Also grundsätzlich halte ich den Fandom tendenziell eher für was Positives, das auch schon in passiver Weise (einfach nur durch seine Existenz, denn letztenendes haben es noch immer die Regisseure und/oder Studios in der Hand) viele Filme besser gemacht hat, als sie ohne gewesen wären, bzw. die ein oder andere - in meinen Augen - filmische Katastrophe verhindern konnte. Andererseits stimmt es natürlich, dass das oft sehr ambivalent ist und auch ganz fürchterlich in die Hose gehen kann, wenn man zu sehr auf die Erwartungen der Fans baut oder sich skalvisch an irgendwelche Vorlagen hält.
Ich finde, dass ein gesunder Mittelweg hier am besten ist, und den versuchen die meisten Filmschaffenden in Hollywood & Co soweit ich das aus Interviews mitbekomme auch immer zu gehen Natürlich mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Oder anders ausgedrückt, sollte es zwar immer etwas kreativen Spielraum bei Umsetzung und Inhalt geben, aber sie sollten keine völlig zu weit hergeholten Sachen machen, die so weit von den Erwartungen abweichen, dass man das, was man sich vage gewünscht hat gar nicht mehr darin wiedererkennen kann.

Bei vielen Detailfragen bin ich auch eher auf der konservativen Seite. Neulich haben sich ja alle darüber aufgeregt, dass in dem Fantastic Four Reboot Susan Storm eine Weiße und ihr "Bruder" Johnny Storm ein Dunkelhäutiger ist. Problematisch war das natürlich, weil sich bei der Gelegenheit auch viele Rassisten-Ärsche zu Wort gemeldet haben, aber wenn man das mal komplett rauszudividieren versucht, kann ichs schon irgendwie nachvollziehen: Johnny war immer der leibliche Bruder von Storm. Wenn sie eine andere Ethnie in der Hauptbesetzung haben wollten, warum dann nicht gleich Susan UND Johnny als Geschwister dunkelhäutig machen? Jetzt mit Adoption zu kommen verändert die Gruppendynamik meiner Ansicht nach schon etwas zum Negativen. Versteh mich nicht falsch, das ist jetzt keine große Sache für mich wie offenbar für manche eingefleischte Fans (zu denen ich mich bei Fantastic Four sicher nicht zähle ^^ Habe eigentlich kaum Ahnung von denen), also würde den Film für mich jetzt nicht verderben, aber besser hätte ich es gefunden, wenn sie sich da näher an die Vorlage gehalten hätten. Also Herkunft, Hintergrund und Werdegang zu verändern, okay, aber bei den Verwandtschaftsbeziehungen der aller zentralsten Figuren gefällt mir sowas einfach nicht. Ein bisschen so, als würde man aus Robin plötzlich den kleinen Bruder von Batman machen, oder Alfred zu seinem Vater. Hoffe du verstehst was ich meine.

Viel problematischer als den rein passiven Fandom-Einfluss, der ja wenn gewünscht (und wenn die Verantwortlichen die Nerven haben, diverse Shitstorms zu überstehen) einfach komplett ignoriert werden kann, finde ich die Macht der Studio Bosse. Denn die haben schon so manch potentiell großartigen Film imho nur noch zu einem "guten" Film gemacht, einfach weil sie es allen recht machen und möglichst ganzheitlich den Mainstream ansprechen wollen, um so viel Gewinn wie möglich zu erzielen. Dabei spielt es kaum mehr eine Rolle, ob das aus künstlerischer Sicht überhaupt reinpasst - schon so mancher Film hat dadurch ein neues Ende oder ein neues Finale drangetackert bekommen. Und das ist eben nicht mehr passiv, denn die Leute, die den Spaß am Ende finanzieren, haben dabei (oft leider) auch das letzte Wort und sind quasi eine Veto-Macht. Ist auch schon unzählige Male vorgekommen, dass der Führungsriege des jeweiligen Studios nicht gepasst hat, was der Regisseur da fabriziert, und dann der CEO auch mal selbst beherzt in den Schnittraum gegangen ist und den eigentlichen Regisseur ausgesperrt hat. Ich glaub Disney konnte das in früheren Jahren ganz gut.

So als Wechselspiel zwischen Studio, Regie und Fandom funktioniert es aber oft dann doch. Als letzte Kontroll-Instanz habe ich nichts gegen den Studio-Einfluss. Also es ist schon vernünftig, wenn da eingegriffen wird, wenn alles völlig chaotisch läuft und daneben zu gehen droht. Aber es fehlt in der Beziehung an Zurückhaltung und Beachtung künstlerischer Integrität.
Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
- Der Hobbit scheint sich ja recht deutlich zwischen Werktreue, den Erwartungen verschiedener Fandoms und Jacksons eigenen Ideen aufgehangen zu haben.
Hier darf imho aber auch beachtet werden, dass der Fandom überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass Herr der Ringe damals funktionierte und in Folge so ein riesiger Erfolg wurde. Habe darüber auch mal ne sehr interessante Doku auf arte geguckt *g* Peter Jackson ist wirklich zu den Leuten hingegangen und hat sich angehört, was sie zu sagen haben. Und das finde ich schon irgendwie wichtig, gerade bei Umsetzungen von Literatur oder Remakes. Soll nicht heißen, dass man sich dann auch zwangsläufig an solche Wünsche immer halten muss, aber der Regisseur und sein Team können es als Blaupause bzw. Wegweiser verwenden, von dem sie zwar ein Stück weit abweichen können, aber wie weiter oben gesagt nichts machen sollten, was in eine völlig andere Richtung geht. Zumindest nicht, wenn es ein Erfolg werden soll. Sozusagen der Fandom als sinnvolles Werkzeug des Filmemachens. Und bei Marvel klappt das bis jetzt ganz gut.
Aber zurück zu dem Beispiel - jo, da ist dann der frühere Erfolg ein Stück weit zum Verhängnis geworden. Ich mochte beide bisherigen Hobbit Filme sehr gerne, aber bin da auch kein Maßstab weil ich total auf Fantasy stehe und das in diesem Fall ein riesen Tentpole-Event ist. Und inzwischen freue ich mich sogar, dass sie nicht nur einen einzigen Film draus gemacht haben, obwohl das Buch locker in einen hineingepasst hätte und derbe gestreckt werden muss, um eine Trilogie zu füllen. Aber ich sehe auch die Kritik teilweise als sehr berechtigt an. Evangeline Lilly einzubauen geht imho zum Beispiel noch in Ordnung, weil die Filme sonst wie das Buch wirklich zu wenig (nämlich gar keine) weiblichen Figuren hätte, und das wäre für mich eine richtig große Schwäche gewesen. Selbst wenn ihre Elbe bloß frei hinzuerfunden ist. Aber auf Legolas hätte ich andererseits völlig verzichten können, zumal ihm im zweiten Teil so übertrieben viel Screentime zukommt. Das war ein zu großes Zugeständnis an die Fans (sprich kreischende Teenie-Mädchen) und hier hätte ich einen Cameo viel passender und natürlicher empfunden. Auch weil das bei der Spielzeit kaum eine Rolle spielt. Ist ja bei Jacksons exzessiven Ausschweifungen nicht so, als würde der Film ohne Legolas nur noch eine Stunde gehen.
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- Superheldenfilme struggeln auch schon lange mit den Erwartungen ihres Fandoms. Man denke nur an die Fan Rage bei Bei Affleck
Und trotzdem ziehen sie es durch. Was ich in diesem Fall positiv finde. Man muss auch unterscheiden zwischen vernünftigen, gemäßigten und zu Ende gedachten Fandom-Überlegungen und solchen "NOOO!!! WHAT HAVE YOU DONE TO MY FAVORITE HERO??!!!einseinself-Kiddies, die sich im ersten Moment am lautesten melden, aber danach in der Versenkung verschwinden. Gerade was Castings angeht, sollte man immer erstmal abwarten, wenigstens bis zum Trailer. Insofern - gebt Batfleck eine Chance Und auch hier wieder ist das Fandom auch irgendwie nützlich, und sei es nur um auf mögliche Stolpersteine aufmerksam zu machen. Zwar ändern die Leute jetzt wegen so einem Aufschrei nicht die Titelrolle, aber ich finde es schon sehr positiv, dass sich Schauspieler und Regisseur über sowas im Klaren sind. Bei Affleck zielte ja auch viel Kritik auf seine von der Natur her sehr ähnliche Superheldenrolle als Daredevil, und da kann ich die Angst der Fans verstehen. Wenn diese Ansichten aber deutlich genug spürbar sind, erhöhen sie den Druck für die Beteiligten in einem gesunden Ausmaß, spornen an, das Beste zu geben und nicht in die Fallen zu tappen, die von manchen Zuschauern so verhasst sind. Gäbe es nicht die Fans, also wäre es in der öffentlichen Wahrnehmung allen egal, dann würde ich die Gefahr sehen, dass es auch den Schauspielern und Kreativen ein Stück weit zu egal für das Wohl des Werkes sein könnte.
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und obwohl gerade Marvel wahnsinnig erfolgreich ist, merkt man auch hier die Konflikte, die wohl in der Kontroverse um den Mandarin in Iron Man 3 und dem seichten Zurückrudern im aktuellen Kurzfilm ihren derzeitigen Höhepunkt erreicht haben.
Ich fand Iron Man 3 in der Hinsicht aber auch ziemlich blöde. Wenn man da das Potential zur Umsetzung eines ikonischen, legendären Erz-Bösewichtes hat, dann sollte man diesen Weg auch einschlagen und ihn nicht für eine überraschende Gag-Wendung verpulvern (und sich so auch einiges für mögliche Fortsetzungen verbauen). Denn diese Wendung fand ich im Kino zwar äußerst amüsant, einfach dieser krasse WTF?-Moment, aber langfristig und im Nachhinein hat das dem Film für meinen Geschmack eher geschadet. Ich hätte auf jeden Fall lieber den eigentlich "versprochenen" bzw. angeteaserten Showdown mit dem Mandarin gesehen, den ich im Vorfeld erwartet und erhofft hatte, auch einfach weil es den Film größer und epischer gemacht hätte (also ein bisschen was von dem, wovon Amazing Spider-Man 2 grade zu viel zu bekommen scheint). Wenn ich so darüber nachdenke, mochte ich den dritten Teil eigentlich am wenigsten von dieser Reihe, selbst wenn es nur an enttäuschten Erwartungen liegt, und das will bei all der Kritik, die Iron Man 2 von allen Seiten einstecken musste, schon was heißen.
Weiß auch nicht, ob es der richtige Weg ist, dann mit nem Kurzfilm zurückzurudern und das alles wieder zu relativieren. Fühlt sich für mich etwas erzwungen an und schiebt den zugrundeliegenden Film in eine dunklere Ecke (so nach dem Motto "Vergiss das!"). Wenn sie die Entscheidung einmal getroffen haben, und eine Änderung nicht gerade super-plausibel erklären können, dann sollten sie lieber dabei bleiben.
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Joss Whedon als Verfechter der Gegenseite (Zitat aus dem Artikel: "it’s an artist’s job to give audiences what they need, not what they want") dürfte teilweise verantwortlich dafür sein, dass es trotz allem noch klappt.
Hm. Auch wenn er im Grunde recht hat, finde ich Mr. Whedons Zitat insofern irreführend, als das eine das andere ja überhaupt nicht ausschließen muss. Oft genug ist das, was das Publikum will und das, was sie brauchen weitgehend deckungsgleich. Man muss in dem Zusammenhang ja auch bedenken, dass die Zuschauer (oder wenigstens 99,9% davon) sich nicht vorher jedes Handlungsdetail ausmalen und dann enttäuscht sind, wenn es nicht eintritt. Eine der typischen Publikumserwartungen ist doch auch, ein wenig überrascht zu werden mit Dingen, die toll sind, aber mit denen so vorher nicht gerechnet worden ist. Und wie das geschieht, liegt dann alleine in den Händen der Filmemacher. Und Studio-Bosse.
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- Obwohl Serenity im Artikel als Positivbeispiel genannt wird, ist es das für mich eindeutig nicht. Auch hier sind verschiedenste Ideen aufeinander getroffen, die sich nicht immer gut unterstützt haben.
- Und von einer anderen Perspektive aus hatte ich, so sehr ich den Film liebe, auch bei Scott Pilgrim schon das Gefühl, dass man sich zu sehr gewissen Zielgruppen angebiedert hat. Hier bin ich aber unentschieden, weil der Film so wahnsinnig konsequent darin war und im Gesamtbild einfach funktioniert hat (was bei den anderen Beispielen nicht immer so klar ist).
Ich mochte beide der genannten Filme sehr gerne und glaube nicht, dass sie auf eine andere Art noch so gut oder überhaupt funktioniert hätten. Irgendwie ist es nämlich manchmal auch eine mutige Entscheidung der Verantwortlichen, wenn sie eine ganz bestimmte Zielgruppe so sehr ansprechen und darüber hinausgehend nur hoffen können, dass es auch im Mainstream gut ankommt. Nenn es psychisch fragwürdig, aber da fühlt man sich als Einzelperson doch gleich so beachtet Das gilt ganz speziell dann, wenn es die betreffende Art Film davor in der Kombination noch nicht gegeben hat. Serenity war in dieser Hinsicht ja Standard-Sci-Fi mit Western-Einschlag (umso trauriger, dass das kein Erfolg geworden ist ;_; ). Das ist spätestens seit Star Wars populär. Aber ein Film wie Scott Pilgrim, bei dem ich irgendwie das Gefühl hatte, dass mit den unzähligen Videospiele-Bezügen, wohlgemerkt in humorvoll surrealer Weise eingebaut, ganz speziell meine eigene Generation angesprochen wird, das hab ich davor noch nicht erlebt. Zumindest nicht als Film und in dieser Größenordnung.