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Held
"Enthaltungen bringen niemandem etwas. Sie spielen lediglich dem Feind in die Hände. Ja, ganz recht, die Lumianer sind der Feind und nicht die Bewohner des Dorfes, deshalb hört auf, die falschen Leute zu beschuldigen, oder es zeigt wahrlich, dass ihr dumm seid. Dumm, das richtige zu tun. Ich als Hauptmann habe die Aufgabe, eine Entscheidung zu treffen und Ergebnisse zu erzielen, die dem Dorf hilfreich ist. Auf mir lastet mehr Verantwortung, als auf euch, die ihr nur ein Gasthaus bewirten müsst. Wenn jemand ein Verbrechen begeht, muss ich der erste sein, der zur Stelle ist, um den Täter zu überführen und nichts anderes versuche ich, aber ich kann keinen Erfolg haben, wenn die Dorfbewohner nur stock steif bleiben und sich lieber selbst opfern, anstatt mitzuhelfen, die richtigen Täter zu überführen!"
"Dumm ist es in der Tat, sich selbst zu nominieren. Dumm, aber auch schlau, wenn es sich dann um einen Limianer handelt, denn auf diese Art und Weise würde niemand vermuten, dass er sich schuldig gemacht hätte und könnte solange weitermorden, bis es für den Rest zu spät ist", Ross redete sich langsam in Rage. Er wollte den Dorfbewohnern nur helfen, aber statt Dank schienen einige ihm wohl doch nur Übles zu wollen und zu diesen schien Brunhild ebenfalls zu gehören. "Niemand weiß, welche Versprechen die Lumianer nutzen, um Ahnungslose für ihre Sachen begeistern, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie euch reichlich dafür entlohnen, reich genug, um ein neues zu Hause mit Gold und Juwelen kaufen zu können, vielleicht sogar irgendwo in der Stadt. Ist es nicht so? Weshalb sonst verteidigt ihr euch mit so schalen Ausreden? Eine normale Wirtin würde sich niemals in der Öffendlichkeit darüber beschweren, dass das Haus voller Blut ist, sie würde es einfach wieder weg machen. Hinzu kommt noch, dass es wirklich euer Haus ist, ihr ward da, ihr hättet die Gelegenheit gehabt, den finalen Stoß auszuführen! Ganz genau, ihr habt hier das stärkste Motiv, ihr Brunhild Brauer (Mephista), lehnt euch zu sehr aus dem Fenster heraus, mit euren wüsten Anschuldigungen. Ihr könnt mir ruhig eure Meinung an den Kopf werfen, aber vergesst eines nicht: ihr habt das Feuer entfacht und müsst deshalb rechnen, euch die Finger zu verbrennen."
"Ihr wisst nicht, was der alte Hauptmann getan hätte, denn im Gegensatz zu uns, hatte er das Privileg, kurz vorher zu verscheiden." Dann fügte Ross noch hinzu "Weiterhin sollte man niemandem vertrauen, der behauptet, mit ketzerischen Kartenspielereien die Wahrheit sehen zu wollen.", wobei er zu Lumi blickte
Geändert von R.F. (03.04.2013 um 22:31 Uhr)
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Ritter
Ohne dass Luise darauf geachtet hatte, waren immer mehr Menschen in das Wirtshaus geströmt.
Alle hatten Noels dramatische Rede mit angehört. Peter fragte Luise von der Seite, ob sie etwas über Tyrells Gesundheit wusste.
Doch ehe sie eine Antwort geben oder Stellung zu Noels Verdächtigung beziehen konnte, kam auch schon Brunhild angelaufen, um die alten, besudelten Kleider über Noel auszuwringen. Fassungslos schüttelte Luise den Kopf. Dass Brunhild zu solchen Maßnahmen griff und dann auch noch einen Gast wegschickte, war ein seltener Anblick. Um genau zu sein hatte Luise eine derartige Reaktion von der herzlichen Wirtin noch nie erlebt. Was auch immer Noel getan hatte, es musste ihr wirklich ein Dorn im Auge gewesen sein.
Und schon ging es los. Brunhild sprach ihren Verdacht gegen Ross aus. Lumi machte grinsend einige obszöne Witze über Noels Zustand und schloss sich Brunhilds Nominierung an, wobei sie ihre anscheinend aus den Karten las. Und dann erhob Noel, um nun Ross zu verteidigen - und seine Stimme zurückzunehmen, um Brunhild des Lumianerseins zu beschuldigen. Ross konterte Brunhilds Anschuldigung ebenfalls, indem er ihr selbst seine Stimme gab.
Und die ganze Zeit saß Luise nur still daneben und beobachtete teilnamslos das Geschehen. Es war nicht so, dass sie irgendeinen bestimmten Verdacht hatte. Jeder aus diesem Dorf konnte es sein.
Jeder Dorfbewohner hatte Luise das ein oder andere Mal einen Dienst erwiesen. Jedem hatte sie schon das ein oder andere Mittel gegen Husten oder Kopfschmerzen oder Schlafstörungen empfohlen. Jeder war wichtig. Jeder war etwas Besonderes – ein Teil der Gemeinde. Dennoch musste irgendjemand ein falsches Spiel treiben.
Und jetzt da Maria und Konrad, die beiden Menschen, denen Luise voll und ganz vertraut hatte, verschwunden waren... wer blieb nun übrig?
Noel mochte versichern, dass er nur ihr bestes wollte. Aber die Tatsache blieb, dass er allen anderen gegenüber ein ablehnender, ketzerischer... ihr fiel kein passendes Wort ein... war.
Brunhild war immer eine gutmütige Wirtin, die eigentlich nur ihren Hund - und nun auch Noel - grob behandelte. Sollte sie etwa zu solch grausamen Morden fähig sein? Dazu auch noch in ihrem eigenen Haus?
Viktoria? Die junge Frau war immer still und zurückhaltend. Tat immer wie von ihrer Mutter geheißen. Verbarg sich etwas Dunkles hinter diesem braven Gesicht? Oder konnte womöglich genau dieses Gesicht mörderische Intentionen verbergen? Als Maske dienen, weil niemand sie verdächtigte?
Lumi, das fremde Mädchen mit dem seltsamen Akzent und der alles andere als damenhaften Ausdrucksweise. Die ihre Zukunft aus Karten las. Das machte sie natürlich überaus verdächtig. Aber, ähnlich wie bei Noel, war Luise sicher, dass die Lumianer nichts derart offensichtliches tun würden.
Peter? Der ruhige Bauer, welcher sich immer um seine Familie kümmerte? War seine häufige Abwesenheit ein Zeichen dafür, dass er heimlich ein blutrünstiger Sektenanhänger war?
Andererseits müsste Selbiges auch für Patricia gelten. Die unheimliche, schweigsame Frau in der Rüstung, welche man nur äußerst selten zu Gesicht bekam. Und die definitiv über die Kraft verfügte, einen Menschen zu erstechen und wegzuschleppen. Und auf ihrer roten Rüstung würde man Blutflecken kaum sehen.
Aber, wie Noel gesagt hatte - Tyrell hatte sich während der letzten Tage kaum blicken lassen. Dennoch war Luise sicher, dass er einfach kränkelte. Oder sich nach all dem Auffruhr lieber mit einem Buch zurückgezogen hatte.
Und Ross... Ross war in der Tat verdächtig. Seit er Hauptmann war, gingen die Dinge bergab. Und warum sollten die Lumianer jemanden in seiner Machtposition am Leben lassen, der keiner der Ihrigen war? Womöglich hatten sie seine Exekution aber einfach aufgeschoben - um erst Schwester Maria, mit ihrem friedlichen Einfluss auf die Gemeinde zu beseitigen.
Und dann war da noch...
Luise erhob sich leise. Sie hasste den Gedanken, jetzt vor der Menge zu sprechen. Aber ihr blieb keine Wahl. Brunhild wollte sie nicht anklagen. Sie konnte - wollte - nicht glauben, dass diese mütterlich-fürsorgliche Wirtin eine blutrünstige Ketzerin sein sollte. Genausowenig wollte sie aber Ross nominieren, ohne sicher zu sein. Doch wie die Dinge momentan liefen, würden sich die Erwachsenen weiter zerreißen und am Ende des Tages würden entweder der frischgebackene Hauptmann oder die gutmütige Wirtin baumeln.
Als Luise ihre Stimme erhob, blickten viele verwundert in ihre Richtung. Womöglich lag es daran, dass das Mädchen noch immer sehr ruhig und emotionslos sprach, konträr zu ihrer sonstigen unbedarften Scheu.
"Bitte... haltet einen Moment inne!" Auch der Befehlston passte nicht zu ihr. Es klang fremd aus ihrem Mund. Aber was machte das schon? Luise hatte nach dem heutigen Tage nichts mehr zu verlieren. Vielleicht war dieses Bewusstsein auch der Grund, warum Luises Stimme frei von stottern blieb. Warum ihre Bewegungen steif anstatt zittrig und ihr Gesicht reglos anstatt ängstlich waren. "Gestern haben viele von uns einen Fehler gemacht, indem wir Merete gewählt haben. Viele haben auch sich selbst gewählt. Ich kann das verstehen... ich selbst wollte das zuerst auch tun. Immerhin war gestern auch noch nichts geschehen. Niemand war verletzt, alles was wir hatten war eine seltsamen Drohung. A-aber heute... heute i-ist es anders." Ihre Stimme erstarb und ihre Augen verdunkelten sich. Aber es gelang Luise, die Tränen von Wut und Trauer zurückzuschlagen und fortzufahren:
"Zwei wichtige Menschen haben unser Dorf verlassen. Und ich glaube... nein, ich bin mir sicher, dass die von allen geliebte Maria, zu der jeder tiefes Vertrauen hegte... dass sie genau dieser Zuneigung wegen ermordet wurde. U-und deshalb b-bin ich sicher, dass R-ross in seiner Machtposition und mit seiner Beliebtheit das nächste Opfer bilden wird. F-falls er unschuldig ist...", fügte sie fast unhörbar leise und untypisch bitter hinzu. "A-aber das tut jetzt nichts zur Sache. W-was ich sagen wollte ist, dass nun jedem klar ist, was auf dem Spiel steht."
Mit zittrigen Händen legte Luise die Hand auf das silberne Kreuz um ihren Hals. "Maria mag nicht mehr unter uns weilen... aber jeder spürt den Verlust. U-und ich glaube, dass jedem daran gelegen ist, den Schuldigen zu finden. D-deshalb wird wahrscheinlich jeder U-unschuldige jemanden nominieren." Sie schluckte schwer. Das war der einfachste Teil gewesen. Das Schwere kam nun. "A-ber heute hat jemand trotz allem sich selbst gewählt. Jemand, der g-gestern für einen o-offensichtlichen Sündenbock, nä-nämlich Noel gestimmt hat. D-deshalb glaube ich, dass Rekon (Ocin) ein Lumianer ist, der versucht seine Hände in Unschuld zu waschen und gleichzeitig unsere Fortschritte zu behindern."
Ohne ein weiteres Wort trat Luise zurück. Sie schloss die Augen, legte die Hand auf Marias Kreuz und atmete tief ein und aus.
Bitte! Mach, dass meine Entscheidung die richtige war. Ich will keinen weiteren Unschuldigen seines Lebens berauben...
Geändert von Zitroneneis (03.04.2013 um 18:27 Uhr)
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Legende
Das Wortgefecht ging weiter. Brunhild und Ross beschuldigten sich gegenseitig und Peter wusste nicht, wem er glauben sollte. In seinen Augen waren sie beide unschuldig. Dann kam dieses Zigeunermädchen vorbei und klagte ebenfalls Ross an. Peter kam ins grübeln. Sollte er sich anschließen? Er wollte Ross eigentlich nicht am Galgen sehen, aber es stimmte schon, das Unheil fing mit seiner Amtsübernahme an. Dazu wusste er, dass der junge Holzfäller seine Arbeit aufgeben musste. Vielleicht...?
Peter war kurz davor, seine Anklage auszusprechen, als der Bibliothekar erneut aufsprang, hektisch das Wort ergriff und eine Verteidigungsrede für Ross hielt. Peter verschlug es erneut die Sprache. Was war das denn jetzt für eine Wendung? Zudem nahm Noel seine Stimme für Tyrell zurück und ging stattdessen auf Brunhild los. War das Brunhilds Aktion zuvor verschuldet, oder war er tatsächlich von ihrer Schuld überzeugt?
Peters Kopf dröhnte bei dem Versuch, all dem folgen zu können. Vielleicht hatte er aber auch nur schon ein Bier zuviel getrunken? Er wusste es nicht, woran es lag, aber seltsamerweise machten die Worte Noels für ihn auf einmal Sinn. "I muss eindeutig zu viel getrunken hobn, dass i das jetzt tu, aber: Noel, i glaub dir. Brunhild (Mephista), es tut mir leid, aber i glaub, du könntst tatsächlich was mit diesn Luminern zu tun hobn" brachte er leicht lallend hervor. Verflixt, jetzt hob i's ausgesproche. I hoff, i hob kein Fehler gmacht.
Geändert von Layana (03.04.2013 um 19:53 Uhr)
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Deus
Patricia war gar nicht begeistert. Das noch vor wenigen Tagen so ruhige Dorf war plötzlich bärenbeissig geworden.
Eigentlich war sie in die Taverne gekommen um ordentlich zu futtern, aber gerade keiften sich alle dermaßen an, dass selbst Patricia der Appetit vergang.
Brunhild war angeblich in irgendeine ziemlich miese Sache verwickelt. Das war mies, war die Hirschkuh doch schließlich einer der wichtigsten Gründe für Patricias Verweilen im Dorf.
Der freche Kleiderhaken schien der Hauptankläger zu sein. Wollte sie dem nicht eh noch einen Denkzettel verpassen?
Betrübt starrte sie auf ihren Teller voll Brei, der erst halb leer war.
War es wirklich wahr, was alle sagten?
Sie ging zur Strichliste und hinterließ mit einem schmatzenden Geräusch einen großen... Prankenabdruck. Huh, der ging irgendwie daneben. Versehentlich hatte Patricia das Namensfeld von Ross Fäller getroffen
Geändert von WeTa (03.04.2013 um 20:00 Uhr)
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Ehrengarde
Der Groschen fiel auf ihr Bewusstsein herab wie ein Stein auf die Wasseroberfläche.
Und gleich dem Steine schlug der fallende Grosche Wellen, die sich rasch ausbreiteten und an Größe zunahmen.
Doch sie verdängte die Erkenntnis, dass Konrad wohl für immer aus ihrem Leben weg ist, denn es schien gerade so, als ob sie bald kein Leben mehr haben würde, aus dem er verschwunden war.
So warf sie sich auf den Boden vor ihre Mitdörfler in schierer Todesangst und Panik:
"G-gute Bürger....I-ich f-f-f-flehe Euch an, ihr wollt eine Unschuldige hängen. Ich b-b-biin eine EINFACHE BÜRGERIN, das schwöre ich bei unserem Herren Jesus Christus, bei dem unschuldigen Blute Meretes und Marias, so glaubt mir bitte! Ich weiß, ich b-bin eine Sünderin vor den Augen Gottes, aber nie habe ich mich mit der Todsünde des Mordes beladen!!!
Ich bin eine Bürgerin, eine Bürgerin, eine Bürgerin....."
Immer wieder wiederholte sie die letzten beiden Wörter, einem Mantra gleich.
Geändert von Mephista (03.04.2013 um 20:20 Uhr)
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Legende
"Seid ihr ÜBERGESCHNAPPT?!", rief Tyrell in die Runde, "Das ist völliger Irrsinn! Ihr könnt doch nicht wirklich glauben, dass Brunhild ein Lumianer ist! Wenn dem so wäre, hätte sie mit Leichtigkeit uns alle schon umgebracht! Sie ist die verdammte WIRTIN in unserem Dorf!" Schnaufend trat er in die Runde und versuchte, die Leute noch zu überzeugen. "Absolut fast jeder Dorfbewohner geht hier Essen! Was hält sie davon ab, Gift ins Essen zu tun? Na? Klingelt's? Sie ist nämlich keiner! Wenn ihr ein wenig nachdenken würdet, hättet ihr das alles schon geschnallt!", und sein wütender Blick richtete sich auf Noel, "Aber nein, ihr springt auf den Zug mit auf, den unser werter Herr Zwielichtig hier abfahren lässt. Aber ich sehe schon, dass hier einige einfach genau diesen Weg wählen, damit wir einen Sündenbock haben. Ihr alle, die Brunhild wählt, bleibt in meinem geistigen Auge... obwohl ich natürlich Noel als Auslöser durchaus auch ziemlich verdächtig finde, aber für mich ist der momentan einfach nur ein Schwätzer." Erhitzte Gemüter bildeten sich in der Versammlung. Einige dachten nach, andere wiederum wollten Tyrells Worten kein Gehör schenken, sondern verblieben bei ihrer Meinung.
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1MapC
Der regnerische Samstag ging zu Ende und das Dorf entschloss sich Brunhild (Mephista) hinzurichten. Doch was war ihr wahres Gesicht?
Die Nacht beginnt und endet spätestens Freitag um 12h.
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Ehrengarde
http://www.youtube.com/watch?v=hORxGgbioWc
Ihre Blicke und ihre Tatenlosigkeit verrieten es.
Sie glaubten ihr nicht.
Hielten sie für eine Lügnerin.
Eine Mörderin.
Brunhild, die noch nie in ihrem Leben gelogen hatte.
Für die das Lügen nach dem Töten die größte Sünde war.
Vollkommen die Kontrolle über sich verlierend zuckte ihr Körper bei jedem Schluchzen, als ob sie einen Anfall erleiden würde.
Krampfhaft japste sie nach Atem, doch ihre Lungen wollten sich nicht mit Luft füllen.
Ihr Fleisch konnte die Entscheidung ihres geliebten Dorfes nicht begreifen. Sie waren ihr Ein und Alles gewesen. Ihre Freunde. Ihre Familie. Es gab nur eine Person auf Gottes schönen Erdenrund, die ihr noch wichtiger geworden war. Und diese würde sie nie wieder sehen.
Ihr war, als ob sie Konrads starke Arme wieder um sich spüren würde. Wie heute morgen fühlte sie eine ungeheure Wärme durch sich strömen- heute morgen. Es schien ihr auf einmal, als wären Äonen seither vergangen.
Innerhalb weniger Stunden ist ihr gesamtes Leben langsam aber sicher den Abgrund entgegen geglitten und sie hatte es nicht bemerkt.
Und doch…
Diese unbeschreibliche Wärme ließ Luft in ihre zusammengefallenen Lungen strömen.
Beendete die unkontrollierten Spasmen.
Nahm ihr alle Angst.
Langsam wischte sie sich die Tränen vom Gesicht.
Keiner sollte sie als bekümmerte, vollkommen verzweifelte Brunhild in Erinnerung behalten, sondern so, wie sie immer gelebt hatte: als die herzliche, gutmütige Wirtin.
Langsam erhob sie sich, vollkommen entspannt. Ein mildes Lächeln im Gesicht.
Ihr Blick fiel zuerst auf Noel.
Noch vor wenigen Minuten hatte sie ihm aus lauter Abscheu mit Unrat übersäht.
Das tat ihr bei Gott nicht leid, er hatte es verdient. Doch empfand sie nun seltsamerweise keinerlei Hass mehr für ihn. Nur tiefstes Mitleid.
Vor ihn tretend meinte sie: “Ich habe zwar nicht die geringste Ahnung vom Schachspiel, doch glaube ich, dass Du Deines noch verbessern kannst.“
Ein kurzes Kichern entrang ihrer Kehle. Dann umfasste sie sein Gesicht vorsichtig mit ihren Händen und legte ihre Stirn an die seine:
“Ich wünsche so sehr, dass Du Dich von den Dämonen der Vergangenheit, die Dich so werden ließen, irgendwann befreien und Dein Leben endlich genießen kannst. Wenn ich mich nicht vollkommen in Deine Lauterkeit täusche, dann halte bis zum Ende durch, wie auch immer es kommen mag. Bitte“
Sacht löste sie sich wieder und ging zu Tyrell und wuschelte ihm dankbar für seinen Zuspruch durch’s Haar, ehe sie auf Luminista zusteuerte.
Aus ihrer Schürze holte sie die Schlüssel für die Vorratskammer, die Brauerei und das Wirtshaus hervor und legte sie in ihre kleinen Hände.
“Du hast ein gutes Herz, deswegen sollst Du ein gutes Heim und ausreichend Verpflegung haben, solange Du hier sein möchtest. Bitte sorge besonders dafür, dass gerade Patricia und Tyrell immer ordentlich zu essen haben, du kannst ihnen ja einfach die Kammer öffnen. Wenn Du unser Dorf wieder verlässt, vertraue ich Dir, dass Du redlich entscheiden wirst, was mit dem ganzen Besitz meiner Familie geschehen soll…
Dann ging sie zum Tresen, schenkte dem trunkenen Peter eine Maß nach und holte den Schafsfellüberwurf hervor, den sie sich gleich umtat.
Ein beruhigender Duft nach Kiefern, Muskat und Pferden umfing sie.
Die Wärme in ihr vertausendfachte sich.
Den Regen, der beim Hinausgehen auf sie niederprasselte, bemerkte sie kaum. Das gesamte Dorf strömte aus dem Wirtshaus hin zum Galgen.
Eine Gasse bildete sich für sie, noch nie war ihr je soviel Beachtung zuteil geworden. Welch Ironie, früher hätte einmal alles darum gegeben, doch nun schien es ihr so seltsam unwichtig.
Als sie an Ross Fäller vorbeikam, hielt sie kurz an, blickte ihm geradewegs in die Augen. So als wöllte sie direkt in seine Seele blicken. Doch entgegen der Worte blieb die Herzlichkeit in ihrer Stimme und das Lächeln auf ihren Lippen:
“Wenn Gott Gnade mit dem Dorf hat, wird Dir morgen der Strick um den Hals gelegt und Du und alle die mit Dir dieser Sekte angehören in der Hölle schmoren. Gott schütze Dich.“
Geradezu lächerlich schnell waren die letzten Meter zur Empore mit dem dort aufgebauten Galgen überwundern.
Als sie gerade auf die erste Stufe trat, besann sie sich auf eine der wichtigsten Personen für sie und wand sich um.
Luise stand direkt vor ihr. Behutsam nahm sie das noch erstaunlich trockene Schafsfell von den Schultern und legte es um die ihren. Dann schloss sie das Mädchen fest in die Arme:
“Du gutes Kind, er hätte sicher gewollt, dass ich es Dir gebe. Bitte lass Dich nie vom Bösen verleiten. Wenn mir je eine Tochter vergönnt gewesen wäre, sie hätte exakt Dein Ebenbild in Äußerem wie Innerem sein sollen.“
Widerwillig löste sie sich nach Langem endlich und schritt hinauf zum Galgen.
Des Henkers bester Freund wartete bereits ungeduldig und schnalzte entnervt mit der Zunge, als sie endlich bei ihm war.
“Ist ja schon schade um Dich, Deine Lauchsuppe war ein Traum. Und mit dem Bier hätte man Könige tränken können. Aber, wie heißt es so schön? Nur eine gehängte Frau ist eine gute Fraue, Kehehehehe…“
Der Strick wurde ihr umgelegt.
Ihre weiche Haut aufgerieben.
Aus der Ferne ein sich näherndes Bellen und Knurren.
Erstaunt, aber doch sichtlich erleichtert erblickte Brunhild ihren alten Schäferhund, der über den Dorfplatz gerannt kam, eine klaffende Wunde in der Seite. Ein hinkender Schemen verschwand hinter dem Apothekershaus. Deswegen also der Blick.
Rüdiger preschte durch die Menge, hin zu dem ehemaligen Holzäller und biss ihm kräftig in’s Bein. Seit heute morgen hatte er einige Übung erlangt, was das anging. Dann erblickte er sein Frauchen und sprang ruteschwingend auf die Bühne.
Überschwenglich kraulte und knuddelte sie ihn, soweit es das Seil um ihren Hals zuließ.
“Das es achtzehn Jahre dauern würde, ehe aus Dir ein ordentlicher Wachhund wird…Bitte füttert ihn ordentlich und lasst ihn weiter an meinem Kamin schlafen, dann wird er mich nicht so vermissen.“
Mit einem Fingerzeig gemahnte sie ihren Rüdengreis Platz zu machen.
Dann richtete Brunhild ihren Blick auf einen Punkt, den nur sie sehen konnte und sprach mit leiser, aber doch fester Stimme:
“Mein guter Herrgott, bitte hab Erbarmen mit den guten Bürgern dieses Dorfes. Lass die Sekte nicht weiter morden, schon zuviel unschuldiges Blut wurde vergossen. In diesem Dorf leben die wunderbarsten Deiner Kinder und sie mögen noch ein langes und erfülltes Leben haben.
Ich weiß, dass ich nur eine arme Sünderin bin und nicht würdig bin, in Dein Reich einzukehren, aber bitte gewähre einer Sterbenden ihren letzten Wunsch.
Wache auch über den guten Konrad und hilf ihm, seinen Fluch zu brechen, denn er hat von allen Menschen die Erlösung am meisten verdient. Und bitte lasse ihn wissen, dass ich ihn-„
Sie verlor den Halt unter den Füßen, der Strick brach ihr fast augenblicklich das Genick.
“-liebeee…”
Die Wärme stieg ins Unendliche und nahm sie mit sich fort.
Geändert von Mephista (03.04.2013 um 22:40 Uhr)
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