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Young Imperial Combo
Der Plan mit dem Boot war überraschend reibungslos verlaufen. Wieder dieses Wort - reibungslos. Dolores hatte erst nur mitbekommen, wie ein kleines Mädchen und der Russe über den Strand gelaufen waren und hätte vor Schreck beinahe einen Schlag bekommen - wer zum Teufel war auf die Idee gekommen ein Kind als Vorhut diesen Bunker aufbrechen zu lassen? Wenn sie das herausfand, würde die verantwortliche Person bald einen Kopf kürzer sein.
Immerhin hatte diese Shelley mit ihrem Gebrüll dem Russen die Arbeit erleichtert und das Mädchen vor weiterem Schaden bewahrt. Selbst die alte McAldrin war zu etwas gut gewesen und hatte das Ablegen des Schiffes erst möglich gemacht, und niemand war verletzt worden.
Dolores mochte Schiffahrten. Früher hatte sie oft Kreuzfahrten unternommen und Mister Williams regelmäßig angefleht (oder gebeten - Dolores Thomas flehte niemanden an!) sich eine eigene Yacht zu kaufen. Selbst jetzt in dieser Zeit empfand sie die Tatsache, dass sie weit und breit kein Land um sich hatten als Erleichterung. Das Meer hielt die Untoten ab und alles was sich hier auf dem Schiff ereignete würden sie schon in den Griff kriegen. Oder über Bord werfen. Probleme ließen sich auf so einem Boot eigentlich schnell erledigen.
Dolores hatte also beschlossen, sich nach Niki umzusehen und wurde mit einem Haufen neuer Informationen belohnt, die sie erst einordnen musste. Am einfachsten war es erst einmal, sich um Prudence zu kümmern, die natürlich nicht allzu begeistert war und Desinteresse vortäuschte. "Ich hoffe nur, dass dieses Kind nicht infiziert ist. Und was...meine Enkelin angestellt hat, interessiert mich auch nicht." Prudence drehte sich weg - aus der alten Schachtel war wie immer nichts Nützliches herauszubringen - und Dolores zog Niki etwas unwirsch zur Seite. Er zitterte am ganzen Leib und sie konnte es ihm nicht verdenken.
"Beruhige dich.", sagte sie deshalb erst in einem möglichst sanftem Ton. Sie musterte ihn kurz und versuchte noch einmal ihre Gedanken zu ordnen, denn die Sache mit dem Jungen war ungleich schwieriger als die Machenschaften mit den McAldrins. "Wie gesagt, bisher ist nichts mit dir passiert, eine Infektion steht daher gar nicht zur Debatte." Zumindest nicht die, die wir kennen. "Ich werde dich im Auge behalten." Das klang ein wenig forsch und misstrauisch. "Ich meine, ich werde auf dich aufpassen, ja? Wir werden herausfinden, was genau mit dir passiert ist, und bis dahin brauchst du dir keine Sorgen machen. Mit dir ist momentan alles in Ordnung, und falls sich daran etwas ändert bin ich da, um..." Um was? Wäre Niki eine Gefahr für die Gruppe, wusste Dolores genau was sie tun würde. Das, was sie nicht tun hatte können, als Mister Williams sich erst ihre Schwester gegriffen hatte und dann auf sie losgehen wollte. Das, was Ethan sonst für sie getan hatte.
"Bin ich da, um eine Lösung zu finden." Ja, das klang doch gut. Eigentlich glaubte sie sogar selbst daran, dass mit dem Jungen ohnehin nichts geschehen würde, aber man musste immer alle Möglichkeiten im Auge behalten. "Du musst mir aber einen Gefallen tun. Erzähl Shelley Weinberg von deiner Akte. Sie hat ein bisschen ärztliche Erfahrung und es kann ja nicht schaden, wenn sie eingeweiht ist, nicht wahr?"
Niki nickte - oder zitterte er einfach nur immer noch so stark? - als Celina den Raum betrat. Gutes Timing - ihr wollte sie vielleicht auch noch die ein oder andere neueste Erkenntnis berichten. "Nun, es scheint eine lange Reise zu werden. Habt ihr beiden eventuell Lust auf eine Runde Rommee, gegen die Langeweile? Oder etwas anderes? Dieser Wein sieht auch wunderbar aus."
Dolores war die Schublade noch gar nicht aufgefallen, doch jetzt kam sie ihr wie eine Offenbarung vor. "Oh, was für ein netter Vorrat." Zielsicher griff sie nach dem Sherry und lächelte Celina an. "Gegen eine Runde Kartenspielen hätte ich auch nichts."
Geändert von Lynx (29.08.2013 um 07:07 Uhr)
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