Legend of the Galactic Heroes [Bis Episode 110 / Ende]
Zeit für meine abschließende Eindrücke zu den Heldensagen vom Kosmosinsel. ^^

Zuerst mal will ich meinen größten Respekt der Tatsache zollen dass das zentrale Thema der Serie der Gegensatz, der Konflikt von Demokratie und Autokratie ist. Mir fällt da kein anderer Anime ein der sich so mit der Thematik befasst und das macht ihn in der Hinsicht bis heute relevant. Letztes Mal sprach ich ja bereits davon das der Ukrainekrieg Teile der Handlung aktueller gemacht hat und der Autokratie - Demokratie Gegensatz ist ebenfalls weiterhin aktuell.
Das ist letztendlich die große Stärke des Animes diese erwachsene Auseinandersetzung (zumindest im Rahmen des Mediums) mit Gesellschaft, Geschichte und Politik.
Man braucht aber auch ein gewisses Interesse an der Thematik. Ein Beispiel wäre, letztes Mal schrieb ich das kein technischer Aspekt des Settings je erklärt wird, dafür wird die Geschichte der Menschheit in mehreren Episoden beleuchtet und auch mal eine halbe Episode verstorbenen Herrschern der Goldenbaum Dynastie gewidmet, was keinerlei Relevanz für die aktuelle Handlung hat. Was Geschichte angeht ist das Setting also deutlich mehr ausgearbeitet, was auch zu meiner Beschreibung als "Soft" Science Fiction passt dessen Unterscheidung ja ursprünglich auch von der Unterscheidung von "soft" Wissenschaften (z.B. Gschichte) und "hard" Wissenschaften (z.B. Physik) stammt.
Ich hab auch so ein wenig das Gefühl die Serie möchte eine Art Geschichtsdokumentation sein, jede Folge wird z.B. datiert vom Erzähler/Kommentator der die einleitenden und abschließenden Worte der meisten Folgen spricht. Das trägt auch zum etwas langatmigen Eindruck ein welche die Serie erweckt. Für 110 Episoden muss man sowieso etwas Geduld mitbringen, aber nach heutigen Gesichtspunkte werde ich das Gefühl nicht los das man die Serie hätte straffen können. Aber der Geschmack ändert sich natürlich auch mit der Zeit.
Zu diesem Geschichtsdokumentations-Anstrich passt auch das etwas anti-klimatische Ende, die Geschichte schert sich auch nicht darum ob Ereignisse am Ende möglichst spannend ausgehen, aber als Story zu Unterhaltungszwecken war ich doch etwas enttäuscht wie schnell die Geschichte zu Ende geführt wurde und das Faktoren welche die gesamte Story mitgestaltet haben am Ende in Windeseile unter den Tisch gekehrt wurden. Hat mich am Ende schon gestört und auch überrascht im Anbetracht der insgesamt langen Laufzeit. Das Finale fällt zwar dadurch nicht völlig flach und kann auch noch Wirkung entfalten, aber das liegt natürlich auch daran das man mit den Charakteren dann schon mehr als 100 Episoden verbracht hat.

Bei den Charakteren möchte ihre bodenständig Art hervorheben. Es gibt natürlich überzeichnete Charaktere (vor allem am Anfang), aber die meisten sind doch rechts realitätsnah mit Stärken und Schwächen. Allen voran natürlich Yang Wenli und Reinhard von Lohengramm. Es ist auch erfrischend mal einem im Durchschnitt so alten Cast zu sehen. Die meisten Charaktere sind über 30 und wenn es mal (eher selten) in Richtung Romantik geht, geht oft eher darum ob sie nicht heiraten sollen. Es gibt nur sehr viele Charaktere und manchmal werden sie auch 50 Episoden später wieder hervorgekramt. AniDB mit der bebilderten Charakterliste war da schon sehr willkommen.

Zu den Kämpfen hatte ich beim letzten Mal ja schon mehr als genug geschrieben. Leider hat sich mein Eindruck in der Hinsicht nicht verändert, im Rückblick betrachtet kommt es mir so vor als hätte man die Linieninfanterie des 18. Jahrhunderts mit ihren Taktiken in den Weltraum verpflanzt. Oft stehen sich Raumschiffe als Blöcke Gegenüber und feuern aus der Distanz aufeinander bis ein Block verliert. Die dreidimensionale Natur des Weltraums wird vielleicht eine Handvoll mal ausgenutzt. Dies ist und bleibt keine Stärke dieser Serie.


Unter dem Strich fand ich die Serie zwar sehenswert würde sie aber nicht uneingeschränkt empfehlen. Man muss schon ein gewisses Interesse an Politik und Geschichte mitbringen, den auf die Geschichte wird oft eingegangen und Politik bildet das Zentrum der Handlung, die Kämpfe sind mehr Mittel zum Zweck. Getragen und aufgelockert wird das das ganze durch guten und großen Cast, aber man braucht durch langatmige Erzählung und die lange Laufzeit einfach Geduld.


Ich persönlich bereue nicht die Serie gesehen zu habe aber ob der gewaltigen Lobeshymnen habe ich mehr erwartet wenn ich ehrlich sein soll. Von den Kämpfen insbesondere hatte ich deutlich mehr erwartet und ich persönlich fand das Setting relativ langweilig, einfach weil mich die detaillierte Geschichtsdarbietung mich weniger mitnehmen konnte als technische Details oder exotischere Möglichkeiten eines Science Fiction Settings (Dune z.B. ist auch Soft Science Fiction, hat aber mit dem Spice, der Gilde u.Ä. trotzdem exotischere Details welche das Setting für mich bereichern.) Aber ich kann das im Rahmen einer Geschichte die sich um Autokratie - Demokratie dreht absolut respektieren. Viel Neues in der Thematik hat es mir nichts zwar nicht geboten, aber die Erinnerung das man sich als Mitglied einer demokratischen Gesellschaft auch für dessen Vorbestand einsetzen muss ist trotzdem gut. Die Vertreter der Demokratie philosophieren zwar des öfteren über solche Themen aber im Ganzen die die Darstellung (wie von einer Geschichtsdokumentation zu erwarten) doch recht neutral (und im Ausgang auch offen), man wird also nicht von der Moralkeule erschlagen. Für mich ist es sicher nicht die Beste Animeserie aller Zeiten, was aber nicht heißt das sie schlecht ist.
Dem Zusatzmaterial Gaiden und Golden Wings etc. werde ich mich erstmal nicht widmen weil sie die Vorgeschichte weiter beleuchten sollen, und ich wahrlich erstmal genug von der Geschichte dieses Universums habe. Die neue Version Die Neue These würde ich aus Neugier mal gerne schauen was dort neben den Designs modernisiert wurde. Aber erstmal nicht direkt im Anschluss.