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The Big Guns
Die Augen nur einen Schlitz weit geöffnet wankte Lumi aus der Taverne heraus und sah sich um. Die Straßen wirkten wie leergefegt, während der Dorfplatz sich mit Menschen gefüllt hatte. "Eh, Djángo - was meinst du, ob es noch eine weiteres Zeichen gibt oder so?", nuschelte sie in den nicht vorhandenen Bart. Sie hörte Stimmen, die vom Dorfplatz aus erklangen. Der rothaarige Gesichtstattoo-Typ und das rohaarige Mädchen standen am Rande des Geschehens und sahen sich tief in die Augen, was die verkaterte Lumi nur mit einem "Scheiße Pärchen..." bedachte, als sie an ihnen vorbei trabte. Sie hielt nach Konrad Ausschau, aber er war nirgendwo zu sehen. Ob es ihn auch mittlerweile hingerafft hatte? Schlimme Gedanken mischten isch nun unter die Kopfschmerzen und die Übelkeit. Sie hatte gestern abend nichts getrunken, oder? Da war nur...
Oh, das Wunderpulver, richtig.
"Djángo, hat Mama nicht immer gesagt 'Werd' niemals benebelt von deine eigene Zeug.'? Jetzt ich weiß was sie meint...", sie reib sich etwas Schlafsand aus den Augen. "Scheise, niemals wieder mache ich Totenzeremonie bei Gegenwind..."
Und dann stieg ihr dieser Geruch in die Nase. Ein sehr vertrauter Geruch.
"Halál...", zischte sie. Tod. Sie stapfte mit schwerem Kopf und noch schwereren Augenlidern zur Mitte des Platzes, folgte dem Geruch. Stimmen drangen durch das Geraune der anderen an ihr Ohr.
"Lasst uns anfangen; lieber früher als später, denn es wird nicht mehr lange so ruhig bleiben, fürchte ich."
Horst packte die Füße der toten Nonne und war im Begriff, die Frau aus den Augen des Dorfes zu schaffen. Lumi stand da, bebende Lippen, Augen von einem Moment auf den nächsten weit aufgerissen. "Hallo.", sprach sie in emotionslosen Tonfall und brach damit eine mehrere Sekunden andauernde, peinliche Stille. "Ist... ist sie...?" Keine Antwort. Also ja. "Ich weiß nicht, aber...", sie stockte. "... aber ich werde jetzt zurückgehen. Tschuldige für Störung, frohes Weihnachten, ich geh' 'ne Runde kotzen."
Und genau als sie das letzte Wort ausgesprochen hatte, wurde ihr speiübel. Der Geruch, die unzählig scheinenden Stichwunden, das Blut, Horsts selten dämlicher Gesichtsausdruck - sie stürzte durch die endlos lang erscheinenden Gasse mit all den Bildern im Kopf, übersah mit ihrem schlechten Auge eine halboffene Haustür und nahm die Kante mit ihrer Stirn mit. Vor dem Gasthof angekommen, spürte sie das kaltnasse Wasser in ihrem Nacken als ein Strahl, der aus dem Frühstück des Vortags bestand, aus ihrem Mund entwich, gefolgt von einem unbändigen Hustenanfall. Tränen schossen ihr in die Augen, der unangenehme Geruch des Todes mischte sich mit dem noch unangenehmeren Geruch ihres Erbrochenen. Sie wollte schreien, aber da war einfach nichts was ihr spontan einfiel. Djángo rannte ihr um die Beine, fiepste nervös, kratzte sanft mit seinen Krallen an ihrem Schienbein herum um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Aber nicht einmal der Marder konnte ihr gerade die Laune aufhellen.
"Megölték őt! Ezek a kurvára megölte!" [Die haben sie umgebracht! Die haben sie scheiße nochmal umgebracht!], keuchte sie, Speichel tropfte ihr aus dem Mund, als sie schwer atmend diese Worte immer und immer wieder wiederholte, immer weiter im regennassen Schlamm mit den Füßen einsackte. Und wenn's die Nonne erwischt hatte, dann auch Konrad.
Die Geschichte spielte sich von vorne ab. Alles was vor drei Jahren geschah, geschah nun noch einmal.
Gut, ruhigbleiben, Luminitsa. Du kriegst das hin., dachte sie bei sich. Geh' einfach zurück zum Platz, schau' was du finden kannst. Alles wird gut.
Sie atmete durch die Naser ein, durch den Mund wieder aus, wischte sich zwischendrin mit dem klatschnassen Ärmel ihres Umhangs den Speichel von den Lippen und das Blut von der Stirn, das aus der klaffenden Platzwunde floss, und stapfte durch den Matsch zurück zum Dorfplatz, ein leises "Scheiße." von sich gebend, jetzt wo ihre Kopfschmerzen noch schlimmer geworden waren.
[Sie betrachtet die Hinweise, sieht dass Konrad nicht tot, sondern "nur" verflucht und abgehauen ist und betrachtet die Leiche.]
Sie lief auf und ab, rannte eine sprichwörtliche Kerbe in den Schlamm, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, und tippte sich mit dem Zeigefinger gegen ihr Kinn. Dachte nach. Merkte nicht, wie die Platzwudne wieder anfing zu suppen. Dachte daran, sich vielleicht ein Schwert zuzulegen für alle Fälle. Dachte nach, wem sie ein Schwert klauen könnte. Oder eine Armbrust. Oder eine dieser lauten Teile, die so laut knallen wie das Aufbäumen von tausend Kriegstrommeln. Die Dinger, die die Briten damals "Boomsticks" nannten. Ja, so ein Teil wäre jetzt das Bestmögliche. Aber woher...?
"Nem, nem, nem... [Nein, nein, nein] Ich brauch' kein Waffe. Ich bekämpfe bösen Scheiß ausschließlich mit die Gehirn.", murmelte Lumi und verwarf die Idee mit der Waffe.
Die Nonne war erdolcht worden, direkt ins Herz. Entweder war es jemand, der extremen Groll gegen Gott und die Welt hegte (vor allem Gott), oder sie war ihm nicht göttlich genug.
Aber eine Nonne...? Wer erdolcht eine Nonne?
Einen Priester erdolchen - das war mehr als in Ordnung wenn es nach Lumi ging (weil die meisten Priester Flach••••••• vor dem Herren waren). Aber eine Nonne...
"Wer würde ein Nonne erdolchen? Muss ja selber sein der Analbert vergiftet hat...", sprach die Zigeunerin es halblaut aus, während sie eine weitere Kehrtwende auf dem Absatz machte und dabei Schlamm hochwirbelte, der dem oder anderen Umstehenden wohl an die Klamotten klatschte. Egal.
"Kann nicht sein wie letzter Typ oder?", fragte Lumi in Richtung ihres Beutels. Djángo gab keinen Laut von sich, sondern vergrub sich noch weiter im Inneren der Tasche. "Wenn du damit sagen willst 'Nein.', bin ich deine Meinung." Es würde wohl wieder auf eine Wahl hinauslaufen, wieder würde eienr hängen, wieder würden die Karten sprechen müssen.
Nur vielleicht würde Lumi dieses Mal die Karten zinken, wo sie doch schon eine Ahnung hatte wer es gewesen sein könnte...
Geändert von T.U.F.K.A.S. (31.03.2013 um 14:44 Uhr)
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