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Thema: [ZOOOOOmmxBIES! Staffel 2] Station 6 - Zhanjiang

Baum-Darstellung

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  1. #17
    Obwohl sich Jul sicher war, dass sie einige gehört haben mussten, nahm niemand groß Notiz von ihr. 'Na klasse, dann muss ich wohl alleine losziehen.' Sie begab sich an die Reling und kletterte über's Geländer. Bevor sie runter sprang, dreht sie sich noch einmal um. "Will wirklich niemand mitkommen?" Keine Reaktion. Also sprang sie in den Kanal.

    Das Wasser war kalt, dreckig und stank zum Himmel. Hier durch zu schwimmen, war noch schlimmer, als sie es sich vorgestellt hatte. Der Gestank, mit dem die anderen zurück gekommen waren, war nichts gegen das hier. Zum Glück jedoch war sie eine geübte Schwimmerin und so brauchte sie nur wenige Schwimmzüge bis sie das Westufer erreicht hatte. Sie zog sich an der Böschung hoch und blickte sich vorsichtig um.

    Es war merkwürdig, wieder in einer Stadt zu sein. Camp Hope war schließlich nicht mehr als ein Dorf gewesen. Nur Holz- und Wellblechhütten. Ein improvisiertes Lager. Doch das hier war eine echte Stadt, echte Infrastruktur, von vor der Katastrophe. Hier haben Menschen gewohnt. Und einige taten es wohl immer noch, obwohl das vergangene Jahr hier schon deutlich seine Spuren hinterlassen hatte. Überall waren Rückstände der Kämpfe zu sehen, die hier stattgefunden haben mussten: Blutspritzer an den Wänden, Flecken auf den Straßen, in einem Hauseingang konnte sie einen leblosen Körper ausmachen. Und der Gestank des Kanals setzte sich von Straße zu Straße fort, wenn auch in unterschiedlichen Nuancen.

    'Ob es zu Hause wohl auch so aussieht?' Sie dachte an ihre Eltern und Freunde, die sie zurückgelassen hatte. 'Hoffentlich ergeht es ihnen nicht so wie dieses Menschen hier. Hoffentlich hat die Bundesregierung einen besseren Weg gefunden mit der Katastrophe umzugehen.' Und sie dachte daran, was Fritz ihr von Berlin erzählt hatte, wie stark es die Hauptstadt erwischt hatte. Und sie hoffte inständig, dass - sollten sie es nicht überlebt haben - sie zumindest nicht leiden mussten und sie nicht irgendwo vor sich hin gammelten. 'Wenn wir das hier überstehen sollten, und es tatsächlich ein Heilmittel gibt, dann komme ich nach Hause. Mama, Papa, ich hoffe ihr könnt mir verzeihen. Und du auch, Thomas...' Es war das erste Mal seit langem, dass Juliane an ihren ehemaligen Freund dachte. In einem leeren Hauseingang legte sie eine kurze Pause ein und setzte sich auf die Treppenstufe. Thomas. Man könnte ihn als ihre große Liebe bezeichnen. Wenn man mit gerade einmal 29 schon davon reden konnte. Dennoch vermisste sie ihn. Im Grunde hatte sie ihn die ganze Zeit vermisst, es sich jedoch nicht eingestanden. "Es war richtig gewesen ihn zu verlassen" hatte sie sich immer wieder gesagt. Doch nun, wo sie so ganz alleine in der Fremde war, um sie herum nur das Chaos, da wünschte sie sich nichts mehr als ihn bei sich zu haben. Er hätte sie nie alleine losziehen lassen. Er hätte alles getan, um sie zu beschützen.

    Sie wischte sich die Tränen weg und wollte gerade wieder aufstehen, da blickte sie in den Lauf eines Gewehrs. Sie war so sehr in ihre Gedanken vertieft gewesen, dass sie den Mann gar nicht bemerkt hatte, der aus der neben ihr gelegenen Wohnungstür getreten war. Er rief ihr etwas zu, doch Jul verstand kein Chinesisch, also versuchte sie es mit einem Lächeln und einem leisen "Hi", welches jedoch nicht die gewünschte Wirkung erzielte. Ganz im Gegenteil, der Mann setzte dazu an, sein Gewehr zu entsichern. "Scheiße, nein!" entfuhr es ihr, sprang auf und stürzte sich auf den Mann. Probe auf Kampf - gelungen! Gerade noch rechtzeitig konnte sie das Gewehr in die Höhe reißen, so dass der Schuss in die Luft ging und der Mann für einen Moment zurück taumelte. Mit einem ausladenden Schwung ihres Baseballschlägers sorgte sie schließlich dafür, dass dieser zu Boden ging. "Du wirst jetzt wohl erst Mal für ne Weile Sterne sehen."

    Sie besah sich den Mann. Er war nicht mehr der jüngste, zum Glück, denn sonst hätte sie es vermutlich nicht geschafft schneller als er zu sein. Dennoch hatte er es offensichtlich irgendwie geschafft hier zu überleben. Sie überlegte kurz, ihm sein Gewehr abzunehmen, allerdings würde sie ihm vermutlich dann auch seine letzten Überlebenschancen nehmen. Außerdem hatte Jul bereits ein Gewehr. Ein zweites würde sie nicht tragen können. Sie wollte gerade zurück zur Straße, da fiel ihr Blick auf die offene Wohnungstür. Wollte sie nicht nach Nahrung suchen? Er hatte bestimmt welche. Sie blickte herunter auf ihn. Nein, er bewegte sich nach wie vor nicht. Also konnte sie es kurz wagen.

    Jul schlich in die Wohnung. Leise und vorsichtig, schließlich wusste sie nicht, ob sich hier noch mehr Personen befanden. Aber die Wohnung war leer. Sie ging in die Küche und öffnete die Schränke, bzw. die zwei, die noch heil waren. Selbst in dieser Wohnung sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Ein genaues Ebenbild dessen, was sich schon auf den Straßen abzeichnete. Sie hoffte einige Konserven zu finden, doch leider war alles leer. Ihr Blick fiel auf den Kühlschrank. Sie überlegte kurz. Könnte es sein, das...? Sie machte dir Tür auf, schlug sie jedoch kurz darauf wieder zu. "Bah, ist das ekelig!" Obwohl sie im vergangenen Jahr schon einiges gesehen - und gerochen! - hatte, übertraf das alles. Die Bewohner dieser Wohnung hatten offenbar, nachdem hier der Strom ausgefallen war, die Lebensmittel im Kühlschrank vergessen. Und somit war hier alles vergammelt und verschimmelt. 'Hmpf... anscheinend werde ich hier nicht fündig.' Also durchsuchte sie den Rest der Wohnung. Und obwohl sie nichts essbares finden konnte, entdeckte sie dennoch ein paar Dinge, die sich vielleicht noch als hilfreich erweisen könnten:

    An der Garderobe hing ein Regencape gegen Wind und Unwetter sowie eine kugelischere Weste (Kampf +1 zur freien Verteilung). Davor standen ein Paar perfekte Wanderschuhe (Agilität +2, zur freien Verteilung). Die Schuhe waren noch erstaunlich gut erhalten. Und allem Anschein nach in Juls Größe. Sie sah an sich herunter. Ihre alten Sneakers waren schon ziemlich durchgelaufen und die Sohle löste sich bereits. Also beschloss sie die neuen Treter einfach direkt anzuziehen (Jul behält die Wanderschuhe, Agilität +2 für Jul). Schließlich durchwühlte sie noch eine Schublade der Kommode im Flur und fand eine Karte der Umgebung (+2 Erleichterung auf einen Wurf der Stationsaufgabe, bzw. der Mindestpunkteanzahl, zur freien Verteilung) sowie eine kleine schmale Kette, oder vielmehr ein Armband mit einem Anhänger. Jul wusste nicht, wozu dies nützlich sein könnte, aber aus irgendeinem Reflex heraus steckte sie es ein (chinesischer Glücksbringer der seinem Träger einmalig die Sonderrolle des Supporters erlaubt).

    Jul konnte Geräusche aus dem Hausflur vernehmen. 'Oh oh, der Alte kommt zu sich, nur schnell weg' Bepackt mit ihren Funden rannte sie aus dem Haus und zurück auf die Straße. Sie überlegte, ob sie es noch einem der anderen Häuser versuchen sollte, aber der Blick durch einige Fenster verriet ihr, dass es dort nicht anders aussah als dort wo sie gerade gewesen war. Also rannte sie zurück zum Kanal und schwamm zurück zur Heather, vorsichtig ihre Beute mit einer Hand in die Höhe haltend um sie vor Nässe und Schmutz zu schützen.

    Geändert von Layana (29.09.2013 um 13:23 Uhr)

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