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Ergebnis 1.961 bis 1.964 von 1964

Thema: now watching / now reading

  1. #1961


    Story
    Die Frau, die sie wie ihre Mutter lieben, ist nicht ihre wirkliche Mutter, und die Kinder, mit denen sie zusammenleben, sind nicht ihre Geschwister. Denn Emma, Norman und Ray wachsen wohlbehütet in einem kleinen Waisenhaus auf. Doch eines Tages endet ihr glücklicher Alltag abrupt, als sie die schockierende Wahrheit über ihr Zuhause erfahren. Welches Schicksal wird die Kinder erwarten…?!

    Yepp genau, diese nichtssagende, seltsame Inhaltsbeschreibung ist einer der Gründe, warum Neverland dann doch unter dem Radar vieler Personen geflogen ist, inklusive mir, denn ich konnte mir darunter überhaupt keinen Plot vorstellen, vor allem mit dem Hinweis, dass das Genre wohl Horror sein soll. Jetzt, da ich die erste Staffel hinter mich gebracht habe, bin ich dankbar für diese vage Inhaltsangabe. Es ist ein typischer Fall von Je weniger man weiß, desto besser. Denn weiß man eigentlich nicht, wo so eine fröhliche Waisenhaus-Geschichte hinführen soll, fällt bereits nach der ersten Episode der Vorhang, und man fragt sich, wie mit dieser Entwicklung noch elf weitere Episoden gefüllt werden sollen.

    Dabei zeigt The Promised Neverland wieder mal, dass man wirklich jede Idee und jedes Konzept, und sei es noch so simpel, in eine hochspannende Serie verwandeln kann, wenn es nur gut durchdacht ist. In großen Teilen handelt es sich bei diesem Anime nämlich schlichtweg um ein ausgedehntes Fangen-Spiel. Das heißt nicht, dass die Action die Spannung und die Dialoge überwiegt, ganz im Gegenteil - Oft habe ich gelesen, dass man TPN die Nachfolgeschaft für große Mindfuck und Hirnschmalz-Anime wie Death Note oder Code Geass attestiert hat. Na ja. Ganz so komplex und vielschichtig ist die Geschichte dann doch nicht, aber sie atmet definitiv den selben Geist wie ihre Vorgänger. Jede Folge ist gefüllt mit Planungen, Gedankenspielen und mentalem Ausmanövrieren seitens der Waisenkinder-Protagonisten, eine Wendung und neue Erkenntnis jagt die Nächste, das Pacing der Serie ist wirklich hervorragend und verliert fast nie an Spannung. Das Ende der ersten Staffel ist kein wirklich Cliffhanger(Haha) sondern bietet einen runden Abschluss des Erzählabschnitts und lässt Spannung und Erwartung aufkommen wie es weitergeht ohne billig zu schocken. Das mit dem Hype mitschwingende Horrorgenre ist vielleicht dezent übertrieben, aber einen in manchen Momente das Blut in den Adern gefrieren lassenden Thriller kann man TPN nennen, muss man sogar. Das ist keine fröhliche Achterbahnfahrt.

    Charaktere
    Die Charaktere sind glaubwürdig, facettenreich und enorm mögenswert geschrieben, der Anime macht es sich zur Aufgabe, dass man von Anfang an nicht nur die drei Hauptcharaktere, sondern möglichst jedes der über 30 Waisenkinder ins Herz schließt, und das gelingt bestens. Das ist auch aus einem bestimmten Grund essentiell, den ich hier aber nicht spoilern werde. Der oder die Antagonisten sind ebenso charismatisch und offen gesagt herrlich bitterböse, respekt-, und angsteinflößend, selten in Anime erlebt man es, dass scheinbar normale Personen mit so wenig Aktion so eine bedrohliche Präsenz ausstrahlen können, hier reichen die kleinsten Blicke und Zwischenstöne in der Stimme, damit man als Zuschauer mit den Kindern zusammen tief schlucken muss. Wiederum andere Antagonisten sind geradezu theatralisch überspitzt und gleich einem Comic Relief ins Lächerliche gezogen, was jedoch nur schmerzlich zu ihrem überbordernden Wahnsinn beiträgt und einen Tim Burton-artigen Beigeschmack hat. Im Manga war das teilweise nicht so, allgemein weicht der Anime in vielen Details von der Vorlage ab, ob das gut oder schlecht ist, da ist man sich uneins. Es gibt in TPN kaum einen Charakter jedenfalls, den man nicht mag. Sogar jene, die uns als nervig oder dumm vorkommen, werden wir später besser verstehen.

    Wenn ich überhaupt eine Kritik anbringen müsste, dann dass wir natürlich im Medium Anime für beinahe jeden Antagonisten eine (Tragische) Hintergrundgeschichte bekommen, und so auch hier. Persönlich hätte ich das nicht unbedingt gebraucht, für mich darf jemand zur Abwechslung auch einfach mal aus Überzeugung oder Niedertracht handeln, aber gut, in diesem Fall trägt es auch zum Plot bei.

    Optik
    Der Zeichenstil der Vorlage ist sehr rustikal und unbekömmlich, was der Gruselatmosphäre und den Schockeffekten dort sehr zuträglich ist, während man hier mit bunter, süßer Quietschoptik in Sicherheit gewogen wird. Ich empfinde den Anime als das optisch DEUTLICH überlegene Medium, denn gerade durch die fluffigen Charakterdesigns kommen die düsteren, entsetzlichen Momente umso stärker duch. Die Schockeffekte wurden meist so oder ähnlich aus dem Manga übernommen, und ziehen die Charakterdesigns vor allem bestimmter Antagonisten ins hoffnungslos Groteske, teilweise fühlt man sich wie in einer Horror-Freakshow. Diese optische Mischung aus Heiter und Düster funktioniert sehr gut. Ansonsten sind die Charakterdesigns wirklich hübsch anzusehen mit ihrem Hybrid aus Anime und Realismus, selbst der böseste Antagonist kann so noch vor Schönheit strahlen, und die in den 12 Episoden immergleiche Umgebung bleibt frisch durch die gute Gestaltung mit satten Farben. Die Effekte sind zeitgemäß. TPN ist sehr wünschenswert anzusehen.

    Sound
    Die Musik ist eine der größten Stärken, der Soundtrack bietet einen tollen Mix aus ruhiger, treibender Spannung, mittelalterlichen Akzenten die dem ganzen ihren Hauch Mystik und Magie verleihen und orchestraler Epik. Definitiv ein OST, den man nicht nur vorbeidudeln hört, sondern den man danach nochmals recherchieren möchte.

    Die Soundeffekte stechen auch positiv heraus, und das ist selten. Wenn bestimmte Dinge zerbrochen werden, gibt das die hässlichsten Geräusche, wenn Schockeffekte eingesetzt werden, dann mit passenden, verstörenden Geräuschen die im Gegensatz zu Hollywoods Gruselstreifen nicht aus einem viel zu lauten Knall bestehen. Die Synchronstimmen sind alle perfekt besetzt, exemplarisch sind die Protagonistin und die Antagonisten. Opening und Ending fallen für mich qualitativ zwar weit ab, aber das ist bei Anime einfach ein generelles Problem.

    Fazit
    The Promised Neverland hat mich wirklich sehr überrascht. Ich habe nichts erwartet, möglicherweise nur etwas Durchschnittliches, und wurde mit etwas Bemerkenswertem beschenkt. Der Anime bleibt im Gedächtnis und hat seinen positiven Ruf durchaus verdient und funktioniert, und das finde ich bei Thrillern grundsätzlich wichtig, für beinahe jeden Erwachsenen Zuschauer, sei es Oliver der Otaku oder Tante Friede von nebenan. Die 12 Episoden sind schnell und kurzweilig inszeniert und schauen sich weg wie nichts, dabei meistern die Cliffhanger Folge um Folge den schmalen Grad zwischen Du willst weitergucken und Ich zwinge dich nicht jetzt unbedingt weitergucken zu wollen. In der Mitte gibt es vielleicht die ein oder andere Länge und am Ende des Tages wird nicht jeder alle Charaktere mögen oder bei den vielen Twists irgendwann aussteigen, aber der Anime leistet sich keine großen Schnitzer, und das ist heutzutage selten genug. Ich bin auf Staffel 2 gespannt.


    8/10 Gabeln für The Promised Neverland

  2. #1962





    Made in Abyss ist der Anime von 2018 - Aus dem Nichts kam der nach Niedlichkeit und bunten Abenteuern riechende Zwölfteiler, der bereits nach den ersten Episoden einen enormen Hype und große Begeisterung auslöste. Made in Abyss wurde, und wirdnachgesagt, es sei eine der besten Serien der letzten Jahre, und in wirklich jedem Department herausragend. Nun ja, so viel kann ich schon mal vorweg nehmen - In meinen Augen ist er weder herausragend, noch eine nennenswerte Serie im Vergleich zu den Medaillen der letzten Jahre, und sicherlich nicht das beste Irgendwas. Made in Abyss ist lange nicht so gut, wie der Hype und die positiven Stimmen es machen wollen, aber das ist ja oft so. Als Apostel der Vernunft will ich also mal aufschlüsseln, warum die Serie zwar kein wirklicher Riesenhit, aber dennoch sehr sehenswert ist. Milde Spoiler sind inkludiert, wobei da in der ersten Staffel nicht allzu viel anfällt.

    Zuerst muss ich erwähnen, dass ich mich sehr lange gesträubt habe, die Serie überhaupt zu gucken. Die gewollt überbordernd-niedliche Optik mit dem diabetes-erregenden Charakterdesign hat mich zusammen mit der leidlich generischen und abgetretenen Handlung dermaßen abgeschreckt, dass
    mein Interesse auch tief im Abgrund lag. Sicher, das ist Berechnung - MiA will seine Zuschauer mit dieser Optik und der Abenteuerstimmung am Anfang einlullen, um später seine Ernsthaftigkeit und sein Edge noch besser ausspielen zu können, aber das hat für mich überhaupt nicht funktioniert, weil die Serie nach ZU viel Friede Freude Eierkuchen wirkt und das auch ausstrahlt. Bei Girls Last Tour, einer ganz hervorragenden Endzeit-Serie, hat das viel besser geklappt, weil die Niedlichkeit der beiden Heldinnen der einzige Kontrast zur trostlosen Welt war. Bei Madoka Magica ging es trotz dem steinzeitlichen Magical Girl-Setting hervorragend auf, weil die Charakterdesigns nicht nur süß, sondern gut aussahen. Na ja, und weil der Plot und die Inszenatorik genial war. Made in Abyss hat keine dieser Stärken, und ruht sich zu sehr auf der Tatsache aus, dass es im Verlaufe seiner 12 Episoden düsterer wird, auf eine Weise, die ich so allerdings auch fast exakt vorhergesehen habe, und die deswegen dem fröhlich-platten Design wenig beiträgt oder dieses rechtfertigt. Der Plot ist vorhersehbar, an nennenswerten Wendungen oder Entwicklungen fehlt es.

    Irgendwann hatte ich aber dann doch mal Zeit, der Serie eine Chance zu geben, denn ich war natürlich auch neugierig, ob es sich nur um einen weiteren, ungerechtfertigten Internethype handelt oder tatsächlich etwas mehr hinter dem steckt, was man sich in zehn Sekunden zusammenreimen kann, wenn eine so niedliche Serie offensichtlich komplexer ist als sie zuerst den Anschein macht. Nun, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

    Hier mein großes Problem mit der Handlung, dem Twist(Ich nenne es jetzt einfach mal so) und dem Hype um Made in Abyss: Der Anime braucht 8-9 Folgen, um sein "Wahres" Gesicht zu enthüllen und mehr zu werden als eine fröhliche Schatzsuche. Acht bis neun Folgen von zwölf. Tut mir leid, aber eine Serie, die mehr als die Hälfte ihrer Episoden benötigt, um ordentlich in Fahrt zu kommen, seine unterliegende Komplexität zu enthüllen und etwas aus seiner Geschichte zu machen ist einfach keine gute Serie, egal wie toll das Folgende ist. Und ich will keinesfalls behaupten, die ersten acht Folgen wären nicht unterhaltsam - Im Gegenteil. Die Serie ist schnell und kurzweilig inszeniert, die Episoden halten sich nicht mit unnötigem Ballast auf, sondern präsentieren kreative Schauplätze und interessante Charaktere auf die ich gleich noch genauer eingehe, im audiovisuellen Bereich glänzt MiA mit seinen flüssigen Animationen und seinem Soundtrack, der das Ganze dann eben doch wieder zu einer deutlich überdurchschnittlichen Erfahrung macht. Aber. Das ist genau das, was das Cover verspricht. Nicht mehr und nicht weniger. Eine leichtherzige Reise ins Tief, mit zwei süßen Kindern und nur theoretisch-bedrohlichen Monstern. Die Serie braucht 3/4 seiner Lauflänge, um eine höhere Erzählebene zu erreichen.

    Diese letzten vier Folgen sind gut. Sie sind wirklich, wirklich gut, denn sie sind emotional, relativ schmutzig und authentisch, dramatisch, ansprechend ernst und vor allem endlich mal für den Zuschauer fesselnd. Ironischerweise weniger wegen den titeldeckenden Protagonisten, die bis zum Schluss blass und uninteressant bleiben, sondern wegen einem späten Nebencharakter. Aber sind diese vier Folgen gut genug, um einen Megahype um eine großartige Serie zu rechtfertigen? Ich würde ganz klar sagen, nein. Für Staffel 2 bleibt zu hoffen, dass die Handlung besser wird, da wir nun ein Heldentrio haben.


    Die Charaktere sind in Made in Abyss durchwachsen. Über große Teile der Serie verfolgen wir das Mädchen und ihren Roboterjungen Reg, zwei unbedarfte, knuddelige Kinder, die recht einfach und eben für Kinder angemessen geschrieben und gestaltet sind, aber wenig Tiefe aufkommen lassen, und ich muss leider gestehen, dass ich nicht wirklich mit ihnen mitgefühlt oder gefiebert habe. Sie waren mir eigentlich egal.
    Die Stärke liegt hier eher in den Nebencharakteren - Ob Riko's ominös-faszinierende, legendäre Mutter(Hach, Mütter in Anime-Serien...), die mächtige, obskure Einsiedlerin Ouzen, oder die wohl bekannteste Figur des ganzen Franchises, Nanachi, alle haben sie einen komplexen Charakter, interessante Dialoge, Ecken und Kanten, im Gegensatz zu den beiden Helden. Im Besonderen will ich da nochmal auf Nanachi eingehen, weil sie und ihre Freundin Mitty es sind, die die letzten vier Folgen tragen. Nanachi repräsentiert zunächst allerdings eine weitere, große Nervigkeit, die Made in Abyss mit sich bringt, und zu der Anime leider immer wieder tendieren: Einen Charakter zu spoilen und in den Fokus zu setzen, der erst am Ende einer Serie überhaupt hinzukommt. Wenn man Made in Abyss eingibt oder irgendwo mitbekommt, sieht man sofort Nanachi. Sie ist gefühlt überall, ist der mit Abstand beliebteste Charakter der Serie(Zu Recht), ist schon im Opening drin und kommt doch erst in Folge 8 oder 9 hinzu. Das war für mich sehr irritierend, weil ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wo das Hasenmädchen bleibt und wie sie wohl in letzter Sekunde doch noch eingeführt wird. Bitte zeigt mir Charaktere erst, wenn sie inhaltlich auch auftauchen...

    Abgesehen davon ist ihre Geschichte und ihre Freundschaft zum Mädchen Mitty das eigentlich Interessante am ganzen Anime und der wirklich verstörende, brustabschnürende Konflikt des Finales. Hier zeigt die Serie ihre Brutalität, ihre Schonungslosigkeit und emotionale Power, so dass etwa die letzte Szene mit Mitty mir jetzt noch die Augen feucht werden lässt. Die Beziehung dieser beiden Mädchen wird nachvollziehbar und gefühlvoll erzählt und bindet den Zuschauer fast schon zwangsweise ein, mitzufiebern. Nanachi selbst hat ein kreatives Design, ihre maaa-Sprachfloskel und Redensweise sprühen über vor Charme, und ihre Vergangenheit so wie Liebe zu Mitty fesselten mich persönlich sehr. Ich denke, dass S2 der Serie von ihrer Anwesenheit im Ensemble sehr profitieren wird.

    Zu den Animationen habe ich bereits gesagt, dass sie recht gut und überdurchschnittlich sind, der Soundtrack verdient aber auch eine Hervorhebung. Wo Made in Abyss in den ersten Folgen inhaltlich schwächelt, glänzt es mit seinem variantenreichen, mal mittelalterlichen, mal futuristischen, zauberhaften Soundtrack, der das Geschehen dramaturgisch deutlich aufwertet. Das Opening ist ein ganz typischer Vertreter der Kategorie "Eigentlich nicht wirklich gut oder besonders, wird aber besser je öfter man es sich ansieht". Hat man es acht oder neun mal gesehen, wird ein unmelodischer, schablonenhaft geschnittener Opener so zu einem catchy Abenteuersong. Außerdem ist es ein Progress-Opening, das sich je nach Handlungsabschnitt der Serie verändert, was eigentlich immer eine coole Idee ist. Das Ending ist vergessenswert.

    Fazit
    Made in Abyss ist eine gute, kurzweilige Serie, die eure Zeit wert ist, wenn ihr unaufgeregte Fantasy-Abenteuer mögt. Es gibt wenig, das die Serie wirklich schlecht oder falsch macht. Und sie hebt sich zweifellos von dem Romance-Comedy-Action-Einheitsbrei ab, der die Anime-Landschaft nach wie vor überflutet. Ich war ordentlich unterhalten und hab mich um meine Zeit nicht betrogen gefühlt. Wer sich aber dazu verleiten lässt, das Wort 'Beste' in einem beliebigen Kontext für Made in Abyss zu verwenden, den kann ich nur belächeln. Die Serie wird ihrem Hype in keinster Weise gerecht und braucht viel, viel, viel zu lange, um seine eigentliche Tiefe (Haha!) zu erreichen. Die Hauptcharaktere sind, wie Kinder nun mal sind, naiv und wenig interessant, die Welt und der Abgrund haben noch viel Potential, und audiovisuell bekommt man sehr wertige, wenn auch vor allem optisch einfach rettungslos-langweilige Chibikost vorgesetzt. Wer hier den Anime des Jahrzehnts erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Ich hingegen habe mich bestätigt gefühlt und finde das auch voll in Ordnung.


    7/10 Maaa's für Made in Abyss



  3. #1963
    Mein Gott, ich hab alle Folgen Aggretsuko bei Netflix durch.
    Was ein super Serie!

    Die Figuren sind so mega überzeichnet aber das ohne altbacken zu wirken. Aggretsuko's Arbeitsalltag aber auch zu geil und Abends kommt dann die DeathMetal Ab-Reaktion in der Karaoke-Bar. Am besten sind die Szenen mit ihrem Pascha-Chef, der dann klein mit Hut wird, wenn er oder der Oberboss irgendwas will.
    Ich kann euch besonders Weihnachtsfolge empfehlen. Die Stelle in der der Weihnachtsmann die Geschenke bringt hat mich stundenlang zum Lachen gebracht ^ ^

  4. #1964



    Während die Hauptserie Attack on Titan sich für mich mit aktuell 25 Bänden als eine der größten Plot-Katastrophen seit Manga-Gedenken herausgestellt und seinen Platz in meinem Herzen so gut wie verloren hat, habe ich auf der kürzlich stattgefundenen Animagic 2019 gebraucht die AoT-Anthologie erstehen können, die mich wegen dem brachialen Cover durchaus reizte. Aber auch wegen der Vorstellung, einmal westliche Comiczeichner die interessanten Wesen von Hajime Isayama interpretieren zu sehen. Letztendlich habe ich das auch nicht bereut, aber ernüchtert war ich insgesamt doch definitiv. Grundsätzlich ist es so, dass ich der westlichen Comicindustrie nicht viel abgewinnen kann. Ganz allgemein, diverse Ausnahmen außer Acht lassend, sind westliche Comics einfach viel hässlicher, rudimentärer und für mich unansprechender gezeichnet als Manga, das zeichnerische Niveau kann sich nicht mal Ansatzweise mit dem Japans vergleichen, und die Geschichten sind in den allermeisten Fällen auch viel platter, weniger komplex oder fantasieloser. MARVEL und DC sind die allerbesten Beispiele dafür, was westliche Comics für mich repräsentieren. Und na ja, die Attack on Titan Anthologie hat leider gerade meine optischen Zweifel ein weiteres Mal bestätigt. Die Sammlung von Kurzgeschichten ist qualitativ extrem durchwachsen, mit klarer Kurve ins Negative. Das Meiste ist pubertäre und nichtssagende Comedy, nur hier und da hat man mal eine Erzählung die zumindest versucht, sich der Ernsthaftigkeit der Vorlage anzunähern. Das zeichnerische Niveau ist allgemein recht niedrig und es fällt mir schwer zu glauben, dass man keine kompetenteren Künstler finden konnte die bereit gewesen wären etwas beizusteuern als, na ja, Leute wie Damion Scott, der hier zusammen mit Sam Humphries und Siegmund Torre den konkurrenzlosen Tiefpunkt der Anthologie abgeliefert haben, der aussieht und sich liest wie das Erstlingswerk einer neunjährigen Animexx-Künstlerin. Bestenfalls. Dann gibt es aber auch ein paar Highlights wie 'Der Himmel über uns' oder 'Fie Fai Foh', die ideenreich und kreativ sind, und mich mehr als nur einmal schlucken ließen. Aber ich werde chronologisch hindurchgehen, um zu jeder Story etwas zu sagen.

    Unter der Oberfläche

    Nicht wirklich eine Geschichte, die abgesehen von dem Twist am Ende irgendetwas mit Attack on Titan zu tun hat, und deswegen recht fehlplatziert in dieser Anthologie. Die Zeichnungen sind allenfalls passabel, und die Handlung ist nicht der Rede wert.

    Das Lachen des Titanen

    Hier konnte ich zunächst auf eine ernste, kleine Anekdote aus dem AoT-Universum hoffen, die Story stellte sich jedoch als Finte heraus, die nicht mehr zu erzählen hatte als einen sehr, sehr unlustigen Witz ohne Pointe. Oder eben viele davon.

    Leben und Sterben lassen

    Nicht besonders ansprechend gezeichnet, aber durchaus ernst und fesselnd, und mit einer sehr interessanten Idee ausgestattet, die es so vorher in AoT nicht gab. Das Ende kommt leider sehr abrupt und lässt einen schulterzuckend zurück, aber hey, bis dahin war es okay.

    Braver Hund Die war gut. Ordentlich gezeichnet, mit sehr atmosphärischen Farben, und bis auf eine pointierte Aussage am Ende ohne Text. Gute, in sich geschlossene Handlung. Das hatte ich mir von dieser Anthologie erhofft.

    Attack on Playtime
    Wie erwähnt ein gedrucktes Verbrechen zum Kopfschütteln. Vollkommen bescheuert, ohne jeden Witz oder Wert, augenblutend gezeichnet, Schund. Schund Schund Schund. Einfach nur Schund.

    Der Himmel über uns

    Mein persönliches Highlight. Die Geschichte zweier liierter Frauen, die versuchen mit einem Fluggerät über die Mauern zu fliehen. Die Idee ist im AoT-Universum nicht gänzlich neu, besticht für mich hier aber mit emotionaler Tiefe, einem bittersüßen Ende, charmanten Zeichnungen und ganz allgemein der richtigen Attack on Titan-Atmosphäre, die fast keine andere Geschichte der Anthologie so eingefangen hat.

    Bahamut

    Also was das genau sein sollte weiß ich auch nicht.
    Eine konfuse Erzählung in abstraktem Zeichenstil, die nicht so wirklich irgendetwas Positives oder Interessantes in sich trägt, die Charaktere sind komisch, die Dialoge wirken seltsam und gestelzt, prätentiös ist wohl das Wort, das diese Story am besten beschreibt. Und obendrein interessiert sie sich auch noch einen Dreck für die Gesetze der Welt Isayamas. Papierkorb.

    Attack on Demon Con
    Die war tatsächlich ganz amüsant, vor allem auch, weil sie kurz genug war um den Witz nicht überzustrapazieren. Solide und süß gezeichnet, mit einem infantilen aber sinnvollen Ende.

    Fie Fai Foh

    Objektiv sicher die mit Abstand stärkste Geschichte des Bandes. Eine ganz eigene Welt, Kultur und Atmosphäre, ein anderes Setting mit eigenen, starken Charakteren, detaillierten und gelungenen Zeichnungen, einem sehr passenden Titanendesign und einer funktionierenden Dramaturgie hin zum tragischen Ende. War gut.

    Labyrinth der Erinnerungen
    Eine wunderbar gezeichnete, und ganz auf ihren emotionalen Impact fokusierte Geschichte, die nicht zu viel will und genau richtig macht, was sie erzählt. Ein durchdachter und unangenehmer Twist am Ende, nachvollziehbare Charaktere, mehr braucht es nicht.

    App Motion Book Preview

    Optisch einprägsame und grunsympathische Charaktere, eine vielversprechende Stimmung und tolle Zeichnungen. Sehr angenehm, nur zu schade, dass das hier nur die Vorschau auf irgendetwas ist, das mir nicht wichtig genug ist, um es auch nur zu googeln. So viel also dazu.

    Die Comedy-Stripes zwischendurch waren derartig furchtbar und humorbefreit, dass ich sie nicht mal mehr separat erwähnen möchte. Was ich hiermit habe. Verdammt.
    Alles in allem würde ich niemandem empfehlen, sich die Anthologie für die ausgeschriebenen 19,99 € zu holen, das grenzt bei dem Inhalt an Betrug. Als Fan der Serie kann man sich das im Regal durchaus hübsche Buch aber mal gebraucht für einen Zehner geben. Das größte Proargument ist tatsächlich noch die Kolumne über die Städte der Welt von Attack on Titan zwischen den Kapiteln, die interessante Hintergrundinfos liefert und sogar einen netten Meta-Twist hat.
    Viel mehr als ein netter Bonus ist es aber nicht.

    5/10 Mauern für Attack on Titan Anthologie

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