 Uhr)

  5. #1165
    Für den Plan bekommst du von mir in allen Punkten ein +, leider fehlt mir der Glaube, dass es so laufen wird. Bildung ist gefühlt etwas, dass jede Partei im Wahlkampf megawichtig findet, aber in den Jahren dazwischen interessierts niemanden, ausser es geht gerade darum, ob man die Welt damit rettet oder zugrunde richtet indem man Kindern sexuelle Vielfalt näher bringt. Hat für mich was von einer Scheindebatte, viel heiße Luft, aber von einem wirklichen Fortschritt kann nicht die Rede sein. ( Oder irre ich mich da, gibts sehr positive Tendenzen in der Bildungswelt? Müssen einige Lehrer immernoch in den Sommerferien Arbeitslosengeld beziehen? )

  6. #1166
    Bildung ist ja vor allem in jedem Bundesland anders aufgestellt, weshalb es schwierig ist, da gemeingültige Aussagen zu treffen, und weshalb es auch so ein komisches Thema für die Bundestagswahl ist, das dann üblicherweise auf "Aber die Kinder ...!" hinausläuft.

    In den Bundesländern, von denen ich einen Eindruck habe (Bremen und Sachsen-Anhalt, aaansatzweise Niedersachsen), läuft das sehr unterschiedlich, und auch die Entwicklung hat sehr unterschiedliche Prioritäten. Bremen als Stadtstaat bspw. arbeitet vergleichsweise gut mit allem, was Integration angeht, weil ... muss ja auch sein, sonst implodiert hier alles. Da kommt natürlich unterwegs einiges unter die Räder, aber es gibt ziemlich gute Angebote für Sprachförderung, Vorkurse usw. In Sachsen-Anhalt hast du da es erheblich schwerer, egal ob du jetzt Ronnie aus dem tiefsten Saalkreis, Mohammed aus dem Kriegsgebiet oder sehbindert bist. Da sind zweistellige Prozentwerte für Migrationshintergrund halt eine relativ neue Sache, während du in manchen Bremer Klassen gerade noch so zweistellige Werte ohne hast, wenn überhaupt.

    Schule ist aber u.a. durch den "Kinder ...!"-Faktor ein sehr schwer einschätzbares Feld. Dazu kommt, dass ja jeder Erfahrungen mit Schule hat, aber kaum jemand seine eigenen von vor zehn Jahren von dem trennen kann, was heute im Gesamtbild passiert. Und wenn man als Referendar an die Schule kommt, ist das, was man im Studium gelernt hat, eigentlich schon veraltet, also ganz abgesehen davon, dass es eh nur wenig Detailkonsens darüber gibt, was nun objektiv besser ist. Viele Lehrkräfte sind auch gefühlt immer frustriert von allem a) in ihrem Land, b) den Nachbarländern und c) dem Bund sowieso, die Parteien können es üblicherweise genauso wenig einschätzen wie alle anderen auch. Also noja ... schwierig.

  7. #1167
    Ob der Schulabschluss nun das große Problem ist. Mein Gott. Die Frage ist, was sie für eine Ausbildung haben, wenn man unsere Maßstäbe ansetzt. Nee, das ist keine Schikane und kein Spießbürgertum, denn die anderen Bewerber am Arbeitsmarkt haben werden auch am deutschen Standard gemessen. Leute integrieren zu wollen, die nicht das hiesige Minimallevel in so ziemlich jedem Bereich erfüllen, halte ich für völlig irrsinnig.

    Und wieso geht es denn jetzt auf einmal um die Integration dieser Leute?
    Die sollten doch zurück in ihr Land.
    Zumindest würde ich die rauskicken, die nur Geld kosten und von selbst nix auf die Kette kriegen. Erst nehmen wir die Leute auf und bieten Schutz etc. und dann sollen wir noch mehr Kohle abdrücken? Mit welcher Begründung eigentlich?

  8. #1168
    Du musst dich mal entscheiden, nehmen euch die Armen ungebildeten Flüchtlinge die Arbeit weg weil sie Wirtschaftsflüchtlinge sind oder sind sie so faul "das sie nix auf die Kette kriegen"?
    Flüchtlinge sind hier weil sie FLIEHEN nicht weil sie hier Arbeiten wollen es ist also komplett unerheblich ob sie was "auf die kette kriegen"

    Der Deutsche Arbeitsmarkt hat ersteinmal praktisch null mit den Flüchtlingen zu tun, das es soviel "armut" und Arbeitslosigkeit in den ungebildeteren schichten gibt ist dem technologischen Fortschritt und der liberalen entwicklung des landes zu schulden nicht irgendwelchen Menschen die ins land kommen weil sie vor krieg fliehen.

    Geändert von Lord of Riva (Heute um 00:06 Uhr)

  9. #1169
    Zitat Zitat von noRkia Beitrag anzeigen
    Und wieso geht es denn jetzt auf einmal um die Integration dieser Leute?[...] Mit welcher Begründung eigentlich?
    Aus rein pragmatischen Gründen. Willst du die sonst alle irgendwo zwischenlagern bis die wieder heim können, oder was macht man so mit Menschen?

    Größere Gruppen von Menschen, die gesellschaftlich und wirtschaftlich isoliert/abgehängt sind. Da gibts doch tolle Beispielprojekte, was ist dir lieber? Ghetto, Banlieue, Favela? Letzteres klingt ein bischen sommerlich. ich bin für Favelas. Ghetto erinnert mich an den Song von Elvis, aber auf Deutsch ist das so vorbelastet.

  10. #1170
    Wie lyrisch Corti

    Ich muss Corti zustimmen, obwohl es helfen würde, schon zu eruieren an wen diese Maßnahmen verschwendet sind, weil sie auf offenbar unbegründeten Tatsachen beruhen und ich nicht im vorauseinden Gehorsam auch noch dazu übergehen Syrien die für den nötgen Wiederaufbau nötigen Kräften damit vorzuenthalten, dass sie dochh so gut integriert seien und wir damit das Asylrecht mal wieder zu einer Hintertür des Einwanderungsrechts als Standard machen, anstelle die jetzige im Zuge der vorläufigen Integration betriebenen Kompetenzerweiterungen als Aufbauhilfe zu verstehen.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist davon unabhängig die Bildung von Flüchtlingskinder. Unabhängig vom Status sollte die auf jeden Fall für die Dauer des Aufenthalts garantiert sein, denn die können für die Situation in der sie sich befinden zuletzt am allerwenigsten und haben Förderung nach wie vor am aller nötigsten.

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