Entkräftet hatte Noel sich auf seinem Stuhl sinken lassen.
Ob das wieder zu dramatisch gewesen war?
Dramatisch ist gar kein Ausdruck...
Verflucht... dabei wollte ich nur überzeugend sein.
Ich glaube, du hast da noch nicht das richtige Maß an Glaubwürdigkeit rausgefischt...
Noel hatte noch nicht mit Deus zu ende gesprochen, da hörte er Schritte auf sich zukommen, die Augen noch immer geschlossen. Wenig später flüsterte ihm eine Stimme von herber Note ins Ohr.
“Egal, wie qualvoll und schrecklich Deine Vergangenheit auch gewesen sein mag: Es gibt Dir nicht das Recht, die Vergangenheit Anderer mit Füßen zu treten…“
Was nun geschah, hatte wohl selbst Deus nicht erwartet. Brunhild nahm die vom Schmutzwasser durchweichten Sachen und rang sie herzhaft über Noel aus. Es war ein... seltsames Schauspiel, wie der junge, scheinbar schlafende Mann ruhig da saß, während eine Fontäne braunen Wassers sich über sein Haar und Gesicht ergoss und seinen ohnehin nassen Mantel noch mehr zu einem feuchten Stück Leder machte.
“Nach der Abstimmung würde ich mich freuen, wenn Du mein Wirtshaus umgehend verlassen und nie wieder betreten wirst.“
Und damit ging die Wirtin von dannen.
Deus, der jetzt etwas alarmierter vorm Kamin saß und, halb belustigt, halb erschrocken, seinen Avatar anstarrte, war nur einer von vielen, die ihn mit blicken durchbohrten. Es war totenstill im Raum, so eine brutalmächtige Stille, dass es auf den Ohren hämmerte.
Demotiviert bließ Noel eine nasse Strähne aus seinem Gesicht, bevor er seinen schlaffen Körper erneut etwas aufrichtete.
Ich glaube... sie ist sauer, oder? Sie ist wütend auch mich, nicht wahr Deus?
Deus' Gesichtsausdruck wurde mehr und mehr zu einer amüsierten Fratze.
Von diesem Sachverhalt würde ich ausgehen, ja.
Verwirrt blicke Noel zur Tür, durch die Brunhild gerate geschritten war. Wie ein kleines Kind, dass nicht wusste, was er falsch gemacht hatte, sah er auf ddie hölzerne Platte seines Tisches.
Was hab ich ihr denn nur getan...?
Er hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, Brunhild hielt eine Ansprache, sein Verstand musste wieder arbeiten. Schließlich nominierte sie Ross. Als sie geendet hatte, war es Lumi, die zu sprechen begann.
In ihrem üblichen Akzent versuchte sie ihrerseits, eine Sicht der Dinge herzustellen, bevor sie zu ihm kam.
"Ich weiß, dass Entscheidung treffen ist scheiße. Keiner will machen. Noel hier...",
Lumi zeigte auf Noel,
"... will sich selbst umbringen wenn Tyril hier nicht schuldig ist. Jetzt ist er voller Kacke."
. "Ich meine - ha ha - er ist voller Kacke weil Brunhilda findet ihn kacke und hat jetzt ihn vollgemacht mit Kacke..Hach ja... Kacke.
"Tut mir leid wegen Kacke."
Totenstille. Lediglich Noel hatte ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen, als er dem blondgelockten Mädchen zusah. Dieses verflog jedoch schlagartig, als sie Ross nominierte. Sein Blick sank zu Boden und seine Augen zitterten leicht.
Oh verflucht... heißt das etwa, auch sie... Oh bitte nicht.
Die Wortgefechte gingen noch eine ganze Weile weiter. Mittlerweile war das ganze Dorf versammelt, Brunhild und Ross beschuldigten sich gegenseitig, andere Bewohner taten ihre Meinung kund, es war chaotisch. Seine kleine Elfe saß nur teilnahmslos etwas fernab der Runde, das Gesicht in den Händen vergraben.
Schließlich nominierte Ross Brunhild.
Das war sein Zeichen. Jetzt musste er handeln.
Der König kämpfte sich wieder aus der Verankerung heraus.
Er schmiss seine Figuren. Er setzte zum Schach an.
Noch nicht...
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Noel lachte. Er lachte, zunächst leise, laut und über die eintretende Stille hinweg. Alle Blicke wandten sich verwundert ihm zu.
"Sinnlos. Es ist sinnlos. Das ist alles sinnlos."
Schließlich sprang er von seinem Stuhl auf, riss seinen Arm in die Höhe und zeigte wie ein Königsanwalt mit dem Finger auf Brunhild.
"Du verdächtigst Ross der Lumianerschaft?
EINSPRUCH!"
Über die peinliche Stille hinweg wurde Noel klar, dass das schon wieder zu dramatisch war. Egal.
Und jetzt... dreh das Schachbrett um.
"Was Ross angeht... ich möchte hiermit klarstellen, dass er nicht den Lumianern angehört! In diesem Fall ist es nicht meine Intuition sondern Wissen. Es ist ein Fakt, und als solcher ein Beweis!"
Stille. Ruhig lächelnd fuhr Noel fort.
"Woher? Ross ist der Hauptmann. Als solcher weiß er als Einziger von gewissen... Ämtern, die mir bei meinem Eintritt in dieses Dorf gegeben wurden, ohne dass es öffentlich gemacht wurde.
Er weiß von meiner Position, und verteidigt mich genau darum!
Ross ist kein Mensch, der das jemals tun würde, wenn er nicht WISSEN würde, dass ich den seinigen Reihen angehöre!
Das ist ein unwiederlegbarer Fakt!"
Schach.
"Überlegt nun genau, was das bedeutet!"
Wieder wandte sich Noel, die eine Hand im Mantel, die Andere leger herunterbaumelnd, der Wirtin zu. Er war noch immer bedeckt und durchtränkt mit Abortflüssigkeiten, doch es tat seiner Würde keinen Abbruch.
"Ross ist Hauptmann, der mich beschützt. Das könnte er auch als Lumianer, aber warum sollte er mich dann öffentlich schützen?!
Ich bin das perfekte Hängopfer, der einzige Grund, warum ich noch lebe, ist, dass die Lumianer davon ausgingen, ich würde früher oder später baumeln. Wäre Ross böse, hätte er mich nicht als guten Mitstreiter beschützt. Er hätte den Mund gehalten und abgewartet, wie ihr mich aufknüpft!
Das ist Fakt und nicht zu leugnen!"
Und schließlich setzte Noel zum letzten Zug an an:
"Darum, und genau darum, ist die Wahrscheinlichkeit, dass DU" ,
Noel zeigte wie ein Anklagender auf Brunhild,
"Eine Lumianerin bist!
Zwar hatte ich dich beisher nicht im Verdacht... doch die Figuren stehen nun anders. Wenn ich das Schachbrett umdrehe, ist es für euch ein perfekter Zug, nun den Hauptmann auszuschalten! Du bist es, Brunhild. Du bist ohne wenn und aber als Lumianerin enttarnt! Darum ziehe ich die Nominierung deines Mordgenossen Tyrell hiermit zurück, und nominiere offiziel Brunhild(Mephista)!
Schach... Matt. Diesmal endgültig. Der König wird fallen.
Stumm und zufrieden mit sich setzte Noel sich lächelnd zurück auf seinen Stuhl.
Das Spiel war vorbei, nun mussten nur noch die richtigen Figuren gesetzt werden.





