Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
Die Frage ist ja gerade, ob es das Geschlechtsspezifische gibt
Davon will man doch ausgehen, oder?
Angenommen, es gäbe nichts genuin männliches oder weibliches, so wäre doch allein die Annahme, dass es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, schon sehr vorurteilsgeprägt und am Rande zum Sexismus (je nachdem, welche Folgen sich daraus ergeben). Vorurteile mögen ein Teil des Ganzen sein, doch ich denke, es liegt ganz in der persönlichen Erfahrung, dass man Menschen abhängig von ihrem Geschlecht unterschiedlich wahrnimmt.

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Wenn wir das ganze Kategorisieren in männlich und weiblich mal beiseite schieben, dann bleibt nur übrig, dass Spielerinnen mit den Frauen in Spielen, Filmen usw. unzufrieden sind - weil deren Persönlichkeiten nicht gut wegkommen, weil deren Darstellung sexualisiert ist oder weil sie in der Geschichte kaum eine Rolle spielen. Eigentlich beantwortet diese Kritik auch ein wenig die Frage, denn offenbar wollen die Kritikerinnen ja gezielt weibliche Figuren haben, nur eben welche, mit denen sie sich identifizieren können.
An und für sich hast du Recht, dass es diese Unzufriedenheit gibt. Allerdings meine ich, dass die Kritik den Kern des Problems völlig verfehlt. Es ist eben nicht das Ziel von diesen Spielen oder Filmen, Frauen realitätsnah darzustellen oder gar Rollenbilder zu vermitteln. Zwar kann man sie als Beispiele heranziehen, um darauf aufmerksam zu machen, wie Frauen in solchen Werken repräsentiert sind, doch sie sind ungeeignet, um einen Diskurs voranzubringen oder nur anzuregen. Wie ich schon sagte, würde die Forderung sich darauf beschränken, dass Frauen genauso dargestellt werden wie Männer, die ihrerseits auch selten als Männer dargestellt werden, kann man sich die Debatte auch schenken. Wo es nichts zur Sache tut, ob ich einen Mann oder eine Frau spiele, ist nichts weiter daran auszusetzen, wie der Mann oder die Frau nun aussieht oder welche Rolle sie spielt. Wenn ich mir die weiblichen Charaktere von Dead or Alive ansehe, dann sehe ich darin kein Statement der Macher dazu, wie Frauen auszusehen oder sich zu verhalten haben, und es wäre auch an der Sache vorbeiführend, wenn man ihnen dies unterstellte, denn Frauen werden in Spielen oder Filmen selten primär als Frauen dargestellt. Erst, wenn das der Fall ist, lässt sich auch sinnvoll darüber streiten, in welcher Weise das geschieht, und wie die Darstellung zu bewerten ist.
Die übliche Kritik an der Modeindustrie ist ähnlich gelagert: Sie suggeriert, sie vermittelt ein Bild etc. Dabei sehen sich die Modeschöpfer weder in der Pflicht noch dazu imstande, der Gesellschaft ein Maß für Schönheit zu vermitteln. Problem ist nicht, dass die meisten Laufstegmodels gertenschlank sind, sondern eher, dass Mädchen nicht beigebracht wird, damit richtig umzugehen; dass ein Kleid nunmal am besten für sich betrachtet werden kann, wenn die Figur des Models so wenig wie möglich herausragend ist, und dass bei der Präsentation des Kleides es verkaufsfördernd ist, wenn die Ausstrahlung des Models auch zum Kleid passt. Probleme, wo sie entstehen, lassen sich nicht auf eine alleinige Ursache zurückführen, und die Kritik muss dies berücksichtigen.
Sofern die Kritik blind problematisiert und keinen Fortschritt anstrebt, ist sie nicht sinnvoll, wenngleich sie der Sache nach vielleicht berechtigt sein mag. Deswegen hielte ich es auch nicht für richtig und zielführend, wenn die Macher dieser Spiele dieser Kritik nun folgen würden.

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Vielleicht hast du recht und die Figuren unterscheiden sich kaum, was aber vielleicht ein Stück daran liegen könnte, dass die Spiele zu wenig zu erzählen haben.
Um mal ein eigenes Beispiel zu bringen: Terra in FFVI ist über die Mitte des Spieles hin unentschlossen, ob sie weiterkämpfen will, oder lieber Waisenkinder betreut. Ich will jetzt nicht von „Mutterinstinkten“ anfangen, aber die Frage, wie sich eine Mutter zu verhalten hat, wird sich einem Mann in dieser Weise so nie stellen, und sie lässt sich auch nicht einfach übertragen auf Männer als Väter. Es gibt zwar einen Unterschied zwischen Ziehmutter und leiblicher Mutter, doch ist der Gedanke, dass sich das eine dem anderen gleich sieht, so abwegig nun auch nicht, gerade in Anbetracht der Situation im Spiel. Zwar sollte der ganze Themenkomplex nicht allein auf diesen Punkt beschränkt werden, schließlich gibt es aus dem kulturellen Raum noch viele weitere, doch ist dies ein Thema, welches mit für das Selbstverständnis eines (weiblichen) Charakters entscheidend ist und nicht ignoriert werden sollte. Erfreulicherweise wurde das in FFVI auch nicht getan. FFVI ist zwar kein Idealbeispiel, was auch mit den technischen Einschränkungen zusammenhängt, denen das Spiel unterlag, doch ich hoffe, es ist erkennbar, worauf ich hinauswill.

Zitat Zitat von Whiz-zarD
Und genau das ist der Punkt, der die ganze Diskussion ein bisschen sinnlos macht.
Inwiefern denn das? Um Marktforschung geht es in erster Linie doch auch nicht.
Soweit es um mangelnde Reflexion und ein Bewusstsein für Themen geht, bleibt ein Versäumnis, was auch auf professioneller Ebene ein Versäumnis ist. Es mag bei der Entwicklung keine hohe (oder gar keine) Priorität haben, dass auf solche Dinge Rücksicht genommen wird, und vielleicht sehen die Leute, bei denen die Entscheidung am Ende liegt, auch nicht die Problematik oder die Brisanz ebendieser (welche, zugegeben, auch oft und stark überschätzt wird), aber ich möchte gerne davon ausgehen, dass sich Menschen, auch Unternehmen, weiterentwickeln wollen. Und es gibt ja durchaus Spiele, die zeigen, dass bei manchen Entwicklern ein Interesse gegeben ist, gesellschaftliche, kulturelle Überlegungen und einigermaßen anspruchsvolle Inhalte in ihre Spiele zu integrieren. Und zum Glück sind nich alle von David Cage. Insofern halte ich es nicht für völlig verschwendete Mühe, sich damit näher zu befassen.